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Full text of "Kirchengeschichte Deutschlands"

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'\ 



KIßCHENGESCHICHTE 



DEUTSCHLANDS 



VON 



Dr. albert HAUCK 

[■BOrESSOR IN LEIPZIG 



ZWEITER THEIL 




LEIPZIG 
J. C. HINKICHS'SCHE BUCHHANDLUNG 

1890 



M4Y 3 t?C3 



K, b. Hof- und Unlv.-Bnohdniekar«! reu Fr. Jnoee (Junge & Sobn), ErUngcn. 



MaltsTerzeichnis. 



Seite 
Tiertn lick. 
Die frftnkiBche Kirche als Reichskirche. 

Erstes Kapitel. 
Die Kirche nnter Kjfnig T^ppin 3 

Zveites Kiipitel. 
Kart d. Gr. und die Päpste 67 

Drittes Kapitel. 
Theologie OBd Literatur 116 

Viertes Kapital. 
Karls kirchliches BegimeDt 185 

Fünftes Kapitel. 
Lehrrerhandlaugen 2&0 

■ Sechstes Kapitel. 
AosbreitBQg der Kirche 306 

Siebtes Kapitel. 
Balem and der Südosten 374 



- IV - 

Seite 
FOnnra Barh. 

AnflüsQDg der Keicbskirche. 

Erstes Kapitel. 
Die Erhebung des Papatthums über die weltliclie Macht 435 

Zweites Kapitel. 
Das MÖnclithum 017 

Drittes Kapitel. 
Die literarische Bewegung seit dem Tode Karls d. Gr 555 

Viertes Kapitel. 
HisBionsantemehiDUDgen 6 12 

Flinftea Kapitel. 
Ergebnisse 649 

Beilagen. 

I, Bischofslisten 719 

II. Klösterverzeichois 732 



Viertes Bach. 



Die fränkische Eirclie als ReichsMrche. 



Ilmiirk, KlrcbeafeichlrblG D«uticliianil<. II. 



k 



Krstes Kapitel 

Die Kirche unter König Fippin. 



Nicht immer wird eine Slelle in der Welt leer, wtaa ein 
bedeutender Maon abgerufen wird. 

Als Bonifatiua den Tod eines MissionaTS erlitt, war er nicht 
mehr der leitende Tr&ger der Reform gedanken für die frän- 
kische Kirche. Die ZOgel lagen selinn in einer anderen Hand, 
in den kirchlichen Dingen nicht minder als in den politischen 
war Pippin der Herrscher des Franken reiche . 

Pippin gehört zu den Männern, welchen das Gedächtnis der 
Nachwelt nicht ganz gerecht geworden ist. Dnrcli den glänzen- 
deren Ruhm seines glücklichen Sahneö wurde sein Name etwas 
Terdunkelt. Und doch ist er in der langen Reihe der Nach- 
knmmen Arnulfs von Metz der einzige, der, neben Karl gestellt^ 
ihm als ebenbürtig erscheint. Wir Tergegenwärtigen uns seine 
Persönlichkeit. Gleich seinem Bruder Karlmonn erhielt er die 
erste Hildiing in dem Kloster S. Denis'). .Mncbti) nun auch der 
Doterrichc der Mönche schon sehr frühzeitig dem Leben am Hof 
and im Feldlager Platz, so wirkten doch die ersten Elndrdcke 
bei ihm nicht minder lauge nach als bei seinem Alteren Rruder. 
Die Stihoe Karl Martells waren nicht in demselben Masse wie 
er rein politische Charaktere. In ihren Augen halte das Kirch« 
liehe selbstsl&ndiges Recht. Wir haben bemerkt, dass sie als- 
bald nach dem Tode Karls seine kirchliche Politik verliessen*). 



1) ▼«!. Bd. I S. tT\. 

2) Vgl. Bd. 1 S. 49& ff. 



rM 



- 4 - 

Dabei war Karlmaiio der ttnirende; Pippin folgte dem von ihm 
gegebenen Beispiel. Er thut es mit einer gewissen Selbstständig- 
keit, doch war das Vorbild des ßruders maa*it:ebeiid. Ueherhaupt 
schloss er sich engß na ihn an: Personen, die jenem nahe 
standen, hiult auch er hoch, Massregcln, die Jener begann, führte 
er fort. Sein VerhüUiils zu Bortifaiius ist wie von Karlmana 
ererbt'); die Ausstattung des Üisthiirns Wiirzhiirg erscheint als 
gemeinsames Werk der beiden Brüder. Auf das freigebigste 
halte Karhnann alsbald nach Anlrilt der Ilcrrsehall f(ir das neu- 
gcgrtmdcte Bistbuni geaorgr. Kr ubc-rtrug ihm rUnfuTidzwanzig 
Kirchen im mittleren Deutschland zwischen Rhein und Regnitz 
Neckar und Thliringer Wald, dazu das Marieukloster in Karls- 
burg'). Ausserdem erhielt es Antheil an deu Strafgeldern') und 
Abgaben der ostfränki sehen Gaue') und den Zehnleo von 



1) Vgl. Bd. I S. 4^5 ff. itD(! dM Dnhpil dber den 'l'odten in d«r Ur- 
kunde über die Schenkang UeiniDgens aa l-'iild» lUObmer-MUlilbaoher 88): 
Qneon [eint Kloster) saiictiu Bonifachia novo roustruxit upore, ubi ips« 
praeciusuB mariyr corpore requii-scit. Auch Lioba eohäizte er; v. Llob. 
21 Hab. A. S. m, 2 S. 231. 

2) Urk. Ludwigs d. Vr vom 19. Dev. S22 |'BtJljincr-HuliLb:u<iicr 743). 
Die Kirchen sind: l. die Marienkirclie in WUrzburg; 2. im Woimsgau: 
Marii-ukirt-bc in Nlcretoin, KotuigiuHkIrcbe in lojfeJIieiui , Maitiuekirche in 
Kreu!Enai:h; 3. im Hniogau: PctiTsktrcbe ih Umsiadti 4. im Ncckargsu: 
Usrtiaikirvhc iu LaulTeu, Michael skiroliQ in HeilbiODQ; b. im Uau fVinntart- 
eiba: Mariinthirche in Burcbcim; ß. im Uulaebf^air. MarliDskirche tn der 
Stocbaiuburg (StOkenbiirg bei Scbw.-Uall); 7. loi Taubergaii: MariiDskirctie 
XU Königshoren, Marrinskircbe zu Schwaigern j H. In Katjgaii: Marlinsktrcbe 
in Wiudshcim; 9. im (Jollacligaa: Jobanniskircbe in Ciollbufen; 10. im 
Iffgau: Hartlnskirche io Willandahelm, Iteinigiutkirch« in Domheim, Aadreas- 
kircbe in KircliheiiD, Jubanuiskircbe ia Ipphüfvn; M. iui tiau Vuil<f«M: 
Johanniskircho in Htrlheiin; 12. im Radanachgan: Martinskirche in Gau- 
königsbufen, IteiDigiuskiroko io SuuJvrhofeu; 13. ini Grabfrid: Mattin flicirche 
in Euffild, I^eierskirche in KUnigshofen, Martinükircim in Brvnd, ManlOB- 
klrcbc in Mohivbaiadt; 11. im äalagau; Martinskirche Iti tlamuielburg. 

3) Tn der angeführten Urk.: Necnon et de pagensiam uel lierib'annlB 
perpeiuu par» eocieslao pur tasdcui largitionei poseldeiel. Vgl. Waits, 
V.O. IV, S. 5116. 

4) Urk. Amulfa vom l. Des. 389 {M. B. 38, 2 S. 96): Qualiter ipai 
(Pippin und Karlmann) . . . decimam tribati quae do partibua orieutalium 
frAuchuniui ut'l iu aulauts ail öscum dumioicum annualim persolueri? nole- 
bant, i[iiae SACundum illnrum Itngunm nteora noi osiarstiiopha acicatiir ut do 
illo tribiito siau rcdilii auDia singulis pars di'cinia ad prediccum lociim persol. 
uerelur siue in melle aiue in paltenis aeu in aha qnalibet rcdibilione. 
lieber Oataratuopba ZüptU AkertliEImer dea deacscben K«cbe und H««hla II 




- 5 - 



fechjuodzwanzig Künigshtlfea in Osll'ranken, im Worms- und 
Uaingau'). Pippin fügte ansehnlichen Grundbesitz hinzu'). Du 
OAtfrftDkuche Btstbum wurdeeine der reichateiiSliftangen Deuttch- 
land». 

Aber neben dieser Oleichheit der Auschauungeu und Teu- 
denzeu tritt doch die Verschiedenheit des Temperaments der 
beideu BrUder uberatl hd den Tag 

Die Freude an der Macht, welche dem ganzen Geschlechte 
Arnulfs von Metz eignett;, beeass Fippin in höherem Masse als 
Karlmanu. Während dicker auT soine grosse Stellung in der 
Welt verzichtete, um den Frieden der Seele hinter Klostermauorn 
XU suchen, grifT jener nach dem goldenen Reif: er hat ihn 
aianclies Jahr getragen, ohne dadurch gedruckt zu werden Und 
er wollte uietit nur herrschen; er wollte allein herrschen: die 
oberste Gewalt mit einem Zweiten iheilen, dieser Gedanke war 
ihm uoertriiglich. Wie er seinen Künig entihronte, um selbst 
König 8u aeio, bo versagte er seinem Neffen Drogo den Reichs- 
Iheil, welcher ihm von Rechtswegen gebührte, um allein Herr 
KU sein. Erduldeteden Versuch nicht, Kinlluss auf ihn zu üben: 
als Karlmanu wagte, seinen Weu zu kreuzen, setzte er ihn ge- 
fangen'). Was kiimnierte ibu Recht und Liebe, wenn es die 
Macht galt? Kr schob jeden beiseile, der sich ihm in den Weg 
siollte. Aber dabei vermied er roh gewaJteanies Vorgehen: er 
hat kein Blut vergossen, Sein Zorn (lammte nicht so jah empor 
wie der Karluianns: sowenig er vor durchgreifenden Uassregeln 



(IMO) 9. 6rE: .Stu&phi, Sutuf, lat bo viel vie Becher, und dt«iit dieses Wort, 
die Bcuieh&uog tiatM g^wi«fl«D Uasfl«», sowohl fUr tieirtidc als iüt Go- 
trinkt. El iat daher oiiur Ottantoupba eioe um dl« Otteneit lu ODlrieb- 
leadc KoroKUIt (NaturxIprS*lAtitMi) zu versieben." 

1) tieoaiiat sind in der Klietuproriaz: Kreiisnacb; in Uvsseo: logeU 
bffim. Nieriueio, rioicadt ; In Baden -. Königshofen ; in Unter franken : Albsudt, 
ÜaukÜoipbolcD . SonderbofüD, BerKilieinfeld \?), (jviDliuiiu, Froasetsbeim, 
Kö&igflliufen , Salt, Uan)iselt>urg, Dvltvlbaeli , ßlificbfelü; io HiUolfrankeD : 
Bicdfeld, Botfaeobor (T), tiullbufoo, Biirgberoheim. Ickelboicti. Willandslieiu), 
[pbores; in Ot>«rrranki<n : Haltsladt; in Wilrltt^berff: Heilbrona, Lanffen. 
S. di« 8 4 Anm. 4 aogcf. Urk Arnulfi). 

2> Vgl. die Ä 4 Arno. 3 asgef- tJrk. Ladwif^B: Ut qulcqiiid Knrlomaanus 
ajfe bnnae iDcmoiia» domiiusPippiDUS rex ot retiqai deo timentes booiin«« 
ad fpiaia ecclrsiaai detogtswnl, um in rcbnanmsrchl« acdecimis, necn»a 
et de paf^^oviuai vel beribaanis perpetao pars eccl^siae per easdem 1argi< 
Dones poulderet. 

3} Ann. Kinh.. I^orlse., Alan., Ouelf.. Nazar., z. d. J. 7!>8 und 7&5 ; Vit. 
fiiepb. IL, e. 30. 



zarückwicli, wenn er sie für nothweudig erkaunte, so wi 
wir dnch von keiner Tliat Pippins, welche eich mit dem Blut- 
gericht in Kannatadt vergleichen liesse. Kleine Naturen zeigea 
sich darin, dass sie denjenigen haasen, dem sie Unrecht gethan 
hahen Pippin hat manchem Unrecht gethan; aher er hal nie 
jemand giehassL Was er Ihat, Ihat er ohne Krbiliening. Karl- 
mann blieb für ihn sleta der geliebte Bruder: er bat später 
wiederholt Stiftungen Hlr sich und ihn genieinsam gemacht'). 
Gegner suchte er zu gewinnen, auch wenn er sie vernichten 
konnte. Seine Meinung war, dass jeder zn gewinnen sei, wenn 
man ihm nur Vertrauen beweise, und er vertranle sich selbtti) 
genug, um sein Vertrauen gegen andere nicht ängstlich abwftgc 
XU müssen. Karlmann hatte Gripho in Haft gehalten; er cntlE( 
ihn sofort aus derselben; indem er ihn rurstlich versorgte, bot 
er ihm die Mittel zum Aufstände'). Der ehrgeizige Jüngling 
wähnte in der That den Kampf mit seinem Bruder aurnehmea 
zu können; er wurde leicht besiegt, und dem Ueberwundeneo 
geschah kein Leid. Nun wiederholte sich das gleiche Spiel; 
das Ende war, dass Pippin seinen wieder geschlagenen und ge*^ 
fangenen Bruder mit zwOlf Grarschaflen begabte, wie einen 
Herzog, sagt der Chronist'). Zu versöhnen vermochte er ihn 
auch jetzt nicht»). Das war gewiss nicht Kurzsichtigkeit: e« war 
die Sorglosigkeit eines Mannes , der sich seiner unerschütter- 
lichen Lleberlegenheit bowusst ist, der den Nebenbuhler nicht 
hasst, weil er ihn gering schfitzt. Gerährlichere Gegner, Aislulf 
undTassilo, behandelte Pippin nicht anders. Nichts charaktcrisirt 
die Weise» wie er mit den Menschen umging, besser als seine 
Aussöhnung mic Abt 8turm von Fulda Er hatte ihn, mit Recht 
oder Unrecht, nach Jumiäges verwiesen. Nachdem die Ver- 
bannung einige Zeit gedauert, Hess er ihn an den Hof bringen. 
Dort verweilte der Abt mehrere Tage, ohne vor den Kürsten 
gerufen zn werden. Unerwartet führte der Zufall beide Männer 



1) P. gibt die vilU ExoDH (EssoDoe] lo St. Vextl» xnriick, ut meliua 
deleotet Ipioa munsctiuH |iro nut>is v«l honae mcmoriae germano' uoatTO 
KullotDigso quottiiaiu seu sulisequeot« prog«uie nustra ttic nuctuque Dumioi 
Dtistiricuriliam atleatius deiitt:care (Böhmer-MUlilbacher 101), » schftnkl 
die vilU Aiiluinndiatat ^Ctuatadt) Xo VuUix pru aniniaß nustrae rflinediuni 
vel baoae uiemorine germano aoHtro Carolomaoiio ciuondata (ib. 100). 

21 Ann. Melt. i. J. 747. 

3j Einb. aoD. z. J. 748: .more dueum"; vgl aoo. M«tL a. .T. 743 f- 

4) S. di« ai)g«r. St. und Fredeg. cont. IIB 



iineiu Pippiii wüllie aur Jagd^ seinor (towotintieit nach 
ging er zuvor zur Kapelle, um dort xu beten. ICs war früh am 
Morgen ror Soiineiiaur^ang, Niemand war in der Kapolle an- 
wr«seod als Abt Stiirm. Er hitrte die Tritt« des Nahenden, die 
Latnpe in der Hand ufTnete er ihm dienstbereit die Tbtirc, dana 
schriit er ihm voran zum Altar. Pippin erkannte ihn wolil; doch 
sagte er nichts, bis er sein Gebet rerrtcbtet hatte. Dann wandle 
er Btch zu dem Münch. Ooit hat uns hier zusammengeftihrt, so 
r«dele er iho au; weshalb die MOnche dich verklagten, weiss 
ich Dicht, auch nicht, ob ich Orund zum Zorn gegen dich hatte. 
Sturm uiiterbracli ihn: Ich bin nicht frei von Suiideu. aber gegea 
dich. KOntu;, habe ich kein ünructit gethan, Darauf jeuer: Magst 
du jemals Schlimmes gegen mich im Sinne getrageu oder voll- 
bracht haben, Gott möge es dir alles vergeben; ich verzeihe die 
TOQ ganzem Herzen: du sollst fürderhin in Gunst und Freund- 
icbafi bei mir stebeu. Bei diesen Worten zog er einen Fadea 
aas seinem Mantel utid wurf ihn auf die Erde: eine symbolische 
Handlung, welche in dem an sinnbildliche Rechtsfoniien ge- 
wohnten ^ilullf^r keine Deutung bedürfe: sie sollte bezeugen, 
dass er jeden Argwohn aulgegeben habe*J- Man begreift, dass 
Pippin die Menschen an sich fesselte; er konnte unbedenklich 
wagen, ehemaligen Gegnern einHussrciche Stellen anzuvertrauen. 
Die reiche Abtei Ht. Wandrille gab er alsbald nach Antritt der 
Herrschufl einem von Beinern Vater abgesetzten Gegner seines 
Hauses'). Auch Abt Assner von Prüm gehörte einer Familie 
an, welche die Waffen gt^en die Karolinger getragen hatte']. 
Uit dieser sorglosen, selbstbewussten Art, die Menschen zu 
behandeln, stimmt es wohl Qberein, dass Pippin in seinen Mass* 
regeln sich gerne auTdas im Augenblick Nothwendige beschränkte. 
Niemand war weiter davon entfernt als er, nur prinzipiell richtige 
Lösungen der vorliegenden Schwierigkeiten als zulässig anzu- 
sehen. Dazu war Bonifatius geneigt; es bedrOckte ihn, wenn er 
den Umstunden Zugestandnisse machen musste. Ganz anders 
Pippin: ihm genügten Einrichtungen, welche durchführbar waren 
und den momentanen Kedürfuissen entsprachen, mochten sie 
auch hinter dem weit zurückbleiben, was er an und fdr sich als 
richtig anerkannte. Ho handeile er, wie wir bemerkten, bei der 
Ordnung des Kircheiiguts nnd bei der Wiedereinftlhrung der 



1 ) V. Storo. 18 M. G. Her. II S. :i?4. 

2) Vgl, Bd. 1 S. 371- 

3j Vgl. Ülsaer. J. B. S. t9. 



UetrnpolitanTerfaBSung^). Dies oliaraklerisirt aucli seinä Politik: 
or Ual alle Fragen, wnlche aus der damaligen Weltlage eich er- 
gaben, geordnet, alier keine erledigt; dies gilt von dem Ver- 
hfiltnis 7.11 Rom, eii den Langobarden uud zu Baiern. ^'iemand 
wird die Ursachn in Mangel an Kraft und Energie suchen; denn 
in atleni, v/m Pippin nnlcrnahm, bewie« er Raschbcit des Ent- 
Rchlusses and Nachdruck dcrTliat Man mücbte eher rermutheur 
das-s er sich mit einer Toplftufigen Ulsung zurricden gab, weil 
er an der Möglichkeit einer end^iltif^en xweifclte, und dass ihm 
ein unsicherer friede genügte, weil er dessen sicher war, dus 
er jedem Wandel der Verhahnisse gewachsen sei Ilenrorragend 
scharfsmuigea Männerti pflegeii solche Zweifel und solches Selbst- 
vertrauen eigen zu sein. Und wenu utcbt gel<)st, »o doch für 
die Lösung vorbereitet bat Pippiu jede Frage, die er angriff. 
Karl der Grosse war in viel höherem JUasse Vollender vaterUcher 
(iedauken, als Tippiii. 

Vüllig unklar war in den ersten Jaliren Pippius das Ver- 
hältni« zum PapsttUum. Neue und alte Uedanken machten 
oebeti einander sich gellend, ohne auägegliehen zu sein. Auf der 
einen Seite vertrat Hnnifatius die Ansicht, dass dem Papste die 
anmitlelbare Herrachaft über die Kirche gebühre; wenigstens 
unter dem Episkopate gewann er fiir diese Ueberreugung rasch 
Anhänger'). Auf der anderen Seite konnte die bisherig«* Selbst- 
ständigkeit der fränkischen Landeskirche unmöglich vergessen 
sein Trat f(lr den Klerus ihr Werih hinler dem der engen (So- 
meinscbaft mit der Uesammtkirche zurück, so uiueste doch die 
Laienwelt daran festhaiten. !Nur laugsam konnten die neuen 
Ideen auf sie wirken. Welchen Slandpunkt Pippin einnehm, 
sieht man aus seinem Verkehre mit Papst Zacharias- im Jahre 
746 richtete er «ein erstes Schreiben nach Koni'). Ohne Ver- 
mittelung des Legalen wandte er sich an den Papst; wie einst 
dieMerowingerköuige, so betrachtete auch er sicti als Vertreter 
der fränkischen Landeskirche. Er berichtete über ihren Zustand; 
man erelaunt tlber das gOnstige ürtheil, welches er fällte : ufTenbar 
liess die tVeude über den glucklichen Beginn der Reform ihn 



i) 8. Bd. 1 S. 499; 495 und 520 f. 

2) S. Bd. I S. &24. 

3) CrhollAQ »t nur diu Antwort des Papstes Cod. Carot. 3 S. 18 ff.; 
3UI ihr lässt ficb der Inhalt des verlorcueu äulirelbeus Pippius «DtDehmeu, 
Ua der Bri«f dea Papstes glcichEflitig mit einciu An Bonifatius ){«ricbtctGD, 
vom &. .laouar 747 daiirteo ächreibco ist (iJuniJ'. ep. 63 S. 181 ff.}, so bat 
Plppla Im Jahre 746 nach Rom geachriebea. 



1 



— !l — 



die bereiU erreichten ßrrolge UherachtUzen^). Es folgte eine lange 
ReJhe TOD Fratzen über die vcrschiedenaton kirchliohen Ange- 
legenheiten: üie betreffen da»; kircliliche Recht, wie die kirchliche 
Sitte, bosnndcradic Disziplin unter Klerus tind München^). Pip[>iri 
hiuie keinen Anlaas zu Jenen Miltheilungen und diesen Fragen 
gehabt, wenn er nicht Wertb auf die Geoieinschad mit Rom gelegt 
and wenn er nicht in dem Pa|>8t den Zeugten der kirchlichen 
Ueberlieferang, d. b. des kirchlichen Rechts gesehen hAtte. Aber 
jie Entscheidungen Roms galten ihm dann doch nicht als Normen, 
reiche nicht oder nur mit Zuslimcuuni,' des ?a})Ste8 auMer 



1) Cpd. Carol. 3 S. 18 f.: Uauilemus , . Kädtacente« per rcliitlonen . . . 
li Tesiran omniaia bonam couvet«ittionem et quud io bonis et Deo 
placltU diApoaitiuniba« uuuiiuc« aique coupsratore« «stJB; Jta Dt avcleaUe 
Dei et rcßfrabilift loca per univ«r«aio reAtraiü provinclam siia adi)ue enrum 
prae«nle« sacflidutes et ceÜgiosi abbates, ut coudecet, io simctu babiCii et 
eonrmactUDe 8aci>rtIotali conrerseljs. 

?) Ich fltbru ilis FrxK*^< 3°< ^'^ siv diu fräDkUeben Zuslind« cbarak- 

Iffitreo: 1. (JUAmodo lioooran dt?t>i'Rt nietrnpoIitaniiR «piiicopuR a rhor- 

Eaplaoopls et parocbialibns pi^sbitvrU. 2 De episcopis presbiti'riB et dia- 

eoniboB dampaalia, qDod priMinum officinm uaiirpare non debeaol. 3. De 

ibil«ria •npfn'eDicuiibos. 4 Dv presbiteris iigr'iniui, ijiiaui ub«dieaciam 

snt cxhiliore epi(i<:upia ot presbikria cardioalibua. b. Ue aocillis Dci, 

•i lioeat eaa ad aiissaruui lolemuia am aabbaiu aaocto pubplice teovii^iies 

leger« et ad toiasaa psallert; aut allcbiia vel respODioriuia. 6 De rtdiiia, 

ai poaatDt im propriia habilaoulia siila salvaie aniniMs. 7 De laico pvllente 

lanaiu C(>niii>(eai. 8 Po presbltetia et dtaconibus, qui sc a otlDieteHo aerle- 

Ftlaeiico aubrrahaot et scDrsum Qotlsetaa fnciuni. 9. De cleriL-is et mona' 

cbts nun manentitiua in ita» propoilto. lü. De clericf«. qtii sant In pcochiis, 

, aosaaleriia atqae ntanyriiB. 11. Qui clerici etiam ab iixurtbaa xbstiaere 

ir. it. De bis, qai uiore« ant quae rtroa dlmlttiiDt, nt täa maneant. 

13 UoDacbu«, si clericns facta« fuvrit, quid agi tlebeai. 14. Qncij prvs- 

biti'ri Aut diacnoi, si in ftli<iiio crimine prolaspi fuerint, nnn pnssint per 

m impuailiotie» pt^nitenliue (i-ajirilt«iii c(jnae<|iii Vt. [>« laicia, qui 

MUeleeiaa in auia pruprietaiibua conatruuot. qnia i'paas dcbeat regere ant 

guberoare. 16. De clerkU, qui propiiaa ecleaias retinquuDU 17. Pro 

^«plaeopia, qui alterina elericoa ausccperint 1K. (jai derlei uxnres aortiri 

lebeaDl. )9. Ut auUcia pTt-ebiter aut diacooiia siuo oouiateudallulifl aua- 

etpiator cpiaioHs. '20. De virf'inibua vHatis. ai deviavcrint. '>i. Df non 

Tclaiia virginlbua, a) deviaverlut. 22. De bis, quae daobua fratribua du- 

pseriDi, vel qal duaaaorocea lixores aeccperlnt 23. Da bb, qnl bomicidtam 

ite perpetravenint. '^4. D« hia, qui bnmiohliaa) non sponte perpetra* 

II. 7b. De hia, qu( aituUeras hnbent usores, vel al Ipsl adiilt«ri cod- 

[probatitar 26. De moDachiB et virgioibus propoaiiiiiD oim aervaßtibua. 

De bis, quae non coaete aed voltmtate propria virglniialta propoaUum 

aeeperoDt, quod deliuquant cum nupaeriot. etai nundum fueriet ogoaecratae. 



Aclit gelasseu wei-deu ilurflen, vielmehr bestiuiaite er selbst, wte 
weil man iliueii nachkoininen künne. Iti wiclitigen Puiikleti blieb 
das uiiausgt:fTilirt, was Zucliurias verfügte: er linb z It. in seiner 
Antwort die Notliwendigkeit der Hetropolitanverrussunghervor^); 
das hinderte Pippin nicht, ihre bereits begonnene Wiederein- 
führung fallen zu lassen') Ais er später darauf zurUekgriff, er- 
neuerte er sie in ganx un regelmässiger Weise. Um einen zweiten 
Punkt zu nennen, so forderte der Papst die schroffste Durch- 
führung der kirchlichen Etieverhotc*). Aber es war nicht dnrftn 
zu denken, dass Pippin die BeobaebtunK derselben geboten hfitte*). 

Es ist klar: Pippiii urtheille tlber die Rechte des Papstes 
nicht anders als die fraukischeii Herrscher vor ihm; nur galt 
ihm da« Wort des Papstes mehr, als es jenen gegolten halte. 

Liest man die Antwort des Papstes, so bemerkt man leicht, 
dass er mit der fränkischen Weise, die kirchlichen Dinge zu be- 
handeln, nicht einverstanden war. Er adressirte seinen Brief an 
Pippio, aber angeredet werdfu stets die Bischöfe und nicht der 
FUrst : der Papst wollte keinen MitCelsmatin zwischen sich und 
ihnen. Seinem Briefe felilte ea nicht an rlihmenden Worten Über 
Pippiii; aber er unlerliess nicht, den Unindsatz sehr beslitiitnl 
auszusprechen, dass die Fürsten sich uuf das weltliche Uebiet 
zu beschränken hätten*). Hier tritt der prinsipielle Gegensatz 
der Anschauungen unverhullt an den Tag. Was Pippin als seioe 
Fürslenpflicht betrachtete, erschien dem Papste wie ein Uebergriff. 
Er wagte nicht, denselben schreit üurttckzuwcisen; aber er ver- 
suchte, ihn zu verhindern. Deshalb schrieb er gleichzeitig an 



1) C. 1 S. 20. Zachariaa ßnlnxhm bükRiintllcb dfc AatwoMen auf die 
Fragon PtppJna lieinabo gaDz aui der Gullvclio caDOnuin <le* Ktonyaias 
Exiguus; B. d. Anu. JaiK's. 

2} a. Bd. I S. b-iO f. 

3) 0. 'ii &. 39. Eigene BeelitDitiuii|{ dpa Pxpst««: Noa. gr»c\* divina 
suffrftKSnte, iuxtn pravttffccssortini ei AniecfBAoritm ponlificum dcerelR mnlw 
smpliua coDÜrmantea (tiuiiDO«: ut, dum UHqiiau aesu geueiaciu co|;Doveril< 
iuxlx. rtlniD et noTiDftin ctirislianitatia et religioociD Rom&norum nun copa- 
tentiir coDJugüs. 

4) Pipp. C«pit. 754— :55 o. 1 S. 31. Dew«. Corapend. c. 1—* S. 37. 
Verm. l .S. 4(i. Mau bvacbte , mtt welcher Eutsoliiedruheit Zicharju (je- 
horeani gt'gen seine Kapitel foTiiurt (S. 31). 

&) ä. 19: Prnicipes et seoulitres tioraiDi-s xtqat; bellatores convenit 
curam habere et aolHcttadineia contra Inimioonim astuiiam oL pruvloiiae 
dafensiooem, praujtulibus vera aac«rdutit>U8 adque Dei «ervi« perlioei aala- 
taribns oonsUiia et oracionibua vaoare. 



- 11 — 

Booifatias und beanitrugle ihu, seinen Legaten, dae Schreiben an 
Pippio auf einer Synode zu verlosen, also kirchlich bekannt zu 
macheu'). So sollie die Enldcheidung kirchlicher Fragen den 
Or^aneu der Kirche rorbehalien werden. Auch die römische 
AaschauuQg über den Umfang der päpstlichen Macht brachte 
•r zur Aotsage: Pippio halte einen Rath begehrt, er bezeichnete 
seine CrkibruDgen als llefctile, die nicht überschritten werden 
darfteu'). 

2iacharia8 erreichte seinen Zweck nicht; so viel wir wissen, 

wurde Dicht eioinal der Versuch zu einer öfVentlichen VerkUndi- 

k^og seines Sclireibeiis gemacht'). Einem Herrscher wie Pippiu 

[gegenüber Hess sich eine Erweiterung der papstlichen Gewalt 

iQber die Cr&ukische Kirche nicht unter der Hand erreichen. 

Su verschieden die Vurstellungen über die Grenzen der 
beiderseitigen Uerugnisse waren, von denen man am frtüikischeu 
fBufe und in Rom ausging, su dachte man doch auf beiden Seiteu 
nicht entfernt an Streit. Schritt fflr .Schritt traten die beiden 
Gewalten, welchen die Zukunfl gehörte, sich näher, bis es 
Bchtiesslich zur engsten Verbindung kam. Halte Pippin zunächst 
nur die von Bnnifalius angeknüpften kirchlichen Beziehungen zu 
Rom gepflegt, bo tbat er den zweiten Schritt, indem er fUr die 
EntUiruoung der Mcrowinger die Zustiuimung des Papstes begehrte. 
Dass erden EniscbJiiss fasste, die Hand nach der Krone aus- 
zustrecken, hat auf den ersten Ulick etwas Rüthsolharres. Denn 
er besass das Wesen der königlichen Gewalt; welchen Werth hatte 
dem gegenüber ihr Käme? Doch wer weiss nicht, dass die Herrsch- 
begabten und Herrsch lustigen sich in der Regel an dem rollen 
^Gefühl der Macht nicht weniger erfreuen als an ihrem Besitz? 
Jenes aber hängt an der äusseren Stellung, an dem Flamen. Noch 
andere Beweggründe mögen mitgewirkt haben. Die Herrschart 



1} Bonif. ep. 6S S. 182. 

2) S. 31: Uaec yah'is dtHlimuii id ruuidatU. iil oec dos corim Deo da 
tactlUfBitate iadiceuior nee voa de ii«f;lectu comm eu cD^aaiini reddeie 
raciooeiB, 

3) Ucttberg, K.O. V\» I 8. 379 nrtht-ilt, dir Anltni^ de« Papstes weide 
Boal^ltts aicber vullzu){fii sein. Dia Such« ist mJndestf'ns frnglioli, da 

nicht« dAvon Iiberli«reri ist und «iis dttn HrieffD des BoaiUtius sich uiclils 
^4srtlb«r folgern liüst. Aber such di« Bek»ut]tiiiacbuog durcli Bonlfatiiu 
tonoiCD, so ci hielten di^ püpsl liehen BeatinjiDungen dsdiircb Dicbt 
OvMtxeaknift; dazu würe dk' Bekaontnisdiung durch Pippjn oäibig ^eweaen. 
Dasa sie nietit erfoi|^, ergibt «iah xu» deu AbwcicbuD^o der spKceren 
OcMtigebaoü 



- 12 - 

war in dent Hause Arnulfs von Metz erblich geworden : wir wisseUf 
da$9 gerade Pippin in dem Gedanken au die Zukuuft seines 
Geschlechtes lebte. AU er das Kloster 3. Denis in den Besitz 
einer Menge enllrennieter (SlUer wiederherstellte, erkl&rte er, er 
thue das, damit die MOnche nni so lieber lllr ihn, seine Sühne 
und den Bestand des rränkisehcn Reichs hcten möchten *K Der 
Uestaiid des Itcichs und die Hcrrscliafi seiner Pantilie war fUr 
ihn untrennbar. Ahcr die letztere war iiichl sicher, so lange ein 
König der Kranken (tber dem Herzog tmd Fürst der Franken 
stand Ho lange droht» der Ausbruch eines Xoiitlikls; und wer 
mochte sagen, wie ein solcher enden würde? Denn noch verlieh 
die Krone auch dem schwüchsten Träger einen gewissen Ulanz*). 
Wenn Pippin es unternahm, den hjaherigen Znstand zu ändern, 
50 vermied er doch ein Verfahren, das als Gewaltlhat empfunden 
worden würe. Er rerhandelte offen mit dem Volk*i. Von ihm 
sollte seine Erhchnnj; ausgehen, wie eitist Chlodorechs Wahl zum 
Könige ober das Reich Sigibcrls^). Aber die Vertifthnisse lagen 
anders als damals; denn derTlironwar nicht erledigt und Pippin 
war kein Merowjnger. Das war der l'uukt, an dem bedenken 
und Zweifel entspringen konnten: sie musslen abgeschnilteu 
werden. Durch wen aber konnle das geschehen als durch den 
Träger der höchsten sittlichen Autoritilt. den römischen Itischof?*) 
So kam man zu der Frage an j^actiarias. Sind wir rechl tiber 
sie unterrichtet^ so richtete sie sich durchuuB auf das moralische 
Recht oder unrecht des BiigenbÜckliciieii /^ustAnds: Die Könige 
der Franken besitzen nicht die königliche Macht; ist da« gntoder 
nicht?") Wenn Zacharias urlheilte, es sei nicht gut, wenn er auf 



1) M. G. Dipl. I S. 109 Nr V3. 

2] Die DacirungeiDeiSibeukuagfUrSt. GalleDiKe^aoteduiDDo no«tro 
Teoderico reg« 6ii(>ra Cirnlüm Mnioreni ttoDUiH (Wirt. U.H. I 8. 3 Nr. 3) 
jat in dieaer flinsiclil sehr vielnagenil. 

3) Kr«drg. cont. 117: UnA cum contitio »t conien*ii uiunium PruiconitE). 

4) (lieg. Tur. HiBt. Franc. 11. 4». 

5) Vgl. nd. I S. '.3t. 

61 Ann. I.»iir. mai. x. J. 7-1!): iDtvrroK^ndu dt- rcKlbiis id Ftanoia, 411) 
illia leEnporibiift iiun habeolea r«);aloni (loiestniein, ni hßne fuiosßt »n oon. 
Uebcr BedmikuD gogeu di<t ijeiidiiog 8. Uiiho, Uii;. Z N. F. 9 ü. 336; vg\. 
auohWailz, V.U. III S. &2 Aata. 1. Ute Graandlun wurco niich Ann. Laur. 
I. c. Fulrad vud Sl Üeuis uud Burvbard vun WUrtbnrg. Um Bonifxlius von 
jeder Verwickelung in di« Sache ?.ii pntlasirn, bftftlreiCot rt«>ttbi>ri; I S. 391 
und 11 3 A\b tt. die Bethellldiiing BuroliarJs. Seine tirllnde bat schon 
Wailx a. a, 0. S. 63 Anm. I wenig tlborzfugeod genannt. 



— 13 — 

die Störung der aaturge müssen Ordnung hinwies, die in dei- 
liVachtlosigkoit de« fränkischen Küni^ Is^')« so war aiuge- 
tchloescn, dass die Ordnung dadurch wiederiiergeatellt wurde, 
dms Cliildericli die Niichl xuruckcrhielt, welclie seine Ahnen 
einatmals.beaossen hatten. Denn was bedeutele CUilderich neben 
Pippiu? Es war nur möglich, dass Uiai der Name genommen 
wurde, den er mii Unrecht trug. 

Nur den Werth iiatte das päpstliche ürtbeil Tür Fippiii, das» 
es den Platz Ivir erledigt erklärte, den er einnehmen wollte- 
Die Krone wurde ihm nicht von dem l'apate, sondern von den 
Kranken ilbortrogen. 80 betrachtete man die Sache in der 
nSohsteo Umgetmiig Pippins. [>iR von seinem Oheime Childe- 
brond veraiilasniti Forläciziin^ der Chronik Fredegars lässt ihn 
Dach aller Sitte durch die Wolil aller Franken auf den küuig- 
lichen Thron erhohen werden. Indem die Bischdfe den Ge- 
wühlten saihteo und die Fiirsteo ihm huldigten'), erkannten sie 



1) Aon. Laur. mai. I. o.: Ut noD contgrbaretur oido. 

2} Predeg. codi. 117. Mi^ioo AutTa.^8^ng^ nmerscbeJdet aioh von der 
bttkäiomlicboa (litdurch, duM icb auf die Wahl dareli dM Volk grStseroa 
Gewicht lege, als gewtibnlicb gescbichr. nnd In Kolge deticn der ErklKrong 
dea l'apatw nfsnn^iiif Bvilt'utuog xusobTeil)e, Ui« diei von «inander unab- 
bKogif^D B.iiipri|iiel]en llbfir d^n Vorg.ing tn-traclilen als handoliidos .Subji'kt 
das fränkisi-be Volk. Prrdi'g. cont. 117: Kkctluoe (otioa Franciae in sedem 
regal eoin consecraiinn« episooptproin et Bubtectiiioe princlpum . . . nt anti> 
qaHoa ordo dfpuacit, Bubliinatur in regoo. Ana, Laor. uial. z. J. 760: P> 
a«cuiidcm norem rraacomm cleotuB eai ad regem ... et elfvaiaa a Franoi« 
{■ reguo. Claus, de Fip. cons. iBoaq. V, ä. 9): Per auctoriuteia et In- 
perian . . . Zachariac ... et doctiooem omDiiim fraocborum ... in regoi aolio 
•Dbümatua est. Wie eoiscliiedeD die tLilgemelne Uebeneagung die war, dan 
das Volk stets dl« Krone UbeitriCgt, zeigt hcsondera dt^utlkb Kinb. V. Kar. 
3: troti de« Erbreclita und trotz der vorhrrgogan^neD päp*tllchen SaCbuDg 
Karls nnd Karlmanos sinil i>s dip Fraahen. w«?lchi< facto sotoniuiter geocrali 
eoDveola aicbos sibi ftgvs cunetituunt. Dans bei den geistlichen Bericht- 
«rttatlerb <jie Uiiwitkung dt-n PapHtes wichtigi^r priichi*int als af« war. lat 
Biofai au vemundeni. Iudt>m Zacburiaa mehr aulwitrtete, als er gafrsgt 
wurde (Ado. Laur. luai. a. J. 7-ifM, halii^ rr das n.iihe gnlcf^L 80 erscheint 
1U11& aehiBatb, von dcnt oioo Aozabl wa Quellen wiaa«n ((ieat. abb. Punt. 
14 8. 43; Ann. Ut-lt. t. J. ',bO), Kiitn Befehl geM«igcit (Aon. i.aiir. min. 
u J. 750| rhruQ. H'iiss. S. 292). Dein gegcaUtwr ist es botDcrkeoswcrtb, 
das« wenigstens ein Bericht die WabI durch die Franken allein erwKhnt, 
ohne der pXpatlicbpn Erklärung zu ^«-'dcDki'n (Ann. \aiit. a. J. T&O)- Uaas 
roan in Ki>m nicht rlerMeiiuitix war, die Ueli«rtraguRg ci«>r Krune an [*ippin 
aei eint' Tbat di>B Zacharias, »rgibi sich aas dum Suhwoige» eei&ea Biograjtben. 
Eine B«ulltznng der <Jbrono^r. dea Theoplianes (ed. Bonn. 3. 620), wie bei 



- 14 - 



ihn als recfatmiUBtgen Ktinig an. Gb ist richtig, Aass die Herr- 
schafi Pippins einen anderen Ursprung hatte als das alte König- 
Ihuin der Mernwinger'), aber es ist zweirt^llos, dass man sie 
jenem als gleichartig erscheinen lassen wollte. 

Man kann ülier die Motive, welche Pippin zur Kntthronnng 
seines Königs bewogen, zweirdn ; dagegen sind die Folgen seiner 
Thal durchsichtig. Die Gründung der neuen Üynastic fDhrtc in 
den staatlichen Verhältnissen unzweifelhaft zu einer Konsolidation 
der Zustünde. Vür die- kirchlichen IMnge war wichtig, daas die 
ron Bonifatius angebahnte Verbindung mit dem Papstthum un- 
gemein befestigt wurde. Nachdrüchlicher als durch die an Zacha- 
riae gerichtete tVage konnte es uichl ausgesprochen werden, 
dass das fränkische Volk im Papste den obersten Vertreter des 
moralischen Prinzips auf Erden anerkenne. 

Doch der Gang der Ereignisse führte bald darüber hinaus. 
Bei dem Tlirouwechsel hatte Pippin des Papstes bedurft: wenige 
Jahre später bedurl^o der Papst Pippins. Der Grund lag in den 
Yerhiiltnisseii zu den Langobarden. 

So lange Zacliarias lebte, wurde der Friede, den er ini Be- 
ginn seines Puntifikats hergestellt hatte, aufrecht erhallen. Das 
war das eigenste Verdienst des Papstes. So ort sich Schwierig- 
kiulen erhoben, suchte er die Langobardenkünige persünltch auf, 
und jedesmal gelang es ihm, zu einer VerstUndigiing zu kommen'). 
Er war der rechte Mann fdr Unterhandtungen. Denn war er 
auch kein grosser Mensch, so hat mau doch überall den Eindrack, 
dass er ein Stuck von der politischen Feinheit der Griechen als 
Erbihei) seines griechischen Dlutcs übcrkonimcn hatte. Kr ver- 
stand, im rechten Moment zu fordern und im rechten Moment 
nachzugeben; nie abersah er etwas, das für spflter wertbvoll sein 
konnte. In seinem persönlichen Auftreten war er zugleich ge- 
winnend und imponirend'}; nie leidenschaftlich, steUilerr seiner 
selbst, wusste er auch die Ablehnung eines Wuusches zu ertragen, 
ohne dass er sich von dem Verweigernden zurückzog. Er gab 
niemand verloren, zeigte gegen niemand Abneigung, war schwer 



V. Ranke. Wclt^esch. Y, 2 9. ?4, Rcbeint mtr untbiinllcb; der Natur der 
Sach« nach lesfn wir hier nur Rffl«xionen eines l''erti steh enden . — Dms 
die Tbronbeeteigung Pippin» in tll« erste Rälflc des November 751 füllt, 
b.it Sickel geseigt (Forsch. IV, 439 tt.); vffl auoh Mbfalbncber, DeiitMhe 
Geacb. iintpr «Jen Karol, S. 56, 

1) Wait». V.G. UI S. 6.'( y. lUnke, W.G, V, 2 3. 22. 

2) Vit. Zaoh, 6 ff.; H; 23. 

3) L. c. 10. 



- 16 - 

so einiMTi zoroigen Worte hinaureissca'}, VorwArfe beantwortete 
er mit der Mieoe der gekränkten Unschuld, kein Wander, dass 
seine Umgeliuiig ihn als äusecrst sanit uad liebenswQrdig hneh- 
scfaülzte. Aber dicker biegaamc Mai)n verstand es, :^u herrschen; 
er wu88te klar, was er wollte. Dass er gerne persönlich unter- 
L^aodelie, zei^t, wie sehr er sich dessen hewusst war, dass er 
'die meisten Menschen übersah; er liess es niemandem empflnden. 
Um so leichter mnsste es ihm werden, die Manschen nach seinem 
Willen zu lenken - 

Ueber die Langobarden herrschte seit Liutpranrls Tode ') 
Küuig Ratchis. Er war an politischem Geschicke Zacharias 
Liteioeswegs gewachsen; die Zeitgenossen rühmen ihn als einen 
^topferen, waflengewandten Mann*); die Modernen erkennen an, 
dftM er, für den Werth der Bildung empfänglich, die geistigen 
Interessen in seinem Reiche förderte*); dazu gedenkt Paulus 
Diakonus seiner Gutber/igkeit^l: lauter Bigenschalteo, die einem 
Prtvatoiatiu zur Zierde gereicht halten. Aber Weicbbeil des 
lemtlths war nicht die Kij^en schall, welche Tür den Inhalier eines 
^schwankenden Thrones iiesondcrs passend gewesen würe. Ratchis 
fllarb denn auch nicht als KCinig, sondern als Mönch. Mit Ge- 
mahlin und Kindern legte er im Jahrs 749 vor Zacharias die 
[^Klostergelnbde ab"). 

£rbe der Krone war sein jüngerer Bruder Aistulf. Er war 
iu Mann aus ganz amlerem StofT. Ks lag etwas Hefligea, RUok- 
■icfalsloses in seinem Aul'truteu; kaum konnte er seine I«eidea- 
schafrtichkeit bemeistern : man htirte ihn mit den Zähnen knir- 
schen , wenn ihn etwas erregle'). Fur Rom war er ein weit 
uabequooicrer Nachbar als sein sanfter Bruder. Denn er kehrte 
SU dem Gedanken zurück, dieGriechen rjillig aua Italien zu ver* 
dr&ngeo und die laogobardische Macht durch die Eroberung der 
Gebiete abzurunden, welche bisher die Herrschaft des Kaisers 
anerkannten. Zunächst in Betracht kamen Rom und Ravenna; 
von den Römern forderte Aistulf eine jahrliche Kopfsteuer, also 



1) L. c. 1. 

2) Er aiarb Im Jan. 744. Bethmaan and Uolder-Kgger, Lsngob. Regest. 
H. Arch. III 8. 264. L'etier sein VerliSIlnis en Rom s. Bd. I ft. 465 f. 

3) PaDl. Piao. U. Uni;. VI. 2Ö; 52; 5G. 

4) Oelsoer, J.B. S. IU. 

ü) L. c VI, 56- Pierate aolita. 

6) Vit. ZaetL 33. 

7) Vit. Stepb. IU 32. 



- 16 - 

(Itfj Anerkennung seiner Obertiobeit; Kaveana und das umliegende 
G^iet vereinigte er geradezu mit seioem üeicbeM. 

Vielleicht (tass es der Klugheit des Zacharias gelungen wKre, 
sich tnil ihm zu verdtüiidigen; alleio kurz nach seiner Thron- 
besteigung starb der Papst'). Sein Naohrolger, Stephan II., war 
ihm in allen SlUcken untthnlich: er war derber, um nicht ku 
sagen plumpc-r. In seinem Auflrelcn wie in seinen Anschauungen 
hatte er etwas Volksthumliciieü: es kam wohl vor, dass der Papst 
wie irgend ein Mönch harfuss, Asche auf dem Haupte, in einer 
Prozessiun ein Christuatiild trug'); unhedcnklich wiederholte er 
die volkstliilmlich abei-gl&uliisclien Vorstellungen von der Uacht 
der Heiligen*). Wen» auch das Papstbuch die stete Festigkeit 
riihinl, mit der er die kirchliche Tradition aul'recht erhielt^i, so 
war er doch alles eher als ein Theolog; es konnte ihm begegnen, 
dass er eine alttestamenlliche Stelle als paiitinisch citirte*[, oder 
Bibelworle anrührte, die in der Uibel nicht steheu'). i)je Briefe, 
die wir ron ihm und seinem Vorganger besitzen, sind fUr beide 
buchst bezeichnend. Nntitrlicli tragen sie den Stempel ihrer Zeit 
und den gemeiusamcu Ton, der geistlichen Sclirin&tückun ein- 
mal eigen ist; im Uebrigen sind sie weit verschiedwi. Zacliartas 
ist stets voll Würde und Salbung, immer erbaulicli. aber nie 
eigentlich beredt. In den Briefen blephans fühlt man ein rascher 
pnlsirendes Blut. Preude und Furcht erregten ihn lebhafter; 
er spricht stets eifrig, dringend; es begegnet ihm leiclit, dass er 
deklamirt; bei seinen ^Schilderungen wUhlt er die grellsten Farben : 
man hat den Eindruck, dass er nicht spricht, sondern schreit. 
Wenn ihm eine Tlmt gefiel, fragte er nicht viel darnach, ob sie 
nach dein Uuchitaben dos Gesetzes zulässig war. Zacharias 
würde es nie als etwas Löbliches angeführt haben, dass ein 
fränkischer Abt ihütig in den Kampf eingriff: Stephan hatte 



1) L. c. 6; i&. 

2) A Ist ulf bestieg Im Sonini«r 749 den ThruD (Bethmano nnil Holdcr- 
EfCger, Lang. K«-«. N. Aroti, III 8, '^(2) Zactiarian Biarh 15. Mära 702. 
Sein niJolifller Nachfolger, ein Presliyter StPphaii, Htarb vier Tage oaeh 
seiner Wxlil Je oacbtteni mau ihn xühlt oder nielic, wird der oeu ge- 
wählte Stephan als II. oder III. bezeichoet 

3) V, St»ph. II.. II. 

i) Cod. Carol. 5 S. 33: Ab ipso prlnelpo apostolornm veatra dfuittantur 
pcccat». 

&) L. c. 3. 

6> Cod. Carol. 6 S. 36 ; Pred. Sa1 5. i. 

7l L> e. fi S. T).^: Qui ulvat. lainquam qiii pdifioat. 




- 17 — 

eine Freude an dem mulhigen Mönch und rOtimtc ihn wieder- 
holt'). Das Bizarre vermied er nicht, wenn es nur eindrucksvoll 
war; so befiele er den von Aistuir gebrochenen Friedensvertrag 
KU „da« anbei uDgHwürdige Kreuz uuseres Golles"'). Um seinen 
Mahnungen Gewicht bu gebeu, legte er sie dem ApostelfUrsteo 
selbst in den Muml und licss diesen einen langen Brief ao die 
('ranken richten'). Seine persünhcbe Würde galt ihm nicht sn 
viel ala Zacharias: e» kam ihm aur einen Kussrall nicht an, wenn 
er iein Ziel dadurch erreichte*). 

Ein solcher Muon war wenig geeignet, die von Zacharias 
konseqaent TestgehalLene Politik rortzufllhren. So war denn auch, 
was Stephan wollte und rrreiclite, durchaus verschieden von den 
Zielen seines Vor^^iingers. Diesem war ca durch kluges Laviren 
^elungen^ Verhältnisse, die an und fUr sich unhaltbar waren, noch 
ein Jahrrelint aufrecht zu erhalten. .Stephan war dazu nicht iiir 
Stande; es fehlte ilitn an der Geduld und Ruhe, die nüLliig ge- 
wesen wären. Aber mit gesundem Instinkt ergriff er die rechte 
Hassregel, um neue Zust&ode zu schafTon, und mit rascher Eint-, 
tcblflsseubeit thal er einen Bcliritt, der in Rom unerhört war,' 
der aber zum Ziele führte. 

Kr und Aistulf wareo Nachbarn, welche nicht In Krieden 
leben koooten; vollends bedenklich wurde die Lage dadurch, 
(iass der griechische Kaiser mit seineu AusprUchen wieder her- 
vortrat und den Papst zur Vertretung derselben benutzte^). In 
<Ue«er Verwirrung kam Stephan aul den Gedanken zurUck,. 
den vor vierzelin .lahrcn Gregor 111. gehabt hatte, der aber 
an Karl Marteüs Abnei^^nng ^egen einen Bruch nnl den Lango-^ 
barden gescheitert war*): er forderte das Eingreifen der Fran- 
ken zu Gunsten des Papstes. Kr war nach allen Seicen hin su 
gebunden, dass er das nicht frei und offen ilinn konnte: im 
üefsten Geheinmis sandte er im Frühjahr Ih'A durch einen 
zunickkefareiiden Pilger einen Brief au Pippin: er bat, der Franken- 
könig mi^e ihn durch eine üesaudlschaft aulTordern lassen, Ober 
die Alpen zukommen; denn persönlich wollte ersieh mit Pippin 
verständigen; nur iui Geleile einer fränkischen Gesandtschaft 



1) L. c. 8 8. 48 und 9 S &». 
2i Vh. Stepb. n. 11. 

5) Cod. Carol. 10 s. 55 ff. 

4) Cliroa. UoIm A. 293; vgl Cod. Carol. 9 S, 5i, 

6) V. S««ph. IL 8. 

6) 9. Bd. I 3. 465. Der Biograph Stephans ennnort e. 15 an (ireK^r. 
U*«cfc,lUrakiHiCMehlcii« UraiHbiiiad* >■. J^ 



abei' konnte er liofTen, fiele Baho durch das Langobardenr^cli 
SU tjodeo. 

Der Külscbluss Pippiiis, auf die AafTordei-uog Stephaus eta* 
zugehen, ist epochemachend im vollen Sinne des Worte«; er hat 
der Geschichte der nüchsteii Jahrhuodcrtc ihre Hidiluiig ^egebeo; 
denn durch ihn ist Jene enge Verhiiidnng zwischen dent t'rüiiki- 
schen Reiche und dem PapstUium begrüudot worden, welche 
dem itiiltetalterhrhen Staat und der iiiiitelahcrliclien Kirche itir 
eit;eiidu)tiiliches Gepräge verliehen liat. FippJu hat ihn nicht leicht- 
hin gej'asat. Wie bei seiner Thronheeteigung, so vüi-slcherte er 
sich auch jetzt der Zustimtriutig tles Volks. Der Sendung Chrode- 
gangs und Autchars nach Iluin gingen Beratlmugen mit den 
rräntcischen Grossen vorans; nach gemeinsamem Bescliluss des 
Königs und der Opümati-n wurde die Gesandtschaft abgeordnet')- 
Doch wer mischte zweifeln, dass das letzte Wort Pippin zukam? 
Was getichah, war sein Wille. Wenn man es rerstehen will, so 
muss man fragen, wodurch seine Entscheidung herbeigeführt 
wurde. Die kirchlichen Beriet) terstatter betrachten sie als ledig- 
lich durch die Krümmigkeit des Königs motirirt ^icht anders 
wollte er selbst sie angesehen haben. Jedermann kennt die 
Antwort, welche er auf die Forderung, das eroberte Land dem 
Kaiser zurückzustellen, gab: nicht aus Gunst gegen irgend einen 
Menschen, sondern nur ans Liebe zum heiligen Petrus und um 
der Vergebung seiner Sllndcn willen habe er den Kampf mit 
den Langobarden anfgenommon'), Oass das die ganze Wahr- 
heit war, wird niemand glauben; aber es war doch schwerlich 
ganz ohne Wahrheit. Denn sicher hat Stephan die Erwügungcn, 
die er nicht mUde wurde zu wiederholen, dem König von An- 
fang an vorgehalten: er Hess die LTnlerstiltzuiig des Papsllhums 
als höchste religiüxc Pflicht erscheineu, selbst die Urohnng mit 
der Exkommunikation scheute er nicht, um Hilfe von Pippin zu 
erzwingen'). Aber man konnte ganz in der Frömmigkeit jener 



1) Oeat. ep. Mett. M. (i. Set. II S. V68i vgl. ViU Stepb. Tl. 16- 

?) Vit. Stepb. 11. 45- 

3) Der erste, durch deu Pilger Ubenandte Brief (V. Hwph. 15) ist 
bckannilicl» Dicht erballen. In d*iii durtb AU Droclfgaag yaa Jumü-gev 
llberbracbt«» Schreiben li&isitt «s acbon: Imple dominiciUD dicrnm, Bioiit 
scriptum est: QuoTiiam qui porscvcravoric et«-. Ex hoc ediiq cvntnplum 
•teipiea et vltam iioisideblB aeternam (Coil. Carol. 4 8. 32; vgl. V. St«ph. II. 
16); von apätcren Briefco sind etw» in vergleichen t-p. 6 S. 36 f.; 7^.41; 
9 S. bi ff.: 10 3. 55; »iich 24 S. 100t Qualiter (Stephanu») vo» terriWIi 
ndortatione adiit. 




- in - 

Zeil aufgehen, ohne doch die Verpflichtung zum Kampf für dm 
Papstiham oder für Rom aQzuerkeaoen. Das zeigt die Stellung 
Karlmanus: er, der Mönch, verpachte Pippin zu bewegen, dass 
er treu der Pohtik Karl MartelU das Einrerstüudciis mit den 
Langobarden dem mit dem Papste vorziehe'). Deshalb wird die 
FVümtnigkeit Pippins ihn zwar im allgemeinen geneigt gemacht 
haben, einen päpstlichen Wunsch zu erroilen; Jedoch sie allein 
genQgt nicht, seineu Kntsotduss zu erklären. Auch die Dank- 
barkeit ftir den päpstlichen Bescheid im Jahre 751 kann man 
Dicht als hinreichenden Grund ansehen. iStephan hat sie nicht 
erwartet: in keinem seiner Rriere bezieht er sich auf das Ent- 
gegenkommen seines Vni^angers gegen die Wünsche Pippins"). 
Wichtiger ist, dass das Verhältnis des fränkischen Königs zu den 
Langobarden bereits getrUht war, als die Verbindung zwischen ihm 
und dem Pap.<ite geschlossen wurde. Wir kennen die ITrsnchen 
nicht, welche dazu ftlhrten; aber wir wissen, dass in derselben 
Zeit, in welcher die Hoten Stephans unterwegs waren, um Pippin 
aufzusuchen, des Kunigs unruhiger Bruder Grifo, aus Aquitanien 
tlUobtend, sich nach der Lombardei wandte'). Er muss bei 
Aistnir einen sicheren Rückhalt gegen seinen Bruder erwartet 
haben. Wenn nun Pippin Grund hatte, die Langobarden zu 
seinen Feinden zu z&hlen, so war der Papet ffir ihn ein werlh* 
voller ßundesgcnosse. Dazu kam, dass die Anträge, welche 
Stephan dem Kciriige machte, eine bedeutende Erweiterung der 
fränkischen Machtsphäre in Aussicht stellteii. Das konnte Pip[>ln 
nicht übersehen, und nach allem, was wir von ihm wissen, hatte 
nichts so viel Gewalt übet ihn, als der Gedanke an grössere 
Macht. 

80 erhielt denn Stephan eine seinen Wünschen entsprechende 
Antwort; von den beiden, Gesandten wurde er nach dem frönki« 
^hen Reiche gclci(ct'). Pippin hat ihn mit der grOsslen Ehr- 
rbietung empfangen^); aber dadurch wird die Thatsache nicht 



1} Aat).L«ar[sB.;EtDh. c. J. 753; AoD. Melt. z. 3 7b4; Vit Bteph. 11. 30. 

2) In St»l[pii vrie Cod. Cirol. r> ä. 36: Per b. Petruin, qui vob in r«fi;»B 
ODxIt, liegt onr die ErioDcruitg an die durch Stephan volliogene Salbung. 

3) Ann. Mett. z. J. 751 ; Uuriss. mio. i. J. 715; Pft.; Eipb. 1. J, 7&3; 
Frcdfg'. cont, 118. 

i] Stepliau verlies» Itom am 14. Oktober 7^3 (Vit Stepti. 11. 18). 

b) Vit.8ieph. 11. löff.i Fredcg. coDt. 119; Chron. Mi>i«8. fä. 291 Ueber 
ilcD SiMBeren Hergang, den ich olclit durslollc, vgl. Oubnor, .I.B. 126 ff.; 
V Ranke, W.O. V, 2 S. M ff.; MUliUmcher, D. G. S. 60 ff. 

2* 



20 



geünüert, üass Steplmn als Scliiilztlüliender nach PouLfaiou kam ')- 
Seine Bitte glug iticlit nur dahin, Uass der fränkische Küm^ 
fticb m den au<;eiiblicktlchtin Gcrahreu seiner anuelmie und Rom 
gegen die Laii^obarileii decke. Kv wünschte vielmehr die Her- 
stellung eines dauernden Schutzverhältnlasus. Das ist der Puakt, 
auf den er in seinen Brieren immer wieder zurnckkninnit. Bald 
liest mau: Alle Angelegenheiten der heiligen Kirche Gottes 
haben wir Eurem Schoosfie anvertraut'), liald: Nach Gott haben 
wir Roren Händen die Seelen aller Hürner, haben %vir Dir aod 
dem rrUiikischeii, Volk die heilige Kirche (lOties und unser, der 
römischen Republik Volk, Übergeben^), bald: Alle Völker, die 
ringsumher wolineii und ku Ruch, dem durch Gottes Macht 
tapferen Fraukenrolk, ihre Zulliicht genommen Imbeu, sind ge- 
rettet worden; wenn Ihr allen Hilfe geleistet habt, so müast Ihr 
vielmehr die heilige Kirche fiottea und ihr Volk ron der Re- 
drängung durch dieFeinde befreien*); gchliesslich versichert der 
Apostel Petrus selbst: Die Kirche, welche mir der Herr übergeben 
hat, habe ich Euch durch die Hand meines Vikars kommendirt'). 
Pippin nahm die Uebergabe der römischeu Kirche in seinen 
Bchutz an. Das sprach er aus,, indem ersieh den Titel Patricius 
Romanorum beilegte*]. Seine Öchutzptlicht aber erkannte er 



1) 6. JaDU«r 75<. PoDtbiuti 11*0111100) im Dep. Marne, Arr. VitrWft. 
Fraii;via. 

2) Cod. Carol. A S. 36; vkI. 7 3. 38. Die UetH!rs«lxutig ,Angr>leg«n- 
beiten'. nicht .Bestiziin^rn'*, welch letztere ob'enfalJH tnJiglich ist, sdmini 
Djir vurxiizieb«!]. I>ie NebeaeiD»Dd«rstvllnDg <l(*r caus», civitxtoa et In<:i in 
der ersten, der caiieae, jiiatilia «t itcl'eiiHin in der Kwuitvn St<llc spriehl 
fUr die allf^tueinere HedeutuDg von causa. 

8) L. c 8 S. 45; 4fl; 9 fi. 52; 53 f.; 55. 

4) I.. c. a S 46. 

5) L. 0. 10 H, ÜH; vgl. .-(6 S. 125 f. Wie Stephan eine solch« eom- 
mendadü vcrstaDCl, ivigt ep. tt ä. 6^: HpoIiUni ... sc eommendare per 
DM ■ . . excetlcntlAG tiiac caplunt vgl., mit ep. 17 S. 7^: .Spohietiiii, qiii so 
sab veatra . . . polesLaCe cuDlul«ruDt. Zu betoerken ist auch, dasa Stephan 
auf seiner IteiBe von Veriretitm de« rtimisohen VolkR begleitet war (Vit. 
Sl«ph. li) und Ti). Er atttule iich liberbaiipl »n( die BeviSlkeriing (l. c. 10). 

6] Man sprii^bt allgcuioln davon, daiia der Papst Pippi» und seine 
Sühne lu Patricierii ernannt* (Wailz. V.O. III S. ?&; Oe!sn«r, J.B. 8. 1-44; 
V. Elanke, W.C. V. 2 S. 3] ; MUhUiaoh«. 1>. C. S. 66; Mürtoos, D. röia. 
Frage 8. 8') 11. a; At»el, .J.U. S 172 »ift gar, das l'apatiluim habe den 
Karolingern dit-se Würde aufgelegt). Ich gestehe , diu Savlie scheint mir 
uiitiioglii;b. Wenn ffwt» doo Papst bei der Eroeutmug Pippins als Vertreter 
des in der Idee fortbestebcndeo Römerreichs bandeb ISsat, so ist der 



J 



- 21 — 

durch ilie Zusagen, welche er dem Papste marhle. Sie 
werden zunächst allgemein und umfassend gelautet haben : Sicher- 
itelluRg RutuB. Aber es lag doch \n der Natur der Sache, dass 
die augenblickliche Lage des Papstes und daft, wan sie forderte, 
nicht unerwähnt blieb Dadurch erhielt das Schntzrersprechen 
rine gegen die Langobarden gerichtete. Spitze. Pippin verpflichtete 
sich, das, was Stephan durrh Unterhandlungen vergeblich zu er- 
rcirJien gesucht hatte, nöthigenfalls mit Waffengewalf zu erawingcn : 
den Verzicht auf die Unterwerfung Korns, die Herausgabe Ra- 
vennas und die Restitution der Patrimonien']. 

Stephan gbIi die Absicht verwirklicht, welche ihn über die 
Alpen gefdlirt hatte. HOrt man nun, dass er darauHiin In KC 
Denis I^ppin zuin KOnig der Kranken und Patricius der Reimer 



P 



Pankt logedevtet. welclier ijcbwturiKkeitea maobt. M» luius frag'eo, kraft 
«eloben Bccfais der t'apai «ine solch« Kmenoiing vornehmeD koDnle. Uass 
der von Waitz aosgeep rochen« Gedanke aus dem Ruhmen des 8. Jahr- 
liWMlerta lierxiinnilll, isl keine Frafpe, >iXher 1Ü^ es, »tizunetimen, rl»«i die 
BBner, als deren Veiireier der Papst hntidelle (S. ^0 Anm. 5), Pippin den 
PatricUl ilberrtugen Allein Htierliefert igt weder dies noch jenes, l'eber- 
liefert ist nur, dass Pippin per ai:intia . , Stephan! . , in regem et pa- 
Iriciani una cum . . . filif« Caruln et ('ari>lnmarit)o . . . iimcCiis et bcne- 
diela» est (Clauaol. B(i(it|. V. S. 9) Vgl. Cliroa. Moiaa. H. 29S: Stepliaaua 
. . . Pippinntu ref^em Ffancoruni ac patri^jitin Koiiiftnuriiin «de« UTkctiniiis 
peruniii; Ann. MetL it. J. IM. [>la Hiillifin^ kuiu Künige und zum Patrl- 
düs stehen ai^h vülli]; gleich. Ua nun Pippin durch Stephan nicht sum 
KBirlg ernannt wurde, au wird er von ihm niieh nteht anrei Patrieiua er- 
Bannt worden aeio; wie die Snlbiing xtito Könige nur dio gütttiohe Segnnnf; 
(s. u, UBclui «t Iwuedictoa ) aiMnes von ihm vurber schon übernommenen 
KBnigthnns war, so anch die Salliiiof; zum Patilclus. Da« ist das nXchst- 
UeKonde VurstSudaia des Bericbta; leb aelie keinen Orund, von Ihin abxu- 
veiebeB Wa.^« den 'Iltel Patriciii« anlangt, so mtiehre ich kein allen grossca 
Urwicbt auf dua Wort legen, noch weniger in dem Patricius den .Stellver- 
treter des Kaisers sehen ((iruhaf, Aroh. f. kaih. Kirchenrecbt 18<9 Rd. 41 
t), 193 IT.; v$l. TniDsl. (irrmin. t A. H. Mali. IIl . 2 8. ft7, wo tlunold 
Aquiianiae pairicina heisol). W»r der 1'itel Kaiser und KKnig auA^e- 
scbloasen, hu war Patnciua der nächstliegende. Mau war in Italien an Ihn 
gewöhnt Bis Ilczeichnnp^ für den Trager der lüichatm polltfsclien Uewalt. 
1.^ V. ätepb. U. 26: Papa . . . regeon dopreeatas eat, ut per pacis 
hisian oaüsaai bcaii l'eiri et reipahltt^ae HomanorucD dispuncret. Qiii de 
imetenti iureinrando . . . pnpam laUtrecit umiiilnis 'tliis maotlatis et am- 
nonitl»nittiiB sese tolls uiiibus oboedire et . . exarchntum Itavenue at 
reipublicae iura seu luca reddere modiaoainiba«. Kredc^. oont.llS; Cbroo. 
Ufllss.; Ann. Mett. s. J. I^ii Cod. Garol. 7 S. 38. 



- » - 

lalbte'), 80 kann inaii über die Bedeutung dieser Handlung kaum 
zweifeln. Es ist unmöglich an Uebertra^ung dieser Würden durch 
der Papst zudenken: König war Pippin ja seit Jahren, auch sah 
man in der Salbung lediglich eioen üenediklionsakt Süudern 
den Pa[rst erstattete dem Künig seinen Dank, indem er ihm daa 
gewährte, für dessen Inhaber ersieh hielt: geistliche Segnungen'). 
Pipphi sollte sich als von Qolt und dem Apostel Petrus in seinem 
Ktiuigthuni und Patriciat hcstütigt und zur Ausrichtung seiner 
hohen Ptlichteii ausgorllstct betrachten. 

Auch jetzt wieder legte Pippiu seine Verabredungen mit dem 
Papste den fränkischen Grossen vor. Es bedurfle zweier Ver^ 
samnilungen zu Braisne und zu Kierzy, um zur Verständigung 
zu kommen*). Deun der Vertrag mit dem Papste sltess auf 
Widerspruch*). Das ist begreiflich, bedeutete er doch den 
Bruch mit den Traditionen Karl Martells. Aber Pippin Hess sich 
dadurch so wenig beirren, als durch die Warnungen seines 



1) Nafib gcnöhnllolicr Annahme 28. Jdü 754. CIhus. de PIpp. eon»eor. 
Buuti. V 9. 9. Das Tagesdatum bei liilduin. Vit. UioDyg. Areop*g. <üttrL 
Bonq. V S. 435. Härtens (R. t'r. 8. 22; vgl ii ff.) vorlegt die äalttuog 
auf d«D 19. oder 'iQ. l'ebru»r. Die T»ge halte ich ftlr gaoz Qulcher; la 
der Uauptaache dfige^ea siimine ich Martena bei: dio vdd i)«r Vit. Stiiph. II. 
27 f. angegebene ttcibeufolge der Tbatsachon verdient den Vorzug vor d«r 
Zeitangabe HlldiilDs. 

2) Uas spricht Stcpbaoa Brader, PaqI I., kUt und beatiannt ans, ep. 1=13 
S. ItS: Oleo sancto tos . . . angens celeatibua repkvjt beiiedictiotithaa. 
Noch .Smaragdua vou St Mibiel unter Ludwig d. Fr. sab in der äalbuog 
Dicht UeborlraguDg der KonigswÜrLle : te regem esse et saorl «hriamfUifl 
unoliu et 6dei confessio, operimiue cottßrmat et avtio (Via reg., epjst. nanc. 
MigD. 102, 9iä). Ebeoso Tapst Leo IV.. Coli. Brit. 37 f. (N. Archiv 1880, 
V S. 380 f.). 

ä) Die Qoellen reden von sswul Reich avcreamniluDgei] ; die erste tu 
Brennaous, Beruncii«, wie inao atinininit Braiane bei •Soisoou«, das gewöha- 
liche MJfrxfeld (Kredeg. cont. 120; Ano. UetL b. J. Th4). Die zweiin tu Cari- 
sianiin, Kieny unweit Laoo. Üstem, 14. April, 7&4 (V. Sleph. II. 29; verb. 
Ann. Lnoriss. z. J. 753). Daran halten die moiston fest (s. Oelaner, J.B. 
8. 148i MUhlbavher, Heg. 7t g a. i; v. Hauke, W.U. V, 2 3. 35). Da- 
gegen erklail Mattcus (K. Fr, S. 3,H ff ) beide Versammlungon für Identiaoh; 
d«r ßiugrapb !jtephRD3 hübe sich im Urt geint. ^eioeCirUade scheinen mir 
unzureichend; das rascho Aufelnandorfolgcn zweier Vereainmlungea wird 
sich aus dem Widerspruch erktüfen, den die Verhandlungeo fanden. — Wie 
entacbiodcu Stcphau das fr.^Dlt{sche Volk als Theilnehmer am Vertrage 
betraohtele, zeigt sein Brief Cod. Carol. Ö. 
4) Einb. Vit. Kar. 6. 




- 33 — 






Braderv Karimunu^). Das Ende war, dass die Kranken den 
BMchluss ihres KAttt^ billigten'). So bestimmt hatte Bppin 
bereits ins Auge gefassl, wie weit er ^ehen wollte, dass er dem 
Papste nber sein Versprechen eine Urkunde ausslelUe*). Sie 
kntete auf mögticbste Wiederherstellung der Gerechtsame de« 
heiligen Petras, insbesondere auf Rüchgabe Ravennas und der 
*oa ASgtulf erorberteu Städte des KxarcbaU*). Rückgabe, eicht 



It V. Stdph. II 30, Au« den «pÜ!crcii KreigniAM^n wird man actilicHS^n 
dflrfeo. 4mi auch die Königin Bonrada gegva eiao felDdsettge Wviidiing 
»fidef die t.su|{<fbxrdfn war. 

2) V. Stoph. II. 29; Frodeg. cont. 1;'0; Ann. Meit. t. .T. 75-I. 

3) U&n ninimt im xllgem«inen *ii, daua die Urkunde in Kierzy itna- 
(Mtallc wnrde. Daa aclieint mir fraglich, da .Stophsn in Kieray nicht an* 
VMaad war(V. StApb. If. 29); v. Syb«! {Kl. histor. Scluifien 111 [IB50]S. 79) 
ÜMt dJe Schenk ungBiirkando erst in Italien nach dem FriiKlunscliliiiiae mit 
deo Laugobatden zu Slxod« komoieo. Kr b«Ti)ft «ich auf Cod Carot. 6 S. 35, 
Die Antiibino hat l^was beBtocbeudßs; ich kann ihr Jodocb deahalb nicbt 
Mtraten, weil die Urkaode von den beiden Sifhncu Pippina unterzeichnet 
var, Dnd es hücitst onwahracbeinlich ist, dma die beiden Knaben am Feld* 
IHK« tbeilnabmen. Muriena <R. Fr 8. M ff.) lengacl, daaa Überhaupt eine 
SebeokanfBurk linde aoageatälll wordon aoi; die lebhafte Pbantuiio des 
Papvtee habe aus der Unteracfarift de» Friedensdukuinents eine Urkunde 
(MDacht. in velcber Plppln und aeine 8tihne die Aiiaantwortung der 22 
Slidte versprühen. Ich vermaibe, dass hier der PbaDtaaie d«8 Papatea 
H viel und aeinem Veratnnd zu weni^ uigetrant tat. 

41 Der Inhalt der Urkunde <^rt,'ibt aicb am ft>[KenJi-n Stellen: Cod. 
Ctfol. 6 S. 35: Per donacionis paginam Ijoeticiam b. Petri,) restitnendiim 
conGruixvtt l>onitna veatra. Jb. 3. 3t!: Propri» veBtra vuttintaie per doua.- 
tionia paginiUD b. Fetri auotaeqite Oei ecoleatae rei pnblioe civitutea et 
Ion reatitnenda. confirmaatii. 7 9. 41: Velociter . . . qiiod b. Petro pro- 
aiafoiia per dimaiionem Teatrain, otvitatea et loca atque umnea ubaldca et 
captivoa b. Pndo reddite vel omnia qune ipaa donatio continet. Ana dieaen 
SicUsB üt nicht ereicbilie.h, ob die curUckzngebendeD StSdte geoanot 
warea. Aut M S. 171: Stophano . . . genitor luus siniulque et praedars 
cxeellentin tua ipanm exarcbatum aub jDrc b. Petrl permanenduai tradllum 
Hl, folgt, daas der Exarchat genannt war; dnon vird aber auch Raveona 
geBAoni geveaeo sein. Dagegen ist za vermnthcn, daaa die kleineren Orte 
nicht namentlich auff^cftthrt waren, ^fchon ep. 11 S. 6^ f und »püter ep. 51 
SLI71 wird die Scbonkting auf Orte ausgedehnt (Vaventia, Injuta, Ferrari), 
von denen aofanga keine Rede war. Der römiaebe Dtikat nnd die Stadt 
Ron wird in der Urkunde nicht erwh'bnt gewesen sein: der Papat kunnto 
■leb nur solche Orte zurUcki^eben lassen, welche die Langobarden beaetst 
hatten. Rom war bedroht; abrr nicht erobert. Vtaa diu Schenkung Pippina 
aioh auf Heralollung des Beaiustandes von 7ÜI0 beacbränkte, darauf hat 
V. Sjrbel a. a. 0. S. 80 f. hiogewtesen. Auf Grund der angeführten Stellen 



Ucburffube^ denn konsequent beeland der Papst darauf, Hau die 
von den Laiigobardeu besetzten Gebiete Besitztluim des heiligen 
Pelrus gewesen seien. Das war eine den reclitlichen wie den 
wirklicheu Zuständen schrolT widersprechende Fiktion : sie ist 
nur versltindlicli, wenn er die angebliche Schenkung Konstantins 
als ßewBisniitlel benutzte'). 

Was in Ponthion begann und in Kierzy zu Ende kam, war 
der Abschluss eines Hllndnisses : sn hat man es in Rom be- 

kasB Ich der von Oplincr (J.B. S. 139 H.) vurge trafen en FasauDg der 
pip^istdieD iJcbrnkunK nicht bfitTetco. Aucb v. Bänke |W.G. V, 2 8.35) 
aa^ft: Es k-ino kein Zweit«) darüber obwalten, daas PippJn iletn Papst 
beatioiiule ZussKVD ifeoiacbt bat. Voii Mlifalbavljet» Ansicht (L>. ü. ä. 63 f.) 
uniersclieidet «ich die meine daibirch, dass «r am^h den römischtMi Dnkat in 
der ScbcokriitK berasit e«iß laut. Ich liudu kdne ätellr, die lUziiein R«cbl 
^iibr. Auf die V'erverchung der Vir. Hadr. 4^ vcrzirbte ich; ich tlieile 
dlo MvinuDg derJrD!|[«D, welch" <lif8 Kspitel fUr «ire Interpolation lialt#D. 
Kinen ß^weia flir den angi-gebpripn Umfang der Sch'(>Dkun^ bildet der 
Frifld«DSscIiluss (Vit. Steph. II, 38): AislulfuH adfiriuavit se IHco reddituruai 
civiltitetii llavctinaDiLum cum divorsia civilaiibuo. 

1> Ivb bctlllirc )iLor diicii Punkt, der die KirclivuKCHuhichtn Deutsch' 
laads uur iniÜrnkt beirißi, jedoch in dienern ZnaiimmnbbanR nicht Über* 
gnnK^B werden Icaun. In den Bricfeu ücophaua wie in 8«iuer Biographie 
tritt eAn llcxrift' auf, dnr vorher triclii vorkoroml. sich auch in den Briefen 
Pauis r. und K(f)i1ianH 1)1. Iindel. dann abor wieder vi^rschwindot : b. Poiri 
sanBtaeque l>i'i flcclnsinr r«>!»|iiil)lica {Cod. Cftml. K S. .H6), »anctae Üci 
oeelMiaa rEtapubÜtr» Knuianumm {Vit. ffteph. II. 30). loli bin mit Wuiiz 
{V.U. III S. KS) darin eiMVtfr«t;tnd4*n, das« nicht »nr dt-r r6'nii»clie DiikaL ){e- 
ueint sein kann ((ienelin. Das Sclienhiioi^svnrsprfchen und die Schenkung 
Plppins I1J)80] S. 21), ebensow^niff riue neu sU bef^rUndeiide llerrscbafl 
des Piipatps (Martena. Rüm. Fr. S. ~ßi. Allein wenn Waitn dann sa^: 
„Man wird nur a)l};emein deti Ittimisoben Sta:il. die Hömiache üerraebafl 
verstehen künueo, diu der Papnil offenbar für Italiciu au die Stadt Rom 
knUpfie und mit der Kirche de« heilij;eTi Perms bicr in aoioben Ziiaamoien- 
bang brachte, dass er als Vorsleber der Kireho au€h die Recbie des Kdchs 
^Itctid machte", ai» »cbeJnt mir hiedurch jene anffalHge Formel nicht 
erklürt; so vie du: Worte lauten, sn^en sie hub. dass die Kirchti oder 
der heilige Petrus Beaiixer der reiipublica ttomanorum ist llteaem Vcr- 
Släudois entspricht «a dnTchauB, dass die Rlt''kgabe an die respublica (Cod. 
Carol. 6 S. 3%; 47 S. 163) und die an den beiliReo ['etr«a (V. Stepb. II. 15; 
ep. 7S. 39) oder an dicKirclie rop.fi S. ;tßi Irtentiaoh lal, elienao. da.wSrephan 
die ßömer als noMter pupulne reipublice Itonianorum bf»eichnet (op. 7 
». 42; 9 S. 53 f,: vgl. 10 S. 56; b«; 60). Hie Verhfiltnisse vor Stephan 
gaben zu dieser Funijel kein Recht; sie beruhte auf einer Fiktion: bewiesen 
konnte sie nur werden durch etue neue Fiktion; die donati» Konstantins. 
Ueber Ihren Ursprong verweise ich auf meinen Aursals in Zmtachrift f. kjrcbl. 



J 



- 36 - 



IracbteO. Ks war tiictit auf Zeil, sonderu ea warfttr immer 
geKlilosaen; gewfilirie es Itoai den Schutz des inbchtigetcn der 
abendltindisclieii StaAteu, so kettete ea doch &uch das Papstlhum 
m das rrtiiiki6i-he Reich. 
B Eine dauernde, in gewissem Sinn st aatsreclil liehe Vorbinduni; 
dieser beiden (lewalten war herResl4>lll. Aber wie so ganz 
igj »nders war diese Verbindung gostaltcl, als sie sieb Boniralius 
■ flacht hatte: es war nicht zur AnerkennnnK der unbedingten 
Herrschart des Papste« in der rrtinkisclien Kirche Ke*(ominen, 
vielmehr xor Aulnchlung der frAnkischeu Schutz herr«chall über 
Rom. Musste »ie nicht die Unterordnung des Papstes unter den 
König zur Fid|;6 haben? Denn wer konnte l'ippia liindern, den 
^ rOmiacheu Uiitchof wie einen anderen Bisdior seines Reichs xu 
H behandeln? Andererseits aber: wie riel weniger Schwierigkeiten 
filaudeu den ptipstlicheo Ansprüchen (entgegen, wenn das Franken* 
reich und Unni in einem unlösbaren Bunde standen, wenn der 
Papst nicht mehr als Ausländer betrachtet werden konnte? 
Was iilrniedrigung des Papstthiims schien, konnte für die kirch- 
lichen Ansprache desselben ungemein förderlich werden. Ver- 
geeten waren dieselben in Korn nicht. Wenn wirklich Stephan 
bei der Ertlndunt; der konetanttnischen Schenkung die Hand ioi 
Spiele halte, so ist kein Zweifel, wa>i seine letzten Qcdanken 
waren. Er rerliebtte nie kaum iJenn wie machlroll sprach 
dieser machtlose Papst: er gebot, er drohte dem Manne, von 
I dessen Hilfe seine ganze Existenz abhing Denn er dachte 
I seine ätelhing als die höchste auf Erden 

^ft EjitgCfieiigesettleUo^licbkeiten lagenin den VerliäUnissen. Es 
^Uiing von dtiu Per«oDen ab, welche vuii ihnen wirklich werden sollte- 

^VwiMeaschaft etc. 1888 8. 2(11. St«pban spricht stets von Ziirll«kgsbe; Paal L 
Ult sieb Ki-wShnticb an diesea Spiacbgpbrancb: dann iioij vaiiu gibt fr 
ibn auf (ep. ;«i s 113: ProvInci* a vobis Vetm .om-^Mn; 37 S. 1,12). 

IJ V. Slrph. II. n (■. d. SiellB S. 21 Aom. i ). Paul 1. Tud. Csruj. 12 
K. BS: PiftBt et rnbiiMi... in «m &<!» et dileciione et eariralia concurdia 
atqnv pacü loedvra, «jitar . . . lEi-riuaiius meua , . . vubiacuiD coutirmavit. |iei'- 
maitpntea et ciun naaln» pojiiilo iH-riiutnebiuiiis iinquc in finem. 37 t>. 131: 
U'UvcUui quam cum ... .Stephuno papa (ttpcrfumcuiu uuiiiibuesuccessoribui 
|i(iDtJßcibus VM TeatrirjuH »nholea et ciinctft vpslra protoa ii(c|nc univetaum 
»Kiiuut KraricuriiQi uaqu« io tiueoi aavuuli cutiiHirvate apoudialia. Vg). 43 
& 142 f 8icphan III.. 47 S. 160: lia voa (Karl und KiirloiaDDi b. Petro 
p( . . . vlrjirio etua (8i«pbHii II.) vul eius sufuuasoHbua apupundit)«e, au auiicls 
Duitria ainicoa ea»e el .u» iiiiiniviM iniiiticott, ai< m 9( ihm iu ^-adem ■puiisioDO 
finoiier (linoscIiDur permaiiere. 



- 26 - 



Ohne Zweifel war Pippia der Stfirk«r«; er hielt die Zügel 
fest in deu Uiiiiden. Weder ^teplmn noch dessea Bruder und 
I^aclifolijer Paul 1.') veraiochtu iUii weiter zu drangen, als er 
selbst sich vorgesetzt tiatte. Sie kunnten sicii nicht über ihn 
beklagen, denn bei der Erfttllung mäkelte er nicht an seinem 
Venprechen. Aber wie unwillkürlich verfiel der Vertheidiger 
in die Rolle des Herrschers. Diesen Ausgang hatte Stephau 
nicht vorausgesehen, als er Über die Alpen zog; aber wie die 
Männer wareo, welche einander gegenüberstanden, war er nnver- 
meidlich. Es j^bt Situationen, in welchen die Persönlichkeiten 
auf einander wirken wie Naturkrftfle. Mao möchte tod Noth- 
wendif^kcit reden. 

Wirrerfolgen die Entwickelung der italienischen Angelegen- 
heiten nicht im einzelnen *J; für die deutsche Kirch engeschichte 
kommen nur die Kesullate in Betracht. In einem raschen und 
errolgreichen Fetdzuge nüUii{;te Pippin Aisluir zu ZügesläudüIsseD, 
welche den Forderungen des Papstes genug thaten. Da sie unaus- 
geführt blieben, griffen die Franken von neuem zu den WatTen; 
der zweite Friedeiisscliluss hraclite die Orte, auf welche Stephan 
Anspruch erhob, lliaUäcliUcli in seine Gewalt. Das Gebiet, 
welches der Kirche überlassen oder, wie der Papst behauptete, 
KurUckgegebeu wurde, erstreckle sich weithin am adriatischen 
Heere: Comacchio im Po-Üelta bezeichnet den nördlichsten, Jesi 
bei Ancona den sll/llichsien Punkt, im Westen griff es über den 
Kamm desGebirgs hinüber, Gubbio gehörte dazu'). Zu weiteren 
Abtretungen entschloss sich nach dem Tode Aistulfs Dcaidertas, 
um der fränkiAchcn und päpstUchen Unterstützung sicher zu sein'). 
Ucr Staat der Kirche war nicht mehr eine Fiktion, er war 
Wirklichkeit geworden. 

Welche Stellung hatte nun aber der Papst innerhalb diese« 
Gebiets V Der erste Eindruck ist, dass er Landesherr wu-. 



Ij Slephaii Btsrb 26. April 7S7. Sein Bnider wiirdp oicht eindlimmig 
gQwShJt; der (ii.'f;6iikaniJidat wardi'rArutiiiliBkuiJiiä'rheu)ibylaki iW P»u], 1), 
der Freund des ßonifaiius iTtnuir. ep. 69 S. 198; 78 S. 216 (Tj. M.in darf 
H'otil bliTBus nuf einen (ivgeDsatz K^gen dio BieliluDg, wvicb« Stephan 
dem l'Apanhnin gegelipn lialtp, acbUeaseti. An «tue fränkiache and eine 
laogobardiicbe Paitüi unter dem röuiEsvheu Adel xu tleoken (BaxtDana. 
D. I*oli(Jk d. F^pstü I 8. "ihl], dafür wUastc ich keinen AnhatUpunkL 

2] Ich verwciae auf die »«iKfÜlligv Darsl«lluug Oelauers, J.I). iJ. 193 (T,, 
und auf LanKen, (lescb. d. rötn. Kirche S. 656 S. 

3> VJL Slepb. II. 47. 

4) Vit Stcpb. 11. bl. Cod. Carol. il 8. 64; 14 8. 73 f.; le S. 76. 



- 27 - 



i 



Wenn schoo rorber da» fakUscbe Äufbi>ren der griecfaUclien 
Berrsciian in Hom die Stellung des I'apstes in der „heiligeo 
Republik Iluins'^') erhüht liatte. so stand er nun uabestritle» 
au der Spitze der Stadt- Wie er itn Namen des römieclicn Klerus 
II Pippin schrieb, so aucb int Namen der Grossen, des gesamnilen 
olkcs und Heeres der ßUmer"); er nannte den rCmisdieu 
del seine Optimaten; er ging mit ihnen zu Käthe wie Pippio 
mit den TrünkiEchcn OrosBen*); er sprach von seinem Volk, 
Ton seinen Stkdicu und ßurgen und von seinem Gebiete*). 
Andererseits sahen die lUimcr in dem Papste ihren Herrn ; 
lie erkanniea an, des« sie ihm zu steter Treue rerpflichtet 
■eien; als Stephan starb, rühmten sie, dasscr sie hellsam regirt 
babe^). In diesen Redewendungen spiegeln sich Zustünde^ die 
wirklich bestanden: in der Verwaltung, der Politik, der Recht^- 
pdeg« des rüniischen Oeuieinweseiis erscheint der Papst als 
leitend : er Iral Anstalt, dass die Gerechtsame der Langobarden 
ia den päpstlichen Städten ^eaclilet wurden '){ er verhaudelte 
mit König Dcsiderius Ober gcineinsanie Abwehr eines drohenden 
griechischen AngrilTs'); die Kriegsniacbt des römischen Gebiets 
itand Quter seinem Oberbefehl ''); nicht minder ernannte er 
Beamte und Rich(er^). Man könnte geneigt sein, in ihm den 
dllig souveränen Herrn des Kirchenstaats zu erblicken. Das 
er jedoch nicht: er war Herrscher, aber er war nicht 
souverän. Die Herrscherrechtc, die er übte, gingen nicht ttber 
diejenigen hinaus, welche Tassilo in Baiern besass. Wie dieser, 
so haixe anch er einen Herrn Über sieb. Man kann kaumeinen 

^H 3) Vfl. Vft. Greg, in. 15: (Gregorms) GalloiiBttiTn cutrum . .. in 

^Veompsge »»DCtse reipnblicae alqu« corpore Cliristu dileuüexervitus Rumaoi 

^Hsooeoti praccepit. 

^h 2) Cod. Carot. 8 S. 43 [Stupbsn II.). 

^H 3) L. e. 12 S. 68: Ca» oau nostris obtimaifbua aptuui proapexiuiua 
(Paul 1.). 

4) L. o a S. 41: a S.&l (Stephan n.); 12 S. 68; 13 8. 70; 19 8. 87; 
20 8. 89 f.; 21 S. 92 f.; 34 8. i'lO f.; ä7 S. 130 f. (Paul 1 ). 

bf L. c. 13 S. 7ü: Nos . . flrnii ac lidrlüs nervi B.inctae Dei occiesiaa 
'm . . . duiBOi nostri PaaU siinitDi pontiticis . . . Quia ipie nusler «st pater 
et obUniDa paalor; et pro nostrA aalate decert&re culidiae non cesaat, stcut 
tA t • • Stephanna papa fovKiia nt*» H »»liibrlter gubtirnana. 

6) 1,. c. 20 a. 89; 57 S. 133 (Paiü L). 

7) L. c. 39 S. 137 iPatil 1.). 

8) Vit. 8topli. n. M. 
9} Cod. Cuol. &I S. 172 (8tepb&ti U. für UavenDa). 




- 28 — 

der Briefe Stephans uud Pauls lesen, ohne dass man durch dies 
oder jvoes darao eriiioert wird, dass die Päpste Pippia gegea- 
Ober gebunden waren: nicht nur im allgemeinen zur Treue 
gegen das fr&nkiBche Hundnls , sondern in jeder einzelnen 
wichtigeren Angelegenheit. Vor allem waren sie in dem 
ganzen Gebiet der äusseren Politik nicht frei Stephan konnte 
seine Stellung xu Konstantinnpel nicht nach eigenem Ermessen 
wülileii. Lassl uns wissen, schreibt er an Pippin, was Jhr 
mit dem Silenliar, dem Gesandten Konstantins TV , geredet, 
welchen liescheid Ihr ihm erthoilt habt: auch eine Abschrift 
des Rriefes, den Ihr ihm gegeben, theilt uns mit, damit wir 
wissen, wie wir in ITebereinstiinmiin^ damit zu handehi haben'). 
Bei den Streitigkeilen mit den Langobarden tiel, wenn beide 
Thelle sich nicht einigen konnten, die Entscheidung den Oesandlen 
Pippins zu*); der zwischen dem rümischen Volke und König 
Desideriiis abgeschlossene Friedensvertrag bedurfte und erhielt 
seine Best&tiguug'J. Das altes geht über die Rechte hinaus, 
welche dem mächtigen Rundesgeiiossen eines Schwachen von 
selbst zufallen: es zeigt, ilass Pippin in den politischen Dingen 
als Oberhen- betrachtet wurde. Er war mehr, als die Namen 
Vertheidiger, Befreier, Prolektor, itie man ihm ^^erne gab*l, 
aussprachen. Das Gleiche zeigt sich in den inneren Verhfilt- 
nissen. Hau mag kein Gewicht darauf legen , dass sich die 
Römer einmal seine Getreuen nannten*), oder dass Paul I. 
die Angriße auf pttpslliehes Gebiet und päpstliche Rechte als 
Auflehnung gegen die königliche Gewalt l^ippins bezeichnete*!; 
dagegen ist die Thalseche sehr fjewichtig, dass Paul die Grossen 
7on Spoleto lind Benevent zugleich dem heiligen Petrus und 
dem frttnkiflchen Künig Treue schwören tie««''). Sie stelltausser 



1) L. c. II 8, 66. 

3) L. c. 21 S. 93: l*» vestrs KtopIiBBin»« salitrattione Ailprobaiionem 
foHmus in praesentia . . veMmruni ßdelinm missuriim cum LiiD|;obar«]oruiD 
lei^ia uisais ; rt aatlafacd auot vostri mlaaid« untla liiiquil^tti litis ^t iMiiüaijvermit 
nosirain v^?ri^ftteln »i eonim iDcndaciiiin. Vgl 3< S. 12(V 

5) L. c. H 3. ßfi. 

i] I-. c. 12 S. 60; l!t S. fi*), 71; Iß S. 76{ 20 f^ 90 ii. ö 

6) L. c. 13 a, 70: Id nuLiis, vealria (it)flil)i)s, 

6) L. c.'.O 8.90: ('oTiU-a hi'atitui Petrum Pt %'esiratu regalüiD putviitiaoi 
et« erlgvns (Desldiflua) uialJtiJia nobin (.-«mmiiiatur inf^rre. 

7) L t- 17 S. 79:... AlbointiiD (iucem Spuh-tiimiu caui i?!«» aatra- 
pibuB, tiui in Ud« brati Peiri et vestia Bacraim^ittuiii prebnctuot Voraus- 
svtzuuB ist die «p. 11 S. 65 erwShnte 'ITiataaehe: S|K»littiii . . . «e com- 




- 29 — 



I hft 

W' 



äfeli dass scboo unter Pippia auch die Römer don Treueid 
leislelen- Die Vorstellung, ilaas Rom einen Bc-ilaDfltbeil «lea 
K(}ntgreichs Pippins bildete, lag nicht ganz ausserhalb des 
Gesicbt«krei8es Pauls 'J. Versicherte er einmal, er werde stets 
Pippins Willen gehorsam sein'^), so war dieser :5ato seliwerlicli 
wohl erwogen; er ist zu uffenherzit;; aber er spricht das Ver- 
h&llnis beider Männer gai>2 treffend aus: so wenig Pip[iin in 
eler Hinsicht die päpstliche ilerrsdiafl beschrünkle, so sehr 
irgir doch der Papst geniltliigt, zu gehorchen, wenn der Trunkische 
König eine Entscheidung traf. Der Papst war, ol>i;leich Landes- 
herr in einem {(rossen Thcile Italiens, doch weit weniger anah- 
lifingig als vorher. 

So unsicher war das VcrhtUtiüä der päpstlieben zur konig* 

liehen HachL Hechte und Ptlicbten waren nirgends genau abge* 

grenzt. Unmöglich konnten die Dinge auf die Dauer sich in diesem 

i /.natande halten. Aber es entsprach Pippins Art, eine bestimmte 

Regelung zu unterlassen; genug, dass in Italien nichts gescbebcn 

I konnte, was er nicht wollte, nnd dass nicht luebr geschehen 

1 konnte, als er Molile. 

^M Das politische Uebergewicht Pippins wirkte unniitlelbar auT 
^■das kirchliche Gebiet. Indem Paul den fränkischen Konig in 
^Pfiberschwänglichen Worten als neuen Moses und David feierte'), 
legte er ihm nahe, in die innersten kirchlichen Angelegenheilen eiu- 
lugreifen. Pippln enthielt sich dessen im allgemeiiicii, soweit 
Itiüien iu Hctraclit kam. Aber wenn er irgenil eine Mass- 
regel wünschte, so wurde sie Vollzügen, unangeselien, üb sie 
nach den Kirchengeseizen gestattet war oder nicht. Er halte 
Ewei italienische (ieislliche, den Bischof (ieorg von Ostia und 
einen römischen Priester Kamens Petrus, als für seinen Dienst 
laugliche Mknner kennen {(clcrat und wiinschte, der Papst solle 
erlauben, ilass er sie toi rrünkisclicn Reiche behalte. Die 






■Bcndare per nos . . . «xcellenttae tuae cupiunt. Sie wullon In dasselba 
VeASuiia tu Pippia treten wie die Böuer. 

1) Kp 34 H. 120: Veie »iculbenigniia i«x et amaior . . . sADctae Del 
«ecleaUu agete . . . aeoiper alutlcs. Paul siigi «Ja«, iinlem er «UfCir riankl, 
ilftMPippin »irh iH-in<:r Atinprllclie j{«g«n die LAtigobardfn iinnshm. Rnwien 
er Btcb cliirio als gnädiger KÜnlj;. bi> ist diu VursLellung eioer AuaalvIinuiiK 
MliM>s KöniKthutna auch Über da» püp«tliche(tebiet genau genomcneii schnn 
gvg*b«o. 

2) L. 0. 42 3. H2t Feraiaoebiinua veacria obtcmperani«« vokintinibun. 

3) L. & II S. 6« (Stephan II.)i 33 S. 117 (Paul !.)■ 



— 30 — 

daueiiKle Eutfernung kirclilicher WurdeTi träger von ihren Äea 
lern widerspricht den kirchlichen Ordnungen. Gleichwohl wa 
der Papst bereit, sie zu gestatten, und nicht nur dies: er ba 
zugleich, der Künig müge ihm erüflTaen, was mit dem Bit 
thum Georgs und der Kirolie Peters zu geschehen habe, da 
mit 8)6 niclit infolge der Entfernung ihrer Inhaber Scbadei 
nähmen*). 

So der Pajjsl gegenQbur dem Künig; man sieht, er war ti 
der 1'hat gehorsam. Anders, wenn es sich um Wünsche de 
Papstes an den Künig handelte. Einer der ersten röniischei 
GesehiÜtlBtrtiger am fränkischen Uofe war der Priester Marin 
auch er wuasic Pippin fUr sich einzunehmen; auf dessen Wunset 
erhielt er die Kirche des heil. Chrysogonua in Rom. Allein nm 
kam an den Tag, dass Marin sich in ein geheimes Einversländni 
mit dem griechischen Gesandten eingelassen habe. Paul wunschb 
den Unzuverlässigen zu beseitigen und schlug ror, Pippin sollb 
ihm ZQ diesem Zweck ein fränkisches Uisthum cihcrtragen. Diese 
dachte nicht daran, eine so seltsame Art von Strafe zu vollziehen 
er nahm vielmehr Marin in Haft. Datiiit war der Papst nich 
einverstanden: er bat wiederholt und dringend um Entlassung 
seines Klerikers; aber vci^oblich; Pippin untersagte dem Ge 
fangenen sogar den Verkehr mit Rom; der Papst wagb 
nicht zD widei'sprechen; er starb, ohne dass Alaiin freigegebei 
wurde'). 

Wenn man hn Auge behält^ dass das Verhältnis Pippins z} 
den Päpsten sich in dieser Weise gestaltete, so ist die Ent 
Wickelung, welche die kirchlichen Dinge in Deutschland nahmen 
verständlich. Sie wurden nicht von Rom aus geleitet, obwoh 
eine enge und dauernde Verbindung des frönkisclieu Reichs am 
der Wtmischen Kirche hergestellt war. l)ie durch Bouifatiu. 
begonnenen Reformen wurden fortgesetzt; aber der Impuls z\ 
dem, was geschah, ging von dem Fürsten aus. Mochten ii 
einzelnen Punkten die Einrichtungen der römischen Kirche da 
Vorbild bieten, das man nachahmte'), wurden päpstliche Out 



1) L. e. 21 S. 94 1 37 S. U2 f. 

3) L. c 24 8. 101; 35 8. 102; 29 S. HO f.; 45 8. IM. 

3) Pi(ipin suchte dco rifmiicbeD Kircbuugcsang iu aoitteni Reiche heimlsc 
XII m.icheii. Karoli c»p. 22, 80 tS. 61 : Ul taiiiiim Koroanum pl^niier dt 
Bcnnt . . . afieundnin (]iiotl . . . Pippinua rex deceriRvit iit ficret. tpiand 
Uallidnuin iiiüt ob un.inimitateni npottolicae nedia etsanclAe Oei .levlesis 



- 3f - 



iteo stets mit aller Hochachtuag aurgenommeti*), so waren 
doch rfie ürdnuDgen, die man traf, hervorgerufen durch die Be- 
dürfnisse der fränkischen Kirche; sie wurden aiisscbliesslich 
ihaen angepasat und sie wmden ins Werls gesetzt durch die 
laadeskirchlic-lien Gewalten, d. b. den Fürsten und den Episkopat. 
Wie früher die Merowiogerkünige, so vermitlelte l'ippin den 
Verkehr zwischen Rom und den rrtinkischen Bischüfen; wie sie, 
w crltess er Anordauugen Über rein innerkirchliche Dinge. Kr 
nannte sich nicht, wie sein Sohn, Leiter der Kirche: aber er 
war es. 

Die Jahre tod lüii bia 7nß waren entscheidend für die 
Stellung Pippina zum Papallhum. Hehiahe in die gleiche Zeit 
lälit seine die Kirche betrelTcnde gesetzgeberisciie Thätigkeit. 
Sie knüpft sich an die vier Synoden, welche im Laufe von 



I 



» 



piciäeaai coocordiam. Vgl. cap. 30 ood llbr. Carol. I, 6 (ÄIc. ep, 31 
&. 223): Dum (eccL Franc] xh «a. (Rom) paulo dUtAret... in officiorutn 
telebratlODC , . . Pippini rogis oura et indaa^ris, slve ndvenlu In Gallias . . . 
8l«phaDi . . . «« «j etiAin in psallendi nrdine copulnla. Gio tJimivclier 
BaDgneiater, Nnmens SyiucoQ. bißlt eich ein« Zeltling im frünkiscbfn Relehe 
bmi l{etD«<liaH von Rouen atiT. Als er vun Pnul 1. ziirilckberurcD wurde, 
BD die Leitung dor römischen Gea-in^schuie >u llt}itm(!litDfl», sandte Reme- 
dina elticbc aeioer Uöoche oacli Rom, um aic dort Ausbilden zu laasen 
(Cod. Cam!. 4i S. 139 f). 

I) Mao vgl. di« AnwcsAnbeK römischer Legaten auf der Keichavtr- 
liamnlunj von Compi^gne. Wird bei eiu paar Bc»chlU»aeu (c. 11. 16, 20 
8. 38 f.) bemerkt, da»« «je uialimmtea, an iat eineriiiita klar, daas icati auf 
ibr« Zaatimmang Werth legte , sndereraeita , daas man aiß docb nicht zu 
bedürfen glaubte. Vun» päpatliche Guiachteo erbolt wurdeii , ergibt aicb 
aus den responsa Stcplianl, ()uao Britianiru monaeterio dedit [TM Man«. Xfl, 
^^8 fr..i. Die f'rngf-n beziigen «ivli xtimTlieg] auf das El](>tecbt, tum Theil 
■of dio DiacipUo der Kleriker. Die letzteren geben eine Voralellung voq 
der Verwilderung der fränkischen Ueiatlicbkeit: mftn h»rt von Einern I'riealer, 
der alcb nicht Über seine Ordinatioa auawi-isen konnte, glclchtrohl eine 
Zeitlang ala Priester faogirte, daraiiT den geistlichen Stand rerlies) und 
hdmthete (c. 10); von anderen, dlo weder das Symbol, noch das Vater- 
Uoier, noch die Psalmen im UedÜchtnis baden (o. 13), oder denen die 
Tsofformel fremd war (e. 14l. Die Anlworlen anf die entere Reihe von 
l'rsgen sind deshalb von Wcrth, weil sie zum Theil Dinge betreGTen, die 
alsbald im frünktschen Reiche gesecßllch geordner wurden, nnd zwar mannig- 
fach nbwt'ichend von den Erklartini^en Steph.inB. Die l'ragc nach dem 
Rechte der Khe bei gciallleher Verwandtschaft, welche Bonifadns so lebhaft 
(wKliäfügt hatte (ep. 39—31 S. 91 S ), wird von Stephan verneint. Mna 
sielit, daas die gleichlaiuendeo Entscheidungen der RischCfe 0- c. .S. %} 
fas frlnkiscben Reiche nicht durchgedrungen wnren (e. 4J, 




- 32 - 

nicht ganz drei Jahren BlaUfandRnM. Mit der ßynodo za Ver- 



1) reber di« Chronuto^pe der Pippio'schen Synoden besteht keJD« 
U«b6reinHiiinniung. Sicher int dim iratnm der Synnile zu Wrneuil, and »o 
gut wie sieliei das Jahr der VcrHauiuilunB von C»iD[»i6^e. Waa die 
Übrigen anlangt, so verlegt Koiibarg {KM. ü.'s I S. 419) die SyDOde M 
Verberle in daa Jtiir 7ä3; d«ran tiiilt aucli üt^tiv k'M (CG. lü S. Et73), 
wngegf^n UölaD«r IJ.B. S. iä.*)! unwr ZaAtimionng Mühlbacbertt IK..I. si) 
atcli Dil T26 encacbeictet und Iturvtius sie riem letst«» Jslinicihut Pippius 
sawfiiat {dp. R. Fr. 8. 'A^). Von den CoscblUstCD von Vorocuil 94-heJdut 
Oelaoer, dem Uefele beioumoil iCG. ll[ 3. 590), c, 13— 'ii, die sogen. 
petitio epiacoponiro , »b t.S> 'Itiä ff); sie boI hcrvürgegatigen aus den B«- 
rxthiingen der Uerhsctynod« tl«s Jahres ~ö[<-. das sogen. uapttnUre inoerli 
anni (= cap. 13 Ü.'M) aei Pipi>ins Vorlage fllr diese Synode. AH«h na«b 
Boretiaa gehört d» letxt^TC! in <]as Jahr 755, wenn niaht acbon 754. Waa 
nun <lie Synodo vnn Vt?rbene b'ClriR't, so giht e.tt Olr iluti Jahr 7Ö3 genau 
genommen g»r kqineQ Unind; iigeiid «j» Aiisalx IJüitit eiub nur gewinnen 
durch den Vergleich uiil den BeschlUsaen vun Coiupi^gne. Hier geht nun 
aber das Urthcil aus einander: wältrcnd Uelsuei' iS. ittO) s;igt, da» die 
Bf^tioimungtt» von Cnitipit^gnc flieh zum '1 lii>rl »n dii-jenigi-n von Verberio 
anecbtiesBcn, konstalirt Boretius diu umgcktihrte Vitrliältnis. Verglnicht 
man decret. C-onip. 1—4 njit Verm. 1, so scheint mir sicher, du« Uelsner 
Im Rechte ist. I>as liitxiv Dekret tieht zwei FSIlu, Veruaudtacliaft im 3. 
oder 4 tiUed, in Betracht j das erstero Doch einen dritten, Verwandtschaft 
im 3. und 4. Glied: es erweist sich daducch nis das spüceroi dafdr spricht 
aucb die itrf^iigero Strafe ^Comp. 4 vgl mit V'urm. 1 1. Uftssclbe ergibt sich 
aus der Vcrgkicbung von Cutup. 18 und Verm. li; die erstere BcsUmuung 
ist die «püterp, weil genauere! sie iinterachcidct die Ktret Falle, da«) die 
li<<ir«flfundcnSL-hweatcru mli Wissen oder oline Wissen sich vergniigen haben, 
während dit: letztert: uh(i<- Ittickäicht hitTSiif dfe .StrAfbosIiiumung triffi. 
Ist bienach die Synode ti\ Vetberle voi der aii Compir-gnic abgehalten , Ro 
and«rt;r«eits höchst wahrseboinlich nach der von Vcrnciiil. Denn die Vot^ 
rede der lutzicrun noiliigi anz.inieliua-u, dass sißstauraO'd, nachdem IjJDgere 
Zeit kein« Synode gobulton wurd/^n war. Dunii bleibt als .Tabr nur daa 
von OulsDcr angenotutuene. Stlmuie iub hierin Oelancr zu, so nicht in der 
Äbtretjiiuug der cc. 13— 25 von der Synode vou Veroeuil, Üor haadschrift- 
licbc Befund ist liier l'Ur mich entsclieidcnd. Oase die Worte des cod. Pal, 
'jT! „Ueo gratias. Finit" das Gewicht uicht baben, dKss ihtieri Oelsner bei- 
legt, und das» sich in den litingcQ nandschriOeo dte UeberechriA petltlo 
«piscoporuui niclit tindet, ergibt sich aus dt>o Angaben bei Kutcliua (S. 25 
Anm. g.}. Bs erllbrigt die Frage, ob cap. U vor oder nach der Synode von 
Verneait erlassen ist, Boretius verweist Für seinen Ansäte auf Veruens. 2'it 
De llloa allos tx>ll<»neo8 quud voe luiti^a perdunaslin; er findet eineo 
Bcxug aaf cap. 13, 4. Dabei ist vgrausgeselzt, d.iss teloneuin perdonare 
tiineo Zoll erlassen heLsI; so versteht auch Oelsner (S.'2'jI) den Sats. Aber 
perdonare ist biet als synunym mit donare gebraucbt (douati non sint) 
und bedeutet also sehenkeo, «&b es Ja schon an aod fllr sich bedeuten 




- 33 - 



NF' 



^jieail'}t II. Juli 7^. nahni Pippin wieder auf, was er elf Jahre 

irher in Soissons begonnen hatte'). Im Frühjahr 751) tagte iu 

iiegenwart des Kiinigs eine gemeinsame Versatnnilnii^ <lei' (;eist> 

I liehen und weltlichen Crussen; im Herhste Tolgte eine rein geist- 
Hche Synode in Verberie'), endlich im Jahre 757 der Tag stu 
[^lmpi^^^e'), die letzte Reichsvereaminliin^ unter ^ppin, welche 
kirchliche Gesetze erliess. 
I Man erkennt die Weise Pippins in dieser rascheu Folge ron 
Synoden: er drätigte vorwilrls, liia dos erreicht war, was er Tür 
rikithlg hielt; dann liess er die Dini^e sich ruhig weiter ciitwickehi. 
^oD Anfang an aber war er entschlossen, nicht mehr zu wollen, 
ItU er erreichen konnte. In dieser Hinsicht ist kein zweites 
}chriri£lück für den Geist der Pippin'schen Verwaltung so charak- 
aristisch als die Einleitung zu den Beschlüssen von Verneuil. 
ts sind Worte der Bischufe, welche inaa liest, aber sie geben, 
Tttie ausdrücklich hervorgehoben wird, die Gedanken dos Königs 
wieder. Ks ist leicht möglich, das» sie aus eiuer V'^orlage Pippins 
an die Synode einfach hernbergenoinmen worden sind. Wir 
wissen, dass er in VcrneutI anwesend war und an der Be- 
ratboDg und Festsetzung der Bescblüsse llieilnubm; von einer 
Bestimmung ist ausdrücklich hemerki. dass sie auf seine Anord- 
Bang getroffen wurde ^}. In jener Kinleitnng hOrcu wir nun: 



I kii 
^ hl 



inva. Die Mtinung ist dano : In Bezii; stif die Bbrlgen , von Pippin «n 
kirchliche liutilutc vvrlichetit'ii Ziille aoll es so gebalCuD ut-rdea, dnas in 
ftlten, wo rta Zoll geserzlicb<rwelie nicht erhöhen wcrdc-ii darf, er auch 
icbt als verll«h«n su beiracbtco ist. Dadurch sollte die Z»llborrviuu)( iler 
l^r itchergesiellc «orden: man sollte sich ihnen gpgftitlher nuht auf 
IId früher vcrlieheae» Zullrccfat b«raf«n dlirfen, da Zölli« von I'ilg^ni Ub«*r- 
haapt nicht erhüben werden aolllen. Int dies rirhlig, an liegt in dem unten 
kein Hrtug auf cm p. 13, 1, und i^ bleibt Oelsnere Nacbweia im It«cht, (Inas 
. 13 auf die Vemenslscbe Synode folgte Die Venuimmliing, in der das 
Kapitel bcachloaceo wnrde. niuns itn Frtllijahr ~bf> stattgefunden bAben. eb« 
Pippin den Zug Dich Itnlien antrat Donn nniiu'iglicli iat das cap. eine 
ItUoiKlicbf Vorlnge für die VerliaudUiii|ji.>n einer S^fnode, wie Odaner an- 
sitnint (M- 170^ Das Ist dnrcb cap. f) und 7 .iiugvsrhlusiten. K» bann mir 
der Beic-hlnBB einer g«imschlca Veraamiulutig sein. Die Anwetfvnbeli tippina 
bei einer aotcfaen ist aeihstverständitch. 

I] Vernus palaiinoi publicnoi: Verneuil, Depart. Oisf, Arr. Senlls. 
3) S. Bd, I 8. 498. 

3) VeriDsHa paUtium: Verberie in deiDaelbeii Depart. und Arr. wie 
erneoU. 

4) Compenrlinm palalium: CompK'gne ebenralls im I>«part. OJse. 
b) Cap. 6: Sed doronna rex dirit, qiiod vcllti, nt etv. 

Maaek, Xir«buaii«Kl>iri>to ncuucbUml. ii. q 



- 34 - 



Die Regeln der Väter, die Normen der Kirche wurden aus- 
reichend gewesen sein, wenn sie in Geltung geblieben wären. 
Aber allerlei missliche Verliillcnisse und die unruhigen Zeilen 
lührten dazu, da«s ibre lieobacliluiig zuniTheil unterMieb- Des- 
halb bat der Frankenkunig l'ippin die gallischen Biscbufe fast 
vollzählig zu eineiu K.uuzile versammelt, geleitel von (lem Wunsch, 
die kanonischen Kinrichtuugen tiini{jei'inacsen wiederlierzustellen. 
Es ist im Augenblick unmöglich, das, was der Kirche Gottes, 
wie crwolil einsieht, widersprechend ist, rnllstündig zu hessern; 
doch will er wenigstens eine theilweise Rcforni. Werden ihm 
von (ioti friedliche und ruhige Zeilen gewährt, so hat er den 
Wöiiscli, daas unter dem Beistände der jrLUdichcn Gnade die 
kirchlichen Rcclito wieder rollsUindig in Geltung treten. 

So die Gesinnung, in der Pippin das kirchliche Reformwerk 
von neuem begann. Was er erstrebte, sieht man aus dem Inhalt 
der Syuodalbeschliisse. Das erste Ziel war, die bischöflichen 
Hechle innerhalb der Diuzcscn in vollem Umrang zur Aner- 
kennung zu bringen. Uiebei knuprie Pippin unmittelbar an die 
Itesliamiungen von Soissoos an. Und da diese sich an die 
Thatigkelt des Uunifatius auschlussen, so diente, was er festsetzte, 
der von jeuein ausgegangenen Refornihewegung, Aber dabei 
wurde ihre Richtung verändert: Üonifatius hatte bei seineu Re- 
formen den ijlick auf Rom und auf die Gesamintkirche gerichtet; 
jetzt wurde die Reform tjaiiz in landeskirchlicher Bcschrünkung 
gedacht. Das zeigt sich, wenn man sich die Beschlüsse der y^ 
Synoden im einzelnen rergegenwärtigt. 

Die Anordnungen der Synode zu Vemeuil Über die 
selzuug der Stadtbisthtlmer, die Unterwerfung des gesammten 
DiOzesanklerus unter den Episkopat und die Ausschliessung der 
Wanderbischüfe wiederholten Shtze von Soissons'). Doch schien 
jetzt bereits eine weitergehende Regelung der kirchlichen Ver- 
hültnisse möglich. Demgemäss wurde verfligt, dass Vakanzen 
die Frist eines Vierteljahrs nicht ilberschreitea sollten'}, dass 
die Anlage von Taufkirchen, also die Errichtung selbststündiger 
Parocbieo von der Zustimmung des Bischofs abhänge'), d&ss 
der Uebergang der Kleriker von einer Kirche zur anderen uod 



i 



1) Csp. 1; 3; 8; 9; 13} vgl. Ca]}. Sues». 3—5. CoH. Carol. 3 zeijfl, 
diMS diese Fra|{eD Pippin auch in (l«r ZwttohCDzeit t)est:hHrttgteii: vgl. 
e«p. 3i 4; 8; 10; 15-17. 

2) Cap. 17. Zu UniDde liegt (I«r 25. Ksooa von Chatcedon. 
8) Cap. 7. 




- 36 - 



¥011 einem Bisthum in das andere unzulässig sei'), das« die 
Priester regelmässig; an den Bist huaiBsyn öden Antlieil zu nehmen 
h&Ucn'). und dass sie gebunden seien, vur dem geisilichen Ge- 
richte RecliL zu suchen^). In dem allen ist die Absicht unrer- 
kennhar, die Stellang der Bischöfe zu festigen; man darf dno 
glßirhen Zweck wohl aucli in dem Beschluss über die Heob- 
tcbtung der [mmiinitUten') und die Giltigbeit der liiscbOfltchen 
Exkommunikation^) suchen. Wenn nun aber hiebei als letzte 
Instanz über den Biscböfen der KOnig zu entscheiden hat, so 
war otTenbar der Gedanke der Landeskirche niasegebend : man 
kannte keine jenseil« der slaatUcheu Grenzen gdegeue geist- 
liche Gewalt. Noch ein anderer Punkt ist bemerkenswerth. 
Wir erinnern uns, dass Pippin auf die Uurcbfllhrung der Hetro- 
pülilan Verfassung verzichtet hatte*). Indem man das kirchücbe 



■ ZuU 



I) C>p. 13 und 31. Dem «rsteren liegt c]«r 20. Kanoo vod Cb»lcedoD 
Rrande, der jedtich mit Ktlcksicbt darauf, das« sicli iin frätikiscbün Reicbe 
bireicbe Kirchen ini Beallzo voa Laien befanden, erwehort ist. Dio Worte 
les 'it. Kapitel«: ificut in illo nljo sinoda dixjatis, venroisrn wobi nteht auf 
bgvad atnc unbekanotv Syaodc, eoudcrn auf Cap. Sums. 4: UnuBquisqiiP 
pfMbfier, qni in parocbia eal, episco|iM obediena et aiibiectus Sit. 

3} Cap. t). BiiihuiDS«) nodcD wari-n dvr frKntiisctieu Klrclje nlelit freoid. 
(CoBc Auttsn. (a. 5i8j cat>. 7); die letzte Synode vor Boniratiun, Auxetre 
t9& (ä. Bd. 1 S. 366), zsigt, dau mau läajtor an ibnoo als an dengriSucren 
finden festhielt. 

3) Cap. 18. Wiederholung des ran. 9 der 3. kartbsif. Synode, bezv. 
der Synode von Dlppo (393, ürunt, Canonca eic. l S 12-1). UrigefUgl sind 
die Worte: Et maxime, oe in lalibua caosis inqaietndine doinno re^ facfant 

4) (?ap. 19, 
b) Cap. 3. Verltobrmit eint:m ExkommoDiiiTlen zieht Exkonimuniksdon 

saeh sich. Et ai scinds, qnalfs alt modus iattue excommimioatiomn: in 
eceltaia mm deb«t inirare, nee cum uullo clirisiisDu cybum vel potutn 
•onerat ti«c ciiu munt^ra accipere debet, vel osoulnoi porregere, nvc in 
oratktae [uu((«rc. ncc Baluioru, nntcquam ali episcupo aun sit reeoncillattu. 
ZullUsigkoit der Äpp«t].-iti<>u an die MetropolUen. Endlich: Qiiod ai aliquis 

otnaia coalempsetit. et epiacupiu liuc uiiniui« ctnesdurc puiuerii, regis 
da Nlillo condamnetur. Daa KapitcL wiederholt Boichlllaa«; älterer 
frinkiscber Synoden (s. Turon. 111 ;&67] caa. 8; Audaa. [a. 5B5] oan. 38 f.; 
BMDOoa. [c. » 625] can. 'j). B» genUgt nicht, mit Oelauer (J.ß. S. 32?) 
la Cod. Carol. 3. 2 ii. 22 zu eriun<:rn. lo Belüg auf die Verliaunuog 
vpnreial Oelaner darnnf, dass diese den FäRtleniialbüchern nii-bi frümd i«t; 
t* iat doch ein Unterschied; denn sie kennen sie nar als eine von der 
rehe snfgelegie Bniae, wSbread li« hier ala eine vom KOnig verbängte 

'« In Betracht kommt. 

6) 8. Bd. l S. 520 f. 

3» 




- 36 - 



Strafrecht siclierstellen wollte, ergab sich die Xothwendigkeit 
^ner geistliehen Appt^llntinnsinstanz über den Biechflfen. Von 
diesem Punkte aus wurde mun zu der Einsieht gedrUngt, dass 
Metropohtcn nieht zu entbehren seien. Aber Pi|>)>iu sah anch 
jetzt davon ab, die alten Sprengel, und damit die alte feste 
Ordnung ta erneuern; er begnügte sieh, etUche liischtife in 
vicem nietropolitanorum zu bestellen, und forderte Gehorsam 
gegen sie bis zu besserer IVcgelung der Angelegenheit*). Dass 
hier nur eine prorisorische Ordnung getrofleu ward, blieb nicht 
ohne Folgen bei dem Versuch, das f?ynodalwe«cii wieder zu 
beleben: Zweimal im Jalire sullten Synoden zu&animenlreteo; 
man kouule fite nieht als Versammlungen der Bischüre einer 
kirchüetien Provinz künstituiren; rum landeskircblicben Uesichls- 
punkt beherrsehl, scfauT man Reichsynoden. Die erste, im März. 
vom Kütiig berufen, sollte in seiner Gegenwart tagen, die zweite 
im Oktober in Soissons oder einem anderen eigens bestimmten 
Ort. Während bei jener die sammtlichen Kischöfe des Reichs 
anwesend sein sollten, hatten an dieser nur die interimistischen 
Metropoliten und andere von ihnen geladene Kleriker theilzu- 
nehmen. Die Ilerbstsynoden waren demnach Versammlungen 
kirchlicher N'otabeln, ohne Zweifel bestimmt, dieHeschlilsse der 
Krübjahrßsynoden vorzubereiten '}. 

Ein weiteres Ziel der bynode von Verneuil war Ordnung 
des MöDchthums. Bischöfe und Synoden wurden zur Reform 
der Klöster verpHicblet; man meinte su durchgreifende Mass- 
regelu, wie Absetzung widerstrebender Aebte, nicht vermeiden 
zu köntien^). Wurdeu die Bischöfe als hiezu befugt erklärt, so 



1) Csp. 2: Cptacopos quos in vicem melTupolJtaDortim rnnntituiuati«. 
Dt ceteri epiacopi ipsis iti omnibus uboeilinot secunünm eanmiiuatn insttiu- 
tioneu), liilcriiu ijuod svciiniliini cünonioxtu •.■oiiBtillitiuneni tiuc plenius rm«n- 
dftmiie Die AdiulUiik; von Ocluiicr (J.B. S. 2?2j , daaa diese Bosielluujt 
kun vor der Sj'nodo alsUfCHfiinden Labe, scheint mir vreniger einfxcb ats 
die andere, dAis die Synode adbst sie vornahm. Oap. 4: Quoa modo 
coailituiinuB uölbigt Dicht zu Oetsncra AnDalitD«; denn mudi^ tiaon sich 
ebensogut auf die Ur^nwart ala auf ittr nüohati^ Vl^rgangcnhcit bezicbeni 
vgl. praef. S. 3^: KaculiMs modo nun suppciit, 

2) Cap. 4. Masagobond siod aucli hier die älteren frSokischen An- 
»chauangen; vgl. Bd. I 3. I&6 ff.; 476; 499, und über die abwuichonden 
l^ffdanlten dea ButiilatiiiB ib, .S. ^24 ff. 

31 Cäp. b\ 6; 20. Daa letztere Kapital furdert RechaiingaabliiKe an 
den Kiin\g oder Biacbof, je nachdem diia Ktoaier ktlniglich oder biachöflirb 
iBt Der äaU begiDDt: In lllo allo siDodn nobis perdonnatia, iit ilta luuon- 
sterio, ribi n^giihHter monaehi vct mooBchas vixeninr, nt bo'C quod eia da 




te doch einen neuen^SKtiüTr iiiil*'ÄiistiriiitmNg 
Kiiuig-i einsetzen'). Die Mt'Snclie sollten an das Klo.'iter gelundeu 
sein, in welchem sie ihr Gelobte abgelegt halter). Man gestattete 
ihnen nur in dem Fall den l'cbergang in eine andere Mönclis 
geiictssen schalt, das« das Ktr^ster, dem sie angehürlen, an einei 
littieti kaiii'i. Zum zcitweiliK^n Verlassen sollte zwar die Kr 
luiibaia des Küiiigs, den Hof zu beglichen, nicht aber eine Wall 
fuhrt uQch Roui berechtigen^). Onss man dorn freien AskeLen 
Ihum entgegentrat'), i«t begreillich. 

IJeberi dcin^ was zur < )rgaMisaliun der Hierarctiie und Hebung 
lies UöncliEbuins geschali, IrciLMi diu Massregüln zurtlok, wetclie 
sur FürdeniQg der allgemeinen SiLtlichkeii dienen sollten. Üaa 
Wicht)g6le ial, dass man den [Jeschluss eines rntlieren fränkischen 
Konzils, der dritten S,vnüdc von Orleans, Über die Sonntags* 
Mer wärtlich wiederliolle, und dasa man öffentlichen Abschluss 
der Ehen furderle*). In Hinsichl des Kterus beschränkte man 
Bioli auf eiuc nachdruckliche Erklärung gegen die Simonie und 
auf das Verbot weltlicher Oeschüfle'). 

Die Frulijahreflynode des Jahres 751) baute an dem in Vcr- 
ueuil begonnenen Werke fort, indem sie eine Frage nu cnt- 
scheiden unLeruahm, die lAaggt auf der Tagesordnung slaiidt die 



illu res demittebntis nndo vivero potttiasent, tit exinds etc. Boretiua be- 
ffinkt dazg tJuiiia synodi cnnoDes hodie oon czatnnt. Wie miob dUnkl, 
Uegtauch liier cId Bezug auf die Synode vou Solssuita vor. Cup. 3: Do rebus 
ecelMiaslicis aubtraditis monachi vel ancillas Det cunsok'Dlur, usque ad 
lllonua neceaaitati aatlBfadanU 

1) Ad Stelle de« abgeietit«» Abt« ist per verbum et ToluDtat«in doiSDü 
rege rcl consensu aervorum iJei ein neuer xu wählen. Hufule (CG. III 
9. f)S>^) erklärt: .Unter Znatiiumung der Riiich(>re'; mir acboinl, daj.<i viel- 
melir aa die Mbncbe zu dcnkeo ist; diu GiflcliUrii wählen ja. - Daaa auch 
Iti^r die iiD fräiikiacbeii Reictin von Anfang aa beiiniseli« AmchauuiiK fc-nl- 
gebaltco wurde. dIido dasa das Vorbild dee BuDifatiua KacbakjtuuDg fand, 
brauclit kaotD bervorgebubea tu werdoo. Vgl. ßd. 1 S. 223 f- und biö f. 

2) C«p. 10. 

3) Cap, 6 und 10- War«n den Mänction Köm wallfahrten aL'hlecbthin 
TOtbotes, 80 DDteralilrzte nan im UbHgen die Pilger dnrob Gewülirung der 
;Collfteib«l (cap. 2V). 

4) Cap. 11. 

5) Cap. 14; vgl. Aural. III (a. 53S} cao. 20 Bd. I 8. 207 j cap 15. 
Odancr (.TB 6. 319) iitieraebätzt die Synode, Indoiu ar aa^ ea sollte diu 
guamoitu religiJi»e I^beii der Nation Rvugcxtaliet werden. 

6) Cap. 24 und 16; letzteres nucli Cuoo. Ctialc. cäu. 3. 




— 38 - 



uiaa aber in Veriieiiil nur eben berührt hatte *), die Frajje der ver- 
boteneu Ehen. Wir wissen, wieweit io dieser Sache dietränkischen 
RechiSHiischauunyeii und die kirchlichen Vorschriften Bajeinaude^ 
giDgen'). Die letzteren waren im Jahre7l7 von PapstZachanas auf 
Antass Pippins in ihrer ganzen Schärfe forinulirl worden'), aber 
die ersteren waren gleichwohl in uugestürter Geltung geblieben. 
Jetzt erst legte man Uand an. das TrAukische Eherecbt den kirch- 
liehen Normen anznndhern. Dabei blieb man weil hinter dein 
Kurllck, was Zacharias gefordert hatte: man verbot nur die Ehe 
in den drei Ddchsten VorwaiidtscharUgraden, die mit Xoiuien und 
die zwischen geistlich Verwandten •). filatt auTdie HiJlie der Forder- 
ung legte Pippin den Nachdruck auf die sirenge Besirafutig der 
Ueberlreluugen*). Wie 8chwierig die Regelung der Aiif^elegen- 
heit war, sieht man recht deutlich daraus, dass auch die. beiden 
uüchsten Versammlungen sich vorriphmLich mit ihr beschüftigten'): 
man hatte gewisse Bhen unter schweren Strafen verboten ; 
nun tnussle man Bestimmungen darüber treffen, wie mit den 
früher geschloaseaen incestuoseii Eheu zu verfahren sei^i i>ocb 
eine Anzahl anderer Fragen war zu entscheiden'J. Nirgends 
sind die Orundsütze ausgesprochen, von welchen man sieb leiten 
UeeSj docb treten sie bestimmt genug hervor. Vor allem sah 



1 



1] Cap. 9. Vgl. auch Su«ss. o. 9. 

2) Vgl. Uining, Q. d d. K.R. II S. 542 ff. 

3) Cod. Cnrol. 3 o. 22 S. 29; s. o. S. 10 ÄDioerk. 3. 

4) Lctxt«roa ein Ziige»tifndois xv. die kirehlichiMi Forderungen; vgl. 
Cod. Carol. I. «.; Resp. Sicph. 4 Man». Xtl, nsg. 

5) Cap. XIII, 1-3. 

6) Von den BeacbtUsseu vo» Verbcrlc bezleben sich nicht auf Ebesaobei) 
c. 4 (die Nonn« miiM im Kloster bleiben, wen» sie nicht wider Ifaren otlor 
ihres Cannes ^Villen ib das Kloster kam), 14 (Waoderbisvbfifea atvhl das 
OrdfnAtfonarechc oEcht zu), 15 (ein deKradlner Priester darf di« Noibtaiife 
vollzivben), 16 (Kleriker dürfen keine Waffuo tragtiD]. Vod den K^ipitetn 
von l'otoiiU-gtte K. 12 (die Tanfe durch einen nicbi jfetAuften Pricater ist, 
wcuu foimell liubllg vollzogen, giltig], 5 und 14 (Wiederholung von VGriiL,4). 

7) Verm. 1; Cotup. 1 — 3. Bei Verwandtschaft im drillen Glied wurde 
die Ehe aafgeliSsl; bei dem vierten tilied wurde sie goduldeu 

8) Dass die thalsächlicben Verhälrnisse lu weiteren Bealimnmngen 
führten, er)([bt sich .tua der Form von Comp. 9. üelaner erinnert (J.ß. 
8. 313) treffend auch an den llrief des Bischofs Megtngox an Lul (Bonif, 
etc. ep. 132 S. 298}. Ueraelbe ist wicblig. weil er zeigt, wie raclilos dor 
ClniClne den VerbÜltDisaen gegenüberstand, und weil er beweist, dass die 
Abweichung von den rUmiachen Fordorusgcn den Analebten des fr&DhlieheD 
Episkopattt entsprach. 



I 



man in der Ehe eine Verbindung, die nur dann zd Recht be- 
steht, wenu beide Theile völlig freiwillig auf sie einge^^angen 
sind: eiae erzwunt^eue Ehe ist keine Ehc*J. Von der siirlicliea 
Hoheit dieser Verbindung war man so Überzeugt, das« man eine 
geschändete Ehe nicht ertragen konnte: sie musstegelost werden'). 
Üaruuter sollte jedoch der Unschuldige nicht leiden: ihn) war 
in dteeem Kall wie nberhaupt die Wieder<rerheirathung gestaltet^). 
Hao achtele die Ehe als eine so innige Genneinschart, das« sie 
die Kluft, welche Freie und Sklaven trennte, iiberbrUckea künne*). 
Uud doch war sie nicht das höchste Genieinschansv-erhültnis, das 
man kannte: über ihr stand das Verhältnis des LebealrAgers zum 
_Lehen8lierrn*). 

Wir irren wohl nicht, wenn wir in dieser BeurtheÜung der 
Ehe deutsche Anschauungen wirksam finden. Auch indem man 
aich io gewissem Masse den Ordnungen fügte, welche sich In 
der rÖmtBch'CbrislIichen Welt gebildet hatten, und welche man 
den Deatschen als götiHclies Gebot rorhielt, vermochte man nicht 
auf das Kationale ganz zu verzichten. Des Uuterschieds war 

II 1) Venu, fl; 13; Comp. 6; 7- — Vfirni. 8 bildet aar rineo scli«in- 
buea Wldcrsprneli : iler Fruigplmsaene wird als durcb den freiwilligen 
UngaiOS mit der Magd ber«ii8 gebmnilen b^tmcfjt«!. 
[ 2) Veno. 2; 10—12; 18; Comp. tO ; 11| 13; 18. Qeetattet war die 
LOltiBt; der Ebe, weon di« Fritit dem HatiTi« nicli deco Leben etellte 
iVerm. 5|. Das» die Ehe auch apüter nocb durch gegvaaeWge Uebcrein- 
koaft aufgelöst werden kuiinle, zeigt Furmul, Merkel. 18 S. t.N8. 

3) Verin. 2; 3; 9j 10; 11; 17; 18; Comp. 11; 13; 17; 18. Wie mich 
dttokt, widerlei^a diese Bestianniingen Kettberga (K.G. D.'s II 8. 757 f.) 
Auahne, dass diese g^atB üusi^tzg^bung der Absicht diene, die Eh« 
■QgHchst zu erBchwereo, Die Abwvicliuni; vuii deo riiuiischen tiruDd- 
slizeo, die In ihnen liegt (siehe S. 40 Anm. 1 ), beweist, dnss das nicht di« 

Kbsfobt war. 
4) Die Resp. Steph. 1 wiederholen den bekannten Ausepraßh Leos 
Gr, wonach Eben mit Sklaven an eicli nichtig siad; Ancillaia a toro 
abieere et nxorem cenae ingennitaiia accipere noD dnplioaiio cosliigii sed 
^H^Dfectui eat hunestaris. Venn. 7 gibt eine analoge Bestiminung, nigt aber 
^^KokU: 8m1 meliu« eM stiaai .-tnciltam tenere; vgl. «'.8^ 13: <4iii acit usoreiu 
■aain anciDoin eue et tccepit eam roluntario, aemper poslea permaueat 
Lh^ub ea; c. 30. Cooipend. 6- 

^H bt Der Leht-DsmaDD onus dem los Aualaod ziehenden Berro Tolgen, 

^Bäof Adern tuentiri non poterit. Weigert sich die Frau, amore part^nEum aut 

^anbai rals zu folgeu, so wird aie nicht gvuötbigl; nur musa j^ie uovcr- 

lieJratbei blcitten; dagegen steht es dem Manne frei, wieder au heiratben 

(Varfln, 9; vgl, Compeod. d). 




- 10 - 

man sich klar bowuöst: man betncrkte liei einer der Verniguiigou, 
daes die Kirclic sie nicht anerkenne; GeaetKCskraft liaU« sie 
^leicliwohl *). 

Seit dem Jahre 757 ruhte die ge^otz^eheri^cbe Tbütigkeil 
PippinK; er erstrebte keinen AUscbluss seiner ItefüruigeselKe; 
CS la^ ihm mehr an der iJurchl'Uhrung des Jjesclilosseneu. 

Man hat verinuthet, das« unmittelbar nach seiner Erhebung 
zum Kunit; die im Jahre 7i4 zu äoi^suus 2Uges&i;te8iclier6lellung 
dos kircldichen Besitzes von neuem angeordnet wurde ^J. l>as 



1) Vorm. 1^: Qni cntti mnRobrina uxorEa sntie tnnnet, aus earcai et 
iiiilUiii aünui babeat. lila miilier qu^iD tiabiilt fuciat iiuoi) vult. llgo «ecelesta 
non r«oipft> Auch Vcrro. l7 stohi Im Widcraproch rail der Resp. Steph. 2 
aiiiiüejiprilcbdiKril Aiisclifmuritf; uittvr ZitHliinDumg dea rüioiBcben Gesaodton 
wiird« L'inn Atiümlcruii^ dit-!)L>B KvHclihiHHcH vorgvnntnmAn (Comp. 20); «lleltt 
dieo«? AcudeniRg traf das We.%t^tiC liehe Avt Hachf. a'wbl ; deuQ auch {m xwelt«n 
ßeachluss ist vurausgeaeizt, dnia bei iuigeäiandnoer Vorwei^enin^ der ehe- 
licItQii rilicht die Ebe auftulöipo ist. Löotog (U. d. d. K.R. K ü. 590) 
versteht die B^^stimmung aiid»-5. Besonders die prinzipielle KrLiiihnis dvr 
WioduiverbL'ir.ilhati){ für deti uoschitldigen Mieil »tebi gegenüber der prin- 
zipiellen Veraagung dcraclboo (Cod. Carol. J c. 7 und 12 S. 24; Bctp. 
Stepb. &). 

2) So Wsitz, V.G. 111 S. 6ä Aom. 1, anf Grund der Notis der Ann. 
AUd], Unelf. Nazar. %. J. 751: Res «ccksi^rum descript«» atque diviaasi 
v^l, Ann. Berlin, s. J. 749. Oelener (.I.B. S. 10) braielit dio Notiz nar 
auf ein lokales Fiikluui, Gütoreiuzinhiingttti, in AUioan nien durcb die Qrafen. 
Kibbcok ( L). s. g. l^ivlaio des fTänkischen KircbcDgut« [Berlin 1893] S. 65 flf.} 
siebt ia der Notis 'let Add. Uertin. dia UebL>rlieferung eines Ereigniascs von 
horrorrsgondcr. das ganze Keicb ninfasscndtr Wichtif;koit: bis zum Jahr« 
75t sei in den BistbUmero, die auf deui Itcicbalagä von Snissous kanoulscbc 
blacbüfe erhalten hatten. (Üc Verwaltnng des Viniiögena vun d«?r des 
geistlichea Amts K^trennt gvbliebeD ; als aber tu diesen) Jabre in luebreren 
Stiftern beides wieder vereinigt wnnle, halie nin.D sich iiicbt auf die (Jm- 
wandlong der entfremdetea Güter in precariae verbo regis bescbrKiikt, 
Buodern ein Dritlt^l uiiCT die Häirte der Güter der ivirkli<;beu Iiisposilion 
di'a Biscbofa surtlckjjL'geboD, Dagvguii verstvltC Ribbeck die Kaehricht der 
Ann. Alant, etc. wie Ocianer, mit dem Unteracbiede, dass er nicht an 
Jokak, sondern allgeinciU'O Einziehung denkt: in vüllig geordnetem Ver- 
fahren acien Einziehung und Itimtitution nohen eiii&nilor hergegabgea. Je 
wicLtiger bei dicsor Ansiebt die Naitzeii sind, um so unbegreinichar er> 
acheint es, <ia.S9 di(i frühesten, Itericliltrslalier von di-n Vorgängen luni 
TIloJI nur halbv, zum Tboil keine Kunde geben: vgn der Kestitulion bc- 
riciitut Ja nur ein He riutit erst alter des 9- Jahrb.'« (Ann. Bertin.). Um so un- 
begreiriicher ist es auch, daas sich von dpr Au^fllhrurg der doppelseitigen 
Hassregcl Pippins kaum eine Spur aaehwelson l£s9t. kb vermag dcslialb 




i: 



ihrschcinlicfa. wenn aucli nicht gewiss; dagegen ist siclior, 
wutireuJ seiner Re|^ierung xalilreiclie entrretndeta Kircliea- 
gDtcr Zurückgegeben wurrleii'). üebertiaupt kmin er nicht 
karg gegen die Kirche gewesen sein. Die Bischöfe hatten das 
Vertrauen, dass die köni^^ltclie Unlerslillzung armen Stiftungen 
llrht lehlen werde-). Kr selbst legte Werlh darauf, als Be- 
;hützer des Kirchengut« anerkannt zu sein: unter den Urllndeii 
kr den aqnitanischen Krieg wird die Schüdigung der Kirchea 
lurch Waifar aiigefuhrl*). 

War es schon ein Gewinn, dass die willkilrliclieu VerfUgun- 
^eu über das Kircheiigut wenn nicht ganz unterblieben, so 
locti eingeschränkt wurden, su war noch wichtiger, dass in die 
lesfltauQg der ßlsUiUtner wieder eine gewisse 8tAÜgkeit kam; 



AogaUo d«r Ann. B^rtln. nur «ine bereits MgenhafE uuigir»t»llete 
Bziebang de« Itonifatjua) WiRdiTf^aliu der Thatsai-he xii erkennen, 
■m uoltT Pippln xietDÜcb weilKcliendc H«sii(ucionea vrlolKtfii, w^kgvgen 
Angabe dfr Murbacbrr Annelpa (Add. Ouelf.: Reg ecclesiariioi do- 
•cnpta«, quae i;t riiviaae) mir alhrding« darauf lu fUbron scbeiot, dass in 
diearr /eil rJne Anordnon^ erginj^, welclie das B<^sttzrecht der Kirche an 
das [q l^ietibÜudca t>vljndlicliv KJrgliciiKUt atubersteLIou Hultto: es liaudvltn 
ticb am eine Wrreiclinun^ der Kireheugliier, velcbe auch verlheilt waren. 
Hebt beweiafu die Vorgängo [q Le Uans, auf dta sich Blbbeuk S. 69 f. 
bezieht, nicht. 

1) Bio Helipi«! bietet St. Uenig, wo tnit dem Anitiantrltt Tutrad« 
die mickforderungeo des 4*nt fremdeten BcaltKes begtnnon; äK ersten Knt- 
scbeidaDg«D aa Uunelen d^s Klosten hUao oocb in die let&ten Jahr« 
Childerleha Ili f BOhiDer-MUhlbaclier &C, Ö7, bH\; in xwoi I'SIIod battdelt 
M sich am Güter, welcbe in deo Deaiu anderer Sliflungeii gekomoien 
waren, im dritten (Nr. &8) inn Ullter in elf verscbicdemon UaucD; Kulrad 
»vllle offeobar von Anfang an reine Bahn scliad'e&. Uleicbwobl geben die 
Rnrkgalies Doch fon: 1. UÜrx 7^^ [Nr. 63), 754 (Nr. 74). 766 (Nr. 101). 
Vgl. aacb Bibbeck a a 0. Ü. 73 B. 

2) Coae. Vern. c, 6: äi ali<)na tnonasteri» sunt (lui eornm ordiuetn 
ropter paapertaiem adintplere nun polurrint. Imc ille epiacopiie de veri- 

taie pra^videai et hoc dmnno n-gu iouuiescat, nt in atia «IlmoMna boe 
Mtndare facEat. 

3) Fredeg cont 124 Ann. Laiiriss , Eiob. s. J. 760. Doch iat 
M benetkvD, dasa Cotfieiudungea auoli unter Pippio vorkamen. Das Ist 
In Bezof; aaf di« Koatnitxer DIöacse aweirellos (Walafr. V. (iail l). ^f^ 
S. 34; Vit. Oimari 4 S. 43). vgl. was Ciesl. sbb. Kont. Ib S. 44 über den 
von Pippln zum Abte von St. Wandrille ornannti^n Laien Wjdn erzähle 
wird. Auch Ltil von Mainz liatte Über Heraubiing^n zu klagen (Houif. elc. 
ep. 108 ä. '26-t); Über Weomad vun Trier a. u. S. -18 Anm. g. Vgl. Oelsnor, 
J.B. S. 7 f.. und Klbbeok a. a. Ü. S. 71. 




- 43 - 

länger dauorode Vakanzen UVirten auf. 8d lückenhall ilie Btschofs- 
reihen für diese Zeit theilweise noch sin*], so gibt es doch kein 
deutsches Bistlnim, von dorn nicht ein ndtir der aaderc Rischor 
aas Pippins Regieningazeit hekannt wdre. 

Ftlr Main« Latte, wie wir sahen, Bonifatius durch die Er- 
hebung Luis Sorge getragen') Man begreift die volle Sympathie, 
welche zwischen beiden Männern herrschte; denn mancher Zug, 
der dem Lehrer eignete, findet sich bei dent Schuler wieder. 
Üo treulich wie ßonitalius hing Lul an der Heimath; sorgsam 
pllegl« er die üeuieiDSchaft mit der englischen Kirche; sein llrier- 
wtichsel mit ihren Bischöfen war kaum minder lebhaft als der 
desBunifalius: dieErzbiscbCfe Cndbcrht und Bregowin vi>nCanler- 
hury, Alkiiiiis Lehrer Aelbert von York, die EJischOfe JUilret von 
Worcester und Cyneliard von Wuicliester waren unter seineu 
Korrespondenten'). Man hat den Eindruck, dass er zu ihnen in 
einem vcrU'autcren VeriiÜlluisse stand als 7.a SL'inon fränkischen 
Amtegciiossen; denn wührend er dos Martyrium des Erzbisehufs 
sofort nach England meldete, nm die jährliche Feier seines 
Todestags zu veranlassen, wissen wir von einer gleichen Mit- 
theilung an den friinkischen Episkopat nichts^). Mit Cndbcrht 
und Cynehard stand er iangat in einem Gebetsvcreine*), ehe er 
einer ähnlichen Verbindung fränkischer Bischöfe beitrat'). Wenn 
die fränkischen Verhältnisse ihn bedrückten, so erleichterte er 
sein Herz, indem er eeine Sorgen und Klagen vor seinen eng- 
lischen Rollegen ausschiUtete'). Auch darin bemerkt man das 
Vorbild des Bonifalius, dass Lul sich des Eingreifens in die 



1) Vgl. Bd. I S. 443 ff.! 037. 

2} Ueber die en^lischea KöfrespuDdemoii Lulshstid«l[ mit crsohSiifcb- 
der Gründlichkeit und fn aDzioheoder form liabii . BuDifae und Lul 
S. 256 ff. 

3} Wir liesiuen die Antwortsoli relbtn CuiJberhis und MiErela in der 
Bri«riiaaitDhi[iti> 4l«g Buuifntiu» («p, ll'ä I'. H 2Ö1 ff. i, «ligegiin keine Anl- 
worl eines friici k [schein Kiecliofa. Lul Bchi^int xiir jälirllcheo Keier di;s 
Todeatatts sufgeforJerC eii haben i«. H. ^CS). 

4} Kp. 106 S. 264: Quod jaui oiini, vjvcnte vencrandsa taeowriaa 
Bociifact«} . . :i«nuo «.'unditinn osbo conatLt, id ipHiiiu seiuper renovar« a.d 
iiiviceoi eatia ne^ices-iriuin duniuius; huc ust: ui cniituai! pru nubis austrisigue 
dt hie vivrntibiis et hinu obivtitibus intorpelLitiniie« orstiones luUsariimque 
reinedia . . ogatitur; vgl. 110 8. 270; 137 S. 305. 

b) TodCecibiind vun Actitiai («. u.). 

6) Ergibt sich aus ep. 106 3. 264. 




- 43 - 



p«ltti8cbca Diuge konsequent eiiLhielt'). Wie hätte es anders 
sein können: auch er war beherrscht von der asketischen Au- 
ichauuQg des Leben«, die geneigt war, selbst in kirchlichen 
Würden weltliche Grösse zu sehen'). Seine Arbeit galt seiner 
DiOze<e. Dabei erwiesen sich seine Bexiehungen zu der eng- 
lischen Kirche als werthroll; es war ihm möglich, rrische Arbeils- 
kräfle aus derselben zu f^ewinnen'); noch waren die Zustande 
im Mainzer Sprengel nicht sn gefestigt, dass er sie b&lte ent- 
behren können. Freilich machten die Landsleute ihm mitunter 
auch Sorgen; manche mochten die Fremde aulsuchen, da sie 
sieh den kirchlichen Ordnungen nicht ftigeo wollten'}. Doch 
rehlle es Lul nichl au Muth und Kraft, dem Unrecht energisch 
entgegenzutreten^) (Jeberliaupl war er zur Leitung eines kirch- 
lichen Sprengeis geeignet; er verstand die Kunst, Vorgänge, die 



1) Die Vfranthins Hahns (B. und I,. S. '255}, I.nl hkbe rlelleicbt bei 
AbachloH d«r V«rtr»gH Pippins mi( Stephan U. tit>er die VerbäUniaso der 
tÖtDUchen Kirch« mitgewirkt, halte ich fllr unwahrscbeinlidi, wann hei dieser 
Utiwitkuog *a mehr |ti>dacbt tat als xa die uiüj^lichi; Tlieilnnhm« an Be- 
fathungeo. 

*J) Ep ins. 272. Aoläullch der Erhebung Gregors zuid Abte vod 
St SaUator in Utrecht spricht Lul von temporalia polMtas et tcrrtwtris 
diclo, qua auctor« Deu iäia nun« uteri«. Wie uugcrübrÜch div^e irdisch« 
Berrlicbketl war, «ci^ dor Scherz Alknina, der db«r Irr^gorn Naclifulgcr 
Altwricb ab raicciputens prataul aputtel. liesseo Gäatu nur Hotiig. Uehlbrei 
md Batter vorgeaelzt erhalten (catm. 4 v. 7 fT S. TU). 

S) Ep. 137 S. SOS. Wio eng die eilige wand erteti AngcUtcbseii eu- 
laxomeabielteD. erfjibt sich x. B. daraus, d&Bt Liub» »ich vor ihrem Tod 
von eiaen eugliaobeti Priester, Torabertli, das b. Abünduiafal reichen üeas 
tV. Hob. 23 8. 232» 

4) Cp. 114 S. 279 beklagt sich LdI Über awel Priester. Willcfrlth und 
Eiini«d. Dem Namen nach tat der letztere, dcahalb wahrscheinlich anch der 
entere, ein Angt^lsacbse Willefrith hatte Enraed ohn« die Zusümmung Luis 
io die Mainzer DioitBe gezogen, ein Voraiyja gegen Vcm, c. 8. Ueide 
halten aich auaBcrdem am Kirchengut vergriffen. Die Vorslelhing Ist nicht 
adreosirt. Jaffe betrachtet sie als D»cb Rotn gerichtet; mit (Jtireebt [a. Uelaner, 
J.B. 8. 2'23). Oelfiner selbst niiuoit an , der Brief sei entweder ftlr ctne 
friüikiache Sj'iiod« oder für den Uelropoliten bestimiDt Das ernlere sclieiot 
mir unwahrscheinlich, da von den Bi8cb<ifen in der dritten Perann die Reile 
ist. Ist das letalere der Fall, so kann der EmprXoger nar Chrodeg»ug von 
Metx gewesen aeio. 

ft) Er ezkooimanisirt di« Acblissin Suitha, weil sie awei Nonnen ohne 
nelne Erlaabtiia eine Reiae (Watlfabri nach Rom? in longinqaain regtoneni 
iie. vgl C'onc. Vem. iy'i halte antreten lassvu («p. 1:^6 3. 292). Suitba war 
eine Scbtllerio des Booifatina, 



- 44 — 



_ bowc^Leii , in gottesdieiistlichen Uaudliiiigüii ausklmgen zu 
toBSCii'); er suchte religiös zu wirken, indciti er die Gcdankcu 
seiner Didzcsanen auf Tod und JenscUs richtete: wir hören ge- 
iegcntlicli von einem Todtenbuiid, dem auch Laieu angehürteo'). 
Nimmt man hinzu, dass er zu den literariöch t^ebiJdeleti Muntieni 
gehörte, HO kaitn man sich nicht wundern, dass seine Landäleute 
ihn rühmten*). Doch eiu bedeutender Manu, der den Verlust 
des Boniratius hätte ersetzen kOiinen, war er nicht: er arbeitete 
als treuer Diüzesunbiscbof, so wie liuniratius sich einen stjicben 
gedacht und gewünscht halte: aber Tür die weitergehenden Ziele 
seines Vorgängers in die Ilresche zu treten, dazu war er nicht 
der Manu; so viel wir wissen, hat er da^t nie vcrsucliL 

Noch weniger als er traten die Bischdfo der Kachbarstädlo 
Wurms und Spcier, Erembert*) und liasin^u sowie die <\es 
schwiibischen Augsburg") liervor. In Slraseburg lag die Leitung 
noch in den HAnden Heddos, der uns als GesitiuuagsgCD0S8C 



I 



1] B«i drohender Wasacranuth )d ThUHogeu ordnete er nllgcmeine 
PaBtcn niid Uiltgotteedicnetc an (fp. 116 S. 'J8I). 
2} L. c. 8. -im. 

3) Ale- carm. i v. 52 fT. S. 222: 

Efjregiam f»r»*ii vmieH MaftKOnsis ad utWin 
Perpe(iiuni<|ue valo ilocturi dicito LuLLu. 
Ecciesin« Apcciiufn. »nphian (^iii ap9«iidor habetur 
Moribiis «1 vita Unla coudignus LonurQ. 

4) KrwAlint ia der Hcstälifcungaiirkiindf! der Immunitiit van Worms 
761 [liüliiDüi-UUlilliaclier 97); sudArin als Tlidlnihiuet der Laier»Dayoo(lc 
von 769 (V. Sieph. III, 17); ferner 770 alsZeugc b« ciii«r Schentuns ßr 
Fulda I Drnnke, <'»d. dipl. 8. 20 Xr. 31). E^tembeit ist wahr8cbeiDl)chzii|;leii>li 
Abt von Weiuvntiiir); i />cit«s, Trad, Wh. S. 44 Nr 42 U. ö. i. Kr stirbt nach 
Anu, Xant. S. 223 i. J. 703. 

5) Basin «ar wohl vorlier Münch in Welsaenburg. Zenas S. 139 
Nr. 149 (B. 703) und S. 211 Nr. 221 la. 7S6) ist ein B. diao(>Dus gun»nDt. 
Er unterschreibt als Z«iigo Pippina Urkunde filr Trilin von 13. August 7SS 
(Bühner-MUhltiactier Q^k Um 780 von AlJtuin ^enantit icariu. 4, &6 ff.): 

U Basine bone, Spirensis gluria plrbia, 

He, toga. cuuiuietda faul», puter alniü. patrüno, ^^^ 

Cujus «t altna ctonius Tratres no» fAcerat amboa. ^|H 

Er lousa bald uacbher gpKtorbpo aeiri; denn aio 2f>. Juli 7H2 wird b^sruita aemn 

NiLcblolger Fraidi) genannt ' KührDor-MUhlbachrtr 24fij. 

6) Vuo Ri'iiilu I ». Bd. 1 3. '4&-f > wlssvii wir niutita ala den Nameo ; cboii- 
aowenig von seiupni Nachro]g«r TAtzo ndi*r l'ntzo. Ucn eratrrcn kennen die 
Aui;sburiiccr BiaclofsllBtru nicht; flir den Iclateren gibt der K&ialcig von 
Niedr-ralraich ein« AsDlndauer von ö Jahren an, eine Angabe, dii? su jung 
Isl, um Wenb zu haben iSI. G. äcr. XlII S. 334). Der Micliclfvldcr Kaulog 
(I. c 8. 279) schöpft aus der fabelbal^en Vit. Magnl. 



J 



- 40 — 



H 



des Bonifatias bekannt Ut*). Der ehnmatige Hünch scheint sich 
beaonderB der KünlerunK des Klostcrwesens gewidmet vm haben'). 
Id Konstanz folgten aiir Anirrkl, der unter Karlmaiiii stai-b^). 
äidouius*) und Johannes IL*), beide Kirchen ßtrsccn fränkischer 
All, die Herren in ihrer Di&zese sein wollten. Von den durch 
BoDifalius gestifteten Bisthtioiern ging Erfurt wahrscheinlich 
schou unter Pippin') eia. Willibald von Eichstatt tlberleble den 
König; auch sein Hauptin tc)-e«6c scheint Förderung der Kluster 
seiner Dii>ze«e gewesen zu eein'i. Dagegen starb Dischof 
Burchard von Würiburg in den ersten Jahren nach der Thron- 
liesleigung Pippiiut, für die er seihst gearLeÜel hatte. Die Sage 
Ifissl ihn gegen Ende seines Lebens auf sein Üisthuni ver- 
siebten : durch Krunkheit gebrocheiii, erfüllt von Sehnsucht nach 
dem beschaulichen Leben, habe er sich mit sechs Brüdern nach 

Sdcm Schlüsse Hohenburg am Main zurückgezogen; er habe sich 
mit der Absicht getragen, in der Nahe, im Uorfe Michelnstadt, 
ein Kloster zu gründen, um dort zu sterben"). Dagegen kennt 
1} S. Bd. I 8. 31« n. 4(5. 
3) ErcrnturnEltenbpiniDUnster (MonaehoruiDcells) mit Dncersllltzun^ 
npirioi fBr 30 Mtjnoh«; er eroaniit« ilrn Aht Ilildolf und fUlirto ih*o 
ßnedlklinrrregel ein. [Jie reiche Ansststtung gut) er toii Zustimmung des 
Kl«ni* un<l drt nrirgor zum Thoil an« detn Besitz seiner KatlicilTaltr. Ks 
plil}rr«D SU ilir Ibli^endo Kirchen: Miu'icnkirehe in Etlenlieim, St. Peter in 
Bowt (KatUin), Su Marix Iti Ep6cb (Hi?pheka>, St, SJxC und I^urentitu in 
Bcnfelden. sämmtlichc' KircliPn im Aargaii. gmannt «ind S|iicz, Rclierz- 
liuB^O {Scartilingal, Hiherscli. IJrk. v. 13- M.ärz 762, Mi«n. 96. 1M7 IT. ¥«1. 
MMh die Urltonde für Aruu)rsiiu-.Si-:hn-arz3r.h v. 27. ^«pt. 7-10. Migu. 88 
& 1314. Uot>«r H.'» KinicreirRn in die St. Oalliacben AuKelegenheiteo s. u. 

8) 786—746 (h. Ladewig, Reg. ep. Const 24—27). Er wiir zugleich Abt 
von l{«ich«nKU. 

4) 74G- 4 Juli 760; ebenfnlla Abt in Rciobenau; iiSmiut sa dem 
B«icbataj;e von Compir'h'nc ihcü (IJrlc. Chrüdr^nngs Mads XII, 656). Ueber 
•staeo SifpiE mit Ui. (iaili'n s. u. 

&} 760—9. Februar 782; Mit 759 Abt von St. GalJen, al« Bi«eliof 
Mfleleb Abt von Rsiehenau. 

fi) Uonlf. eir. »p. IIS 8. 281 erseheiul die provincia Thyringurnm 
als Bffaiaudtbetl des Uaiaz(>r Bialhaois. 

7) Vgl. Jid. I S. 49:i. 

R) Vit. Bureb. U. c. II. A.S. Hab. III, I S 657. Die beid«nßiograi<bien 
Bnrchards sind werthlo» (a. W»lleob&cb, G.Q. I S. 126). I>ni hat schon 
Bedburg >K.O. 1>.'|. 11 S. 314) gezeigt: wenn pt ihre Angaben gleichwohl 
boBIltile, ao ist <\Ai ein« hei ihm st^Itt^u« iDltonscqueoz. leli sehe von dem, 
»SB aie beliebten, tÖIlig ab. Niclit eioin.<tl die Angiibe des 2- Februar als 
TodMttHC <Vit. 11, 0. II 6. e^) acheint mir brglnubigt; das von Wegi>1e 



- 46 - 



ihn die Geschichte als den Mann, den die Franken neben dem 
klugen Abte von St. Denis für den geeignetsten Boten hielten, 

um das Urlheil des Papstes (Hier die Enilhrnming der Merowinger 
zu erholen'). WieviUlig inusB dieser Ang^elsachse zum Franken 
geworden sein, wenn man ihn 7:u dieser Sendung wAhlcn konnte. 
Sein Nachfolger Hegiiigoz^) war ein Franke; die Familie, der 
er entfttaitimte, war in dem Wiiraburger Btsthum reich hegfUert'j. 



(Abh. d. batr. Akxd. XIU, 3) etljrte Corpus rfi;>ilAe 3. Kiliani Wirx. kf-nnt 
dL^n 'Ibdesta^ so wenig als tlle Sliere Bio^rapliie. Die Zusäizn sum Murt. 
Bcdae bui E<-k)]iirt (CvuimvnL 1 S. SJO) liaben U Id. Octobr. 

t] Annal. Laiiriss , Kinh. z. J. 749. Ab^e«elieii hievon Ist die eintIgB 
»icber« Nachricbl WUat BitriThnrd die Ai>|{atjij Lludgci«. er sei vür Houiratius 
gestorben (Vit. Greg. tO. A. S. Mab. III, 1 S. 2%). Das Jahr 75.'^ als 
Todesjabi ist lediglich Animhtue. ^^icbl'^ ist, d.-iss er iui Juui diese« J^bresnocb 
lebte; er iinlerscbrcibt Pippins Urkundi) Air Piilda (ßOliinor-UUblbacher 70)* 

2) Dl« Angabttu der Vit. II. Knn-ti. ilb«r Megiiigus Ix««« icli ebenfall« 
aiiaet^r B<;lra<!bt. Fest etfhi, diiss i-r zu den Schülern dos buDifaTtus geliörl« 
(Willib. vli. BwDiC. piaef. S. -130, V. Ort;«. 10 S. 29&). da»s er Juni 7ii3 noch 
Prii^Hler war ( Unter ach ri(t, Uöhnier-MtiblbAclier 70) und das« ItonifaliDa selbst 
ibu zum Uiscbuf weiliie (i. H'c Urabtetirift bei Eckhart, Cvn. 1 S. b2fU 
WBndelbcrt von Prüm (Mirac. Goar. :i. A. S. Mab. 11 S, 27fii möcliie ich 
olchl ala ZeuKPD antlllirfo, ub^kivb er bei. der Ordioatioo das Kichlige 
bat. liasl'odesjnhr Ist unaichi-r. Wenn dlo NacLricbt, dagg auf der Lateran- 
■yiiud» des Jahres 709 bereits seip Nacbfulj^er utitersch reibt [ Bt-ruhelpoi, 
epIsGOpua drilaio Wireburgo, V. Steph. III., 17}, richtig wäre, an rnUaste 
tnau annchmea, dass Uegioguz apälesteua 763 i^eatoibcu ist. Allein dem 
widerspricht die Angabe des i'hron. Uitiries. (M. (J, Scr. XXI S. 348). M. 
hab« 771 an dt-r Eiiiu-ribiiDg d«r Lorsclivr Kirctic ibi-ilgeuumiDen; wii-htlger 
noch sind die Nitchrichlen Über die Miasionschätigkeit, die &I. in Sachsen 
Übte (b. U- Kap Vll. Darnach ttiu» mau ancieliuivn, dass er da» Jahr 777 
HberlebrQ, Di« gmaneri^n, auf die Vit. ßuri-li. geaCützteti Aiigabno Butt* 
bergs, Abria u. a, sind ganz uriaicli<;r. Was di>r Wiii-aljiirger Katalog 
(M. Q. Scr. XIII S. .Vi») an Zahlen gibt, ist ufTenbar falsc^li (vgl, äcbÜfTlor, 
Arobiv. Zeitsvhr. 111 S. 2^^), Als Tudeelag gil^tl das Corp. Heg. ü>. 52 deo 
26. September. 

3) Der Name des Bischofs wiederholt sich iq einer ftänkiachcn Grafen* 
familfe. Iho trug der Stifter des KEostcra McgiDgaudeshiiseD im IfTgaii 
(SdftDogaurk. v. 816 bei Uiseroiann, epiHC. Wirz., Cod. prob. S. 7 Nr. 6>. 
Aber acbon vorher musa der NaiDO in dor F.imilie erblich gewespn lein; 
deon das Kloster biess nicht nach dem Stifter, sondern uach dem schon 
vorher bcatt^hendon Orte. Dio GUttT, welcha dem Kloatec Übergeben 
wurden, lagen itn llfgau und Bungau. In den Fuldcr Traditionen aind 
STösae Schenkungen eines Uiafen Maito, Manto und seines Bnidrra Megiogos 
nrteiobDet; die (iiiCer lagen im Salgau, Grabf«ld, Werngati, Guifeld, Volk- 
r«ld and Waldsazzin (Urk. v. 19. April 788 bei Dronke, Cod. dipl. Fuld. 




- 47 - 



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Sein Bild ist nicht gajiz su rerscliwoininen, wie das Eaioes heilig 
gesprocheDun Vorgängers. Denn wir besitzen einige Briere von 
ihm, welche genügen, um eine Vurstulhiiig von seiner Persün- 
lidiktMt 7.(1 gewinnen. Kr zeigt sicli als ein Mann, der so gut 
oder so schtecliL wie die meisten seiner in Bngland gebildeten 
Standesgenosscn einen latciniärhcn Brief schreiben konnte; sein 
Stil hai nichts KigenUiitnilicIics: er bewegic sich niciit Frei in 
der fremden Sprache. In den Kirchenvätern war er eiiiiger- 
massen bewandert; er hatte Angnstin und Ilieronymus, Leo d. Qr. 
und Uidor gelesen: aber bereitwillig erkannte er die hnhere 
Hitdnag Luid an*), wie er auch die Qriiase des Bonifatius ver- 
ehrte. Ihm verdanken wir neben Lul die Kiogrsidiie des grossen 
Orgauisat'jrs und Missionai-s'). In seinem Verl)alteu spricht sich 
ein Terstündiger, gerader Sinn aus. Er glaulde nicht schrofTsein 



I 



& W Nr. 87; vgl. ÜroDke. Tradh. S. 23 f. Nr. 15; Cod. dfpl. S. &4 Nr. 8Ö; 
Tl. ». 2") Nr. 104. 3. 24 Nr. 21 ). Im IsIxtCD Fatli) ist die Zeit tlor SctienkiinR 
,«uli Knrnlfj imporatore* aii}(egcb«o. Üic Iüriit4t4t dit^Hi's Megingon mit 
dsBi Blifker von Mcgini^usiisusea (a\gt aus den Z«iinn|<al)i^n. In O^ir [Irkunün 
Cd Ubffgati«n Ualto und Meipufios nct)»t itirer Soliwi-iili.'r ttft A«btia.>iin 
Juliana Kitcbe nod Klöelerleiu in der Watitctieimvr Mark an l-'utda. In dvr 
Urkunde 87 hört man von der Z«lle Binfirtt an der Saale. Wird in zwei 
■pStervti Urknodco iNr. JU u. 445 vom 11. Joui d.'4) ein luuiiasieriulitio 
llaitcD(r<^lla im Salgau gfounot, so isl diu Idcntilicirun^ von Kintirst mit 
Ijescm KlihierleiD, wie Hcuberi; beiii«ikt ( K.U. f.'i. II 8. 3il;, unUedenk- 
licb. Darin knnn ich Jedocb Kvltberg nicht fulf;ea, daaa autli das unge- 
nannle Kloeter in Wangheini mit Hauencellc identisch ari; denn Waoulieim 
lag, wieL'rkunde 87 au»<lrUcklieh sagt, im (Jratif^ld, nicht im Salgnii. Aiicb 
(las im ^'olkfeld gelegen« Kloater (■«favaraaL-li wird auf die (•Icicbe Familie 
tortlckgcfUhit i«. Kettberg 11 S. 331). Der Vater der dr«i CcAchwialcr 
biesfl Maccu (Urkunde 87); die Annahme Henbert;», er sei der Stifter vuti 
llaltcncelle, (ist deshalb nicht viel Air aicli. Kommt nun in denittclhon 
Gebiet, in welcbrm dl» (jllcer der Faiuillc Ingeo, später ein Urt MaggeDcellOt 
Uacclivnc^lUt vur [Urktinde ^i^\, 43.'l, &4^], so konoi^ man an i'in von ihm 
gti^crUndciva, im Verlsuf wieder filDgegang«nes Klualer denken Jüdenfalla 
•ipltt der kiiohlirlic Sinn dn Hauses aiissL>r Zweifrl. Di« ZuiccbÖrtgkeit 
des BischuTB zu ihr iüt Ririkt niclit üu L»weifl«ii, aller eebr walirsfiheinlich: 
SD der Gleicbheil des Namms kommt, dasa seine .Si.Thwesler Aebtissin, 
Hiae Nicbie Noddo Ig einem der Familie geh (irigeo Klustor ist (f]). 128 ä. 291), 
ein Venrandier will »icli des iinpciliitienlniu saecnli entledigen ucid M<^nch 
werden f«p. 13^ !?. 302): man konntu dabi'i an Mallu uder den jUngercn 
Utg^ugoz denken: der Uiscbuf w.^re dann der Hrncler Maecos. 

1) Ep. 132 8. 290 f. 

2) Vgl. die Widmung an beide S. 429. 



- 4B - 

2U müssen, um ein pHicIitgetreuer Bisclior xu sein *)j aber er war 
gewissenlmllt; durch persünüclie Rlicksichleii tiess er «ich in 
Beinen Kntschlüsseti nicht be6tiinineti'''J. «Wenn er im a^ketiscben 
Leben die tillUhe der Sittlichkeit sah, so war er doch frel- 
donkend genug, dass er das Jncti der mönchischeti Pflichten dem 
nicht aufgelegt wissen wollte, von dem er roraussah, das er es 
nicht werde tragen kOnnen'j. 

In Trier machte di?r Tnd Milns*) eine Neulieselzung des 
Stuhles rmiglich. Dir. Wahl traf einen jüngeren Mann, Weomad, 
den Al)t des Kloslers St. Maximin'); erst unter Karl wird er 
häufiger genannt. Von den Bischöfen von Toul'l, Verdun') 



1) E|i.13'2 S.-il(9-, M. ist der miftlcr«n Auicbl, OeitAtlDOK der Wieder- 

verheEratbiiuK Uesvtiiedener, ^CDaigt. 

2) tip. 128 S. 29i f. 

3) Ep. 135 S. .W2. 

4) 8. Bd. I S. 4dl. 

b) Rettberg (I S. 471) ninimt nncli Milo cioo Ulckn an, da man aunst 
fUr Weoiujul eite 40jiIliriKP Regierung annohrnrn mllitslo. Her (inimf scheint 
mir nicht atii-tibnktg, ijif Vt^rmulhiin^ Abels (.I.D. S, i36), der in der Urkunde 
Karl« <Biilini«»r-MilhIb.ichfr 'i'oQ) ««^niiKiitP Risclmf H«rihaini» s»>i Milo» Nach- 
folger, unsicher. Nach der Urkunde kann Hartham Kloetcrbtachof ((eweaeD 
»«in, wie Rilbert. Milo Htierlnig ihm die. Ahicl MiMtlach ; Pippin t>plphoIP 
Ihn nach Milos Tod mit ihr. Wcoitiada Nauic »rsch^'lnt euin erBlcn Mal 13. August 
762 umerdfrürltiinrlft Pj|.pin8fllr Prllrai Biitiiiier-Mllhlhachcr <>3l. Ks iflt auf- 
fällig, tleis er, wie ei-iuc Auategvnusscu In K(>1a und Sp«ivr, dem nnuilltel- 
bar darauf Keach1ots«npn 'rodlcnbnnd nicht ba-iiral. Nimmt man hinxu, 
dnsH unter ilini nachweislich BntfrcmduujKon vür KlrcUengui staitfauden 
(Urkunde Ludwigt IV. vom 19. Öc|j|miibPr<)(iJ, Beyer. UH. I S. 2MSr. 150). 
80 liegt die Vfroiulhung nahe, dnsa er ca mii acloeQ biii('hfinit:h'<>nPtli<.-lii«ii 
nicht Ajlzu ernst nahro. Dia Angabe, er Hci Abt von St Maxiiiiin gt-wcMtn, 
findet sich in einer Ititerpolaiioo ku Oest. 'I'revir. 21'j, M. (>. Si:r. VIII S. tß3. 

6) Einen Bischof (Jodo, wckher anstatt der verbrannten llrkundon 
dea Biathuina von K(!Qig Pippln neue erhielt, eiwKlinrn Ilng. t'lav. chronle. t 
{H. C. Scr. VI», 34t) «. Geet. ep. Tüll. 'Jl (ib. S 030) Die AnRsben der 
letzteren Ulier die Biselitlfe dieaer Zelt aind übel verwirrt, hie Tullcr 
Raiali)^ haben nach Godo die Namen Bodo und Jakob iM. H. Scr. XIII 
S. 308). Kin Riscliof Jakob unterschreibt die Urknnde Chrodegangs fUr 
Gorxe. 23. Mai 7:>7 (Mans. XII, ^^,b^). Man in(Ienlifi«irt ihn herkriainillch, 
jedoch ohne Reweis mit Abt Jakob von Bornbneh, der di'n Tudtenbund 
von Attigini al« Bi«chü'f von Hornbach tinter»chrieb. Vgl. auch Oe-»t. ep 
Tiill. 23 3. 637. wonach er in .St, Benignus zw L>ijnn begraben liegt. 

7} Ala Nachfolger dea Bd. I S. 372 ciwäbntcn Peppy nenneo die Ge*t. 
op. Vird. 12 (M. G. Scr IV, S. 43) Voachiaua, Agrntnus und Uada.lvciia, vor 
und nach dem letcleren wird eine Vakanc ange8et:iC. M.-idaIvpuR ixt 



J 



- 49 - 



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I 

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vnd Lnttich 'J sind lediglich die Xanicn fiberliefert Der Kölner 
Bischof Hildegar wurde, als er Pippin auf einem Zuge gegen 
die Sachsen begleitete, erschlagen'). Von seinem Nachfolger 
Bcrehlhelm wissen wir wieder nur den Namen'). Das einzige 
Bistbum, welches während der ganzen Regierung Pippins unbc- 
letxt blieb, ist Utrecht. Aber hier hinderten Bedenken Gregor«, 
der das Bisthuin leitete, seine Weihe zum ßischof. WieVicgil 
in Satzburg stand er als Abt an der Spitze der wichtigen Diözese*). 
Der bedeuteudsld der deutschen Bischöfe unter Pippin war 
Chrodegaug von Metz. Wir haben seine Erhebung bereits 
erw^fant^). PauluR Diakonus rühmt ihn als einen in jeder 
Hinsicht ausgezeichneten Mann: er hebt seine Gewandtheit, deutsch 
wie lateinisch zu sprechen, seine Filrsorge fllr Wiltwen und 
Waisen, auch seine itnpoiiirende Erscheinung hervor'). Was 
wir sonst von ihm wissen, zeigt, dass er seine Pflichten nicht 
ieicht nahm; der Widerspruch zwischen Ideal und Wirk- 
Hehkeit konnte ihn wehniüting summen^ doch statt ihn zu 
lähmen, drängte er ihn, zu handeln i). Er halle Sinn für das 



iehert dorcb setne Tb«iloahnie am Todtcnbnnd zn Atri^ni. Von seiner 
Rciia Dach JeruMluoi und den Guuaibe^ii^uD^eD t'ippitis gegeo ibo und 
■tin Bistbum erzählen Goal. ep. Vird. I. c; Bug. Ftitv. cbron. I 8. 340 Cf.i 
rgl. Ann. t. ß«oig. l>[r. s. J. 760 (M. 0. 3ci. V ä. 38). 

1) Fulcbar von Lüttich ist Tbeiloehmcr sm Tocltenbund eu Äitigoi. 
£r anterscbrieb die S 53 Acm I genanoto Urkunde Dir Gone und 13. Auguit 
762 die L'rkubd« l>ippi&a fUr l'ruiu, (Dübm^rMUlilbicher 93). Als Tadeejabr 
$cbta die Aon. Lobb. S. 195 d. J. 769 an, dagegru laast ihn Ovltin«r (J.B. 
S. 4iÖJ sobon gegco £nde d J. 76'J aierben; er stilirt aicli auf Gost. ep. 
Levd. (M. ü. Scr. XXV, 47). Mir scheiat di« ein« Aonabine so unsicher wi« 
difl andere. 

3) Ad*. S. Amacdi i. J, 7&3, LaurUs. (in eastro luberg, Iburg twi 
OBnabrflek), EJnfa,, MotL 

3} UDt«rMbreibt 762 die Urltuode tUr PrUm (Böbmer-MUbibacbcr 93). 

4) Vgl Über Ihn Kap. VI. 
&> Vgl. Ud. I S. 483. 
G) Gest ep. Hett. (U. G. Scr. II S. 268 f.); vgl die ßrabschrift Chrodo- 

Igt (Poet- Ui. 1 S. 108 f.). Di« Vit. Cbrod. (U. O. Kcr. X ä. &!>2 ff.) kommt 
Qoell« niehl in Betracht (a. Waitcnbacb, U.U. 1 S. Üb). 

7) Vgl. die Vorrede lur Ui'gel: t'otu ofilcü mei paatoralfs curaoi 
'^lare coejilaseiD et In tanioai oegügcmiain cLerutn plcbomquo dcvtniese 
iD»p)ceteai, coepi mo^atoa conqueri, quid agere deberem; eed diviuo 
fnliue autilio . . volui . . pnrvum decrctulum facer«. Utkundn für Corte (Mign. 
69 S. ini): Dum in voliimiiiibus divinarum srriem acriptarariiiu jiixin 
pos^bilitatem ei mediocritate tnei •enaua, attonflis auribua et aedula cod- 



:- 6Ö - 

8chönc*) und Würdevolle; auch bei RIeinigkoiteii bemerkte er, ob 
sie passend oder iinpasseiid seien') : aber er gin^ nicht in Kleinig- 
keiten auf; seine Absicht war, dauernden Nutzen xu schafTen, 
Vis gemahnt au Bonifatins, dass ihm, dem vornehmen, am Hofe 
erzogenen Mann, die aiketische Beurtheilung des Lebens nicht 
fremd war. Mit voller Ueberzeuguiig ging er auf die von jenem 
begonuene Reform der fränkischen Kirche ein; niemand arbeitete 
eifriger an der Hebung des Klerus und des Mönchthtims als er; 
auch die Verbindung mit Rom fand au ihm einen aufrichtigen 
Förderer'). Aber nur in einzelnen I'uuklen, nicht überhaupt 
waren seine Auschauun^en denen des Bonifalius gleich; ja ihre 
Verschiedenheit ist vielleicht grüsser uls ihre Verwandlschafl. 
Dean Chrtxlegaug Eühlle sich ganz als fcänkischer Uischuf; dass 
die fränkische Kirche Landeskirche war, bedrückte Bonifatius; 
ihm schieu es das Naltlrliche und Richtige. Verkehr mit England 
bat er, so viel wir wissen, niemals gepflogen; dagegen stand er 
in der innigsten Verbindung mit Pippin*), wUhroud Bonifatias 
den Hof, so viel er konnte, gemieden hatte. 

Ihm nun gab Pippin den ersten Rang in der deutschen 
Kirche. Denn nur auf Anlas« und mit Zustimmung des 
Königs kann es geschehen sein, dass ihm Stephan II. 
wührend seines Aufenthaltes im fränkiscUen Reiche die enc 
bisch (it1i che Würde übertrugt). Dadurch wurde Metz nicht zum 



sideraliou«, inspicf-rein, quid I>«i Hliaa di«eret, . . tdelrco coepi moftstas 
conqulroro, quJd pro aiiimne remedJo, quid pro abluendis ponderil>ua pec- 
caiorucu facereiD vd in qnibus imitar«r «xcmpln priaconim patrnu). Der 
Cnlersehied des äolleDs and Könnens beaohäfligte Ihn; a. Prolog, rvg. 
S. J097 a. 1098. 

1) Gest ep. Metl. S. 268 Üb» «oiue i3aut«D. 

2) Vgl. unien S. 60 ff. über hpitip Regel. 

3) <ie9l «p. H«tt. S. 261:): Ipsuiu cliTum abundiiuter tr^« Üivlns 
RonWnnqu« itnbittuici cantilfime nirir^m «t()iie ordineu Roitiiiiiae vcalt^aiM 
servsre praecepit. Vgl. Ho^ui. c&u. «.-. Q, 7, ^. 

4) Qmbichrift v. 17: Kegibiia secepUis, pnpulo veDerabilts omni. 
Vgl. dio S^DduDg nach Rum (Vit. Stepb. II. fS) u. Gest. ep. Uetl. I. c: 
('Dm PDiet in ctmnibiiA lootiples, « Pippino rege omniqac Franconnri coeUl 
aiiigulariter elvctus Rotunui direcius vbi. 

bj ZaaatB in Vit. Stcph. 11. ri3. «rabachrift v. 7 t Contin. Bed. 7M; 
Pro eo (Bonif.) Rvdgeiui euusecratur arcliiirpiicopHs a ijtephano pupa. 
Vthtt die CoDtiD. Bed. >. Uaho, Fornch. .\X s. 5^3 ff. loh kannmich naeb 
trie vor (s. Bd. 1 ä. &'^5 ii. &39) nicht Überzeugen, dass dl« Nachriclit dea 
AnoD. Uog. Fasa. Bonif. S. 477 f. über den persöolichon Streit iwlsoheD 




- M - 



I 



Ettbiitham*); aber Chrodegangs Würde war kein blosser Ti(e), 
er hat «rzbischönichc Amtshandlungen rollzogen'). So lange 
er lebte'), blieb er der einzige Erzbischof im deutschen Sprach- 



Booiratiu« und Stephan mehr GUnbco TCrdicttt als di« Erzählung (les^elben 
Verfou«ra voo der Uebergabe des pü;)aillc.-li(.-D ächweru's an l'ippin. oder 
di« «XmiBlIicIiea Übrigen Angaben den ÄDottymM». In allem, vraa ür Eigenes 
tut, bietet er nur tur S»ge geworfene Getcbicble. Der bUtoriscbe Kern 
ist dt-r thataifchHchr Gegi»nBn(z. der zwisehen PippEn und dem frSnkhrlien 
Episkopat einerseiu und Boniratiits anderersniis Qber die Metropullleurrage 
iMMkod : Üonifaliua wOoBcbt« UeratcUufii; fester Spr^-n^et. die Frunkm sahen 
tUvoD ab (l. Bd. I ä. &19 II}, Indem äiepban dem BiBcliof einer ätadt, 
die nie Hetropoiis gcweeen «rar, die Weibe zum Br^lschof ertbeille. trat er 
den WUnacben deaBonifatius auf das schrofTBie enltjegi-n. Uteaen (Jeiteneats 
der titellnnt; spinnt die ^«{jC zu einem Zank der beiden Slfinner fort, wjo atch 
Iht die Bitte am Svbuu der Sladt zu dem anacbuuliuben Bild der lieber- 
gäbe dea Svhwtrrtea geataltot. Dies gegen Gärres, Zeilaohr. f. vi«a. Theol. 
Sl S. 11t. 

I) Wenn Hahn (B. a. L. 8, 251} von einer Vetachiebnng des ErzblB- 
thoms von Mainz auf Mstz und von einer Tinsldaung deaai^lbcn vun IVier 
•prlebt, •■> beruht das auf drr mcEnra Kmchiens irrigi<n Vriran»»etxun|^, daas 
dimata geordnete MirtrupolicausprentFet Überhaupt bestanden. Aucb die 
Annahmr Uahna von einer Neben hiiblerauliaft Chmtk^gangs Und Luis icbelltl 
tDJr de« Beweiaea za entbehren. Ep. tU ii. ST-f kann sieb niirbt aaf Cbrod«- 
giog beziehen: er wurde ja nicht Bischof, Hondrrn er war Biichof und 
irnrde ErzhUchuf. Stieheli LdI tibpr einen Mann, qui aoinper turaru aolebat, 
oibll ee lerreni acc«piuruin, cum lubiiu «x iriiprurieu velut nwuin fantaama 
ejrtacopna apparuit. ao muea man an einen Mönch denken, dor Biachof 
vnrd«, etwa Wromad von Trier. EbenBowenlg geM ep. lOt) H. 264 t. 
anf den Papst (Hahn S. 2.5.^ Anm. ^). Die Dentung dieser Stelle untcr- 
li«gi, wie mich dliokt, keinem Zweifel; der Mann magnae aucloritatis, der 
i. J. 7M puslpoiitia antii|unrnm paTrntn deerr>tia an legibus ecclealasticlsrclictis 
inxta propriat adinventionea prava et plurimoruco noetva Baluti sendit 
adfirmavit atqoe «git, ist Pippins Bruder Karlmann, der anitdrlicklich wegen 
VerletzDDg der kirchlichen (lebote zur EJafc iu einem fritukischeu Ktoeler 
wmnheilt wurde (Vit. Sieph. !I. 30,1, dem man vorwarf, er strebe mit aller 
Macht darnach, eecleeiae oausas tubvertere, (ibid.). Fst diese OontiiuR richtig, 
» ergibt sieh zngletch Lnia nnd alao Bonifatins' UnheiJ, Dber die rütniachen 
Aagelegeoheiteo. Es lautet, wie man vb erwarten mui&. 

3) Geet. ep. Melt. S. 968: Hie consocravit epL-tcopoi quam pliirimoa 
per diversaa civitates. Aueh. dass er an der Spitze uller iitscbl>re den 
Todtenhiind von Attlgnl nntf^rachrieb, zeigt seine (iiellung, obgleich er 
sich Dar Bischof nannte (Cap. 106 8. ?21). 

31 Er Btarb 6. Mira 7G6 (Necrol. Mett, Forsebangen XIII, 598; Aon. 
Unrcab. x. J. 766j. 

4* 



^ 52 - 

gebiet') j fUr den westlichen Tbcil des Reicht wurden, wie erwähnt, 
in Verneoil einige Bischöfe persünliuh zu Metropoliten bettjmmt'): 
sie erhielten demnach dieselbe Stellung, welche Chrodegaag im 
Osten hatt«. 

Äeusserlich angesehen war Chrodegang Nachfolger des 
Bouifatius: er war au&trasiecher Erzbischof, wie es jener gewesen 
war. Doch inuchle ich deshalb beide Männer nicht neben 
einander stellen'). Weder was die Macht der Pert^Onlichkeit 
noch was die Tiefe und den Umrang d^s Eiullussos anlangt, 
il&«sl er sich mii Bonifatius vergleichen, luunerhin war seine 
Stellung so h error rageod « dass seine Unternehmungea sofort 
allgemeine Bedeutung gewannen. Uessiehtinan bei verschiedenen 
Gelegenheiten. Es war nichts Sonderliches, dass er wie so 
mancher andere Bischor ein Kloster ^rtindete, Gorzc, unweit 



ri!W 



1 ! Lnl wordc er« iwlschen :ßO und 7Ä3 ErBliJBchof (a. u.) ; Weotn»»! v.TVI», 
htiiaai 772 nocb Biscbof m der Urkunde Karls i Büliuiri • Ntlhlbacher 142), ebetiao 
!□ dem Brief OadtiaD» in Tilpin um 7:& cJaOfiVWalu-nljacb '241t); >d der 
üDdAtirten Urkunde b«tr. Mettlaoh iB<>buier-Uiililb»cber 'i!i2} auadeu Jabreo 
777—791 heSsftt es: ubi Wfiomadiis .-irchiepiftcuiius iiooiifcx esse videiur. 
L))« ForiD des Satze« weist darauf hin, das» es dftmftla ein Erzbislhuto 
'J'rier niclit gab. In der That batle Trier tiucb uutvr Aualarius keioe 
Suffragan« (ep. Carul. 'H Ü. 4U6). HiidcgHr von KöSn wird von einem 
späteren Vcrfasaer ala Eriblachof lieeeiolioet (Biuti. Aao. ad a. IbZ); 
allein auvh aD((eDoiuQ)cn, Uass hier Bildegar oiabt mir deabalb Krtbiichof 
genannt wird, wi-il io der Zeit des \>rfassfrn Köln Enbisibum war (die 
AuD. Laur. epruclien uur von einen] Biscfaor), kaDD derTiitl nur pärsünlich 
geweaen sein. Denn Berebtbolm unterschreibt Pippins Urhuude fllr FrUm vom 
li. August 7G2 (Böbmer-MUlilbacber 9'6) als Bindiof 

2) Auf der Lacetansynode von 769 ontcrzvioliDct Wulohar von Sens 
als archiepisoopo provtntiaeüalliaruui, eivilate Seneneuae | V, Sltph, III 17). 
Hadrian I. nctini Um «benfalls »chlechtbin archtcpistopua pruvint^iM Oal- 
liaruin (Cod. Carol. "8 8. 235j. Dagegen Ado voa Lyon, Üaoicl von Nsr- 
boDno und Tilpin von Rb«iiiis nennen sich nur Biscböfc. Remigiiia oder 
Remedius vod Ronen, Pippins Halbbruder, wird berkÖiDulicIierweiso als 
Erabi»chofl)eMichnel(e. B. von Abel, J.B. Ö. 105 f.); allein die alleren Quollen 
kennen ihn niirats Bischof : so nennt er sieb selb« (Todt«nbund in AtilKni, 
Csp. 106, S. 221; Unterscbrift unter der llrkunrie Hertdo» für Sühwari.ich, 
Mtgo. 8S S 314); so kennen ibn diu Gcsl, abb. I-'odL 12 u. 10 S. 36 n. 4b. 
Erst bei Nitb. Bist. IV. 2 heittst er Krabiscbof. Anf Grund dfisseo echeiat 
mir die Annahme noihwendig, dasi bb I. J. 7G9 im fränkischen Reich 
wied'er uur «inru dDiiffen Erzbiscbuf gab. 

3) flo nuobesne, L)b. ponttf. I S. 462. 




- 63 - 



P 



I 
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fOQ Metz'). Wie es aach sonst vnrkftni^i, fundirle er die neue 
Stiftung aus dem Gule seioer Kathedrale: das Kloster sollte im 
Desitxe der Mclzer Kirche stehen: e« sollte den Hischöreu die UOg. 
lirlikeit gewähren, sich zeilenweise in die Einsamkeit zurückza- 
zielien'). Wer erinnerte sich dabei nicht an die Gedanken des 
Buni^atiuB htä der Stiftung von Fulda? Auch darin dachte 
Chrodcfceng wie der angelsächsische Rischof, da^s er die Regel 
Benedikts allen anderen Monchsrcgcln vorzog; besonders die 
GQlergemeinBcImft, welche in den Bencdiktinerklöstem herrschte, 
erschien ihm nls ein hohes Ideal*}. Aber wie klar ist auch die 
Verschiedenheit der Ansichten. Boniratius meinte seine Stiriung 
dadurch vor verderblichen Einflüssen zu schützen, das« er sie 
aas der Verbindung ntit der Landeskirche löste: Chrodegang 
nigte sie ihr mt^liclisl fest ein: die Wahl des Abtes von Qorze 
sollte zwar von den Mcmchen vorgenommen werden, aber die 
Zustimmung des Bischofs war erforderlich; in Ausnahme fUllen 
war dem letzteren sogar das Recht, den Ahttu ernennen, gewahrt. 
Er hatte die Pflicht, das Kloster tu risitircn und, wenn nö'hig, 
auf Grund der Regel Reformen vorzunehmen. Chrodegang 
vertrat hierin nicht neue Gedanken : es war die Tradition der 
fränkischen Landeskirche, die in ihm lebte. 

Daraus erklärt sich der Einllues, der von Qorze auf andere 
Klöster ausgeübt wurde. Er ist gering im Vergleich mit dem, 
welcher im Jahrhundert vorher von LuxeuÜ ausging. Aber er 
war vorhanden, Auch Gorze war eine Zeitlang eine Muster- 
ELiftung. Im Jahre 76t sandte Chrodegang M5ncho von dort 
nach Gengenbach, in der Strasaburger Diözese'); drei Jahre 
spAler wurde in dem damals waldbedeckteo") Weschuitzgrunde 



N 



1) .SBdw«atlicli voD M«tx, unweit der rranzÖtischcD Qrsnze. FUr die 
Grilndiing komnifn in Betracht die In Audcrnftch 20. Uai 748 au>|{este1lte 
DoUiiousurkuade (Mign. 89. Itl9) ucd du in Compitgne 'J3. Mal ?57 ver- 
UelMDe Privilegium (1. c, 1121, auch bei Mhdh. XU, 6ä3); beide Urkuodeu 
•lad unter ZuatJoiaiUDK PippJna ertaaeen. Undadirte BesläligungMiirkattdc Karls 
(Babnrr-HUblbaclter l&l). Die Kirche wurde Petrus und Sletihatius gowelbt. 

2) S. ä. 4Ci Anm. 3. 

3) Urkunde vüd 7.^7 S. 6M : Si praefatua [luolifex lucrandsoratiDae aut 
visltatioBS frAtrum quaodo ei placuerit in ipso moiiasterin venerit. vel allquam 
DomiD pro lucrandlft anlmatjua fec»ic «um exlodu In Dei DODiioc valt 
habere regressum et« 

4) L- c. S. 653. 

t) AoD. lanresb. S. 28: „mouMteriuiu Hrodfaarli". 
6) Tbeodalf. cum. 49. 6 S. 550: Silvostri in rure. 



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im Mainzer Bisthum das Kloster Lorsch gegründet; die Stifter 
warea mit ChrodegAng verwandt und Übertrugen ihm die Ein- 
richtung. Sechzehn Mönche von Oorze waren die ersten Bewohner 
des neuen Klosters ; an der Spitze stand Chrodegaogs Bruder G unde- 
land '). L)ass er in den Klöstern der eigenen Diöcese dia 
gleichen Grundsätze förderte, die er iti tiorze heimisch machte, 
ist selbstverstfiudlich'). 

Sie errangen rasch das Uehergewicht Über die von ßoni- 
fatius vertretenen Ueberzeugungen. Unterwerrung der Klöster 
uater den Episkopat war ein Oberall erstrebtes Ziel. Auch eio 
so treuer Schüler des Bonifatius wie Lul von Matni billigte es. 
Die Einrichtungen, welche Boniratius für Fulda getroffen hatte, 
fauden au ihm einen eniGcliiedentrn Gegner'). In Fulda erklärte 
mau die Feindseligkeit des Bischors aus persönlicher Eifersucht 
gegen Sturm*]; schwerlich mit Recht; der Grund lag ohne 
Zweiral tiefer. Die Mönche von Fulda waren eifrige Prediger; 
das Volb strömte ihnen zu; sie gründeten in den Waldgebirgen 
nOrdUch des Mains eine Zelle und eine Kirche um die andere. 
Sie selbst sahen darin lediglich Ptlicliterfüllung, Arbeil zum Heil 
des Volkes*); aber ist es zu verwundern, wenn Lul die Sache 



1) Debcrtlifl.StiflanKAi]ti.LAUreBh.S.28;Cbron. Laur. (H. 0. XXI. 3411; 
Gest. ep. Ifett. ü. 268. DrkundsD Karli von m (Böbiner «Ublbaeber 141) 
n. 7T3 [Nr. 14S). Üio Stiflcr waren die Gtätin Williswiud, dio Wittire eioes 
Uraft)[iBiiopert,uod ilirSobiiC'aucur, Verwandte C'bruOegsngsfL'broD Uiuresh. 
8. 3^11). Sie libcTgHbtn ibm dsii Klomer zum BeBilx. Chrode^anji; erwarb 
f. J. ?<t5 für dxs Kloster die Keliqufeii des h. Nntarius. Der Beahe des Kloster* 
veriQcbrte sieb Mbon in den eraten jAbren seine« Ueatandeii oTigcmsiB 
rasch. Noch Oundeland Ubergnb das Kloster an Karl d. Gr. Es erhielt 
Im Mxi 772 illplmmitiiitiit. 773 frtie Ahlswalil (llöhmer-MUhlbftclißr 143, 146). 
Im Jabro 774 wurde dk von tiundeland neuerbaute KIrcbo eini^eweihl; sie 
wird als inore aDtlriuorum et liciiatiaß« vctcrum errichtet gerühmt, bine 
Voratellung davon, wie BUg der ADScblass ao anilke Vorbilder gewesen 
aein wird, gibt das erhaltene Eingun^athor, das wohl deto Bau Richboda 
C+ 804) angehörl. 

2) rhrodegang grllud^te aiiisor Gorzo noch das mOTiaateriuc» St. Petn 
io parochia b. Stepfaaui tu pagu MuaelletiBi {Gest. ep. Mcti. S. 268). ]>a 
tf Beliquien des h. Nabor nach S(. Avold brachte, itcbeiot er sa dteaem 
Kloater ähDlIch nahe Bteichungen gehabt ;!.u babt^n wie au Gorz« und 
Lorsch (Ann. Laurina. min, z. J. 767, Kuld. t. J. 766). 

3) Quelle lat Eiglle Vit. Sturuu 16—18. Sie gibt eelbatveratändlich 
die faldiache Amchauung der VerhÜltniste. 

4) Vit. Sliirm. 16. 

5) L. e. : Qui (■!■«) verbann Docoioi instanter ubique praedlcasaet et 
eiun dllij^nler omncB auacultasscnt, bostia bnmatii genoria invidus tantain 




- 55 - 

Ton einem anderen Gesichtepunkt«) an» beurtheilte? Sie arbBiteten 
in feinem Biftthom, ohne ihm irf^ciidwie verantwortlich zu sein. 
Eben strebte man die nnkontrollirbare Thfttitikeit der Waiider- 
bischüfe und fremden Priester zu beseitigen: durchbrach nicht 
das TbuD der Mönche die Ordnung im BisLbume in weit 
bedenkheherer Weise*)? Hier war ein sachlicher, nieht nur 
ein persönllclier (ie^ensatz gogel>e[i. Die Entscheidung schien 
dadurch horlieigefUhrt zu werden, dass Pippin Sturm aus Fulda 
enlferote') und das Kloster au Lul überwies. Dieser ernannte 
einen Priester, Namens Marcus, zum Äbte. Aber der Wider- 
stand der MOnche machte es dem neuen Vorsteher unmöglich, 



in plebc otilitatom noo tnilirt«iu, diicordiaa iDt«r frairea seniinxre «o«prt. 
VgL Vir. Gregor. 10: (Starwi) quancum profecerlt ia eremo siia po«4 
■kirtyrfnm s. ntagialrl, Boeauoi silva ia testiaioDio cal, qii&e pritifoniniaiodi» 
ioculia erat ao desenaiu, nunc autem ab orteiile usque ad occidentflin, a 
•eptfimrHone Dsqno ad m<>ri<l[oiii ecciesiin Dei «I elccH« p&Imitibua niuna- 
eborum repl«la est. 

II Dieter Gcaicbtspunkt mangelt in den bisherig«» DarsteiluDgeo des 
St«ita, auch ia der neueaicn bei Habn B u. U S. 265 ff. 

2) Die Darst«iliiDg Ergil« iat gerade tiier setir wenig dnrcbticbtlg. 
Ich laue sie aaf sich beruhen. Die Tbataaohe der Verweisung Sturms 
flaeb Jomi^-gra macht sehr wahrscheinlich, daas «r nicht ganz 90 Bchutdiogwar, 
all Eigil befaauplef. Lagea etwa Beziehungen za Taasiln in rier Mitte? 
Üo Ot'laoer, J.8. -S. 6|R. Die VermutbiiiiK hat viel flir «ich. Anch Ilaha 
(B. Q, L. S.TiS) l)illigt sie. Dass Lul rinv Zeiilaugsader S^iitsedes Kloster« 
■taod, beweisen die beiden Uikundeu Drunke, Cod. dipl. S. 6 Nr. 8 Q. 
8. 16 f. Nr. 36- Dsbb bii Datum der erstereD ein Fehler Hegt, ist sicher: 
In zweiten Jahre Ptppins lebte BoDifaiiiia noch. Da die L'rkaodaD voo 
dem gleichen Mantie susgestellc. von dein sfleicheti Sebreibpr geschriebeii, 
lam 7'heii von den gleichen Zeugen unterfertigt sind, und da die llonstetage 
aar um drei Tage auteinanderüegcn, ad ist kein Zweifel, tlaas sie auch in 
Ata gleiche ilahr gehören; Laie man dai Jahr der Kwc^il^n Urlttind« fest, 
80 JD das Jahr 763. Das Ist bekanntlich das Jahr des Abfalla TsBsiluB 
(Ann, Laiiriu„ Mett. t. d. .>.). Die VerhanDong Slarms würde darnach in 
den äomraer 763 aomittelbar nach derRttckkehr aim dem squitaniacben Krieg 
m seuen Spin. im Uai 766 w.ir ätunn wieder Abi (vgl. Dronke S. 19 
Nr. 29 lt.). So suchOetsner. Gegenliaiiera (D. Kl. Fulda I, IH71 S. 289.) 
abweichende BerMhnung acheitert an «einer nnmöglicben Dallruiig der 
Prkuode Nr. 8. Er lüssl anno U stehen, setzt die Thronbesteigung Plppios 
riehtig 'M— 7&2 und llEest die Urkunde nach Dronke 31. August 755 
datin sein. Dass apüler daa Verhäluiis Luis zu Fnlda ein froundtichos 
wurde, zeigt die Urkunde 9 46 Nr 75- Sk hat kein Jshreadatuni, kaun 
alitr nur in das Jahr 785 fallen, da nur in diesem Jahre der 35. Soptemhcr 
ein Sonntag war, 1a1 den Titel Ersbiscbof Dtid Karl den eines Königs der 
Langobarden fUhrt. 




1 



sein Amt zu verwalten. Nun gestattete Lul den Brüdern, einen 
Abt aus ilirer eigenen Mitte xu wählen ^ k es lag ihm nichts an 
der Persönlichkeit, alles daran, dasssein Aufsichtsrechc Über da« 
Kloster anerkannt verde. Wir wissen nicht, was Pippin betrog, 
nach einiger Zeil seine Stellung zu Findern. Er geatatieic Sturm 
die Rückkehr und übergab ihm die Leitung des Klosters von 
neuem; auch das Privilegium des Zncharias trat wieder in Krall: 
die Folge war, dass die Unterordnung des Klosters unter den 
liischof aufliOrle'). War Lul hier unterlegen, so gab er doch 
seine Sache nicht trerloren: er suchte den Einfluss Fuldas zu 
untergraben, indem er in Hersfeld ein biscliöfliches Kloster, 
ein Trotz-Fulda, gründete'). 

Der Uegetisalz zwischen Btscbof und Kloster Qodet sich 
ebenso in der Kimstanzer Oiüzese. Arnfrid, Stdonius, Jobaones 
waren zugleich Aebte von Reichenau'J; dieses Kloster hatten 
sie also völlig in ibrer Hand. Neben ibm erblühte die Gallen- 



1) V. Sturm. 17. 

2) L. c- 19. WoDB Pippin Lul gobol, qiiod CAUsani suam et moDKBleril 
deremionem a nullo mlio quaereret uisi x r?ge, so erai-beintd:(iluroh Pippiu 
Standpunkt gewahr;. Die Eseoiption voa der biBch'tfhohen Jurisdlktiun 
und die direkte UatcrstelltiDg unter Rom aotite die kütiiglkbe Uaoht oicbt 
besobrünken. 

3} Ao di« GrUnduDH eine« Klonters in H«rsf«Ld, Uerolv«afeld, liatte 
hereiti Bonifatlua gedaclit (s. Bd. I S. ö3-f), deo Gedanken aber wieder 
aufge)Eeben; von Lul wurde «r Ittin Dach Pippioa Tuil ausgcfUhrt. Er 
gründet daa Ktoat«r auf Ei<engat, (lljergibt es j«>di>ch .ipXrer an Kart. 
Durch Karle Privilegium votu 5. Jaouar 77C> (Btiiimer-Uüblbactjcr 172) errahren 
wir, wie das Verhüilnts des Biscbofa kuiq Kloster geordnet worde; oicbt 
nur waren d1« kanonisolieii Recht« des Bischufa auwlriicklich anerkannt 
und derselbe lor Vornahme der Ordinaiinn«n and Benedlktiooen Kt 
berechtigt eiklüit, HODdern es wurde auch verHigt, dass im Falle von 
Uneinigkeilen Alit and Mtinche sich an den Bisclmf und, wenn ihm die 
Einif(u&g iiiubt guliuge. uu diu küaigticbe Synude xa wenden bStteo. Das 
Kloater eracbeini also im Unleracliiede von Fulda als der Diözese Atairu 
Dod der frifnkisebcu Landtskirube eiogcgUedurt. Lu] selbst war erster 
Abt (Böhtner-Hühlbacher 173, 1^8 ff- u. ö); sein Nachfolger ist liun 
<Nr. 266); dauo veruiolgt Kioulf diu Abtei wieder tuit dein Hislbum. Das 
Kloster war den Aposteln Simon und Taddens geweiht. Inti^resssnte 
Aursebltisae Über den Besitz gibt das Brcviarium S. Lullt bei Wenk, U.B. 
XU Bd. II S. 15 Nr. 12. 

-4) Ueber die Ao^ingu Reic-henaus b. Bd. 1 3. .'^16 f. AU Hoddn aus 
Heicbeaau v«rtri«t>eti wurde, ging dte Leitung de« Klosteis an den Uiiuch 
Keba, Ueba Über. Dieser sturb nach xwc! Jahren, In detDielbeo Jahre wie 



- 57 — 

xbUq £0 einer reichen Abtei ; der Rnsilz mehrte sich rasch '), in 
Abt Otinar') halte das Klostrr einen tüchtigen, aar Beine Selfast- 
st&ndigkeit bedachten Vorsteher. Er erweiterte da« Kloster, 
fiu itHäs es die äleigcnile KhIiI der Mönche ntirnehinen konnte, 
baute Del>en dem Armenhausc ein Spital Tür Auss&tzige, sorgte 
aberfaaupl darilr, dass die geistlichen Aufgaben des Klosters 
erfüllt werden konnten. Allein er ging im Kampfe fiir das 
KInster »u Grunde j als Gefangener ist er am 16. November 7ä9 
auf der kleinen Kheininsel Stein gestorben'). Seine Gegner aber 
waren nicht nur die nach dctn Besitze des Klosters luslerneo 
Grossen. 8ie hätten ihr Ziel nicht erreicht, wenn nicht Sidonius 
von Konstanz auf ihre Seile getreten wäre. Kr ernunnte an 
ätelk Ütmars den Mönch Johannes ron Ileicheuau zum Abt*). 



Bisebof Audoin von Eonstanc, 736 ; tiiin wurden beide Wurden vcrdoig;! 
(Henn. CoBtr. x. J. 736}: dies« VortjiijduDg dauerte bis 782. 

1) Vgl. Bd. [ 8, 324; Ueyer von Knonan, Mitrheilungcn zur valerl. 
UMcbicbtfl 1872, XIII 8. 87 S Pippin scbfiikte 747 durcli K»rlmBDD rer- 
aDtaaal, libeüiim, quem Benediclns pitcr de coenobiiamiD conversadooe 
coopasaerst, einige xiospflichtig« Ia-ui« im Thurgsu uod dno Gloukc au 
du KluBUr (Uir. .S. tiaUi II, t1, U. U. Scr. II S. 33 1. 

2) Das Lebeo Otman acLrieb der Uöncb tiozbert, UDK^ßlir 70 Jalir« 
tacfa deiD Tode des Abu; Wolifrtd Sirabo gitb der Uioffrapbic ibre uoa 
vorllr^ade Form iH. <i. äcr. U S. 41). Auch )n soiavr Furtsctzuug der 
Vit. S. (jall. c. t1 8. 2< erwihDt tiozbert Olmar. Kr war ein Alamanne, 
kam ata Knabn nach Cbur. wurde dort Priester uud erbielt von Waliraio, 
deoi GruDdberrn der Gallentelle (vgl. Wartiuano, l.'.B. I S. 81 : Wnidratt, 
qni fuii axurWaldramiiu iribuno), dio lA-itun^; da Kluslera. Was die Zeit 
bsIriBk. so darf man auf die Nachricht vuo einer vierzigjKhrigen Anita- 
fHhniDK (Vit Gall. II, 1!>) keinen allsu gfroaien Werth legen; doob mnss 
«in« laage Tbitii^keit Ulmara angenomnien werden; aic reicht licher In die 
Zeit Karl Martolls zurlick. Urkundlicb komtut Otinarzuem 744 vor (Wart- 

lüf. 

3) Der Honsistsg iat Vit. Otiu. 6 erwähnt: als Jahr gibt tno (Mir. 
tm. I, Er 8. 49) das siebenie Jahr l'ippina an; Ilenn Conlr. 759; Ann. 
. Gsll, msj. 760. 

4) I''h beriihre bii'T eine i''ra];e, Über welche die MrtniinKen auacinander. 
gehen. Ich vermag keiner der einander gegenllbeialelinnden AnsL-biinungeD 
■iefa Tollalündig anznsvhlieeaen. Uasa 8t. Uallen vor 760 nicht ein känig- 
liehes Kloster war, auch nicht in dfoi Sinne, wieOelsner (.I.B.8.5t2l diesen 
Becriff versteht, ecb*int mir sicher ; el>eneuwenig möchte ich es aber fn 
dieaer Zelt als bisch (}flic he s Klosrer hezeiehnen, was es seil 760 ohne 
Zweifel war, leb balle demnach die FraficsIvIliiDg, i^b k^ioigücb, ob biacböf- 
Ueh. «ekbe die bisherigen Antworten bedingt, fUr nicht ganz zutreffend. 



Bsao 

»tm. 
^. Gl 



- 58 - 

Dieser wird sich in ähnlich schwieriger Lage befunden haben 
wie Marcus in Fulda; doch war er ihr besser gewachsen als 
jener. Durch Heddo von Strassbnrg wurde ein Vergleich ver- 



Mao muM sieb erinDerti, dais Qall and acitte ÜeDoneo Schiller Columbu 
waren, und Akm dio ColniuhaklOsCer ihre Unahhäogi^keiC von den 
Blicböfen gninclBitKlicIi l)ebaupl«t«D (vgl. Itd. 1 8. 24&, 2ib ff). Das 
grscbsti swelfcIloB auch in St. (fallen. Di« Lsge des Eloscors w&r dxdarch 
eine unsicher«-, dssa cannxhbiiDKifC BeiD wollte, oboe ktinig-IEob, obne Itutoini 
zu sein. Denn seit der Bunifaslscben Reronn der frj(nkisuh«n Kircbe erltannlea 
die Bischöfe priDtipictl nur eotwodcr künlKÜcb« uder ibrer Aiifstchi utiter- 
StehondA KlOstcr an. ÜAfDr ist Verti c. 2l> i.vgl. sach c. 3) bt^st-ichoCDd. 
Aus tlteaer Saclil»^ folgt« f(ewUs«riii:i«>en mit Kiilhwrndi|{keit <ler Streit, 
wie ibn die Hrkunda \.üi\vr\ga vuoi 'i'i. Juli SA (Wartmnnn. U.R. II S. bO 
Kr. 4)3) xeichn«!. Lirirnald von St. OaHen tiud .SaloiDo von KoD»taiti b&ben 
bflrirhrec, qtiod inter episcopoa praedictao urbis et inter abbates praefsti 
iDOiiaiitrrii tetnporibua atlxvi ntjsiri Plppini atqiie avi aostri Kiiroli neoDon 
b. in Bliidowici . , Sflnpcr diasiMisii) et diacordia eaaet, quia episcopi . . 
inunasUriutn ad parlttiu <>piscopa(QB viodicxre volueruDt, oidem ralioDi 
nonachi cum propriU abbaribiia resistchttB nd avuid »ique ^enitorem nostriim 
se recUniarcrurjt. SIvkels Dareti-lluoff fUiitlieEl zur vatorl. Gesch. 186A, 
IV ä. 16 fr.) wird, wie mich dUnkr, diesem unanrocbibareD Bericht, nicht 
gerecht; er stellt .Kiaser Krage, dass die BisubÖfe der angreifende Ttiefl 
war«n. Üas« der Streit erst unter Otmai ausbrach. Ist bcgreinicb : der 
Beilix des Kloiters hatte emt Wertli, seidero es nicht mehr eine iinbedeiileDde 
Zelle war. Oolsaer hat mit Recbl »n die angofllhrto Stelle erinnert. Fm so auf- 
falleuder ist es, daas er dann docb urtbeilt (3. bl2), die CrkläruDg fUr alle 
Votgingt in St. Gallen liege gani allein in der selbitstXndigen Stellang der 
Urareo. Sie liegt zum grösstonTbeile darin, dass der Episkopat die Klöster 
sich in frtibcrt^r Welse nn auterwcrfen aiicble. — Die DarstellunK der 
Kaias;roi)he Otmars bei Uozbert-WsUfrid isC um so bedenkttober. als sie 
Züge ans Kigils Leben Sturms verwertbet. Darauf ist. so viel ich wei*s, 
noch nicht xufinirrkasui getnaolit. Wie bei Eigil, so gebt hier die Ktsge 
aiiH dpr Mitte des Klosters selbst hi^rror; wie Stnrm, soweigtrC sich Olinar, 
sivb zu vertbeidigen; wie j«Der i?rlilart: Licet & peccalis imniunis qod sim 
contra te delictuin noit fevi, so dieser-. Faieor me siipr» ini>diiin peccaas« 
in Diultis, de biiiuaniodt auteiti obiecttono criminis aeureti toel inapectorem 
Deum invoeo testem. Ais hislorisrber Kern bleibt nur, daes OCoiar von 
den verbündeten (>egnern beseitigt wurde. Dans Jubsnnei nicht gewählt 
wurde, lii-gt in drr Natur der lösche; er kann nur entweder von dem 
BisüboT oder von Wa:rii) nnd Rudbard ernannt worden sein. Das Eratere 
ist wahr3chein]ichf>r. Oh die EinfllhrLing der Bencdiklinerregel mit dieaen 
StreEtlgttellen eusaujmeuiiÜugt, iat eine Frage, die sieb oicbt bcanlwort«D 
lässl. Die St. I.:.tller Tradition B<:hiebt sie möglichst weit zurllck (Vit. 
GalL EI, \l)i urkundlich iat ihre Herrschaft erst 77d bewic 
8. 85). 



lesen (Wariniana I 



- M - 






nittek, in welchem SL Gallen die Abhängigkeit vom Btflrhof 
anerkmmler wogegen die Aebte die freie Verwaltung des Klosters 
erhielten '). Der Vertrag wurde dadurch urngangen, doäs nac-h 
des Sidonius Tod'j Aht Johann zum lUschnf gewählt wurde. 
Da er auch an die Spitze von Reicbenau trnt''j, so waren die 
^iden Glösler mit dcrn ßistlamie verbunden. Was Lul vergeh* 
tltcb erstrebte, wurde hier also erreicht. Hcddo von »Straasburg 
und Virgil von Salzburg behaupteten, wie es scheint, die Ober- 
leitUDg der KJöster ihrer Diözesen, ohne Widerspruch zu Gnden*). 
Aehnitch wird es in anderen Uisthltniern gewesen sein, 

rWeon der Kpiskopat bestrebt war, die Klöster in Unter- 
ordnung unter der bisolx'jriiulieu AutorilUt zu ballen, so lag darin 
lieiu Widerspruch gegen die Idee des MüncbtJiunis. Niemand 
bezweifelte, dass das asketische Leben das roligiüs vollkommene 
Leben sei. Die Bischöfe sprachen diese Ueberzengung in der 
schftr&len Weise aus, indem sie versuchten, den WeUklcrus da- 
durch zu heben, dasa sie Einrichtungen des Mdnchlliums auf ibn 
Obertmgen. Auch hier gab Clirodegang das Vorbild. Nichts hat 
«einen Namen so bekannt gemacht als die Einfiihruug des kano- 
nischen Lebens für die Melzer Geistlichkeit^]. Er unternahm 
dabei nicht etwas völlig Neues und L^nbekanutes'), aucf> brauchte 
er tein Vorbild nicht in Italien zn suchen ^l: Sache und Name 
fand er schon in der älteren fränkischeo Kirche. 



I) Wsrtmaon, CD. I ß. 87 Nr. 93, die BMlSliKiinK dea v«rloren6a 
Verunpi durch Kari. Die Abbän^igkeit vnm liiatbuai aiudrtlcklich aner- 
kuiDl: UoDastbiriutc &. Ufillone, qui itapicit ad ecelesiam a. Hariae urbia 
Conaiaatiae. Die g^geoseitigeo Zu^esUadDifise: Ul xoDta singoüs abbatet.. 
putlbBa a. MarUe eti)aqQiu> pootlficibfia in «ensum uitda deauro et c^ballo 
valeote libra aoa persotvere dcbcreot; in r«liquo wro, quicquid ad Ipaum 
■onasthiriDiD obdogeluH, cnm omni integrilate , . reclorea sui in eorao 
bab«reot potvctatrto pl(>Diter duminaDdi. 

2] 4. Juli 760; Neoral. Anfr. (ßrihmer, Poat. IV, 140) gibt di-n Tag; 
4a8 Jahr ergilfl sieb au« dem Todesjahr« Otmari. 

I 3) Ladevi^, Keg. (Sonst. 35. 

f A) S. obeD S. Ab Alimerk, 'i und oDten Kap. VII. Die dort m er- 
«Khoeode Synode eo Ncuching zeigt, dass der Geftcnsatz zwischen Episkopat 
nd UOnebtbum aach in Balera TurhaodeD war, und dasa ei auch liier aaeb- 
Hehe Grttnd« hatte. . i 

bl tieat. ep. Uetl. 3. 263. Die sogen, reguta canonlcoruiD in tiraprUng- 
Heber Oesult Maus. XIV, 313 ff., Mign. 8<J, 1097 ff:; die or«ollerto Fassung 

it c. 332 ff. utMl I0&7 ff. 

6) Vgl. Bd. I S. nb. 

7) Aoaatnoe von Oeisaer S. 309 unter BeziebuDg auf V. .Stepb. 11. VI. 




- 00 - 



j 



Es ist längst bemerkt n-ordcn, da» er ti»t hei allen Be- 
Btimmungen seines Statuts das VorbiM der Benediktioerregel vor 
Äugen hatte'). Er entnahm ihr nicht nur eine Menge einzelner 
Anordnungen; sondern die sittlichen und religiösen Anschauungen, 
welche Benedikt aussprach, dienten ihm überhaupt zu Wegweisern. 
Es war (^anz im Geiste des MOnchthums gedacht, wenn er seinen 
Klerikern vorhielt; Mögen wir nicht werth sein, mit den erhabe- 
nen Hirten und ihren Herden von dem Herrn zu hören: Ei, du 
frommer und getreuer Kncclit. so tnöge doch wenigstens uns das 
gewährt werden, dass wir Vergebung unserer Sünden erlangen. 
Denn dem wird der Eingang in das Reich nicht versagt, dem 
seine Sünden vergeben sind Und wer so glücklich ist, irgend 
einen Platz im Paradiese zu erreichen, der kann nicht als un- 
glücklich geachtet werden. Am Himmel aber erh&lt jeder Th^lj 
der, so gut er kann, durch ein rordienstlichca Leben dahin so 
eilen sich bestrebt- Darauf lasst uns den Sinn richten , so viel 
wir können: wir können ja nicht, soviel wir sollen; unser Leben 
mag uns für eine kurze Frist bitter werden in der Busse, damit 
Gott, der nun barmherzig und langniUthig ist, nicht zuletzt den 



Uir scheint daa iiiB|;pl(chfto V^irhJiltnis waliriicheixi lieber. Wenn Cfarodegang 
alob nir lolchu Kl^ioiglceiteii, wie clus dei Kloriket keinen Slot:k In die 
Kirche mitoebmen soll, nuf das r^iuiBcbc Itui^pii^l beruft, so ist doch insa- 
nehmen, dass er sich auch fflr die HauplMctiu atiC die« Beispiel berufen 
biftt«, wenn er m vor Augen gebebt hütte. Die Binricbtang masi also vor 
7!i3 getroffen worden sein. 

1) Mabilluo. A. ä. 111, 2 S. )8V Ohne Vorbild En d«r BenftdiktiDCr- 
rcgel Bind c i, b, 8, 10, 14, 30—34; im UbnKeo ist das VerbSItBis fol- 
gendes: c. f bugtnot mit denselben Worti^n wie Ben. 7, gehl ab^r naeb 
dem ersten Satz aeioea eigenen Weg; c. 2 sciilieast sich an Ben. 63 ao; 
e. 3 enlapri«hc Ben. 2'i; llbertrsgen ist der gemeloaaroc Sobl-ifsaal und die 
Vorschrift, dase Jüngere und Aeltere die Betten neben einander haben 
sollen; alles L'cbrlge ist »elbatatit&dig ; c. 6 Anfang nus Ben. 43; e. 7 erste 
Rülfte aus Ken. Ifi f.; e. 9 begSnnt mit den Worten Reo. -IS, ist aber in 
Übrigen BelbsCetSndig; c. II erste KSIfte aus Ben. 73; ebenso 13 aus Ben. 70; 
0. 13 beinahe vollstSndig = Ben. äS; o. 15 berflhn aich leiclit mit Ben. 35; 
C. 16 = Ben. ?6; c. 17 im ganten = Ben. V3; o. 18 nimmt den Anfang 
sua der UeberscUrift von Ben. 43, ist aber im Übrigen oelbstfltSndig ; c. 19 
AiifÄiifi aiiH Ren '24; c 2l.l tintaprii-!il Ben. 49, weicht jeduch tn einem 
Usuptpunkle ab; Cbrutlcgang gibt Vurschritten, boi Beuodiki baudelt es 
•ich um ein freiwiltigea Opfer; c. 21, 23, ZSachlieaaen »ich an an Ben. £»6, 
39, 10; die Anordnungen im einselnen sind jirdoch selbstaiändig; c. 34 «tm 
jtroaseu Theil aus Ben. 3^; r. 25—29 veiwrnden Stellen aus Ben. 64 f., 
St, 66. Ai, tb. 



I^riniin seiner Strafe über uns ermesse*) Zieht man das 
Kozelne in Betracht, so erinnert an das mOncliisclie Vorbild, 
dassderUof der Kanoniker, so weit ea irgend nngini^, ge^^cn die 
Laien abge«clilo8sen wurde; niemand solltB ihn hotreten, der 
nicht Mitglied der Genosseoschafl war; Handwerker, die inner- 
halb der ftlauern zuarbeiten hatten, mussten ihn nach Vollendong 
der Arbeit alsbald wieder verlassen')- Auch die Gemeinsamkeit 
des Lebens bei der Arbeit, bt:i der Mahlzeit, bei der Ruhe wurde 
von den München auf die Kleriker Uberlraiten'). Jedoch nur in 
dem letzten Punkte liessen sich die Vorschrilten Uenedikts un- 
reräodert nachahmen. Dagegen nahm Cbrüdet^aiig subon bei 

M den Ilablzeilen auFdie hierarcliische Gliederung dns Klerus Rück- 

sicht; bei der Anordnung der Tische wie bei der Vorlbeilung 

cd, dea Weins wurde ihr Rechnung gelragen; der Priester sass am 

gleichen Tisch mit dem Priester, der Diakon mit dem Diakon, 
jener erhielt drei Becher Wein, der niedere Kleriker zwei, lieber- 
haupt legte Chrodegang Werth darauf, daa Gefiihl Tür die Aulorilüt 
ZQ starken: er wiederholte die Bestimmung der Benediktiner- 
regeli dass niemand den anderen einfach mit seinem Namen 
anreden sollte; aber während der Monch dem Manche stets den 
Titel Bruder oder Vater*) gab, wurde von den Geistlichen ge- 
fordert, das« sie die kirchliche Würde des Angeredeten nicht 
so nennen verg&ssen*). äo war denn auch die Genossenschaft 
der Kanoniker viel strenger monarchisch verfasst als die bene- 
diktinischen Uünchs vereine. Benedikt wies den Abt an den Ralh 
der Brüder*); eine ähnliche Bestimmung konnte Chrodegatig 
nicht treffen: der Bischof war dem Klerus gegenüber souverän. 
Er ernannte ohne Zweifel den Primiccrius; auch dieser war 
nicht an Rath und Zustimmung seiner Genossen gebunden: er 
konnte, wen er wollte, mit Aufsicht und Leitung betrauen'). 
Id anderer Hinsicht waren die Kleriker weniger gebunden als 
die Mouche: ihr Beruf führte sie httofig tn die Stadt, es war 
aouüglich, ihnen das zu verwehren*}. Nicht minder wird die 



1) Segnl eao. e. 3. 

2) C. 3. 

aj C. 9; 21 i 3. 

4) Noontu c. 61 = V«ler. 

5) C. 2. 

6) C. 3. 

7) C. 9. 

8) C 4. K« wurde nur gefotdert, dAU alle EaDoniker zum Kompl«- 
toriom sich ito cUuEtrutii einfündca. 



^^ 



- ß? - 

Rücksicht auf die Anforderaiigcn des geislücheD Amts gt^hindert 
haben, dl« ßesitzlonigkeit de« Einzelnen streng durchzuführen. 
Zwar wurde an dem Ornndsntz, doss die Nachfulge Christi 
ArmuUi erheische, restgehalteii : der Eintretende musste zum 
ßeeteD der Kirche auf seine Habe venichteD; aber indem ihm 
gestattet würde, sie als Prekarle auf Lebenszeit zurückztmehm&D, 
bliel) ihm die Nutzniessung; nur das liechl, das Seine za ver- 
ftofiisem oder zu rererben, war ihm entzogen'). 

Das in dieser Weise streng durchgerührte gemeinsame Leben 
der Kleriker sollte religiösen Gelialt beknnmicn durch gcincin- 
schafttiche Erbauung. Allen Uliedern der Gonnssenscbaft: war 
die pfliikllichste UeobachUiii^ der kanonischen Stunden zur Pflicht 
gemachl^J. An jedem Sonn und Kcsttag eniplin(;en sie das 
heilige Abendmahl; wenigstens zweimal im Jahre musstcn sie die 
Beichte ablegen''*) Dazu kam die Einrichtung des Ka|iitels: tag- 
lieh versantmelten sich in einer bestiuimten Stunde olle Kanoniker, 
um Lektionen aus der heiligen Schrift und dem Statut t'hrode- 
gangs. an gewissen Tagen, Souutag, Mittwoch und Freitag:, auch 
aus anderen erbaulichen Schrillen beizuwahneu. In diesen Ver- 
sammlungen wurden die nothweiidigeu Anordnungen bekannt 
gemacht und die OlTeiit liehen Ittigen ertbedt. Es konzeotrirte 
sich in ihnen gewisserniassen die Gemeinsamkeit des Lebens. Za- 
glcich aber griff Chrodegang hier über den Kreis des Kalliedral- 
klerus hinaus; denn an den sonntuglichen Kapiteln hatte der ge- 
sammte Klerus der Stadt Anthcil zu nehmen*) 

Durch diese Einrichtungen ^J hoffte Chrodegang seine Geist- 
lichkeit zu einem Stande zu erziehen, der ebenso durch Wilrde 



1) C- 31: Licet legamos antiquau ecc:le«iaai «ab tempor« apoatoloruni 
Ita QUaDlmem floncürdbmiiiio estilisnD, et JtA umnla roÜqiiUse, ut »ibffuli 
praadia sua vcoileotfis ad pedes apn»iiiIoriiui prelia pancruDt, . . sed quia 
DOBtris lemporlbus periiuiiLlt?rl uoo puieat, aahem rcl hoo consentlacaua, ut 
ad »liqusolulantounque similitadiDeiii canversationis eorum nostioa aatmo» 
oontrabamuB, 

2> C. 4-6. 

3> C. 14. Die eine Reichte snllttt zu Beginn der Pastcnzcii, die andere 
fm Herb»t vou Milto August bis Aof-inK Nnvpnibor dem IiiHii:lio( »bgolegt 
werden- Die gewissenhiifte Beobachtung il^r FaatQDaoiten wurde natürlich 
ebeafallj ^fordert (c. 70J. 

43 C 8. 

5) El braucht kftum b«nterkt za werdi>n, dsnn die herkömmltvfaeo 
Uitlol der Kirchen- nod; KloBterztichi njigowunclt wurden, um AusschrritUDgeo 
tu lieatrafen und Widcraprncb niederzuacblageo (c. t5 — 19). 




— 63 - 



aod Haltung*) wie durcli Frömmigkeit 'J ausgezeichnet war. Duä 
Ideal war jene religiöse Vullkommenheit. welche man eich in 
(lerUrgemeirifte verwirklicht dachte: aberChrodegang verzichtete 
auf die UebereiDStimmung, er begnügte sich mit der Annäheruug 
an das Vorbild'). 

Da die Genüsseoschaft alle Bewohner des bischöflichen Hofe 
amfaaste, sn gehörten ihr im weiteren Sinne auch die Knaben 
nnd Jünglinge an, welche in der Umgebung des Hisrhofs zu 
K£eistlichf^n ausgebildet wurden*). Daa Mctzer Kanonikel bildete 
Bdie Schule, durch welche der grOsstc Theil des Diüzesanklerua 
biodurcliging. Dadurch gnwano Chrodegaogs Regel den aus- 
gedehntesten Eintluss. Die Geistlichen lebten sich von Jugend auf 
^iu die AoechauuDgen ein, von welchen sie durchdrungen war, 
f Endlich galten auch die Malricularü als Zugehörige des 
biBcboriicbeo Hores. Deshalb un(erlie«8 Chrodegang nicht, Be- 
slimniuogen, welche eich auT sie beitieheii, in seine H«gel aufzu- 
aefamen^J. Sie sind ron besonderem Interesse, da in ihnen die 
religiösen Ziele der ganzen Kmriclitung klar hervortreten. Chrode- 
gang verhehlte sich nicht, dass die Armen in seelsorgerlicher 
Hinsicht übel verwahrlost seien*). Um dem abzuheiren, richtete 
er eigene Grbauungsalunden ein, welche fUr sie je am zweiten 
Snnntag in St. StP|ihan gehalten wurden^], Wie von den Ka- 
nonikern, so Torderte er auch von ihnen in jedem Jahre zwei 
malige Reichte. Endlich brachte er Ordnung in die Verlheilung 
H^er Uaierttutzungen"). 

■ 1) Vgl. e. 2. 83 0. 0. 

■ 2) 1, 9, 11 B. C. 

■ 3) VrL h, M, U, Prol. 

^P 4l C. 2; Parri psrvi vel adolescrnles in oraiorio v«l ad meiiBaa cnm 
V^ditciplmx ofdiiiva auos cuxlodiant, furwi aulviii ubi et ubi cufttodiaiD )ia- 
^Lbeut diaeiplioam. 

^^ 6) C. 34: Mauicularii tarn duwi ijuain et io suburbanis r^ lam qul in 
^■lUao »uDl quam tili f)Di per caeleras eccl«siAa iofro, civilateoi vel vicis 
H aairiculaa babeol. 

^1 6} Quia noD set^uDdum InKtitaciuocm aatiquao ccclMiae, eorum esset 
^* MDveraaiio, led sub naKno quodatu pericnlo «t negligeotia et, ut iCftdixmm, 
slMque pnKdicatloDO et confcBBloDe erant (a quadam seouritsie poslti, o«qufl 
■d dotDam ad sutJODem publicum ad aadieDdum vecbuin Üei veniebant 
tuqae In rellquis sMtioniljna sed eraot omnea sedentea unuequisque in 
loco SD«. 

7} io dcMClboo vorden Bomllien verlMeo. 

8) VeiibeiU wunl» Brot und Speck oder Brot und KSae; ftlr jed« 





- 64 ~ 



ChroHcgang hatte bei Aufstellnng seines Statute Dicht die 
AhsichL, eine allgcmeioe kirchliche Institution zu schaffen; er 
beschrünkte sich auf das ihm Naheliegende'). Seine Reget war 
für den Klerus der Kathedrale vüii St. Stejihan und der von ihr 
abhtiingigen Kirchen, St. Paul und St. Maria, liestitnmt^). Aber 
sie gewann bald eine viel weiter greifende Kcileutung. Es ist 
nicht unwahrscheinlich, da£S das schon in Pippins Zeit begann; 
unter Karl wurde das Melzer Kanoiiikal ein MusterinstituL fnr 
die rränkische Kirche. 

Wenn nun auch Chrndegang, so viel wir wissen, Massregelii, 
welche diu ganze frttnhischc Kirche betrafen, weder angeregt 
noch BusgeflQhrt hat, so gingen doch seine Sorgen und Gedanken 
auf die Allgemeinheit: er erutrebie den innigen Zusaminenschlusi 
des Klerus auf religiöser Grundlage. Zeuge dessen ist der Todteu- 
biind von Attigni, an dem er theilnahm, den er walirscheinlich 
veraiilasElc'). Er hatte im Jahre 702 eine schwere Krankheit 
zu hberstehcn'); sie wird ihm den Gedanken nahegelegt haben, 
die auf einer Synode zu Atligni^) v er« am in eilen fränkischen 



Verthctlaof var besttmiDt: Brut vnn B SchelTela und Spc«k too 6 Umi- 
Bchweiiicn oder rinc iiunsA Ka«e Uhlliiirn borvchnel aus dem llortr«TbrMueh 
2t0 malricularii (Lifiticstliüligkeit II S. 2b K In der FaBienzrit wurde Bmt 
Und W«ln vvilhfilti Air das (>Hierf««( Rroi und Wein, Speck und KSs«. 
An Wein waren jährlich 24 luodia nüthig. 

1) Vgl. den Frolog, S. 49 Anmerk. 7, 

2) Ergibt tiL'ti am o. 34. Die Regol ist dt« Frucht von ttenthungen; 
vgl. Pral.: .Fraituui aijirituxliutn <.'on«olatione xdiulua.*, 

3) ÜeUocf, J.B. S. 360 ff.. 4T7. 

4) Ann. Lauresh., Itlosell. z. d. J. 
&) Die eioitiKe Nachriclil Über diese Synode cniliillL di>r Todtenband, 

Cftpilal. 106 S. 221: (Episcopt ifii abb&trs] »pud viliini publicAin Attinis- 
coin pro catisH releifioiif« ac salnte aniniarum i;ongre);ati »ynodali conventu 
lotor cetera »aluhriicr Hapieoterque dcflniia hoc qtioqur »t&tiirruDt ele. Das 
Jabr der Ziisamiopnkunft steht nicht fnst. l^icher ist nur. das« sie nicht 
vor dem Juli 760 (StuhlbvRieigung .Tobanns II. von Kunatant) »iaitKefnnd«o 
haben kann. Weniger fest steht der toruiinus ante quein. Denn daa Jahr 
762 all l'odcfjahr Pnkbxrs vr>n Lfittich ist, wie mich dÜnkt, niclit eo gut 
begtanhigi, wie Oelsnor S. Alb annimmt. War Batdebert von BaH«) id«n- 
liach mit dem gleiclinamigen Abte vr>n Miirbach, dnnn wBrdc mAo nicht 
Über 762 binabrllcken dürfen^ denn dur Abt aiarb in die8<>m Jabre (Ann. 
Alan. S. 28). Aber die Identiiüt steht nicht acis»<>r Zw^iffl; svrar ist g«- 
wjsa, dass Ralilebert vnn Murbach den BischnfatiEüI fUhrlo (Confrat. Ang. 
(ed. Piper] 171. 7 S. 209); alw er kann auch KloetcrbiBchuf geweaeu leio. 
Die Tbeilnsbme bairischor Aebte an dem Bund« nach 763 ist ewar anwahr- 



I 
I 



I 

I 



^ te - 

Prälaten zum Abschloss eines GebetsvereiDea za ermanteni : sie 
verpflichteten sich, Air jedes verstorbene Mitglied hundert Hessen 
feiern und hundert Psalmen sin^^en zu las«on, jeder Bischor hatte 
ftusserdem persönlich drcis«ig Messen zu lesen. Aus dem deut- 
schen Theile des Reich« nahmen die Bischöfe Eddo von Stross- 
burg, Lul von Main;i, Megingoz von Wßrzbnrg, Baldebcrht von 
Basel, Folcrich von Lfitlicb, Johannes von Konstanz, WilUbald 
vnn Eichst&dt nnd Telto von Chur Antheil, sodann die Aebte 
Jakob »on Bornbach, der sich als Bischof bezeichnet, Fftbi{^od 
^ von Wessobronn, Athalbert von I'f^lTers und Kboreind von Altaich. 
H Chroüe^ang starb am 6. Marx 7Ö6'). In der letzten Zeit 
PVor seinem Tude hatte ihn besonders die Versorgung seiner 
Kloster mit Eieliquien beschüftigt'). Br war darin ganz ein 
Kiud seiner Zeil, dass er auf den Besitz von od recht zwelfel- 
hafieo Heiligthümern den höchsten Wertb legte. Ueberhaupt 
war er kein bahnbrechender Mann: nirgends vertrat er einen 
oeuen Gedanken oder steckte er ein neues Ziel. Es genügte 
ihm, ein stets williger Mithelfer bei allen kirchlichen Massrogeln 
seines KOnigs zu sein. Pippin gab dem Wrstorbenen keinen 
Nachfolger; das Bisthum Metz blieb einige Jabre lang erledigt'). 
Fand er niemand, der ihm den Jugendgeoossen ersetzen konnte? 
Zwei Jahre nach Chrodegang, am 24. Sepieuiber 7(18, ist 
auch er gestorben*). Der Tod kam ihm nicht unerwartet. Seine 
letzte Schenkung galt dem Kloster St. Uenis; er machte sie 
in Erwartung seines baldigen Endes. Es ist churakteristiscb 

Ißlr den Uann, der stets niil klarem Blicke den Ereignissen ins 
Auge gesehen hat, dass er bei der Durbriugung seiner Gabe den 
Wunsch nach Genesung zurückhielt nder unterdrückte. Die 
Ifönclie sollten für die Gesundheit seiner Seele beten und seinen 
Leib in ihrer Gtutt bestatten^). Wie oH sind iLhnliche Worte in 



^] 



uheiitlich, ;üier nicht geradezu uiiaiO);licb. laiaierhin ttiRcbt du KiiMcuin«!)- 
tnffea der Namen in der Urkunde Pippina ün Prltio (bÖbmer-MUliltiaclier 
1) und in Aitignl di« Uldchzüiligliuit »ehx wabiacbeiuJicb. 

1) Ann, Lauresfa. t. d. J. 

3) Cr lifst sich vva Paul L die Reliquleo des Uorgonlus, Nabor und 
KauriDS aclieattcn und vertbeilie *ie an die Klöaur Uorze, St. Avold und 
Lorsch (Ueat. ep. Mull. S. 269; Aim. Laurcsh. z. J. 77^). Ueber die 

r) Gorg. s. WattcDboeb, U.Q. 1 8. 345. 
9} 0«tt ep. Uolt. S. 269. 
4) Böbm«r-Müb)bach«r 112a. 
b) L e. 107: Pru auimau nustrae rsuiedlaiB seu et proptcr 1ocu4D 
■epullurae eorporia mei. 

ttanok, KtrchwfvMliUMa DMUcUanda. U. 5 



— 06 



Stillungsbriefen wiederholt worden. Der Augenblick, in welchem 
sie diesmal ausgesprochen wurden, verleiht der abgenützlen 
Formel individoellen Gehalt. 

Bei der kircheogeichichtticheti Beurtheilung Pippins denkt 
man unwillkürlich zuerst au sein Buiiduis inil liom. Ohne 
Zweifel war es das wichtigste £reiguis seiner Hegierung. Doch 
Buch ah|:esehea hievon war sie für die Kirche bedeutungsvoll. 
Indem l'ippio iu die Arbeit de« ßouifutlus eintrat, rerhOtete 
er, dass die Frucht der treuen Ttiu.ti);kcit des angelstichsischen 
Bischofs verloren ^ing. Atier er nahm soioo Gedanken riiciit 
auf, ohne sie ku vcrüiiderii. Dadurch, duss er sie den nationalen 
Vorstellungen anpasste, fugte er die von einem BVemden be- 
gonnene Refonn in den landeskirchlicbea llshmeo ein. 



I 




Zweites Kapitel. 

£ar] d. Grr. und die Päpste. 



Konnten die Verhültnisse auf dem Punkte l>e1iarren , zu 
welchem Pippiu »ie gerührt hatte? 

Er hatte der Trlinkischen Politik eine entscheidende Wendung 
gegeben. Indem er den Wimischen Patricint Übernahm^ beschritt 
er den Weg, auf welchem die (»eschlosscnheit des fiüakischen 
Staates sich atiflOstc. ßis dahin war derselbe trotz der tiprach- 
rerschicdenheit seiner Hewohner ausschliesshch national. Weder 
Cldndorech noch Dagobert, weder Pippin der Aeltere noch Karl 
Uartell hatten jemals andere Inleressen zu vertreten als fHIn- 
kischc Das war seit dem Frulijalir 7M nnders. SoiCdem hatte der 
fnlnkische Köni^ für ein Gemeinwesen zu sorgen, das sich nicht 
als Ttieil des fränkischen Reiches flihlte und dns zu bedeutfind 
war, als dass es je im frftnkischen Reiche aufgehen konnte. Die 
Folge zeigte sich sofort: mit diesem Jahre hatte die rein nationale 
Politik des Prankcnreicbs ein Ende: seit diesem Jalire gab es 
wieder eine europäische Politik. Karl d. Gr. hat sie mit unver- 
gleichltcbem Talent und nie versagendem Glück geleitet. Er 
idiritt von Erfolg zu Erfolg; aber als er sich König der Franken 
sowie der Langobarden und Patricius der KOmer nannte, war 
das Staatswesen, das Cblodorech gegründet, untergegangen: 
der natiouale Staat hatte sich zu einem die abendlikndische 
Kulturwelt umspannenden Reiche erweitert. Das waren die 
Konsequenzen von Pippins Entschluss. 

Dass die fränkische Kirche Landeskirche war, entsprach 
der nationalen Abgeschlossenheit des frftnkischen Staats. Ver- 

5* 



- 66 - 



gebens halte Rnnifaliiis rcrsucht, hier eioc Aenderang herbei- 
zuführen; es gelang ihm nicht, die frftnkischc Kirche als unter* 
geordnetes Glied dem päpstlichen Machtbereich cinzufDgen. Ge- 
rade Pippin hatte ihr dcu landeskirchlichen Charakter erhalten. 
Aber war es möglich, daes sio ihn bewahrte, während die staat- 
lichen Verhältnisse sich iintncr enlscliicdcner umgeslalteleuV In 
der That verlor sio durch Karl ihr bisheriges Gepräge: durch 
ihn geschah es, dass alles, was an <^ei8tigem Lcbea id der 
abendländischen Christenheit vorbanden war, sicli in der frän- 
kischen Kirche sammelte; alle kirchlichen Kragen, welche die 
Zeit bewegten, wurden auf fränkischem Hoden besproclien und 
entschieden. Damit trat der Gedanke des landeskirchHchen Ab- 
schlusses zurück hinter dem Gedanken der alle umspannenden 
kirchlichen Gemeinschaft, welche durch die frönktsche Kirche 
repräsentirt wurde. So wurde die Landeskirche zur lieichskirche. 
Aber indem dos geschah, blieb die Stellung, welche der Herrscher 
in der Landeskirche inne gehabt hatte, unangetastet; der frän- 
kische Küoig erscheiol nun als Leiter der abendländischen Cbrtsten- 
heit, wie er vorher Regent der frünkischen Kirche gewesen war. 
Das war müglicii, da das Verhältnis zum PapsUbum sich eO 
ordnete, dass der Papst dem fr^ikisclieu Könige als Unterthan 
gegenüber trat. 

Wir werden dadurch zur Uetracblung der italiejuscbeu Ange- 
legenheiten zurückgeführt. 

Pippin hatte es nicht unternummeu, dieStelluiig des Papstes 
2um Patricius genau zu bestimmen. Das Verhälluis blieb in 
der Schwebe. Doch gab es einen festen Punkt: das Papsttbum 
bedurfte des RuckbalLs, welchen ihm das fränkische Hündnie 
darbot Deshalb bestand keine Gefahr, dass dasselbe tron 
römischer Seite gebrochen werden wurde. In den ErscbUtte- 
ruDgen, welche kurz vor Pippins Tod in Rom eintraten, bewies 
■ich recht augenfällig, dass sein Rcstand unabhän^g von den 
Persünliclikeiteu war, welche jeweilig den rOmischen Stuhl ein- 
nahmen. 

Am 28. Juni 767 starb Papst Paul I. Uui der Gluth de« 
rBmischeu Sommers zu entfliehen, hatte er sich nach St. Paul 
vor den Mauern begeben. Dort ergriff ihn die Krankheit, der 
er erlagt). £r hatte nicht an seinen Tod gedacht, als er die 
Stadt verliess; denn es waren keine Maseregeln für die Wieder- 



I 



1> Oono. Liter. (Haoa. XII. Tu). Uebvr den Tii« v«r«l«ich« die Be- 
ncTkung M JaOt-Wattonbacb S. 283. 



- 69 - 



» 



'betetetiDg des rOtntschen Stuhles getroffen. Uni so leichter 
kODDte der Gedanke eoUlehen, dass die p&f^slliche Macht dem 
als eichen* Reute zufallen werde, der es wagte, sie an sich zu 
raffen- £s gab in Honi Münner , welche in dem Amte des 
Rischofs zunächst den Besitz der höchsten Gewalt in der Stadt 
erblickten : die rüuiischen Grossen. Zum ersten Male griff da- 
mala der römische Adel Lumullnarjsch in die Fapstwalil ein^). 
An der Spitze einer mächtigen Familie stand Toto, den 
man Herzog von Nepi nannte'}. Seine Macht gnlndele sich auf 
seine liesitzungen in Tuscien. Als man stündlich das Knde des 
Papstes erwartete, drang er an der Spitze der Hilix ans den 
toscanischen Stddten und der ron ihm bewaffneten ßai/crn in 
Rom ein: er bcsass auf dem Janiculus') ein festes Ilaus; von 
da ans beherrschte er die Stade. Die Führer des rtimischen 
Klerus tUuschte er durch Versprechungen, welche er nicht zu 
halten gedachte*). Zum Papste hatte er seinen ßruder Kon- 
stantin, einen Laien, bestimmt. Rascher, als es irgend jemand 
erwartete, handelte er; denn noch ehe Paul die Augen gcachlossen 
balle, war sein l^achfulger erwählt. Mit dem bewaffneten G& 
Tolge Totos bemächtigte sich Knnslatitindcs Laleran; man nüthigte 
den ßisclior Georg ron Palcstritia, ihn am Tage nach Pauls Tode 
Ulm Subdiakon und Diakon zu weihen. Sofort Hess er sich rom 
rfimtscben Volke den Treueid schwören^}. Am Sonntag darauf, 
b. Juli 767, crrolgte seine Konsekration in St. Peter. Der Klerus 
und die Bevölkerung war überrascht und konsternirt. Konstantin 
hatte wenig Freunde; aber niemand wagte, ihm offen Wider- 
stand zu leisten. Toto meinte mit Gewalt jede oppositionelle 
Regung niederhalten zu können. leinen seiner Gegner, den Herzog 
Gregor, dessen Besitzungen in der Campagna lagen, Hess er 
umbringen. 



I 



h 



1} Vgl. Uegel, Uesch. der ätÄdtevorfaBauDg ia Itaileo I 3. 'H2. 

2) Quellftn fOr dlo erzXhIti'n l!:rHgDisAo s]d<I Vit. Steph. TTT. 2—24 nnd 
dtr Bfricht de» ChristnptiQnM vor der LalerÄoiyDode, Mans. XU, 717 f.; 
beide im WMentllcheD UbereiDstimm^nd. Vgl. Oregaroviiia, Gesch. d<4r Stadt 
Ron 11 8. 3^0 7.; Iteomoat, Uescb. der Stadt itom II S. 121; Ittngm, Gesch. 
d. rÖiB. K. ä. 688 IT, nnd meloea Artikel Ober Konatantln : P. R.E. VTII 3. 794. 

3) Toto drio^t darch die poTta Pancratit in Rom ein; Bi'ine Gegner 
nalien der Stadt auf der via Baluris, llberachreilon den Tiber nuf dein 
poas Milvias atid ricbteo den Angriff ebeofalln »uf die porta PaniTutii. 

4) Conc. Uter. S. 717. 

5) V. Stepb. IJI. 4. 



- 70 — 



Die Erhebung Konstantins war in jeder Uinsiobt uiiregel- 
m&aaig, eiD Bruch mit den bisherigen runiiscliea Tradiliuncn, 
Aber Pippiii gegenüber hielt er vollständig ua der Stellung seiner 
Voi^t&nger Test. Wenige Tage nach seiner InthrnniBBtioa er- 
ülfneie er den Verkehr mit dem Kitnig, indem er ciu Scbreibeu 
an ihn richtete'), i^ten glaubt Stephan II. oder 1*buI I. reden zu 
hOren, so glcicb sind die Phrasen, in welchen er von dem Ver- 
dienste Pippine um die Kirche, von dem Bunde zwischen ihm 
und den Päpsten, von seiner eigenen Anhänglicbkeil, treuen 
Liebe und festen Preundschalt gegen deo fränkischen Herrscher 
spricht. Bald folgte ein zweites Schreiben: Konstantin fürchtete, 
l'ippiu- könnte ungünstigen Nachrichten Olauheu scheiiken, die 
über ihn und seine Erhebung iu das fränkische Eieich dringen 
niücbteu^}. Dem wollte er vorbeugen, indem ur keinon Zweifel 
an seiner Bundeslreue aufki>muieu ütass. Deshulb hob er ge- 
llissenllich hervor, dass er den Ueislaiid der Kranken nicht ent- 
behren kOnne^lj er sprach fast wie ein Vasall dem Lelicnsherrn 
gegenüber''). Ein Schreiben der urientaliscben Patriai'cbcn, das 
eine rein innerkirchliche Frage betraf, beeilte er sich dem Könige 
vorzulegen^). Von dem Standpunkt der fränkischen Politik aus 
hatte Pippin keinen Grund, mit Konstantin unzufrieden zu sein. 
Der Papst hatte denn auch voa ihm nichts zu fürchten. 

Allein er war der Situation in Born nicht ni&chtig. Seine 
Erhebung war im Widerspruch mit den Verabredungen geschehen, 
welche zwischen Toto und dem rümiscben Klerus getroffen wordea 
waren*). An der Spitze der GcistUchkeU stand der Priuiicerius 
CbriBtopborus, ein Mann voll tielbslgelülil, stets bereit, kirchliche 
Ueberzeugungen DachdrUckÜcb auszusprechen, aber ganz unbe- 
denklich iu der Wahl seiner Uittel: ein Eid faaMe für ihn be- 
sonders deshalb Wertb, weil er das sicherste Mittel war, die 



II l'od. Carol. 44. 

2) L. c. 15 3. IM. 

3) U c. S. 150: Dum . . nie . . Jo v«stro eolito Bitxilio «t prol«ctloDe 
eoinmisl, pArstum lam rcmedium inveni, et afflictus aDimaa aiens paulispor 
ezplravil. 

i) L. 0. S. lEi3: Nos i|aiiflem, testatur oobls Den» iioster, cui oeculla 
cordU matiiretra auot. ut pluB vlinm ijuacn preluti DOKtri ptedDcessores 
podcifioes io vi^stra a Deo protecli regni vestri FMDronim carluie et di- 
lectione iitque siucera fidelHate cum otuoi noatru populofiruiACDDaUDti« 
erimiu pcrmaiiBari. 

&j L. c. Ö. J53 f 

6) Conc. Later. 8. 717. 



I 



— 71 — 



Gegner zu betrogen ^). Wfthrend er sicli ia da« Qeschebeoe %u 
fOgen schien, sann er darauf, den verhasston GiDdriogÜDg 2u 
beteicigen. Dazu aber war ibm die üoter^tützoog einer aus- 
wärtigen Macht nülhig. Da die Franken ßnnstantin anerkannten, 
80 suchte und fand er Anlehnung an die Langobarden. Dann 
werf er die Maske ab. An der Spitze Ton Kandon aus dem 
Sabinorlande und Langobarden aus Spoleto zogen Sergiuo, Christo- 
phnrus' Sohn, und der langohardische Priester Waldibert gegen 
Kom. Toto, der sich niannha[t vertheidigte, wurde meuchlings 
erslocheii. Konstantin tiado nicht den Uiitli, Tür seino Stellung 
ta kttinpfea; er floh in die Kirche. Man möchte annehmen, dass 
die Führung des Atiits, das er an sich gerissen hatte, ihn den 
Uuierscbied zwischen einem geistlichen Beruf und weltlicher 
.Macht lehrte; denn viel ernster klingt sein zweiter Brief als 
sein r^rster^). Die Vorwürfe seines Ciewissens werden ihn zum 
^^Feigliny; gemacht haben: so wurde er ruhmlos beseitigt. 
^B Einen Augenblick schien es, [|a<«B durch den Sturz Konstantins 
^Bdas fränkische Bündnis zerrissen werden würde. Denn nun 
^Kstachteu die Laugobarden den Versuch, die Frucht der gelungenen 
EmpöruDg fllr sich au pflücken. Von einigen Römern onter- 
I^UtUizt erhoben sie einen Münch aus dem Kloster des heiligen 
^BViUiSf Namens Philipp, auf den nimiscbeu Stuhl. Aber wie 
^HlOtlig' t&uscbtcn sie sich Ober ihre Macht in der Stadt. Nur ein 
i^paar Stunden konnte ihr Krwählter trüumeii, Papst zu sein. 

Am 1. August 768 versainmelLu Christophorus den Klerus 
und daa Volk auf dem Forum ror dem Bogen dea Seplimius 
Se»erus*). Dort wurde Stephan lll. zum Papste gewählt. Er 
war von Geburl ein Sicilianer; unter Gregor UL war er, noch 
ein Knabe^ nach Rom gebracht worden, um in einem römischen 
Kloster erzogen zu werden. Herangewachsen wurde er Mönch. 

iBald zogen ihn die Päpste in ihren Oicoat; Zacharias machte 
Ihn zum Priester bei St Clicilia, behielt ihn jedoch in seiner 
Umgebung im Lateran; ebenso stand er Stephan 11. und Paul I. 
t) V. SIeph. in. b. Chrittophoraa (8. 718) erwühol nstUrlich den 
Eid niohi, bcstäiigt aber den Belnif, Cbrlatopborus war suboc iiuter 
Siepbiti II. einäuaareich, Paal I. h&tta uogethciltea Vortrauon tu ihm (Cod. 
Carol. 36 3. 123). 

2) Vgl. äittse wie S. 149: Dum . . consldoTo, quanta mihi Inreptl 
pUloralk officif debet iDaUlere ourantlas rueadasque ilgraUiicaa rnilonale« 
iB avw, valde fal«or tutolarabilia neatitia cordia mvi uobano Adtioaiue. 
■ i) V. Stopb. UL 11: iD Tribu» fatis. 



- 72 — 

oahe'). Oass dieser Mann aufdcn piipstlichcn Thron erhühl wunl«, 
war ein Programm: seine Wahl bedciilrtR Widerstand gegen 
den Aitßl , Hchauptiing der Sctbstslündijrkeit (^egen die Lango- 
barden, Feslhallen an dem fränkischen Handnis. Man sieht: das 
letalere blieb in diesen Schwankungen das unvcrrttckharo 
Fundament der päpstlichen rolitik. Im übrigen suchte Stephan 
sich möglichst rasch und möglichst rollstttadif; seiner Gegner 
zu entledigen. Wenn es Widersland gegen den Adel nnd die 
Langobarden galt, war er der römischen Bevölkerung sicher; 
die robe Grausamkeit, mit welcher Konstantin und seine An- 
hänger^ sowie Waldibert mtshandell wurden, offenbart eiaeo 
Abgrund ronHass: der l'apst brauchte nur den l'ühel i^-ewÄhren 
zu lassen, so wurde seine Arbeit Tollzogen. Nachdem er aut 
diese Welse sich in seiner Stellung berustigt halte, wandle er 
sich an l'ippin. Üle Wahl seines Gesandten zeigt, wie viel 
ihm daran lag, dass keine Sttirung im Verliällnis zu den 
Franken eintrete; sein Role war jener Sergius, der eben als 
Führer der Erhebung gegen Konstantin sich hcrrnrgelhan hatte. 
Er nbcrhrachte ein pftpstliches Schreiben, in welchem Pippia 
aurgefordert wurde, etliche gelehrte, der heiligen Schrift und der 
kanonischen Einrichtungen kundige Bischöfe nach Rom zu 
senden. In ihrer Anwesenheit sollte eine Synode stattfinden, am 
die durch Konstantins Usurpation verwirrten Verhältnisse wieder 
zu regeln >). Stephan konnte die Rechte des Patricius nicht un- 
umwundener anerkennen, als es in dieser Aufforderung geschah; 
er kounte nicht vollständiger sich darein rögcn, dass Pippin der 
Leiter dur frünkischen Kirche war. 

Wührend man in dieser Weise in Rom alle Berechnungen 
auf den unveränderten Fortbestand der Verbindung mit den 
Franken haute, schien deren Sicherheit vom fränkischen Hofe 
aus ersciiüttcrt zu werden. 

Die Gesandten trafen Pipptn nicht mehr am Leben ; die 
Regierung war an seine beiden Söhne, Karl und Karlmann, Über- 
gegangen. Man konrite erwarten, dass sie in jeder Hinsicht an 
der Politik Pippins festhalten würden. Denn so wenig wir über 
die Jugend der beiden Könige wissea '), so ergibt sich doch aus 



1) ErwXbnt als Gesandter des Erster«» V. Stepb. II. fiO. 

2) Der Brief verluren; Inbsilvangftbe V. Stepfa. Hl. 16- 

3 ) BekBDDilicb steht wpdflr die Zeit noch ditr Ort der Gebnrt Rarls d. Or. 
fest Die ejntig:« Geacliicht«, die *nt seinor Jugend vrtüfblt wird (Tranal. 
GermaDi, H. G. Scr. XV S. 6), ist von mehr als fragliober GLiubwUrdigkeit. 



- 73 - 

dürftigen Notizen die eine Thatsache, doss Pippiti seino 
Sfihne ungemein frühzeitig xur Theilnahme an seinen Herrscher- 
aklen fierbeizog. Hie waren dem KnabenHllerkfinin entwachsen, 
da nahm er sie achnnin das Feldlager mit'); er Hess Urknnden, 
dt« er ausstellte, vnn ihnen unterzeichnen')-, den Jdngling Karl 
sandte er Stephan ]I entgegen, um ihn anf Triinkischem Roden 
willkocnmen 7.u hciftsen'); als er in St. Denis ge-salbt wurde, 
Hess er auch seine Sühne ron dem Papste benediziren*). Wer 
mfichte die Absicht, welche in dem allen liegl^ verkennen? Pippin 
wollte. <ias8 seine Ziele die Ziele seiner Ööhne würden; sie sollten 
teioe Lrebeosarbeit rnrt«etzeu. Von Karl d. Gr. ist das gesclieheii: 
kein Oedanke lag ihm su fern als der, dass der NachfoJ^'er sich 

■Dar dann ata selbstsländiger Herrscher beweise, wenn er mit 
Ber Politik seines Voi^ängers breche. Im Oegentheil, ihm galt 
die Kontinuilät der Ilegierun<^Bgnindsätzo etwas. Schon die 
Weise, wie er die ilünner behandelte, welche seinem ^ate^ nahe 
standen^), bewiee^ dafis er nichts anderes wollte, als was sein 
Vater gewollt halte. Eine ptip<itliche OesandUcbaft konnte also 
des freundlichsten Kmpfanga sicher sein. Demgemüss fand denn 
aneh der von Stephan ausgesprochene Wunsch bereitwillige Er« 



Mas vgl. über die Jiig«nd Karls: Abel. Jalitb. des Frünk. H«ic1i« unter 

IKarl d. Gr., 2- Aufl., von Siuiaon, IHä», S. 'J ff. für (Iah Jahr 142 hIb 
'GtibartijAbr and k^S*^** 747 «clietot mir die Tbatsaclie aiisscbln^Kt'beud, 
iliS8 Karl im Januar '54 zur B<?grliBsnng .Stephan« 11 von Pippln vorana- 
fenodl wurde (V. Bteph. [I. 25; Fred, cont. 119); wäre K&ri 747 K^bureo, 
sa wäre er dauala Doch niclit aieben Jahr« alt geweseii, für eine solche 

I.Seadttog alto tw«it'«llos zu jung. 
I i) In Jahr« 762 begleiteu Karl und Karlmnon den König in den 
Fbltltiaotacbeo Krictc (Äim. S. Amand , I>«l. z, d. J.>; vreno auch da« Ueburts- 
Jabr Karlmaniis nicht fesiateht, ao war er ducb ek-bor bedouiend Jünger 
aU Karl, im Jahre 7b.' also kaum Dbpr du Knabenalter hinaiisi dasa vud 
Karl zani rraten Mal im Jabre 76t die ThellDahme nn einem Feldziigo er- 
«Ebot ist. mAg xußJliK sola (Ann. 9. Amand , Pct., Lauriss-, Einh. t. d. J.). 

2) Crkande fUr St, Calais vom 10 Äpril760 i.Böbmur-MUhlhaoher 89): 
Der König r«rsicbert , dsKtt er da« Klostrrr grib scrmone tiutiuni« noatrue 
vel emunitaiitwa ipaius nioctuamrii rel (niindeburdn illnsrris vlrt Caroli Ulli 
■ofttri quf c&nsaa ipaiits abbalia v^l ni(inHst«ni bahiuaC rvci'ptas, aurnebtovo 
wolle. DrkuDile Tflr PrBm von 13- Anguet 762 (ßtihiner-Mtlhlbaclier 93). 

3) S. oben Anmerk. 1. 

4) Clauaol., Boiiq. V 9. 9 Wenn Stephan 11. seine Briefe an Pippin 
lind seine Hdbne richtt'l«, so wird rr bt>iiifirkl )i:(b«n , dnas Pipptn W^rlli 

Imaf legt«, dsaa die pDUiiscbcn Ding« seinno Söhnen nicht fremd blieben. 
a> V. Starm. 21 S. 37&. 



- 74 - 



fUllang. Indeni der einzig« fränkisclie Erzbischof an der Spitz« 
von zwölf Bischöreii de« Reiclis in Rom erschien'), ward dem 
Papste der Beweis geliefert, dass die Söhne Pippins entschlossen 
waren, die enge Verbindung mit Rom aufrecJit su erhalten, 
welche ihr Vater gei^rilndet hatte*). Gewiss liesscn sie es auch 
an der ausdrUckhchen Versicherung nicht feilten, dass sie ihre 
Macht fllr die Rechte de« heiligen Petrus einsetzen wurden*). 
Gleichwohl war die Stellung des frttnkischen Hofs zu den 
italienisclion Angelegenheiten nicht vOllig die gleiche wie zehn 
Jahre vorher. Schon Pippin hatte iti seiner Icteten 2eiC jeden 
neuen Konllikt mit den Laii'^ohardcn veriinedcii*). .Seine h>hcn 
gingen noch einen Schritt weiter: sie suchten ku einer vollen 
Verstürutigiing tnil ihnen zn kommen. Eine Familienvcrbindung 
der heidcn Königshäuser sollte die Binlraclit der beiden Völker 
Bichero. Diesen Gedanken vertrat die Künigin Bertrada'); dass 
er bei den rräiikischeii Grossen Beifnll fand, ist mehr als wahr- 
scheinlich, hatten sie doch nur widerwillig dem Angriff auf die 
Langobarden zugestimmt. Kein Wunder, dass die jungen KOuige 
auf ihn eingingen. Sic schienen eich dadurch nicht von der 
Richtlinie der Politik ihres Vaters zu enlferuen: halte er den 
Frieden aulrecht erhalten, so suchten sie ihm die Gewähr der 
Dauer zu verleihen. Einen Schlag gegen Rom meinten sie 
dadurch gewiss nicht zu filbren'j. Aber sie tauschten sich über 
den Eiadcuok, den ihr Verhallen in Rom machte; denn hier 



1] V. 3l«pb. MI. 17. All* dem ileiitsclie'n Qebicl waren unter den 
Bischrifen I.ul von Utiinz und Eräiobci'l von Woruia; Bcrenwulf von Wtlrz- 
biiri^, den eine Uacidst^lirift nennt, war aieher nicbl TbAilnebmer. Ist der 
Natnu diT Sudt riubtft;, so kann nur Uegiiigoi gcmaini teiD. 

2) Auf die V«rband)tiiigen der SyDodo (UxtiB. XII, 713 VS.) h&b« iell 
hier nicht eiiizuueEieo, d& sie daa VertaiCltiils zum l'riiiikiffchen Keiobe Dtcbt 
b«rlihren. 

3) Daas es an solobea Vers! ober uii,geD nicht fehlte, seigt Cod. Cirol 
46 3. :56. 

4) Cod. Carol. 39 8. 1S7. 

&) Kioli. V Km. iü: Hflirath Karl« mit der Tochter des ÜMiderius 
auf Kikth seiner Mutler. MuhII, (M G. Sct, XVI S. 496), LAurmli.. Lauriss., 
Einh, z. J. 770 Reise ß«t(radKB noch Iialirn des Friiedens wgon. Et 
liegt naha, damit die Ruise ätunus iiach BsiurD <V. Sturm. 2'i S. 376) au 
kombiniren. i^a Ahiel, J.B. S, G5 ff. 

6) In dio Z.uit, liD weEcliQr die UalerlisndluDgeD mit Desiderius statt- 
fanden, fallt der Ood. Carol. 46 S. 155 G. bc&ntworteto Brief KsrU uud 
KarlojaoDS an Stephan. Er «nthielc VersicheruageD, welche den Papst sehr 
befriedigten. Ferner die Sendung dos Ittberiat 4ä S. 166. 




— 75 — 



«th man in der Wiederherstellung eines guten Verhältnisses 
zwischen Franken und Langobarden eine ernste Geführdung der 
eigenen Lag«. 

Stephan in. war von Anfang an nicht ohne Argwohn gegen 
die fränkische Pohtik ^). Als er nun «rfubr, was man beabsichtigte, 
Uiat er alles, um die Verstüntii^ung zwischen Frauken und Laiigu- 
barden ku Terhindera. Kr sandte eia langes ischreiben an die 
beiden Brüder'). In ihm erklärte er die beabsichtigte Heirath'] 
fllr eine leufliechc Eingebung; unter Anrufung Uottes, des Riehtere 
der Lebendigen uod dcrTodten, kraft der Autorität des Apustets 
Pelrua verbot er sie; er sprach den Fluch aus über jeden, der 
seiner Weisung zuwiderhandeln wurde. Kr labetle, Pippin habe 
im ^amea seiner Sühne den Püpstcii ticiiorsam gelobt; ja sie seihst 
bStteo dasselbe Versprochen Paul I. gegenüber abgelegt. Und 
jetzt, ruft er aus, ist das euer Versprechen! Die Verbindung mit 
den Langobarden betrachtete er als Bruch des mit den l'äpaleu 
geschlossenen Hundes, 

Ein seltsam IfidenschaftÜcher Brief, und seltsam das Ver- 
treu, durch welches Stephan den Kachdruck seiner Worte 
)ch 2u steigern suchte. Bevor er sein tjchreiben absandte, 
er es auf das Grab des Apostels nieder: dort brachte er 
in da« Messopfer dar: von der Konfession des Petrus hin- 
weg, gleichsam genehmigt und bestätigt durch ihn, wurde es ao 
die frünkischen Brüder abgeschickt 

fjie hat ein Papst in einer politischen Angelegenheit seine 
geistlich« Autorität entscbiedeuer in die Wagschale geworfen; nie 
mit weniger Erfolg uud uie nüt weniger Elucht. Mit weniger 
Erfolg; denu Karl liess sich durch die püp&tlicheu Vorstellungen 
aiclit hindero, diu Khe mit der langobardisciien Königstochter 
sbzaschliesseo*}. Und mit weniger Recht; denn während Stephan 



■fftei 



i) Ergibt lieb ans dm letzten AbnXtzen von Cod. Csrol. 4C S. 157 f. 

2) Cod. Carol. 47 8. IJB IT.; v. B»nkc (W.G. V, 2 J>. US) verlegt 
Brief aaeh der Vcrmiflilang Karls ^ stber Str[ihnn mahnt nichl, di« Ehe 

«iadw aafial&Ho, tonderu sie uicLt «iiizui^eliL-n. Üufele (C.U. Ilt S. €0I>) 
■Sohl« du Schreiben Am Ifcbateo für niipcbt Arklärrn, wagt e) nt)^r nicht 
gttadexo uod Dimint oud aa. dau Karl viellciokit bcij-acheie, ebo das pSpHt- 
Uobo Scbreibtio fn selnu Hiod kam, and seine Klie wieder liSste, vielleicht 
tu Fohfe d>-8 päpstlichen äclireibeas. 

3) Offenb»r wuBstc er nicht, w^r von den beiden Brftdcrn die lango- 
bardische Frioz«ssiD beiraihen «olUe. Ucber seine Bebanpiung, sie seien 

tde vtirbelrstbet gevesen. a. Athel, J.B. 8, 02 f. 
i) Sommer uder Uerbst ?70. 




— 76 - 

in solch massloser Weise gegen die Langnbardea sprach, hatte er 
bereits Beziehungen zu Deeiderius angeknüpft'). Das wer fbr 
ihn nicht allzu schwierig; denn am pa|i8Uifhen Hofe gab e» eioc 
langobardischc Partei. Ad ihrer Spitze stanU Paul Aäarta, ein 
Kammerlierr, der sich in Stephans Uunst behauptete, obwohl 6r ■ 
aus seinen Gesinnungen kein Hehl machte*); auch der Bruder 
des Papstes hielt sich zu den Langobarden*). Üer Plan ist 
durchsichtig: in der rränkiscb- langobardtschcn Verslündigung fl 
Schien eine Gefahr ftlr die püpsthchen luleressen zu hegen; 
denn wer bürgte dafür, dass sie von den neuen Freunden nicht 
den alten Gegnern geopfert wurden? l>em meinte Stephan m- 
vorktunmen zu können, indem er sich einseilig mit Desiderius 
vertrug. ECr konnte sinh kaum verhehlen, dass er dadurch dem 
fräDkisdiea Bündnis zuwider handelte; aber war dasselbe nicht 
von rrjinkisoher Seite aus hereils crsr:htltterl? Stephan konnte 
sich zu seinem Vorgehen berechtigt halten, da auch die Franken 
einseitig mit Desiderius verhandelt hallen. Jedoch er traf auf 
den Widerstand der fränkischen Partei in Rom; besonders Christo- 
phorus setzte sich einer Wendung der päpstlichen Politik entgegen, 
welche alles in Frage zu stellen drohte, was seit dem Jahre 
753 erreicht war. Bei ihm war der politische Gegensatz gegen 
die Langobarden zum persönlichen Uass geworden. Und reich- 
lich vergalten sie ihm denselben. Er wusste, dass er nicht nar 
um seinen EInlluss, sondern um sein Leben kitmpfte. Deshalb 
gritf er zu den äussersten HilteCn. Er zog bewaffnete Bauden 
aus der Utngegeud nach Rom, um die Stadt gegen einen Angriff 
XU halten. Durch die erregte Bevölkerung sollte Stephan ge- 
nütbigt werden, von dem Plane einer Verbindung mit den allen 
Feinden Roms abzustehen. Aber Cbristophorus unterlag ; er 
bOsste seine Opposition mit dem Leben; das gleiche Schicksal 
hatte sein 8uho Sergius. In<lem Stephan die Münner, denen er - 
seine Erhöhung verdankte, der Feindseligkeit der Langobarden f 
opferte*)» lieferte er den Beweis, deaa der Plan, den sie he- 



1) Diese Annahme scheint mir unumgEnglfcfi . am den Nuehricfaten 
d«r V. Strph. III 'J8 ff. gvifcht lu weiHea iioit sEe mit Co(t Cxrol. bO zti 
veroinigen. Direkt bestäiigt wird dio Annahme durch liie verlorenen 
Ann»1en, «elchm Avenltn beniitxt« (a. Riezier, Sttziinn^fiboricbto cl«r MDnchener 
Akadcmii) 1681. I S. 217 ff.; die fragliche Stelle 9. 253 t). 

2) V. Stepb. 111. 28, 

3) V, Hadr. 10 wird nehfiti Paul Afisrta der Herzog .lohünnei, der 
Bruder Stephans, als PUlirer der Unguhard lachen Partei in Kom genannt. 

4) Gregorovitu (11 S. 369) und Reumont (G. d. St. Rom 11 ä. 122) 





■tkftmpften» schon zur Thal ^ewowden war Desiderius bestütigte i\&s 
dadurch, dass er die Abtratung zahlreicher Städte, auf welche 
der Papst Anspruch erhub. geCubte. So zahlte er den Preis für 
die Beseitigung des fräukitcheo Parteigängers, welcher bisher 
die Kurie beherrscht halle, uud für den Verzicht auf da« Hündnis, 
das gegea die Laugobarden gerichtet war 

Was iu Rom geschehen war, wurde dem frUnktscheu 
Hofe natürlich nicht oiilgetheilt; aber c« spiegelt sich deuthch 
in deo dorDiiu gerichteten ßriefen. älephans Ui-llieil über die 
Langobarden schlägt mit einem Maie uoi. Wahrend er eben 
ic&uiti einen Ausdruck gefunden halt«, der die ganze Tiefe seines 
Abficheus vor ihnen und ihrem Könige aussprach*), ist Dcsiderius 
nua sem ausgezeichneter, ertinbener, von Gott geschätzter Hohn'). 
Hatte er bisher alles von der Intervention der Franken erwartet, 
BO Wünschte er jetzt jeden Anlass zu beseitigen, der ihr Kin- 
greifen haue herbeiführen können ; er erklürte, alle Gerechtsame 
des heihgen Petrus bube er roll und ganz von Desiilerius eni- 

^H pfangen'). Und nicht genug daran: er suchte ihre Kinmischuug 

verlrgeo den UotergstiK <i«* C'hrialoplioru« acboo io lia» Jahr 769. Dt die 
VtratÜDdiguDg mit Desideriiia ihm voranging {_%'. Sieph. LH. 29; Cod. 
Csrol au S. 16t) r.j, ao ist daa uomüiilich. V|{l. Abel, J.U. S. SS ff. M'eun 
JsffA and Abel das Jahr 771 annehmen, ro halte Irh dieBon AoaarE wenig* 
iten« dicht flir aictier. Da friinkische Quellen (Add, .Mosel!, , Cbron. M>ji»s 
U 29a) vnn der Rtli:kgaho i.ih1reicber .M.'tdle »o den Papai im Jahro 770 
(precbcn, »o konmit, wie mich dUokt, tunächst diea«a Jahr io K^ag(^. Die 
Maktsche Nachricht kAon aicb jedoch ntir anf die Anerkennung des pKpst- 
Hebca Kechic« und das Veraprechen dur BerauBf^iibe besiuben; denn wirk- 
leh Überliefert waiden die Städte nicht (Vit. Hadr. !v). Lie breigniaac 
(»Igen sich dann ao: Endv 769 oder Anfang "(f erOÜlt uiau iu lullßo 
>iaclirich( von den fräinkischeu PliCuen, vieliuicbt durch l'aasilOi iSturiua 
Sendang an ihn wird voraaagegangea sein, ätepbao wideraprleht Id der 
kefiigaicn Weise. Aber es ist begrciflirli, dass die boiü<'n italicniachen 
nicht« aul deti GedaokeD kanten, sieb lieber direkt als unter frünklscher 
Veiuiittetnng Eti verständige». Uftlier die Unterhandlungen, welche xu dem 
Ton Desideriua io der Peierakircho abgelugien Verapreoheu fllbrtao (Vit. 
Stepb. III. 39; Voä. Carol. ^0 S. 166; vgl. Vit. Hndr. &). Die Folge vsr 
der Siura der fränkiacbcn Partei in Uota, Ist detu verlorenen baiensclien 
Annalralen Avßniiua zu trauen (a. S. 76 Anw. 1 ), no eilulgte er in der 
FBatcnaeit 77u. Iia Laufe (loa äuuiciiurs kaiu Dertrada nach Italien; sie 
begegnete üirgeuds t^hivicrigkciteD: die friüikiacheu IViloache acbJeiieD von 
beUea tleiteo bereitwillig erlllllt zu werden: uas war ja bereits einig. 

1) Cod. Carvl. 47 S. 169. 

2) L. c. 50 S. 1&8 ff. 
3} L. e. 8. 170. Da die liehaaptung unwahr ist (Vil. Hadr. !>). ao lal 



- 18 - 



in die italieiiisclieti Angelegenheiten dadurch untniiglicbzu machen, 
dasB er neue Zwietracht zwisclien den kaum versöhnten Rrddern 
erregte'}- 

Der Papst schien in dem ScJiwanken der Verbfiltnitsc das 
beste Spiel gespielt zu haben: er konnte hoffen , zngleich seine 
Unabhängigkeit von den Franken und die Enrcilernng seines 
Besitze« in Italien zu erreichen. Und doch Ing ein Fehler 
in seiner Ilcchnnng. Er schützte das gegenseitige VerhfiUnts 
der Macht nicht richtig: er und Desiderius waren auch ver- 
bunden den Franken nicht gewachsen. Deshalb waren die 
Folgen , welche die Uerstellung des liitnrernehniens mit dea 
Langobarden hatte, ganz andere, als er dachle. 

Am fränkischen Hofe konnte man sich nicht lange darüber 
ttiuacbeu, da^s die beiden italieuisclicn Mächte gegen die Franken 
einig seien. Der Eindruck, welchen diese Erkenntnis hervor- 
brachte, war der übelste. Man kann die Entrüstung Karls über 
das falsche. Spiel der Italiener daran ermessen, dass er die eben 
eingegangene Verbindung mit den Langobardt<n rasch entschlossen 
wieder annüste. Er that es in einer Weise, welche kriitikcnd 
und herausrordernd war und sein sollte: nachdem kaum das 
erste Jahr seit seiner Vermahlung abgelauren war, sandte er 
DeaideriuB seine Tochter wieder zurück^J. Der Schlag traf zu- 
gleich den Papst. Denn eine solche Ehescheidung war ein Hohn 
auf die kirchliche Sitte und das kirchliche Recht. Darüber war 
man am frünkischcn ilofc nicht in Zweifel; es gab Männer, die 
muthig genug waren^ zu widersprechen und dem jungen König 
sein Unrecht vorzuhalten'). Er aber Hess sich dadurch nicht 
hindern; auch seine Mutler niusste erfahren, dass er allein su 
herrschen gewillt sei. 

Politisch angesehen war Karls Massregel meisterhaft. Keiner 



I 



dsrZveck, xit dem sioanngi-sFiroclieo W[ird<>, ei nie achtend. Dnss der Papst 
biotufUgt, Kxrl» Ueaandu würden ibn darllber völlig anrklären, bestlttigt, 
dass diese Verabredungen vor Bertradan italieDlsrbem Aufenthalte gttrufftn 
vaiiiBü] er würde «ich luiuit auf di« Königin berufen. 

1) Anders litaat sich die Denuntiation Doilos, Indirekt Ksrlmsons. 
nicht VQr»teheii. 

2) Cinb. Vit. Kar. 18: ruoertiiDi qua de oausa post nnoitm eao rrpu- 
dtavit. Da die Ehe ans politischen Muliv«u gochloascn war, so vir«! der 
Gmnd ihrer Losung ßbenfalla auf dem l.:ebiet der Pollrlk zu sooben boIb. 
8. Abel. J B. S. 9&. 

'i) Ailalhard, der spät«re Abt von Corbte, vertrat das Recht der 
ROnieio (Vtt. Adalh. 7 S. &35). 



- 79 - 



* 



der beiden Getrofienen wagte den Schlag zu erwidern. Weder 
rächte Desiderius die seiner unschuldigen Tochter angciliane 
Schmach, noch trat der Papst für das gekr&nkte Recht der 
Kirdie ein'). Indem so heidc ihre Schwäche eingestanden, lüste 
sich ihre Verbioduug wie roti selbst. Sic wurde nicht geradezu 
abgebrochen; aber Deaiderius betrachtete sich seiner Verpflich- 
tungen überhoben. Als Siephun au die Herausgabe der ihm ver- 
sprochenen Orlschaflcu erinnerte, verweigerte er sie; nicht ohne 
eiueti gewisseji Huhn lehnte er das Ansinnen des Papstes ab. 
Im Kreise seiuer Verlrauten führte dieser bittere KlagB über 
die Untreue des Desiderius; alles habe er ihm gelogen, was er 
auf die Reliquien des heiligen Petrus geschworen habe*). Aber 
er hatte nichts gegen ihn als Worte. Denn die fftinkische Hilfe 
anzurufen, wegt« er nicht. Karl that nichts gegen den Papst, 
aber auch oichls für ihn : er war offenbar an ihm irre geworden 
DOd wollte doch einen liruch mit Rom vermeiden. Wahrend er 
den Papst sich «eiber Uberliess , verlor er die italienischen Ao- 
gelegOuheilea nicht aus ileii Augen. Die Beseitigung des Usur- 
pators Michael in Ravenna zeigte, dass er laiigotardisclie Partei- 
gänger nicht zu dulden gedachte'). Michaels Nachfolger Leo 
war mehr friinkisch als pttpstlich gesinnt*). 

Die Konibinatiun, uul' welclie HLM-Iruda die Sicherheit dee 
Friedens zu bauen unlenmmmen hatte, erwies sich demnach 
als unhaltbar. Sie war zu künstlich, als dasa sie von Kestand 
hiUe sein künuen. Denn seil dem Tode Karl MarLells waren 
die fränkischen und langobardiscbcn Interessen in einen GegeD- 
sat£ geraihen, den eine vermittelnde Politik wohl filr einen 
Augenbltck zu verbergen, aber nicht auszugleichen vermochte: 
beide Staaten strebten, ihre Macht nach der gleichen Seite hin 



* 



Or?j{orovtu9 (0. R.'s II 8. 3S1) Visit in seiner Wels« Rnrl .mit 
Zualintnung, ja nnier dem Jubel Ans l'apstes" seine Ktie aiiflfts^n. IJeber- 
ÜBfttrt ist das bukauailivh nJclii, ivntl (Iiircliaas tinwahrscbciulit^b, da an der 
£ati« die Labf{obardrD bis tu Siepbans 'l'od oiüchiig waeo. 

2j V. Uadr b. 

.H) CrzbiachorSergiua von Kavennanlaib am Tj. Anj;iiat770(fl. Duchoane, 
Lfb. fonüf. I 8. -J84 Äuui. b4). .Mit Uilfu di-s Uerzug« Muritx von KIedIoI 
beotKcbcigic sich der Scrioaiius Mii:bael dca Krzilnhla, den or, untoratliizt 
«OD Deaiderius, IKiiKtrr ala cid Jabr tebkupcete (Vit. Ütepb. III. 2b). Eade 
ni irorde or unter früukiacbcr Einwirkung verdrängt. Uan sieht, dasa 
Eiirl, nacbdeiD er mit Desiderius gcbrooheu hatte, den Kampf gegen dee 
tugobardlaobäD £influM sofort UDlcrnabio. 

4) S. unten. 



- 80 - 



auszudehnen. Uierkooote die Lüsuog nur aufdemScIilacbtrelde 
geschehen. 

ÜasB die fränkische Politik ihre Richtun<r so plötzlich und 
vollotundig linderte, war Karls Werk: er iiandolte dabei int Gegen- 
salze zu seiner Müller und einem Tlieile seiner Umgebung '^}. 
Die Hedenkeil, welche sein Vorgehen erregle, sind begreiflich 
genug: aber der l^rPulg war für ihn: der junge König bewies 
sieb als Ueistor der äiluBtion. Oas GlUck wollte, dass 8tepban 
kurz darnuch, nm Ü4. Januar 772, starb. Dadurch erÜfTneie sich 
die MüglicUkeit, dass an die Spilze der rOmisctien Kirche ein 
Mann trat, der den frankischen Interessen aufrichiig ergeben 
war. Das geschah durch die Wahl nadrians Mit ihr erlangte 
der fränkische Einlluss in Rom das Ucbcrgcwicht von neuem. 

Hadrian I.') war ein R^^nicr aus vornehmer Kamille. Nach 
dem frithf^ii Tode seiner beiden Eltern wurde er unter der Obhut 
seines Oheims Thcodotns erzogen, eines Mannes, der in welt- 
lichen und kirchlichen Geschäften eine hervorragende Stellung 
einnahm. Uuter Paul I. trat er in den Klerus ein, Stephan IIL 
erthciilc ihm die Weihe zum Diakon. Sem Biograph rühmt 
seine geistliche Gesinnung und sein cxcu)plariEcUe8 Verhallen, 
auch seine aLl^e meine. lieliehtheit. Aus ihr erklfirt er seine 
Wahl'). Doch da» sind Worte; die ersten Handlungen Hadriaus 
beweisen^ duss er der Erw&hlle der fränkischen Partei war*). Noch 
vor seinur Konsekration rief er die von Paul Aflarta Verbannten 
zurück ; auch die Gefangenen wurden entlassen. Die Auf- 
forderung des Desiderius, in ein ähnliches Verhältnis zu ihm zu 
treten wie Stephan III , beantwortete er mit dem Verlangen, 
dass jener die versprochenen Abtretungen ausführe. Alsbald 
folgte der Sturz der langobardischen Kaktion: Paul Afiarta wurde 
in Kavenna, andere in Knni getödtet; dagegen wurden die Leich- 
name des Cbristiiphorus und Sergius ausgegraben und ehrenvoll 
in St. Peter beigesetzt*). 

Nun erhob sich Dcsidcrius; er besetzte einen Tbeil des 
£xarchals von Uaveuna, und lehnto jedes weitere Zugeständtiis 



!) Einli. Vit. Kar. IS; Vit. Adalh, 7. 

2) Ueher Hadriaa vgl. die K G9 Anm. 2 Abgeführt« Werke. 

3) V. Htdr. 1 fl. 

4) IHe l'hrftsen ho Wahldclcret, »af wetcbe v. Rsolte (W.G. V, 2 
8. 117l lind Ahel (.I.B. S. 1S4) Wertb legeo, halte ich fllr wertblos. Die 
Biogiapbie II.idrians »pncht nicht von einliellijjpr Wahl. 

b) T. Badr. 4 ß.; vgl. Gregorovius, Oeaob. der Sudt Rom IT S. 383 ff. 



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— 81 — 



■n Rom ab '). Er meinte den Papst eum RUoh(rJLt auf die 
langobanliBche Seito ntithigen zu ki'innen'). Die Luge Uadriaas 
wwschwieri^. Er war ein schöner') und liebenswürdiger Mann; 
aber, wie solclic Männer zu sein pflegen, geistig nicht eben her> 
vcMTagend; besonders fehlte ihm jede Initiative: eintto kutinen 
EnisehluSH fassen, war nicht seine Sache; er liebte es, in der 
einmal ciDf^ecchla^enen Richtiint; weiter zu geben. Das kam 
ihm in diesem Momente jiu gute; jeder Gedanke, die Partei- 
atellDDg, der er seine Krhebung verdankte, zu verftndern, lag 
suaserhalb seines Gesichtskreises; so hielt er tinvcrrflekt au 
decn fränktscheo Bündnis fest, hart wie ein Diamaut, sagt sein 
Biograpti'). 

tlni fränkischen Reiche war inzwischen ein Ereignis einge- 
treten, welches die Macht Karls wesentlich verstärkte. Knrx vor 
Pap«t Stephan III. war Karlmaun ijeslorben*); dadurch wurde 
Karl Herrscher des ganzen Keichs. Kilr Desiderius war Karl- 
manns Tod ein Unglück ; doch suchte er. soweit es eben ging, 
Gewinn aus demselben zu ziehen. Er warf sich y.iim Vertreter 
der Rechte auf, welche die Kinder des Verstorbenen auf einen 
TbetI dea Reichs hatten <>). Indem er dadurch Karl .Schwierig- 
keiten im eigenen Lande bereitete, hoffte er ihn von Italien 
ferne zu halten. (Jm su unumgüngllcher war es für Kar), den 
Kampf atifzunehnien. Er fasste den Etitschhiss nicht ohne cin- 
gebeude Berathuug mit den fränkischen Grossen, und diesmal 
1 erklärten sie sich ohne Widerspruch für den Krieg"). Der Er- 
1 folg des umsichtig vorbereiteten und nachdrücklich geführten 
^K Feldzugs war die Vereinigung des iQngobnrdischen Reichs mit 
^" dem fränkischen^) und die Erneuerung der Schenkung Pippins. 
Die letztere wurde in Rom vorgenommen. Von dem belagerten 
j Pavia hinweg begab sich Kart im Frühjahr 774 nach der Stadt 
I des Papstes, um das Osterfest dort zu begehen, lladnan Hess den 



^ 



1) L. «. 6 f.; 18. 

2) Wean er ihn Rofrorderte, die Sdhoe KarlmaDna zu Ktioi^eo sa 
ulben (I.e. 33), ao ist dio Absichl, Hin für iuiiu«r aiic Karl zu verfeinden, 
anvcrketiabar. 

3) !■ c- I : &l(!gatis et Dimiii d«corahilis peTsona. Vgl. Tbood. carm. 
36 V. 7 S. -189 : Forma deci-ne. 

41 U c. 9. 

5 4. Dezember 7ri. Vgl. Abel. J.B. S. 96 ff. 

6) V.Uadr. 9; Einh. Vit. Kar. 3; Ann. Mett., LanHis., Elnb. i J,771. 

7) Adr. LaorJaa., Etnit. i. J. 773. 

8) Vgl. Abel, J.B, 139 9.-, v. Raoke. W.O. V, 2 8. 119 t. 

Baacli, Kirch« »«»tbMto nruLK-iitjtii>l<. II. ^ 



- 82 - 



fränkischen Küiiig eiiiprangen, wie man in früheren Zeiten den 
Exarchen einxuliulen pflegte. Eine Tagereise weit saodte er ifatn 
die sliidlischen Heauilcn mit dem Banner Roms entgegen Als 
Karl am Tolgenden Tage, deni Ostcrsainslag, sicti der 8tai)l nahte, 
fand er eine Millie vor den Thoreu die gesamaite Miliz unter 
ihren Führern versamuiell: mit lautem Znrur begrüssteu sie den 
SchiraivO(;t der rCiinischen R^pultlik. J)ann kam die Schuljugend, 
ll.vmneu singend, mit Paluieu und Oelzweigeu in den Händen: 
das war gleiclisau) der Gruss des zukünüigen Geschlechtes. 
Alles Volk aber jubelte dem Einzieheinten zu: mau trug lü-euze 
und Kirch eafaimen vor ihm her. Hadriao, umgeben von dem 
gesanimlen Klerus der Stadt, stand am Portal der Peterskirche. 
Dort erwartete er den Künig. Aber nicht als Herrscher, sondern 
alB Pilger wollte Kart das Heiligthnm betreten, das sich ober 
dorn Grabe des Apostels erhob: er %var vom Pferde gestiegen 
und folgte zu Kus« den vorgetragenen Krctizen; jede Stufe von 
St. Poter ktlaste er, ehe er sie beschritt. Dann umarmtG er den 
Papst, Hand in Hand traten beide in die Kirche, empfangen ron 
dem Gesang: Benedictus qiii venit in nomine Ooniine. Vor der 
Konfession des Apostels warfen sich die Pranken zu Boden, um 
Gott für den errungenen Sieg zu <lanken'}. 

So schildert der Biograph Hadrians die festliche Pracht, mit 
welcher der erste Einzug eines fränkischen Königs in Rom um- 
geben wurde. Er schwelgt von den Gedanken, welche Hadrian 
bewegten, als er au der Treppe ron St. Peter dcui Zuge des 
fremden Herrschers eulgegeublickte. Aber es ist keiu Zweifel, das» 
die beiden Müuuer, die sich als erklärte Freunde begrUsslen, 
von tiefem Misstrauen gegen einander erfüllt waren. Karl be- 
nachrichtigte den Papst nicht von seiner Absicht, nach Rom zu 
kommen. Erwartete er Schwierigkeiten von Satten Hadrians? 
Als dieser die unerwartete Kunde erhielt, Karl ziehe in raschen 
M&rschen nach Rom, empfand er alles eher als Freude; 8<ün 
Erstaunen war das des Schreckens'). Fürchtete er, Karl werde 
in setner Sladt als Herr auOreten? Der Frankenherrscher durch- 
zog das römische Gebiet, ohne die Zustimmung des Papstes ein- 
geholt zu haben; erst als er ihm Auge in Auge gegenüberstand, 
bat er um die Erlaubnis, die Stadt betreten, seit! Gebet bei deu 



i) V. Hadr. ib ff. 

2) L. c. 35: Id magoo slupore et extMi <l«ductiu. Abel (J3. 3. 1&4) 
Übersetzt: in bohcu Graile Utxrrrascht. I>ss ist doch Sil scbwaob. 



I 
I 



I 




— Kt - 

verschiedenen Heiligliiäiiicrn vcrrictiton zu dürren. Jetzt koiinto 
diese ßille niclit mehr vcrsaRt werden. Und docU gewÄhrtc 
sie Hadrian nicht, ehe der Küiily: mit seiner gesaninitcn He- 
[leiUing ihm Sicherheit geschworen hatte. Aber auch Karl 
»rderte, dass der Papst ihm eidlich seine Treue verpfände. 
Kavti solchen Vorbereitungen fand am Mittwoch nach OGtern. dem 
sechsten April 774, in der Peterskirche ilic reierliclie Erneuerung 
der Pippia&chen Schenkung statt. Uadvian licss die Urkunde von 
Kierei verlesen, Karl siellle eine neue gleichlautende aus, welche 
er mit eigener Hand auf dan <^jrab des Apostels niederlege'). 
Auch dabei musste er den Arf^wohn dos Papstes bernhlt^en: er 
rersicherle ihm, nicht um Gold und Sütjer, Küchor oder l^hens- 
leale zu «cwinnen, sei er über die Al|mn gezogen, sondern allein 
nm die Rechte des heiligen Petrus zu rertrelen , die Kirche 
Gottes zu erhöhen und die päpstliche Sicherheit zu verstfirken"). 
Wie er sich dem Papste verpflichtete, so dieser dem Könige: 
man kann nicht bezweifeln, dass er ausdrücklich und ohne Vor- 
behalt auf jede selbstständige Politik verzichtete^). DasBUnilnis, 



!.. Cod Carol. &6 8. t86i Vit. üadr. 41 ff. Via Prng« naoh dem 
UmfaDge dieser Schenknag, bezw. nach der Autbeotte von c, i'i beiUhrt 
uns hier nicht. leb beiaerke. da>s ich nur die g;oogT»pbiBobcn Ang»t>ci] 
fBr tDt«rpolirt bultr, Mu t^\. die «ingetiunden Lilvraturangaben über die 
Träge bei Abal, J.B. 3.161. Abel erklärt sich Air die ISohtheit tl«r Stolle. 
POr die Uneohilieii scbwint toir »ussvhlAt^gtfbeaJ , iJass Karl itu Jabre 774 
da« ifebeBkuDgsv'crsproehen vullsog (Anu. Pelav, e. .V 774: MiMia comltlbus 
p«r otunem lutiAm . . rvddidit civitatra >\uxfi d<;bailj uad dnsB HiulriaD ipliCer 
Orte forderle, «eiche inncrbaib de« aognblicb guscbonkten rerritorinuis lagen. 

2) Cod. Caiol. 57 8. (90: UecurdarJ te oredimus, . . quali(or nobj» . . 
rnffatl eslii, dorn ad Umina . . Peui et Pauli pinperali eetis. Hierauf die 
MD Tette ntilgerlieille Sielli-. 

if L. e. 63 S. 176: Fenbatur iu ipiU regali» vealrao porentias apicibus, 
qaod . . mi»i veatri . . vubi« tetulissent, quod ea Qane eis a vobls csaent 
hriDDcta, bentgnae alque ainalilllier a »obts et»c suteepra. Sed togooscit 
onnipoteDa Ükom, . . quia omoem mUsiiia, s vestris regales oblutibaa direcliiu), 
emo Dtaiio am»» et decenti honore sUAclpere stiHlemue; et orDnctn vutrHni 
voluntatro) sincera oieDtis inte^Uie inplere satauimus . . . Abili namque 
a aubis. . . ui ea, quae inter nos luiilao eoratu Bacrittiaaimi corpus faatoria 
tni . ■ Piftri cODfimiaTiniuB atqo« stabilivirnas, per quovis moduto irritum 
facere adtemptctoai. Vgl. bb Ü. lad; 5G .S. 186; &7 S. 191; 69 S. 19^. 
Epist. Carul. 10 8. 356 (Karl an Leo UI.) : Sicut cum . . praedeceasore 
veitro pat«rntiati8 pactiiis loü, ist in dieser UeaLilt wuhrschfiinlii;)! verderbt; 
JaM veräodeit pateroiuitis in compaieniitsiis, Marteua (1). rüis. Fr. S. 141) 
veatro in vestrac. Die Icititre Vcrbcatt^riing achciiit mir viel für sich xii 



— B4 - 



das in Kiem abgcsclitossen , das durch das Verhalten Stephans 
ißs Schwanken gekommen war, wurde erneuert: Rom l>Ii(ib dem 
frilnkischen Rfliclm angeftlgt; der Papst hatte ein Anrecht auf 
den fräiikLschrn Schiitx; er blieb in vieler Hinsicht souverän, 
aber er entbehrte des wichtigsten Souver&netatarechls: seine 
politische Slelliing nach eigenem Ermessen wHlilen 7n können. 

Die Absicht Karls war ollenbar, das Verhältnis zu Rom und 
dem Papste so zu belassen, wie Fippiu es geordnet hatte. Aber 
war das möglich? Der Patricia! war aufgerichtet worden, als 
Rom den friinkischen Schutz gegen die Langobarden bedurfte. 
Nun war der fränkische Küntg zugleich König der Langobarden, 
die Nolhwendigkeit einur lScliu(:sniactil halte damit aulgehöH. 
Wenn rimn gleichwohl an dum i'alricJale rusthielt, uiusste der 
Titel dann nicht, gewiseeraiasBon nalurnotliwendig, einen neuen 
Inhalt eriialtenV Titel sind werUilos in den Händen Lassigeri 
von thatkrälligen , aggressiven Männern gefillirl, werden sie »u 
Ansprüche u. 

Die Trage wurde alsbald brennend. Die wictitigste der dem 
Papste ilherlassenen Studie war Ravenu»- Erzbischof Leo aber, 
von Hause aus ein Parteigänger der Franken <), fohlte eich nic^l 
minder als Herr in seiner Stadt wie der Papst als Herr iu 
Rom: er Übte ülmlichB Gewalt in ihr, wie er z B. die Beamten 



liibeo ; tili ist ciufaub, und Karl uenot auch sonst dea l'apst pAternitas vcalra 
[«. Cod. Üarol. t, VIU S. 342). Sacblich «cheint mir der ilauptmaii;{c1 an 
der Daratellurig vun Martens, dasa er ganz ausser Acbt Viaau dass IladWau 
beatimmte VcrpUicLcuEigcD einging. Weshalb er so grrtssra Liewtcbt datauf 
k>gt, data Karl ein mUndlichea , furmloacs V«rgpivcb«u ableistete (S. 140, 
vgl. ä. 14'2, wonach das gar in dem Worte pacluui liegen soll), Ist mir 
aaveraläudlicb. Das tiegobtheil ist sicliiT; oder wie avllle ea Knrl aorangeo, 
um ein mllndllchea Versprechen mit eigenen Bänden dem Apoatel daren- 
bringen (ep. &6 S. lä€}? uuti wiv iler heilige I'etrtis, luu Karl a^iiuuit »einer 
äulieuktiug vur (jrott zu prünentireii (Leon. ML ep- 10 S. 331)'/ 

I) CioB fragmeoiarisohti Itiographie L«ub äudut aicU b«i Agnellui, Lib. 
pODtif. ccci. JUven. ItiO (Scr. rer. Lang. S. $31). U>«r iat Leo durcbau 
rrSakiacIjer l'arteijfitnger: Hie primus Fnincia Italiac ilot husiendic per 
Marliuuiu diacuniiiu auuni) . . et ab co Earuliis rrx tnvita,tiis Vlaliam ve.uil. 
Omb die NaohriohE Über die rarteislelliing des Krabischufa Urund hat, er- 
gibt sieb aua dem, waa wir eonst lit>er iliD nrlsaen. Paul Afiarta hatte an 
ibn einen hefligereD Feind als an dem PapBt; er hat ihu wider den >Vi lies 
des Letzteren binrittilun laasen [Vit. lladr, 1-i). Trieb er hier die Oe- 
achäfte der rrünkisehcD Part«!, so hielt ihn anderuraeits Karl trotz der 
Aultlageu Hadriani. 




— 86 — 



ornonnte. Den zunächst liegenden Theü iles Exarchats ttolrBctitotc 
et als zn seiner Herrsrhafl gehörig; auch hier mussLon diepJlpst* 
liehen Heamteii licii Scinigen den Platz räumen'), Hurlrian cr- 
Uicklo in dem Aunretcn des Krzliischnr« Ktnpürnng: nicht mit 
Uoreehl urlhciltc er, dass, wenn ihm nicht gewehrt werde, die 
Lage Roms schlimmer sei &h vor der Zerstörung des laogohnr- 
dUchen Reichs'l: er apppllirte an Karl. Aber wenn er bat, 
Kar] inOge über Ravenua verfUgeu'), so lag in der Form wie 
io der Sache die Anerkennung der Oberhoheit Karl». Die«er 
lAgerte nicht, eine Entscheidung zu erlassen. Sie lautete nicht 
m tiunsleo des Papstes. Leo, welclier seine Sache persönlich 
betrieben hatte, erhielt Kechl; Hadrian klagt, er sei vom Trän- 
kischeo Hafe nur stolzer und t/rnunischer zurückgekehrt. Er 
nahm Jeizl so wenig als rorher päpstliche Berehle an, die ron 
ihm beanspruchten Städto hielt er in strenger Ahhilngigkeit; 
ilenu ihm, nicht dem Papst habe sie Karl überlassen*]. Ver- 
geblich fuchte der Papst auf wenig edle Weise den Argwohn 
Carls gegen Lei» zu erregen*): es (;ehOrt zu den grossen Eigen- 
BchaAcn Karls, dass er für Verleumdungen ganx und gnr unzu- 
gftoglich war: Leo blieb im Besitze, der Papst mussto sich ge- 
dulden"). 

Dass Karl den Erzbischof gewähren Hess, war ein Verstoss 
gegen die Pipptnsche Schenkung; es ist zugleich ein klarer Be- 
weis dafilr, dass er sich als oberster Herrscher über das päpst- 
liche Territorium betrachtete. Demgeniiiss handoUe er auch sonst. 
Im Jahre 773 hatte Citti di Castelio') am Oberlaufe des Tiber 
dem Papste gehuldigt"). Nun bemächligte sieb iJer Ilerxog 



1) Cod. C«rol. 51 8. 171 ; 55 8. 183 f. ; 56 S. 187 f. Nach den kuleren 
Stellea hudelte es sieh um Imola und ßologna; tn der ersti-rou wird ctn 
weit giöaaetet (iebiet geninnl K» tcbeiot nicht sweirelhari, dass [ludrian 
mfanga Übertrieb; swiaclien ep. 61 und 55 liegt Leos Heise an den ilwf 
l«p. bi 8. 181 ). 

$) Cod. Carol 5t S. 17t f. 

9} L- c. : Peto te cornm Oeo omniput«Dt<j, iit Hn dispunßro inheu, 
eaadeinque arcbiepiscopau sub oostra [inteatatn ccntradt-re digimris, ut a 
oobia canclnm cxarcbsiiioi diifpoiilliir. 

1) Cod. Carol. 55 8. 183; 5R S. 187 f. 

6) L. c 55 8. 182 f. 

6) Kacb Leo« Tod crscbt-itit Uadrian im BeaUso {{.nvcDun» uod äva 
Exarohta (Cod. Carol, 89 S. 268; »4 S. 276 t-)j sein ADHcbc» wiir freilich 
sehr achwacli. 

7) UMiellum Feticitiül». 
tSi V. Hadr. 33. 



Raginald von UhiuBJ der Stadt. Der Papst war empört: das, 
was Karl zum Heile seiner Seele dem Apostel nirsten dar^^ebracfat 

halie, trachte der Herzog der Kirche wieder zu eiitreisseii- Aber 
er hatte mit Zustimmung Karls gehandelt: dieser hatte ihm die 
Stadt überlassen*). 

Wenn drr Papst gelegentlich pfipBtIiches und frünklschcs 
Gebiet idenliflzirte')^ so that Karl dies auch. Jedoch warou 
die Konsequenzen, welche beide darauszogen, sehr verschieden: 
Badrian foigcrie, dass Karl die Pflicht habe, ihn in seinem 
Besitze zu veriheiiÜgcn; Karl folgerte, dass er das Recht habe, 
auch Ober das päpstliche Territorium zu verfugen. Man bemerkt 
durchweg einen Gegensalz in der Auffassung des Palricials. 
Karl war mit dem Verhallen Uadriaus nicht immer zufrieden: 
er hielt die Mahnung fUr angebracht, Hadrian möge seinen 
Pnlriciat achteu'). Dieser erwiderte, auch der Patriciat, den 
Pjppiti dum heiligen Pelrus Uberlasseu, möge daiui unangetastet 
bleiben Vi. Er glaubte durch den König in seiner Sielluug ge- 
schudtgt zu sein. Man kann das kaum schärfer ausdrucken, als 
es der Papst that, indem er au Karl schrieb, er möge ihn 
wenigstens beliandeln wie den Hersog tod Benevent'l. Karl 
betrachtete al.>5 zu den Recbteu «eines Patriciats gehörig, dass 
er Appellationen aus doni pttpstlichen Gebiet annehmen künne. 



1) Cod. CaioI. 60 S. t96. 

2) !■■ G. 66 S. 208: TerracInenseDi oivitatem . . in servitlo . . vestro 
stque iiostro . . subiuKavimuai 3. 309: . . ut eus (Gauu uod Ne:ipel) ia 
oinnibiiR aubiaganips sub vestra Atqno nostra sint dicionp ; 93 S. "ilb f. bo- 
xeichnvt Hadrian die Uaiit^gn Eoüstanlin iinul Paul ;iJii aelne titid des 
KHd)^ QetreucD. Vgl. Hiicb £2 S. 203. 

3) I-. p. 88 S- 7Cj1 beweist, dat« »olcbe F.riua)inung«n erfolgten: Sicut 
in cQiDuiODitorium illutl icine von Kmrl dum Pnpst« Übersandte Dcnkachrift 
Qber dia Itecbte des Königs l>ei den Kiachofgwalilfn in ItAvenDS, » S. 266) 
rcferi'bnmr, pro lionoie vesti-i |)3trt<.-iaU nullua li(»iuu l-ssi: vldutur in mundo, 
qui pbiB pr<> vpttra regele eKcdleotin decerlari moljetiir exallatlone, quam 
nusira ipostullca aasldiie dcprctatlo. Klne ähnlichi3, wieder durch eine 
AcueseruQK Karls hervorKeriifeDe Versicberung' 9-^^ S. 290- 

i) An der kuI<>izi .in{feftlbrtcD Stelle; das« man aus dem Wortspiele 
uii-htB iib«r einon Pnlriciat dea Papstoo folgern dxrf, iat klar (9. Abel, 
J.B. P, 174), n»H Wort btidetiret hier einfach FIcrrsohnfL Daa Ist von 
Werth Itir die Deutung des 'Utels tiberbaupt. 

5) L. c 9. 2fi9: Scripeimus, ut eoa — Leute, die an Karl appcilirt 
hkll«D — nobis dirigi sicul Uuufvcntauo diioi fecisCü, £p. 97 S. '26b be- 
Bcbwüii aidi Hadrian, daaa Kar) (.iriiuoaid besser behandele ala den 
fa«iltgea Petrus. 




- R7 - 



I 



U&n hegireifl, dass Hadrian Hrs nicht dulden wollte. logisch 
war es ganz richtig, wenn er Binwaudte, Karl Rcstotte ja auch 
celnon Uutorthaiien niclit, ohne königliche Erlaubnis Rom za 
besuchen')- Der l<*eliler war nur, dass er dabei voraussolzto, 
Karl erkenne ihn als gleichberechtigte Macht an. Das Ihat jener 
nicht. Ihm ^enilgte es nicht , dass Hadrian in rein politischen 
Fragen sieh jeder selbststgndigen Bewegung enthiell*) und alles 
Toihtog, was er forderte*). Pippin wäre damit zufdeden gewesen; 
Kar) ging weiter: er griff direkt in die ianerstaallichen und 
tonerkirchlichen Verhältnisse des römischen Gebieles, in die ge- 
•amoite Slaittsverwaltuug ein'). Der Papst war niclit im Stande, 
du SU verhindern. Wühl oder fibel Dlgle er sich jedesmal. Ks 
kun vor, dass von Liom aus Sklaven an Muhammp-daner Terkaufl 






1) U c 8. 290 t: SIcut vestra re^atEs esecUoDiIa ta suia rersrult 
■pteibus: njniaie «i coDtrArium vidrroiur, quicuD(|ue de «pUcopis aut 
cooiiliiius Ben ceteris bominibas partibus ritstrls mit oostra luaeione oom- 
jdmdi ^vae propiix voluntal« »il nu» venire vuluerinl; e«d nt;c dod aoBtrae 
ptterDieatl dlipHcere reciiini est, qualiBCunijiiB et Dosiris aiit pro »aluia- 
,lk)&M cauaa int qaeriinili iusiilixm ail vue properavehat. Nitiil diirius 
fobis tfxlode appiret. Seil sicuC vestris honinibus bIdu vesira absolutiono 
'id linilu apuBtoluniiD neqne ad nos coniucKUnt, ila et oostri bomisea, 
qoi apDt TOS vpflire cupiunl. cum nusira abyoliitioiie et vpisutla veniant. 
Uass Karl Bexrbwfrden, di« aiin dem püpitlicbeii (j«biet din-kt an ihn 
goriofaut waroiir annalim, Migt die ürkundu flir ('4)iD.acrhio (Btrhmcr-UUhl- 
btch«r 926]. 

?) Charakteristisch tat tKSondora da« VcTbaHon H.'s Tassilo gegeutiber 
(vfl. Ab». Eiub. ; Lauriw. a. J. 781 und 78T>- Aiicb das zweirellose Ert^reoht 
der SOhoo Earlmaniw aazuerkeDuea , veraacbto Uadrinu nicht. Bei rein 
politiacltsu DJD^D lie«a ar «• uicbt an Vervicberangen aotne» Uehoraama 
fehleo: Cod. Carol. 66 9. 208: SJae veairo consüto nullaicnue ibiduui — 
gegan Tcrracina — diriifere voluimns; S. i09; 83 8- '.^51; M H. 2'Si; 8ä 
8. 35& : Aac — roiernuhuiuut; gogen BeoevcDt — existlmaiites iu vestro . . 
rcgali aibltrio eioisiniua peitraciandiim; UI. quatiter vobis placivrit, dis- 
pobere celcriier dignetar, uubis intliuante por aaos rogalea »ffatu» auam 
DOttramqRe seciirilatis Balutem. 

3) Vgl. die Salbung di^r SSbne Karls Ostern lüi (Ann. I.JiiirisB.; 

Bob. c d. J). 

H 4 1 Vau Hadrian die uninlttcibar landen her rlirlteo Rerbiv Übte wie 

^HBtVfban Itl.t >st seltietveratäodlich; dnbur auch die ^loichfii Wvndtingen: 

^Mmbt RonKUnmim rcipublioiie populiia (Cod. (^arol. b8 S, 19.^); pruviouia 

^TflR« (b7 .S. 18y) ; ooaior oxorcitiia (t>2 S. '^03). Uebtr »eine fiitfiniehoiimgcD 

SUD Beaten der Stadt und der CatD]]agna s. Grfgoruviua, (leach. der Stadt 

Bom U 8. 421 ff. 



- 8B - 

wurden: Karl wolKc diese Barbarei so wenig dulden, als er Id 
Deutsclilatid den Verkauf christlicher Sklaven in das heidnische 
Austand j^eslaltcte, und schrieb darüber au den Papst. Uadrian 
war über den Vorwurf des Künig:« betreten, er scbob seiner Ge- 
wolinlieit nach die Schuld auf andere und rühmte sich selbst: 
aber er wa^te nicht, das formelle Recht des KOuigs zu seiuer 
Einsprache zu beslreitea^). Ein anderes Mal verfUgte Karl, data 
den Voiictianern der Handel in Ilaveuna nicht mehr geslattet 
werde Hadrian erwiderte aur das küuighcbe Heskript: „Nach- 
dem Eure küniglicheSieghafligkeit ilen Befehl erlassen hat, dasa 
die venetianisclieu Händler aus dem Gebiet von Rarenna und 
der l'eiitapoliü vertrieben werden sollen, so bähen wir in jene 
Gegenden Scbreiben |>;esandt, wodurch wir Euren kfinigUchon 
Willen orfllllon^'), Konnte ein Vasall anders sclireJhenV Nicht 
anders ging es in den kirchlichen Angetegenhoiten: wie Karl 
die kirchlichen ZusttLiide dca frJlnkiachcn Reichs bcanrsichtigte, so 
die lies rOiniechen Gebiets. Hadrian timaste sich Vo rate Illingen 
gefallen lassen tiber die uiatigcllmlte äittlichkeit, die den Kranken 
an dem römischen Klerus aufüel. Er erklärte, tief gekrbDkt, 
man habe cli>n Künig durch Verleumdungen hinlergangen: an 
seinen Priestern, das wisse Gott, hafte kein MakeP). Aber es 
dauerte nicht lange, so erhob Karl einen neuen Vorwurf: seine 
Missi hatten ihm berichtet, dass in Ravcnna, Tuscien und anderen 
Urteu die Simonie an der Tagesordnung sei; ein grosser Theil 
des kirchlichen Vermögens werde dadurch verschleudert: nicht 
nur Gold nnd Silber, sundern auch Grundbesitz. Der Papst ver- 
Iheid igte sich, niemals habe er wissentlich einen Simunisten kon- 
sekrirt; er bestriltf dass das überhaupt vorkommen künne; schOD 
in den- Ürdinationsforraularen sei dagegen Vorsorge getroffen*). 
Aber was bedeutete diese Entgegnung? Auch die Bischofs wählen 
liess Karl nicht ausser Betracht: er forderte als sein Recht, 
dass bei der Wahl des Erzbisclmfs von Ravencia ein frjlnkißcher 
Gesandter anwesend sei. Hadrjau widersprach Icbliart: wir 



1) Cod. Csrot. G4 8. 205 f. 

2) U c 9i 8. 277. 
3} L. 0. 64 S. 20e. 

4) L. V. 98 S. 288. Uisa SiEDonie vorkaiD, eig\hi sich nus ep. Carol. 9 
8. 3&3 (Kiirl an Angllbcrt): De sltDanfitca aubvrrlcDilA !i»cr<-si diliiiflndlfisEaio 
aoBde:iB illi (Leu IIL) . . et quidtiuid ueDte icoeaa nos saepius querclis 
agltass« inCcr dos. 




- 8Ö — 

irisseo nicht, mit welchem Erfolge'). Selbst Eingriffe desKünigs 
in die geistliche GericbtJbarkoit tnusste der Papst oKragen. Ein 
MOneh Jobaooes, wie e« scheint ein »chwürmeriacher Kopf, wandte 
rieb klageud ati dea KOnit^; dieser nahm seine Klagen an und 
«eÜDldem Tapste Abstellung, zugleich bedeutete er ihn, Jobannes 
dürre weder rerurtheilt, noch exkoinmunizirl oder gegeisselt 
werden« überhaupt solle nichts gegen ihn unternonimen werden, 
Üer Papst erwiderte: „\n dem allein haben wir uns Eurer könig- 
lichen Furderung gemäss verhalten, den Mfinch, so weit es 
DOthig war, ermalmt und ihn uiigckränkt an seinen Ort ent- 
lassen." Er unterliess nicht, bervnraubeben , dass er nur aus 
tUiu grosser Liebe zu dem König dem Müncbe die verdiente 
Strafe geschenkt habe^). In einem anderen Kall machte es ihm 
weniger Beschwerde, einem Befehle Karls in folgen, welcher 
obenfalls gegen die kanonische Ordnung ^'erstless. Karl sandte 
einen gewissen Fetrus nach Rom, damit er dort die biechüfliche 
Weihe erhielte Hadrian ertheilte sie ihm und berichtete dardber 
u Kar): ^Wir haben hiebe), wie wir gewohnt sind, mit günstigem 

leo Eure Aunr&ge erfüllt'"). 
Uan kann nicht sagen, dass Karl in diesen F&llon ron den 

sblen des Patriciats Gebrauch machte, wie er dessen Flüchten 
erfüllte. Denn bei Abschluss dt& YertragD ron Kterzi hat sicher 
uieoiaud an solche Rechte gedacht. Er schaltete einfach als Ober- 
herr von Rom; seine Hechte bemass er nach dem, was dem 
König im fränkischen K^iiche zustand. Der PopRl aber konnte 
diese Wendung, welche die Institution des Patriciats erhielt, 
nicht hindern, so wenig sie ihn befriedigle. Seit der Zerstörung 
des Langobardeureicbs*) war er dem Frankenkönig gegenüber 



1} L. c 88 S. 266. Oer Präivtlf utfall. d«r iu iler Be«eiti«itD|; MJcldel« 
)Mfg (s. o. S. 79), war dorn Pa|>Hte sehr unl>tiqiii!(n. 

2) L. c 91 a. 271 f. D«H« üur Höulg im LaugobsTdeDreicli ebenso 
«ia in Kratikei) aU oberster Lcilor der Kircbo auftrat , iat bcliaimt (rgl. 
Upit. S9 e. ä. 188 ff.; Abel. J.B. S. 443 ff..). Uslegentlkh btauftragt« er 
4is Papst tnic eiüor Untorsncbnng; ditiser ordn<?te dabei sein Urtheil ganz 
itr kODigiicIien t^nlpclieiduQg unter: er ipriclit Abt Potho vou S. VinceDxu 
frei nad bittet daroach am doascD (Vied«rciDsetziiog (Cod. Caro). 68 f. 
S. 212 ff.J. 

3) L. e. 71 S. 220. Man identlfisirt. ohne völlig sichern (Iriiad, diesen 
Pntius tnit Bisrliuf Petm« vua Verdun. Siobvr ist uur, üiuu der vom 
Pa|uie OrdinJrt« lUr ilaa fräukisoli« Reich bcottaimt war. 

4) Marteos (D. röm. Frage S. 236) urtbeüt, der (all von Pavla sei Jllr 



- do - 

TÜ]li(f maclitlos; er musste sicli uoch mehr in dessen Wüten 
fügen, als es der Fall war, so lange die Furcht vor den laogo* 
bardischen Kachbarn der Kitt des Tr&nkiitclien Ilundes war. Was 
halte es dem gegenüber ftlr einen Werih. tiass Hudrian in voll- 
Utnendeii Worten von Rom als der Hauptstadt der Welt sprach*)? 
Im Trilnkischen Reiche sagte man richtiger: Rom war einst die 
Hauptstadt der Welt^). Der Papst selbst ober bestütigte, dass 
Rom einen fremden Herrn liatte, indem er die Ktlrhitto für den 
Frankenkönig in die gottesdienstlichen Gebete aufnahm'). Es 
war nur konsequent, dass im päpsMichen Gebiete dem Kfinig 
und dem Papste der Treueid geschworen wurde*). Was Karl in 
Baieru erst forderte, nacbdem Tassiloa Untreue weltkundig war, 
geschah in Kom rou Anfang' au- 

Hier drängt sich nun die Frage auf, wie die römische Bfr- 
v(}tkerung sich dieser stärkeren lietonung der fränkischen Uerr- 
scliaft gegenüber verhielt. So viel sich selten lässt, erhob sie 
nirgends Widerspruch oder NVidersland. Niemand verweigerte 
die Ablegung iics 'IVeueides. Jene. Appellationen und Klagen, 
die wir erwähnten, Hclioinen alle mehr oder weniger «pontan 
aus der Mitte der Bevölkerung hervorgegangen zu sein. Man 
hHtto ein leblialles und richtiges Uefühl fitr die Situation. Wenn 
eiijiiiul dH,8 Gerede enl^tatid , Karl habe die Absicht, Hailrian 
abzLieetzen und seine Stelle einem Franken ku (tbertragen*], so 
ist unverkennbur, dass man Rom als gfLnzHch von Karl belmrrscht 
betrachtete. Nicht anders dachte man diesseits der Alpen: man 
pries den Künig, der ganz Italien von Aosta bis Calabrien er- 
obert habe; man war stolz darauf, dass Rom, einstmals die 
Herrin der Welt, jetat dem fränkischen Szepter uotcrworfeu sei*). 



die Bedentnng, wrlclio Knrl dcto PairicIalBtUel tuschrifib, ticlnnglos. Du 
lieiut duck diu Sat-lie d«m N&uivn gegenüber aoterscbiitEea. 

1) Ood Cirol. 73 S. -JSfr. 

Ü) Taul. tliac. i-arai. 25 v. 9 S. 60: Qttü« tafiut orbis erat. 

3> Onln RrtmiiniiA [KLibill. Mus. fial. II. 17). Hadrian biiielit »tch [n 
«einfln Briefen vielfat-h hierauf, a. B. Cod. CaroL &2 S. Ali; 61 S. 205. 

4) 8. 0. S. 2S Ann- 7 nnd Cod. Csrol. 56 S. 187. 

b) Cod. Carol. 96 Ü. 230 f. 

6) EiDh. V. Kflr. 6: Totam Italiam BU»e dilioni sitbiugnret; c. 15: 
IiaÜRai luiatD, qanc ab Au^tusta Praelorix usqiie in Calabiiaui JDl'urluruD) . . 
purrigitnr. Paal. CJiac. carm. 22 v. 18 S. &8: 

Cinoque vir nrmipntens scepirls iucxiaset avUia 
CignifcruiDqni^ I'nclnm Komu1eumi|UC T^-brim. 
Id. Ge8l. ep. Mett. 6. Vgl. ep. Carul. 1 S. 336. 




— 91 — 




Die Entwickclung , welche wir beobachten, ist die Um* 
wftndebing iles Palriciais zur Herrschaft Sie v/ar die einfache 
Konsequenz der Machlverhallaiase. litlndnisse, bei welclien rüe 
Macht <]er Theilnehmer völlig ausser Gleichgewicht steht, haben 
Siels zur Uolerwerfung des Schwächeren unter den SlftrlcereD 
gernhrt. lusofern Iriffl Uadrian kein Vorwurf: die Verhaltnisse 
waren cnächtiger als er; er uiusste gescliehen lassen, was ge- 
schah. So unbestreibar das ist^ so kann man ducb des Ein- 
drucks sich kaum erwehren, dass er persönlich den Anforderungen 
seiner Stellung nicht gewuchsen war- Sein höchstes, um nicht 
SQ sagen, sein einziges Interesse war die Vergrüsserung des 
pApstlichcn liesitzes. Er war iinermtidlich, alte und neue Korde- 
niDgen an Karl zustellen: bald schien ihm Hpntetn, bald gewisse 
Orte im Sahiucrland, bald tnscische, bald campanische StadLe 
als durchaus nolhwendig für den heiligen Petrus') Dass Karl 
ebenso konsequent war, seine Bitten zu versagen, wie er, sie 
KU stellen, machte ihn nicht irre. Er war so an das Fnrderu 
gewöhnt, dass er es nie und nirj^ends luitcrticjts. Nicht nur 
Karl wurde durch immer neue Gesuche überhäuft; auch wenn 
Hadrian nach Konstantinopel schrieb, bat er um Begünsti- 
gungen"). Alles gab ihm Aolass, einen Wunsch oder eine Bitte 
auszusprechen: baute er an der t'elerskirche , so liess er sich 
das Hol« schenken'); wenn er ein Pferd geschenkt bekam, ver- 
langte er schon bei dem Dank ein schünercs*). Abgetieben hie- 
TOD, liess er die Dinge gehen %vie sie gingen. Er machte keinen 
emsthchen Versuch, sich der für die päpstliche Macht h(>chst 



1) Spoleto (Cod. Cnrol. ■>? S. 191); Härtens (ii. röro. Vr. S. löO) nimmt 
Renbt an, die von UittlriaQ bebaopteie Schenkung Spolelos rednzire 

•(dl darauf, dass Hadrian Spoleto in das altgemelDe Vernpreclicn mit olo- 
gescbiotsen dxchUt {vgl. Abel S. 'J43). Spoleto warde nicht pitp§tlich (vgl. 
cp. 67 8. 211; « S. 257). — Sabinerland (eji. 70—74 S. 2Ifi ff.): dtr I'apat 
tteansprucbl ipHiiiu rerrltiinutii, erhlilx jedoch nur dlo Patrlnioiii«?[i, »q weit 
•r Mine Besiurpchte bewfiden konnte. — Populonia und Itoai'llÄf (vp. H'i 
B. 253), Fr erhält slv Dicht (ep. 87 S. 264 f.). Orte im Reneveotanisohen 
(•p- 83 8. 252; «4 S. 265 f.; 87 8. 264 f.) Epist. Carol. 5 S. 347 «(gl, 
du« die BerÜikcruDif nichl pXpatlicb wenlen woltte. Daaa Hadrian als 
Vorbild fUr Karl Konst-inlin and seine .^t-tKiikiing anOlhrie, lägst sich, wi« 
idoh dl}Dk(. isit (Jrnod nivbl leugnen (Cud Carul. 61 9. 199). 

2) Maus. XII, 1057 

3} Tod. t'arol. 67 S. 210. SpSier vwlangto er auascrtlßui nooh das 
fite) für die Bcdaebnof; (t» S. 250). 
4) L. 0. 89 3. 268. 



- 02 - 

unffünaligen Eiit Wickelung des Patriciats entgugenKUStemmea. Mun 
sollte meinen, er mUsste in den (kriechen ein Gegengewicht 
gegen die Franken ^'esuüht hah^^n; aher wenn er einmal einen 
Schritt thai, um ne/iohnngen zu ihnen anzuknlipfen, so gcachali 
es nhne FlnL^rhlossenhcit nnd ohne den Math. et%vBs zu wagen ^). 
Kein Wunder, dass es ihm nie pclang , durch sein Kingreifen 
irgend eine Wendung der VerhiiUnisße herheir-iifithrcn: was ge- 
schah . kam stets Über ihn wie ein Verh&ngnis. Karl hat den 
l'apat ostentativ vereiirl. Wer aber gewohnt ist , mehr auf die 
Thaten als auf die Worte der Menschen zu acliien, kann nicht 
Übersehen, dass er ihn mil der äussersten Geringschätzung be- 
handelte. Niemale tiat er ihn zu Halb gezogen; der Entsuliluss 
war stets schon gelasst, wenn der Paftst %-on der Sache erfiiUr'). 
Die Worte des Letzteren gatlea ihm als Lud: wie viele Männer 
hat Hadrian in seint-n Ikicfen an Karl der schlechtesten JJand- 
lungcu gezietieu; atier seine Anklagen scliaduten bei dem König 
nicht einem einzigen^). Genau so wenig Gewicht halten seine 
Empfehlungen und seine KuÜischlÜge; den Cubtcularius Ariaslu- 
sins, weldieti Hadrian als besonders treuen Diener rühmte, Hess 



I) Vgl. Abel. J.B. S. 3di, 549, 603; Harnack, Die Ueziehua^eo dw 
frfdikiscIi-itJiHi' 1119 dien t\i (lern liyxantlnlaclifln Riilclie (IS.'*0) S. 17 ff. Das 
Vorli»lt<-Ti [)atlr:3iD3 gv^cn KDiiatanlinnp«^! ist vnll von WtderBpriichen , go 
iliLBs iDan Bielil, ph fehlte iliiii ein leitender nt>iluuki>: 7';3 verl)anDie er die 
Mörder rte» f^ctgiiis uacti KiimtLniXinopel (V. Hadr. 13 und bes. 1^), d. b. 
or orkanntt) diu ataatlioliti Zuasumr^ogi-hdrigkeU Roms uod Konstantinopels 
an. Wenn lUartena l IJ. liiiu. Fr. S. l'Ml s^gt, Hadrian habe aicti koD- 
Udeniicll nu (.■Iodli tliiu i'roitid g^günllberetoktodeu ^^u^ve^äD gawandt, so 
gebcD dAEU die Wuile des Biograplicn keinen Ati3A»fi; der Brief Flailrtaas 
an Irene insclit ea aobr DDwnlirsiibeiulkh. (u doiaelbcn Zeit begann er be- 
kanntlich die KaiBerjabre bm aeioen Urkontleo wegaulaisen, d. b. erJeagoet« 
die Zu^vhifrigkeit Korn» sutu (frlechlaehen Iteicb, In seinem Schreibea 
nach KonsUntinopcl aber sprach or konseqtiCDl von kaiserlichen Befehlea 
(Mans. XII, 1üb7j. 

2j Uesonder« obarakterlstiacb: das Verbaltifi] der frankisf^beo tiesandten 
im Jabre 775 (vgl- Cod. Carol. ft7 S. 18'J f.); Karls Wegbleiben von Rom 
im Jahre 776, (^'nlgeRen frllbercn Zusagen (v^;!. Ann. Lauriss., Cinh. z. d. J. 
dU i'ud, Canil. 53 S. 177J. Das Gleiche wiederholt sich im Jahre 776 
(Cod. Caiol. 61 S. 198). 

3] Cod. Carol. Th 3. 18!) f.: Biscbuf Possessor und Abt Rabtgaud; 
58 S. 191 f.: liildibrAncl von Spoleto, Atigis von Benevent, Raginald vod 
Chiusi; ^4 3. 2ri6: die fränkiavhcn Gesandten; 67 8. '>t>3 ff.: Grtmoald von 
Benevent. Es int be^reiftii:h, cl»ss diese« TäJeol im Verleuuidco uitabLässig 
fUrobtate, vurlouiudot zu werden (53 8. 17ß; 64 S. 20t>). 




- 93 — 



P 



Karl in Haft nehmen *). Die Ralhsrhliige , welche ron Rom 
kninen, wurden j^cwAhalich nicht bofotj^t; wie es scheint, nahm 
Karl flidi nicht ninmal dir*. &Iillie, zu sagen, warutn er «e nicht 
erfiilUe^ er liess siti einfach unnusgenihrl^l. 

Mehr als zwanzif^ Jahre tAn^ standen Karl und Badriau 
neben einander. Während derselben ist jener Herr der abetid- 
läniiischen Well und dieser ünterthan des fränkischen Königs 
geworden. Ea war keine gliickliche Zeit für das Papstlluim'J. 
Hadrian starb am Weih nachts feste 795. Noch liest n\RO in der 
Vorhalle der Pelurskirche die preisende Inschrift auf schwaraer 
Uarmorplatte, welche Karl, um das Oedächtnis de« Verstorhenen 
zu ehren, nach Rom sandle. Das hochi^espuurtte Lob der Persön- 
lichkeit des Papstes verhüllt nicht im ^eriugitcn, wie Karl seine 
Stellung betrachtete: er sah in detn Papste nur den Trtiger eines 
geistlichen Amts: was er von Hadrian sa;^!«, konnte er vnn 
I jedem fräukischeu Bischof sageu und ist oft genug von frünkischen 
^P Bischüfeu gesagt wordeu. Wenn er aber seinen und des Papstes 
n Na 

L Ke 



Namen und Titel zusainnienstellle, so treten die Worte „Ich 
KOaig" vor die anderen „Uu Vuter^*). 



I 



1} L. 0. bl S. 173; fiS S. 177: Quod aliqim inportabilla verba. quc 
oon «xpedi&ebat, vubis tociiiua fuluoc Der I'aptt h.i1te Uogilick mit seiaeii 
Emprebluo({eo. l>er Langob^trcle Uxtutried , fllr di-n er sich obenfail» ver- 
wandle (&2 S. 174 (.), ei'wi«« sieb nis Bctrilger {b'S S. ITäj. 

3) Vgl. z. U. 84 ä. 2&3 liber die fc^naetsoits GHuiuAlda hi das Ileraug- 
iboio B«D«vcBt Eioe Amoabm«, welche Jedoch die Kvgel besläiigt. bildet 
der Z4ig gegen Benevem in Jatire 787, weUbeii Hadrian aurioLtj, wähnend 
Karl abgeoeigt war. Er liCM steh wo)il dadurch bcstiuioieD, dsiüt »eine 
frSokltcbe UmgebuDg sich fUr den Zug erklärte, Alilrald kam er jedoch 
aof seinoa erateo Plan zarlink: ehe es zuin .Schlitzen knin, legte er die 
Sadw friedlich b«l (Ano. UtiiriM., Eiab. s. J. 787). 

:i) Laogens Kede voo einem glünt'^ndon Pontifikaie UadriaD« (Oeacb. 
d. Ttfm. Kircbu A. 767) scbetnt mir auch oacb Beinor eiKenen Darstellung 
nebt bepändvt. 

4) PoeL lat. aev. Carol. I 8. 113: 
T. i: Nohillt ex ntüKna genitus iaro gontc parontuin, 

ä«d Häcria louge nobilicr lueiilia. 
Exurnart- siudcna devoto pfictorc paalor 

S«iDper ubique suo tcmpla ancraia deo, 
Eccifistsa donia, populaa et dogmate sando 

Imbiiit, et cuoetia paudit ätt »aira viam. 
Paiip«ribua largua, nnlli pietate accundtw, 

£t pro plebo sacria pervigil io preolbua. 




— 94 - 

Diß ganze Inschrift redete sehr deuüicli für den Kachfolger 
IladrianB; Lcn III. beeilte sich denn auch, darüber keinen Zweilel 
zu lassen, dass er die Rechte Karls in ihrem ganzen Umfange 
anerkenne. Indem er Karl von seiner WahP) MiUlieihing machte, 
übersandte er ihui Schlüssel zur Konfession des Apostels uod 
■las Hanner der Stadt^); zugleich bat er, der König möge eiaen 
seiner (^russeu nach Ilom senden, um dem Volke den Treueid 
Bbzunehmen^l. Leo liatle Grund, in solcher Weise seine Treue 
gegen das früukiscUe ÜUiidnis leuchten zu lasse»; denn er be- 
durfte dringender als iladriau dt;s Schutzes. Trotz der eio- 
stinimig erfolgten Wahl stand ihm in der Stadt selbst eine 
mächtige Partei entgegen, die der Optiiiaten. Ihre Führer 
waren zwei der ersten [lüpsdichen Ueamlen, der Nomenciator 
PascliaÜH und der Saccellariua Caiiipulus^). Sic goh^Irten zu 
den Mtlnoern, welche unter Hadrian i. hervorragenden bündnss 
besessen hatten; Paschalis stand ihm durch Vcrwnndschaft nahe; 
er war sein Keße*). Campulus hatte eine lange Lauflialm an der 
Kurie hinter sich; bereits im Jahre 781 erscheint er unter deu 
Vertrauensoiännein Hadrians'). Jetzt herrachten neue Mttnner 
am Hofe; die alten fiihlteu sich gekränkt und zurückgesetzt 



Doctrinis, opibus. mnti» erexeriit areea, 

Urbie et »rbis bonor. iuclyt» Rom», tuaa. 
T. 23: KoiEiifiA iungo aironl tiiulis, ulariisiiua, uonrra 
HAilrtaDU« Caroliis, nx ego tuqne pMvr. 
1] V. Leon. IM. B34. Ich cilira aach Mi);ne L 128. Die VValil er- 
fdlgta Uli 26. Dezember. Ueber Loo ■. diet ä. 69 Äuiaerk. 2 aogefUhrlen 
Werke. 

2) Aon. Lauriss., Diub z. J. 796. 

3) Aitn. EiDb. z. J. 796. Bp. Carol. 9 S. Sb'A iit dio Inst rukliou dir 
Allgilbert, den KnrI Dach Korn sandCfl, ep. 10 S. 3M das von ilioi flber- 
biachtc Schreiben. Im letEreren tst chaiaktoristiscl) die Aeiuserung tlber 
Angfltiert 8. 356: Uli omnia iniunxinius, qaae vel nubis voluntarta vel vobla 
iwceauria «ue videbftntur. 

4) Ann. Einb. z J. 801 : Multi atii BuicsDae urbis h»biuitor«e aobllos. 
Ale. cp, 101 a. 4Vd; 163 S. 601 (longa cerlatio pastorls «t populi; der 
Brief aus dt-m Jahre «Ol)- V. Leon. 111. 3t)9 S. 

5) Cod. Carol. 62 8. 202. 

6) L. c 6ä ü. "ii^. C. war Mitglied der KoioaiiasioQ , wolohe Über 
Polho von S. Vincenzo in richten hario (vgl. ep. Civrol. 10 S. 35S). )>ass 
auch er mit. Badrian verwandt war. Vdist sioh, so viel ich sehe, nicht be- 
weisen. Tlieoph. chron. p. .^1)9: Ol ii- ti) 'Pmfuj evyyuriii . . 'Mfiinroi 
aoyxiniaKyne rov lair, reicht zum Bewolae nicht hin. 



I 




— 05 — 

Daher ihr Icidcoschal^lichcr Hass gegen Leo. Denn lediglich 
persöoUcii, nicht politisch war der Cicgensutz, welcher Rom 
spaltete; er war deshalb nicht minder tief nntl uin-ersithnlich. 
Wahrscheinlich bald nach der Erliebuiig Leos begannen die lie- 
mQhangen seiner Gegner, seinen Sturz herbeisuführen. Zuerst 
suchten sie dadurch ans Ziel zu kominen, dass sie seine Siciluag 
den Franken gegenüber untergruben. Die schlimmsten Gerfirlitc 
Ober das Leben des Papstes wurden geflissentlich TerbrciteC. 
Aber das führte zu nichts. Denn fränkischer Seits traute man 
dem Papste und durchschaute man die Motive seiner Feinde'). 
Nun wagten sie Gewalt. Bei der herkömtnlictien Prozession am 
Marknstsge 799 ühertlelen und misImiideUen sie den Papst; in 
der allgemeinen Verwirrung bemilchtigteu sie sich seiner Person; 
rie schleppten ihn in ein Kloster; wahrscheinlich haben sie ihn 
(lori auf Grund der Verbrechen, die sie ihm schuld gaben, ab- 
gesetzt'}. Aber sie ivaren nicht stark genng, die Oberhand zu 
behaupten: Leo wurde befreit, und der Erfolg war nur, daiis er 
«ich ganz in die Arme Karls wurf). Indem er nach Dcutscli- 



1) Im Sommer 798 Tragi Alkiiin Aro von Sattburg, der kurz vorher 
TOD Kom zurUckgekßfart war: Quid ]{uiii»uuruu) nubtiitan nuvi liaboac ad- 
in?eDtutD (ep. IUI S. 428». Arn antwortet: de tloiuini ap.itiolici religio« 
t-iu et laetitia, iioales «t iiuatuodu iuiueios patitiir perturbatio» es a filils 
discordi«« («p. 308 S. 445). 

2) V. lAtao. IIl. 369 ff; Add. 8. Amiod., tauriaR,, Eitih. x. J. 7U9 und 
801 1 di« leliierei» Stellen (auch Theod. carxn. rt2 v, M S. ^23) »prwcliun 
TOD fiaer AbootBuog Lf^ua; die Angabe »cfacint mir eehr benviuanaworth. 
D«t>«r di« MifthaiidlUDgen d«j Papstes V|;l. <li« ZusauinieiiBU^lluug HÜiunit* 
Uelier Quellw bei Situsoo, J.B. S. &83 0. Wm dein Papsla wirklich ge- 
•ehah, zeigt uioe Auuage „debiiitar« volucrunl* (ep. C'nrol. '.>0 S, 3?9). 
Dan die Nachricht, er »el geblendtt worden, uiit oder ohuu si'in Ziithitu 
an Aea rrSokiftchcn Uat li;iiDr ergibt sieb aus Karls Krstnubcn, als er den 
Papst geauod vor sich sah; vgl. Ale. ep. 1L9 S. löä: (juod uobia vcsira . . 
rgluntas de apoatolici pastoris mlrabili unilata deuaadaiecuravit. Id dem 
Worte mlrabili liegt nickt die Annahine cioei Wunders tJnßi: mir« aanatns) ; 
deuo Alkuia spricht in ilem Folgenden nur von dem ticliuiz Uuties, qiii 
Inpias compescuii manus a pravu vulimtatia c!ffG<:tii. Wunderbar war dvm 
Kflnii; di« gut« Uexmdlieit dt» Papstes, nt^iJ er ihn gHDz aodt-rs zu s«beo 
ctwartete- Uass die ölTeiitlicbv Hviuuag alabald aur Anoabme einea wirk- 
Nchco Wunden kam, 1« nicht weiter auffällig. Ans Tbeod. carm. 33 
T. ii ff. 8. 523 f. aiolit uiaD, wie geneigt man war, unter jeder Bedingiing 
ein Wunder tu bebaupten. 

2) Ob er atcb nach Dentschland begab, weit er wollto, oder weil iho 
«eine Befreier uöthigten, ict liieflir gleicbgillig. 



- 96 — 

Innd floh , legte, er die Entscheidung tlber soin SchicksaJ in die 
Httnde des ROnigs. Die Gegenpartei widerstrebte dem iiioht; 
denn sie hatte so gute Gründe, gegen Leo zu klagen, daas sie 
niclit daran zweifelte, Kurlä Urthcil werde gegen ihn fallen'). 

So wurde Karl zum Rirhter des Papstes. Es war nicht 
der Gewinn, den er durch kluge Beniltznng der Umstünde aus 
rJensellien zog. Man konnte eher sagen , er wurde in diese 
Stellung gedrängt. Aber es ist klar, dass er nun vollends als 
Herrscher Ober Rom und den Papst erschien und handelte. Die 
uneingeschrÄnkte Herrscliafl. über Rom tiel ihm als reite Frucht 
der Eatwickelurig zu, ohne dass er sie zu pllUckeii brauchte. 

Diesseits der Alpen wusste man langst von dem Zwiespalt 
zwischeu Leo 111. und deu rümischeti Grossen'). Karl selbst 
sah scharf genug, dass er anf die sitUiche Integrität des Papstes 
nicht unbedin^it baute'); dagegen zweifelte er niclit an seiner 
politischen Zuverlässigkeit. Die kircliliclieu Müntier aber be- 
traclilelen es als selbstverständlich, dass der rechtmässige In- 
haber des päpstlichen äliihles ein lOchliger Mann sei, und waren 
deshnlb geneigt, Blies Gute von ihm zu glauben unc alles Ueble 
als Verleumdung der Gegner zu verwerfen*). Die UbertriebeneD 
Nachrichten von den Mishandiungen, welche er erduldet hatte, 
erweckten vollends Theiluahme und Mitleid für ihn und Ent- 
rUstung wider seine ruchlosen Feinde. Freilich konnte das 
fromme Zutrauen zu Leo von denjfinigoii nicht festgehalten 
werden, welche die Dinge aus der Nähe sahen, dber ausser- 
lich bewahrten auch sie die Vei-ehrung gegen den Träger der 
Uücbslen kirchlichen Gewalt^). Das that besonders Karl. Er 
enipliug Leo mit den grössten Ehrenbezeigungen*)-, aber er war 
nicht von Anfang an enischlosseu, für ihn zu entscheiden. 



i) Ale. ep. 120 S. i99. V. Leoo. IIL 372- 

2} S. dio S. 94 Aumerk. 4 und ä. 'ii Aninerk. 1 angcfllhrten Stollen. 

3) Die KrmahniinKeD , welche Karl («p. Carol. 9 S. 3bi) Leo durch 
Augilbert erthcilnit iÜsit, zeigen Miatmuun, 

4) Ale ep. 10S S. Üb f. (s. obfto S !>5 Aninoik 1). 

&) Bekauot ist, wiu vollsli^Ddi); Arn« l'rtlictL llber doti I'apst iiiDScblug- 
Ale. ep. \'i7 S. Ml: Epistola prior . . ciuerloiuniaa quasJam habons de 
moribus apostalici et i1i> pericutu luo apud eiiiii piopifir Romanos . . . 
Quin ego noliii, nt in altijriufl mnnuB porvenisaet epintola, Candidas tantun 
lllaoi perle^^bat [uecuin. Et *ic traitita e»t igni. Bin paar Jatire spSUr 
kluge Alkiiin Ulier Simonie an iIpi- Kurie (ep. Ifi2 S. &7b). 

6) Carol, M. «t Leo {Puel. lat. 1 S. 366 f.); Vit. Leon. 370 S. 1215; 
Ann. Laariss.; Einh. etc.. Die Daratetluog des Snaaereii Bcrgaogs bei 
Simaon. J.B. S. 179 ßf-, und Uoiron, GeacJ«. d. tÜw. K. H. 773 ff. 




- 97 - 



1 

I 
I 



p 



n 



Die üetlanken, welche am rmiibischen Unfo erwngoii wtirdon, 
lernen wir aus deu Briereii Alkuins kennen. Er, der gewohnt 
war, die Dinge in Rom zu ideahsireu, war entsetzt, als er die 
erete Nachricht von der Erhebung liegen Leo erhielt: dnrl, von 
wo aus der Quell der Itilligkeit und Gerechtigkeit sicli durch 
heilige Rinnsale überallhin cfKicäsea sollte, dampfe dn tiefer 
8um|»f der tu^steji GottlosJKkeit, schrieb er an Arn von Salz- 
\Mrg^). Als er von Karl erfuhr, der Papst sei geblendet, war 
sein einziger Trost, dasa svenlgstent sein Kuuig auf dem Plan 
stehe. Drei Personen, so lesen wir in seiner an den KCinig ^e• 
lichteten Antwort, waren in der Welt bisher die hüclisleu; nänilich 
die apostolische Erhabenheil, welclie deu Sitz des heiligen Petrus, 
des Aposleirürsten, stellvertretend emuituuit; aber was an dem 
Uerru dieses Thrones geschebeu ist, hat mir Kure tiUte kuad- 
Uiua la&aeu. Sodauu die kaiserliche Würde und die weltlictio 
Macht des ^weiteu Uom; über auf wie gottlose Weise der Lenker 
jenes Reiches abgesetzt iat^ nicht von Fremden, sondern von deu 
Seinen, ja deu eigenen Ürüdern, davon ist die Kunde Dberulllnn 
gedrungen. Kndtich die ktfnigliclie Witrde, in welcher unser 
Herr Jesus Christus Euch zum Leiter des christlichen Volks ein- 
leute, die Ihr an Macht den beiden anderen Herrschern vur* 
angellt, an Weisheit sie (iberLrcfTi und an Wllrdc des Reiches 
Bie überragt. Siehe, auf Dir allein beruht das ganze Ueil der 
Kirchen Clisisti: Du bist der Racher der Verbrechen, Ün der 
Leiter der Irrenden, Du der Troster der Betrübten, Du die Er- 
kebUDg der Guten^j. Spater Uees Karl ibn wissen, dass Leo 
nach Ueulschlaud konimeu wOrde. Er erwiderte, iadem er von 
oeueni die Uebenceugung aussprach , dass nur Karl die ver- 
wirrten Verhältnisse zu onlnen im Stande sei'). Davon war 
ohne Zweifel jederniann im Frankenreictie tlurchdrungeu. Aber 
als nun Leo erschien, als die gegen ilni erhubeneu Klagen ver- 
lauteten, begann der Zwiespalt: Alkuin vertrat mit allem Nach- 
druck den Standpunkt, dass der apusLoliscbe Stuhl von uiemaud 
gerichtet werden könne: weder einen Reinigungäeid leisten, noch 
freiwillig zurücktreten dürfe der Papst. Es war nicht nur das 



II) Kp. 113 &. 46(X 
2) i:^. lU S. AM. 
3) £p, IIH 8. ^2: Qnibus lasm bentitiidiDem oninilii» neoessariiini 
B« VOtis cxaliare, imsrcessioailJU« adiuvAre, qaatenua pet vcstram pri>- 
qKritaten clirisü&DUiti tuealnrimperium, fides catbolicA (lelendacor, iiistiliae 
njula oiuulbus iunotesoat. 




Vertrauen zu der Unschuld Leos, was ihn so rtsdeu hieas, BOiiüern 
besonders die Rücksicht auf die Stabilität der VerhüJluisse: Welelier 
Hirte in der Kirche Christi würde sicher sein, wenn jener von 
Uebelthätcrti abgesetzt würde, der das Haapt der Kirchen Cbrisü 
ist? Kr wird seinem Herrn stellen oder faJIen '). Andere dachten 
anders: die Verbrechen, welche dem Papste Torgeworfen worden, 
schienen ihnen so nxorbitanC, dass sie tirtheillcn, er milssc durch 
einen feierlichen Eid seine Unschuld beweisen. Die Dritten, 
tiberzeugt von seiner Schuld, wollten öffentliches Aergernls ver- 
meiden und den Papst in der Stille zum Rücktritt bewegen*). 
Der König ging seinen eigenen Weg. Er konnte AlkoiDS 
Anschauung nicht ohne weiteres tbeilen: die wunderbare Oe* 
sundheil des eben geblendeten uud verstüuiuiellen Papstes machte 
auf ihn einen anderen Eindruck als auf den gelehrten Theologeo; 
er glaubte uiclit an das Wunder^}. Auch wur sein ürtheil über 
Leo von Änfaiig ati weniger günstig mIs das Alkuins; er ver- 
traute der Unschuld des Papstes nicht*). Oeshatb durchschaute 
er die Bchwierigketl der Lage besser. Dt-ni allcrnden Freunde 
ersparte er den Schmerz, seinen Rath nicht befolgt au sehen. 
Kr lud ihn nicht zu der Versammlung in Paderborn, fordorte 
auch kein üutacliten von ihm^). Ebensowenig trat er den ent- 
gegengesetzten Vorschlftgen bei. Das Verfahren war ihtn wohl 
zu raseh; denn niemals hat er seine Schritte vorsichtiger abge- 
messen als in diesem Augenblick. 

Er koLinic nicht umhin, Leo als rechtmässigen Inhaber des 

römischen Stuhles zu behandeln. Durch eine Empörung konnte 

der Papst seiner Wurde nicht beraubt werden. Rief er den 

fränkischen Schutz au, so durfte ihm derselbe nicht fehleu. Aber 

. - .1.1.'. . .--. 



1) Ep. 120 3. 48» f. 

3) L. c. loh beliebe äiastt Stelle; nicht, wie Simson (J.B. S. 18Ü) sn 
thun Bcheinc, Iedi){lic)i xuf (Uh rC^niiachtin Uegtier Lt-oa, Diejeuigeo, welche 
conailio eecrnto suadent, iit deponeret sjdb iurAmcnto jiftnrtticaliim et quie- 
tnio in quolibot uODSaierio aj^erel vUsoi, loUBaeu Uüunor der Umsobaog 
Karls gewesen sein, »«kho auf diese Weise dis äache bcixulegen aucbteo. 
Win wären die rSiutsvItou (Je|{o«r dazu gekummeD , deiu P»ptle Rath' 
aehlUgs SU etlbcilenv 

.^) Ale. ep. 119 ä. i^b: Quod veio nobis vesirae bonitatis . . vnUiDtas 
de aposiolicl pastom mlrablli sa&ltate dcmandarc curavit, etc. Die Worte 
•nirabilis ssDltag* kUn^n ironiscb, seigea alM UnglautMD; Alkuio sieht 
aicb denD auch zu einer moralischen Ermalinung veninlassi. 

A) S. oben S. 96 Aomerk. 3. 

5) Ale. ep. i'AQ S. 489. 




— 99 — 



^^lie zu 
^Hadern 

mt 



den Papst wurden laut und üEfeatlich vor dem König als 

dem obersten Riciiter die scliwersleii Ankla{|;en erhoben)). Konnte 

er l^apst bleiben, wenu ttie tie(;riliidet waren? War es zuliUsig, 

lie zu iguorireiiV Karl beautwurtt^la die Letzte Kruge mit Nein^ 

dem er den rräiikisclien Grossen, welche Leu nach Rom zuritck- 

Uelen '), den Auftrug gab. eine Untersuchuiig zu reranstulleu. 
Ute sich nicht nur auf die ICmpiirung, sundern auch auf 
die Anklagen gegen Leo erstrecken 3). 

Anfang Dezember 799 fand in Rom die merkwürdige Ver- 
handlung statL Der Biograph l^os versicliert, dass keine An- 
klage bewiesen werden konnte*). Erzhiactiof Arn von Salzbu^ 
jedoch, der zu den Richtern gehörte, urtbeille anders. Mochte 
et ihn auf das tiefste schmerzen, er konnte sich der Einsicht 
nicht versch Hessen, dasa die Anklagen gegen l^eo stichhaltig 
leieo*). In welcher Lage befanden sich nun die deulsclicn Ge- 
landtca! Es war unmöglich, die Unschuld des Papstes zu be- 
liaupten; war es möglich, das« man ihn fränkischer Seit« fallen 
bess? Die Verantwortung hiefUr wagten sie nicht zu (ibernebineu : 
BO enthielten sie sich lics L'riheil.s. Leo blieb als Fapst ant-r- 
kanut, aber Pascbalis, Cainpulus und ihr Anhang vurden nicht 
&)a des Aufruhrs schuldig hingerichlet: sie wurden über die 
Alpen gesandt; derKünig sulhe über ihr Schicksal entscheiden*]. 

Im Herbste 80IJ begab sich Karl nach Italien. Der ausge- 
iprochene Zweck seines Romznges war die Untersuchung der 
dem Papste schuldgegebenen Verbrechen. In offener Versamin- 
laog erklärte das der Etlnig selbst'). Das Ende war, daes Leo 



1] Vit. LeoD. 1)1. sn 8. 121&. 

2} Tbcilnebner der KommisMon waren die Enbischtife DlldihAld voa 
Sdln und Am von Hslsburg, die Bischöfe Kuniberl. Bernhard von Wort»*, 
BmIo von F>ei>tng, .lesM von Atuiemi und der f^rwühll« l^bcbof Klaicus, 
ftraer die limfeD Uellngol, Rotiuar uud Gertnar. 

3] D«r Auftrag «rtttbt sich iitsder'MintMcbe der Untersucliung (I- c. 373). 

4) Vh. Uon. III. 1. c. 

&i Ale. ep. 127 3. Oll (s. S. 96 Aomcrk. 5). 

6) Vit. Leos. IH. ). e. 

7) AuD. Lsuriwi., Eiob. %. J. äOO: Post aeptem ven> dlos rex contione 
voHia, cur Roniain venisset otonibuH patefpcit, et ezinde cutjdtc in ea qnae 
VMentt faclend.t operam diMlil. Inier qtuie ve.\ matiniiiin vi>l difficilllmum 
<ru, quod prioiam iDchoaiiioi est de diHciitifindis i|uai) [luutißcl obiecta 
Mal criiuiDibaa. Vgl. die Wurl>< KxrU: Uiini noe Homnni . . pro quibus- 
(lu oauais a. D«i uecleeiae ae domioi l.«oniB papan porTnnisseiiius (Uittunde 
(Rt Arezso, B{ihioer-MUtilbach«r 36J) nnd I.eo« III. eigBcie Ausaago : Auditum 



- 100 - 

sich vor Karl und allem Volke durch einen feierlichen Rid von 
den gegen ihn erhoheuen Anklagen reinigte. Er schwur am 
'2X Dezoiiiber SOO «o einem der Äuiboneo der Pelenikirche 
aul' das Evangelium, dass er die ihm voi^eworfenen Verhrechen 
weder vollbracht, noch xu vollbringen gobotea hahe. Wenn er 
fiahei wiederholt erklärte, er leiste seinen Schwur, ohne von 
jemand gerichtet oder gezwungen zu sein, auB eigenem freien 
Willen und um allen Verdacht zu beseitigen *^) , so werden da- 
durch nicht viele getäuscht worden sein. Denn Karl und die 
frünktschon Bischüle hatten vorher beschlossen, dass er den 
R^nigungseid schwüren müsset). Mau stellte ihn, wie es scheint, 
Tor die Wahl zwischen ihm viod dem Rücktritt'). 

Der Eid des Papstes galt als Beweis seiner Unschuld, des- 
halb auch der Schuld seiner liegner. Nach römischem Rechte 
verurUieilte sie Karl zum Tode. Darnach aber begnadigte er 
sie*); htitte er es gethan, wenn er Leo für schuldlos gehalten 
hätte? 

FOr seinen Entschluss, den Papst, wenn irgend mtvglich, zu 
halten, wareu ohne Zweifel in erster Linie biichliche Erwüyuiigen 
aussctdaggebend. Durch die Schuld der Person sollte die liooh- 
achtutig vor dem Ande nicht erschüttert werden. Deshalb trag 
Karl Bedenken, Leo zu eniferuen Aber der Pa[»5t inussle durch 
seinen Eid den HowoiB liefern, dass Karl das moralische Recht 
habe, ihn zu schirmen. 

. . Mt . . (iiialiter hominea niali . . niserunt aaper me gravi« crimin». 
Propt«r qiiftiD cniisimt )in<lien(Iatn , . rex Cwrulua una oom saeerduiibua ci 
optimatfbue auis istsm p«tvvnft ad urli«ui («p. Cxrol. 30 S. 378). 

1) Ep Canil. 20 S. ;t78; vgl. Vit, Leon. III. A7i f. 

2) Navb itvn Ann. Laurcsh. i d. J. erfoFgt« die Kidealelstung gemKaa 
eineui Beachliisse Karls und dor anwesenden BinehSfo, sl eiuH (d«s Papsttis) 
voluntas fuisvel et ipi»e pvtivKet. Damit war dem Fapnie doch our der 
Subein eij^cncr KnischticR&iing gewährt. 

3) Dabs mcti bd den Verlandlungeu tu Kwn die EntfetnouK L*o« aus 
Bnbeo) Amte in Frag« kam, beweist Ale. ep. IbT an Riculf von Uainz; 
Siciit audlvl, quod aiuo duluro curdfa nott dicuin, ipans male inier se disaeo- 
liro magistros (die mil KiH gekommenen Bischüfe). Qnidain vero volontea 
i'udis pauui assutuuiilutu vvtuii iuuiitier« vcatiuieiito et peioreui facrre Aciasn- 
ram; quidam vero tneliori cunailio veteiareformare et inantiquuin ropunero 
ordiuem; cum quibua vcatram aaDCtiasimato aolliciludiuem taborare andiviinoa. 
Ka tat klar, daa« der Horlcht der Uiograpiiie Lcoa durch und durch lendeaÜSa 
isi <vgl. Düilingor, Miincliencr Iiiat, Jahrb. 1865 S. 331 ff.. undSimaon, J.B. 
& 229) i V. Uaiike (W.U. V, 2 S. 132) nimmt den Bericht ala gtaubwUrdig bin. 

4) Aon, Lanriss., Einh. z. J. 80t; vgl. Lauresh., Laur. mia. 




— toi — 



p 



Zwei Tage nachdem Leo sich darcfa eitiea wahrscheinlich 
iSaischeu Eid von den schlimmsten Anklagen, die gegen einen 
Priester erhoben werden konnten , gereinigt hafte . krflnto er in 
Ht Peter Karl zum Kaiser. Ein Vorging, sn bekannt, dass man 
ihn nicht zu schildern braucht, nnd doch in mancher Hinsicht 
■Tflllig dunkel Einhard erzilhlt, Karl habe versichf^rt. er würde 
.trotz des Festes an jenem Weih nachtstage die Kirche nicht be- 
I treten haben, wenn er den Plan des Papstes hä^tte ahnen können ^). 
War das HeuchcteiV Das ist nnglauhlich; denn Karl hatte keine 
ITrsaehe, zu heucheln: Wer konnte ihn hindern, die Kaiserkrone 
in nehmen, wenn er sie wollte? Aber er wollte sie nicht. Wir 
wissen nicht, dass sein Ehrgeiz dahin ginii. römischer Imperator 
in heiasen; aber wir haben Grand, anzunehmen, dass es ihn 
freute, als frftokischer König über die ehemalige WellhaiiptstadI 
lu herrschen. Als das höchste OlUck, das Gott ihm 'gegeben, 
(■rieseo es die Männer seiner Umgebung, dass er, der Fraukea- 
könig, das goldene, kaiserliche Koin eingenommen habe, dass 
(iolt ihm Italien mit allen seinen Schützen verliehen habe'). 
Das wird auch seine Ueberzeugung gewesen sein; denn er hielt 
das Römische nicht für besser als das Deutsche; Im Gegen- 
theil, auch in Rom wollte er als Deutscher erkannt sein'). So 
venig einer seiner Vorfahren auf dem friinkisclien Throne je 
nach dem Kaiserlhnm gestrebt hatte*), so wenig war es sein 



n Vit. Kar. 28. Vgl. Aon. Hm. z. J. 901 ; di« widersprccbt-ndc Nftch- 
riohi, dau die KrOming auf tiniod eines 8ynoda1besehDss«s errol^'t sei, 
Adr. LAur«sh. z. J. 801 iin<] darias id ftndnrcn Quellen. tJjc Vereinigung 
dieaer Nacbrlchten ist nioht mÜK'ich; die Gl3ubwU^di^keit Einhards ohoe 
Zweifel crOsier. ReittK*rg8 M^innng, dass Karl selbst im EiovcratÜndniB 
([Bweaeii aei und Alkain die gioi« Idee erdncbc bnbe (K.(i. U.'s I S. 430), 
klingt aurh bei Neneivn wieder, x. B. bei Hsnens, D. rätn. Frnge S. 212. 
Aber wenn dies<:^r H»gl : Die HauptitAcbt; ist, dkss Karl diu WOrilo begehrte, 
lo febtt fUr riiüSR Hauiilsache jeder ßeweis. Ans dfio im Texte diirge* 
Iscten Griiadeo ist mir vIdq aolcbe Aunabmo aclir unwahrscbcinlicb. Desbslb 
kann ieb ancb der getatTolleii Ilj-potheae Uclllinger« (a. a. 0.) nicht boitreten, 
Ihr* VorauMetiiing. dacs daa laipeiliim Karl einen tief iu der Mc-iniiiig der 
Völker wurMlndfD Rci-btAtttcl rerlifhpn habe, scheint mir niclit s« ücber, 
als allgemein ani;enoiiimen wird. Uie Verehrung der uilttclnlterlfctien Welt 
g«g«ii daa lospcriuin Ist, so viol ich sehe, nicht Voraussetzung, sotidern 
WfrltuDg des Kataertbums Karia. 

2) Ep. Carol. 1 S. 337 fBrief dea PriPtlera Oatitulf an Karl 0.8. T7Ö). 

3) Man weist, das« Karl sicli nur Eweimal io aeinem Leben cntscliloss, 
rSntsehe Traobi anznlegen (s. Einb. Vit. Kar 2.1). 

4) Siae, wie d«r6ieec<brechtB (Qesobicbte der duutscbon Kaiscrzcit I 




-^ 10S — 

hüclistes [lolitisches Ideal. Er liat in einer ofTeoen Btoatsechrift 
das herbste Urtheil (iber das römische Imperium, seine Träger 
und seine Institutionen ausgesprochen: das wildeste, tapferste 
Reich sei es gewesen, aber zugleich das eifrigste tn der Ad- 
hetung nnd Verehrung der Götren; die Kaiser Münncr voll un- 
gemessenen Ehrgeizes i einzelne seiner Einrichtungen gehürten 
zu den Ucbeln, welche die Christen günzlich abzuschaffen ver- 
pflichtet seien ' ). Ea ist , als habe Karl absichtlich ausser 
Acht gelassen, dass es auch chriatliche Kaiser gegeben hatte: 
als etwas Unchristlichcs, Heidnisches sollte das Imperium er- 
scheinen. Hier erklingt wieder der alte, aber unvergessene 
Stolz der franken, welche sicli als das rechlglaubige Volk den 
Reimern, den Mürdern der Gläubigen, gegenüberstellten'). Wenn 
ein Angelsachse die Würde des fränki sehen Kduigthums für 



8. 1S^ 3. Anfl.], du« das Kalserthnm lins hncbote itniitische Idpsl gcwNcn 

8i>i, dvio dio d«uteche[L Maclithatior seil J»briiui)dertcn «unlrobteD, sind 
vBllis unriobtig, wenn man flic auf ditt frünkischen Kdnig« anwendet. Nor 
»iif das aber, was si« erstrebien. kann vs ankominati. 

1) Libr. C.-iiol. II. l^-. (In 8i.'i)ientift Jnnnni» ConatantinopoliEnni «pi- 
Bcopi illaruin iiuiL^^initm inenlinfil) quas i^entili et 8U|i»rGlttiuBu diu RuujAooruiu 
imperaiorr» osttMifnbiliter ob »ui favoria arroganliam adorare ccnsnerunl. 
Quam quidom a;irrilt!gH:n imiiiirtaloii) iu uallus aDliquornm reguoi rcpcriuua 
hahaitHß, aiciit f.t pcttti nullain gcntem tantae crnrtelitaHe taTttornmque 
idulürum iprvitiia aubüiiaiii, ut ühai . uapinui le^iiii"* exitiiiiae. Usgnae 
ergo crudclititia et rcvcra inagDae crudelitaiis et lortitinliDia qnoodam fait. 
Dia. 7, 7. Genies, quas delevit. dcToraasc, quas vero iribatis addlxlt, 
pedibua conculcaasu dicitur, ci in Uuluio da«iiionuin ciiltuHs innorvivit, 
Ut quanindaiu geiitlum qiias subegerac idola suia nibilomiDus Holis socIklb 
infclicitcr Adorarci. Ondi> vnuUaimnni ci ab omni raiione seclii»um eat, ab 
oa le inlru sanciain ecclesium siimcrc exoinpla quae prupter ^eoiilftaila 
maculaiu prorsus a cailiollds crediiiir alKbcAi.-). Si riilgus . . imperatorum 
imatfioefl vanie m peruiciuais lauilibi.8 honerat, quid ad nua, qui gloriamur 
in cruce UuiDint . . qiii lanto rrrori «l>niti potiua quam aesi^nnum praeberc 
dcbiimuB, . . qui . . euiu cum BUie acquaLibua pruraus exacvrari debemps. 
Vgl. )[!. 1&; iJüctor gentium mm vus icnpcraturmu itiiilatorca, a«d suoa 
icDO CtirUli Eit^ri liurUtur . , tL uL iwjiüraturiim fascea eivv vulgi bacrbatua 
a ChrisdcolAriiin mentibna dirinirrct, ait: Nubis Ubrlatus orucifixus est. 
ßet\xg auf diD CbiisUnverfolgungeni danni Odiaeo debei chriatianiia . . eoa 
qui udoniDl (lominuai. I>te t^iniaclicn Kaiser wciduo b«xek'bn«t all boDimi>B 
pruiervia vanicatia indffti, pooipa aaednUri dati, houciruin ambitionti rupidi, 
iactantia pirnt. lieber di« Vvrebrung der Kaiserbilder: Ilou nialutn com 
oaeteris inalis quac Cbnsii adventu fnistrata sunt, fniatrati omnino debct. 

3) Vgl den Trolvg xur Lex Haliea (s. Dd. I S. 176). Das« diwe 
SlimuiUD^ uncli später noch vorbanden war, zeigt Muo. Sangall. I, t S. 631, 




— 1U3 



I 



^: 



erhabener als die des griechischen Kaiserthums erklärte, wenn 
er d«s römische and das christliche, d. h. das frfinkische Reich 
als das Niedrigere und das H^ihere ehiander ^ei^enüherstelUo*^), 
wie b&tAe es Karl gelüsten aoIIcd, seinen deutschen Konigstitel 
mit dem rfimischen Kaiscniamen zu vertauschen? 

Dazu die Krönung durch den l'apsL Wie Karl darüber 
artheilte, bewies er, als er im Jahre 813 seinem Sohne Ludwig 
die kaiserliche Wurde übertrug: da hiess er den Kunig mit 
eigeoer Hand die Krone vom Altar nehmen und sich aufs Haupt 
mxeD^I. 

Erstrebt bat deuioach Karl die kaiserliche Würde nicht. 
Aber als sie ihm dargeboten wurde^ wies er sie auch nicht 
nirüük. Nacb einem Moment des Z^gerns begann er den kaiser- 
lichen Titel zu führen'). Und sehr rasch erkannte er, dass auch 
IQ diesem Titel Gewalten sclilummerlen, die er nur zu wecken 
brauchte'). Dass der groJise Künig den Kaisernamen annahm, 
bat dem Imperium den Schimmer verÜeheii, welcher es im 
Mittelalter umstrahlt: er ist der Wiederscheiii von Karls er- 
habener Person, nicht ein Krbe aus der Rümerzeit. 

Räthselhaft ist, was Leo III. mit der von ihm wohl vorbe- 
reiteten Handlung beabsichtigte. Wollte er sinh dem Künig, 
der ihn gerettet hatte, dankbar beweisen, oder wollte er dem 



^^ der Ihn 
^ 11 

I 



I 



11 Ale «p. 114 S. 464. Die Stelle itt so klar sla inQ(;1icl]: Tertia 
\hclht Vrtlfd« in dtt Well) est regalia dignilaa, in qua v<m dömini noatri 
Jesa rbriail dIsjWDsstfo reotoreoi popnli diriaunDi disposuii, ceteria prefada 
digsilstibui (HoiD and Kalserttaam) potcDtla escellentiorcni, sapieotiA ulario- 
r*m, regni diguiiate sablintoreoi. Die Kiiblung ist also eise auf- 
•t«igende Klimax. Ep. 140 S. ^38: Qunc lerr» ( Spanien j olim . . llranno- 
mm Terax faetat. qui Romanani aaepissime iuipeiium lac«rare agJebaot. 
El tjuuc iDUlU) peius aacraiisaimas chriHiiani itnp^il Rurea quibasdam 
•üauiaticBe pervaraJtatis nuvitulibua fatigate ^dgreililnr. Dt>r Ur[ef fiillt In 
dm Jooi 800. Ich brauche kaum iii bemerken, dass man auR dem Wort« 
iaperinm nicbts folgern darf. Von Karla R«^ich findet es sjob sohoii im Jahre 
m verwendet in dem Libell. «piMcup. It^lin« { Mana. XllT, 873): ('ara)i 
re^ domini terrae Imperii eius decrcio. Miitioand wird darin den Kiiiaur- 
gedanken Godeo. Imperium i:utsprictiL i^infxcli dem deutschen H^tt^icb''. 

2) TheesDi ViL Uiduv. 6 (M. G. 8cr II 9. 593). 

3) Karl rnront sich in der Urkunde für Arezxo vom 4.MSrzS01 (Bötimer- 
Hliblba^sher 36.1] rex Franeoium et Kuiuauorumaiiiuu Langobardoriiui. Alkuin 
Hlirtibt in deuaelben Jahr, ganau wie rrillier, an David pater patriae (Dp. 
ITOJ öder David rex (cp. 172; Itifl; 205; 239). 

4) Vgl. di« altgemeine Kidealeiatnng iis Jahre 8Q2 (Caplt. 33, 2 8. 9i). 




— im — 

Uerrsulier^ vor dessen Gericht er eben gezittert, zeigen, dosa auch 
er Gaben xu rerlheileu habe? Kein Wort der Ueberlieferung 
gibt liierilber Auskunft. Aber klar ist, dase er ftlr sieb nud für 
die Stellung des Papstes durch eciiin Handlung nichts erreichte. 
Wenn auch das unmittelbare Regiment Ober Rom nach wie vor 
dem Papste verblieb, so konnte doch seit der Krönung darau 
nicht melir der mindeste Zweirel sein, dass Karl Herr in Rom 
und im Ktnihenstaate sei^). Die alte Hauptstadt der Welt wurde 
zur ersten Metropole d^^ Knn)1ingei'reicba^t. Die Rechte, welche 
einst die griechischen Kuiser besessen halten, wurden nun von 
dem fränkischen Kaiser geObt'). 

Die Kaiserkritnung halte in Wirklichkeit nicht jene epische 
Grösse, welche die Berichte, die den äusseren Hergang schildern, 
ihr verliehen haben. Nach ihnen handelt der oberste Bischof 
der Christenheit wie geleitet von hciherer Eingebung, das ge- 
saintiite Volk aber durchzuckt blitzartig die Erkenntnis, was der 
feierliche Vorgaog bedeutet, der sich vor seinen Augen rotizieht, 
und iu lautem Zuruf spricht es das aus, was der Stellvertreter 
des Apostels durch seine Handlung andeutet: ein Utid ohne 
Schatleu, eine Melodie ohne Dissonanz. In Wirklichkeit waren 
die Schalten lier, die DisEOtKuiFen grell genug. Sie haften an 
der Person Leos. Kr war für schuldlos erklärt worden, aber 
nur wenige waren von seiner Schuldlosigkeit überzeugt. Dasa 
dieser Mann sich sofiirt in die erste Reihe drängte, indem er 
unaufgefordert dem Künig die Kaiserkrone darbrachte, musste 
den Eindruck hervorrufen, der sich in Karls Aeusserung unver- 
hohlen ausspricht: die Sache wäre besser unterblieben. 



i) Vg\. äie Klagen und Aeiissenirfcn I,pös III. ep. 2 fJsffe. Bibl. IV 
S. 311 M»(i 314; 10 9. 334); feruer dio Wi'RfUbning der Tfieoderichstsiac 
nU8 Ravinim lAgtiell. üb. ^vontif. c. 91 f>. 3381. \.eo vr»gt nicht, lioto za 
verlA»»Rn ohne einen Auflntj^ iles Kxi««rti (ICinb. ann. z J. 804). 1>SS8 
in der RefcbstlißHung viiiti Kirchenstnate nicht die Rede i«t (Capit. 46 
S. 127 f.), ht nlcbi weiter aufßllig, da er nicht natcr uiiinitteltiar könig- 
licher Vi^rwsltuti^ stand. Dem (Irdituken der durch die llicüung nicht 
attifKeLotfeiieu Eblieit des Kutclis euoprirUt es, dasH nira et defenslo eecIcBia« 
fl. Pelri (Ifln drei Brüdern geiiit-inaiiiri y.iir Pfli^bt gemacht wird {% 15 S. 129). 
iJic' UDieizeik'hnunij der Tht'iluDgsurkiuidK durcli Leu steht in Parallele so 
der UrslStigung dorselbon durch die Of)[i[fi»ien (Kiuh. aas. s. J. 806). 

2) rmtamenl KsrU {£[Db. V. Kiir. 33). 

3) Oass Irgendn-elcho Verhandlungen Über di« Rcclito des Kaigera 
siaUfanden. ist oloht Überliefert und subr unwahrsflieinlioh, Karl und 
aciue Nachfolgor nabineD cinfacli dio Uecbit; in Aofprucb, welche die 

- grieobiacbeii KateiT frtlber geUbt battsu. 




— 105 - 



i 



w 



* 
» 



Auch abgesehen liievon ist die ßecleatun^ <ler Kaiscrkrüuimg 
nifiit überKraM: sie war knineThat, sie repriLseolirte nur. Weder 
ipurdon durch sie neue Verhältnisse tjeschaffen, noch neue Ge- 
walten aur den Plan gerührt. Ktirls lleicti war nach dem Weib* 
oacbUfesie des Jahres SOÜ genau dasselbe, was es vorher ge- 
wesen war. Nor eio neuer Name wurde diesem lieiche gegeben: 
Imperium. Auch die Politik Karls blieb riMItg die gleiche In 
der ioneren Verwaltung, besonders in der Leitung der kircliücben 
Angelegenheiten verfol'.'te er dieselben Ziele, die ihm seit seinem 
Ac^erungsanlritt vorstiliwohlen. lu den iLuseeren VerliaUntsäeu 
ielt er sich nach wie vor innerhalb der natürlichen Qrensen 
er Tränhisphon MaclitspliRre. Es reizte ihn nicht, seine Herr- 
chafl nach dem Oriente hin auszudehnen; im Geu;enUieil ver- 
mied er Koollikle mit den Oriechen. Die Scheidung Roma vom 
Morgenlande aber, seine Einfügung in die westeuropäische Welt 
hatte sich schon ror dem Jahre K)() rollzogcn: Gregor LI. halbe 
■te geahnt, Bonifatius halte, ohne dass er es «rnsste, an ihr ge- 
erbeitet, Pippio and Karl haben sie herbeigeführt. Am wenigsten 
lässt sich sagen, dass nun die beiden Gewalten nebeneinander- 
standea, deren Hingen die Geschichte des Uiltelalters bewegt: 
das KaiserUium und das soureraue i'apstlhum. Im Reiche Karls 
d. Gr. war für ein suuvertiues ra]}stthum kein Raum: es ist dos 
Erzeugnis der Schwache seiner Nachfolger. Gerade bei dec 
Krünung bekaunte sich Leo vor allem Volk als des Kaisers 
Untcrltiau. Kuchdem er ihm die Krone aufs Haujft gesetzt hatte, 
huldigte er ihm in der Weise, in der einstmals die Ritmer ihre 
Kaiser adnrirt hatten'). Karl mochte nn das Urtheil denken, 
das er wenige Jahre vorher über solclie byzantinische Sitten 
ftOBgesprocheo hatte*). 

Wir haben den Gang der Ereignisse verfolgt, welche dazu 
führten, dass Karl immer bestimmter als der Herrscher, der Papst 
immer unverhohlener als der Unlcrthan erschien. Fragen wir 
oun, wie sich dazu die Anschauungen verhielten, welche Über 
tUs VerhÄltnis der beiden Gewalten verbreitet waren. 

Auch bei grossen Männern widerspricht nicht selten der 
ichtiessticbe Erfolg der ursprünglichen Aluicht. Was ihre eigene 
Arbeit herbeigeführt uod gestattet hat, stelu inj Gegensatz zu 
den anl^glicbeo, den manchmal lauge reslgelialloneu Ucber- 



1) Ann, Lapriss., Einh. b J. 8ot. 
3) 8. ob«B S. 102 Aumerk. 1. 



^ KW — 

Zeugungen. Dann bilden sich die letzteren wohl dem Erfolge 
{;etnilAS um ; denn durch nichts werden die Menschen so sicher 
beherrscht als durch ihre eigenen Thaten. Hei Kart war dies 
nicht der Fall. Die Stellung, welche Leo III. ihm gegenüber 
einnahm, entsprach vielmehr den Ansichten Qber Papstgewalt 
und [{ünigsoiacht, von welchfii er yan Anfang an beseelt war, 
und welche auch von den Männern seiner Umgebung getbeilt 
worden. 

Karl verehrte den Papül; in vielen Stücken galt ihm sein 
Wort und seiii Ratli als entscheidend. Das beruhte auf seiner 
Ueborzcugung von der Lehrgewalt des Papstes: er sah in ihm 
den Zpiifjen der apostolischen Tradition. Als er auf der Synode 
zu KrankTurt'] eine dogmatische Krage entscheiden Hess, be- 
gründete er die Richtigkeit seiner Bestimmung mit der Krinnerang, 
dass er den römischen Bischof etliche Mate deshalb befragt 
habe, da er zu wissen wünschte, was die römische Kirche, be- 
lehrt durch apostolische üeberliefernngen , über jene Frage e^ 
kläre'). Wenn er von der Herrscbafl des Papstes in der Kirche 
sprach, so fasste er den vleldeuti^'en Ausdruck sofort dahin 
nöher: der Papst herrscht durch seine Lehre^). In den Karoli- 
nischeu Büchern wird dieser Punkt mit abstclitlichem Nachdruck 
hervorgehoben: die rümisclie Kirche ist von dem Herrn tiber 
die andern apostolischen Kirchen erhöht, wie Petrus aber die 
Übrigen Apostel; nicht auf Grund von Synodalbescblüsseu. sondern 
kralt der Autorilüt des Herrn besilzt sie den Primat. Ihr Rath 
ist von den OlUnhigen zu UiSren; aus den Schriften, welche sie 
als kanonisch anerkennt, sind die- Beweisstellen zu entnehmen, 
die Anschauungen derjenigen Kirclienlehrer, welche sie annimmt, 
sind zu hcoliRchten*]. In diesem Punkte konnte man iu Rom 
mit Karl zufrieden sein. 

Ans der Hochstelhmg <Uir römischen Tradition erklärt sich 
Karls Veroliriing der römischen Ordnungen überhaupt. Er legte 
auf die Uebcreinstimmnng in den goltcsdicnBtlichen Formen 
Werth: wie seinem Vater lag ihm daran, dass der römische 
Kirchengeaaiig im fränkischen Reiche überall herrschend werde: 
die Ursache war nicht, dass er ihn für achönor hielt als den 



1) JnnI 794, Ann. Mosell. fM. G. Scr. XVI, 498). 

2) C»r. ep. ad Kltp. CMi^». XHI, OÜl). 

3) WidiBiing einer PrachihaDÜBchrift iloa PstilCera a» Hadriati I. (PöetT 
Ut. I t>. 91 f.) V. 'Jij: Eccli-aiauiqiie i)et ilu((ii»itia Mtv lega«. 

■I) Libr. Carul. [, 6 (Hign. 98, 1019 ff.). 




- 107 ^ 



k: 



fränkischen; nur der Gedanke bd die Gleichheit mit Rom he- 

stimmte iba zur Kinruhrung der fremdea Singweise'). Ansdem- 

selben Grunde forderte er Beobaclituug des römischen ßiUis bei 

der Taufe. Selbst in solchen Kleinigkeiten vvie in der Form der 

ticbuhe sollten dieOeistlicIien sicii an das römische Vorbild halten^, 

Kurls Motiv liest man wieder in den Kiiroliiiischen ßüchern: vqq 

Anfang au sei die frunkisctie Kirclie im Glauben einig gewesen 

init der rötnlschen, dagegen in der Form des Gottesdienstes 

wftrea kleine Verschiedenheiten vorhanden. Diese berührten 

»war den Glauben nicht, doch habe eein Vater wie er selbst 

icb um ihre Beseiiigimg bemüht, damit diejeutgen, welche in 

einem Glauben vereinigt seien, nicht durch die Verschiedenheit 

gottcsdicnsthclier Formen getrennt würden. Er unterlUssr nicht, 

tiervorxuhebeo, dass Papst Hadrion ihn hiezu ermahnt habe'). 

Auch das Recht päpstlicher Verwaltmi[;smassregcln, welche mit 

derUütung traditioneller Ordnungen '/.iisamincnzohängcn schienen, 

wurde nicht bezweifelt. Als bei der Wiederherstellung der Metro- 

poltlansprengel sich der alte ätreit zwischen Arles und Vienne 

erneute, wurde die Entsclicidung getroffen auf Grmid der Ver- 

fügun|!en frOherer römischer Hiscböfe: man erkannte ihre Giltig- 

keit «bensu unbedenklich an, als man die Krledigung eines 

aualügen Streits Uadrian überliess*). 

Allein diese Anerkenunng römischer Rechte hinderte nicht, 
dass Karl sich selbst als den Leiter der fr&nkiscben Kirclie be- 
trachtete. Das galt ihm als nnmittelhurir Ausflnss seiner Köoigs- 
pUichten und Rechte. In dt-n Karolinischen Hücheru erklarte er, 
nach Gottes Gabe habe er das Steuerruder der Kirche im Um- 
fange seines Reichs ttbernommen; ihm sei sie in den sttlrmischen 
bluthen dieser Welt zur Leitung anvertraut^]. Demgeuiäss be- 
zeichnete er die fränkischen Kircheii als seine Kirchen, UisthUiiier 
und Klöster als ilini zur Regirung UberlasBen'). Das Verhältnis 
der könighcheu Maclit zur PapEtniticht aber bestimmte er in 
einem Schreiben an Leo III. folgendermasscn ; Unsere Aufgabe 



1) Capit. 32, 80 9. 61: Ob nnnnitnitutein «postollcl vcilis et B. Dfli 
e«d«lae paeiticam coucordiatD; vgl. 30 S. HO. 

2) Capit a3, 23 f. 8, 64. 

3) U c 

4) Capil. ?8, 9 8. 7& (Krankfurl«r Synudc). 

5) PrtBf. lilx IS. ICOI f. 

6) Capit. 30 8. .SO: Quin uunte Dobis e»c, ut iioslr»riin) ccck'Starum ad 
■Blion seioper proficJRt atatus; 29 ä. 79. 



— 108 — 



IbI ea, mil Kilfo Gottes die heilige Kircho Chrlsli nach aussen 
gegen den Eiubrut;li der Ueiden und die VerwfisUing dnrch die 
Ungläubigen mit den Waffen zn vertheidi^fn und nach innen 
durch Anerkeunnog des katholischen Glaubens zu festigen. 
Eure Aufgabe ist es, wie Moses mit zu Gott erhobenen Händen 
unseren Kriegsdienst zu unlerstülKCn, damit das christliche Volk, 
dank Eurer Fürbitte, von Gott gcriihrt und ausgestattet, stets 
und überall den Sieg Qler die Feinde seines Namens habe'). 

Man sieht: wühreiid Karl deni PapEt eine rein religi^^se 
Thaligkeit zuwies, nahm er die Sorge für die ICivche im weitesten 
Umfang als zum Amte des KOuigs gehürig in Ansjtruch. Das 
war der aii8Schlagf:obenile Grundsatz, nn den man immer wieder 
erinnert wird. Vielleicht fülirt kein SehriAstüek so unmittelbar 
in die Gedanken ein, in welchen Karl handeJte, als das ini Jahre 
7B9 erlassene fieiidachreibcn; der Ki>ni{^ crkifirtj er wolle ein 
Mitarbeiter iler RiachJifc hei ihrer relj|,'iüsen Arbeit an dem Volke 
sein: dazu fühle er sich verpflichtet aus Dankbarkeit für die ihm 
und seinem Volke erwiesene gtltthche Gnade. Die königlichen 
Sendboten sollten dcshalli vereint mit den Bischöfen kraft der 
Autorität des Herrschers bessern, was zu bessern ist. Niemand 
achte, so schliesst seine Ansprache, diese fromme Ermahnung 
für vermessen, sondern jeder nehme sie willigen Sinnes an. Wir 
leseo ja im Künigsbuche, wie der beilige Josias das ihm vod 
Qott verliehene Königreich zum Dienste Gottes zurückzuführen 
bestrebt war. Nicht dass ich mich dem heiligen KOtiige gleich- 
stelllej aber es liegt uns ob, dem Vorbilde der Heiligen nach- 
zufolgen und, dem Herrn Jesus zu Ehren, so viele wir können 
zum Eifer im rechten Leben zu versammeln^). 

Diesen Ueberzeugungen gemäss g;estaltQte sieh Karls Stellung 
innerhalb der Kirche seines Reirhes und seiner Zeit. Kr rcgirtc 
sie genau so, wie er sein Kelch rugirle. Seine Herrschall war 



1) £p. Caro). 10 ä. 3&6. 

2) t^pit. n a. i3. Hefele (CO. III 8. 664) sieht in dem Kapiiulur 
eine Voi'Ugu Karls (Ut die AacheniT Syouda vun 789, wulcbe die BischUfe 
ano<.'hni6n and zu einer kirdilichen VorsL-hrifE erhütteo sulire». Aber dft 
das äi;lirifistUL'k t^'jriuljiot Ist a:i utunt-s uuL-lustaitiicae pietatia urdioi-a scu 
saüuulnrls putenliac dignilatcs, so ist das ttnmüglicli. l>ie Worte der Bin* 
leilung: C'unsiderHiis . . uda cum sncerdütitrus ei cuDsilinrfis rioattis sdlffen, 
d»98 der £rlii68 als Kesulist einer Verbandlnug, sa der geistliche und 
weltliche (irosse tbr^llDabiueti, tiennclitet sein will. Der Sau: Quaiiruptvr 
et nosiros ad voa (lltezinius tnissu«, lüsst Annuhmen, daae die liüni^lichen 
Sendboteii di-o Erlass an die eiozelaen IJiBchül'e Uberbracbtea. 



I 
I 




- 109 - 

nicht absolut, sio war gesetzrntissio; : wie er liort ad die Volksrcchte 
gcbotiden wai-, so ochlete er sich hier zur Beobachtung der kirch- 
lichen Cie&elzc verpllichtet. Innerhalb dieser Schraukeu hatte seine 
Macht keine Grenze. Atles^ was geschah, ging voo ihm aus: 
er regte neue Einrichtungen au; er traf allgemeingiltige und 
bleibeude, wie einzelne Fälle betreCTeade Anordnungen; er be- 
stimmte das Grosse wie das Kleine^ in allen kirchlichen Ange- 
legenheiten stand die letzte Entscheidung bei ihm. Seine Thätig- 
keit uDispauule alles; sie Vusss keinen Platz für die Herrscbad 
Roms. Deshalb sind direkte KingrifTu liume iu die Leitung der 
deutschen Kirche unter Karl nicht vorgekommen: traf der l'apsL 
eine organisaturisclie fidassregel, so war er vom Künig dazu bu- 
auriragl'); entschied er eine ätreitfruge, so war sie ihm vom 
König zur Entscheidung zugewiesen^). Daraus folgte nicht, dass 
der Eiulluss Roms unter Kurl erlahmte oder dosB das Ansehen 
deH FapsUliums sank. Beides war dailnrch vorlifitet, dass er in 
dem Römischen dos kirchlich Normale sah. Withrend an Herr- 
schaft Rums niclit gedacht wurde, stieg doch der geistige Einfluss 
des PapsUlmnis. 

1d letzterer Hinsicht förderte Karl die zuerst von ßonifatius 
in die frAnkische Kirche verptlanzteti Anschauunf^en. Abgesehen 
davon ftl)er waren sie völlig verschwunden: die Macht des Kaisers 
nber die Kirche war im Reiche Karls dieselbe wie im Stoat der 
Uerowinger die Macht des Königs. 

In welchem Masse die von Karl ausgesprochenen An- 
schauungen herrschend waren, tritt geradezu überraschend darin 
berror, dass die Fremden, welche Karl in seine Umgebung zog, 
seine Stellung innerhalb der Kirche nicht anders ansahen als 
er selbst Wie oft bezeichnete Alkuin Karl als den Schutzer 
der heiligen Kirche: erdachte dabei nicht nur an Schutz gegen 
äussere Feinde, sondern auch an Uehutung vor faUcbei* Lehre*). 
Hit zwei Schwertern lasst er Karl ausgerüstet sein: mit dem 
einen schlage er im Innern der Kirche die falschen Lehren 
nieder, mit dem anderen wehre er der Verwüstung durch die 
Heiden*). Daran fügte sieb sofort ein anderer Gedanke: Karl 



i) Kili«biing Arns zuui Ejsbiscbof (l, n.). 

2} S. 8. tU7 Aiimtirk. 4 uod vgl. Cod. CaroL 68 3. 312 ff. 

3) VgLt. B. ep. 29 8. aiU; 111 8. 463; 1« S. 546. 

4) Ep. 111 S. 4&3. JbIT6 citirt xn dieser Slollu Lc. 22. 38. loh 
twsifele döcb, ob eioc U«2iehutig anzuiteliiu«]! ist (vgl, die Auslegung der 
Siulla ep. 239 S. 761). 



— HO - 

ist der Leiter der Kirche Christi'): er bcsacrt das Schlechl 
stärkt das Gute, erhöht das Heilige, breitet den christlichen 
Olauben aus'): seine Antoritut kann das, was in der Kirche 
niclit zu loben i&t, leicht beseitigen^). Man wandert sieb nicht, 
dass er den KOnig schliesslich geradezu als Priester*^ and 
Prediger') bezeichnet, dass er die Kirche seiner Herrsriiaft 
unteqjeordnet sein lässt"). Kr preist das fränkische Volk glQck- 
lich um seines Herrschers willen: das siegreiche Schwert halte 
er in seiner Rechten, die Posaune der katholischen Predigt 
crtOne von seinen Lippen. Deshalb sei er der neue David; 
denn auch der israelitische König habe die Nationen ringsum 
unterworfen, untor seinem Volke aber sei er der Prediger dea 
götdichen Gesetzes gewesen''). 

Welche Stellung blieb dann ftlr den Papst? Wir wissen, 
wie hoch Alkuin das PHpstthum stellte; aber er halle heine 
Atmung davun, dasa es je zu einenn fiegensalic der geistlichen 
und weltlicheu Macht kommen ktinnc. Der Grund war, dass 
auch er das päpstliche Amt als aiisscliltesslich in der religiösen 
Sphäre beündlich belrachlete. Er em[»fHhI sich einmal Uadnans 
suniierlicher Fürbitte; dabei äusserte er, gewiss hüre der Papst 
nicht auf, Ikglich die ganze Christenheit vnr Qotl zu vertreten 
und besonder» für diejenigeu zu bitten, welche ihn eigens darum 
angingen. Auch er sei durch die Taufe Kigetithum des Hirten, 



1) Bp. 239 S. 763: Dileetiftsime eccIoainroDi Christi dofflnaor «t reotor, 
tuae BaomiAsimue aspieotiae ven«rabile Studium aljos ammonendtiexbortetur, 
alios cABtigandn florrigat, allos vitne dtscipllnis erudiai, üt (vtsDibas omnia 
faiitUB es umnibus iDercedoni bubere [□vrearia perp«tuaiii. Carm, 26 v. 6 S. 24&. 

2) Ep. 78 S, Mi f. 

S) Gp. 239 S. 763; vg]. l&G S. &S4i cariD. 45 v. 42 S. 2&8. 

i) Adv. Elip. I, 16 S. 26: CatHolicitii in (ide, rpt in pnlestat«, pnntifex 
iD praedicAtione, index in aeq'uUI«', pliiluouptiug iti literarum sludiis. 

5) Ep. 29 S.20?; Beatus populiia tali rpctore exaltaiun et tali praMf. 
catüro niuDituB. Die atäriiK« StcMn tat wohl ep. 111 S. 453: Quod uüia 
apostolici patroa süia sortptis in oontJrmatioDcm fidei catliolicae dlr«rs» 
luuuili partitus peTvgerutit, hoo veatra sanutJasloia aolliciiudu iiuplere nuD 
cfissai; vjfl. 119 S. 485. 

6| Ep. 'H'i S, 779: ÜniversaliH eccieaia., qoae Biib . . dominationis 
vesirac imperio conversatur; Vßl. ep. 124 S. bS[: Dum vesirne poieniiae 
glonoBBiD Bublimiutein nun p^ritarae Cfaaldeia flammis Ilieriwalem imperare 
sckt, aed perpetiiae pacia civitatein pretloao SAtiguinc Chrlati eonatraotam 
ngav 3tqiie gubernar«, etc. 

7) Ep. 29 S. 209 f. 



I 



— in — 



»der seine Seeie fur seioeBclmfe dahin^egebeo, und der sie dann 
eni Petrus zur Weide anvertraut habe, indem er ihm zugleich 
die Uacht verlieh, im Flimmel und auf Erden zn tOsen und zu 
binden. Seinen Stellvertreter, so spricht er zu dem Papste, er- 
keoae ich in Dir: Du bist der Krbe wunderbarer Macht. Br 
fährt fort, er sei eines vuu den dem Papste anrertruiilen Scharen, 
aber schwer krank durch seine Sünden; deshalb Icoinme er zu 
ihn), oni geheilt zu werden: durch die ihm von Christo verliehene 
Gewalt DiiLigti er das Band seiner Schuld lösen'). 

Der Papst als der vornehmste Träger des SchLüsselamts 
war fUr Alkuin gewiss ermassen der Repräsentant der gölüiclien 
Gnade auT Erden. Mit diesem Gedanken verband sich leicht 
die Uochslellung der pjlpsttichcti Lchrautoritüt. Leo dem Dritten 
ruft Alkuin zu: Du, der Du den Schlüssel des Himmelreichs 
Irftgst, der Du von dem Lichte, das alle Menschen erleuchtet, 
das Liclit der Weislieit besitzest. Du Hirle der Schafe Christi, 
weide diejenigen, welche Dir übergeben sind, mit dem Bnjie 
des Lebens, den BlUthen der Tugenden^ dem Worte der Predigt'), 
In einem Briefe an die Münche in SUdfrankreicb erklärt er: 
Wer als ein katholischer Christ und nicht als Schismatiker erfunden 
werden will, der folge der bewahrten Autorität der römischen 
Kirche; lasst uns das Vorbild unseres Heils immer da nehmen, 
wober wir im Anfang den katholischen Glauben empfangen 
haben, damit nicht die Glieder von ihrem Haupte geschieden 
werden, damit uns nicht der Himmelspförtner als abtrünnig von 

i seinen Lehren verwerfe 3). 
Von diesen (jedanken ging nun aber Alkuin nicht dazu 
weiter, da£S er ein Recht des Papstes, bindende Vorschriften zu 
erlassen, behauptete: zu befehlen geiiührt dem König. Der Papst 
1) Ep. 32 S. 243; übolicb ^n Leo UL ep. 51 ». 277 ff 
2j Ep. lt& S. 624. WcDo Alkuin dabei sehr Dsclidrllckllct bomerltc 
BiK est opus tuum, bsec Um digniutis tiute, weDn er vor saecnlanB »m- 
bltJonli cupidiiaa warni, so stellt m.iD, daae er das Uebergreifeo des Papstes 
taf da« weltlicb« üi^bict tbonsu onUchitsdea misbilligt«, ala er das der 
Uachöfe verwarf; vgl. cp. 28 S. H)7 : Divisa est poicstas saeoiilnris et putuataa 
tpirilaiil; ill» portal gtadiuu mortis in maoii, ba«c davem vitao in lingua. 
Dm io tvemcrkenswerüier ist, daw er von diesem Grundsalse dem Ktloig 
gcceoUbcr k«in« Anwendung toaclil. L'oler die püpatlich« Lehiautucität 
vgl. ferner cann. 15 S. 238; 38 S. 247; adv. Felic. VII, 14 S. 227. 
9) Ep. 93 S. 391. 



— 113 — 

lierrsolit nur durch sctnc lehren und Ermahnungen '). Hier ist 
die Schranke zwicimn den beidoii Gewalten. 

Niemand wird in Alkuins Aussagen eine reiflich erwogene 
Tticorit? aber weltliche und geistliche Macht Undeo wollen. Sie 
sind Kctlcxe der tliaisach liehen Lage, die ei* im tr&nkischen 
Reiche antraf. Gerade darauf beruht ihr Werth; denn sie zeigen, 
dass ernst gesiimCe Männer die Gewalt, welche Karl in der Kirche 
übte, nicht als drückeud empfanden: sie erkannten sie nur als 
heiUain. 

Andere haben das nicht minder bestimmt ausgesprochen 
als Älkuin. Kiaht in dem Papst, Eoodem in dem Känig sah 
Theodulf vun ürleaua den Stellvertreter dea Petrus: er sprach 
Ton einer Künigsherrschaft Karls flber die Kirche^). Nach der 
Zerstörung des LangobarrEcnreichs richtete oiii Priester, Namens 
Calbwulf, ein Schreiben an Karl, das auf uns gckonnncn ist Da 
iicunt er Um den Sii'-Ilvcrlreter Gottes, dessen Pilicht es sei, alle 
Glieder Gottes zu behüten und zu regiren. In die zweite Reihe 
nach dem Kfiiiig stellt er die Bischüfe, seien sie doch nur Stell- 
vertreter Chrisli. Sein Amt der Kirche gegenüber, hielt er so- 
dann dem Künig ror, sei noch nicht auftgerichtet, wenn er den 
geistlichen Stiftungen reiche Privilegien erlheile, nein, Karl habe 
rechte BischOfe einzusetzen und mit ihnen die Klöster zu regiren. 
Cathwulf hatte ein gewisses Gefühl dafür, dass das Kirchliche 
und das Siaatliche selbststttndige Gebiete sind; es düokte ihn 
ein Frevel, wenn die KEüsler durch Laien, nicht durch ihre geist- 
lichen Lunten rei'urnürt würden: aber io dem Könige dachte er 
das auf den unteren Slufen Getrennte vereinigt*). 

I>ieselbe ilemerkiiug macht man bei Paulinus von Aquileja: 
mit allem Nachdruck erklärte er sieb dagegen, dass Uiscliüre 



1) Caria. 23 v. 17 ff. 3. 247. 

2) Carm. a2 v. 31 ff.: 

faeli habet hie (Petnw) clave», irropri»» te joesit habere, 

'["u regia pocIeBiae. nam regit ille poU. 
Td regia eiiu opes, cK'nini pupaluinquß gubemae 
iiic t« caelicolas dncpt ad iiai^iie rhorua. 
Von Ludwig d. Fr. c»rai. 37 -Str. 3: 

Hie decus Jiidne, ccclesiae patorquQ 
Oroat hau« «i>ller«, recreat, (ovetque, 
Erudit, tnnnrc, colli, inBIruhquo 
Dogmat« largo. 

3) Ep. Carol. 1 S. 337 S. 



- li:i - 



• 



I 



poliliscli Uiättg seien oder zu Felile zögen; darin erblickte er 
eine Uefo Schädigung der KircbeM- Aber ebenso eatschieüeo 
war er der Meinung, dass der ßeruf fies Herrschers sich auch 
auf die Kirche erstrecke'): Geistltchiis und Weltliches dachte er 
wie zwei Gebiete, welche von einem Herrn regirt werden, im 
Öhrigen jedoch sei bs Ist find ig neben einander stellen. Seine An- 
schauung theillen seiue ilalienischeii Auitsgenosseu; am SchtuGse 
des Gutachtens, welches sie auf der Synode vou Frankfurt im 
Jahre 794 abf^aben^ fordern sie Karl zum Kampf wider die Feinde 
des christlichen Namens auf; tror aHein Geräusche der Welt 
mügc die Kirche behütet werden, damit die Priester dem Herrn 
allein dienen und nur in seinem Lager Kriegsdienste leisten 
können. Kümpfe Kart gegen die sichiharcn Feinde Christi, so 
stritten sie mit geistlichen Waffen gegen die unsichtbaren Feinde. 
Karl aber «ei Herr und Vater, KOnig und Priester, alier Christen 
Leiter und Fiihrcr'j. 

Sielleo wir neben diese Aeussei-ungen Fremder die Aussagen 
eines fränkischen Mannes! lui letzten Jahrzehnt der Ilcgicrung 
KarU schrieb der Abt äniaragdus von St. Mibiei iür den Jugend- 
liofaeu Ktiuig Ludwig seinen „Käniglicheu Weg", liier uiabot 
er den Fürsten: Der Eifer utn das Haus des Herrn soll dich 
verzehren; denn in diesem Hause GoUes bist auch ilu ein 
Glied Christi. Siehst du etwas Verkehrtes in der Kirche CbriaU, 
eile, es zu andern; lass nicht ab, es za bessern. Sielist du im 
Hause Gottes einen in Ueppigkeit und Trunkenheit verfallen, 
so hindere, »erbiete., drohe, wenn der Eifer um das Haus Gottes 



1) PauI. ep. I (Mi|n, 99 S. ÜOS (f). ßoin&Eie fläinmtlioho Ülittf. finden 
sieh wieder in dem logflotnotCD Libvll. »acrosyll. iler IcalioDer auf der 
Frankfurt» Syoods. 

2> Vgl. (ItftKirliffibftii der .Synodo vun Forninjulii iSlao». XIII, 829 ff): 
Qbm ouDCt» (die SyDudalltcachlliuH) . . in rcytro dccr<.'vjiiiiia reüorvar« lo 
diclo, qustenu« . . si iiuilina esse dcprqlicodsnlur mumeiitl, vestrao auctnri- 
tstla ceasara pealliu aboliu snpiatitur; bI ver» aljciiiut fürtasie luililatia . . 
pMeruBt approbari, vettria fiilciia fortlut adiiitueutis vtvnoiter coDvalascant 
8, 832: NamiDem aliiim (alo Karli arbitrati aunc e. ecoiesiam de illalis 
iainrii« lam potCDtiBsicDC quam regali aniiuadversiunu ulcJBci, viuartam ab 
•u vicissitudiois expeieos cdruiD; ui qat'ODadmodiiin illa eum et in praeae&tl 
laecnlo etiatrr lieltaapiriCüaljbusDon ceaaat corun^rvtriuiopbls. ei vuelcati 
rtcBO . . participoiD fieri imprecaitir, ita ut ille priiinipaleui adeptus pulen- 
liaa et ab inimiota ela« valcnter eam dcfender« et de boaiibua elaa 
aon deainat vindicar«. 

3) Hans. Xin, 863. 

n aacfc, KIrcbmatMAJcblc Uculaclilaitüi. (I. a 



— 1!2 — 

herrscht nur durch seine Lehren und Ermahnungen*)* Q>cr ist 
die Sehranke zwichen den beiden Gewallcn. 

Kiemand wird in Alkuins Aussagen eine reiHich erwogene 
Theorie über weltliche und geistliche Macht ündea wollen. Sie 
sind liellexe der thatsiic blichen Lage, die er im fränkiscben 
Keiche antrar. Gerade darauf beruht ihr Werth; denn sie zeigen, 
dass ernst gesinnte Männer die Gewalt, welche Kar] iu der Kirche 
übte, nicht als druckend empfanden: sie erkannton sie nur als 
heilsam. 

Andere haben das nicht minder bestimuit ausgesprochen 
als Alkuin. Nicht in dem Papat, sondern in dem König sah 
Tlieoduir von Orleans den Stellvertreter des Petrus: er sprach 
von einer Künigsherrschaft Karls über die Kirche"). Nach der 
Zerstörung des Langobardenreichs richtete ein Priester, Namena 
Cathwulf, ein Schreiben ati Karl, das auf uns gekommen ist. Da 
nennt er ihn den Stcllverircter Qottes, dessen Pflicht es sei, alle 
Glieder GDites zu behüten und zu regiren. In die zweite Reihe 
nach dem König stellt er die Bi&chüfe, seien sie doch nur Stell- 
vertreter Christi. Sein Amt der Kirche gegenüber, hielt er so- 
dann dem König ror, sei noch nicht auKgericfatel, wenn er den 
geistlii'iieii äliftuiigei) reiche Privilegien ertheile, nein, Karl habe 
reclile Bischüic einzuect^en und mit ihnen die Klöster zu regiren. 
Cuthwuir hatte ein gewisses Gefühl dafür, dass das Kirchliuhe 
und das Staatliche eelbstständige Gebiete sUu\; es dthikte ihn 
ein Krevel, wenn die Klöster durch Laien, nicht durcli ihre geist- 
lichen Hirten rerormirt wltrden: aber in dem Könige dachte er 
das auf den unteren Stufen Getrennte vereinigt'). 

iJicselbe Bemerkung maclit man bei Pnuliaus von Aquileja: 
mit allem Nachdruck erklü,rte er sich dagegen, dass BischAfe 



1) Cttui. 28 V. 17 ff. S. 247. 

2) Capcn. 32 v. Ü ff.; 

CaeLi bnbH bk (Petrus) claves, proprlan te jnaftit habere, 

Tu rcgiB vcciesiftu, Dstu regit iUu pull. 
Tn rf^gie eiiin o|ifift. cl^riim )>n|iu)um(|Ue g'ubemaa 
Hie tEi «aelictilaa üucci ad uaquo choros. 
Von Ludwig d. Fr. carm. 37 Str. 3: 

Ijic dvoua Jiidsc. ecc]«Bl>c psterque 
Ornat hanc eol)«rs, rccrear, fovetque, 
EiudEt, iiiDuIt. colic, hisiniiKiUG 
DOK'J»!« largo. 

3) Ep. CoTtil. 1 S. 33? ff. 



— 113 - 



I 



t 



poUtiscU (liätig »eien oder zu Felde zögeo; darin erblickte er 
eiae tiefe Sclmdiguiig der Kirche*). Aber ebenso entschieden 
war er der Meinung, dass der Keruf des Herrschers siel) auch 
auf die Kirche erstrecke^): Geisthclies und Welthchos dachte er 
wie %wei Gebiete > welche von einem Herrn regirt worden, im 
abrigcn jedoch selbst« tündi^ neben einander stehen. Seine An- 
•ehaunng llieilten seine Üulieniscben Amlsgenosseo; am Schlüsse 
des Gutachtens, welches sie auf der Synode ron Frankfurt im 
Jahre 794 abgaben, fordern sie Karl 7.utn Kampf wider die Feinde 
dcB cbrisUtclicn Namerts auf; vor aliein Geräusche der Welt 
möge die Kirche behütet werden, damit die Priester dem Herrn 
allein dienen und nur in seinem Lager KrIegsdienAle leisten 
können. Kämpfe Karl gegen die sichtbaren Feinde Cliristi, so 
stril4«n sie mit geistliclien Waffen gegen die unsichtbaren Feinde- 
Karl aber sei Herr und Vater, Küoig und Priester, aller Christen 
Leit«r und Führer^). 

Stellen wir neben diese Aeusseraogen Fremder die Auesagen 
eines fnknkischen UHiines! Im letzten .Ialir/.cluit der Kegicrung 
Karls schrieb iler Abt Smaragthis v«n St. Mibict für den jugend- 
lichen König Ludwig seinen „Königlichen Weg". Hier malmt 
«r den Pürtstcn: Der Eifer um da.s Haus des Herrn soll dich 
verechren: denn in diesem Hause Gottes bist auch rlu ein 
Glied Christi. Siebst du etwas Verkehrtes in der Kirche Christi, 
eiles BS tu ändern; lass nicht ab, es 7.1.1 bessern. Siehst du im 
Haote Gottes einen in üeppigkeit und Trunkenheit verfallen, 
•0 hindere, verbiete, drohe, weua der Eifer um das Haus Gottes 



1) Paul. cp. I iMi^n. 9'.) S. bOi S)- Ueinahe aäuiaitlicb« Sfiuo finden 
ich wieder in dein logensoDteo Llbell, sacrosyll. dtr Italioner xut der 
rrtakfnrtrr Synode. 

2) Vgl- »Jaa Schreiben der Synode von Foniinjulil (Mana. Xtll, 8'JVi ff.): 
Qnae etioeta (die Synodal bcarlilliisc) . . in vi-siro docrevimiia resifrvare ia 
dido, quateauj . . si nuUina Bsse (IcprebcDdanlur inoiudoü. vcslrae aitctori- 
tatia ceosora (»eititus aboliu sopiAolur; ai vero ab'ciiiii) fuiinsae uiiliiatjs . . 
poteroAt appruliart, vealris fulciia furtiiis adiamecitis vivacllor coDvalescant, 
8.832: Naminem aliiitn (»U Karii arbitraii sunt a. eccl«aiaiu d« iltaiis 
iaiDTÜB tarn potcolissinio quam regali unimadveraio'ne nlclscl. vjcariain ab 
M rielsaiiiidlnia txpeions ciiram; ut qnemadiDodiiui illaeiim et io pracBenti 
■aeculg et ist« bellaapirilualibuaDou vessat corunaretriumphla, et coelesti 
ngao , . partleipcm tieri iniprecatur, ica et ilie priiicipaltfoi adeptua putun- 
liatD et ab Inioicis ciu vatetuier cam dcfvader« nt d« hoBtibua eiu« . . 
Don deainat viodlcarc. 

3) Uaos. Xni. 663. 

Baoek, Kiri-bvDltMcblttl« DcnlHUuiil. II. S 




Drittes Kapitel. 

Theologie und Literatur. 



Pippin hat die von Bnuifatius begonn&DB Reform der fräii- 
kisohcn Kirche gefordert, indem er die Äussere Ordnung in den 
kirphlirlicti Dingen, so weit es anging, wicdorherötellte, Karl 
fuhr darin fort; alier er hescliränkte sich nicht darauf : er af beilele 
an der inneren Erneiiui-ung der Kirche. Das wichtigste Mittel, 
dessen er sich bediente, war die Pflege der Theologie'). 

Als Karl die Regirung antrat, war die fracikische Kirche 
vollstündig theologieEos; es fehlte alles, was auch nur entfernt 
auf den Kamen wissenschaClIicUer Tliüti(j;keit Ao&ijruch machen 
kotniLe. In diesem Punkte war der Unterschied zwischen Eng 
land und DeuLsuliIand immens. Als er starb, wai' der Vorsprung 
Knglands nicht nur verschwunden: England «ar Überholt: nun 
deckte sich fränkische Theologie und ahendLlindische Theologie 
überhaupt. Uass es dazu kam, ist Karls Werk : es ist das (jrüssle, 
Keinsle, was er für die Kirrhc gcteistet hat. 

Er war dabei ganz original. .Ms l'clitikcr hatte er seinen 
Vater zum Vorbilde; ohne den Riss zu vcründern, haute er auf 
dem von ihm gelegten Grunde weiter. Auch als Peldhcrr ist er 
in die Schule Pippins gegangen; wie das kriegerische Talent in 



1) UsD vergleiche 7.ti diesem Kapitel, abgosehen von der Spciial* 
lireratiir: BXhr, Upscliicbte dei' rüinittlittn LitefAtur itn kAVolin mischen Zeil- 
alter (Karlaruhe 1S4U); Kttert, Allgeroeinn Utisiibi'ufata der Literatur des 
Uiltelxllera im AbendUnde i2. Bd., Leipzig 1S80); Wstronbaeb, CQ. I 
S. 1-42 ff.; Werner, AIcuin und seia Jahrlitiodcrt [Wien ISSlj. 




- 117 — 



i 



der Familie Aroulfs von Metz erblicb war, so gewiss auch eine 
A&rat^l^isehe Tradition. Dagegen fanden die Interessen der Kultur 
kiei l'ippin wenig Pflege. Zwar hören wir, das« ilim ein Mann 
ie ijer Kelle Virgil wegen seiner Gelehrsamkeit werth war'); 
ber er schützte au ihm wohl voruehiiilich die Selbstständigkeit 
er Gedanken, die ausser der ll^gei gingen. Denn sonst über- 
ew er die Gelehrten sich selbst. Von seines Vaters Tagen her 
estaud am Hufe eine Schule'): dort lehrte man diejenigen 
l^enotnisse, welche für die Bildung der Prinzen und der Söhne 
«Jer Arislokratie als unerlüssUch galten'^}. Aber dieAufeicht Über 
<Jie Schule lag in den Eländen der Königin'), Pippin nahm sich 
viieht darum an. Auch die Sorge für die Aufzoichnurig seiner 
"^Ualen überliess er anderen, seinem Oheim Hildehrand und 
seiueni Vetter Nibelung*}. 

In jener ächule wurde Karl unterrichtet'); schwerlich wurde 



1) Canv. ßogoar. 2 (U. G. Scr. Xl S. 6). 

2) Unter Karl Kartell war der spätere Abt Gregor von litj-«c)it SnhUlcr 
der Uofsebiile (V. Üng. 3 S. 791). 

3) V. Wal. I, & A. 442 (Mab.): Fuit apiicro inter lirocinia palalii tibera* 
llbni »aDcipatua sludiis. Der Verfaseof der V. WtIL>. Vital trciueii Uvlilcn c. 3 
S. 70 disoiplinis liberaliboa, liieris divinis ac divcrsis ptiilosophorciiii duclrioia, 
nt prit DiariB tieri de prioclpnm filüs umcrricbtec werdun. Das war untvr 
[^ppio, übrigen» nicht nn der Dofschulc. Man darf wohl auch aun Cod. 
Carol. 2t S. 101 auf di« Lehrii^egensu^nde ao der Hufacbiile schllessen; 
kier tcbreibt Panl I. »n l'ippin: Uiruximui . praecellentlao vosirse et 
libros, quanioa reperire potBimui: id e»t anlJphoDale et responsale, Euarmol 
axteot graiDBticam, Ariitolia (aicl), Uiotiiait Artopagitis, ccomctricam, ortho- 
gnflacD, ({TAmmsücatD , omnes Greco eloquio icrlptas. Wenn Pa«chuiua 
Radb«rt die deutcche itilduug Adalbards utid Wnlaa hervorhebt (V. Adal.77 
S.632; V. Wal. I, 1 S. 5äS), eo dient auob dies zur Char^hteriatik der tlof- 
icbule anler t'ippio. 

4) V. BeDed. 4 H. 186: Dio . . filium auutn in aiiU glunuai Pippint 
regia retinae tnUli<]it iuter acbolarea nitlriendum. 

fi) Fr«de£. com. 117. 

«) V. Adalb. 7 S. &26; Ale. adv. Klip. I, 16 S. 3&t. E« iat herktimm- 
lf«h, diese Angaben als stark Übertrieben zu biibandcla (vgl. z. B, Abel. 
J.B. S. 2t J. leb l>ezw«i(ele nicht, (bian der Zustand der Höfschulc unter 
PipplDi verglichen mit dem unter Karl, viel zu wUaschea Übrig lieas. Doch 
beweUni die Anmerk. '.i b«tgebrachten Notizen, daaa von einer Art wiasen- 
schaftlleber Colerweisiin^, wisaenBcharitich iiAtlir1I(.'b in Sinne dea 8. .lahr- 
bimders, KoriKlet werden k^ini. Jedeiifalla darf man auf djo Nachri'Cbt, 
dase Karl nicht schreibün kunntu, »o gruanca Gi'wicht iik-bt legen, wie 
(ewÖbulicb i^eachieht. M:«u inuas erwägen, dniis dsA Schreiben eioe Kuuat 




— 118 - 

sie ihm den Wertb des Wissens für die metiBctiltche Getnein- 
scbaft erschlossen haben, wenn nicht ein angeborenes Bildungs* 
bodürrnis in ihm gelebt hatte. Seinen Zeitgenossen fiel sein 
nnersällllcher WjsBcnsdural auf'}; er geborte io derXhat za den 
Metischen, welchen das Unverstandene löstig ist: mochte es sich 
um Namen handeln, welche jedermann gedankenlns gebrauchte^ 
da sie alUkberliefert waren'), oder um Erscheinungen, welche 
das Zeitalter als nnheinilich anstaunte, da sie aussergewObnlich 
waren'): Karl wollte darüher unterrichtet sein. Weil ihm das 
Wissen Befriedigung gewJibrte, scliUtzle er es als nothweudig 
fUr die Allgemeinheit, Besonders ftir die Ausrichtung des kirch- 
liclien Rernfs dflnklc ihn ein gewisses Mass theologischer Bildung 
UDcrlüsslich. Dies Urlheil ist ihm nicht erst erwachsen, als er 
durch die Eroberung Italiens tu Berührung mit Männern bam, 
welche an Bitdung die Franken seiner Umgebung tiberraglen*). 
Es stand ihm bereits fest, als er den Thron bestieg. Schon io 
seinem erslen Kapitulare') verfugte er, dass ungebildete Priester 
80 lange zu suspendircn seien, bis sie die Lücken ihres Wissens 
ausgefüllt tiiiiteu. Weigerten sie sich dessen, so sollten sie ab- 
gesetzt werden: denn die das Gesetz Gottes nicht verstehen, 
seien auch nicht im Staude, es anderen zu predigen *). In den 
meisten Vorschriften dieser Verordnung sind ältere Uestimmungea 
wiederholt; die angeführten Satze dagegen haben kein Vorbild: 
sie enthalten eigene Gedanken des Jungen Königs. 

Aber im fränkischen Reiche fehlten ihm die Männer, deren 
er zur Verwirklichung seiner Ideen bedurfte. Er mnssle sie in 



war iiad dxB« mau deshalb gaot ailgcmofD tu dikUren p)l«gt«. I>aa Ibiten 
Männer, die «elbat schreiben kgnnleo, wie Ä]kuin(ep. 147 ä. bbS). Benedikt 
viin AniiD^ <V. ßea. Sl S. 2U5). eelbit ein Jim^r Manch wie Cnndfdui 
voa FuIiIh (V. Cigil. 1 S. 217) udrr der spüiore Biachof Lal vod Mudk 
[UoDif. et Lul. ep. 111 S. 274: Propda nanu icripii hacc: Observa qnae 
precEpiaotur et salvas »m). 

1) V. Ale. ß S. 17. 

3) Difl Natuea <ier Sonntage vur Ostern (Ale. ep. 96 S. ASS). 

3) Sonnenfinsleriii« (pp. Cami. 30 S. 397). 

4) 8o Bahr, (SehcIi. d. r(>m. Lit. H. 11; Eben. Q. d. L d. M.A. 11 S. 4. 
a>) Die Zeit des «raten Kapittilars, das Karl erlJeaa (Üap. 19 K. 44), 

sieht tiic^ht fest; doch vorlpi;! man ob sltfteineio iti die erHteti Jahre aeiner 
B«KieranK {769 oder 770); ao Abel, J.B. S. 68. Boretiiis s. 44. MHhlbacher 
Nr. 136. Die Kcbtlieii iai von .Simson in der 2. Anfla|;e vnn Abels .I.E. bc- 
zweifolt (S. 667 S.). doch ^ibt er selbst aeineuj i^wiiird keioe praktiaobe Folg«. 

6) a 16 r. s. 46. 




der Fremde suclicn; es gelang ihtii rasch, einen Kreis roD ge- 
lehrten Ausländern um sich zu saitiuielu , die vorü hergehend 
oder dauernd sich aui Uoft auDiieUeu. Durch sie ist die Uieo- 
Ingitcfae Wissenschaft im rräukischen Reiche lieitnisch geworden. 
Vornehmlich waren es Angelsachsen: es ist der zweite Dienst, 
welchen die englische Kirclie der deutsühen seit der Landung 
des Roaifatius leistete: nacli dem Keforinator sandte sie ihr die 
Gelehrten. Der hervurrH^etidsle Maun war Alkuin'). Im Miirz 
7ÖI traf Karl in Farma mit ihm /usan)men'''): eine zuftillige Tie- 
gfrgnuog, welche die weittrage udsteo Kolgen hatte. Ocnn in ihm 
erkannte der Knnig den Mann, der ihm nOthip; war. Alkulo 
Btanii damals im kruftigsten Manncsalter: er ist, wie maa an- 
nimmt, Dm 7:15 geboren ^). Wie hei so vielen kirchlichen Männern 



. 



1) Aloaloi opp. ed., Froboniiis (Kegeoeburg 1777). Ich cJtiro nach ilem 
Nsobdnicke lK>t HlKneiOO ud<1 101. Watlcntuch und DQmtDler, Monumcnta 
Alcnlnlina (HerHn l.'t73), hier diu Biographie Alknins.dAa lj'bf>nWi]librorda, 
das Gedieht aber diu Heiliguu diT Voik«r Kircbe und dio Briefe. Die 
0«dicbU io doD Potst lAt- 1 S. 160 ff. Uficfe und Uedicbte aind uacb 
dlesea Aiugabeo citirt. Uisiiatatio de rboloricA et dtt victiil. in: Kbclur. Ist. 
iiiio.( ed. Ilaln tLcipzig lB&3)i Üiip. Fipp. cum Albino in Z«Et»chr. f. 
deataebn Altenti. S. F. U. — LorcDts, Alliiiüis Utbc-u (1>>29}i BXbr a. a. 0. 
S. 302; Wattenbarb A. a. 0. S. (50 ff.; Werner a. a. 0. 8. 22 IT,; Kb<rrt 
a. a. 0. 3. 12 tt.; Dtimtulera Arlik«! in der Allg. dcuiauheci Biijftrapbio und 
Mtfllsrs Artikel in der F. R.H.; SIctcE^I, Wienot gitzungsberiohto Bd. 79 
(1875) a 46t ff. 

2) V. Ale. 6 S. 17. IJeber die Biographie Atkiiina a. Waftenbaeh. 
n.Q. I $. 154. Ibr Verfasser schreibt auf Rruud der Encühlungon des 
IwrelU verstorbenen Sigiilf (Velulua; ill>er ihn a. u.). Ibr Werlh wird be- 
etoträchtigt nicht nur durch die Tondeuz dea Verfassers, Eo Alktiin vor 
»Ilem einen Mnilenn(}nch xd zeichnen, aondern auch durch willkltrlii;he 
Wiedernnlif dea rebcrlleferlen; doftlr Ist C- '.> (vgl. mit cp. 140 S. 54t) 
cb:u»kter)»tiech (s. n. S. 122 Aoicerk. ä). Sind die Angsbeo dea Bio- 
pTiphen richtig, dnas Alknin von Eanbald von York (778—7961 nach Rom 
gnandt wurde und ämt er in Parma niii Kftrl zusamnienlraf - was wir 
Jedoch Dicht kontrolllren ktfnncn — , ao fand claaZuBiit&Diciitrefren im MXrz 
761 autti denn damals verweilte Karl io der geoanoteD Stadt [Böhmer- 
HOblbAcher 226). 

3) Das Jahr Tib beruht auf Anuahnie. Sicher ist nur, daas Alkuin 
an daa Jabr 7fö, al* Lindger noth York kam (s. ii), boroita Lehrer an 
der Schule nar (V. Uudg. I, 10 S. 407). Im Jahre 801 spricht er vun sich als 
einfoi Üreiae: Mc lacilo pcdc cnrva aenectui testinarc cogit ad praes^ntiam 
jadicla mel («p. 166 S. 608). 





dieser Zeit ist sein Geschlecht rergesaeoM. Das Kloster ioTork 
war »eine Heinialh; dort erwuchs er vom Knaben zum Jttn^ltDg 
and Manne. Die Pietät der Krinncrung ftihrte die Ciedanken de« 
Greises nicht darüber zurück sum Ellecnhause')- Was ihm da« 
Kloster bot, zeigte seine S[ifitere Thüligkeit: ein gewisses Mass 
universtUer Üildung, hestimmt, in den Dienst der Theologie, der 
Frömmigkeit zu treten. Nur das nidnchische VorurthciJ seines 
Hiugraphen weiss von einem Zwiespalt zwiEchen der klassischen 
Gelehrsuinkeil, welche mau in York plle^te, und den religiösen 
Zielen, zu denen mau sich bekannte'). Alkuin selbst war so 
gUl(iklii.'li , diesen Konilikt niemals zu om[iliii(ien. Obgleich er 
als das Beste, das er den Brildern in York verdankte, die Untt^r- 
weisung in den heiligen Wissenschaften betrachtete*), wurde er 
nie irre in dcv Freude an dem weltliclien Wissen, das er boi 
Urnen erworben hatte. 

Die Lehrer in York waren Männer aus der Schule Bedaa: 
treulich hielten sie die Richtung inne, welche der grosse Prü- 
ceplor Angliae den Studien gegeben hatte. So war es zwar ein 
Irrthum, über es hatte doch ein sachliches Hecht, wenn man in 
Deutschland Alkuin als Schüler Bedas betrachtete*). Au der 
Spiize der Schule stand Erzbiscliof Ekbert; bewundernd blickte 
Alkuin auf die fürstliche Art seines bischöflichen Regiments*); 
aber persönlich scheint er dein Königssohne nicht nUher getreten 
zu sein: auch diu Bewunderung kann ferne hatten. Dagegen 
war er auf das innigste verbunden mit Aetbert, Rkbcrts Gehilfen 
und Nachrolger'). Er ist sein geliebter Meister"); alles Lob, 
das man einem Manne crtheilen kann'}, knüpfte er an «einen 
Namen. Das war nicht der verzeihliche Irrthum des bewundcrn- 



1) Seine Verwindtschart mit Willibrurd erwähnt er selbst Vit. Willlbr. 1 
8. 41. 

2) Vgl. up. Zi 8. 2-19. Dags Alkula Möticb, nicht KaDOnikor var, be- 
weiit eingehoad Usbülou, A. S. IV, I ü. VM> ff. 

3) V. Ale. 1 S. 6 I'. Hier wird crsühlc, das» ein nScbtIicber Spuk 
deu Knaben von seiuer verkehrten Liebe xu Virgil beilU. 

4) Ep. ;)4 S 249. 

b) Honach S»Dgall. I. 2 8. 632. 

6) Heber ihn Do «anul. Kubor. occL v. 1247 ff.; Vit. Ale. 2 8. 9. 
Sein ToilcsJAhr 76G bei deui CoutJu. Bed.j der Tag (19. NovemW) Vit. 
Ale 4 ». 13. 

7) Vgl. übst ihn Uato, B. und L S. 300 ff. 
fl) Ep. 72 S. 331- Vgl. cariD. 2 S. 206. 
9) De »anct. Eubvr. eocl y. 1397 ff. 



— 121 — 



den ScbQlers in der Beartheilung des Lehrers, Denn Aelbort 
überragte wirklich das gewöhnlichß Mass. Kr wer ausgezeichnet 
durch Vielseitigkeit des Wissens: neben dem Allen und Neuen 
Teslamente lehrte er Grammatik, Rhetorik und Metrik, dazu die 
WUseoschaft des Rechts und der Natur'): noch kounte man 
wähnen, dass es dem einzelnen möglich sei, alle Zweige der 
mensch liehe II Erkenntnis gleictimässig zu beherrschen. Dazu war 
Aelbert eine rastlos vorwärts drängende Natur: die Summe voo 
Keantoissen . welche er besaes, genügte ihm nicht. Mehrmals 
besuchte er den Kontinent in der Absicht, die literahecben 
Sctifltie Yorks zo ei^nzen und zu vermehren'). Bald wurde 
Alkain sein Begleiter auf diesen Forschunj»sri-i8en. Er war noch 
dn JüDgling, als er im Gefolge seines Lehrers Rom zum ersten 
Haie sah'); in Pavia lernte er damals jenen Petras von Pisa 
kennen, der später am Hofe Karls Grammatik lehrte^]. Die 
Reise nach Italien führte durch das firüokisclie Reich; man 
wnrde hier anf den jungen Gelehrten aufmerksam. Es ist nicht 
EU bezwetfehi, dass er in Berührung mit «1 cm Hofe kam'''); Karl 
hat ihn in Tarina nicht zum ersten Male gesehen. In diesem 
oder jenem fränkischen Kloster genoss er die herkömmliche 
Gastfreundschaft: den Aht Wnlfhard von St. Martin in Tours 
aannte er Kreund; er erinnerte ihn, noch von York aus, an ein 



1) L. c. V. 1-131 ff. 

2) L. c V. 1453 ff. 

3) Ep. 11^ S. 4&d (vgl. 9fi S. Sf)9). Duas Alkuln als Lcbror eipzelae 
Scfafilar Dscb Rom uadle, bezeugt Vit. Liudg. l, \2 S. iOÜ. 

4} Ep. 112 S. 4äS. Er w;ir Zeuge eiucs ätrekgespräcbi swEBob«D 
PetoiM uDd einem Juden Nameni Luitus. 

b) V. Alo. 6 S. 17. Diece Nacbricbt wird bcBlütigl diircb carm, 4 
ä. 220 ff. leb l&juc dnbingestelU , ob das ticdioht iu dtu Jftbr 78o tüllt, 
wie FrobenluB sontbui; jedenfalls ist v« geschrieben, ehe Alktiio iu Karls 
Dieaste trat. Eb«m ADDthme (L d. M.A. U S. ;jü), dua Gedicht gebüre 
Ib das Jahr 790, ISsst sieb niclil festlialti^n , dn Alberich, welcher v. 6 als 
l«bead «rwjibnt »Hrd, bereils 784 stsrb (Ann. Modell, z. d. J„ M. G. Scr. X Vi, 
497}. Ist es richtig, dass Beaorad um 77& Abc von pjchternach wurde. 
iD tat damit diu iJatum gpgetiea, n.ich dem das Golicht gMchriebeo a«in 
iDius. Die Annabmc JaflAs zd ep. l S. 14-i, Alkoin sei ideDtisob mit 
dem Vit. Uadr. 36 geaaunieD Albuiuu» dcüoiosus ipsius regia, ist, obwohl 
von Unebesne in der Anmerkung ^- d. a St. gebilligt, acbwerlich richtig. 
Ua Alkoin siebet oacb dem Bikklrllt Aelbert« i77ä) Id York letirte, wie 
bJht« er s«bou 773 ein V'erliauter KarU sfin sollonV Aiti dorn NatneQ 
allfila liUst sich oiehta schUesMn ; denn der Name Alblnus kommt in dieser 
Zeit Öfters vor. 



— 122 - 

früheres Zusaaimenlrefieii*). Gerne weilte er in Murbacli; dorl 
war es ihm wohl; er hütte eia Glied der KongregatiOQ sein 
mögen*). 

Prühzcitig erhielt Alkuin die Diakoneiiwcitie*), die eiosige 
kircittielie Würde, die ihm je zu Theil ward. E)r strebte nicht 
weiter; seine LebensauTgabe fand er im wiseenschaftlichen Unter- 
richt, Als Aelbert im Jahre 778 auf aeiue Aemter ferztcbtetc, 
Obertrug er ihm denn auch die Leitno^ der Yorker Schule und 
die Verwaltung der Riblioihelc *) Nach einigen Juhreti trat er, 
wie erwähnt, in die Dienste Karls, Man muss in England die 
Reg)rung«ma.s8rcgeln des frünkischeo Königs mit dem 1^- 
hallesten Interesse verfnlgt haben: es ist Alkuin vorausgesagt 
worden, dass das I^ben ihn schliesslich in das Frankenreich 
fuhren werde'). Anfangs dachte er nicht, sich für immer za 
binden*); er hat auch wirklich die Jahre 790—793 wieder in 
England zugebracht'); aber das war doch nur eine Unterbrechung 
seiner frftnkischen Thäligkeit»), nicht eine Rückkehr zur Wirk- 
samkeit in England. Seitdem ist er der neuen Heimalh treu 



1} Ep. 1 8. 144 f. 

2) Ep. 'i<39 8. 635. Ot> der ßesach Murbnclia mit d«T Bomreise sa- 
e;miQ<3tinLlll. wie Abel J.B. S. 391 und DilLiini]«r na ep. 269 8. 835 
Atinrlimeii, lassi' ich dabinseBlellt: man kana «0 wvdiir bawHseD Doch 
widerletfCD. 

3) V. Ak. !} 3. 15. 

4) De«anc^ Riibnr. ecci. v. 1&25 ff. (v^l. ep. 72 S.ilSt). Aelberr starb 
780 (Ann. Liiidisf. a. d. J.) aa» 8. Nov^miber (Vit. Alu. r, S, 16). D« er 
awei Jährt! vorher aein Amt njudorf^elegt hätte (v. 1!S64 f.), so ergibt sich 
die angegebene Zahl. Unrtcliti); Ut Wemers An)rnbe (Alcnin und sein 
.TahrlKiodflrt S. 10 1, Aliktiin habe achon im Jahre 7G(i die Leltnng der 
Schule iil)«ruoiunien («. Kbeil, !•■(. d, M.A. i^. 13). 

5) Ep. 11f> S, S4I : Divina «t orirdo jahentB ilispetiH-iHoiiu ;id . . Carolum 
rocaruB adveoi: Biciit mihi quidaui ititDclivsiinitB vir [)iop)ieciae((UC epiritu 
pracditiia Oel eaeu vulutitaictn in mr^n praedfxcrat pHtrla. Dass der hier 
KrwäfaDte nicht Aelhen war, seijit «ins Folgende. Die Biographie Alkoiai 
«irrt c. t 8, 16 d[<' Angabeo fat^Joander. 

6) V. Ale. 6 S 17. 

7 L. 0. S. 18, Ueber die Zerft-ltrfniBSe xwiscbon Karl and König OfFi 
von Mercia, mit denen Alkiiina Bücltkolir Eusainmptihnojfl, a, Simaon, J.B. 
8. 7 fr. Ep. 1-4 und 15 achrieb Alkuin vom Koniineorn ans; dagegen 16—18 
und 20 von RDgland an Freunde im frSnkischca ücicbi ep. 2Ü vom Sommer 
793 ist wieder von hier ans gpschrißbi^n. 

8) Daes AlkuiD von ÄofanK an die Atulcbt hatte, surUckmkebreD, 
zeigt ep. 16 S. 170. 




- 123 — 



H 



geblieben. Karl staltete ihn mit den Abteien Ferriäres und 
t. Lupus ia Trnyes aus*); im Jabre 796 erhielt er ausserdem 
1 Marlin in Tour«, eine der reichsten Abteien Frankreichs'). 
Aber der äussere Ulanz hat ihn nicht gefesselt. Ks lug ihm 
daran, keinen Irrlhum über die Motive aurkoinmen zu lasecit, 
^reiche ihn ia das frtinkisütie Reich fdhrlet): naohdrlirklicb hat 
er versichert, dass ihn nur der Oedanke an das Wohl der Kirche 
bewogen habe') Er war glücklich, denn es war ihm vergännt, 
sn schauen, welche rcichhcho Frucht seine und seiner Genossen 
Arbeit trug. Die Freude über diese Erfolge wird ihn zum 
Franken gemacht haben'); denn leicht wurzelt man da ein, 
-wo man Empfänglichkeit für die eigenen Lebensziele findet. 
Das kleine Städtlein Tours ^) wurde ihm zur IIcimBth: Karl 
«pottecc wohl des Krcundes, den die russigen Dächer Tours* 
scbüner dnnktcn als die goldenen Zinnen Roms'). Er aber 
meinte den König darüber bedauern üu müssen, dass die Zwie- 
tracht Roms ibn uöihige, die lieblichen Stütten Deutschlands zu 
Terlassea ^). Dem alten Vaterlande wurde er nach und nach 
fremd: was er von den englischen Verhältnissen hörte, stiess 
ihn ab: er war sich klar darüber, dass er nicht zurück kehren 
könne; er hätte nicht mehr dorthin gepasst*-). Kinmal dachte 
er daran, in Fulda den Rest seines Lebens zuzubringen'). Hat 
ihn der Gedanke an Bonifatius dorthin gesogen ? Denn in einem 
Brief au die Fulder Mönche nennt er ihn .^unseren" Vater, 



I 



1) Vit Ale. 6 S. 17. 

2) L. 0. 3. 18; vgl. cp. 58 S. *^9I. Nach der »ngelUhrten älalle dar 
IttogrApbie «rbJelc Alkiiin noch andere KISsier. JafTA (.S. 18 Aametk. i) 
Kclinel üuu KliviKtti unter Vcrweisuog aaf M. G. Scr. Vlll, 3b2 uod &02. 
leb vednatlie , dass Alkutn auch Leiter des Ktoaters Berg hei Koerruiind 
war (vgl. earm. 31 v. 9 9. 249). 

3) Ep- 35 S. 255; vgl adv. Elfp. ], 16. 

4) Auoli 790 von England aiia nennt er Kart .nnsurea Kilnig" (ep. 16 
8. 170). 

b\ Vit. Willibr. 1. 32 S. 62: .Uiirie par^-uU. et diApeutibiliii.'' 

6) Ep. 1 19 S. 487. 

?) L. c: ,G dulclbufl Oennaniae sedibua.* 

8) Ep. 36 H. 256 wil<i«ht er England vor scinein Tode noch einmal 
tv MbeD. Dagegen ep. &8 8. 291 aus d. J. 79f>: MoliuB vinutn cet mihi, . . 
ta peregrioatioDe pennanero; ccacienn, quid fecisscm iutvr eoa, luier quos 
onlloa •ecniiis vel In aliquo aaluliri consilto proftcere pote«t. Ep.ö9 8.294: 
Bercrti timco. 

9) Tit. Aic. 8 8. 19; vgl. op. 170 8. 61N 




- 124 - 

auf dessen KürbiUe er grosses Vertrauen setze'). Schliesslich 
galleo die Lebenden ihm doch mehr als die Todten; auf Karls 
Wunsch ging er statt nacti Fulda nach Toiira*), Im Alter er- 
blindet, lioss ersieh von der Leitung «eines Klosters entbindui*}; 
er starb am l9. Mai 804*). 

Alkiiin war zum Gelehrten geschaffen. Die Existenz, welche 
ihm erfreulich schien, schildert er anschaulich in einem Brief an 
einen in Italien weilenden Schiller: „Deine Abwesenheit ist frir 
mich eine grosse Last. wie war das Leben süsse, al« wir 
ungestört an den Schreinen sassen. welche den Weisen erfreueo« 
zwischeti üeu Reihen der Bücher, vor den ehrwürdigen Aus- 
sprüchen der Vüter: da fehlte nichts, was für frontines Leben 
und Studium der Weisheit erftirderUch ist"* *). Es war ihm 
heimlich in der Ei^nge und Stille dos Klosters. Unter seinen 
vielen Gedichten*) ist eines der wenigen, die man gerne liest, 
das an seine Zelle: sie liegt Ter8t,eckt in einem Walde von Obst- 
bäumen, ringsum Gürten voll Blumen und Vogetsang, dann die 
fruchtbare Aue, die sich hinab zum Flusse ausdehnt: drinnen 
aber ein regelmässiger Wechsel crtislen Studiums und erbeben, 
der Feier'}. Was dies gelehrte Slillkben slChrte, war ihm wider- 
wärtig: von weltlichen Geschfiflen wollte er nichts wissen*). 
Als er Abt von St. iMartin wurde, war er ein grosser Herr; er 
halle gegen zwauzigtauseud Kuechte. Dass ihm ein kirchlicher 
Gegner daraus «Inen Vorwurf machte"), regte ihn nicht auf: 
er fühlte sich nicht getroffen „Er weiss nicht," urtheilte er, „in 
welchem Sinne man die Welt besitzt: es äst etwas anderes, die 



1) Ep. 186 8. 6»S. 

2) Vit. Ale. 8 3. 19 f. 

3) L. ö. 11 8. 26; pp. 174 8. 624. 
i) Vit. Ale. 14 f. S.31 (vgl. di« von Jaff* rii dieser Stptte ge»)ii«iaett«ii 

AnnAlistischen Angäben). Das .lahr ist von Maliillun (A. S. IV, I S. 174) 
besweifolt; Älkuin kifDoo erst oacb 80& gcttoibeo sein. Die Ürliude sind 
unziiTOiuliend. 

5) Ep. 289 S. 873; vgl. ep. 160 S. 597. 

6) Vgl. Ubor dieselben Bahr, Gesch. d. rKm. LlL 8. 78 ff i Ebnre, 
LIt, d. M.A. U. 2a ff. 

7) Carm. '23 fi. 243 f. Nachdem MabiUon mit niueni Violleiclit dns 
Gcdiiiht Fridu^iaua zi^oscIirtelx-Q Imite, erklärt Dilni»il«r I. o. AnuArk. 2 
Allcuin nir den Vcrfasaer. 

8) Ep. 189 S. 666: Quid oulre v.!!«;! do iiidicioB;icv<iUri inea socordia, 
inter quae nnntiuiiiD fiöti vului; vgl. 188 S. 663. 

9) KUpandas von Toledo (pp. 122 S. 49G}. 



— 125 - 

Welt besitzen, etwas anderea, von ihr gefangea sein; man 
kann Reichthünier haben and doch nicht haben, entbehren und 
doch habeu> Wer mOchte ihm nicht glauben, wenn er be- 
hauptet, er habe nie einen Menschen für seinen persönlichen 
Dienst gekauft'}? Seinen Reichthum betrachtete er eher als 
fine Gefahr fur sein Seelenheil, denn n!s ein besonderes Glück'). 
Er liess sich durch ihn nicht aus der Kt^-woKnicn Bahn drängen. 
Ueberhaupt wusstc er, was ihm läslis war, von sich xu schieben: 
er veroticd den Anrenihatt in dem vnn Parteien zerrissenen 
liom'i; war von einer Reise nach Italien die Rede, so dachte 
er nur au das Fieber*)^ vollends den Anblick des Kriegs scheute 
er: „leb bitte Hebend,'^ schreibt er an Karl, .^dass mir gestaltet 
wird, das Glück, Dich zu liehen, im Lande des Friedens und der 
Freude zu geniesseu, nicht im I^nde der Zwietracht und des 
Krieges. Was ferinai; meine .Schwache unter den Waffen? was 
ein Uäsleia unter Wildschweinen? was ein in Frieden, nicht 
aur Kampfpl&tzeu b orange wachsen es Lamm unter den Lüwen? 
Nach der Vorschrift Guites soll der Furchtsame zu Hause bleiben, 
damit er oicbt andere furchten niarlie ; Virgil aber schreibt an 
Augustus: Du jagst die Eber; ich hnte die Netse"'). 

So nahe er den fmlitischen und hesnndera den kirnhen- 
polilischen Ereignissen stand, so kann man doch nicht sagen, 
dofis er irgend den Drang hatte, thAtig in sie einzugreifen. Es 
fehlte ihm die politische Ader. Sprach er sich einmal (iber 
einen poHtJscIien Plan aus, so erwog er nicht, was der Moment 
forderte, sondern er urtheilte nach allgemeinen religiösen Gesichts- 
punkten. Als Karl im Frühjahr iiOl die beneveatische Sache 
durch einen Kriegszug zur Entscheidung zu bringen dachte, 
machte er ihm Vorstellungen: er widerrieth den Krieg; denn 
wenn es Göltes Wille sei, werde der Herzog sterben, ohne dass 
auch nur ciuer vou Karls (ietruuen in Gefahr komme: je tiefer 
sich der Mensch unter die Hand des allmtichligen Gottes 
demütltige, um so schneller rliche Golt dos Unrecht, das seinen 
Xnechteo geschehe"). Alkuin war nicht gewühnt, dem Kaiser 



1) £p. 140 S. bAQ t. 

2) Ep. 47 8. 269 f. 

3) Ep. il9 S. 487. 

4) Ef. 389 S. H72; rgl. Ißä S. 605. Er litt frcUtch seit seinem Aufent- 
'liall in Kom am Fieber (ep. 116 S. 178 f.; I6.t 8. 602 n. if.). 

b) Ep. 98 .S. 412 f. 

6) Ep. I&6 8. 584 f.; vgl. 119 8. 4B5. 



- 126 



iinaiirgefordert Ratiischlägc zu erüieilen; er fürchtete, Karl miige 
ihm darüber zürnen*). Ü&zu hatte erohue Zweifel keinen Anlttss. 
Aber wer müclite sich wuiirli^rn, dass Karl sRiiien polilisclieu 
Rath seilen begehrte und nie befolgte'')? Diesem Mangel an Ver- 
BtftndnU für die staatlichen Dinge entsprach es, dasa er den 
unbeschränklen Absolutismus des Herrschers vertrat. Karl legte 
ibm einitiul die Frage nach den» Verhülinis von Fiust und Volk 
ror. Er antwortete: „Nacb gültltchem Rechte muss man daa 
Volk fiSliieii, nicht ihm folgen. Auf diejenigen, welche zu sageD 
pflegen: Vox populi vox. Üei, darf man nicht hOren. Denn das 
unruhig« Volk ist stets uiiveniünnig"'). Mau begreift, dass er 
die Theilualiine kirchlicher Männer an den rein staatlichen Ge> 
Schäften durchaus misbilügte Glaubte er, dass sich ein Bischof 
selbst dazu dränge, so tadelte er ihn*); war er üUerzeugL, dass 
er sie nur vriderwillig übernabm, so trüetete er ihn. In einem 
Briefe an Erzbischof Arn von Salzburg, der sieb mitten iui 
grossen Leben bewegte und gele$;entlich darllbor seufzte, stellt 
er die Christenverfolgungen und die Nothwcndigkoit, staatliche 
GeschlLfto zu übernehmen, neben einander: das seien die Re- 
dr^gnisse, durch welche die Diener Gottes stets crmDdet 
würden^). 

Es war nattirlich, dass er sich der politischen Thntigkeit 
ganz entschlug: er konzonlrirle sich auf das gelehrte Studium 
und den Unterricht. Sein Sinn hing an den büchern. Die von 
Aelberl in York gesammelte BibJiotliek war ihm so lieb, dass er 
es nicht uoterlasseu konute, seinem Gedichte über die Ueiligea 
Yorks einen Katalog derselben einzufügen**!. Da tiudel man 
die gewichtigsten Repräsentanten der Kireheulelire aus dem 
Morgen- und Abeudlande genannt^] { neben ihnen die Mittels* 



1) Rp. 156 S. 5S5: Pcwm invoco teatera cordi« mei, me bacc plenaj 
fitle et ptiifevld pmaporitittiiS veatme in omuibus deslderio scrlpalsse; ob- 
aocrnus aiipplici ilevolion», baeo e&dtüa pAti^Rter vettr^m legere beAtitudinsni, 
nee aliquid tracuudlae io toeain habere prsuumpdotioii) tnlla rettrae Ingerentis i 
sapiCDtifle. Vj;!. tp. 120 S. 48% 

2) Ausser dcD im 'J'cxt erwäbnldii Fiillvii ~ S.ic)iß I.eoa [|I. S. 97 f. 
und UBterDohmung ^gcn Gencvent — koinint in Heti-aciit ep. 111 H. 46& 
(Friede mit den äaobieD). 

3) Ep. 253 S. 807 f. 

4) Ep. 174 S. 623; vgl 171 S. 617; 13& S. 528. 
&) Ep. 203 H. 694; vgl. 188 S. 6&3. 

6) V. I&IO ff. S. 203 f. 

7) HieroDymus, Hilarius, Ambrüsius, Augustinus, AllianasJus. OrosJiu, 




- 127 - 



» 



fliiniF zwischen Aliertham und Mittelalter, Caseiodor und 
8o«lhiu9, und die Begründer der theologischen Gelehrsamkeit 
in England, Aldhelai und ßeda. Es fehlteo nicht die heidnischen 
uoil chrislltclien Dichter, die erstereii freilich nur durch drei 
Uleiacr vertreten'), um so vollzähliger die let7.tereii^). Unbe- 
ilMtteiid war der Besitz an prosaiscIieD Werken der antikeu 
lÜctfttur'J; um eo (grösser der an Schulbüchern*). 

Der Yorker Bibliothek entspricht im {^rossen und ganzen 

•Itr Umfang des Wissens Alkuins; von den Schriflslellern, die 

ci ilvrt fand, wur, wie es scheint, keiner ihm ganz unbekannt; 

er hat noch viele andere citirt, dabei manchmal fremde Citate 

Wiederholt'), anderes jedoch im Originale gelesen^). Aber die 

tiremen seines Wissens wurden nicht eigentlich erweitert: die 

Klientur der vorkonslantlnischen Kirche blieb ihm fretiid^), von 

•ntikeii Werken kannte er, abgesehen von Ijchrbüchern, nur 

f'Oige Dichter. Dagegen war er beleseii in den Schriftstellern 

"ftr orthodoxen Periode. Man kann nicht erwarten, dass er sie 



Mßür 



I 



Tregor, L«o, Daaniaa, Falgeatius, Ohryaoatomtia, Viciorinu«. Laclaoz ial bei 
''^■i Dichlero gvoannt: es ist deshalb zu vt-riLullit-n, äaaa mno in York 
da« ihui ziigeschriffliene (ledichl .De T'boenice* besasi. 
1] Virgil, Stalins, tjtcaiiiu. £s fällt auf, dass Horaz nkht erwfibDt 
"tv], tiaoli welchem doch Albiiin ndbst im Krei«e dvr Freunde Kenannt 
*Unla. Er tclieiat iudcss nirklk-li gefehlt zu halion. Alkiitn bat Ibn. so 
^ol ieb Hhe, nicht gekannt- Daas man »icht Hüls in dco Wald tra^D 
*^'L. woiB Jaffö Sailr. I, iO, 34 citirt, wird ala philosopbieches Sprichwort 
»Ogeführt. 

2) üedüila», Juceociia, Avitaa, Prudcotlua, Prospar, Paaitnns, Arator, 
|-V«BKnitua Kottanaias, LAct&nt (s. o.). 

3) V. ibtö ff.: UUturici veterea, Pompeiua, PHnius, ipsn 
Acer Aristoteles, rliotor qnoque Tulhus ingeai. 

I) AlkuiD neDDl ulcbt alle Btlober der Bibijütbok; p-b fehlen in den 
VeneicbblA Werke über Ar ithuetik , <J«ou(itiie oic. , die man bei dem 
Unterricht nickt entbehren konnte. 

b) Da« gilt besonders von griechischen äGbrifialellern. De proc. 8ptr. i 
&- Mi> citin er eine Stelle, von wsloher er nicht weiss, ob sie Gregor 
*OB Natinni oder von Nysaa aDKebürC; ibid. S. 691) f. wird Cyrlll von 
AI<ruDdriea navh den Akten der rph^einisrhen Synode uitirt. In Joann. VII 
^ 8. (171 K findi-l sirh t-ini- nngi-hlk'li aos •lusepbus entaummODO Notiz, 
*elcbe jedvcb aus Ilivrunymus «tammt (in Math. 2b, ^7), 

6) Z. B. Jcirdanea, den er »ich von Angjibert leiben llesB (ep. IM 
°- (Ot); Anbro^us Antbort, den or eszerpirte (s. u.). 

71 Eioaehie C'ilate aua Orisenes (ep. 1-13 S.W7) und Cyprlan (ep.240 
^ T?2) vidersprucheo natürlich nicht. 



— 128 — 

JQ anderem Sinne iaa, als es damals tiiid nocli lange allgemein 
geschati. Er studirte sie nur, um von ihnen zu lernen. Dass 
er sich Tieles gemerkt haltte, darin bestand seine Oelehrsamkeil. 
Er war sich ihrer bewusst. Während er im allgemeinen sehr 
bescheiden von sich dachtet, hielt er etwas auf die Anerkennung 
seiner Autorität als eines Gelehrten: e« kränkte ihn, wenn man 
ihm widersprach^); schon der Gedanke, dass eine von der 
seinen abweichende Anschauung rorgetragen werde, vollends, 
dass, was er schrieb, Gegenstand einer vielleicht nicht wohl- 
wollen<len Kritik werden kunne, berührte ihn unangenehm '}. 
Das war niclit Unsicherheit der eigenen Meinung, sondern die 
leicht verletzte Einplindlichkeit des Slubenmenschen. Denn er 
war gewohnt, die Dinge genau zu nehmen: wie ein moderner 
Philologe legte er Werth auf die treue und richtige Ueber- 
lieferung der Texte*), Dazu paastj dass ihm ein Stück von der 
Pedanterie anhing, welche tielehrlen eigen zu sein pflegt: wer 
mochte nicht über die Konsequenz lächeln, mit welcher er M&nner 
und Frauen seiner Umgebung statt mit ihren guten deutschen 
Kamen mit allerlei vornehm klingenden fremden nannte, und 
über die Ernsthaftigkeit, mit der er versichert, darin zeige «ich 
die Vertraulichkeit')? 

Der Kinfluss, welcher von Älknin ausging, war sehr gross. 
Das beruhte in erster Linie darauf, dasa er als Gelehrter 
seines Gleichen im fränkischen Koiche nicht hatte*). Sö- 



1) Ep. Ii: 8. «7: adv. Felle. VII, 1 S. 213. 

2) Ep. 98 K. 40ä. 

3) Ep. ICD S. '126: Obaeoro, nt piiasima boniutls veetrac sApienlta 
nGam magis «tn«odarc citrrt crrorem, (|uam scrjptn piirvliatis mca« in 
maisus tuittorc r«[iri9ti«u(lei]liiim[ vgl. ep, 159 S b9i; carui. 4'i V, 11 ff, 
3. 2W. 

4) Ep. 112 a. 4&9; cann. 94 S, 320. 

b) Ep. 199 S. 666- Ebert (Lit. d. M.A. II S. 6) Arinoert cluran. clis» 
Älkulu diese Spielerei von England her gcw^lint war. Am pedojitiscbescen 
war Alttnin, wenn er Witxc loachto; er unterliesa dann hiebt antiimerfciMi, 
dass er propter refectiooecii «Diiai sieb den Scherz erlaubt babo (ep. 54 
&. 2Ö'i). 

6) Dam Alkiün etwas Uriecbiscli verstand, ergibt alcb aus seinen 
Cit&ten niia der grifichiscben Bibel lep, 252 S. 604 f.); aucb sonst erwähnt 
er ^eleK^o'hch ein p^riflchiqtbes Wort, z. ü, Dialog, de rhet. 9. 94ä. Aber 
dasi seine Kenntnis sich auf oinc Anzahl %*on Wörtern liesclit^aktc, oboe 
dasa fr über diogramniiitiBcben Furm(>ii aiuher war. beweisen die Imbümer, 
die ihcD begegneren (vgl. t. B. D« dial. 1 S. 9^2 und 16 S. 972). 




- t29 - 

dann aber war er eio geborener Lehrer: alles, was er unler- 
nalinif tbat er inettiodtseh und ordeotlicli. Eadlich konnte die 
sittliche Energie seines Wesens nicht ohne Eindruck bleiben. 
Es hat freilich wieder etwa« Pedantisches, dass er Freunde, 
denen er brienich gute Lehreu ertheiUe, aufforderte, sie recht 
h&ofig durchzulesen'). Aberdass er immer neue Briefe lediglich 
zu dem Zfvecke schrieb, die EmpfliDger zum rechten Verhalten 
tu ermahnen, Ifisst doch ermessen, mit welchem Nachdruck er 
in seioem Kreise auf sittliche Haltung und Charakterbildung 
drftng^). Es gereicht ihm zur Ehre, dass er solche Mahnungen 
selbst seinen köuiglichen Züglingeu nicht ersparte'J. Auch in 
seinen Büchern brachte er gerne da und dort eine muralisireude 
Sentenz an*). Uemgemäss galt ihm die formale Schulung des 
Geistes nur als Mittel zum Zwecke: sie sollte der Weisheit 
dieaen^ dem hüchsten, weil allein bleibenden, unter allen mensch- 
lichen GQlern'). Die Weisheit war ganz religiös gefasst: sie 
besteht in der Erkenntnis Gottes ; der menschlichen Seele Sch^in- 
heit und Zier, sagt Alkuin einmal, ist das Streben nach der* 
jenigen Weisheit, in welcher Gott geehrt und geliebt wird"). 
liaa begreift, dass 7on Gleichstellung der klassischen und der 
theologischen Studien bei ihm genau genommen nicht die 
Rede war. Er tadelte es, wenn er zu bemerken glaubte, daw 
die Vorliebe für Virgil dem Studium der Bibel Eintrag thue'). 
Freute er sich an manchem Goldkorn der Wahrheit, das er 
iD der Literatur des heidnischen Altertimms fand"}, so konnte 
er doch nicht vergesseu, dass ihr itdialt nicht christlich ist. Und 
dachte er hieran, so trug er kein Bedenken, sie und ihre er- 
habensten Vertreter mit herben Worten zu verwerfen*). Wer 



1) Z. B. ep. n S. 336. 

2) Loreotz (AIcuins Leben S. 50) Drthdlt obcrflXehlJeh , wenn er In 
des brienicheo EnrahniingeD AlkuJRS nur gut geniiiinto, aber rhetoriacba 
FloskelQ «iebt. 

3) Ep. 77 S. 343 f.t 162 S. 6O0 f. a. ö. 
*) Z. B. adv. Feli«. 1. 2 f. S, 129 f, 

b) OrtmiD. S. 849 ff. 

6) Ep. 243 8. 782 f.; vgl. 217 S. 715; comm. in EccI. I, 1 H. 609- 

7) Ep. 216 S. 713 f. fao Ricbod von Trier). 

8) Ep. 147 S. !!r6l: Paulas imnim napienline, io tteronre pootitriim 
ioveDtain, in divilias cc:clealnati;:au traiisiiilii prudvntlae; aicutoaiiieB Hanctl 
(loetorM, eiua «xetoplo erudili, rcceruot. 

9) Ep. 243 S. 783: Virtpliaca meiidacia. Eben (LU. d. M.A. II 8. 34& 
Aniuerk. 1) beiirllieill, wie iui<^li dtlnkt, <Iernr(ig<? Af>uB»erunj{eu Alkiijiia 

n»kak, KtrebcMfaMlilebl« DsMUcblAiiili. U. Q 



— 130 — 



mochte ihn darob tadeln? Es war das ITrtheil des ganzen Jahr- 
hutuloi-ü. Die blosse Freude an der Form, die über den Inhalt 
hinwegsieht, ist jugendkrfifligen Zeiialteni fremd: sie eignet 
dem kühl gewordenen Aller. Neben die theologische Erkenntnis 
stellte Alkuin die Naturerkeiuilnis. Auch das war ein Erbe aus 
der Schule Aelbert«; denn den höchsten Werlh halte dieser der 
Naturwisscuscltaft beigelegt: es erschien ibni wie eine 6chmach 
ftlr das lebende Geschlecht, wenn sie, die vordem von den 
weisesten ilannern gepflegt worden sei, nun zurückgehe. Doch 
auch sie war nicht Selbstzweck; denn die Bßschüfligung mit der 
Natur hatte einen theologischen Hintergrund: man suchte die 
Weisheit des Schöpfers in seinen Werken zu erkennen. Alkuin 
war so lief von der üeberaengung, die Welt sei eine Offenbarung 
<iottcs, durchdrungen, dass erden Gedanken aussprach, Abraham 
habe Gott aus der Betrachtung der Gestirne erkannt'). 

Wie als I^ehrer, so wirkle Alkuin auch als Seh rillst eller. 
Beides hicng auf das innigste zusammen. Eine ganze Reihe 
seiner Schriften diente einfach dem Unterricht. Wenn er seinen 
Lehrbüchern die Form von Diatogen mit dem König oder einem 
Prinzen gab*), so wird man daran erinnert, dass er der I^chrer 
des königlichen Hauses war. Uiese Gespräche erüitnen zugleich 
einen Einblick in die Art, wie er unterrichtete: er wollte nicht 
nur trockenes Wissen mittheilen, sondern ebensosehr die Rasch- 
heit der Auffassung, die Schlagfertigkeit des Witzes üben'). 

Mit ein paar Kleinigkeiten versuchte er sich auf dem histo- 
rischen Kelde. Die Itiugraphien der Heiligen Vedast und Richar 
sind jedouli uur Uelierarbeitungeu älterer Vorlagen*); ein eigenes 



nicht ganx riclitig, wem er darin nnr Scherze oder Anschluss An d«D faer- 
ki)LDuilic>ieu ctiriAtlicIiL'Q Jar^ou Ituilot. Er uBterscIitttxt die Msobt d«e 
askctüclien UedaokeDs Über einen Mana wie Alkuin. 

]} £p. &9 S. Hii f. BuaoliLeoBwertli iaC, dass Alkuin tibar Abneiguop 
gegen die NaLiirwiiisciisdiarc Itingt: R.iTiia e»t, qiil talix ncire cur«l. Et 
quod peius cac, ruprehunduul baue acire atudfutea. 

2) Vgl. Kberi. IJt d. M.A. II S. 15—21; Werner, AIcuin 8. 21—30. 

3) BiefUr iat besonders die diGputatiu Pipiiloi cuta Albiuo lebrreicb. 
AlkolD itt watirtcbeinlich auch hier nicht ori^inal^ lOHn kenut ähnliche 
Frag ebiloh lein aus dieiivr Zeit, a. x. B. Wilmaone, Ein FragiibUcbleiii aus 
dem 9. Jahrb. (Z, f. d. AUerrh. N. F. Bd. 3 S. 166 ff). 

4) Alkuio iintcrn.ihin diu Arbeit auf Wunsch der Äebt« Rado voi 
St. Vedast in Arras (790—808, Chr. V«d., M. 0. Sor. XIII. 705 f.) und 
AngilU'rl von Centn la (b. ep. 212 8.706 und 238S.755). "Die Abfassuoga- 
zeiL der erstua äcbrift las» sich iiiubt Kenau tixireo; in UeeUK auf di« 




^ 



Werk ist die Lebenibeschreibang Willibrords. Der Stoff war ihm 
lieb: er bat ihn io doppelter Foriit, prosaisch und ineU-iscb, be- 
arbeitet; aber umn kann olcbt sagen, dass er sich Ober das 
Niveau der übrigen Ueitigenbiographeu erhob'). 

Doch vornehmhch war er Lheologischcr äcbrtftateller. Er 
Terfasste eine staUliche Keihe von ßibelkoiDmonlaren; aber er 
erhob nicht den Änsprucb, als Gelbst«t&iiiiiger Äiislef^er der heiligen 
Schrift zu gelten: seine 'l'hätigkeit beschräukte sich auf die Aus- 
wahl und Zusammeostelluot^ von Exzerpten aus älteren Werken. 
Diese Weise, ein Hucb zu schreiben j war nicht neu. Schon 
HieroDjmu« hatte sie geübt; nur nicht immer mit derselben 
lilhriichkeit wi(> Alkuin. Bei ihm hing sie wohl mit seiner Lehr- 
IhUtigkcit zusammen : er los and besprach mit seinen Schlltern 
patrislische Werke: den Ertrag der gemeinsamen Arbeit ge- 
staltete er zu einem neuen Buch^J. Ev wollte ja lediglich toq 
den alten Meistern lernen: jeder Gedanke an Kritik ihrer An- 
siobten lag ihm ferne: man hat de-n Eindruck, dass die Be> 
Wanderung Tür die Grösse der Vergangenheit ibn misirauisch 
gegen die wissenschaflliche Kralt der tiegenwart machte'). 
Wenn er bei der Beschreibung der Yorker Bibliothek die 
Werke des Hieron^mus Kuerst nannte^ so ist das nicht xu- 
folligi denn sie vor allem l)enUtzte er ats Fandgcube für die 
eigene Bibel au siegung: seine Schntlcn über die (iencsis*), den 




sweit» ftrgibt sieb aus ep. 23ä vgl. icil Eish. iina. z. J. 800, dus si« 
frUbcsleos im Sommer dJesM Jahrr« geachrieben Bein kaoo. 

1) Vvrfasst aufWuoKb •loa kintriscliufs BooQtat) von San« (777— 797)) 
s. du WidmnsgBSobreiben H 39. 

2) Vgl. ep. 100 S. 424, wo mit KUcksIclit .luf «id« K«{cen Fetix von 
XStgei SD riebtendo Hchrirt gesagt Ist: Detur ei (Albiitn) apsilutu. ttt quitite 
ti diligODter liceat illi cum paeris suis considerare patrum seiisusi quid 
unoftqaiAtiae diceret de sflateotiis, quas püsuh pruifaius aubversor (Pollx) 
in luo libello. £( tempore praeGuiti> s oobi» feratutur vesirae auctoritatj 
•higolornm rcsponsa. 

3) b^p. 30 H. 212: Quid DOS buinuDcali in tine »necuU . . meliua «x- 
eogitare poierimtit, quam ut ioca xnimi int^ntione apustoHcam et evangelic^in 
omni fidet lirmitat« e( veritale »(luamur doctrinam 

4} Interrogaiiunes et rcaponslones io Goooaim, gewfdniet dem Pres- 
byter Signlf. Qiii'Ile ist des HicroDf mai Scbrift Quae«tionee in Genetio ; doch 
ist es BBricfallg, wenn Werner (AIcuId S. Vib) behanpiei, Alkuio balte sich 
ID allen BeapoDsionen an Uierooynui; dae ist nicht eiuuial bei der Hälft« 
der Fall ; ebenso ist es iinrichtit^, dus die ((otstllche Deutung des Segeiu 
Jakobs ans Gregors d. Gr. Moralia eatoommea sei. Kiub«iiiua bat nur an 
Bwei Stellen (S^en Über Isasohar und Odu} Abtiüngigheit von Gregor 



— 132 — 

Prediger'), die Briefe an Tilus und Philemon^) sind aus Hiero* 
nymus geschupft. Aiigustin war sein Toriiehmster üewährs- 
manD für die Erlctäruo^ des JohannesevaDgeliums'), des 119. 
Psalnic« uud der Stul'enlieder'); auf iJeda beruht die Auslegung 
de« hohen Liedes^), auf den llomilien des Chrysostonius die 
des Hebnierbriefs"). Im Kommentar zur OlTeDbarung Tolgte er 
dem Werke eines wenig älteren i^eit^enossen , des Ämbrosius 
Äutbert'). 

Als sein theologisches Hauptwerk betrachtete Alkuiu selbst 



nnchj^eviescn ; Weriter Eellist hat die Knaliweiae nicht vermeliru Di« grössere 
Aimflilirliclik«!! dt-r lelxtereii Tartl« wird sicli ditmus erklären, ilan AlkuiB 
hier oinü SUer« Abhandlung dem neuen Werke eiii(ll;;te (vgl. ep. 290 3.876>. 
Ala AbfaatutigtxeiC ergilu lioli ans dfMi Wortüii; Qiii teoali occupatlonibna 
diacr&biiuur et divemla itiDerum muleHiüs fatigAiuur (S. 273) die Periode 
sein«s Lfibens, in welcbpr er der ilofscluilt! vorataml. 

1) l>ro) Schlllertj. üuias, FridugtHiis und Wiuo, gAwIdmet. Ali Baopt- 
qnelle neont Alkuio ««Ibsl in dem Wtdoouitgsbriefe f]i«roDyiiitiB. Wean 
Frobesiua gcBia verglicboo hat i>. d. Anmorlt. &. 716>, Bo war er seine 
einzige Qii«lle. 

2) Die gertogfUgigeo Abweichungen von Bieron>iiiiia hat Frobciiiiia 
bemerklich gemacht. Der Vil. Ak. 12 S. 'ii erwahnU' Kouiineniar tarn 
Epheacrbrief ioi, wie es aoheinr, verloren. 

3] Gewidmet Giala, AebtiMcn dra l\luetore KaU, der Schvöster KatU, 
DDd Rudtrud, dar ToohtBr <Ie3 Ktliitgs: cp. 136 f.; l&S f.; vgl. 149 S. 567. 
In der von Siekel (Wiener 5.H. 7!^ S. ^09) zu i'p. 2I!> mitgetbeilten Kr- 
günzuDg belsat der Kommentar libellua excerplionU in .luliannls eraRgelluni. 
Ala Quellen werden im 158. Briefe 8. 691 neben Augustin AmbroBilu, 
Gregor d. Gr. und Reda genannt. Weicht! Stellen dea eittzclnen ange- 
bSren, hat Frob<!nias geceigl. Atobrodin* ist nur au «inor eiQEigcn Stella 
benutzt (LI, 6 8. 793). Uäber das VcrhKltniii difeua Kommentars zu (lem 
Beda ziigcschriebeneti a. Frobeniiis ü. 73^ (. W-ia Werner ( Ueda S. 1^] 
beibringt, ist gelstigca Eigenibiim des Rcgfinaburger Abt«. 

4) nie enartaLiODea Auguetius aind übrigens nur stellenweise benlltat; 
die Erklärang iet kcincsweg ein gtcicbmässigea Exzerpt. B^i der Erklärung 

Itüsapsalmen scheint Alkuln eine bestimmte Vorlage nicht vor aich 
{ehabt zu haben. 

5) S. Werner, Alcuin ü. 139. und Beda der EhiwUidige H. 179 f. Der 
-Vit. Ale. 12 S. 2ä genancta KomniontAr «i den Proverbien achoint nicht 
'ant die Uegenwart gekomiuen sn sein 

6) S. Bühr^ G. d. rüm. Lit. S, 320. — Zu den exi-getiachcu SchrilteD ist 
auch da« Büchlein .Interpretaliotiei aoininam Uebraicoruin ptogcnltoram 
domtni n«stri Jean Christi* »u rechnen. 

7) S. die praef. Mign. 100 3. 1088. üebcr Ambroaias Antbert vgl 
doeaen knrzo Seltialbiogrnphie ain fiohlosse seines Apukalypsekommentara, 



I 




- 1S3 - 



>9Üa Buch Ober den TriDitätsglauben. Nicht nur einem so ver- 
Iniuten Freunde wie Arn ron Salzburg gegenüber urtbeJlte eiv 
es sei fUr jeden, der den katholischen Glauben kennen wolle, 
sehr nothwendig'i; sondern indem er es dem Kaiser widmete, 
Iprach er die Uoffnunf; aus, c« werde durch seine Hilligung zur 
allgemeinen Anerkennung in der Kirche kommen^). Es sollte 
das offiziell eingeführte dogmatische Handbuch werden. Liest 
Hmftu die Schrift, so bemerkt man sofort, d&ss Alkuin auch in ihr 
^ nicht original ist; er arbeitete mit fremdem Gedankengut, wenn 
er sich auch nicht im gleichen Masse fremder Worie bediente 
wie io seinen Korumeulareu. Deshalb wäre es niüssig, seiner 
Darstellung des Irlnilariscbeu und christutogischeu Dogmas im 
etuselneu nachzugehen'). Wir würden nur augustinische An- 
schauungen und Formeln wiedertindeu *). FQr uns kann es sich 
nur darum handeln, zu erkennen, welchen Werth Alkuin diesen 
Lehren beilegte, und m welcher Beziehung sie za seinen rell* 
giOeen Urundansdtauuogen standen. In ersterer Hinsicht ist die 
Antwort: die Aimatiine dieser Formeln galt ihm als Bedingung 
der Seligki-it. Er begiunt die ganze Schrift mit der Reflexion 
darüber, doss die Sehusucht nach Gluck dem Menschengeschlecht 
nTcrülgbar eingepflanzt sei, das leiste Erbe des verlorenen Pora- 
4le9es: Nicht Herrschaft, nicht Reichthum, nicht Ruhm und 
Lust rermügen sie zu stillen , nur im Himmel findet sie Be- 
Griedignng. Den Eintritt in das Himmelreich aber crschliesst 
der Glaube, denn ohne ihn ist*« unmOgticb, Gott vm gefallen: er 
ist das Fundament alles Guten, der Anfang des menschlichen 
Heils; niemand gelangt zur Gerechtigkeit, niemand zum An- 
schauen Gottes, dem der Glaube fehlt. Und worin besteht nun 
der Glaube? Alkuiu antwortet: Darin, dass man weiss, dass 
Vater, äutm und Heiliger Geist sei eiu Golt, derselben Substanz, 
eines Wesens, unireunbarer Einheit in der Gottheit; doss des- 
halb nicht drei Götter sind, sondern ein Gott, Vater, Sohn und 



d< 



^. 



H 1} Ep- 192 S. 67^ Oa «[> 191 in das Jahr 902 gehört (a. Jaffa S. 672 
AuDerlc. *>, so ist die Schrift io Üicseio Julire vollondct. 
2) Ep- lai S. 673.. 

^L ä) Eioe Uettersicht des Intiallvs bei Wunior, Aluuiu ü. I!!i9 ff. 

^r 4) E» wird kauis nötlitff sein, zu critin«rit, dasa Alkain nicht deu 

^anzeii Aaguatio repruiJiiziii. üeiule di>r HittKlpuukt der rcliK'^'oo Aii- 
•ottMaog AuKiistiuH, da« FriUl«stiaatiuuadngma, ist ibui fremd, obgleich er 
fclegetitlich daran »nklingende AooMcrutigOD tbut; vgt. s. B. cp. 173 ä. 622: 
eann. 9 v. 7 S, 229, v. 8& U 3. 23i. 



— 134 — 



Heiliger Geist, wiewohl der Vater den Sohn gezeugt hat und 
deshalb der, welcher Vater ist, nicht Sohn ist, und der Sohn 
vom Valer gezeugt ist un<i deshalb der, welcher Sohn ist, nicht 
Vater ist, tmd der Heilige Geist weder Valer noch Sohn ist, 
sondern aar Geist des Vaters und des Solines, auch et dem 
Vater und 8cihne gleich und zur Einheit der Oreiheit gehörig. 
Dieses Wissen von dem Wesen Gottes ist der katholische Glaube; 
jeder katholische Christ kann, soll ihn lernen ^>. Und macht er 
nun selig? Wie gesagt, Alkuin behttu|»telfl es. Das war die 
Konsequenz seines ^'rundsätzlich Iraditioiialistischen Standpunkts. 
Aber er ftihlte, doss Ursache und Wirkung sicJt hier nicht ent. 
sprechen: danin» suchte er wie unwtllkOrlich die Ursache go- 
wiclitiger zu maclicn: zur ewigen Seligkeit, hüren wirnun, kann 
niemand gelangen, es sei denn durch den Glauben unter Hit> 
wirkling der Liebe Gottes und des Nächsten^). Die letzten 
Wurte entstammen dem Gedankenzusammenhang, den Alkuin 
darlegt, mit nichten: es wird auch im weiterr^n nicht ron dem 
gehandelt, was sie aussprechen; um so gewisser sind sie ein 
Beweis dafür, dass sein religiöses Bewuestsein an der Dialektik 
der dogmatischcu Formeln sich nicht befriedigen konnte: es 
suchte als Grundlage Oes Heils eine andere Basis- 

Alkuins Huch ist der Anfang der mittelalterlichen Theologie; 
es ist typisch fUr dieselbe Man nahm als werlhvoltstes Erbe 
der Vergangenheit die Dogmen der alten Kirche in die neue 
Zeit herüber; jednch die religiösen Voraussetzungen, aus welchen 
sie einstmals erwachöpn waren, wurdert nicht mehr verstanden. 
Deshalb Tührte keine Drücke von dem Dogma zur Retiginsität: 
was man als die seligrnacliende Wahrheit betrachtete, rerchrte^ 
blltete, das gab keine religiösen und sittlichen Motive flir das 
Leben ab. Die Theologie wurde zum dialektischen Spiel mit 



1) Vgl. I praer. und c 1 (. 

2) UiB kann die gleiche Bemerkung aucb kid Pruluf^ dos 2. Buobs 
miich«!!. Auch hier iat Ql&iibe = recto do Üeo ori-dci«, d. h di« Einsicht, 
(lUHm pruprio 'J'rinluui Bit tinu« ec solus et verus Ucus. ut ijunui lectv pater 
et Üiins ot spiiims s. uniiiB oiusdomqua substantiite tcI cascnliae dicalor, 
cfedatiir, iatelligntiii'. Von diegeiu UlAubPD wird ffCMgt, du« er du Uen 
reinigt^ und drsbilb selig nmebc; denn tniig sind, die rein» Hertens 
sind. Man würde aucli hier (Üe von der Annalime jener fonuelu nbgo- 
leitcCc Wirlcnii^ nicht verstehen, wenn nicht jenem dQrftigeit Begriff rua 
Ulaubeu sich «ine vi>llere Vorstellung iinierüicliKbe: tueniis hum%nae visio 
invnlida cAt ad aspicJendam divlnne njaleAintis luceni, nigi iiiatitia fldei et 
diiectioDis, üivica donsote gratia, illustretur splendoro. 




Formelo, welche die Einsicht in das Weseii der Gottheit er- 
«chliessea so)It«n; der Glaube aber ^ng, beherrscht, wühl auch 
irre geleilet vou den religiüseii Itedürrnissun, seine eigenen Wege. 

Hau ist eretauul, wie hiar das bei Alkuiti an dea Tag kommt. 
W^rend man von irgendwelcher Kigentliümliflikeit seinRrTheo- 
lügie niclit reden kann, au von einer bestimnUen Furhung seiner 
religiösen Anscliauung. Sie spricht sich in rielen gelegentlichen 
AeusseruDgen seines Briefwechsels, aber auch in einer Anzahl 
cdaer Schrillen aus; Heziehungen 7.n Her Summe von Lehrsätzen, 
welche er als katholischen Glaaben bezeichnete, hat sie kaum; 
dagegen lehnt sie sich in ziemlich freier Weise an die heilige 
Schrift an. 

Auf den Wunnch des Grafen Wido verfasste er fiir denselben 
die Schrift von den Tugenden und Lastern, ein Erbauungsbuch 
Tur einen Laien'). Wir finden uns iu den ersten AbsehDitteu 
im Zusaninieuhaug bekauiiter Gedanken: jeder Meuscli muss 
nach der wahren Weisheit streben; denn auf ihrem Besitze 
beruht des selige Leben. Sie wird dargeboten im katlioliscbeu 
Glauben; denn ohne Glauben ist's unmüglich, Qott zu gefalleo. 
Genau so hatte Alkuin für Theologen in seinutn Buch Über die 
Trinitfit geredet. Hier folgt nun aber der wunderbarste Ueber- 
gang: Von der Erhabenheit des Glaubens ist zu anderer Zeit 
IQ handeln; denn in einem kurzen UanrIbUchlein kennen die 
tiefen Grlinde desselben nicht dargelegt werden'^i. Und so ist 
denn im weiteren vom Glauben auch nicht mit einem W^orte 
mehr die Rede: und doch sollte das nochlcin ein flandleiter auf 
dem Weg zur ewigen Seligkeit sein, die man ohne Glauben 
uicbt ertangen kann. Bs ist unmöglich, jenes Nebeneinander 
von Dogma und Religiosität drastischer auszusprechen, als es 



t) Dia Abfiisangnelc lisst sieb daraus featstetleo, dass Wido itn 
Jibr« 799 die broiA^ne unterwarf (Ana. Ijiariaa., [Clofa. z. <I, J.). Da 
Alkofa) to der Widmung wIdps Bticha von dea kriegeriarhea CescliäfU-n 
d« Grafeo spricbt lep. !237 3. 753: Tiiae (jccupAlioni, i;iu)iui lo in bellicis 
reboB habere Dovinus). so vird das Ruob in diesein Jahr« vorfae«! sein. 
We«balb JafT« 801— ä04 anDimiDl, kaao icli nii^ht abiicb(>n. Wido war ei» 
ÜAohkorame Liatwins von l'rier uuil Yurfaltr du» Kaisers Bcrengar (s. Walu, 
^onch. III, I4y ff. und Wiislenfetd 1. c. S 3Ö3 iT). rMw Alkuin b.>i den 
Mtht UaaptlaBtein Cassian, beslebuDgawcise Aldhislin fulgc, bcuiL-iki Ebcrt 
(LIU. d. M.A. 11 S. V2i; doch «ilt m aar im allj^etnciiioti: er behmid^tt 
da gleicben LaalCf, nbcr nicht in der gleichen KLnhenfulgoj dtrvkt buh 
C^lhn geooiuiDCDe Sätae habe ich uicbt bemerkt. 

2) C. 2 6. 61&. 



— 136 — 

hier Tou Alkuio selbst geschieht. Ohne in einem GegeD&&tze 
SU stehen, Iwrührten sie aicb oirgends. 

Wenn Älkuin Im weiteren den Graren Wido nur über die 
Tugenden and Laster beleliron wulKe, so haL er diese Absicht 
nicht genau festgehalten; sein Bncb bietet mehr als Moral: die 
religiöse Grundlage tritt (tberall zu Tage. Man bemerkt leicht, 
daes die Fri>mmigkeit, die er lehrte, im wesentlichen in dem 
unbeschränkten Vertrauen zu dem göttlichen Erbarmen besteht: 
niemand, so versichert er, darf an der Güte des Trommen Gottes 
verzweifeln, mag er auch durch eine «nemiessliche Last von 
8ünden gedrückt sein'). Schon hierin ist ausgesprochen, dass 
das Gottvertrauen bei ihm eine ganz bestimmte Färbung hatte: 
es war vor allem Vertrauen auf die aUnden vergebende Gnade. 
Denn der Schwerpunkt des geistlichen Lebens tag fUr ihn in 
der Befreiung von Sünden. Es ist verständlich, dass er mit 
emsteai Nachdruck die subjektiven Vorausisetzuugeu derselben 
hervorhob. Er zeichnet gleichsam die Stufen, welche die Seele 
z\i überschreiten hat, um zu ihrem Ziele zu gelangen: die Zer- 
knirschung des Herzens entspringt aus der Uemuth und führt 
zum Bekenntnis der Sünden, das Bekenntnis zur Busse: aas der 
wahren Busse kommt die Vergebung. Fragt man nun aber, 
von wo der erste Anstoss zu dieser Bewegung ausgeht, so ist 
man auf die göttliche Seite gewiesen: das Versprechen der Ver- 
gehung, das wir von Galt haben, lÄsst die Thronen der Busse 
aus unserem Herzen cjuellen'). 



1) C. 4 S. 616; vgl. ep. 21 8. 178 (an GIsla): Ne turdaveris de die 
in dicm reverti ad illoin. Uaec «oiin duo coala maxicD« odil in homlDlbus, 
iißgleKentiniD revertendl et dcaperatjoneiti salvanlis. T.antuni hn.ec abstnt 
a cu^iUlionibi^ procul iioalriH. et ille tuiic .tuiiiiis prupu cHt noatris. Ideo 
uoiueo hnbeL Balvalor, quia sccnper aalvac et aaivare cupit 

'.>) Da virt. et vit. 11 S. 630 f. Aehnliohe Uedanlteo vielfach In den 
Briefen; vgl. 41 S. 26S; 72 S. 336; &2 S. SbSj 8d 8. S75 u. B.. Es ent- 
■pricht (tniD, dsM fflr Alkuin Ctiriatus der Erijfier Iit, nicht Dur wegen 
dewen, VHS er einstmals vollbracht hat, aonctorn zuDÜchiit wegen dcMen, 
was i-r j«txt an der Seele thiit. !Jo an zalilr^Icfaco Stellen der Briofo: 
7 d. 1&1; 19 S. nbi 3ä S. 2ä'*; 62 S. 29ä; 63 S. 30Ü U.Ö.; nicht andera 
in dun (jedichteo: 2(1 v. 36 ff. 3 241; 41 v. & S. 2&3i 53 V. 10 ff. S. 265; 
8&, 2 V. 31 ff. 8. 303 u. tt. Dass von Alkuin die BedontuDg des Tode« 
Clirisli njclit gileiigncl wird, ist selbstvenlaDdücli (vgl.x. B. carm. 6 S. 224 
und bmundura ep. 240 S. 76(> ff.), allein Jn dem reUg-l^isen Gedankenkreis, 
in dem er lebte, war der Tod Christi nicht eines der grundlegeudeu 
Elemente, auch kann man nicht B.igen, daas Alkuin eine durchsichtige 




- 137 — 



Wii stelieu hier Dicht vor einmal ausgesproctieoen ße- 
Sexiouea , soudera in diesen Gedanken lebte Älkuia. äein 
Biugrapb erzählt, Beoedikt vou Aniaue habe ihn eininal gefragt, 
wie ilaB Gebet iuute, das er taglicli hir sich betß. Alkuiii habtt 
geanlffortet: Herr, Tsrleifae mir, meine Bllodeo zu erkennen, sie 
ufridiilg zu bekennen und rechUi Busse zu thun, tind gib mir 
V'cfgebuDg meiner Sunden. Benedikt sei nicht ganz befriedigt 
gtvreteo; wollen wir^ so habe er erwidert, diesem Gebet ein 
Wort beifügen: Und nach der Vergebung mache mich selig'). 
Er Terstand nicht, dass furAlkuin in der Vergebung all«« andere 
Gcbou beschlossen lag. i 

Diewlbe religiöse Stimmung spricht sich in den Messen 
Alkoins aus'): Sünde und Sündenvergebung, Versuchung und 



IWte llb«r seine Bedeutung Kebabt bätlu; du xeigt gerade ep. 240 acht 
■■ginflliig. 

1} Vit. Ale. 9 3. 23. Die volkttbUmliche Aoschauung vom Verdienst 
>«Allt»D Ilabdi keiae«wegk fremd; vgl. z. lt. ep. 28 &. ?08; Si ä 2!)4; 
H«ä. 566 D. ü.; ebeaau in dvn Gedichtvn 9 t. 118 S. 2iit 98 v. 19 f. 
^3?2 IL 9.; such in Predigten AdhorL ad. laiL ?irt. V«d. 3 (Mign. 101 

^m. 

2} Alkuln »endet den Urincbeo von Fulda, wie ea acheinl, knie vor 

BkBgulb RUekiritM«. 802. s. Ann. Fuld. z. d. J.) cU Misaalc, deeaen tn- 

bit er angit>t (ep. 186 S. 6^flt und dessen Oehete von ihm verfasat w.ireii: 

du tetawre wird sieb aua den Worten S. 6^9 ergeben: Mae« vub!« dirigere 

nrariisa« , deprccantea . . benigne Hnscipera . . K-iciat quialibet de efa, 

qofideunqne plaeeat, cl ne me reprcbendai in cnrltaiU offietu. Die Inlialis- 

uigab« ütiniiut mit dem itun lageschriobonen über aacramentoruin Qbcrein, 

Dar daaa in deot letztereD eine intsaa s. Bonifatii steh nicht finder. Der 

lotxlere Umstand ist, wie iniob dUnkt, kein Umod. hd der Aulhentle des 

Sakramenurs an zweifelu: möglich erweise (lachte Alkuln bei der betr. 

Stelle s«inea Brlnfes einfach an riie mlisa in ?ftnerat!one unins mariyris 

(c. K) S. -It?). oder bativ er fUr Fulda eine eigene BonifsliustDesae 

beigr^rilgt, die nicht auf nns gekomi»«!) iai. Frobcoius spricht In seinem 

innniium pracrlutn die Vermuthung aua, Alkuins i^akmmentar sei später 

veräad«rt und vermehrt worden; Ikesonder« erklXrt er diu 7 tnissa« s. 

Aacaatinl fUr sweifoliOB spUteren Zusatz. Werner (Alcnin S. 198) wiederholt 

da». Ich geatebe, dass mir <1ai .abs dubii»' l->ohens iitid die .siigen- 

•chotnlicbe UDOchtkeit" Werners gleich ungetiUgende (irUnde au sein acheinen. 

Aa afcb widerspricht der Inhalt dieser Oebele den Ansfhaiiungen Alkuins 

niebt (man vgl die Bitten utssn Aug. S. 446 and csmi. Rö, 3 3. S(Ki), die 

B«t«icbnung aber ist auffSllig, inögen sie von Alkoin oder vou einem 

SpSieren ataoinicn. Die EDtscbeidiitig knnu iiur dunrh die handschriftlielio 

lJ«berlieferuDg gL'gvben wi-rdeii. Sie ist mir unbekannt. In einem Sakra- 

meotar der Pariser Nationalbibliothek, das dem Endo d«s 10. oder dem 




— 138 — 

Kewahriing, Uiivollkutnmeiilieit und Vollendung — in dieiea! 
GegcnstUisen bewegt sich tier religiöse Gedanke. Vergebung^ 
Bewahrung und Vollendung aber werden betrachtet nnd crdeht 
als Gaben Gottes. Wobl bringt man, um sie zu erlangen, das 
encharislisclie Opfer dar, wohl wendet man sich an die FOrliitte 
Marias, der Heiligen tiod der Engel: schliesslich ist es doch GoH 
allein, der alle« frei gibt'). 

Unter den biblischen Büchcni hielt Alkuin vor anderen die 
I'salmeii hoch- Hören wjr, weshalb. Hier findest du, schreibt 
er in der Vorrede zu seinem Büchlein über deu Gebrauch der 
Psalmen, die Kleischwerduu^, das Leiden, die Auferstehung und 
Hittimelfalirt des göttlichen Logos; hier findest du so inniges 
Gebet, wie du es selbst nimmermehr ausdenken kannst, das 
aufrichtigste Bekenntnis deiner Sunden, das reinste Flehen um 
das göttliche Krbarmeu. Auch findest du hier die herzlichst« 
Uanksogung für alles, was dir begegnet. Wirst du deine Schwache 
und dein Elend in Psalmen bekennen, so rufst du schon dadurch 
das göttliche Erbarmen auf dich herab. Alle Tugenden Trirrt 
du in den Psalmen finden, wenn Gott dich würdigt, dir ihre 
Geheimnisse zn enthüllen')- üi'd nun wird daran erinnert, wie 



11. Jafarh. augebört, fitid«n sioh die Messen AlktiiD« (>. Delisle, Müinoir« 
■iir d'ane. siicram, 18äß Kr. 97 S. 2-17]. Doch betnorkt Dulisle oichti 
darüber, ob auch die fraglicli(.-n StlLck« in dem Kodex enthalteo siod. Uv 
gügen noLirl t>r, dasa man io oinem angeblich Kogensburgor SAkrameotai das 
d. J-'itirh. mias.'i e. Augusiiiii per luuio liobdumaiAta fiodel. Dna Isi Riindeiterti 
eine Parallele. Difs Sakraotentiir stJiniiitt j4>doch nicht ana Uogeastturg, 
wie IIoÜBle (M£i»oire S. ISH), einer moderoeD Noiiz folgend, anpiminl, soDdera 
aus Maius. i>aa beweist die Angabe des auf Fol, 18 befindlichen KjU«n« 
dariiitua: Kalendis decembrie. Ucdicitio ecclesiae s. Albani niartyria. Q» 
tuoJnC ist die Albanakirche in Maini, welche wirklich am t. Dezember 806 
vt}u Hiculf gewetlit wurde (Poet. Ist. I 3.431). Nacb ep. 2124 S.Tid saadt« 
Alkuin atich uAch .St. Vaa«t «"ine Sammlung von M^.<«ii^ehetcti. Dieselb« 
var iler Inhaltsangalii! nach nicbi idoniisch mit der tiacb Fulda geacliicktea, 
auch nicht vun Alkuin Tn^rTAHat, sondern Aus dem Missale von Sl. Martia 
entnomnititi. Die Angaben dieaea Hriefca lH.sBeD siüli alau nicht sur Kritik 
ilra liltcr sacrAinentortini verwenden. 

1) C- 7 fr. ä. ibb ff. ; vgl. do UBU psabi) I. 6 S. 477 den charakl«ritliscli«i 
Uchergaiig von der AiirufiiiiK der Heiligen zu dem (iebci um d»a ErbAmietl 
ChriaLi. qnia in tu apcr;ivt. Kür deu (jedaukuii überhaupt iMtca. 8!), 3 S. 30.1, 

•i) Vinirf. S. 46Ci f- Ks iiiuss dahingestelLl l>leib<iii, ob und welche tief 
aachfolgeudcn ßiib'Ut« Alkuin anguhürün Ihr Inhalt irregt an sich keiu Bo- 
deuken; tiewiaaheit könnt« jedoch nur da« handachrifiiicbo Zeugnis gebco. 




— 139 — 



^ihlt was den Christen erregt, in den Psalmen wiederklingt: 
du Bewusstsein der Sünde und die Zuversicht auf die Ver 

pMngt die Freude Ober die gtillliclien Wohllhatcii und die Lust 
U der göttlichen Herrlichkeit, die Angst in den Versuchungen 
Htd iu Entbehren der göttlichen Kähe, der Ueberdruss an der 
g«gwwftrligeD Welt und das üeiinweh nach dem himmlischen 
Vaterland, das Geruhl de» Glückes und der Ernst der JleiliKutig: 
rtt dies alles fand Alkuin das passende Wort in den Pfialrncn. 
Hm* babeo wir die Schwiagungeo seines inneren Lehenn. 

Er hatte das Huch vom Oebraoch der Psalmen for Mönche 
gMdiriebeii; der jüugere Karl fürderte ihn auf, ein üandbUcb- 
leia des Stundengebeta fUr Laien zu verfassenM. ludern er <leni 
WaiiKh des l'rinzen nachkam'), grifi* er wieder zu dem Psalter: 
dir jeden Tag wählte er eine Anzahl Psalmen aus und t>egleitete 
lie mit kurzen Gebeten. Jedes enthalt nur ein paar Wurte; 
aber völlig die gleiche Kichtung der Frürnmigkeit setzt Alkuin 
tiei den Laien voraus wie bei den Mdnehen. Denn obwohl 
Mlbst Mönch, stellte er den Stand rlcr Miinche nicht wesentlich 
fcdrtr als den der Laien. Den Grafen Widn mahnte er, sich 
dadurch, dass er im weltlichen Leben stehe, nicht beunruhigen 
ra hssen, als sei ihm die HimnielsltiOr verschlossen; denn wie 
die Seligkeit des Reiches Gottes allen gleichermassen verkündigt 
*ind, so stehe die Thure des Himmelreichs jedem Geschlecht, 
jedem Aller, jeder Person gl eiche rmossen offen ^). In dem Ein- 
tdlte in den Hdünchsstand sah er nicht eine verdienstliche Hand- 
Inag: der Uünch sucht Ja im Kloster innerlich frei zu werden*). 
Zw«! hielt er es filr leichler, die eigenen Kehler im Kloster als 
in der Welt zu Überwinden; aber die Erfahrung war ihm nicht 
fremd, dass man auch dort der Fehler nicht ganz ledig wird'). 
Br wollte auch nicht, dass der Mönch fllr alles ersterbe, was 
JBiteit« der Klosteniiaucrn lag. Wie er ihn für die Kirche, für 
P*|wt. Bischof und Abt boten lehrte, so auch ftlr den Kdnig, 
die J'Qrstcn und Herren, wie fUr die Wohlthftter des Klosters, 
•0 auch tat Vater, Mutter und Geschwister'). 




1! Vgl. ep. L>44 S. 137 f. Dan der Brief, dem die UebcTächrifl fehlt, 
""'htan dun Kaiser, sondern an seinen Sodti gcriclitct ist, macht der Too 
^t Scbreibeos w^hrtcbeiDltch. 

2) Orficia per feriu S. 009 S. 

3) Ep. m S. ;ä4. 

4) be o»u psalin. I, 4 S. 47'l. 

5) U 0. t, 3 S. 471; II, 9 S. 'Mi) f. 

6) h. c I, 14 S. 4»7 f.; U, 3 S. 493 f. 



- 140 — 

Wenn man den religiösen Gehalt, der in solchen Aeusse 
ruogen eich atuprägl. mit dem vergleicht, was wir von Mäooec 
wie Columlm oder auch HoDifatius wissen, so ist offenbar, du 
die i^atil der Töne, die l>ei Älkuin ankhngen, eino g;r08Ge]'e ii 
als bei jenen. Sein inneres Leben war reicher, wa« ihm duro 
die Seele zo^, inanni^faclier abgpstull. Das ist der Segen de 
Bildung. Er war frnolitbar für vielo; denn Alkuin war wie kei 
zweiter Mann der l^elirer des jüngeren Geschlechtes theologische 
und kirchlicher Hüiiner im fränkischen Reicli. 

Als er Kngland verliess, begleileto ihn eine Anzahl vo 
Schülern; andere folgten ihm spiUer nach. So bildete siob a 
Kreis jüngerer Gelehrter, in welcliem er als Meister verehi 
wurde und von welchem aus sich der Samen des Wissens nac 
den verschiedensten Seiten hin verbreitete. 

Der älteste von ihnen war Sif;ulf mit dem Reiaamen Vetului 
Sein Leben gibt einen Eindruck von dem geistigen Austauscl 
der schon in der Mitte des achten Jahrhunderts zwischo 
den verecliiedenen Landern des Abendlandes stattfand AI 
Knabe kam er mit seinem Oheim Autbert nach Frankreich; vo 
hier sandte ihn Äutbert nach Italien: er sollte den rOmisciie 
Gottesdienst kennen lernen; aus Rom ging er nach Metz a 
die dortige tiesangfichule; endlich kehrte er nach York zurück' 
Hier wurde er Priester an der IUolro[iolitankii'che^): auf da 
engste schloss er sich an Alkuin an. Die Anhänglichkeit a 
den Lehrer war grosser als die an das Vaterland ; er folgt 
ihm Über den Kanal. Alkuin bat das dankbar anerkannt; c 
widmete ihm, als seinem unzerlrennlichen und treuen Genosse 
wahrend so vieler Jalire^), seine Schrift über die Genesis. Wi 
gewinnen aus ihr eine Vorstellung der Geisicsart Sigulfs; den 
Alkuin beantwortete in ihr Kragen, welche jener gelegentlich an 
geworfen hatte. Zum geringsten Thcile betreffen sie Schwierig 
kcUcii, welche durch den Text dargeboten werden, sondern faf 
durchweg hebten sie sich auf Djuge, welche hinter dem Text 
liegen: die Absiebt ist, die göttliche Teleoiogie in den Ursprung] 
geschicliten der Menschheit aufzufinden. Sigulf wurde Alknin 
Nachfolger in Kerri6ros*). Wie treulich er das Andcnknn a 



i) Vit. Ab. 5 8. J6. 

2) So vcratelie ich die Wort« cutitoa llRburictc civinui« eoelesUc. 
S) F/[). 49 8.272: Quin IntllviiluHB et Bthüa mlbi »ociti« tunta tciupiu 
fuivti; vgl. Vit. Ale. » ß. S. 21 ff. 
-i) Lupus Ferr. ey}. 29- 




— !4t — 



ttüen Lehrer pflegte, zeigt Alkains Biographie; von einem 
lUnehe des Klosters geschrieben , beruht sie auf seioen Mit- 
fteilat^o'j; freilich gibt sie weder ein vüllig treues Bild seiuer 
PendHlichkeit nocb eine eiugehende Scliilderung seines Lebens. 
Die Absiebt, den moderuea Gelehrten wie einen alten Heiligen 
«netielneQ zu lassen, wirkte schädlich, 

Neben Sigulf gehurt Witto zu den ältesten Schülern Alkuins'). 
In den ersten Jahren seines frunkisclieu Aufenthalts wurde er 
rn Bischof Ujgbald von Lindisfarne zu ihm gesandt, damit er 
in setoer Umgebung seine Bildung vollende. Schon nach eiaem 
Jsbre suchte er das Vaterland wieder auf); aber er blieb nicht in 
Kosland; bald lindet man ihn wieder auf dem Kontinent, zuerst 
in der Nähe Alkuins*); dann hürcn wir von einer Wallfahrt 
QldiRoro'); vorher oder nachhernahm er thcil an der Missions* 
iwcdigt unter den Slaven^); am wichtigsten ist, dass er eine 
2eit lang in Salzburg lehrte'). Doch scheint es, dass Alkuin 



i) Prot. S. 3 und 5. 
9) Wiczo, CAodidiis. 

3) Ale. ep. ^ f. 8. 146 ([. Ueber das Datuio der Briefo b. die Anm. JafT/s. 
4} Die rCtnische R«iae unternalim Witlo von Toiii-a aus; Alkuin er- 
tnete lach, dass n dobia zurQckki-lirvn wlir^le (cano. 44 8. 2ä& ff.)- 

b) WahrKbeinlich reist« Wiito mit Arn von Salzburg tui Frü^Jubr 798 
■Ml Bom. !:> iduss daua, wie Alkuin (ep. 106 ä. 440) anuitatiiL, ücn Somtiipr 
(IW bei Am geblieben sein ; jedoch war er fm Heptcinber, Ma Alkuin schrieb, 
■sbon auf dem Viege oach 'J'ouri; denn iui nücltsten Brief (107, SpSthwrbBC 
79S) wird SDgoDOmmeii, duj «r njtch Salzburg komoieii wird, um dort xii 
iEbran (». U-i). 

S) Der Id «eineo HuuptstelleD von Sickel (Wiener S.B. 79 S. b36)mit- 
Ittfaeilte Uri«f eines Sluvenpredigvrs, der sieb Blaoctdhifi nenne, wird von 
^^iokel tibeneugend Wltlo zngeaehrieben (8. b3»J. Uer SchiiJer de« tie- 
^Bhrtea w«t »ebr weniK entxtlckt von dem Aureolbalte im HIavenlande: 
^BKIecÜaaiuiiB filüs- Alpinis Aiisonicia'inp partibua dej^onlibiu , miire pra>f 
^«deolibua ociniquo decurie stvmuiile prHvdiiis citra Daiiuliii dnenls laiiiaua, 
li Sclavoruiu tnuritibu* et ftbiL-tucii dcuHiiudine cubAiie , ., idiomste carens 
^—Wiona Uneulibiu etc. übcraubteibt er Beinen Brief. 

^^ 7) Die 8alxbiirger Lehrtbätigkeit Wittoa kann nur wenig länger »li 
^^bJabr gedauert baben; im t'rUliJahr 80Ü wur er aidier bei Alknia (ep. 134 
S. b24; 147 S. ätXI), walirscbeinlicb schon im Winter 779— 7W. Bp. Vi7 
imiegtJiSi, vie leb glaube, mit L'ureclit in daa Jahr 799; da in ihr zwei 
Briefe Ama voratugeacut sind, einer von Hom, der andere aacti der Uliclc 
kihr geschrieben, und da Am erst im Lauf dus Desetober aurUckkehren 
konnte, ao kann Alkuin rrtlheatena im Januar SOO von ihtti Nacbriuhl er- 
halle« liaben. Der Brief ans Rum kann »ucU im Otizember in seinu Hunds 
geluMiBea aeia. Als er ihn erhielt, vrai Wiito bei ihm (S. 511). 



— 142 — 



ihi) nicht fflr die Dauer entbehren wollte; er rief ihn nach 
Hr. Martin in Tours zurück; gegen Knde des Jahre« &0\ zog 
ihn Karl an die HüTschule'). Wenn <Iie kleine Abhandlung über 
das Kbenbild Gottes, welche unter seinem Namen auf uns {ge- 
kommen ist, ihm wirklich angehört, so lieferl sie den Beweis, 
das« er ganz ein Theologe nach Alkuins Vorbild wurde. Wie 
bei jenem , so bildeten auch bei ihm augustiniscfae (bedanken 
deu Inhalt der theologischen Wissenschaft*). 

Wahrscheinlich erst nach dem Jahre 79it trat Fridugisus') 
in deo Öchüierkreis Alkuins ein; wie es scheint war er bereits 
zum Diakon geweitit, nts er England verliess, noch ein Jüngling, 
aber wohl unterriclitet*): bald wnrde er Archidiakon'), zugleicli 
mit Wiltn kam er im Jahre 801 an ilen ijof*^). Kart tnuss sehr 
gflnstig über ihn geurtbedt haben; denn als Alkuin starb, illver- 
trug er ihm die Abtei Sl. Martin'). Dazu erhielt er später noch 
die Kloster Sl. Oincr und St. Bertin ^). Ludwig dem Fr. diente 
er viele Jahre lan«^ als Kanzler"). Er starb 834'^). Audi seine 
Theologie bcwegie sich in den von Augustin dargebotenen Vor- 
stellangen. Das sieht man wieder aus seinem wisse uscbaftlicfaen 
Verkehr mit Alkuin. Kachdeui er Lehrer a» der Hofschule ge- 
worden war, riclitote er eine Anzahl Kragen über die Trinitats- 
lebre an jeneci. Die Fragen gehen ebenso wie Alkuins AdI- 
wortea von der augusliuischeu Anschauung aus"). Doch ver- 



1) Ep. 180 S. 632; 187 8. 660. 

2) Mign. tCtl. I3fi9 f. 

3) N-ithanacl Ira Jfthre 7DB bezeichDetc Alkuin ilni uoob »Is pacr 
(ep. lOü S. 4^8), aU aervulus (ep. 99 t). 4U); (locb kannte ihn Theodalf 
bereits im .labre 796 »\» levita (carm. '25 v. 173 S. 4S7). Die Vit. Alo. 
lüavt Um nacli S\gu\( und WUto den Unturriobt Alkuins einpfaB^a (o. 8 
9. 30). — Ueber Friilugis b. liälir, Gcseh. d, Tom. Lit. S. SiSj SIomod, J.B. 
LndwigB il. a. 236 ff. 

i) Thp-od. 1. c. V. 176: Onarus artis, dooiiis beoe. 

&) Alo. 6p. 15^ S. 583. Der Brief gehört waliraclicinlich in das Jahr UOÜ. 

6) S. uhDn AiiEui^rk. 1. 

7) Als Bolohur iinterS'Chrteb er Kurls TeetaiDonl (£Iah. V. Kar. 32). 
In Urkunden mebrluci) gc-niinnt : TIÖhiner-Müblljacher 4^V, 6U9 (T. D.O. Von 
seiuer Vürwaltuug gibt diu Urkuudu 8K) keine bolie Voratellung. 

8) De iDirxc. n. ßertin. I, 6 (A. 8. Mab. III, 1 8. IQä;. Hienaoh maobt« 
Triäugu beide Klüati-r zu Kanunikacen. 

9) Von Ö]9~e32: 8ickel, Acta I, 69. Dt« «rate Ufkunde, di« aeJaen 
Namen trägt, tBi am 17. Auguat M^ anagestellt. 

lU) Hirao. s. Bertin. I, 7 S. 106. 

11) Mign. 101 8. r>7 ff. Uubrigens iat Uia Porm, in welcher ans die 



I 




— 143^ 




suchte er sich auch in selbatstfinriigen S[tckii!a1ioneh. [>M eeip 
sein Seil rifU-ti eil über das Nichts und die Kinsteniis'). Die Ab- 
handlung ist der Uofgeaellachttft Karls gewidmet; sie cliaraklerisirt 
«jie wissenschafilichen Inleresscn derselbuD. Man kam einmal auf 
«lie Frage, üb das Nicliis elwas sei oder nicht. Lebhal^ sprach 
zu&n darüber hio Qod her; doch konnte man sich nicht einigen 
aud liesg zuletzt das Problem als unlösbar falten. Frldugisna 
Überdachte es weiter, kam zu einer bestitiimleu Ansiebt und 
lei^e diese ia seinem Büchlein den Freunden rot*- Uns io- 
teressirt weniger das Resultat, zu dem er gelangte, das Nichts 
sei etwas, als die Art, wie er seioen Salz zu beweisen unter- 
nahm. Es genügte ihm nicht, ihn auf die Autorität, d. h. die 
beilige Schrift zu begründen, sondern er suchte ausserdem einen 
Vernunllbewcis. Wie in deräi>äteren millelalterlicheii Theologie, 
io stehen schon bei diesem Schüler Alkuina Veniunftund AotoritKl 
als die zwei sich gegenseitig stützenden Quellen der Erkenntnis 
^-Deben einander''). Und felaenfest haute man auf die ReEtittale 
^uer dialektischen Kunst. Das tritt in der zweiten Hillfte der 
■Abhandlung in beinahe seltsamer Weise hervor. Auch zu ihr 
'gaben die Gespräclie atn Höre den Anlass: Ist die Finsternis 
oder ist sie nicht? Diese Frage beschtirtigte die Geister. Von 
den einen wurde der Satz verrochten , die Finsternis sei nicht, 
könne nicht sein; von den anderen wurde er bestritten. Fridu* 
gisus war der letzteren Meinung: er wagle, den Beweis zu 
fahren nicht nur, dass die Finsternis ist, sondern auch, dass sie 
etwas Körperliches ist. Es war die von einem theologischen 
Qegoer getadelte Lust an S^^llugismeu'), welche Um zu dieser 



ttigw vorlitffsa, von Alkolo Kvpr%t Frag« V2 t. B. besieht sich auf 
die vorbergehnide Antwort. 

1) Mi^. 105, Ibi ff. Von FridiigisiiH uuch al» Diakonua verfxMt. 

2) Vgl. S. 7f)2B: Buie respoosioDi obviftndaai o»t, primuin ratlooe, in 
<jUUtQm hominU r«tiu pktilar, deiade ftuctoriute, noo qaaljbet, »«ö ralioae 
dantaxai, qiue lula auctoriuu sai, soUquü iromubik'io obtinvi firmllalem. Dua 
Üt Worte »ed r&tioao dantaxat «iDitloi liiKt, ist kl«r ; PiaatI ((ieich. der Logik 
n 8. 18) ÜMI statt rationc rflveliulono; dHs erklitrt Reuter (G«seh. der icWg. 
Aiifl(). I a. 374) fUr eioe KorrtiplioD, mnu mllsi« leseo raiionaii äc'iii g«^ii 
Prantl vorgeirsgener Grund , dass reveUtio in an AbhsndlDiig sonst ntoht 
Yorkomme, ist ricbtig; Bb«r der BegrifT nuctgrltu rationalin ist ihr «benso 
fremd. Wir hdren mir von divina nuctoritA« S. Tb3 A und dacrae scrlptiiraß 
koctoHtaaS. 7^3C, sonst von aaclorilaascbleclnhiD, Demnach ist auch Heiiters 
Kocodaiioalrrlf ; nun hatwahrsehülnliciiEu loBcnseddivinadiimtaxaL Reutern 
Dat»t«llaiig (S. 40 f.) grilodet aicb auf seine Korrektur nnd fällt deshalb mit ihr. 

3) A^b. Adv. Fredeg. 16 (Uign, 1U4 S. 169): Oin) vestria syllogismis 



^ 144 - 



DehHuptuug führte; das Vertrauen auf die Kraft dea logisch 
richtigen Schlusses liess ihn nicht auf den Gedanken kommen, 
dsss man sich über die GreJfbarkett der Finsternis durch die 
Erfahrung Uhvrzeugcn kf)i)nc, 

Zahlreiche andere Namen enghscher und deutscher Schaler 
Alkuins werden noch genannt^). Man begegnet ihnen in den 



AfGroiaro Dltimld. R«uler (s. a. O. S. 37) »ctiild«rL frldujjlsua nls friiai- 
lir.b«n Kritiker. Wie mich dUokt, beweist dss doch die Hielte sns Agob&rdi 
Sohrifl. die er sls Belei; aiirmhrt (o. [I S. 1Ü9B), cieht, da das Won 
omoU hier licb nicht auf alles überhaupt, souderD onr suT dio gsiixe Ab- 
bandluDg Agoliard« l>e7.leht. 

I) ÜDJas, in«hrraeh mit Fridugiaas xusammi^D genannt: AI«, ep. 155 
8. ÖSSj 187 a. 6&d; 294 f. S. 865 f. - Martin: ep. 4 S. 148; IM B.bS3; 
vgl. Poet. Ist I S. 4l>2 earm. 7. - Odain: ep. 16 S. 170; 261 8. öM. — 
Uaulf: Vit. Alo. 8 S. 21. Krubesius lasst ao ihn ep. 222 f. S. 723 ge- 
richtet sein. Die Venuulbiiog wird von Werner (Ale. S. 1) f.j als Tbat- 
sacbe bebaadell, tat Jedoch bUchstene hallt richtig, Ep. 222 ist an einen 
kirchlichen WUrdenlragpr (S. TJ4: Qiix« nee tnae vuiiveniant digoilati) 
Englands {S. 723: Tiiam laudcin pene decantat Brkiania) gorichlel, der In 
Prankreich persc^ntich iinbpkAnnt war (8. 723: Lacinr est fanaa noininia tni 
<iuaiu imiiUa faciei tuau). Das alles pHati nicht zu Osulf. Ebenaowenig 
ta dem KiiipHinger von ep. 235; denn dieser iat adolescentulus (ü. Tib). 
Dans «p. 223 au UauLf geriuhtot war. ist lujjgljcb, IKasC sieb aber nicht be- 
weisen. TheodiiK nennt Osulf im Jahre 796 xusainmen mit radugiaos, 
carm. 2!i v. 17& S. 4$7; später begeg^net er in der UmgebuQA dea Iflngcrea 
Karl, ep. 245 8. 789. — Naso; seine EkloKcn Pact. lat. I Ü. 384 ff. Vgl. 
Ilhcr Ihn Ebcrt, Llt. d. U.A. II S. 64 ff. and beaoDders PUiuiulers Angaben 
Toet. lat. 1 S. 362 ff. ; hienach ist Naao idei]tiac!b mit dem Bischöfe Moduin 
voD AdIud. — Dodo; an ihn Ale. ep. 286 ä. 366 und Über iho carm. &7 
S. 269: Ebert (Lil. d. H.A. II S. 68, vgl. 8. 31) hKIt ihn für den Verfuser 
des Contlictus vcris et biemis (Ale, carm. 59 3. 270). H. dagegeo DUnamler. 
Z. f, d. Atterth. N. P. XI S. 67 ff. — Daph ois: ep. 259 S. 818; earm. 57 
8. 269. — Haganardus, Waldraunus und Adelbect: Vit. Ale 8 
8.20. Ueher die heldlen ersteren wissen wir sonst nichts; von Adelbetl be* 
merkt der Biograph, er sei Mtfnch, nach Sigulf Abt in Forriöres geweaeo 
(vgl. Vit. Aldricill, A. S. Mah. IV, I S. 61i). Ana Alkuins Briefen ergibt 
«ich, daas er den Beinamen Hagua Oihrte, dass er eiti Deutscher war ood 
mit Witto nach Halxhurg kam, wo er mehrere Jabre lang vprweüte (ep. 107 
8 442; 134 S. 526; IHfj S. 528; 192 9.675:235 8.750). - As der le<ster<o 
Stelle i«t rreljeo ihui Adheirtch genannt. Nach Vit Alo. 10 3. 24 f. wsr 
auch er Alkuins äcbtilvr; er wurde Adelberta Naohfolgcr in Perri^res, 829 
Erzbischtif vou Sens (Vit. Aldrici 4 und 11 S. 539 «nd 541). — Putol: 
Vit.Liudg. I 12 S. 407. ~ Riciilf (Damttta], aeit: 787 Er^biaohnf von Maioi; 
ep. 4 8. 147 f.; 9 a. 153 f. Alkalu kann aeiiif Bildung nur vollendet haben. 
— Ricbod (MakariuB), seit 791 ßisohof von Trier; ep. 216 S. 713, — 




*ertehi«(len6ten kirchlichen Stellungen. Zwar hal ausser Hrabaa ') 
Iteiaer eiae literarische ThäUgkeit enllaltet, ilie sich mit der Alkuins 
»ergicicheii liesse, doch gib» ihre Meuge einen Beweis, wie rer- 
brütet die theologische Bildung ia der späteren Zeit Karls war. 
Neben den Angelsachsen fehlten am Höre Karls die Iroschotten 
nicht, wenn aach der Zumig dieser Fremden im Vergleiche mit 
frQher abnahm'). Ein retigiiiscr oder wissenscliafllicher Ocgen- 
sntx zwischen den Kelten und den Germanen ist nicht wahrzu- 
nebmon: im Gegcntlieil, sowohl die fonnale Bildung als die 
^Kologiechen und religiösen Anschanuugeu sind identisch. Man 
ariwitete und dichtete, man betete nnd fastete genau auf die- 
selbe Weise. Von eineni dieser Kellen, Josephus Scoltus, welcher 
^fkuin besonder« nahe stand 'J, wissen wir, dass er eine Kr- 
k/ftruug des Jesajas vcrfasste; er ging 7.11 Werke wie Atkuin 
uml exzerpirte sie aus dem Kommentar des llieronyinua*). Er 
machte auch Verse; aber er hatte dazu so wenig Anlage als die 
meisten der Itarolingischen Dichter; die Buchstahcnkilnstelcien, 
»»liehe er Karl widmete*), sind mehr Beweise einer »ncrmdd- 
ficlien Gedald als poetischen Talentes. Nur als Dichter ist ein 
2vir«iier bekannt, dessen Nauieu wir nicht wissen; er bezeichnet 
sicli selbst als den irischen Fremdling*). Ein Dritter, Duagal^ 



^ taalBrlua von Metz: ilu ord. tnliph, 56 (Uign. l(i&, 1303). vorausgeaeiil, 
'l*tia der hier (C^Dsonie Albious mit Atkuin identisch ist. — Saiaitel, 
^■«cbof van Woma uud Abt von Luracfa : Ale. vp. 290 S. 876 1 Hrab. carm. 29 
T. 19 8.190; Ann. Xant. e. J. ä?2 S. 234 — Batto, Abt von Fulda; Cai. 
«lib. PaU. <M. U. Scr. XIII S. 2;2). 

I) 0»b«r ibo im tiäcitatCD Buch. Seioe lI«xiehuDgeD zu Alkuin er- 
S«1wa Bkb AiiB cp. 2M S. 801. 39Ü S. BTb. wenn biimiDlfr« Venonüiuiig 
'kehlig ist, du« auch der lelstere Brief ao Utaban gericbteC iat, cann. !>!' 

%) Vgl. A\e. ep. 2t7 8. 71S: Aotlquo lempor« dactisaimi solcbant 
■Hiitii de Hlberiiia BritUDnEwu, Oalliais, lulisoi venire. 

3) Ep. IG S. 170 redet ilio Alkntn ala Sohn an: d«T Brief Ist 790 aus 
bigluid geacbrlebeii. Es scbeiDt, dus« Alkuio Joseph zu seinem Stellver- 
Met wiQireDd euiacr Abwe^kMibeit iti Kngland rüaclite. Da« wird sicli aus 
^ AoArägen des 16. Briefve lulgi'ni lassen iv);l. such ep. 20 3. 177). 
Als leinen Lcbrer Terehrte Josi:ph einen Bcholtischen Priester Colctl (ep. 14 
^Kli t6 8. 171). der 794 atarb (3iff6 ä. 1f>C> Anmurk. 3). 

4) Dte Widmung des Komiui-tiiars an Alkuin FoeL laL i 8. I&1. Der 
'■•Buetsr ist bandachrifUicti erbalmn [s. Dümmlor 1. c. H. 149 f.). 

fi) Poer. I»t. 1 S. ib\i S. Joappb iUrb for Alkuin (ep. 2tä 8. 709). 
G) Ulbemieus £xul; seine «odichte Post. Iat. I 8. 3I>3 ff. Vgl. Ebert, 
"t i. M.A. 11 S. bS ff. 



— 14« — 

war Münch in St. Denis'); er that sich rliircli seine astronomischen 
Kenntnisse hervor. Elinc tiefere Einwirlciinia; ist Ton den Kelten 
in dieser 2cit nicht mehr ausgegangen. Sie wurden durch die 
uiiert^ische Tliütigkeit der Germanen zurückgedrängt. Dazu kam 
die Abneigung der Krauken gegen die Art der Iren; die letzteren 
verhehlten sich selbst nicht, dass sie im fränkischen Reiche wenig 
heliebt waren'). Cine Fretiitdschaft , wie sie zwischen Joseph 
und Liudger bestand'), war eine AusnEÜime; die Meisten halten 
unter der nationalen Antipathie zu leiden; beRonders scheinen 
Thcodnlt' un<l Einhard wenig iluMfiain gegen die keltischen Eigen- 
thnmlichUoiJen gewesen zu sein*). 

Wenn Angelsachsen unil Kelten den Einlluss der nordischen 
Kultur aur das Reich Karls darstellten, so die Langobarden den 
der italienischen^). 

Der erste Langobarde, welchen Karl in seine Dienste zog, 
war Petrus von Pisa^). Er war theologisch gQtildet''|; aber 
Karl Buchte in ihm nicht den Theologen ^ sondern den Gram- 
maLiker^). Als solcher wirkte er, vielleicht schou vor der Er- 



1) Ep. C«rol. 30 8. 396. Briefe Dnngala I. e. 46-5'^ 8. 429 ff. Sein 
KpilApb Fopt. Ut. I S.40ti Nr. 17. Ii^d paartiedichie DuiikhIs I, e. 3. 411 f. 
Mtiitinlcr (I. c. .S. 393 f.) hXlt es fllr wahrscheinlich, das» Oungal und der 
Iliberniciis Exul eine Ferton seien. l>ie UrQnde scheinen mir doch nicht 
SO gewiohtig, (Insu ntitn die AnDalime fllr mehr als m^i^lich besteichaes 
kinn. Auchuh Iiun^nl mitdi^ii] j^leictinauiij^eD Mitncbe von liubbio identiicli 
iflt (9o Kber). Lit, d. M.A. II -S, '^24), ist «Ine Krflgö. die aich nicht «teher 
treaniwortcu tits«!. Aikuiu DODDt ep. 317 S. 714 Uitne.il Diachof. 

2) Vgl. Diingjils Aeussfning ep, Carol, 49 S. 483: Um paiiperc« et 
psregmii oneri for»tt.aD et fastidtu vobis videamar esse prujiter uostnim 
muhttudiuoru et importiininuem et clsninaitatem. Vgl. Vit. Alo. II ft. 25; 
Mo. ep. 276 S. 84S; Couu Cnbil. (i 813] oan. 43 (Man«. XIV, 102) 

5) V. Liiidg. r, 17 S. 409. 

4) Tbeod. ca™. 25 v. 159-174 S. 487. 

fy] Den sicmlieh eagenbaft aussebfindeo Zosatz zu der Ann. I..iarigs. 
787 tlher »rtiB jtr;uiiTii.-it icae et oompiitati^riae iiiagistros, welche Kar) ans 
Rom nach Fraolcen brnclite. lasse ich nniaer ßelmebl, 

6] Vgl. über ihn: Kiilir. Gesch. d. töw. IM. S. VI und 87-, Ebrrt, Gmeli. 
d. 1. Lit. (l U.A. ti !S. 48 ff.; DUmmter. Poet. tat. I S. 29. Wann Peter 
in I\*rU Dioiuite trat, ist iinbelcHnnt; nur wird sich aus Ale. earm. 4 T, 42 
8. 222 foinem lassen, dnss Petrus eher als Pauliin Ifjakoous hu den Bof 
luD. Kinhard (Vit. Kar. 26) bcMiihiidl iliu al» tJreis, Im Jahre 799 war 
Petrus entweder ludt »der itidrtf Heimat h iiirlirkgckchrt (Ale. op. 112H. 4&S). 

i| Ergibt sich (lur;tNa, daaa er mit d<.>ni Juden LulUis diapiltirte (Ale. 
ep. 112 S. 458i a. o, S. 121 Anmcrfc. 4). 

5) L. c. i vgl. «uch Einb., V. Kar. 25. 




- 147 - 

otierung Italiens, an der Ilofschule. Alkuin bezeugt das hohe 
Ausehen, dessen er sich als Mensch und als Gelehrter errreute. 
Doch war er kein Literat; er hat nichts geschrieben al» ein 
paar Gedichte '). Obgleich er In ihnen nicht im eigenen Namen 
spricht, haheii sie etwas Individuelleres als die meisten Verse 
AlkuiDS. Beeonrlers verleugnen sie den sputlischen Ton nicht, 
der Alkuin auftiel, als er den tlof Karls zuerst kennen lernte '). 
Wenn Petrus einmal sich selbst als den Mann bezeichnet, den 
man am Hofe niemals zornig sehen künne^), so passt solcher 
Gleichmoth wohl zu der ironischen Kühle seines Wesens. 

Gleichzeitig mit ihm*) war der Aqailejenser Faulinus am 
fränkischen Hofe thätig*), auch er als Grammatiker. Karl recltneto 
es ihm hoch an, dass er ihm unverrückt Treue hielt, als die 
Langobarden sich gegen seine Herrschaft erhoben. Zum Lohne 
überlicss er ihm den Besitz eines mit Hmdj:;aud gerallenen Auf- 
sUindischeii*]. Unter den Männern seines literarischen Hnfstaata 
schlössen sich Paulinus und Alkuin am engsten an einander an, 
Ihre Freundschall erlitt keine Störung, als Paulin im Jahre 787 
den Patriaicliat von Afjuüeja erhielt^). Nun wurde der Verkehr 
schrifllich Tortgesetzt. Alkuins Briefe an seinen Freund entbehren, 
wie das bei ihm gewöhnlich ist, vielfach des sachlichen Inhalts; 
aber sie otTenbareo seine Gesintmng: sie athnien nichts als Ver- 
ehrung gegen den Bischof wie gegen den Mann"). Die Freund- 
schaft beider beruhte auf der Gleichheit der theologischen und 



1) Poet Ut. I S. 48 Nr. 11; 8. 50 Nr. i3; S. M Nr. Ift. 

2) AIo. CMm. 4 r. 40 ff. S. 222: 
Tu mihi protector, tator, defenaor aclesto, 
Invida ne valeat me CArpere lingu» nuccnilo 
Paulloi, Petrl, Albricl, Siimuells, Jone. 

3) C«r«D. 15 ». 30 S. 53. 

4) S. die Aomerk. 2 angefahrte Stelle. Üebflr die AbraetUDK>&<^>t drs 
Oedichtca t. .S. 121 Anineik. 5 

5) PauÜD war ein Aiiuilejcnser; daa er^fibt sieh aus Ale. cann. 17 v, 14 
K. 239. Man v«rgl. Ub«r ilui; R»hT, Uea«li. d. TÖm. Ut. S. 33f> 0.; Ii;b«rt, 
Geicli. iL I. Ut. d. M.A. 11 ft. 80 fT.; DUoiinler, Poot. lat. I 8. 123 ff. 

6) Urkunde vom 17. Juoi 776, ausgeitetlt in Ivrea ( BAhmerMUbl- 
baeher 19S): DouaiouB a nobi« vlro valde venenitiill Paulino artia gram- 
maticae maglatro. Wo sich Paulin aufbiclt, »agt die Urkonde nlchl; dio 
uKcliBtHeKt-nd« ADoahme acheLOt mir, am H"fe. Jedenfalls ist die Be- 
haiipiiing Werners {.4k'iiln8. it), Karl hsbe PaoHo erst 776 kennen gelernt, 
nicht tu beweisen. 

7) Vgl. Jaff«a Anmerk. m Ale. cp. II & 162. 
8> Ep. It; 52; 91; 185 u. a. 



- 148 - 

kircliHchen UeborKoiiguiigen. Vcrrasate Alkuio ein Buch aber 
den TriniLütsglauben, eo bemühte sich l'auUn, die dogoiatischen 
Formeln in Verse r.u briogeD'j. Wie aber jener, wenn er fOr 
Laieii sclirieb, seine theologischen Hegriffe vcrgass, so auch 
dieser. Sein dein Hersog Erich 7on Friaul gewidmetes Er- 
banungabuch'j ist eine wanne Ermahnung zu einem Leben in 
den christlicheu Tugenden. Die rehgiuse Stimmung, welche es^ 
erfüllt, ist die gleiche wie bei Alkuin: Vertrauen aur das grenzet 
lose Krbarnicti Outt««'). Nur tritt bei I'auhiius mehr in den' 
Vordergruud, dass der Reichtbuni der gülthcheu Gnade sich ia 
dem Er] Üsuogs werke Christi beweist*). Uaduroh erhält die 
Gcsamintanschauuiig etwas Gesn-Iilosisnerns. 

Der Untergang des Langobardcnroichs führte Farduir und 
Paulus Diakonus zu Karl. Der crsterc folgte dem fränkischen 
König als Verbannter: er oiuss beider Veriheidiguiig seines Vater- 
landes in vorderster Reihe gestanden sein*). Aber in der Ver- 
bannung lernte er den Mntni lieben, der die SelbstsUindigkeil 
seines Volkes zcrstürt hatte. Als im Jahre 793 die Verscliwöriing 
Pippins des Ilückcrigen das Leben Karls bedrohte, rettete ihn 
Fardatf, indem er den verbrecherischen Plan enthüllte. Karl 
belohnte ihn durch die Debertragung der Abtei St. Denis "). 



1) Vt6ga\h fidei (Poet. Int. I S. 12fi ff.)- 

2) Über exbortatignis bei Uign. 99 S. 197 ff. Erich war 795—799 
Ucnog in Frinul (». Abel, J.l). S. 2^1). Paulln« Bcböoo Elegie luf den 
Tod I^tiuiia Poet. lai. I S. 131 f. 

3) C. J4 S. '^1)4 tat die .S. iid Aomcrk. 1 »iia Ale. ep. il citlrie Stelle 
wiederbgli; vgl. den äcbluw des Uulieis um die cbrietllcbeo Tugviideu 
c. 66 S. 282: Collocn oe in eanlis tiitisaJcnis grrgiiin luorum, qiiia In es 
paator bonus, <|ui ri;quinii ot retliieis perdüata ovom, tiieris et aalva« in- 
vcni.im, Sanas et foves langni<I.ini. Kr (n es miaericorn Uominns, i\w spe- 
rantea in (c iioii coufumiia, reqiiirentca te avn tlerfllioquia ; revertentds ati 
te non letpiiii, acd exsuh-indo ec Liiidaniio auacipii, atf[iie in aeterna 
bcaiiludinc una cum asnctie H elaatia luia aeteroaliier regnare cvneedEs. 

4) Vgl. c. e ä,203r.; 2t a.iU; 46 S.24öf.;5I 8.251 f.j ft7f. s.2ßar. 
5J Farcl. i;afni. 1 v. H ff. (Puot. Irl t S. Zbi): 

Quem i|nand:iiii, (iroprme ftienit dum sceptra BCCUIUS 

Gcotia, in adversas dt» tuleru vius. 
Allainen hie lidi-i iloiuinia st^rvavit honoreiu, 

HiB re^Di quatuvis ulüma iccta füret. 
TaDClein Te<:>aris Caroii fclicibas armis 
Ceasit, et in melius rors sibi ckbaH her. 
6) L. c. V. 9ff.; EiDh. ann. «. J. 79'2. Uebei die Verachwtiniog 81(0000, 
J.B. S. .'){) ff. 




— 149 — 



Dort baute er für den Ki\a\g einen Pnittst im Stile der Alten'). 
Es liegt ein schöner Stolz darin ^ doas er in dor Inschrift an 
diesem Bau steh rütmit, er habe den Fürsten des eigenen Volks 
die Ebrc der Treue gewahrt, auch als für ihr It^ich dJo letzte 
Stunde geschlagen halle. Dass er Verse zn machen verstand 
wie die uhrigen Literaten dieser Zeit, zeigt diese und andere 
lnü<;ltnflCD für seine Bauwerke; Theodulf legte auf sein Urtheil 
Werth: er widmete ihm ein paar seiner Arbeiten"). Doch scheint 
Fardulf literarisch nicht weiter thätig gewesen zu sein: ihn be- 
herrschte die vrirnehmerc Lust, zu Ijaaeo. Als Lehrer rühmt ihn 

'Seine Grahschrifl*). 

Der hervorragendste Lao-^obarde an Karls Uofe war Paulus 
Diakonus*). Es lajc ein wechseUolles Leben hinter ihm, als 

'er Karl aufsuchte. Entsprossen einer laugobardischeu Familie 
Frisuls'), deren Glieder gewöhul waren, die Waffen zu fillireu, 
erhielt er doch eine gelehrte Erziehung,'. Durch einen gewissen 
Ftavjanus wurde er in die antike Bildung eiugefütirt. Dieser 
gehörte einer Familie an, in welcher der Lehrberuf gleiclisaui 
erblich betrieben wurden sicherlich war er also ein Itotiiuiie"). 
Nicht nur die lateinische, auch die griechische Literatur lernte 
Paul durch ihn kennen und liehen*). Mehr als bei den meisteti 
Zeitgenossen Inerte bei ihm die ktassisch-römische Bildung auf, 
Maske zu sein; sie war sein Eigeulhum Aber die Freude an 



i] Oltb. I V. 17: Mor» vetWQiD avontm. 

2) TheoJ. cirtn. 3^ S. 524 f. 

3> Pu«t. Ixt- 1 S. 404 Nr. ]3. Sein Toäe»jahr 806 ergibt sich aus 

). CoDir, CbroD. s. d. J. 

4) Zur Ltteritiar nb«r Paiilun erwifhne ich ausser BShr, Rbert, Dinnmtcr 
(a.a.O.), B«t))[DSaii in PenzArclilv X S. 247ir.i Daha, Des Piulus Diiikonus 
Ubta ood Schriften (1876.; UXesScker, P. U.E. XI S. ?im If.; Mommscn, 
N. Aroh. V 8. Ö3 ff.; Waiix a. a. 0. S. 417 ff.; Schmidt a. ». (>. XV 
S. 391 t Ich eIHrc di« 0«dicbie n»ch Poet. Ist I S. 12J ff.; die Laogo- 
bafdragcschlchle nadi der OklavvuBgabe von Waitz, die ibflologiacheD 
Sebriften naich Mignr. 

6) Uober Beine F'auillie IiRodch Piiul, HisL Laug. IV. 38 8. H-t; vgl. 
fie etwa» breit ^rraiheoen AuBHilirungeii Dahna, Facliis Diakonna H. 1 ff. 

6j UisL Laog. VI, 7 S. 21!>. 

T] Oann 12 SUr. \'2; Poet. litt. 1 S. 60. Die gewöhnliche Aonabttir, 
Psilos hI im Hofe des Ktiniiia Ralcbis eraogeD worden (ao z. 1). Kbert. 
Lit. d. M.A. II a. 37), )i:U F'-ibn (S. 9 ff.) bestritten und meines EriiL'ltlena 
weulgateiis so viel bewieaeu, iUbs die AnnnbiDe durch keine Stelle Paul» 
»Fibttgeatiilzl wird. Sie limlet sich in d^r Uriibsehrirt pAnIs v. 14 f. (Poet- 
Ut. I 3, 8&); aber diese Quelle ist wenig zutrauen erweckend. 



— 150 — 



Act Vergangenheit des eigenen Volks, die Lust an den Hagen 
unil Gescliicliteo , die unter seinen gertnunisclicn Landaicuten 
von Muurl zu Munde gingen, wiinle i))ni dadurch nicht getrübt. 
So wenig er dem nationalen Lelien entfremdet wurde, ebenso 
wenig dem th6tigen: obgleicti literarisch gebildet, glaubte er 
weder Mönch nocli Kleriker werden zu niitssen'); als Laie kam 
er an den Hot' von Henevent*}- i>ort traf er fruohes geistige« 



1) EberL {S. 37^ lüant ibu unter dem EtnHiiSB des Kxtchis dun l.nieii- 
fltnod mit dorn geiatltohfln rertAiiRrh^n , vm- 749; den Beweis findet er 
V. 18 f. der Grabaclitift. Dngvi^L-D koiniot Dxhn .durch paj-chologix^e 
ZergliedrniDg' Pauls zu dem Rpiiiilialr-, dass Paul er8t77& oder <7(> Mönch 
jfewurdei] sei (S. 33). Ich bin Jalires/atilen ^genJllier, wiche durcb 
pBycholiigische ZurgKcdcning gvwontion wiTdoii, nur okepilBch. Doch wird 
Daho im K«chte Boin. NImiiil luaii dm Wort exut ^cariu. 2 r. 138 S. 40) 
BQ, wie es lauicl, so bat t» Im Leben Pnuls einen Zeirpiiiikt gei;ebea, In 
welchem er »ich ala verbiiitt betrachEttt, und fiel dkaor Z«)tpniil(t mit 
scJDem Aufenthalt in Monte ('assino siisAtLiueD. Ware Paul ganz frei- 
willig, nur d«m inneren Tri«ib folKond, ilcrthin gCKanf^en, so liKlte er sich 
nii'ht Bo beseiohnpQ btiunen. Verbannt war it nnr. wenn er die Hetuiiub 
meiden mitsBtu. Wodurcb war dies voranlastt? Hie Worto (carm. lU v. 3 
S. 47^ nUt merenr' beweinen, dsB8 Buiu Vorlialteii gcgvn Karl die Ursacbe 
war. Wäre nun Pniil schon viele .);ilite viir dorn i^tuTz des Üe»iderjtu 
Kleriker und Müiicli guwescu, su liesse sich scUwür (iunkeu, wudnrch er 
den Korn des Königs in sbnticheni Maaac, nie später Arithis durch die 
TbeÜDabme an dem Aufstautl Brodijauds. auf sich liehen konnte. Es sobetai 
deshalb die Aunahoio naiUrUch, dass Hicli Paul am Knmpre gegen Kail be- 
theiligte. Und d:irauf fUlirt. wie mich dünkt, auch caim. 37 ä. 70 f. Utas 
durcbaicbilg isf das Oedichtelii?^ ja nicht, dn die Verse Paula, welche es 
emidurt. niclit erhalten sind. Doch sivlit toaii, dass Panl, wie Alkuia in 
einom ülinlichen Fall (ep. 98 S. 412), abgelehnt hat, den König im L«g«i tu 
besuchen. Spintet Karl: 

tjuid modo miles agis, ciillro qui chUa aecare 
Iloatibus .1 noalrU, P»itl^, paratua erasy 

Nunc tili dexlra, acinox, ulanj^uit ofTeta bellt. 
Leva oaput supra aut souta levare neqnit, 
SU iat der Spott doch nur verständlich, wenn Paulus wirklich einmal Krieger 
war. Dann Itonnte er etwa sa|;eii : In fcUhereu J^tbren IiÜlte er das Schwort 
für den Kdnig gezogen, jetxt. s\8 Mönoh, hübe er als Waffe hünhsteoa ein 
Messer, libcrbaiiiit xei er. dertirei», zu »cbwacli. Waffen zu rühren. Nahm 
Paul im Jahro 774 an dem Kampfe tlieil, bu kann vr frühestens naeli der 
Ntcdorl-igo des Deaiderias Miinch gewurden sein. Hr floh wohl, wie s» 
mancher xudcre am Kiuupf Uvthciligle, nach Ounuvenc. 

2} Üiv Zeit ia[ autickanut. Ana cnrui, 1, das im Jalire 763 in Ueuevent 
verfasat ist, ergibt sich nur, duss er in dem genannten Jabre bcielts In 
Benevcnl war. 



tgcr 




- 151 - 



en: man itileressirlo aich Rlr Geschichte wie ftlr Poesie, ftlr 
iche wie für naltir Wissenschaft liehe Probleme. Den geistfKeii 
tpDDkt biMeten Herzog Ariclüs und seine Gemahlin Adcl- 
perga*). Die Fürstin hat den jungen Mann zo seinem ersten 
Buch angeregt. Kr hatte ihr die Lekttire des Kiilropius em- 
pfohlen; aber AdeJperga fand wenig Gcfatten an diesem Kom- 
pendium; es war ihr zw dOrftig; sie vermlsste besonders die 
Karhrichten über die christliche Kirche. Ihr zd Dienst hat. 

■ l'aittus seine römische Geschichle geschrieben'). 
Diese« glückliche Leben wurde gestfirt durch Karls AugrifF 
auf das Langobardenreich. Paulus scheint die Waffen zur Ver- 
iheidigung de« Vaterlands getragen zu liaben»). Um so ecliwerer 
irafihn der uoglückliclie Ausgang des Krieges. Er musste Ilieheu; 
K-in der Verbannung ward er Mnncti. Der Eutscliluss sieht aus 
^ *ie eiu Schritt der Verzweiflung. Aber er fUlirte zu einem guten 
Eude. Paul fand Beruhigung, ja üJiick im Umgang mit gleich- 
Bgesinuten Genossen und in den geletirten Studien*}. Alsbald 
^jedrtch scheuchte ihn neues Unglück, das seine KamiÜe traf, 
wieder auf; er wurde genOthigt, sich dem Manne zu u^hero, iu 
welchem er den Urheber alles des Uebels erblicken musste, das 
über ihn gekommen war. Arichis, Fuuls Bruder, gehörte wla er 
selbst der langnbardisclien Kutionalpartei an. Als sich Hrodgaud 
egca die Franken erhob, schloss er sich ihui an; aber die 
Empörung endete ebenso unglücklich wie ein paar Jahre vor- 
her die Verlheidigung «les Vaterlands. Arichis wurde gefangen, 
nach Frankreich verbannt, sein Vermögen eingezogen. Mit einer 
Filffaitte fttr den verbannten Uru<ler wandte sich Paul im Jahre 



vv itrui 



1) Ep. ad Adt\ptTg. bei Datin S. 77 f.: Cum »d imitaliuncui excollen- 
tisiiml cORtparis, qiii nastrn i:iato sohis pene principiini p.il[iinro Icoct, 
ip«a quvqo« . . |>Tudentimti artliaiia Timen», ita uc pliylosupliuniui aurata 
f1oi|Qia püCI-'^rumqui' {^eoiicca tibi dicia in pn)ni[>tii Mint, hyaKtriia cti.iiii 
HU cummeutis tarn diviois iola-re^s quam uiiDdauis. Vgl. die Urabacbrift 
des Ariehla v. 11 f. S. 67: 

iHani log^s et pbfais, nuii.kT.anflqae quud olliica pnn;pl. 
Omni» coodiderat mecills iti arcc euae. 
2) Ep. ad Adolpern. 1. c S. 7B. 
5) i*. S. ^b() Anmerk. 1. 
4) Von Dcntwlilniid au« schrcihl Paul am 10- Jatm.nr "S/l äii Ahl 'l'lntii. 
damar vun Munio CsHioti: Vfdeur milii iiudc ausvibusuiiuium vusLrls itilLTüsau 
CMCCntibu», nonr conaederc «atiandifl in caeoaculo plus Icctiünc quam cibu, 
niiDa Riii|;tiluriiai cunsidcniri! in diversis ufficiiii «tiidia, iiliiic i^Mvhtat iatn 
wüiii) seu hiDguiüüruui, ijuuuiotlu qulHque valc-at, perdiacKre causaa, nunc 
adiBstaj mihi piradisl dilecta guucturum lerere Ilmlna (Illat. Lang. 8. 6), 




1S2 



782 an Kurl. Das Ucdiclili in welchem er Bio vortru|j, ist weil 
Ulis die ai 17. JL>lien liste roii allen |>octischeii Prorlukliotieu de 
karoliiigiscliBii KpDclie. Paul vermied jedeu rlietorisclien L'ruiili 
aber seioe einfache Schildernng des Unglücks der Familie b« 
elwas Ergreifendes: der Bniiier seit sichcn Jahren als Verbtuiul« 
in der Fremde, seine Gemahlin zur Hettlorin geworden, lieisct 
auf den Strassen der IlcimaUi Brot; es zuckt ihr die Lipps Vd 
Schmers über die Snhrimch, wenn sie um die Gaben bittet; ab« 
nur SU vermag sie ihre Kinder vor dem Tlun^crtod zu bewahrec 
eine Schwester, seit der Jugend Nonne, ist schier erblindet rc 
Weinen: die Familie ist vernietitet. In den einfachsten Wurte 
bittet Paulus um Mitleid, Karl uiü}je endbch diesem Jaminc 
ein Ziel sclzcn, den (jefangenen in die Hcinialh zurückkehre 
lassen und ihm seine üaLie zurückgeben^). PauUis reiste selbi 
in das fränkische Keich, um seine Bitte persönlich vor d« 
K^nig zu bringen'). Wurde sie auch nicht sofort erfüllt*), s 
wurde er doch wohl aufgenommen. Ich verweile, schrieb er a 
Abt Theudemar von Moule Cassiuo, bei Katholiken undfromj 



in» 



1] Carm. tO S. 47. Daas die Bittschrift im Jahre 7S2 abgefasst ll 
wird seit Betbuiariu (rcrlz, Ärctiiv tO 3. 294J allgemein aDgenomaieD, tc 
Uahn (S. 'J8 f) je Joch nur als wahrscheinlich betrachtet, wie auch Bell 
in.-iiin aelbet geurthellt lititte. Doch dnrf iiiad die Anuahme flir ziemlit 
sicher bnltea; der Beweis liegt, soviel ich sehe, in v. 3'— 5. Hier spricl 
Taut vun seinem eigon«n Schicksal: Som miaer, ut mereor, und RUt 
dann dort: Septimua anniia adcst, ex quo nova causa dolores mtiltipHoi 
geueml. Dadurch ist swiscben seiner eitfenisD Kataatiupbe unti der s«iai 
Bnidera unlerscliiedfiii: jene Titllt früher als diese. ]>aün kann die Ictxtei 
al>«r nur 776 eingetreten »ein, Und da Paul sagl: daa 7. .I.'»hr ist d 
B<> schreibt or im Bc^nn densRlben- l'iu Biflscbcift lot alao hn FrUbjal 
781! verfasat. 

2) GewÖbiiliche AnnabiBO, die von Dahn (S. 29 f.) aobr UborflIIssigfl 
weise bezweifelt wird. Sic ergibt sich schon daraus, dass sieb I'aal I 
der Ueherfiflirift des Briefes an llimidemnr nia pusilhts filins aupplex bi 
zeichnet. Carm. 11 Str. i S. 4ä schliesst aus, das K^rl Paulua ao seine 
Hof berief. i 

3) Ep. ad Thcudem, S. 7 xcigt, dsaa Atteliis im Januair 783 nocb dFcI 
rrRi|*e{;cbcM wnri Quam ijrittium mihi . . Umbiieius . . nucteoi maeruria uieisqn 
captiviti iiijfii miserific diiniaerit. Die endliche Gewährung der Dille Pan 
acbeint wir uidil Kwdfelhad. Caiui. lä v. 9 3. bO: Quud le pust leoebn 
feeil ctignoseere lumcn macht sie gewiss, zLiiual wenn mau die VcTworthun 
des gldchcn Bildes liier und in doiu Brief au Tlicudciitar beachtet (vg 
cartD. 14 V. 15; i^ V. 28). Dabo (S. B9) Übt seinen Scbarfainn auch bio 
Indem er dns Nalietlpgendo und Kinfaclia bezweifelt. 




- m — 



^t 



Cltrislen; alle cmpfangea mich rreandlicl); dio Liebo zu unserem 
Vater Benedikt Iftsst sie günstig gegen mich gewinnt sein'). 

Karl wünschte den Gelehrten, dessen spradiiiehc Kenntnisse 
er besonders sch&txtc, in seinem Reiche Kiirtlckznbalten^). Uuss 
Paul einige Jahre blieb, belraclitctc er als ein Opfer, dos er dem 
Küiiige brachte: der Palast ersetzte ihm BIoqLo Cassino uiclit*). 
Das war nicht mönchische Knge; denn vo» ihr war er TüUig 
Trei: das Ihiitige Leben galt ihm als ebenso berechtigt wie das 
beschauliche: das Beste sei die Vereinigung von Handeln und 
Meilitalion*J. Allein die üebe zur HeimaUt wird ihn diesseits 
r Alpen nicht liaben heimisch werden lassen. 
Nicht als Schriristeller, sondern nur durch seine Persönlich- 
keit wirkte Paul, so lange er in der Umgebung Karls verweilte. 
Ausser dem Uüchlein über die Metzer ßischüfe'j und einiHCn 
Gedichten scheint er in dieser Zeit nichts geschrieben zu haben. 
Aber der Eindruck seiner Persönlichkeit muss ein ausserordent- 
lich einnehmender gewesen sein: ohne jede Spur rou Neid er- 
kannte Petrus von Pisa, der altere Mann, die geistige Ueber- 
legenheit Pauls aa^). Besonders Karl selbst war von ihm hin- 
genommen: ihm gegenüber hat er nie den Künig herausgekehrt, 
^^as er Alkuin g^enüber doch ab und zu that. Im Vergieiuliu 
^BÜt (lern schwerflllligen, stets moralisirendcn Alkuin b&tle Paul 
^■jteH OeweglichercB, Freieres^ er vermied es, mit der ernst- 
'mmn Miene Alkuins dem Könige Huldigungen darzuhringoo, 
aber gewandt wusste er in der Erwiderung auf einen ziemlich 
plumpen Scherz Karls ihm etwas Freundliches zu sagen ^). Lehnte 

1) t» c. S. 6. Ütr Brief ial dktin vom 10. Janunr inargEn« de vttreao 
Moaellar. Da« Jahr 783 rrgibl sieb aus dem Über die Abra«suüg der Bftt- 
•cfarift liemetkten. Paul om-Sbnt Htsi. Lang. I, & einen Aufenibslt In Dicdcn- 
bofcp während der WeibnucbtnelL 
k 2) Ca™. 11 Str. 5 S. 48. 

P 3j Ep. xd Theudeni. S. f. Der KtSni^ sweifelte zuerst, ob er Taitl 
halten kfinne ^cam. 11 ärr. 8, vg\. 6). Seinen gcwfibnilcben Aiifcnlhab 
hatte rr in der Nähe des Künigsfcirai. 17 S. bi}. Voq fräolsiscbeD Orten 
hannie er Poitiers; er besnfhie dort du (Irnh des Vonaintfns Fornuiütus 
(Hill, UfiE- H, 13). Meu (1. c. V!, 16), auch den Nordweeleo (ep «d Adul., 
Dabn 8. 61). 

i) Ilomil. 2 (Migii. 95 3. I^70 f). 

b) Virl. llbt Lang. VI, Iß. Vielleicht aniserdom illn Exzerpte ans 
I'ompeiua »■tili. Wailv ireni)(Slcns achrcibt »m iimteieiD PnnI zu (e. Bist. 
Lnng. S. 10). 

6) Ergitrt efcli troii der irociachf n Deberlreibung am c^rin \b 8. b'2 ff. 

7) Cara. 13 v. 13-20 und 14 v. 9 f.; ▼. 2& ff. 



— 154 — 

er mit reiner Seibätironie Übertriebenes lx>b ab*), so muuleii 
uuch seine Freunde sich gerallcn lassen, dass sein 8poll sie nicbt 
schonte'). FUr die Schunheit der Natur hatte er Jus offenste 
Auge: wie freute er 6ich an dem Reize des Cornersees 'J, an 
dem ewigen Frflhting, der an seinen Üppigen Urern herrscht, 
oder an der Pracht des SonncnHiirgaiigs*). Mit ein paar SlricheD 
wusste er das anschRiilichsfe Elild zw zeichnen; die wenigen 
Worte, in denen er den rerfultenen Stammsite seiner Famih« 
schildert, sind eines Meisters worth: ein ödes Haus, das Dach 
eingestümt, zwischen ilen Steinen Brornbeergeslränch und Hage- 
butten emporspriessend, in der Mitte eine mächtige Esche, die 
ihre Zweige ilber die Verwüstung ausbreitet'). Piulns war ein 
Gelehrter*), aber noch weniger als Alkuin auaschUesslich Theolog: 
in seiner Langobardengeschichle tiberwuchere nicht wie bei Gregor 
von Tours die Gescliiclite der Kirche oder der Bischüfe die des 
Volks; sogar in seinen Erzählungen über die Hischflfe von Mctt 
drängt sich der Gedanke «n die Herrscherfamilie in den Vorder- 
grund. Als Stilist war er eigenartiger als die meisten seiner 
Zeitgenossen : er beabsichtigte weder gleicti Alkuin zu schreiben 
wie ein Kircheni'ater, noch gleich Einhard wie Sueton: sondern 
er sclirieb wie er selbst. Auch das gehürt zu der Frische uod 
Wahrhaftiijjkeit seines Wesens. 

Wahrsclieinlicli im Jahre 78ß^) kehrte Paul nacli Italien 
zurück: er lebte wieder in Monte Cassinrt'), Ünrt verfusslo er 
seine Langobardengeiscliichte, sein llomiliariutn*) und scineu 
Kommentar zur Benediktiiierregel; auch einige seiner Predigten 
Bind auf uns gekommen"). 



1} CatTD. 12 ». 49 f.; vgl. 14 v. 21 f. ü. &2. 

2) Cinn. 15 v. 29 f. 

3) Carm. -1 S. 42 f. 

4) C'ari». 17 8. M f. 

5) Ulli. Lang. IV. 37. 

6) tiebor «eioo LUcrnturkenntnl» 8. Bethnaanii 1. c. ä. 276. 

7) BetbiJiaiin I. c. S. 266 f. 

fl) Zoitcnn-cfsc auoh in Rom; ilort ist die Vit. Grrg. vorfsast (a. Waits. 
Uilt. Lung. !>. tt; Kberl. Lit. i\. M.A. II S. ^I f.). 
9) Vgl. Hhcr dasselbe Kap, tV. 

lU) Von den fiedifttva sind vod Dxhn (S. 69) verworfen die zu Marii 
Himinoirahrt iitici diu Über M»nh, 20. Vvr (iruiid, du» diu Nci)(UDg zu 
idU'ik'i Eiiblilcu £r!(I»ruiit;t.>n der etwa» haiiHba(-k«n(>ii VrreCäitdifskfit (lea 
l^anlus fern liege, mihciiit mir ungmiügetid. ExoguiiaclK; ^jf^olureicD sind 
in dit'svr Zoit zu gfWÜlinliuh, aU da>g sie bei iritend ciueui .SctiriftSLener 



— 155 — 

Ein Ausittuder war ondltch auch Thcoduir; er selbst nennt 
«ich wiedediolt einen üollien'); als seine Ileimatb darf man 
Spanien betrachten '\ Dort hatte die arabische Herrscliall ciel- 
ftdi verwüstend gewirkt, duch das Fortleben der lalcinisch- 
cbriiUichon Kultur nicht ganz unmöglich gemacht. Das sieht 
nta BD Männern wie FeHx rnn tJrgel'). So ist es erklärlich, 
dw Theoduir über eine alinliche Summe literarischer Kennt- 
nöie't uod ein öhnliches Mass wissenschaflHcher Schulung ver- 
lügte wie Alknin. Er war Kleriker*,), viLllcicIit Münch*}. Ks 
Hheint, dass er wie andei-e Spanier seine Sympulhieti filr die 
Pranken nicht rerhehlte und deshalb ^cnüthigt wnrde , sein 



I 



nlknn IcÖootcD. Die Prcdif^t auf St Bene^dikt erkcont Dahn ah ; die 
Ober Utris nnd Martha, die intncasAntcste der vier (a. S. ihZ Anmerk -t), 
Biktlrl er nir fxfhlys 

1) CariD. V5 v. Ifift 8. 487; 27 v. 62 S. 4Sa; 28 v. 13^ (f. S. 497. 

i) Iq deo von Ebert iLt\pziget Ilericbifl Bd. 30. 2 S. Sb ff.) vorge- 
''■gtani GrÜDdcD Tiigc ich hinzu, datis l'hccidaU dtn Uilcbcr des N. 'I'. in 
■^jeaigeD Keibeutolge Abacltteiben üoa, welche In Spanien Ublicfa war: 
^•*«j.. Uriefe Pauli, katlioL Briefe, Apo»t.-(!eBch., Apokalypee; a. carm. 41 
•■ 85-136 S. 534 ff. und vgl Chnaen. Kij. ad (Jal, »d üd. ypl. codd. Viilg. 
'^- 1585 S. 6: Coflices in lllipania codom («iiipor« [».igc. I\ — X) acnptu« 
«aa ordintoi babaiase: Ev., Kp Pauli, Kf. cAlb.. Act. ap., Apuk. est cur 

3) Vgl onl«n Kap. V. 

4} Waa SL'iufi FCeDtiinia di^r latpiniscbiftn Dichur anlangt, so verweiso 



leb 



auf Dlluimleis worihvoll« Aittni'i'kuttgeD. Ui'ber (ein patristisches Wisacn 




^^ Anrachliiss carm. 45 S. 54.^ und die Sclirirt de epiril. b. (Mi^nc \Qb 
^ 239 IT.). Auch Tb«oduir kannte xiinäebat die lateinisclien VSter sdt 
^'**> 4. Jabrbuoderl. Nur war Ibiu auch Cj^rian oiclit ucibi'ksnDt (carm. 4 & 
C). DUmmler hat daiaiir aufmeikeam gamncht, daaa ei Uedanken aus 
ans Schrift ad Dcoietr. kopicte (l'8iui. 14 S. 48Ä}. Unter dem NatnOD 
•AthAnasiiiB citirt er die pseiidontb. libr. \l de triait. Aiiatcnleni zw»! 
''eilen aua Cyrill und ■^I]ii!b»aii9 Uea RtCTODymii» L'eberseiEiing des DidymiiB. 
(^vta ^^ f^ ^ neout er aii(;(i Jolianne« L'bryaosltimiia ; «b wird aich ilcd eino 
'^^^ialsebe UeberaelKung (i^bandi>lt haben. Von Kenntnia der grlccliiscfasn 
Väter )(t alao nicht die Rede. 

S) t'ami. I iiud 2 rerfasaiu Theodull als Diakoa {». 2 v. 31 3. 4!)3; 

'*''' B. S. 4*»7). Wir wissen weder, wann nuch wo das Gedicht cntaland, 

iloaa«ii Uraohaillcke itua in caiin. 1 und 2 vuiliegen. ^u^ eCeht es nacb 

- *• 1^7 f. S. 4&4 auaser Zweifel, daaa es oichl in Spanien unter arablscbrr 

"Criwliari gescbrieben »ein kann. 

fi.i Carm. tT v. 7!j ff S. 474 lo|;oo diese Vermuthung nahe; vgl. e. 3t 
*■ 108 3. 480. 




— 158 — 

Vaterland za verlaasen; er betrachtete sicli als Exulnntcn']: die 
Doruihng an den Flof Karls rersctzte ihn in eine ihm durchaas 
zusagende Uiii^cbui]^^}. Er war nicht dos unbedeutendste Glied 
der Gelehrtciittlctidemie Karls; ini Gegenlheil bat man den Ein- 
druck, als fohlte er sich dan ineisteu Genosseu eiaigermassen 
überlegen. In der Tlmt war er es auch. So wenig seine Ge- 
dichte verteugnei], dass er in der l'rbgang des poetischen Aas- 
drucks der Nachahmer AeJterer war, so haben sie doch mehr 
Originalilüt, als es in dieser Zeil gewöhnlich ist. Im Wesen 
Theoduirs lagen scUurtere Kontraste als etwa in dem Alkuins 
oder Einhards: das reflektirt sich in dem, was er schrieb. Der 
Ton ist ein ungemein wechselnder , auch wenn man von den 
Gedichten absieht, welche er nach seiner Katastrophe unter 
Ludwig dem Fr. verfasste. Man erstaunt, wie lrt\b er die 
(3egenwart beurtheüte: dem sohnrfen Beobachter entgingen die 
mancherlei Schattenseiten in den kirehlichcu und staatlichen 
Vorhültnissen nicht; der Eindruck davon war eo tief, dass er 
sich mit dem Gedanken trug, das Weitende stehe unmittelbar 



t) Carni. 33 v. 28 S. 481. Da« Näbsr« iit utibfkA,nnt; itnh mag tioo 
Veruiitlliung i^siatti'tsein. Ana <;a[i. 7ft K, 1^9 wisiti'ii wir. dass vur dem Jahre 
78? zatilrf^iclie .Spunicr, son-iihl riii|!i>i-n a!» Arnbcr, Ptiralcr .iId ljii«n, die 
UeluAtb veilicaaflD und bei Karl in Slldfraiikrclcli Aufnahme faudoo; vgl. 
Ann. Lugd. z. J. 782 (M. U. Her. I, 110). Ea hat an eich uichis UBw&ltr- 
Bcheialicbee, daea l'lieodiiir tu Itincn ^bGrtQ. Diese Annahme aber fiodct 
eine Stutze an carm. '»8 v. 137 ff. S. 4;)7. lüeP wird eine B«gegnunf; mit 
(Jotheo (■rwäUiRl, ivelclif< Tbeodulf 9i>rorl ala Landsmana erltenoeo. Uög- 
Kchcrwelae war er mit ihnon ausgewntiflcrt. Kr slrlit CarcassoDiifl wieder; 
UvTlsentes te, CarcasoDA; var diese Siadt der Ort seinea ExÜa? Nimmt 
man *ti, dais er 765-760 geboren wiinJ«. so war er hei seiner Ankaatt 
iiD Itänkiacbeii ß«icho 20— 2ö Jalire all. 

2} Dan Jahr steht nicht fear, ebenso wr>nig dasjenige der Erneonting 
IhcuJulf» jiiiu Biscliof. Wohur Werrit-riAluiiia S. f^Iiweias, dass Theodnlf 
78! an den Uo( kam und 788 BLichaf wnrde, ist mir unbi^kannt. Nimmt man 
dJo Echtheit der Urkunde UadTiflQsCJaffü-Walieobaob 2491 > an, so fulgt, daas 
Theodulf spHtestena im Jahr« 79» das Bisthum erhielt. Aber die Echtheit iat 
mindestens zweifelbafl. Wie sollte es lladrinn K«^-'<gt haben, awei vk>q Karl 
ernannte Bischöfe als infeHces et miserl pB(}udoei>iBC(ipl tu bfseiohnCD? Aach 
daas Karl von Theudulf eine Urahschcift für lladrian verfassen lieBs, mncbt 
wenig unhrarheinlich, daniB unmltfelhnr vorber eine an heftige Krklälrung 
dvs l'xpstea gfgL'n ihn ergangen eci» sollt«. Vgl. auch ILirttiing, Dipl. htst, 
l-'orBch. S. 108. Sicher erwiespn ist Thcodulf als Hischof erat 798 dnrch 
Ale. ep. tUO ü- 424; als in Itcziebung tu Kjiil stierst durvb das Epitaph 
fUr Kiulrada, alao 704. 




- 157 — 

l«TOr'). Auf der andereo Seile zeigt sich Theoduir als <3er 
wibigste Sputler, er verliöbule iiictit nur die kleinen Poeten am 
Hof— Eisler und Papagei, Tfuicliente und Pfau. Kiikuk iitid 
Kriliemachtcti dort Lärm: da llü^cn die Schwüne davon, Amsel 
ndlUialein schwiegen —, sondern seine Ironie wa^te sich ilucIi 
udeaKOnig: er iteichiict ihn, wie er mitten an der 'l'afel sitzt 
utd mit seinem Sxeptor das Ganze regirl, indem er in Tritid- 
lichcrUrdnung nmchtige Portionen attstheilt; er pereifJirtB den 
wOnljgen Alkuiii, der immer von Knahen tind Gedichten uiri- 
uiiwtnl sei, der Gewicht darauf lege, das» die Würde seines 
illenaaerkannt wird, und der slels fhr sich und seine Schüler 
U|teic)i spreche. Die saiirisclie Epistel ist einem Freund Alknins 
gswidmet, Theodulf schliesst sie. indem er wie Alkaio in seinen 
EnnaliDungssch reiben den Empfänger aufTordert, seine Verse ja 
za merken und durch häutiges Lesen sich wohl eiozuprttgcn''). 
la nicht wenigen Gedichten tritt das Theologische stark licrvor: 
Tbeodalf bringt Stellen der Bibel iti Verse'); er reflektirt flher 
(litlUlbsel der göttlichen Weltregirniig. die er schliesslich zwar 
bewimdern, aber nicht ganz verstehen kann*); nicht minder 
OIkt deu Zusammenhang des Leidens Christi und unsere Er- 
Itaiog)), ober die göttliche Gnade und das menschliche Ver- 



» 



1) Vgl cam 2 v. 53 ff. S. 4&3; 14 S. 468 f.; 17 v. 7 ff. 8. 472; 

2i Carn. 37 S. 490 f. Mao ist nk-ht einig, an wen dus Gedicht go- 
Wkt iiL Die Adl«ri'D nahmen uffciibar Img «-o, an Angilbert. Dagegen 
^«n»iiirt Ebert (.Leiptiger Berichte 30 S. 98 ff. ) Ilr;tbnii als den KmpfSnger, 
*r lieht iD Corriniatous eine Ueberaetzoog vod Drabanas. DliuiiDler {ü. 492 
Anniüli:. &) veadet dagegen ein, dasa nach v. 111 f. der RmpfKni^or ein 
''Kit KID nflMe. Du ist, wie micb «Itinkt. irri];. Der irunitichu Tuci dei» 
Ptt^n Gedlohn fordert «iot-'o wirzigua Behlnas: er sendet dem suliwarseo 
Bäben )o viel« UiiiBS4>, als er wf^Ui« Haare auf dem Kopfe träfet: alao gar 
■■ixa, »enn der Empfänger achwandiaarig war. Dieser Grund aprichl alao 
"^^ K^en Ebert; docb kann ich ibm nicht zustinnDeni er Godet sich mit 
^ &B{ib« in dem Cat. ahb. Kiild. (M. G. XIII S. 272» zn leicht ab. Sollte 
■Kbl Am vuD Salzburg der Emplänger sein? Er hat eineii Va;;el»aaien; 
™B «riaa, daas Alknin etwas aohwerniUig mit domaelbeii aiiieh, Der 
■pdititelto Ari 'Jlieodulfa würde ea ganz fntsprechoci, dau er aua dem 
Mkt eise Eräbe maebt. Daza kommt, dasa Arn acbwarxliaarig «rar (Ale. 
tp. 135 8 527) und za den gen»a«8ten I-Veiindeii Alkiiins gehörte. 

3) Cann. 4 f.; 7 ff-, 15 f.; vgl 41 S. 532: 69 S. SS«. 

4i Carm. 13 r. 2-- tjaa« niirAri oiunea, nuscere neroo valet; carm. 18. 

f>) Caria.lt v.l&ff.: Der auicratandenone Cfariatua irSgtdieWuDdeoiiiale, 
. . . . Qt humaoa pro nobJa surle precandu, 
lu se demoustret vulncra nuatra p&til, 




— tfiS — 

tlienst'). Aber dies Sinnen und Grübeln, dies Leben iu der 
Well Jer Gednnkco niaclUe ihn nicbt blüüe für die Schönheit 
tier Natur und der Kunst. Wie empfiinglich war sein Blick for 
landschaftliche Bilder: die holten Mauern Lyons prägten sicJi 
ihm ebenso ein wie die Lage Viennes, das von Kluss und Fels 
wie eingeengt erscheint, und wie der sUltlidie Anblick von 
Niines^). In ein paar Versen auf den heiligen Nazanus dniD)$t 
die lebhalte Vorstellung der Reise nach Lorsch den Gedanken 
an den Märtyrer in den Hinlergrutid; Theodulf kam von Womis; 
Im Kiubauin setzte er ul^er den Rliein, schwer lielen die ijchnee- 
flocken voui bewölkten Himmel; so nahte er dem in einem 
waldigen Grunde gelegenen Kloster, jener sctiiinmernden Halle, 
welche ihn enIzUckte, wie wir bie jetzt noch bewundern'). Alte 
und neue Kunstwerke wusste er zu schützen und anschaulich 
zu beschreihen*). Manclie Praclithandschvift wurde in seinem 
Aullrage liergestellt*), Un<l tlucli war ei- alles eher, als nur 
ein ästhetisch gerichteter Geist, der Über das Kleinliche lachte, 
an dem Schönen sich erfreute und das Grosse Itewunderte. 
•Scharf nnd klar stand er dem Leben gegenüber: er flammte 
entrilstcl auf, wo ihm die OemeiDlieit entgegentrat; mit wuchtigen 
Worten hat er das gebrandnmrkt. was andere thaten, ohne Be- 
denken darüber zn empfinilen*). Alt Überkommene Rechtsan- 
scitauungen erkannte er nicht deshalb schon für berechtigt, well 
sie Geltung hatten: er liat das germanische Strarrecht mit allem 



Quosque sIt buanuia pasxus pro gcatc Isborcs, 

Ädaiduo cIcmcDi monstret et officio, 
Ut reminiacutur. retinet quem obllvio nunqnanj, 

Kt miftercattir semper td «hnu» ngens. 
Adoionet tnaiaiitcr, buminuto ut iDcitiinisae per aeviim, 

Et Tni>crcrl alino »uniper »innre velit, 
Quorum nalurae sit consors unlca prule«, 

Pro qiiibii8 et voluit viilaera (anta pati. 

1) Caroi. Si 

l'ttntH (Jei lionitaa fm^ilea nns instruit, oroat 

Ut »iia dl- prupiiia noitrs ((erat itierlta. 
Bt ainc qua bona nnlla 6DDt, quneque »rficit eins 

(jratia, sliit Dustria aduumoranda bonis. 

2) Cami- 28 v. 123, IJü t, 131 S. 497. 

3) Cariu 40 v. 7 ff.; v. 9: In vaouis »yrtibua aul* micat. Vgl. 
!). 54 Aomcrk. i. 

4) Carm. 28 t. 179 ff. S. 493; 221 ff. S, 499; carm. 46 t. 8. 5W ff. 
ö) Vgl. Caroi. 41 ff. S. [i32 ff. 

6) Carm. 28 v. 167 ff. 3. ■198 ff.-, v. 250 Ö- S. 50O n. ä. 



— I5y — 



I 



ick als unvernünftig hart getadelt '^}. Kbenso wcni^ 
AehUDg lisUe er vor dftn kii-chlichen Gewolmheiten als «okhcn: 
ilie Rotawailfahrten haltten an ihm keinen Freund''). 

Uuler den fremden Gelehrten war Theodulf neuen I'aulin 
deteiioige, welchem Kat'l ein Btsclinfsamt Übertrug: ein Beweis« 
wie hftcl) er ihn stellte. Hr tUuschtc sich dabei nic:lit; denn 
llieodulf ging als Uischuf gan% auf die Reibnngedankeu des 
KüDi^ ein. Wir werden das spütor zu erwähnen haben. 

Es ist eine Reihe bedeutender Männer, deren Bild wir an 
uut Torilbergchen liessen. Karl gelang es, alle li error raffenden 
titoarisclien Persönlichkeiten der Zeit in seinem Reiche und 
an wiQem Hofe zu versammeln. Utimüglich aber hütteu sie 
u Tic! (gewirkt, als es der Kall war, wenn sie nicht auf em- 
Ct^glidien Boden verpllanzt worden wären. In der Tbat waren 
im fränkischen Reiche die Vorbedingungeti fiir einen Aufschwung 
lier Bildung in höherem Grade vorhanden, als man auf den 
ersten Blick vermuthen müclite. 

An gelehrtem Unterricht mangelte es nicht ganz. Oass Aiet 
fiofschule schon unter Karl Martell und Pippin bestand, bc- 
■witon wir bereit«»). Aber auch in nicht wenigen ElOstern 
^mnte gelehrt und gelerot. Abt Tbeulsind hat St. Martin in 
Tqur nicht so rollständig zu Grunde gerichtet*], dass der 
Unterricht aufgehört hatie. Der jüngere Wido, dem Pippiu die 
Altei St. Wandrille verlieh, war in St. Martin gebildet. So 
**t>iig Rübotliches die M()Dche von ihm zu sagen wnssten, so 
'>*l)en sie doch anerkannt, dass er in der Literatur bewaudert 
"'■'r*). Eiu Müuch in Worms, Nainens Adam, widmete im Jahre 
"^ dem König eine Abschrid der Ars gramuiaiica des Djomedes. 
^ er sich selbst einen Kisüsser nennt, so M-ird er einem der 
*ielea Klöster des KIsasses seine IfiJdung verdanken: er lernte 
•ivi nicht nur die Kunst des Schreibens, sundern auch die andere, 
l>lcii))«che Verse zu tnacbeti*). Stellte ilm Karl an die Spit/e 



1) Caro. 29 S. 517 ff Vgl. cann. 31 S. bZ6 dla Hisbitllgung einer 
1Miii)g des Reicbi. 

2) Cira. 67 S. 557. 

3) S. oIjro S. 117. 

4) ä Bd. I S. 364 und 371. 

5) Bf Bt. abl». Kont. c. 15 .4. 44 f. Wido war von 75.^-787 Abt. 
uBttrden tisbea, welche er dem Kloster Uberlirss, fehlen Uliuher wenigsTens 
*^ht i;tni. Kf war rin Laie. Si'io N.iebfolgt-r richtete in St. Wnndrille 
tioe&bule wieder ein (I. c. 16 S. 47j. 

0] Poet. Uli. I S. 94. 



- 160 - 

(tea Kloster« Mnsm (inster*), so geschah das ohne Zweifel mit 
Rtlchsiclit auf spiiieii Hilrlun^grad. Ist die Kachriclit beglaobtgtr 
dass Arigilratn von dem MOnche Nargaud in Onrze unterrichlct 
wiirde'i, so kann auch in diesem Kloster das ßüdongswesen 
nicht gann vernachlässigt gewesen sein. Dass in Sl. Gallen da« 
Bedürfnis nach Vermehrung des literarischen Hesilxcs einpfiinden 
warde, sieht man aus den Ahsctiriften, welche noch unler Pippin 
iD diesem Kloster entstanden*). In Fulda lestaud von Anfkng 
an eine Schule. Nur wird sie rein theologisch gewesen sein*). 
Ihr Lehrzlel lässt sich au» dem entnehmen, was wir «beir den 
Unleiricht in Fritzlar wissen: hier wie dort waren ja Anord- 
nungen des Bonit^tius inassgebend. Kr erstrebte die Vorbildung 
l'Ur den geistlichen HeruT; destmlb wurden Psalmen und andere 
Lektionen gelernt, Überhaupt der hilialt der Heiligen Schrift 
durch ofl wiederholtes Lesen derselben dem Gedi&chtnts einge- 
prägt. Das hiJchste Ziel war, den Schülern das Verslündnis 
der Hibel zu erscldiesseu, indem man sie in die Geheimnisse der 
allegoriBchen Auslegung einweihte*). Der Unterricht in den Ton 
Pirmin gestifteten Ki()8tern war schwerlich viel anders beschafTen: 
doch war es immerhin von Wcrth, dass sowohl in Rcichenau') 



1) Die ürlloduni; ilieses Klostor« tiegt gans Im Duokela. Der Name 
MiUunviUaro zeigt, dass der Ort älter ist als das Kloster. 
21 Ab«I, J.B. S. 33. 

3) Das Verzeichnis ricr 30 llbii ecntlice acripii, drs ültditcii Bllcher- 
liGsilzcB VOR St. (.iailcn, Uoilct sich in aiiietii Kxtniti^ des 9. Jahrb. (ßvckor, 
(.'«(Atogi 11^85 S. 43}. Es enthält vornuhmlich biblische Bücher, Bodion 
olnEsInes von Beda. AtiKastto, Sedtiliiis, Jiivnnciis, Kuethius, endlidi Bücher 
flir den ÖotiesdietiBt, lieber Reste div«er BUcbcr a. (Sciicrcr) VenteiclmiB 
dorHandachriften dur St-idtliildiulliek vqd Sr. (IxlIeD ( IS75) H 27, 459 und 
46'J f. Unter Pippin fertigte der Miinch und Prcßbyler Wlnidhartiis {■. Wart- 
maon U.B. I Nr. 30 3. 34; 32 S. 3!>; 39 S. 4l! 49 S. bO; die Urkunden 
fallen zwischpn 761 und 766) eine Keihe noch vorbandener Handscliriftwi 
(9. Schcrer Verieictuiis S. 1 Nr. 2; 4 Nr. 11 ; 30 Nr. 70; 86 Nr. '238; 32J 
Nr. 907; eine iinicr Abi Juhsnn II. 7C0— 781 geforii^re Handflchrift 8. 19 
Nr. Ai). Doch begründete erst Abt Uozbert(öl6— t*J6) den Riilim der St. Gallor 
Blbtiotbrk (Ratb. Cub. St. Gnlll CS. 66; s. Weidmann. Geecliicbte der Bi- 
bliothek von St. Üsllen |läll] S. 1 ff.)- 

4) V. Eigil. .1 ( A. S. Mab. IV, 1 S. 217): Hntt! (Styrml) . . Elgil . . a 
parentibua praesentatur; iiiieto . . »choUe congregatiool, «hi los divina 
tiiBi czercitaliono diadctir et docetiir cum BamniB iudoMrU cauia literarnni 
sociare losudavit. Vgl. Walafr. prol. zu V. Kar. 8. &07. 

&) Vit. Smrm. 2 S. 366. 

6) In Ueichenau erhielten Uailo, der spätere Abt und Bischof von 




- 161 - 



^ 



I 

^ 



wie in Harbacli^) stets unterrichtet worden ist. [Tnter den Frauen- 
klüitcrn hatte die Schule Liohos in Tanberbiachofsheim den 
höchsten Rurtim'). Wollte man auch in den Klosterscliulen nur 
Kleriker bilden, so konnte man doch das sprachliche, gram- 
matische Studium nicht entbehren. Es wurde denn auch nicht 
fSIlig veniacblkssi^t. Selbst eine, ireilich schwache literarische 
Thtttigkeit M'ur vorhanden. In Mainz schrieb der Muncli Willi- 
bald eine Hio({raphie des Uouiralius'}. So unbefriedigend sie in 
vieler UiosiL-lit ist, so kann man doch nicbl verkennet], class ihm der 
üedauke rorschwpbte, eine vornehme lliographie zu verfassen. 
Das ist ihm misslungen; die Kraft reichte nidit so weit, als der 
Vorsatz zielte*). Aber weiii){Sltins darin steht er weit Über den 
alleren Heiligenbiographen, uucLi über Alkuiu, doss er nicht für 
Rotbwendig hielt, seinem Helden Wunder anzudichten, um ihn 
mm Heiligen zu machen. In diesem Punkte berührt er sich 
mit seinem jüngeren Zeilgeoüssen Kigil, gleich ihm einem ächrifU 
steiler aus der Schale des Bonifatius*): in der Biographie Sturms 
wird cbcnralls kaum eine Wmidergeachichte erzUhlt. Sie Uher- 
tri0l jedoch Willibalds Werk dadurch, duss sie niclita priitcndirt: 
iie will sein, was sie ist, ein schlichter Bericht Über das Leben 
de« ersten Abts ron Fulda. iTcnie sieht man »iber die sprach- 
lichen Mangel, die ihr ankleben, hinweg. Die Heidenheirner 
Roooe, welche das Leben Willibalds und Wunnibalds beschrieb, 
erinnert darin an den Biographen des Hoiiiratius, dass auch sie 
glaubte, geziert schreiben zu müssen, um schön zu schreiben*). 
Wenn uiau im uiitllereu und südlichen Deutscidand die 
Kacl) Wirkungen der lliätigkeit des Bunifalius^) und ?imiiti 



Bttel (Ws. Wett. v. 40 ff., Po«t lat. tl 3. 30b), feroor Taito, später Uhrer 
IttclbBt, ihre Bildnni^ (vis. Wetr. v. 975—679 8. 331). Ebensa Boraald. 
BiMbof voD SlrassbufK (epit. Bemaldi v. 5, L c. 8. 430). 
1) Älc. cp. 269 8. 635. 

3) V. Liob. e. tl f. (A. S. Hab. Ilt, 2 S. 227). 

t) Wllllbski war Prieaur bei St. Viktor In Mains fPassIo s. Ronir 
Bl*81).' 

4) Vffl. das rrtbeil Wattcnbichs (Q.Q. I 8. 127). 

5) V. Ei«. 3 S. 217. 
6} Vgl. Bd. I 9. 491. 

7) Aach ep. Carol. 16 3. 370 leigt, dssa dla Wirkung d«r Thüu'ckeil 
BonifsUus ia diraer llJOEiclii liage fortdauerte: Oaincs qa( le dJaci* 

Nun b. BoDifscii nart;ria norunt, prcstolaotur e veaiHs suidtis ratissl* 
■"B fmotBai, 



— 162 - 

bemerkt, so trifTt man im niedere» Deutschland auf die Spuren 
Wiltibrords; in seincin Kloster Echternach fanden grammatische 
Studien eine Hoimath'); sein Nachfolger in Utrecht, der Abt 
Gregor, war ebenso angesehen als Lehrer wie hervorragend als 
MiBsionar. Dass er Franken, Friesen und Sachsen um sich 
sanitucJLc, ist nicht aufTülIi^; doch zog sein Name auch Kaiern 
und Schwaben nacli dein Niederlande selbst Angelsaclison, denen 
CS doch im ei^^enen Lande nicht an Gelegenheit zur Bil- 
dung inaagelte, suchten bei deiti frünkisulien Abtünlerweisunß'). 
Kr niuss ein seltenes Lehrtalent be8t^ssen haben. Freilich mit 
dem» was in England dargeboten wurde, liesa sich der Uoter- 
riclit in Utrecht nicht vergleichen: der junge Liudger wurde, 
sobald er Älkuin kennen lernte, des Unterschieds inne'): wührend 
Gregor seine RIerikci- schulte, pflegte man in England die liberale 
Bildung. Daji war überhaupt der Unterschied zwischen den 
deutschen und den englischen Schulen. Der Gesichtskreis war 
dort weiter; der Zweck nicht reiu praktisch. Was man erstrebte, 
nüherte sich dem, was wir mit den Worten Bildung und Wissen- 
schaft bezeichnen. 

Doch darf man die Bedeutung der Thatsache nicht unter- 
schätzen, dass es schon unter Pip|>in im frünktschne lleiche nicht 
on Orten fehlte, an denen man, wenn auch in maagelbaner 
Weise und auf einem engen Gebiet^ studirte; denn dadurch war 
der Boden für die Wirksamkeit der fremden Gelehrten bereitet: 
sie fanden überall Müntiur, welche ihre Hestrebongen rerstanden, 
hiltigtcn , mit Freuden auf sie eingingen- Wenn man das Ge- 
dicht Alkuins an seine fränkischen Bekannten liest*), so sieht 
man, wie zahlreich sie waren. Er sandte es wie einen Boten 
durch Deutschland: überall hatte er Freunde zu grtlsscn; zu 
ihnen gehftrten nicht nur die Schüler seiner englischen Lands- 
leute, Alheiich und Iladdo in Utrecht und Lul in Mainz, 
sondern auch Blschüfe, über deren Bildungsgang wir nichts 
wissen, Uicvulf von Köln') und ßasin von Öpeier*), die Äebte 
Fuirad von St. Deuis und Beonrad von lilchtern&ch'), am Hofe 



1) Ale. carm. 4 t. 33 t S. 221. 

2) Vit. Qrep. 15, 

3) Vit. Liodg. I, 11 S. 407. 

4) Carm. 4 8. 220 ff. 

t>) MacbroIg«r Um Kap. I S. 49 «wShoten Bereltthelm. 
6J 8. Ksp, I S. 41. 
7) Willibrurd starb am 7. NoveiaWr 739. Sein Nsctirolger in Echter- 



— 163 — 

wSaea den langobardisulieo Oelehrteu auch Deiilsclie, wie <]er 
Koler Karls, Rado'). 

So ist e« bp-greinich, ilass mit lien fremden LUeraten rränkisohe 
VtaoergemDinHam arbeiteten, welche rnii jenen alsTi'illig eben- 
bürtig betrachtet wurden. Zd ihnen gehi'irtA Adftlliarrl'j, Karls 
Vetter'}. Als Alkuin in dos fr&nkisn)ic Reich kam, war er ein 
gereifter*) Mann, seine Bildung alsn bereits xii einem gewissen 
Abaelitms gekommen. Er war am Hofe herangewachsen*); dann 
libe» war er Mrmrh f^ewnrdcn. Ihn jedoch führte nicht die 
Ueiguiig lum beschaulichen I^ben in dasKIostcr; errcrliess den 
H«f, weil er in einer wichtigen politischen Angelegenheit nicht 
€iiierMoiiiung mit Kart war: der Unmuth i'iber den Rruch Karls 
Bit (len Langobarden 'J trieb ihn aus der Ileimälli; nßchdetn er 
einige Jahre in Corbie verweilt hatte» ging er nach Uonto 
Caasitw'J. Es lag nicht in Karls Art, Müoner, die er schHixte, 
<lM)ulb fahreu £U lassen, weil ei« in diesem oder jeuem Punkte 



u^ vir Albert, Aldfbert oder A(!eb«rt, <1«t nacb dun C'at. «UN. Rpt«m. 
^ 0. Scr. XIII 8. 738) 38 Jfllire lang an der ftpitze der Klueters sCHud 
fW-TTi); in Urkondtn in«tirrxcb genannt (BöbmorMUhlbscIier 109. 118, 
l^A Mn Ninlirolger ist ßennrad (777-779; I. c, S, 31}; er wird Erx- 
biiebof von Sens, iiiig«wis», in welchem Jsbr«. Bei Alkuin rtihit er den 
^•aSftoiuel (caruL 4 v. 25 ff.; 8 S. 22K; 16 B. 7M). In <lei' Widmung 
*tr Vü Willibr. beJMt «r Jedo«h Beonrad (S. 39). 

J) VgL Bbpr Iha Sichel, Act. Kar, I 8. 78. Er wird 790 Abt von 
^ V«dut in Am«. 

3) Pucbatfus Radbcn vfrfitaato oinc tiruHiiiglic^ho Biographlri Adalliardt 
(1-G.Scf. 11 8. 5?4 im Aimnge; vollständig A. 8. Mab. IV. 1 3. 289 ff.}j 
Einhalt lat dUtfilg (vgl. Ebpri, Lit. d. U.A, tl S. 236 ff.). Elu Bellsames 
^»■ütli voo Uiaverilitidniiinii igt, wm Weroer (Alcuin 8. 78) über Adal- 
^ liericbtcl. 

3i A.'i V«ter, Bfirnbard, wsr ein Hruder Pippins (Vit. Adalh. 61 S. 530; 
''fi OtiioeT, J.K. S. 42!it. Solne Untier Blamniie, w!e sich fius Vit. Wal. I. 
"S. ^7 ergibt, aus !?acliscn. Pancbaiing nennt stret Brüder »od swei 
''^w«iera Adalbards. Wala, der ifam nls Abc nachfolgte, und Kernar, 
ßttdttd* itod Theodrada (c. 32 f. H. 527). 

i) Xach Vit. Adath. 8 ». 525 war Adalbard Im Jafare 771 Hngeführ 
» Mrs »lt. 

ft) Vit. Adalfa. 7. 

() L 0. 7 und 8. 

7) L. c. 11 f, Paachaaiua motivtrt den Eintrilt in Monte Cassino nur 
■*''' 'li*^ ErinoeraDg au G<?n. 12. 1. Nacli den vwrfRTgt'bciiden Augiben 
•"•"bw irrig ; er MJbst hatte kein rectitei Vertrauen Kit seiner Naehricht 
1*1!K rtMrdatua fnisae dlcitur). 

11* 



- 164 - 

Beinen VaBiregelo wi<1ersprAclien: er liesa Bich seinem VeUer 
durcli dessen Verbaltön nicht entfremden. Xachdom er ilm eine 
Zeitlang hatte gcwtihreu lassen,. bcrieT er ihn zurück') im<) 
stellt« ihn an die Spitze der Abtei Corbie'). Das war vorAlkuins 
Eintritt in den Dienst des Königs*^. ICann man Adalhard dem- 
nach nicbt zu den Schülern Alkuins rechnen, so hegten beide 
doch ahnlicliQ (lesinnuDgen und Schlüssen sich deshalb gerue 
an einander an*). Auch mit Paulus Diakonus stand Adalliard 
in freundschaftlichem Verkehr*). Daliei ist die Verschiedenheit 
zwischen ihm und diesen Gelehrten ^rois genug. Wührend sie 
ganz in den literarischen Interessen aufgingen, brachia ea Bein 
Verhältnis zum Konige mit sich, dass er nicht auflifirtc, politisch 
thiitig zu sein^): er bewies dabei eine glückliche Hand'). AI 



* 



PaBdifisIus sprlclit von W.ihl. T«h liuo dahiDgestoIit, 



1) L. c. 13. 
•2] U c. 14. 
ol) inil Hecht. 

3) Du Jalir steht nichr. fest. Abel oiiniDt iincli Mjib)l!on «n ctwn 7d0 
(J.B. 9. 3tilJ. Wi» tuiub ilünkl, wird man etwas höber biDauf zu gebe« 
babep. Die Erbebung xum Abt« gesohiiii nan loiige postquan redicirat 
(q. 14), der Aufviitbult in MonteCassIU'O wai' gans kur»(c. 12: pmilluliiio); 
dlo vorhergeheniten l^reigniaae sohelnpn ebenfalls rasch aufeinander {(cfiilgt 
XU svin. [Jkss Adaltiatd auf Knria Btsfelil zum OürlntT bi'stvill wurde ( C 9 K 
ist nur versländltch, wenn Karl ihtD dadurch den Aufenthalt im Kloster ver- 
leiden wollte: er wollte ibu uffnabur wieder in seiner UutKebtiag babcD. 
Diesa AUotdit wird et nicht erst gofa^st hnlinn, nacfailnin eine lagere Reihe 
voo Jaiireii v<^rtf»ij8on u»r, suiideru ouliald er sieb liberxvugt baU«, daat 
oa Adaltiard Eniai dainii sei, ein Mönch £u sein und sii bleiben. Adalliaid 
aber oiusate die Abstellt des Königs alstiald durchscliauett ; um sie xa ver- 
•iielD, ging er nacb ModIü Uuafticia. Das diu {o. 9 und 11) kooimt vflilig 
Iti aeinem Kecbte, w«nu tuati an eioiin drei- bis vierjäbri^eD Aufontbalt in 
Corble nach dem Novizi-njnlir denkt : dann, würde A'JnUiard acliuu 775 odei 
776 Abt geworden seio. 

4) Lehrrek-h bIcfUr Ist bosooders Älc. ep. 17 8. 172 f., von Alknln 
nnmitlelbar nach seiner Riickkehr nach CnKlaod gvsohtieben. Alkuin koonts 
es Dicht iinterlasacu, auch ihm einen neuen Namen eu geben; er DUinte 
ihn Antonius (v«!. «p. 116 S. -178; Vil. Adalh. 21 S. W6.). 

b) Vgl. ep. ad Adalb. S. 13. 

6) Vit. AdftEb. Iti S. b25; '^9 S. b2T; Einli. ann. x. J. 809; Traiwl. 
Vitl 6 S. 67S; ep. Oarol. 41 S. 417. — Die Vit. Adalb. 16 gegebene Nufa- 
ricbt, Adalhard habe wiClirend der MinderjiibrlKkeit Pippins Itattvn ver- 
waltet, wird von Slmauri (.1 B, S. 43G) verworfen. Kin Irrihnm dea Pasrhs- 
■iU8 ist nichl ausgesL'blosseQ, da er uuzu verlas»! (f ist und seine Nachricht 
allcio itebi; dnrcbaublageod sind jedoch die lirlinde SimsoDS nicbt. 

7) Vgl. bes. Vir. Adalb. 16. 





- 165 — 



ucli peraönlich war er aus aadereni Holze geschnitzt als jene. 
Stin SchOter I'aschasius Radbert rühmt wjederliolt seiue Hered- 
ankeitj sie war anders jjearlet als die der frommen Rheloren; 
er*firstaod, was sie nicht vennuchten, tT^rad, knapp und klar zu 
Rdeo: 60 werden auch seine Kriefß beschaflen gewesen sein '); 
ttint Statuten für Corbie zeigen df ti Mann des [iraktisclien Lebens, 
^ vor allem auf geordnete Verwaltung bedacht war'); kein 
Wunder, dass er niuhl so rede- und schreibaelig wie Alhutn und 
andere gewesen ist; Alkuin heklagle sich mehrfach Über seine 
Sdiwe^amkeit*), Unter seinen München war es ganz bekannt, 
dtts er es nicht liebte, wenn man anf Reisen viel mit ihm sprach; 
er Mg es vor^ allein zu sein*). Dass Briefe, die an ihn gericlitct 
wireii, ron anderen gelesen wnrdcn, morhie er nicht leiden*). 
Unter den Tugenden des Mannes galt ihm Zuverlässigkeit als 
tlie höchste •). Es liegt etwas Stnlze», Verschlossene« in seinem 
Wbien, seine Schüler zitierten vor dem durchdringenden ftlick 
Kiwr feurigen Augen'J: Man begreift, dass Kart viel auf ihn 
hifttt, wahrend des grossen Kaisers kleiner Sobu ihn nicht er 
tngeo kunnte. 

60 wenig als Adalhard war Angilbert') nur Literat. Von 



1) f. 63 S. 530; 77 S. .532. 

2\ Higoe iOi ä. &35 ff.; di« äcbrirt ist aar rra|pii«Dtari»ch orliAheo, 
Eb rttioTMtt Werk Ad.tlharda tSlit In A»9 politische Gebiet: (te online 
PAbtU; n ist von nincoiitr exeerpirl in seimsm Baclie Ad prucerea rcKni. 
's' t. 12 (MiKne 1^3 S. Q9^): Adalhardum senem et »apieotPin domni 
'^'oll , . proiitnqfluiD . . iDt«r piIoiOB contilisrioa priiDum in aduleac«Dli& 
■u tidi. 

3) Ale. op. 116 8. 478i 121 3. 490; 177 S. 627. 

4) Vit Atialh. 28 8. 526. 

5) Ate. ep. 164 8. 60-i: Antonio . . baa lillerÄ» alia* deprecor, at 
1>*<ii «iiiMiitoe, clausa cnrtuls sicut est, deprecor, iit dirigaa. Quia sl 
<"*cineia reotat in prnesi>nliiim Uliaa, vücscit apuil eum. 

6) Vit Adalh. 18 S. 5^6, Bruchstltclt flua einem Briefe an Kaiser 
^^z: Quid poiaa. priiice[iB. »i tld« aaciie ioler cruorea ot Baevicntinin 
''*•, ttiam ioler pa{;aD'>fi Lintum valiiil, ut qnis<|iiß 8» committerfft alteriua 
^^i iirramentla, (|uantiiiu vnlere dcbcat fuvdtia cliriBliani in v«ril.-tie pro- 
■"iiainu; Noo (« decipiat aliqiit«, nbsi>orn, imperator, «lula Gdrs cum cuiitra 
•"qniioi vifililur, non Iioiiio aed Ucua tcatU et voriiae mt'a cwniemnilur. 
Vgl Vit. Adalb. 7 S. 52'. unri 17 S. 626. 

7) Vit. Adalh. 74: t'atcnr , . niinauiiitantias aat horribiÜuaalitiiiid niv 
"Mite, qnnu in tuis oculia. 

8) Zwei junge Biograplirn Augiibetls bei Mab, A. a. IV, I 8. 103 ff. 



— 160 - 

voriiehiner Geburt'), am Hofe crwj^eii'}, faiitl er l'rübzeiUg Ver- 
wendung in der kÖDi{,'licbeii Kapelle'). Im Jahre 790 erfaielt er 
(He reiche Abtei St. Uiquler*). Uucb scheint es, dass er nacb 
wie vür in der Nähe KarU lebte: man könne sein Verhältnis za 
des Königs Tuuhler Hertha^}. ]u Aachen besass er zwischen 
weiten Uärteit ein Haus; dort wohnte er für j^wöhnlicli mit 
den zwei Kniiben, die ihtn Kerlha gchnre.ti hatte^). Von Knrl 
wurde er in pulilischeD Geschäften mehrfach benutzt'). Am 



1} Nitli. HUt. IV> 'j; n»u(J ignutac familla«. Nitbard ounnt die 
Urlldof Angilbcria Mft'lh«>lgau(l und Hichanl. Ob der erster« mit itm 
Cap. 34 S. 100 gpnaanten Madetgaud, oder mit doin Cap. 44 S. 1?3 go- 
iDUiEiton MAdalgau^. oder mit kfiD«m vou bniden identbch ist, lässt siub 
nicbc erweisen. Da Miihsrd im Keiche K.-irl8 d. K- lebte, so wird die 
Fuuilie Deuatrisch gewesen sdn. 

2] AIo. ep. 33 S. 246. Als suiueci l^elirer hezeicliaet Aa^lberl selbst 
Peter von Pisa (ettrca. 4'i t. 1 f. S. Ib; vg\. Ale. ep 112 S. 458). Uaaa 
er atidi ron Alkuiii li^ruce, erglbi eii, 82 ä. li&S. Aber da er, wie es 
scheinl, alsli;ilil nach Aikuiim Ankunft t)oi Karl sich nach lUlieD begab 
(a. UDtf^a Anuierk. T), so ist an cigun'.Ucbun L'nlerriclc ulcbt zu denken. 

3) Ale. ep. 33 Ü. 246, ICarl btfxuichuot Atifjübert als seinHD Aorica- 
UriuB (ep. Garol. 9 S. 3&3j 10 S. 355). 

4) Das J>br nach Alu. ep. 17 i^. \7^. Im Jiüirc 793 scbitnkt Karl 
init HUckdcht auf die Vürdtunste Acigilberts diu Zelle t'oresle, in «elcbor 
Uicliar lebte and Alarb, an St. Itiquicr [BÖhmer-Htthlbaeber 3'28>. Uebcr 
ein antfvbiicbes rrlvilegiuui f^üs 111. fllr das Kloster s. Jaffi-VVatien- 
bacb 2504. 

&) Nllli. Uiel. IV, b. Bcrilin war Knils Ebenbild (b. Karul. Mag. et 
Leo pap. V. 2'20 ff. H. 371). In Angilberls (icdicbt auf Karl und die 
Seinen bexlebea sieb auf Bertlia nur die drei Verao fcarui. 2 v. 48 S. 8. 361); 
Virgiuis egregriac Üertae duoo dicit« laudca, 
Fierides. mecam, placeaul cui carmloa noslra: 
Cartuinibus cunctis inusatum di^nA pußlla est. 

6) L. 0. V. 93 IT. Die 8<ihne sind der (iesthicblschreiber Kitbard und 
d««KD Bruder TlaTtiid ;NUfa. lllst. IV, &). 

7) Allgilbert war in den Jahren 792, 794 und 796 Gesandter Karls 
an den Papst (Äno. Laurtes. maj. z. J. 792; Ale. ep. 32 f. S. 244, 24C; 
SL 3. 279; 51 8. 281; ep. Carol. 9 8. 353). Ale. ep. 5 S. Uf» wird Angil- 
bert Priitiiceriiis genannt; zwei D;iiidacbnri«n der Biicfe Atkuiot madicu 
tbu KiiDi PtiniiceriiiB des Kboigs Pippin (s. Jaffas Anuivtk. g). JalTc, £bert 
(Lit. d. M.A. II .S. G2] u. a. bcirachtoii die Angabe als begründet; da- 
gegen vcm-irft siu .Simsun (J.B. ü. 43&1 »Is baUlus. Es Ist ancb biet zu- 
xngeben, üaaa daa für sich .allein alehondc Zeugnia keinen sivhern Hall 
gflwShn. Aber diu natulacbrift vuii Tru^-es guhürt dem 9. Jalirbundctt an 
(e, JatTi a. 135); der Titel Frimiceriiia wird van Angilbert, wie der lubalt 




— tß7 — 

Hofe war ntan voll Itcwtindcning seiner poetischen Hegnbnnf^, 
er gelt als (göttliche i* Dichteir'J, den li'ichstcn Poclcntiamen, den 
man kannte, den Homers, le^te man ihm hei. Krhalten ist nur 
weniges, das sich jedoch keineswegs (Iber den Durchschnitt 
erhebt'): die Ivllnslelci erdrückt die Kunst^); die Gabe, scharf 
KU beobachten und lebhaß zu schildern, welche AngUbert nicht 
Tehlte*), konnte dabei nicht aufkouimen. lo seinem Auftreten 
zeigte er sich rornehm und prächtig. Alkuin stelU, gatmlitbi^ 
spottend, seine eigene Rusticität der Mobilität Angitberls gegen- 
über^). Er balle seine Freude an dem grossarligen Neubau 
seines Klosters"), an der Verniebrung der Uibliolhek desselben'), 
an Suhauspiel und Mummensclianz. Die letztere Neigung fesselte 
ihn so sehr, dass es dem ertisLEiallen Alkuin einigermassen be- 
denklich wurde"). 

Jünger als Adalhard und Angübert war Kinbard*); doch 
kam er an Ansehen und Flinfluss ihnen bald gleich. Er stammte 
aus dem Östlichen Franken; seine Ileimath war der Maingau '"). 
Dort lebte sein Vater als ein angeschonci' Mann: man meint 
seinen Namen unter den Wohlthätern Fuldas zu finden "). um 



ivs Briofes xeigt, in Italien gefUhrt, in Dcatscbtand später aloht. D» 
«cbeiDt mir ducti di« vod 8iiu»oa verworfene N»clinclit »obr WAhrscbeinllcli. 

1) P.iul.etPetr.(;«rtD.'I4v.l7.S.r7;vgl,NaBo[v.85ff.(N.ArcbivXIS.8ö). 

2) Poet l»t. l S. 35i ff. 

3) Vgl. Pau). «i Petr. carm. 42 S. 75; Aiigllb. earm. 2 S. 360. 

4) Nicht Übc\ ist t. B. die Schtldernog earin. 1 v. 13 ff. 8. $&8 f. 
6} Ep. &4 S. 381. 

6) Der Bericht Angitberts über den NoubaD A. 8. Uab, IV, t 8. lOGff.i 
«neb büi Migno fl» S. 841. 

7) Oast die Bibliothek von St. Iliqnicr TorbXltnianiü»ig reich war, kann 
tBBB Bua Ale ep. 164 ü. fiü-t «chLicuc»; Alkulu veruiuthet, dau Angilbert 
die ihm feblende golhiechD (icacbichte des .lordaoea bcsitzcB werde. 

8} Ep. 1 16 8. 479; 177 S. 627. — Angilb«rt starb am tC>. Febriur 814, 
drei Wochen nach Kart d. Cr. Vgl. Nilh. MiM. IV, b S. 671. 

9} Ueber Kinhan) >. aiuaer den tnehrfacb au^vführteD Werken von 
Bifar aDd Cbert hi>aon<lera Wnttenbach, G.Q. I 8. 16d; M-initius, X. Ärehlv 
VII, &I7 ff.; XII, äuti. leb citirte die Vii. Kar. und die Briefe nach Jaffö, 
UM. iV S. bffl ff. und 437 ff.; die 'l^ranal. Petr. «t MArcell. nach Mlgnc. 

10) Walafr. Prolüg. zur Vit Kar. S. 507. 

11} Die von llratiflii verfasale Urabnchrift Einharda acheint nnüadeuten, 
daM Vater und Suha dunselben Nziuua fUhrlvti (Hrab. i:ariii. 65 v. -1 ä. 23-1: 
Kinhardu« nomco cui getiltur dederat). £.ino Sohcnkuagaurkundc t-IJntiarda 
und »eintiT Ciouiahliu Engitfrit an Abt B%ugalf von Fulda über Beailxungen 
In Urithcnpfe (Urdorf im Saabigau) bei Uronko, Cod. dipl. FukL Nr. löfi. 



— 168 - 



80 freundlichere JJerücksichtigung fand Einbard, als er, oocli 
ein Knabe, dem Kloster zur Erziehung übergeben wurde. Docb 
wusste er die Zuneigung, die iltui cnlgegengebractit wurde, bald 
selbst zu verdienen : «laii erwartete in Fulda viel von dem mannig- 
fach begabten Jüngling. Darin lag wold der tirund, dass ihn 
Abt Bauguir an die Hofscliule sandte 'V Seitdem blieb Kinhard 
in der Umgebung Karls ^); er wurde bald ein geschütztea Mitglied 
dos Gelelirterikreises, den der KOutg um sich sammeltB^), ron 
allen seinen GilieJern der einzige Laie*). 

Kr hatte etwas an sich, das zum Spotte reizte. Seine kleine 
Gestalt, sein eiliges, geschäftiges Wesen bewirkten, dass man 
über ihn lüchelte'J. Gleichwohl erkannte man ihn an: man 
bewunderte seinen beweglichen Geist, seine Gelehrsamkeit und 
Kunstfertigkeit; man vertraute seinem rechtlichen, geraden Sinn*). 



JniT^ nimmt die Identität beider als Bebr w.ihrache)nltch Hn (Blbt. IV S. 487). 
Oennu gpiiommeD ist sie äocti nii-ht mebr alt eine .MüK'It^l)^^!'. ^v Niune 
Einliarii scheint im östllvbcn Franken nicht selten gwesen za s«iD- Iq den 
fuldisclien Urkiindcu kutnnien Mariner dieses Namens tn Svanafeld im Gau 
Gozfeld und in DicnDniidim im WuniiHg-iii vor (Nr. i'ii, 360); diiiu wjoh 
anäere, deren Person licbkait sich nitbt weiter ßxiren lässt. 

1) Walafr. I. v.; Brab. 1. e. v. 7. Der Zeitpunkt al«bt nicht Test. Siclier 
ist nur. dass Einliard nach 7!)1 Fulda verlieaa: in dieaetu Jahre erscheint 
er nocb »l» Sebreibßr von Fatdcr llrltiinden (Nr, KU), 102K Die erste 
von ibiD geHclintbttiio Uikuciilo ist vuu 78S datirt (Nr. .^7); dio Urkaudea 
1Ö3, ld4. ld&, welche er ebenfalls konzipirCe, entbehren der ilahreasofab«. 

2) Urab. I. e. v. 7; Quem Carolus princeps propria nutrivlt In auta, 
Einbard nennt Karl seinen Nulrilor (Vit. Kar. pro!. S. 509). 

3) Man nanute iliii in KrlnneniDg an Ex. 31, 2 Beselel (Ala. op. tl2 
8. 459), auch Kardulu» (Alt, oarm. äf). 2 S. •HH), 

4) Einhard war bekanntlich verlieiraiheu Seine Gemahlin Iedbui war 
die Schwester des Wormser Bisebora Iternhard fKinh. ep. 3 S. 442). Uebcr 
die ^Agea, die sieb an ibn und Imma kaBpfteo, s Abel, Gesch. Sehr. d. d. 
Vurj-, 9. Jahrb., Bd. 1 .S. 56 ff. 

&) Tbeotl. carm. 25 v, 155 ff. «. 48T; 

Nardulns Inic illuc diacinT.-)t perpcte |{re«sii, 
Ut formius tuus )ica redil iiqiie freqnena. 
Cuitia parva domtia hahilatur ab hospilc magno, 

Ros magna et pnrvi pL>cturia antra cotit. 

Kt nun« ille lihros, operosas luini- fcnit ot res 

S^ficulaquo ad Scoiti uuoc paret apia ne^vta. 

6) Ale. ep. 112 K. 469: V'caler tmino et noster ramiliaris adiulur; 

oann. 30, 2 (s. unten S. 169 Acmcrk. 2). Hrab. ), c v. 6: Ingcnio hic 

prodetu, probtu iLctu iLtriac orc facnnduii Krui. Nig. In hon. liliid. H v. 32 

t). 25: Ingeaioque sagat et bonitatv vigena. Tort 8ai. Vit. Kar. IV v. 116 f.t 




— 1C9 — 



Der liervorsteclientJe Zug seiues Wesens war die Anlage für die 
K form. Wenn man den Wertli der lileransctien Werke nur nach 
'der fürtnellen Äbruuduog bemefisen wollte, so nitissle man olme 
Zweifel seiner Lebensbeschretbuii}; Karls unter allen Scbriden, 
velche die kurullngtsche Kpocbe hervorgebracbt lialr den liKchslen 
I'reis zuerkennen. Bei ihr allein hat man den Eindruck, dass der 
Schriftsteller Herr seines Gegenstands ist und ihn frei zu ge- 
eialien weiss. Ueherall durchdringt der Gedanke den älolT: niclH 
ibe nackte Thalsachc hat Wcrth, sondern die VerkeLtung der 
Ereignisse als Ursache und Wirkung; der Schriftsteller steht nicht 
nehr stumm dem Geschehenen gegenüber: er wagt es wieder^ 
fie EinzelvorgAnge zu kombtniren und dadurch zu beleuchten; 
a wagt es, zu urlheileo. Weit anspruchsloser ist der Bericht 
Ton der Uebertragung der Keliijuien der Märtyrer Petrus und 
Uucelbnus aus Rom nach Seligenstadt; aber jeder Leser freut 
üdi der frischen, auschaulictien Darstellung. Darf man in Kin- 
hard den Verfasser der kleiuen Abhandlung über die Verehrung 
des Kreuzes sehen'), su besitzen wir aucli ein theologisches 
Scbrinchen von ihm. Die maserolle , vorsichtige Weise des 
t^rtbeila in dieser Schrift würde wnhl für ihn passen. Von den 
ifuticlteu Ansichten seiner Zeitgenossen ilber stJlistisclie Scliunheit 
*«r er unberührt: er konnte Werke hervorbringen, welche sich 
''OQ den üblichen Verirrungen des Geschmacks fast ganz frei 
'•'Cllen. Wie er schrieb, so war er. Fr liebte überall ilas Hübsche, 
^*riicl)c: seine Freunde scherxion wold tlbcr das kleine TliUrleiu 
^ Hause des kloinen Einhard'), des Münuleins, wie sie ihn 
•"onten^). Aber dass das Wohlgefallen am Zierlichen bei ihm 
<**»» Sinn filr den Rli^thuuis weiter Räume nicht ausachlos«, 



t-orit) v«Tas>|ae relaLur ao summe prudetts- Wal>fr. 1. e. 8. b08: M«rilo 
P^identiae et probitAtls. Sorvat l.iip. ep. I (Migne I11> R. iZ'2}: Fncilia 
Bt iii(,[i«iu et (luae ud« philoauph i^iii dece«t »nloii vettii oxturji. 
1) ». DllmtDlor, N. Archiv XI S. 233 ff. 
?> Alo. CHnu. 30. 3 S. nS: 

Janas parva qafdem et psrvus babitalor In aodo est. 
NoD spernss narduio, liüctor. io corporo parvurn^ 
Nan nidol«! iiardas Bpicato gmoiirifl umlium. 
Mcl Apis rgn-fpum porlat (ibi curpon- pxrvo. 
ParvH (juidvni res ret ncubrum, cerne, pupilhi, 
äed ref^il iinporio vivaeU corporia actus. 
Sic tfgii ipse domum lutsm aibi Nardulas isixm 
Nartliilt, die kctur p«r(;«nt, tu parviile, A^lve. 
3) Walafr. 1. c S. &08: BuuiuDciu; id. cartu. 23 v. V26 S. 377: Uomulloi. 



- no - 

bewies er in scineü Rauten; !«t der Plan zu dem Münster in 
Aachen sein Werk>), 00 war nnter allen Zeitgenossen keiner 
einec grösseren Konzeption fiihig'i. Wenn er die Vernach- 
lÜssiguDg der Mürtyrergrübcr in Rom tadelnd bemerkte, so war 
es scliwerlirh seine Frömmigkeit allein, die sieb daran stieu, 
sondern Lbonsnsehr sein Sinn für Ordnung' und Schöabeit'l. 
KurI setzte volles Vertrauen in Kintiarrl*}; nicht nur übertrug 
er ilmi die Oberleituni; seiner Bauwerke*); er börle auch in 
Fragen, weiKlie den Staat betrafen, auf seinen Rath*}. So bietet 
Kinbards Leben, su lan^c Karl rcgirte, das Bild einer nach Jeder 
Seite hin glücklichen Extsleoz. 

Das Leben und Treiben der literarischen Münner am Hofe 
Karls ist ofi genug gesclillderl worden. Es war zum Theil 
Schule halten im eigentlichen Sinne des Wons. Jedermann 
weiss, dass Karl selbst niemals anfbürte zu lernen, duss seine 
Schwester, seine öübne und Tuuhter an dem Unterrichie Theil 
nahmen. Was man lehrte und lernte aber, wurde bald das ge- 
meinsame geistige Interesse der Uetlieiligttu- Man freute sich an 
einem mehr oder weniger geistreichen Spiel des Scherzes und 



1] Uie Annnbme ist bekanntlich nicht aicbcr, doch sehr wftbrschetDlich 
(vgl. Dt'hio Hecold, [>!« kiicbliche BaukiiDit des Abendlaudes S. 152 IT)- l>ie 
Verfasjcr heben hervor, dnas dio Bedomimg des Werkes nicht sowohl im 
KUustleriscben als im Konstruktiven zu lucheit sei, nrtheileo jedoch gcblletl- 
lich, dns MtiDciter sei ein wnhrhnft welhfrollor Ititam. leb mSchte die 
letztere Sähe etwas atüiker b<>taneu, Das ßvdculoudo Hcheiat mir, duM 
iDAn bi«r einer Konstmktlon nns dem ßrossen gr^fo Übersieht, hei ircicher 
die WirkuDg nicht tlurch die t^inzcUiuiten, sondern aussoliÜMslicb dutcb die 
rünmllchen Verhältnisse erzielt nml erreicht wird. H«iiier Basilika in Seligen- 
Stadt fieute sich ßFubard :t1s nou indecori qper» (Trafisl. MArcell. 2 S. b39, 
Migno 104). 

2) Au 'J'renniiiig der Kiitisle iit in dieser Zeit to nenijf tu denkva 
als an Trennun); der Wiasrnscbsfieii. Wie Ärchiiekl, so scheint Einhanl 
auch Hader tjewesen zu «ein, Der Cat. abtt. l'uld. (M. Ü. Xlll. 272} bezelcbaec 
ihn kIs Tariaiun artium doctorom perlt iaslmum. Der Maler Bruno (Can- 
didusi ist sein äohüler; Vit. Aeisili U, 17 v. 134—136 S. 112, veibunden 
mit der AngcfUtirten Slollo des Fulder Ablk.italogea. 

3) Transl. Marcell. 2 H. 53S: De oeglectis mariymin sepnlcris, quonun 
Koma« ingCTis oopla eM, 

4) Walafr. I'rol. S. 508; vgl. Einharda IVoloR 3. 510. 

&) Gest. abb. Totitiin. 17 8. M) Hi<.>r n-ird erwiihtit, dssa Anaigis, Abi 
von iSt. Üeruiei, unter Kiiihard oiactor «perura rcKalitiin in Aachen war. 

d) Etni Nig, lu hüu. llludov. U v. i\ ß.; vgl. Ann. Uinh. x. < 
Tranal. Marccll. I. 




- !71 - 



* 



I 



,Witzus; bei Tische las man vor: bald oin Gedicht, bald eiaen 

ifscliaiu aus einem Gcjichichtswerlt oder einem Kircbenvaler'). 

Tic die Lileraten des 5. und 6. Julirliunderts wechselte man 

aisc)ie und poetische Rpisicin : Freunde spendeten sich gegen- 

iüg reichUcbe« Lob. Gegner verfolgten einander mit launigem 

er tierhem Spotte. Ahmte man liiebei bewusst und unbewiisst 

ultcn Schriftsteller nach, so war das Interesse fllr historische 

DantellanKcn eine natürliche Folge des ni&chtigen Aufschwungs, 

der fränkische Staat genommen hatte*) Dazu kam in der 

de an ßtithseln und Allegorien*) ein volksthümliches Element, 

noes der wonigen, das in diesen Kreis einzudringen vermochte. 

Ijm so bedeuteuder war der Iheologische Bestandthelt im Geistes- 

kben üa& Hofes. Bald waren es exegetische Kragen, welche 

ilts Interesse erregten*), bald antiquarische*); auch Über dog- 

DiatiscIiQ I'rühleme baut es niitunlei- zu lehhaflem Wortltampfe'J: 

maache Frage liess man als unUlshar fallen'), bei anderen suchte 

man ku einein bestimmten Elesullato zu kommen^). Darauf 

drang Karl: er tiebce das ünforligc nicht 

Fragt man nach dem Charakteristischen der neuen hildschen 
Bildung, so besteht eji nicht nur darin, dass in ihr die Kultur 
Btiwr rergangenen Periode wieder erweckt werden sollte und 
in gewissem Masse erweckt wurde. Wichiiger ist das gleich- 
iKreditigte Nebeneinander des Allgemeinen und Theologischen, 
dii man in der Epoche Karls bemerkt. Dadurch hebt sie sich 
»eftatf Ton der vorhergehenden Zeit ab. Die Reste oder Ansfttic 
literarischer Tbätigkeit vor Karl waren stets theologisch gel^rbt. 
ietuwar diees nicht mehr der Fall. Die Poesie und Geschicltt- 
Khreibuug kamen zu so kräftiger tCntwickelung, dass sie etwas 
llr sich bedeuteten. Das buiigt mit den Forlscliritleti der Form 
losaiiiaien: ein grosserer Abstand als der zwischeo tiregor von 
Taan and Eitihard lässt sich kaum denken. Mehr noch ist es 
'*wirkl durch einen Wandel der Anschauungen. Die alteren 
SchriRsleller waren stfmmilich ron der asketischen Lebens- 



1) EiDb. Vit. Ksr. 21; Ihcod. cam. 27 v. 51 ff. S. 492. 

it VttL Waltenbacli, UM- 1 H. IM) IT. 

3} Theod. e. 2& r. 135 ff. Ü. 4s6. 

*) Vgl. Älo. ep, 100 S. i'ib; n\ Ü. 174. 

b) Tbeod. oirin. »6 ä. 390 af. 

fl) L. c. 240 S. HG. 

7} Vgt. ol>ea S. 14». 

8) hrgiht siob aus Alkuius Brief 'iH). 



- 172 - 

aiiscliBUung behen-sclit. Im Kreise Karls d. Gr. ds^eg^en war 
816 niclit massgebend; auch die MOnche, wciclie zum Hof des 
Kaisers geliürleii, sprachen es unnmwiindeti aus, dass es ftlr 
«las Eloil des Mensclien gleicligilttg sei, cb man im Kloster nder 
in der Welt lebt. Darin lag die Anerkennung des Rechts einer 
welllichen Kultur. Es konnten wieder, wie in der aasgehenden 
rtömerzeit, geistliche und weliliche Wissenschaft und Kunst 
Ticben einander stehen. Und doch i«t der Unterschied zwischen 
der letzteren Epoche und der Karls noch grosser. Denn in ihr 
gah es koioeu Gegensatz zwisctien WcUItchem und Geistitclieni. 
Auch wenn man weUIiche Gegenstände behandelte, waren die 
Ma&sslabe, nat-li welchen jedermann urtheilte, die kirchlichen: 
es gab keine prinzipiellen UifTert'nzeii. 

Es war ein Gewinn für die Nation, dass das geistige Leben, 
das bishtir auf dit: Klöster besrhrünkt war, hinaustrat in den Kreis 
iler Laien'). Aber um sn sr>hiLrrer tritt der iMangel dieser ganzen 
Bildung hervor: sie war nicht national und, was schlimmer war, 
sie %vollte es nicht srin. Nur rtnnn ist die Kultur wahrhaft frucht- 
bar, wenn sie die Verklärung de« Volkslhümlichen ist. Die karo- 
lingische Kuhnr war das nicht; daher der mumienhafte Zug, 
der ihr anhüngt. Karl war auch in dieser Hinsicht freisinnig 
und unbefangen: wir Deutsche werden ihn stets deshalb rithmcn, 
dass er die alten Volksgesänge sammeln üess'J. Aber bei den 
fremden Celcbrtei» fand er für diese Restrebungen kein Ver- 
sländnis; besonders fehlte Alkuin der Sinn für den Werth der 
volksthümlichen Uichtkunst'J. Ludwig d. Fr. hat seine Ab- 
neigung gegen dieselbe wahrsctheitdich von ihm gelernt. Uod 



1) I>8« hat besondora Elterl {Lil. d. M.A. 11 ü, b B.) hervorgehobeii. 
Ich vcrwisAe nur, dsss er kein Wort für die l)0Bchr£nklliett (lic*fr «Welt- 
litcraiiir" faai. Doiin ilic Weit, fUr welche Bio vorliaoden war, bestand aas 
eioeai recht engen Kreise. 

2) yit. Kar. 'i^. Hier nuoti sein Versuch einer deutBcheo GnuntoBtlk 
erwähnt. 

3) All Bischof Hl^bald von Liiidlsfarne schreibt Alkiiin Ita Jabro 797 
(ep. 81 S. 'i'37): Verba i)ei legxntur in iiacrrdotali convivio. It>i doccl 
lecturnm niidiri, nun cithnrielnni; Borniunen patruui, non oarmiiiä i^ticiliuiu. 
Quid Uinieldiis (der Sagenbcld Iiigcld; s. Hxiipt, Xtrilsctir. f. d. Altonh. \V 
a. SH) 4:uiii CdHsto? Angnsia est diiiuus; ütrua(|nB tuntro Duo puivrit. 
Hon viiU rex c^leslis ciim p.-ig»iitK et ^ürditi» ■lOininett'nn) rcgibiia com* 
miLnioiicni li;ibci<!; riiiin reu ille »rterniia rr^'nut in cHtilia, illc p»(;aiiii>i per- 
dltiiB iibingit in iiilumu Mau kann »icli deiikun, wieAlltniii Über duuUcig_ 
Sagen geurthcilt haben wird. 




- 173 



I itirt 



lag docli der Punkt, an dem man einsetzen musste, wenn 
die Kultur iiaüoual werrleu snltte. Aber es geschalt nictite. Die 
mubbwendbare Folge war, dass aucli dieThenln^ie nlclit imtional 
wordc: man triel» sie fast nur in fremder S|>raclie: wer aicli 
ihrem Studium widmete, sollte rcrlernen deutacli zu rcden>). 
war sie abgeschnitten von der bef^iiohtenden Itttrühriint; mit 
iem Glaulieo der Gemeinde. Irrt man, wenn man in diesem 
Mangel einen der hauptsAehtichsten (iründc dafür sielit, dass nie 
butge XU keiner frischen Entfaltung kommen konnte, und dass 

»4ie, als diese endlich eintrat, als Scholastik nur fllr einen engen 
£reis Wissender vorbanden war? 
^'ieniand kann sagen, dass diese Entwickelnug notliwendig 
Dud uaveniieidlich war: in der Uui(;ebun^ Karls fehlte es nicht 
ganz an MüuutirD, welche das Üeutsche dem iiateinischen als 
gleichwerlhig betrachteten'-'). Das riäukiische Volk aber Rthlte sich 
(D jeder Hinsicht den alten Naliouun gewachsen'). Wir werden 
j bemerken, dass da und durt Anftiti^e gemacht wurden, die zur 
^^Entstchung einer deutschen ttildung und deutschen Theologie 
^^liiilen fuhren künnen. Aber sie fanden die Pflege nicht, deren 
sie bedurften: so verkümmerten sie utid erIngen der Uehermncht 
des Lateinischen. 

Die üildnng, an der Karl sich erfreute, aollte Resitz des 
fränkischen Volkes, sie sollte den jüngeren Gesell Icditern er- 
lialtea werden. In diesen Gedanken wurzelte Karls Sorge für 
^as Schulwesen 

Die wicbii{;ste Lehranstalt war die Uolschule. Es lag in 
«Jer Natur der Sache, dasa sie keinen festen äitx hatte. Lehrer 
Und Schüler folgten, wenigstens im Winter, dem König an seinen 
jedesmaligen Aufeulhaltsort. Karl betrachtete sie recht eigent- 
lich als seine Schule: er unterliess nicht, die Zöglinge persönlich 
ztn ennahnen'J. Die Cnlerrtchlegegcnstiinde ersieht man ans 
J^lkuius Lehrbüchern: wahrend dujj Theulugische zurUuktrat^ 
wurde das allgeniein llildeude stark betuut. Was man erstrebte 



1^ 



11 Stmb. Miirb. slat. (Mt|;ne 99 S. 744): üsuin lallii)t?itls potEns quam 
maticilalit, qni inter eos icholaBltci sunt, aeqauntur. In tali etiacQ cuii- 
fftbalatioDR notilia acHptiirnnim nliqnotlcns mngii qunm lectlone peneimtttr, 
et dicODtli uoiia (]i»ci(ar rt ad ili8c«nilum s»>nsus XLiiitur. 

2) Adiilhard von Ourble uo4 sein Bruder Wala [Vit. Acta)b. 77 S. 532; 
Vit W»l. I, 1 S. 533). 

ä) 8. Oifrida Krist, Prolog, ad Liutb. 8. 6 f. (eil. Ptperj und I, 1 
S. « (f. Auch llibem. eml. catm. 2 v. 8ö ff. S. 398. 

4) Ale. ep. 78 S. 317. 



— 174 - 

und erreichte, zeigt ein Mann wie Ulinhard. Tntio, welcher 
Lehrer in Rolchonau '), Grimatd, der Abt in St. Gallen') wurde, 
verkuQpfcn die berftlitnien äclmlen dieser Klöster mit jener 
Centralsrhulc'). 

Im Unterschiede von ihr war die von Alknio rekonstrnirte 
Klosterschule in Tours eine vorwiegend theologische Anstalt! 
zwar lehrte man auch liier die freien Künste , aber das Ziel 
des Unterrichts war theologisch'). Die jüngeren Schiller Älhuins 
werden ihn stimnithch in Tours gehÜrt haben *). 

Doch bcfijnUgte sich Karl nicht mit dei* Herstellung einiger 
Mittelpunkte fQr wiesenschnflliche Studien in seinem Keicbe; sein 
Oeilaniie ging weiler'J. Kr wünschte das ganze Reich gleicli- 
satn mit einem Netze von Lehraiistalteu zu üherr-iehen. Seine 
Absicht war dahei eioerseits die Heranbildung eines tüchtigen, 
wissen^chaftlicii i^escliulteu Klerus, andererseits die Verbreitang 
eines gewissen Masses allgemeiner tiilduug auch unter der 
Laien weit. 

Als naturgemüsse Orte für Schulen erschienen ihm die 
Klüster und Hisciiofshüfe. Demnach verfügte er nufGrund einer 
Beratbung mit seinen Grosseo, dass an allen Kathcdralkirchen 
und in allen KEüstern regelmässig Unterricht erlheilt werde*). 



1] Tis. WettiDJ V. Ö7& S. 33i. E* scheiut, d»s gletvhieldg ntt TattO 
der spKtcre ßischof Otgar von Ysins nn der Uofflchulc var (ep. Mag. 6 
S. ^2\]. Ihr AufcQlhaU fülle n^ahrsch ein lieh in Karls Zeit. KbeafalU ontdr 
KArl «aren äohtll«r der Hofscbiile der spXtoro Bischof von Str&sabnrg, Kernald 
(llrm. Nig., lo Land. Pipp. reu. v. 147 f. S. S4; epit. Beru. v. 6 S. 420|, 
Dod £bo, »phtcr t^xbischof von Khriais (Kar. U ep, ftil Nie. I Mona. XV, 797). 

2) Der UöDuh von St. ü^illeo mxi'ht Uiimald zum äcbttler Alkaini 
(I. 9 S. 63S]. Da (irimalil im jAhre 872 starb (.\tiii. Alsm. S. M), so üt 
diese Nacbritilit liUchel uiiuabrscbtfiDlicb; zu (iruod« Hegt ihr vermuihllcli 
die ThalA.icbe. [Inns (irimal^ die Hnfsrliulo besuchte. 

S) UntfT Ludwig iletn Fr. w.-ir ein KelCe, Nsmciia Clemcos. Loiter der 
Uor»clinlo Is. Simaon, J.B. LuiJw. II 8. 257). Alknins iinmlttelb;irflr N»h- 
folgcr stilmlnt vt jedoub niuht gewesen zu icin (so Mabillun, A. S. IV, 1 
p. lAXXV); *-g1. oben S. H2 Über Wino und Fridiigi*. 

•t] Mao letirte die alte LUcratur. Urauinmtik und Aslronomie (Ale. ep. 78 
S. 345 f. ; vßl. L'9G S, mTj ; das ihcoiogUche Ziel neigt Ale. uarm. 113 v. 19 f. 
ä. 314: die Weise des thci>logi8chcu Uuierriebts wird aoschtulicb aus dso 
iDCerrogatiooes et rospnns. in Uonea. 

5) S. obeo S. Ii4 Anioerk. 1. 

B) Vgl. zum Folgenden Specht, lieactiichte des Untertichlmreteos in 
Deutschland mSb). 

1) Ctp. 29 S. 79: Notam Kit . ., quia not nna cain lidelibnt nottrii 




- 175 - 



»! 



Wir bomcrklcu, «lass man in einer Anzahl von Klüatern bereits 

luLehrltitUigkeil gewohnt war; jedoch gewiss nicht in allen. 

Denn es gab kaum eine Müuchsregol, welche den RcIig:ioac» 

die rilicht, Schule zti halten, uullegte'): sie setzten sümmihchdie 

Au%abe der Mönche ausEchliesslich in das Streben nach eigener 

Vollkoiiiineiitieit. Dagegen entsprach es Karls (icstnnnn<;cn, 

wiseeobch altliche Arbeit und religiüso Arbeit mit einander zu 

rbiudeo. lodoni er auch der ersterea in den Klöstern eine 

ioiath bereitete, hob er zugleich das Mkitichrhum. Ks halte 

eobar an Uedeutunj; verloren, seitdem die kirchliche Ordnung 

der fränkischen Kirche wieder hergeateilt war; nielir and 

anehr nahm die WuUgetstlichkeit den MOnchen die pastoralc 

TliaUgkeit ab, welche sie eine Zeitlang geübt hatt4;n. Da- 

iktrcbf dass Karl die Khister zu Lehranstalten machte, wurden 

ue von neuem zur Arbeit für die Allgemeinheit berangcr.ot<cn. 

iVas sie eingebusst hatten, wurde ihnen reichlich ersetzt; rienn 
üben den biscbüflichen TlCifen wurden sie die Pllanzstättcn des 
Klems, vor j«iieu wurden sie bleibende Sitze wissenschartlicher 
Studien, 
Karls Massregel sollte zunächst der Tlienlogie und der Kirche 
^ ^ute kommen. Von diesem Ucdanken ist sein eben crwühiites 
AnaiebreibeD durchaus beherrscht: er fürchtete, der Mangel an 

'■■'nidenTiuufl niile esie, ut tipiacuiiia et uiuiiaatoris. Dot}is Cbriitu prupitiu 
u piberniindndi <:o(nini»8% praeter regiilnris vitae ordiiieiu atqoe Haiictlie 
''"ponia cnDverAAüoiiem edaiii in littcniruni meilUaiJutiibus eis qui donAQte 
t'vDJno diac^ie poaaunt «ecaiidniu iiniLiai^Diuaque capacilatvm docendi 
«Mtvin debeuiil lmpoud«r«. Ueber die Wahl der Letirur: Tales ftd bue 
"PU Tiri eligincur, qui et voIddUIciii et poasibiliialem diaccndi et dßstde- 
™>i hibeaot alSoa {»siruünd). Daa Jahr dieser Verordnoitj; atehl Dicht 
'^'*t; «ihread die UeiatcD sie dem Jalirc 7t^7 zuwL'iacD, bcgnUgt sich Itoretias 
'uiiiulellen, dasa aie zniscbeo 780 und 800 erlaasen aeio tnaaa. Oap. 22, 
'ZS. W v*rftlgt «benfalis: Ul scolae kK«Qliuiu putroram fiant. raalmo», 
""**•■ cantoa, compixuiu. gramiRaücaoi peraingiil» fflonast«rm vel episcopla, 
" librot caihulicus beiie umundatfi. £}i«B«a Kapitulnr« isl vom 33. Ü'An 
•St. Die f'assung beider Vnrscfarifien liüät nicht ersehen, welche die 
'"bere iai: uttglicherweiae sind ai« Kletclizeitig, Lin weitßrer Beh-^ daflir, 
*"> traatlicb Kul darauf draug, daas die BischÜf« ibtcn Lehrberuf nicht 
'"»«r Acht UeucD, ist sbLd Briof an ein«n »ng^nanntcn Sehliler des 
^Bifmlas, waliTBcbeinlicb LdI von Maiai (ep. Cuol. 16 S. 369 f.). Eudlich 
^«1. CoD«. Cab- [?13) c- X 

1} OBle^ßDilich ist ca den Hcfocben sogar verboten worden, Schulu xu 
"llis (Caes. Arel. rrgat. ü; n-g. ad virg. 0). l^ine Ausoahino macbl die 
logtunnt« Begola nagistri c. &[l (Migne 86 3. tOlOj. 



- 176 - 



Bildung in<>;;e zu irri{;en Lelirca führen*). Aber daiilber hinaus 
mnasto ein gelehrter Klcrtis utimitlethar zur Heliung des ßüdungs- 
Rtaudcs der Laien beitragen. Kinc strenge Scheidung geistlicher 
iini) weltlicher Wissenschall gab es Ja nicht: je nach der ver- 
schiedenen Lebensstellung, die man erstrebte, wurde der Nach, 
druck nur tnehr auf diese oder jene Seite gelebt'). So suchte 
man denn auch dahin zu wirken, das» der Unterricht müglJchsl 
allgemein wurde'). Der Gedanke eigentlichen Volksunterricht* 
war dem Zeitalter Karls nicht fremd. Bekanntlich verordnete 
Ttieodolf, dass die Priester seiner Diözese in Flecken und Dörfern 
Schule hielten; wenn irgeml ein m&ubiger seine Kinder ibueo 
KU wisseusch all liebem Unterricht übergebe, so sullten sie sich 
dessetv nicht weigern, auch keine [Bezahlung fordern*). Was im 
Uisthum Orleans geschah, kam auch anderwttrts vor. Wir wissen, 
dttss bei einer baierischen Kirclienvisitatinn der Rischof mahnte, 
dass alte Familien ihre Kioder zur Schule schiekten^). Man 
kann es deshalb nur für einen Zufall halten, dass allein Theo- 
dulfs Verordnung erhalten ist. In der spjiteren Zeit Karls war 



1) Csp. 39 S. 79; Factum fst, ut tlut-TC locipi-reoius, Q« forte slcnl 
aiiiior erat in acrII>öndo pradcotiA, iia quoquc et multo minor Gaset quaoa 
rooto eB>o debuiss«! in saDolaiuin icripturarutu ad iutoUiucuiiaiD BapI«Bllt. 
ICt benA novimns oionca, quia quamvis porioiiloai aint errores verbontm, 
iDullo iiericilluniores sunt errores aenauani. 

2) Hei. et B»?at. ftd Elip. cp. II, }ib (Migna !l(5 S. fl98): Et ipsis b«p- 
tistttia alti irsduDtur acholae et offerantor a pnieDlibiis Chriato, di poeaiot 
fuluri eate a&c«rdotc9 et aervlant Christo. Ali! tautum doetrinae (radnntnr, 
iit Iflgant et co^oacaot Cbristaio et acciplaat quid benediciione iotra «o- 
cleaiam mores. 

3) Cono. Mog. (613) c. ib (Hbds. \1V S. 74): Dtgauiu r«t. ut 6lio« 
xiios donent ad acholam atre arl iDonaateria sive foraa pr^abyleria, nt 
fldem catbollcaiu recce diacsnl et orntiorieiD domliiicaai. Vg'l. ioterrug. «xam. 
cap. 116, 1'^ S. 'm>: tit iiiiii»qiiiaqii9 filiitiii siinm liMeraa ad diacendam 
mittflC et ibi caa\ omni aMilicitiulinn pi^rmanRat, uequc duui beneinatruetua 
pwveniaL DipFragi-n üiiid, wi« c.< Hiheint, AiifKeiclinutigcn einea Biacitofa 
nir eloe Kirchenvisitation. Von Kloateracbulen , vod dcaen nneh äpedit 
(9. 36) dioa« Bealimmung bandeln aoll, isl, wie man aleht, hier nichts 
zu leaen. 

4) Thcod. capit. -iO (Mignp t05 8. 196). Oabfti handelte ca aich nlelrt 
lim Vorbildung zum geistlichen Stande. Tbeologißchc Schulen waren bri 
der Ka*uzki:cliü in Orlorin» »od in ilen Klüstprn (o. 13). Für die Unent- 
geltllchlceit dcB Uiuurncht vgl. Ale carm. 101 8. MX 

5) Cap, 116, 12 H. 235 {•. Anmerk. 3]. Ueberden bairi»ch«B 
des Kapitulara a. unton Kap. IV. 



« 



I 



I 



vtheti Or«pnug I 



V illgemeia Qblicli, dass die Priester SctiOler in ihren Hüusern 

^B Die Zahl der KcliOler in den Klosicr- tind den Kntlicdral* 
^H|BlBa war eine selir bedeutende. Angilbert bestimmte, dass 
^iPBbhule von St. R-iquier «tets hundert SchOler halien sollte. 
' Enttpreclieiid den cirei Kirchen des Klosters theilte er sie in 
drei CliOre, w-elche abwechselnd heim Gottesdienst mitzuwirken 
Iktlteo'). Gewöhnlicher war die Theiiung der Schaler nach 
den Unterrichtsgegensländen. Die Hathschhige, welche Alktiin 
^em Erxhischor Eanbald II. von York gab, werden das ent- 
halten, W(i5 sich tm Tränkischen Keiclie bewährt hatte. Kr rieth, 
die Schüler in die Klassen der Lesescliüler, SingscIiQler Und 
SchreibschUlerzu sondern: jede K]as!;c sollte ihre eigenen Lehrer 
Uwn'). Die LesesclitHer wurden eini^efithrt in die Sprache und 
Uleratur: man erstreble als hücJistes 7Ae\ das allegorische Ver- 
sUiadais der heiligen Schrift*). Als ungemein wichtig galt die 
Mreibkunsl'j; bandelte es sich xunUchst um die fehlerlose 



l) Csp. 120. 5 UDd 7 S. 238. Specht (S. 26) blUt die Bestiumiun« 
fireiie Verordoang KarUi; ob sie da« ist, i»t gatit nngewisa. (\>i;ic. Mag. 
('• St3j MD. Ab: Filiüs suub dui)t:iit ad acbulam sivo ad tuuaaslüHu Hivo 
fcw prebyU^ris. Ale. pp. 9] &. 3S0 f. Utr Kntechiimciienunterrichl ging 
idWtTerMaadtii:!) danetteo her Ccap. 38, 3 B. HO). 

3) Vit Ao^lb. 12 (A. S. Uab. [V, 1 8. 111). F.<«i>nc Schulgebttnde 
^ in KUfeteni Tersteheo sieh htcDSch von «dbst. Die Einricblang zefgt 
''nBaariu von äl. Gallen {». Specbt s. i^i a.), 

J) Ep. 73 S. 335. 

() Ale ep V9G 6. iiliT: Voliin te . . ordioare paerorum leclionet. qiii« 
paniitaiiciiin diacat, qqw epEaloiu ot parvo« llbellos le^at, quis siaelaDB 
mibtaraiD tobrla meote baorirc diKnua «it. Kp. 217 ä. 715: Exlimtaoiini 
»>vtiieiT«aUus, ut diligenciatime ciuboUoorum dovloioui dbcatii IradiiEonei . . 
"M ttineB aaecQlariuiD liltcrxrum contempDonda est acienii-i, a^ quasi qiiorl- 
''m litDdaDiRBtain leoerae tnfantiom aelali tradenda ost Krixni&iitlca alUe- 
V« ptiPMopliica« flubtililati» dUciplinae, quateco« quibaadam Bapieniia« 
Pxlihii ad aliiaaimaiD evangelicac perfsctionla eiilmen aaocnderc valeant. 
'*««■. HiKo« IUI H. 85:t f. wBidon die 7 freien KUnole als die Stufen b«- 
'^bwi. aar welchen der Schiller ail ciilmiDa aanetanim acHpUiramm empor- 
**'p. Ob liberall der Unl^rricht »ich »o woit erstreckte, iet fraglitli; s. 
■■r-32. 72 S. 60 (oben 8. 179 Aomerk.]. 

[') C«p. 22, 73 S. 60: Sr opua est, enanK«liuiii, psalleiimn et misaala 
KiAtr«, pufectae aetatia booiinea scribant cum omni diligentia. Vgl. dio 
^«HAIkuinafUrdas Scbreibeinner in Tours (carm. 91 S. 3'^0. be». v. II ff.]t 
Est opoB egregivaa sacros iam acrihere libroa, 
N«c iii»rcedo Bua acriptor et ipa« oar«t. 

I»nck, KlfFb*«|«MbklrU D«iitMy»ii4*. U- ^ 



* 




- 178 - 

Wiedergabe der Texte, so war von da der Uebergang elDerseito 
zur Kompilation eigener Schriften aus den Werben Aeltercr, 
anderprscita Kiir Malerei sehr teiebt. Analog war die Kinrichtuug 
in Lyon, nur dßss Leiilrad davon absah, eine oi^eno iSchreib. 
schule zu errichten'). Bei dem Unterricht legte man auf das 
Disputiren grossen Weilh^). 

Waren Ziel und Methode im allgemdnen gleich, so brachte 
die Verschiedenheit der Lehrkräfte doch hier diesen, dort jenen 
Zweig des Unterrichts zu besonderer ßluthe. Abt Gerrold ton 
St. WaiidriIIe war Jieivorrageud musikaUsch begabt: seine Schule 
zeichnete sich demgem&ss im Uesang aus'); dagegen legte der 
Priester Uardniii, der in der benachbarten Zelle des h. 8atur- 
ninus lehrte, den NachdruDlt auT die Arithmetik und die Schreib- 
kunst*). Ute Schule in Murbach war, wie es scheint, siemlich 
exklusiv theologisch^); .wogegen sich in Metz die wichtigste 
Gesangschule des Keichcs^) befand. 

Es kßnnte unverständig scheinen, wenn man die Frage auf- 
wtrPt, ob Karts Bcmflhutigcii nni Hebung der theologischen 
Bildung von lirfolg gekrönt waren oder nicht. Denn worauf 
soll sich die Beantwortung gründen? Ein rasches Steigen der 
literarischen Produktion ist ja wahrzunehmen; aber es genOgt 
allein nicht, die Frage zu bejahen. Denn es beweist nicht, 
dass das Durchschnittsmass der Bildung zunahm. Gewichtiger 
ist eine andere Bemerkung, welche allerdings das Recht geben 
wird, jene Frage im bejahenden tiiune zu beantworten. Der 



i 



Foder« qusm vitea melius ust acribere libros, 

Iltc suo venlii aervitt, isto sniuiae. 
Vel nova vel vetera (lotcrJt prolorm ningiater 

Plutima, qais(|ue le^t diel:« BAcrata i>atrutu. 

1) Vgl- den Bericht Lerdrada ep. Curol. -H S. 421 Er spricht vön~ 
eoholao cantorum et lectorum uucl bemerkt dann: lu libris i|uo<)ii« conscn- 
bciidia ineaduuiecclesi», in (iiiantiiiD iioiul, olaboravl. Bonedikt von Anlaiie 
stellte in seitieu) Klosttr Kiii^iiiifiet«r, Lektoren, Ummmaiiker uud Scbrift- 
kuDdlgo als Lfilicer auf (Vit, Bened. 27, A. Mab. S. IV, 1 S. 192; 31 S. I»1). 

2) Vit. Kgil- 1 a. 217; 23 S. 227. 

3) (Jeat. abb. Kunl. 16 ä. 47. 

4) L. c. 8. AS. 

b) äinlperti stat, 2 (Uignc n 3. 740). 
6) ViL Alo. 8. 16^ vgl den Ztisaiz au a&n. Laari«. t. J. 787. Wi6< 

Specht (a. a. 0. .S. 25) aus den zwei Wonon cap. 43. 2 .S. 121: De eanm 
huiaiiisli^sen kxnii , daes dl« Kircli«avt>rateber ihr» Kuntoico xur bt>b«rea 
Ansbildtin^ oaoh Metz seadea miisston, ist mir unversläDdlicIt. 




- 17Ö - 



Bucberbesitx des Tränkischnn Kelchs Tormehrte sich während 
der RcgininK Karts unß;emein. Ursprünglich wa^ er sehr 
gering. Die Hnniisohriftpn, welche durch die kelüsohco Missio- 
otre in einzelne Klüstcr kamen , waren wenig zahlreich 'j : 
lUzu rehlte es an Munnern, welche im Slande waren, sie zu 
rervielf&ltigen. Man war darniif anf^ewieacn, Ahschriflen aus 
Atta Auslände, aus England und Italien, zu beziehen. .So erhielt 
Pippin durch Papst Paul nficher aus Rom: so ricic er Hndcn 
konnte, sagt der Papsl; es waren wenig genufc')- Kl'enfalls ans 
Rom brachte Gregor von Utrecht Bücher nach Deutschland^). 
Ala sein Schaler Liudger Euglaad verHess, uahni er von dort 
eine Menge Hüchor mit sich*). Besonders Lul vou Maiuz sah 
iD seiner Ueimalh die Bezugsquelle ftlr Literatur: llieologisclie 
irie naturwissenschaftliche SchrJflen erbat und erhielt er von 
»inco englischen Freunden*}. Nicht nur diese Uunuer, welche 
ia jungem Kulturland arbeiteten, httun unter dem Mangel an 
liierarischen Hdfsmitteln: auch ein su altes und reiches Kloster 
■ie Sl Martin in Tours fand Alkuin im Vergleich mit York 
arm an Bttchcrn. Als er dort zu lehren anüng, mussle er durch 
Sendungen ans England seine HiblioLhek TerroUstundigen'); 
uochet, z. B. die Briefe Gregors d. Gr., erhielt er vfm Hom*). 
H>tT auch später noch fehlte ihm dies und jenes ^). Man begreift 
ei, doss er sehr genau darauf sab, dass Bücher, welche er 
seinen Freunden lieh, ihm wieder zurückgegeben wurden"). 

Doch dauerte es nicht lauge, bis man liberal! BUchersamm- 
hiogen fand. Anregend wirkte auch in diesem Punkte das 
Beiipiel Karls'*). Die von ihm gegründete Uot'bibUolhek war 

II) Tgl. 3. 160 Aumerk, 3. Oeber irische ilsadscbrilten ia WUnbiirf; 
«. Part«, AtchiT VII S. 106. 
2} Cod. Carol. 24 S. 101. 
3) Vit. Ore«. 12 8. 296. 
i) Vit. Liadg. I. 12 S. ^08. 
b) Ep. 12'i S. 288 ) K(.mmfnI»ro BcdM); 123 S 289 (lieda, T>t tfmplo 
^^B., fa caat. cant, fpigramm.); V2^ S. 290; 134 S. 301 (Uvda, Vit. 
^dberti); 125 S. 2<ll (üb. coimo^afioriim). 
^m S) Ep. 78 9. 346. 
■ 1) ßp. 93 8. 391. 

^ 8) Ep. 16-4 S. 603 (Jordanis, Getioi); 197 S. 6S3 (Uoniilie Uo» un'l 
Tnitit B«dM Ober Tohm); 243 S. 7»1 f. tSchrift*» von Aogiiatlii und 
fltetcByiiuB). 

B) Ep. 134 S. 525; 161 8. 599. 
10) Einh. \1t Kar. 33. 




^ töü - 

ohne Zweifel die grüssle Üibliothek Deutschlands'). Wir wUsenl 
nicht mehr, woraus sie bestand; denu die kostbare Sammlungi 
wurde nach dem Tode des Kaisers zerstreut. Aber so viel lüsst 
sich aus gelegentlichen ErwUhnun^en sehen, dass sie in deinj 
universellen (jciate Karls angelegt war; Prachthandschriften*)] 
und thetilngische Werke.') bildeten einen Hauplheslaiiiltheil; daüii 
kamen die Grammatiker*); aber auch naturwissenschaftliche^) und 
jurislischo*) Bilcher fehlten nicht Mit der Hoftübliothek welt^ 
eiferten die RiicherscIiHlze der reichen Klöster, wohl auch dei* 
Katheciratkirchen"). Will man sich eine VorstellunK von denf 
Waclislhum der Klosterbibliotheken machen, so bietet St. Wa4w 
drille ein Beispiel- Unter Pijipin legte Abt Wando den Grundj 
es waren lauter kleinere »Stücke, welche m- zusamuieubracbte^ 
die Auswahl getroffen vom Standpunkte des Abts aus: eine 
Auzahl Münclisregeln, etliche Homitien und Ileiligenbiographien^ 
kunie Erangelieiierkläruugen; einzelne Sllicke ans Kulin und 
Isidor, Augustin und Gennadius, auch ein paar Itriere: mau er- 
staunt, unter dieser MCinchslJtcratur die Gnthengeschichle det 
Jordanes zu linden'). Die nüchslen Nachfolger Wandos, Austrull 
und Wido, Messen sich die Vermehrung der Bibliothek wenig 
angelegen sein'); dagegen nahm die SCahl der Bücher uniei 
Gervold bedeutend zu: er selbst schenkte einiges: ausser zwoi 
Handschriften biblischer BHcher und einem Homiliar den Koim 
mentar Augustins zum Johannesevaogclium und das Enchtridium 



1) Wiui ihm fohlte, vcrmiitfaote Alknin \a Ihr (rp. S43 3. 783). BXbit 
Zweifel, ül) ea «ine llolliiliiintliek gegeben h»be {(]«sch. d. rüin. Lil. 8. 20} 
ist dt-ronach uiit)ß|;rUtiditt. 

2) Kvangeltiu- d«« (iixlescakas in l'aria {PaeL )&t. I S. 8S Nr. T Itn^ 
S. 94carin. 7j; Bibelhaadsclmrc der VRlliccllUQ& (ibid. S. 2S3 cu-m. 6&, I) 
Rvangolienkandex io Trier (Ak. ep. 20.S S. 698; Pertt, Archir VII S. 139) 

.1) ]>u«t. Ist, I S. 67 (Urii^eoea zam UümertfriHf) ; ^^ (Pelsgiua zu del 
panl1tii»chen Briefen]. 

4} Poet. Ist. I 8. 8S Nr. 6 (Diomedus). 

&) Ale. ep. 103 8. 432 (Plinius, Nat hial.); Peel. lar. I S^ 68 Nr. } 
(Q. Ser«ti. SniDUKMi. du curandiH oiorbia). 

6) WaltPubaBh. (i.y. i t>. 120 Antccrk 

7) In KbeiiuH bogaua dio Sauimluoi; einer Bibliotbok unter Biachd 
Tilpin. Flod, h. Rein. eccL II. 17 S. 464. 

8) Gest. abb. Kunl. iA 8. 38 f. Wando war Ältt 742-747. 

9) AuMriilf 747—753; Wldo 753—787, Unter den Geathenltcn dB 
lotKlArciL aiud angeführt aatiphunarium Tuioneusiti uud libellua da niirs 
Gulis B- AndreaR apoBtdlJ (I. c. lä S. 44]. 




- 181 - 

Hauptsächlich aber machte sich der Priester HartluiD verdient 
Er schrieb die Bücher selbst, welche er dem Kloster Uberliesa: 
die grössere Hälfte war fflr gottesdienstliche Zwecke bestimmt; 
ilsücbCD sieht uian, dass er mit seinem Abte die Vorliebe für 
Augustin thetite: er schrieb einen grossen Theil der Schrift de 
eJTilate Dei. Bereits macht sich auch ilas Interesse für die all- 
gemeine Bildang, wie sie Karl pflegte, bemerklich: man findet 
mathematische Schriften, Endlich bemerken wir die Biographien 
edicher fränkischer Heiligen, Wandregisels, Anaberis nnd Wiilf- 
nnis'). Eine neue bedeutende Vermehrung seiner Bibliothek 
ferdankte das Kloster dem Abte Ansegis in den ersten Jahren 
Ladwigs d. Fr. Von gottesdienstlichen Blechern hört man nun, 
tbgesehen ron dem Homiliar des Paulus Diakonus, nicht mehr; 
nETeobar war für dies Bedürfnis reichlich gesorgt. An der Spitze 
des Verzeichnisses steht ein Prachtkodex der ganzen heiligen 
Schrift; es folgen zwölf HaudschriRcn von Werken Augustius, 
Tier des Ainbrosius, einzelnes von Hleronymus, Gregor, Fulgen- 
ÜQS, Beda u. a., schliesslich eine Sammlung von Konzilienbe- 
iclilflBsen : man siehl, die Auswahl ist wieder spezißseh theologisch. 
Mit derselben Freigebigkeit sorgte Ansegis für die Bibliothek 
des Klosters St. (lermain de Flay'). 

In ähnlicher Weise wie in St. Wandrille wird der Besitz 
u Brichcro in den meisten frlinhischen KUtstern gewachsen 
säe; das wird von den verscliicdcnstcn Orten erwiihnt. AngiU 
iHJtt schenkte dem Kloster Sl- Riquier zweihundert Bünde'); 
in Eino wird der MOnch Lothar gerühmt, dass er die Bibliothek 
«nuchrt habe*). Der Gründer des Klosters Charroux in Poitou, 



1) L. c. 16 S. 47 r. Oervold 787-806- 

i) L. o. 17 S. öl UDil fiG f. Prachthssdaehrlfton der Evstigolion 
(lteibt«ralf[a ; Halth., Job-, Luc), dea LekL und Antiphonsr» S. b'i', der 
Bim 8. M, Anaegta 817-827. 

3) Vb. ADgUb. 9 (A. S. Mab. IV. 1 S. 110). Die Bibliothek von St. 

Ri^rwu otcht auBAchlleiMlich theologisch (Ale. ep. 164 S. 604). Practtt- 

'''luttchrirtvti d«r l^riiugelien werden auch hier fteniuint (Vit Aii^ilb. I. c). 

i] Lolbar stirbt t»K (s. Ann. S. Aniaorl. brer. t. d. J.j. Soiuo Urab- 

jAtm bei Mab. A. B. IV. 1 !^. t>tt: 

Respicia oppusitum niarmor prooulv Uuiua in uma 
LothtiriUB pnue.il celeberrimus Mle aScmta 
<jul pia4 ei prudens, iodiiatTiiis et revcri^ndiia 
äxngiiJQe veriiaDteio (uuiulo relev.-ivil Amandum, 
Nustma slructiirM augona cl Itibliothecaii). 
^W wird aacb vuo Alkuin gcnaDut (cartn. 68, 4 v. U S. 306). 




— 182 - 

der Graf Rotliarius, stattete sein Kloster schon bei der Grllnduni 
reichlich mit fütchcrit aus'); ebenso hielt es BeDcdikt roa AniaDc'iL 
Auf deutschem Boden hören wir von Arn von Salzburg, dass ä 
mehr als huudBrtuaüfUDfzig Uunde habe absclireibeii lft£seu')j 
Auch den Frauenklöstern feblten Bibliotheken nicht, wie maq 
denn auch in ihnen die Kunst des Schreibeas Übte*). Eidq 
Anschauung von der Hibliothck eines grossen deutschen Klosteri 
gibt der älteste Katalog von Ucichcnau, von der eines kleinca 
der Katalog von BtalTelsce. Hier bcsass man nur neunzehn 
Bünde, fast ausnalunslos solche, die mun täglich bedurfte: die 
htblisclien Scliritlen, jedoch nicht vollständig, die ftir den GoUes- 
dienst nothwcndigen Huclier, und die Regel Kcncdihts. Dis 
Theologie war nur vertreten durch eine anonyme Psalmenaus- 
legung und den MatiEiäuskünimeatar des Hieronymus"). Dagegea 
zählte mau in Reicbenau im Jahre 822 vierhundert und flinrzig' 
Handschriften; Werke der lateinischen Kircheoschriflsteller roa 
Cyprian bis Alkuin, einiges von griechischen Vätern, eine Mcngo 
Heiligenbiograpbien und Klosterregeln, den Codex Theodosiaoui 
und die deutschen VoLksrccbte, Josephus und Gregor von Tours, 
viele Grainuiatiker, die christtichea Dichter, vou beidnischen nur 
Virgll, einen Band deutscher Gedichte, einige Schriften übet 
Naturwissensclial^ und Technik"). Keine Hibliothck gibt ein so 
genaues Bild von dem Umfang, den das gelehrte Wissen untef' 
Karl erreichen konnte, als dicae. 

£a war ohne Zwoird berecEitigt, dass es in den erstes; 
Jahren Ludwigs d. Fr. als Belbätverstätidlkli galt, dass jedes 
Kloster seine Bibliothek besitze'). Aber nicht genug daran: eine 
kleine Bilcbcrsammlung erwartete man bei jeder Pfarrkircbe zu 



1) Ttieodnlli oarm. 50 v. It) 8. 550. 

2) Vit. Bened. 27 (A. S. Mab. IV, I S. 102; « S. 199; ib f. S. JOO). 
Vgl, Vit. AVilh. 2J S. 7Ö. 

3) M. G. Scr. IX S. VTÖ Amn^rk. 54- V«!. Ale. ep. 71 S. 33ö; 234 
3. liä. Arn SLtrglü datiir, tliis» diu Werke sei [gcniJsslscbcr Schriruteller 
Dlclit fehlten (ep. IS9 ti. 666J. 

■i) Ale. ep, 137 ä. 031; 161 S. bdQ. lleUigonhiograpbicii als Frauctf 
lüklUre «p. 3(X> 8. ft02. 

&) C.ip. 128. 5 rf.25t 0.4.81Ü. In dein Alidrock bei Becker (Caiiilop 
ä. ■!) fehlen über cxpoaitio ptaltuomm «in« aucluro I, lilier qualltiur euan* 
gcliuruiD vvtustua I. Wie es sclioiut, We^t nur ein VeraehcB vor. 

6t Rrevis IJbronim, t|ui sunt iu t'uvuubiu ijiudlfueefl'AaiLi, facta aooo 
Vlli. Üliidüvioi IiaperatoriB ^bei Hccker a. a. U. S. 4 ff.j. , 

7J Cap. 170, ly S. 345 a. 817. 



J 



- im - 



8ie tollte nicht nnr aas den liturgischen BOcliern be- 

Wn, soiKieni aacli solche Werke in sich schliesseo , welche 

Triealer Anweisuug zur Ausrichtung des pastoralen Amtes 

>len. Man betrachlele es als eine der AintspÜichten der GeiBt- 

(ichcn, für Erwerb von ßtichcrn zu 6Dr<;eii*). Das ist ilherall 

guuhehen; denn man fing wieder an, iHe Ulleher zu lieben. 

Man kannte kaum kostbarere Gesclienke als sio^), nud, vicjleieht 

noch bezeichnender, man bedauerte denjenigen, dem kein grosser 

B&chcrvorrath zur VerHlgung stand'). 

Das sind Beweise TUr den Aufschwun^^ der geistigen Bildung 
unter dem Tränkischen Klerus. Freilich muas man ihn bemessen 

^F 1) Cap. 117. 13 r. S. 235: Hiiec aaut rinne inssA «unt dlKOie utiine« 

^P Mdeüuiicns . . Librom pnstorilem (il. ti. dreg^ira d. Cr. I. paatorulU 

T tiirxe) canonici »Iqm liliruin ofticHimm ; ©pintuUiu Uelnaü pastoraloui. 

^— Cap. 3^ 10 S, 110 a. 802. Wie hoch man das Bucli Gregors stellte, zoi^ft 

Kilo. ep. 71 3. 330; 7-t H. 33& uod Cotio. Kog. (a. 613) praef. (M»u«. XIV 

H & U] : Ren. c 10 S. 79; Tut. e. 3 8. Si. Vgl ITrkunde Karin fUr 8t. Peter 

^P h Frilzlnr i'BÜbcDflr-MUhlbftcber 212). Id einem nuuuyioco, dvi KiLruliD^er- 

leit angebücigett CotnmuniloTium tc. 47 [Micno % S. 13SQJ i vgl. c. 9| wird 

ofordart, diM Jeder friester einMartyiolQ^iuni und ciuFouituutlalv bcsiuu. 

beagleioben forden Gbärbald von LUlticb, dasii jeder Priesur dafür sorge, 

dsts scIdc Kirche ein MUsale, Lektlouär. Harlyrolof^inm, Pfliiileutlale, Paulte- 

rium und andere UUchpr bcaitec CCip. 121. 9 S, 24l). Der I'ricater Liobald 

vnnsachi dein Klostor Kiilda seioen Begtiz, darunter paallerium, lectiiiuariuiD. 

|^^*vaBg«liu[n. aoiiplionarium, greiorialis oinoliu de plurimunim aanciurum dictia 

^KDronke, iit>. 202 8. 109). £in anderer Prieater, Utiton, Uberl5«rt ebea> 

^Balis Bücher aa Fulda (I. c. 363 S. I6<)). Uaas ea jedoch nocb manoho 

^PCtcgeodeo gab, in welcheo man literaiische llilfamittel so gut als ganz 

CDlbebrt«, icJgt der nacb dem Jahre ä22 aa ilrabiin gerichtete Brief 

-l'ieculfs TOD Liaieux (Urali. opp. [ S. -IS'J ff.)- Kreculf klagt, dasa er beim 

.Amrilt adnes Aroiea to UsEeux nicht einmal eine BibelhandBchrift rorfand. 

2) Vgl. daa unter den Salzbarger Formeln erbaheoe DankecbiüilieQ 
Kiae» Biachors (wahraeh ein lieh Am) an einen Priester (M. G. Form. S. 444 
Nr. 19): Magnas graiias vobia referimus pro oronibua bunis, <iuitju8 aute- 
OTMori et patri nostro, iH. epiacopo, deindc post illiim nubia iniroerllo 
Hmper targiter et abundaoier miniatraiia. Omnes librus, (itius 111. epiaeup» 
et patrooo »nsiro tradidiBtia, ileinde nubis iuiiiimera dona librorum paterno 
aura inipendistia, illua omnes ad serviliuiD De! du vestra griitia atme 
proprio iure pouideniuti. Pru quilma üiimitiiia dij^tiam nierccdcm, Dco 
viian aoeiram guberuatite, «atagiinua. 

3) llrab. ep. :ul naialnlf. (opp. I S. 727): I.«ctor pauperciilua, qui 
Ubroram copiaui noo linbct. Praef. in Tlaniol. iKiinatmanD, Hrnbanua, 
AahüRg 111 ä. 211): NoBtromm, qui uuu uiultus librua liabcul, nee divcr- 
wTorn aactoruoi codicea. 



— 184 — 

in Erinnerung an die Verwilderung der Geistlichkeit in der ersten 
Hälfte des 8. Jahrhunderts. Ihr gegenüber hat man das Recht, 
von einem grossen Fortschritl; zu reden. An sich war das Re- 
sultat TOD Karls Massregeln ein bescheidenes. Es gelang nicht, 
originale Produktivität zu wecken : alle, auch die besten, repro- 
dnzirten nur; jedermann arbeitete mit fremden Ideen. Nie sind 
die Männer des Gedankens so weit hinter den Männern der 
That zurückgeblieben als in diesem Jahrhundert. Während 
Pjppin und Karl den Neubau der abendländischen Weit unter- 
nahmen, fürchteten sich die Gelehrten vor jedem eigenen, vor 
jedem neuen Gedanken: nur das Ueberlieferte halte im Gebiet 
des geistigen Lebens ein Recht. 

Doch es wäre ungerecht, darüber zu vergessen, dass Karl 
viel erreicht hat, indem er den Klerus erneuerte. Was gewonnen 
war, sollte alsbald für das Volk fruchtbar gemacht werden. Wir 
werden dadurch zur Erwägung der weiteren kirchlichen Mass- 
regeln des grossen Königs geführt 



Viertes KapiLel. 

Karls kirchliclies Regimeiit. 



» 



I 



Für manchen Mann ist das, was er unterlässt, nicht minrler 
cbaraktemtisch als das, was er tliut. Wälireud Karl mit uner- 
niQdticher lünergie daran arbeitete, die theologische Wissenschaft 
in die fränkisclte Kirche zu verpilanzen nnd den Stand der all- 
^'cineineii Bildung unter dem Klerus /u hebori, liess er die 
kirchlidieo Verfassungsverhültnisse im grossen und ganzen in 
demselben Zustand, in welcliem sie unter der Regirung seines 
Vaters gewesen waren. 

lian wusste am fränkischen Höre sehr gut, daaa ursprllng- 
licb die Hisch^fe durch Klerus und Volk gewählt wurden, und 
dass das kirchliche Recht diese Weise, die BisthUmer zn besetaen, 
forderte. In Briefen nach England kam Alkuin gelegentlich 
auf die Frage rler Wahl oder der Ernennung der Bischöfe zu 
reden; er verfocht naclidrücklich die Ansicht, die freie Wahl 
sei das einzig Richtige und Zulässige. Die Ernennung er- 
klärte er für frcrelharte Vergewaltii^ung der Kirche; er legte es 
den englischen BigchOfen auf das Uewiuseu , iu dieser Hinsicht 
keine Verletzung des Reclits der Kirche zu dulden'). Anders 
wenn er ao Karl schrieb; ihm gegenüber trat er aus seiner 



l)£p.3ßS. 2&7 (ao Kanbald tod York, 795): Kogo ut oullaui viulcn- 
llan lupet nccIeaUin ('hristi fieH ulIxteDtu p«riniiua , sed fnilrcs .libeni 
elections io titouto Dui stimmi aptiuiuiu Udo (liinantü elegniit. QiiU in 
UDctis caQuuibiis l«rrit>il« aiiailiuina hgititr aiipor uiiiufs, (|iii %'iulctiüaiu 
aliquftju larcruDt eupvr ccciMtsm t'lirioti. Vgl. ep. a7 S. 257 f. 




— 186 - 



^ewolmlen Zurückhaltung nicht heraus: in keinem seiner Briete 
un (Jen Künig heriihrte er die Sache. Er machte nicht den 
Vorsuch, filr Anerl^ennung des Grundsatzes, den er seinen eng- 
lischen Kreuaden predigte, im fratikisclien Reiche au wirken. 
Vielleictit sagte er siel), dass das vergeblich gewesen wäre. Denn 
ohne Uedenken und ohne Kiuwand übte Karl sein Ernennungs- 
recbt^J. Ihm galt es als AusfLuss der ihm von Gott verliehenen 
Gewalt, und niemaDiI nahm Anütoss daran; sondern jedermann 
belrachtele es als naturgcmiiss, rlaes die HischOfc „durch die All- 
macht Gottes und die Anordnung; des Künlgs"* mit der Kühruag 
ihrer Gemeinden lietrnnt wünten"). So regelmässig (Ibertrug der 
Künig das bischoriicho Amt, dass man im Beginne der Kegirung 
Ludwige d. Kr. die Krnennuiig eines Biscliofs und eines Grafen 
auf die gleiche Linie stellte*). 

Im allgemeinen bewShrte «ich Karls scharfer Blick bei der 
Auswahl der Bischüfe, Da er zumeist tüchtige Männer mit <iea 



i) Ueb«r den angeblichen VorzicUt Karla auf das ErnoimUQ^rociil 
s. Waitz, \.ii. 111 S. i'll. nir Chur gewährte KdH die W.")!«! dnrcli du 
Vulk unter Vurbvhall dur küuigUclion B«Btati|j'UD(f (Biibiutr-UübltiaLtiur Ib'j). 
Die Urknnde ist vod Rettber^ (KG. U.'« ri 8. 139 f.) mit Unrcehl be- 
bL'2»-L-tfdc (s älckcl, Wiener S.B. i7 S. 1S1 f.). Wie dlesa ürkuude zeigt, 
sind W.-ihl und ICrnentiiin^ notAr Kurl niclit scblechchtn UegensKtto. Ea 
mag auch nuilcrn'iirts vorgfkuicuiL-n scSUi daas du Hischof gcwjthlt wnrde; 
doch kuTint<! er sein Aiut nur krnlt der königlichen ticnelimignoic antreten. 
So wurde Biachuf (jHl«bert von Noyon nach sHoer Grnbschrirt tarn Blsobof 
gewählt (Poet. lat. [ S, 11 1 c. 7 v. & f.: gnein prelulic Helaonienaii grex 
eibi paalufL'u), püsl clurus NuviuuiflaBia). 

2) Schreiben Karls an (jhärbald von LlittJKh (Üitp. m S. 2Ab}: K. Gha«r' 
baldü upiflcopo cum univorsis tibi otDuiput«tilQ Üeo et noatm ordioativDC 
Gommiasia a. V^l. Katl rü Amalar vaa Trier: In qiU {acai. Trevlr.) te 
prsi'istilcni esso voliiimua (ep. Carol. 35 S. 4091. Leldrud von Lyon nennt 
sich in cinoiu ßriot'Q An Karl diviaa dispL-nsationp et vfstra miAenttione 
Lugdimciißii eeclealao t^pistüpi« (cp. Caiol :!7 S. ^1l)i er sagt oiu anderes 
UaI: Me ad re^imen ecclesiae Lugdunenais tleKtinarn vdlnittia (I. o. 43 
8^ 4ld). Von einer Reihe von BisohttreD wird die Emeniiung erwXbDl: 
Liudger von Münster (Vit. Liudg. 1, 2U 9. il\), Fruth-ir von Toul (Floiloard. 
Ii. ecci. lU-m. II, 17 S. 466), Poiraa von Vierdiin (s unten S. IS7 Antoerk. :j}, 
tiervold von Evreiax (üeaf. xtib. Font. 16 K. 't^). 

6) Cap. 136, 3 S, 271: Vohimiw, ui ht duu ffatres — Pippin und 
Ludwig d. V. — in cnnctis bunotibu» intra Hiintn potcstalcm illairlbuendia 
prnpria polesiato poiiantur, taniiiui iit in opistupniibiis et abl)aiiis c(:Dle- 
aiiieiicus urdu tt-neatur et in coterin liuuuribu« daudia bouestas vt uilhtas 
»ervetiir. 




- 187 - 



I, hoben kirchlichen Stellen belraule')) so bürt uian unier seiner 
Jtegirung weniger Klagen über den Kpiskupat als Turber und 
nachher. UorcgeltnÄssigkcilcn, an welchen es nicht fehlte, waren 
doch zu erlrnt^en. Am huuljgslen war di« Vereinigung mehrerer 
Aeniler id einer Uaud; es wird kaum einen Bischof gegebeu 
tiaben, der nicht zugleich AU eines oder mehrerer Klüsler war*). 
Seltener war es, dass pnlilische Verdienste mit kirchlichen Wiirduu 
belohnt worden') oder dass Uisthümer während längerer Zeit 
erledigt blieben*). Wird einmal ein Klage über Stellenjagd der 



I 



1} a Beiia^ 1. 

'i) Die Vorelnignng mehrerer Bisthtlmcr vermied Karl; tim ao liäufigor 
wu die Vvrleibutig von Abteien an Uiicbüfe und diu Vur^tebiing iiic)irrr«r 
Abteien um denselbeD Mann. KUr die letztere ist Alkiiin djia hükanntestG 
Betipiel; fUr die «rsl«r« miJgfa nls Beispiele genannt werdi-n: An{;tlraui von 
MetE. Abt voo OhiecDBer >;U<fhnier-MllhlliKclier 28!^1 und von :^enonen. Diüsesc 
ToaI(Ge8t.Seo. eccl. II, 1. M. G, Scr. XXV, 269)!; Hüdebotd von K.ili., Abi 
Ton Hnndsee (Rettberg, KG. U.'s II S. 25!)); Richbod von THlt, Abt von 
Lorsch (.Ser. «bb. Uuresli., M. 0. Scr. XIII S. 317)i Borobiir von Wonn». 
Abi von Woisaenbor^ (Bioh. «p. 3 S. 441i; Waldo tdd Bnsel, Abt voo 
K«IcbeD«Q [Ann. Alaoi. z. J. 806 S. 49): Iletio vod Basel, .'^bt von Keichenan 
(I.e., Böhmer Vtllilbnebcr ^1); Liudger von MUnster, Abt von LoIubk 
(Vit. Liad. 1-21); Agilfrid von LUaicIi, Abt voo dt. B.ivo (Ann. Uand. S. 187). 
vlalleicht auch von Elnu (Scr. abb. Rln., M. G. Scr. XIII S. 386); Beoamd 
T<ra Seo», Abt vgn Echtemaoh ('s. S. 162 Anmerk.?); Oiliebert vqd Noyon, 
Abt von Elno (Poet. lar. I S. 111 c. 7 v. d f.); Fortunat von Grado, Abi 
voi Mojren Moalier <Chion. Med. mon. H, M. (1. Svr. IV Ü. 8S); Theodulf 
fOB Orleans, Abt von St. Aignan nnd I.obbes (Bftbmer-MUhlbaclicr &24; 
Rest. abb. Lob. 8, M. G. Scr. IV S. 69). 

3) Peter von Verduo, zaerst erwühnt In rler Urkande Karts vom Oktober 
T8t (BOhmer-MUbIbacher 236). Ueber seine VerKaegenbeit widerNprecbends 
Anp.iben bei H<igo von Flavigni (Ohron. I, M. G. Scr. VIII, liSl) and Bmar 
(Gest. ep. Vinl. 14, M. G. .Scr. IV S. 44). Geiiif>ins.-iiD let beideu die Bn- 
haaptiiog, PetiT ■«! ein Italiener gewesen , und KHrl hübe ihm eiim Lnhno 
dsea au seinem KÖatf^e vi-rtibleu Vcrralhs das Biilh'jm Ubertrageu. Lass 
er ein iialienlsehcr Partei {{ifDgcr der Cr^inken war, wird als historisch gelten 
dllffeo. Ob er mit dem Cod. (.'arol. 71 S. 220 geeauticeii Biaubuf idenliscb 
Ist, Uaat sich nicht eDtacheidon in. S. 89 Antnerk. '.\). Nimmt man es an, 
so fillt seine ErDennuDg in das FrUbJabr oder den Sommer 781. Nicht 
luge darnach wurde er drr Untreue gegen Knr) geziehen und suspendirt. 
Anf der l-'raDkrart«r Sjiiode von 794 gelang es ibw. «Ich zu reinlgeo, ob- 
gielch er keinen Eideahelfer gefunden hatte-, er wtirde in seine Ehren 
«»der eingesetzt. Seinen Tod verlegt Abel (J.B. S. 406) biu das Jahr 
806. — Ein zweites Beispiel ist die Uebortrngnng der Abtei St. Ucnia an 
Fkrdulf fs. oben S. 1>|H Anmerk. (>]. 

4) Cap. 20, 2 S. 47 (.Man 7?9j: De epiacupis, iibi praesens episcopl 




— 188 — 



Kleriker laut*), so wtire tlicser Mi&Atand auch durch die Wahl 
nicht ausgeschlossen gewesen. 

Ciegeii die kirchliche Rp^e) bewies sich Karl also gleichgiltjg; 
aber er sorgte dafür, dass das geschah, was der Kirche froniinte. 
Achnlich in anderen KäLlen Während man in Rom die Kr- 
neucrun;^ der Melrnpnlitanrcrrftssung als eine (tberaus wichtige 
Angelegenheit betrachtete, behandelte sie Karl wie eine Kleinig- 



ordlnall non sunt, sine larditate ordinentur, V^]. Iladr. ep. &<1 Bert, 
VieDD. [JhS'ö WMtenbacb 2412^ Die Echtheit dieses Briefs v\td vod Jaffö 
QTid Abel (J.B. S. 181] geleuiniet, soo Wut» (V.O. III S. 180) bezweirelt. 
lJ«r UruDd isl, daM der Inhxlt ans Boolf. «p. 42 S. 112 entlehnt s«i. DIo 
HcrUbiuiig der beiilcD Uricf« ist uiibeitreitbar; iJuch berechtigt sie, wie iDtdi 
dlinkt, nicht d.i?.!), dna .Scliitühen des iMpstPs lllr einp spätere Pälschting 
zu erklÄieD. M«n lut apülor die Zustande iiuter Karl idcaluirt; <lie br- 
dicbtuog des llriofa vfürr- duelialb tinveralifndlich. Uage^en hntto llidriaa 
ein biteresse daran, dli» kirchliclien VerhUlumse im fränkigchiMi Reich als 
niangflh.ift iTsulicInm r.u lassen: dann »trabllen seine Verdienste in nm so 
liellerciu IJcbL. Dasa vr sieb bei eei.-nT ScbilderiiuK »u eiuea Slturvo iJcriclit 
hielt, der von diessoilit der Berge stAmtute, ist bcgreiflicli, and dsM er 
godankcutua aiiob sulubvs abscbrieli, was nickt pisgte. I*l uiehi allzu auf' 
fXltig; dAS kam in Hrtni Öder vor. Mir scheiot deninnch der Brief Ter- 
titüudli<:lK-i . wenn uj^q ein Werk ILidri.'ios, als weou umn elüc sii^teie 
Fälschung in ihm eiotit. Der Scliltms ist einher unechte Zuthnt. — LänRerc 
Erlpdi jungen deutscher HisthÜmei' sind unter Karl nachweisbar: 1. In MeU. 
wo nach Angilrams Tod das ßlsthiitn unbesetit blieb (Noin. poniif. MeiL 
sed., M. C). Ücr. XIIl S. 306). Ua Äogilrmn durch sein Amt an deo Uof 
gebunden war, an hat man wobl anzunehmen, dass die Vcrwaltuojif des 
BisihuDJB eirieui Clunbiäehiff anvertraut war; als AnRilraai starb, Hess Karl 
die Verhältnisse, wie sie waren, 'i. In TdiiI. liier kl;ifl't «wischen Jakob, 
der 7^7 Chrodeiiaogs Ufkuode fUr Gurze unterzeioboei: (Mlgne 89. 112t}. 
und Borno, der IS'i hei dem Urtbcil llher Mcttlaeh mitwirkt (ßöbmer-MUbl- 
bacber Nr. 'ib'i; über die D/ttiiiing s. Abel, J.B. S. 43G) eine Lücke. Uornoa 
Nachfwlgcr Krothar wurde vi.n WolCar von Kheiins fconsektirl (FlorJ. II. Rem. 
ccci. H, ]H. M. IJ..Scr. \lll ^. -1 (>«>), nach (ii^cz lAbtielrh. Keg. 4IH) im Jahre 
813; doch ist das Jahr unsicher; wühtti-iid der (iesanrltschaftsrsls» dM 
Auiiilarius fand die Weihe jedenfalls uluht statt, da A. nach Flodoard ao- 
weaeiid war. 3. In Vordun. Hier spricht Bßrtar {liesL ep. Vird. 13, M. ö. 
tJtr. [VS. 441 von ciiier zwtilljähiiKenlivdiHvukauz uudi MadAlvou» 'gosturbvci 
aio G. Üklohor 77f>j, während welcher ein Uhcnbiscliof Aiu-ilbert das llisthuin 
veiwaltec habe. l>ie iwölljabre sind sicher UDrichtig; denn in <ler Urkunde 
Karls vom Uktubcr 781 (ßüliroer-MUhlbacher 2S6) wird Bischof l'etrne 
bereits erwähnt 

I) (irabschrilT liillcbcrts von Noyun ll'uot. lat. 1 S. 11t o. 7 v. I f.): 
<^ui p;isturalJs fasiu» ambiiis bouures, 
Ccrnite qtiatn cito gloria prcterlt huius boourll. 





- 189 - 






Nt Er fttrilerle sie so tbssig, da»s es beinahe bis zu seinem 
Tode danerte, «he eine fesle Ordouof^ hergestellt war. Zunächst 
blMt alles wie in rien letzten Jahren Pip|)iijs: Wilcliar von Sens 
irar der einzige Krzbischof des Reichs '). Als sich dann Karl 
Ostern 77i in Ilom aurhicU» nahm Hadrian die Gelegenheit 
wahr, an die Sarhe zu erinnern. Kr spracli den Wnnsch aus, 
itaa die MetropolitaiiwUrde im rräiiltischen Reiche wieder her- 
Cestellt werde; dabei ilachte er an die Knicucrung der kircit* 
liehen Eintheilung dps lindes , wie sie in der lliimerzeit be- 
standen hatte'). Karl wies seinen Wunsch nicht zurilck, aber 
er erfüllte ihn auch nicht. Was er thal, beschrtlnkto sich darauf, 
'läse er im Jahre 77J Bertar von Vienne als Mclropoüten aner- 
kannte *). Ungefähr vier Jahre später ersuchlii er den Papst, den 
Bischöfeu Tdpin und Lul das Pallium zu ertheilen'). Hadrian 
halte bezüglich Luis Bedenken^); duch müssen sie zerstreut 



P 



i) 8. S. i2 Anoierk. 'i. 

2) IIjMlrian an Btürtar von Vieonr [.lAfiÄ-Watti-iiliaeli 2412): . . ul fiieiit 
antlqulB privil«^is BiDguUe uiQtroiiulicvDae uihea fundalae sudi, iIa luaiisanl. 

3} A. ft. O. (Matia. XII 3. &47). 

4) Brier Hadrians an l'ü^ia <:JafrL''Wxiu<uljaclj 2iMi. Wim Kclilhett 
iu von Hintcliiiii (K It. I S. 60'J f.) tictsirilCun; icti bftbß kt^ia UctleDhen. 
Der wichtigst» Einw-tod. die Pdiuatial Ide« ■«! dtm ü. Jahrlinndert fremd, 
IriSk nicht tar Such«, d» in dem Schreiben Kwar der Bisbiacliof rHmna 
4^tODi wird, von der Ausehiuuug dei 9. Jabrlmnderla ttt>er don l'rimaten- 
rang aber keio« Spar ticli tiodct: die Rechte des PriiDas slixl hier darcb- 
aw auf »Pioe blGiete beachräakt. Um to uiiwahrBvhein lieber ist L'in« 
•piter« l^irtlndiißg. Man aetzc di'n ilriet' ^cwölinlich in das Jahr IIb: 
richtiger scheint ec. ihn dem Jabi« 779 zuzuweiseu, du. duuli uicbt aiixu> 
MtiiD«fi ist, daas Lul mit s«iueio Belccontoi« lägaru- (a. Hnhn, Biinir. and 
Lnl 6. 'i'iÜi. DaaBL'lltti (sbx«drDGkt bei Will, Keg. Mug. 49 3. 40) Ist aua 
doa 12. J»bre Karla datirt. 

&) I« aiiKftuhrt«D BHefä acliivibt Hadrian i lutuiigtiuiia fratemilaCi 
tnae, ai qtiia d« ordjnstioiic episcopi nomine I.ulli h. Ma^utilinac eccleaiao 
ad DOS qiittcdaiD perveoerunt. nasunipli locum Viuuiago (Wcoiund von Trier) 
M Potteaanre epiacopis et luiwia . , i'arali Francoruiu regia diljj;«nlcr In- 
«lulraa omaU de iiliua urdiuati <»!!<:• et lideu ac duutrinaiu illtus alqiie con- 
veraationem et mores ac viiatn inveali^fa. ul si aptiia fiicrit et dignua ad 
«piatopalem catbeitram guburnaDdam, expuiitaiji et conacripiam et luana 
•na proprla aubecripraoi catholiciun et orthodoxam ildem . . ad nos dlrtgac, 
Dl pattiatD illi eecunduBt consueliidiueiü irntiHtuittaiuiis et urdiiiacionem ilüua 
frnatn ludiccmai ot in L>adi>iii a. (^ccloai.i Mai^uutina urcblcpiacopiim con- 
ititniura esse faciainiis. Ilinsvhiita aiebi auch En dieaer Stelle einen Orund 
gegen die Bctitticil dea llricia; diese Atmeianngen sciun untnöglicli, üa 
»e iLit Bdckaicbt aar Lala Erhebung zum Krzbischof ortbelU wurden, uad 




— 190 - 

worden sein, t\ann Mainz wiinle Metropole^). Nun ruhte die 
Sache wieder einige .lahre lang, dann erhielt Erminbert roD 
Bourges da« Pallimn"); zuRleich aber wurde Karls Uorkapellan, 
Angitram von Melz, mit der erz bis chö (liehen Würde ausge- 
zeichnet'). Als er elarb, trat Bischof Hildebolt! von Köln in 
seine Stellung am Hofe ein: auch er wurde nach einiger Zeil 
Enebischof*); ein paar Jahre nach ihn) erhielt Theodulf toq Or- 
leans den gleichen Rang^]. 

Man sieht, Karl übertrug einzelnen Ubnnern, zu weichen 
er Vertrauert hatte, die erzbischofllche Stellung, aber er that es 
ohne Rücksicht darauf, ob ihre Histhllmer je den Rang thd 
Metropolen gehabt hatten. 

Die erzbiG^cliOriidio Würde war jedoch nicht nur als Ehren- 
slellung gedacht, soiideri] als kirchliches Amt Kaum dass in 
jedem Uaupttbeile des Reichs wenigstens ein Erzbischof auf- 



da LbIb BCntritt in das Ulacliäfltche Amt, mtt rKmtsctintn Masse ^mflssent 
in der Tliat nicht guna rv^eluiKsii^r war (». Bd. I S. 587 f. und vgl. dos 
Urtli«n Adoa von V'ienne Über eines analogen Fall in Lyon, chron. z. J. 
814 S. 330), BO sclieineu mir auch diese Bedenken iioerheblltth. 

1) Lul wird urkundlicb znin letzten Male Bischof genannt am R. UXrx 
780 (Uöhioer-MUblbacher 2201. zuoi ersten Male I::riWscbQrf am 4. Juli 782 
(a. a 0. 242). 

2) Cod. Carol. 95 3. 278 f. D«r Brief gehört Ewisehen 784 »ort 791. 
Hadriaa ernnitr, indem er Kraiinbi!rt das Pallium eribeilie, einen Auftrag 
des Königs. Erminbort inuaste ihm aber znerst die Versichernng gebdü, 
d:ias er unter keinem Krzbiacbof Btcli». Man aiebt niic)i liittraus, dsas das 
Melropolitauverhältnis im frünkiscihen Keiche ganz aufgelfial war, 

^] Daa Jahr ist unbekannt. Angllrain kann frlibesKins im Jabre 784 
(Tod Fulrads) Hofkapellan geworden sein. Erzbischof wird er zuerst in 
einer Urknnde des Jahres 7SS iHSbnior MlLblbacher 289) genanat. Da 
Alkuin eines Aurenth-ilts Angürams in Ilnlien gedenkt (cp. 12S S. 5I&), so 
wird Karl auch ihn nach Rom gesanilt liaben, um dort das P&IUum zu 
empfangen. 

4) Rildebnld heisst aaf der Krankfurier Synudv vßti 794 noch Bischof 
(Cap. 28, 65 S. 78} ; dagegen wird er 795 al» Erzbischof bezeichnet (Urkund« 
für 8t Cassins und Florentius in Gunn, K. Arcbir XIU S. 161 Nr. 32}) 
desglcichon 799 (Vit. Leon. 111. ;!73) ; ebenso iot gleichen Jahr« in einer 
Urkunde Hlr .St. Cassins nnd Klorcntius in Boon (N. Archiv XIII S. 159 
Nr. 26) and in Aar Urkunde bei I>acoroblet(I Nr. 15 S. 9), deren Fassung 
Jedoch nicht gleichzeitig ist. In Urkunden von 801 und 804 U\r ^t. Caiaius 
lind Florentius ist vun ihm als », Ai^iippinensis arbia epUcopna et sacrf 
pallaiü capellanua die Rode (N. Archiv XIII H. 155 Nr. 12. S. 161 Nr. 30). 
5) Ale. ep. 166 S. €06 f Der Brief iit nach dem 4. April Süi ga- 
sebrlBben. 



- 191 - 



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llt war, &(t erliess Karl eine Vertagung, welclie von den 
Buclififen Geliorsatn gegeu die Anordnungen der Metropoliten 
forderte'). Äts er ein Jalirzelint spülur, 7tS9, sein grosses Aiis- 
lohreiben an alle Stände seines Keiclis richtete, erneuerte er 
demselben die älteren kirchlichen liest im niungen llber das 
Susamuienwirken der Bischore und Metropoliten *,l. Sie moch- 
ten als durcliftlhrbar erscheinen, obgleich das Reich nicht in 
eine Reihe wohl abgerundeter orzbischüflicher Sprengel einge* 
ibeilt war; Tehlte es doch nirgends an Trägem des erzbischöf- 
liehen Amtes. Ais jednch die FrankTurter Synode von T!)4 
erordnete, dass Appellationen gegen das ITrtheit der Bischöfe 
Mets an die Metropoliten und erst in dritter Instanz an den 
König gehen soUlcii'), drängle sich die Xothwcndigkeit einer 
festen Abgrenzung der Rrzbtsthtlnier auf. In der deutschen 
Rcichshäine war die Sache einfach: hier war Ktcnlf von Mainz 
der ciniigc Erzhischof*); im Westen scheinen Sens, Rheims und 
Bourgeü sich verständigt zu haben: auch erscheint jetzt liouen 
Kuui ersten Male als Krzbisllium^). Dagegen musaten die Grenzen 
der sQUrranzösischen Sprengel er£t festgeslellt werden. Uie He- 
Stimmung geschab auf tirund der altkirchltchen /zustände unter 
UilwirkuDg Runii"). 

Vier Jahre spüter wurde eine eigene bairJschoKirchenprovinr. 
mit Satzburg als Metropole konstituirC. Jedoch waren es nicht 
kirchliche Gedanken,, welche zur Entstehung des Sälzbui-gci- Erz- 
bisltmws IV}|irtcn; sondern es bat alle Wahrscheinlichkeit, dass 
der Anlass in den politischen Vertiüllnissen lag. Solauge das 
bairische llerzogthuni bestand, bildete die batrische Kirche einen 
eigooco kirchlichen Kürper, welcher setbstständig neben der 
deutschen Kirche stand: sie war eine Landeskirche. Die Ober- 
lelluDg lag in der Hand des Herzogs; eines Erabischofs bedurfte 
nan oicbt. Durch Tassilos Absetzung war sie als Landeskirche 

1> C*|». 20. 1 a 47 (Mars ^79). Du. damals die Erliebnng Uls und 
Til|Niii im Wi'rke wm (b. 8. 189 Antoürk. 4>, so k<>nnie mnti an viui' Ent- 
biiebör« (lenken ; auaier den tienaDDten an Btonrad voii .Seoa und tlerlnr 
vDii Vi«DDe. 

2) Cap 23, 8, 10, 13 S. b* f. 

3) C«p. 28. e S. 74. 

4) LdI war sm 16. Oktober ;d6 (featorbco. 
b) Cap. 2S. ID 8. 75. 

6) Cip. 'if*, S S. 'ib- Vicono aoUto iüttf. Atles neun SulTrAgaae haben. 
(Toller UouUer eu TAraDixiie, Kmbfun und Aix zu bcitlmuicn, Uboiticaa 
nan den Tapate. Ali wurde nlebt Hctropolo (a. Einli. Vit. Kar. 33J. 



- 192 - 



aufgelOat. Oass der Wuoscli entstand, die hislierige Verbindnng 
der bairischcii Bisthürnerzu orlmllcn, ist lieg reiflich. DcmgciiiAsa 
rictiictcn die ßisctiöre die lüttti an Karl, er uiiiütt Arn von Satz- 
Lurj; hIs Erzbischof an die Spitze der liairischcn Kirche stellen. 
Kai'] stimtnie zu, und Leo 111. verlieh dem Nachfolger Rriprrts 
das Pallium'). 

In dersellien Zeit wird die Erhebung Hildeliolds*) zur 
Bihlung des Kölner Sprengeis gefuhrt haben. Am längsten 
dauerte es, bis Trier seine alten Me(rii]ioIitanrechle anerkannt 
Aah^), Ueberhaitpt wurde die Ab^renxiiti;^ der Erxdiüxcsen erst 
In deii letztei] Jahren Karls xu Ende gefutirt*). An der Süd- 



1) JaffÄWatlenbnoh 249^ f.; vgl, 24y8 und 2503. M.iii lietracltels 
die llerBlellLtnt; eines Errliisthums gewiasermagseu als zur Uniouog ilflf 
Pruvißz gehtfrlg. In I.coa Schreiben 249^ helsst ei: Qtioniam prouiocia 
[])sa uirilicti a . . Carolo , . p>?tiitus vs. oumi p:irle eicut <IocuU unlinsU 
Mt, ilicirc» conuRtiit nns ut ipan, nempo ect'l^alasiicn imodfraiDiiie tn sncro 
ordinn tideliter a,t4|ue ■piridialiti-r secuuduiD canuniesui cciisnram ipiam 
or^iuarcmiia Haiuvariorniii prouincinin. Zum Halsbtirger HprenKel j^chikrteD 
Reben, Freisiog, R«K«usbur|;, Pssiau, Nouburg. 

2) S. S. \'.\<> Aniu(>rk. 4. Zu Köln gehtirlen LlKtich aad IJtreeht; daH 
kamuD epätur die süi::btia<:bca ifislbtimur Miudcu. Münster und UsnabrUck. 

3) ÜPber Wporoad a. Ü. b2 Anmcrk. 1. [ticliboit nennt sieb iin Jalm 
800 uur Blscbüf (Uifrc, Mittelrli. Ucu- 377} und wird von Alkuia Bischof 
genannt («p. 100 S. 424). Ucber die Lage unter Analnriaa geben Aufschloss 
ep. Carol. 32, 34, 35 S. 402 ff. In dem ersteo Brier» bcbaodelt Karl 
Atonlarius als Metropolit S, 403: Nossc volumus, qtialicer tu et saffraganei 
lut docentis. Amalatiiia erwidert S. 408: Suffraj^aaeus sei ein mehrdeatiges 
Won, man kiinne dal)ei an iViestcr, Aebte etc. denken. Si forte eptscopo- 
tuiD Domen, (|tii aiiquando vestrao oivitati tubieuti erant, aiidure debemiti, 
oro, nt non impiitet dominus scrvo sno: qaia usqne in preaens tempus non 
Dum ;iueu8 atlingoro, que nobis iniuiiutai nun eunt. Darauf aolwortet der 
K.iiser .S. 409: De <'pi»er>piti aiitVrnganois ad eeotesiain TrefoniBi . . sicut 
antL'riu« nustraui urdiciaciobGiii et disiHPsicionem atque iusaloueui expeciasli. 
voluniua, uL Interim quod ad nmtrum veneria coninquiuin, tta expectce. Die 
«ract Stelle setzt eine Anordnung voraus, das» die alten Uetropolen In 
ihren Rang wieder b^ergcstellt seien. Die zweite zeigt, daaa sie nicht darcb- 
geflllirt und dass spL-:iie11 die Abgrenzung eines .Spteogels filr 'frier nieht 
erColgt war. Aas der dritten ergibt sich, dass Karl diese Abgrenzung sieh 
Beibat vorbebleU. Aus dem Tcstauii-ute Katla wird man scblieasen dürfen, 
dass sie vor 811 erfolgte. Zu Trier kamen MotB, Toul nnd VcrduD. 

4) S. Anmerk. 3. Einen weiteren obronoli^giacHeo Anhaltspunkt gibt 
Cap. 47. 3 S, 133: Ut ne<]uat|uam ictcr dooa inctropülltanoi provinchi Hivi- 
d&tnr. Als diese VerHlguDg erlassen wurde, muss die Abgrensuug der 
Sprengel im Werke gawescn aeiiL Borelins verlegt das Kapimlar ia das 



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grenze Frankreichs und in der spaniechen Mark unterblieb sie 
jimU länger'!. 

Ks war naliir^'emtiss. dass,. naclideni einl^^e ErzhisLliUmer 

h«rg«sttillt waren, diese Kiiiriclituu^ iiacli nnd nach auf das ^anxe 

ßeich ausgedehnt wurde. Der EinflusR Korns, die Kriniieriiiig 

H nltkirchliche ZuBi&tide, die in der Kirche vorhandene Nei[:iin{(, 

untformiren, wirkten dabei zusammen. Duch hatte Karls 

tcichgiltigkeit ge^en diese Organisation guten Orund. Die neu- 

rdnelen Kirchenprovinzen fllhrleu sLeta nur ein ScheliiieUen. 

as Amt der Erzbischnfa war viel zu inhaltslos, ihre kircldiche 

Itacht viel zu beschrankt, als dnss «ic zu Fuhrern ihrer Sprengel 

ketten werden können. Nach wie vor gingen alle Anregungen 

in kirclilicheu Dingen vom Hofe aus. Dent entsprach, dass die 

Reichskirche in der llegel als Einheit handelte. Aber auch wenn 

i\ts nicht der Fall war, sei traten niclit die ErzbisihiUner neben 

üuander; man souderte eich nach detj uatiunalen Verschieden- 

kiten. Das sieht luaii an den Synoden des JtUires 813- Die 

äenttchen Bischüfe tagten in Mainz'}, die burgundischen in 

Chtloo s. S.*j, die neustrisehen in Rheiins, die aus Aquitanieu 

ntitj dem ehemals gnthischen Südfrankreich in Tours und Arles*). 

)iacli war ja in Frankreich die landschaftliche Scheidung schrolTcr 

ils in Deutschland. — 

Zu den Verhitltnissen, welche seit ßonifatius Fürsten wie 
Bischore beschärciglen, gehörte die Regeliin;? des Kirchenguts. ^Vir 
laben gesehen, dass man zuerst versuchte, dem Huchstahen des 
lÜTliIichen Rechts zu geniigen, dass man sich jedoch bald gc- 
oDthigt sab, auch auf die staatlichen HedOrfnisse Rücksicht zu 



^ 805 od«r Spllsr. AU M«lropüleii der «estliolion Reichsbiiirte sind in 
™UTMttinent geoiinni: Mens, Itesangon , I-yon , Ronen, Kheims, AriM, 
"ttne, Mouliers en Tarantsiae, Enil^nia, Bordeaux, Tours und ßourecs. 
!■ Nebiidina von Nnrbonne erscheint «iif der :irel»tcn»UcIieo Synode 
^ 813 >ta Ersbiscbuf (Mnos. XIV S. 57); Aix ist als Brxbisibiim ini -Jabro 
^uebweisbar (SchreitMn Ludwigs, ))|öhnierMühlb.irhi^r ä'27}. 

3) Uli». XIV S. 64 : Uildebaldui sacri |i:i1atii arulii^prscnpus, Klcholfus 
'^Ano arehiopiflcopi Bfiii Bemlhariu« (von Worin«) tinä cum reluiuii coApU* 
^>l. Die Alt, tri« üildebuld sieb bezeichnet, leigt, d.is3 man auch da- 
miittoeh sieh TOD der Anschanang nicbt loai;omai-ht liatt«, die erzbischijf- 
^At Würde sei elae p^sSulicbc Ausioicbnang. 

i) U. e. S. 93: Kpignopi e( abhatcs totius Gulllac Lugduuensi«. 

4} 1d tlea Akten von Rbciina und Toiirü findet sich kelni^ Angnbc 
ttw den Utzitk der Synode. lu Arie« pnwidirtcn JobaLuus von Arie» 
BiKl KebridJDs von Narbanne (>• o- S. 57). 

IlaurL. KlRboMceattltbto U«nlMblandt. U. I^ 



— m — 

nehmen , welche die rolle Hestitution der eDtrrcmileton Bo- 
sitzuugeu verwehrten'). Die« Nebeneinander entgegengesetzter 
Gesiclitspunkle bemerkt man aucli in Karls Vcrbaltea. Nichts 
la^ ihm ferner als ilur (jedankti einer durchgreifenden Sükulari- 
Bation; er erkaiinle bei-eilwillig das Eigenlhumsrecht der Kirche 
an den ihr (Iberlnssenen Uiltcrn an. Dem[:oinliss verftlgtc er in 
/.alilreiüheu Küllen die RiJckguhc entfremdeter geistlicher Be- 
Sitzungen "). Kr verordnete allgemein, dass den Nutziiiossern 
gegenüber das Resitzreclit der geistlictien ätiIXungcn urkundlich 
festgestellt werde'); auch suchte er ym verholen, dass das ver- 
liehene Gut in das Eigenthuni des Helehnten übergehe*). Aber 
er war nicht blind für die Gerahren^ welche in der Übermässigen 
Ausdehnung des kirchlichen Grundbesitzes lagen- Kr selbst 
hielt deshalb in der Freigebigkeit gegen die Kirche Mass*). 
Gleiebwobl wuchs deren Be-siiz während seiner Regirung un- 
unterbrochen, zum Tbeil durch Rodiiug^), zum weitaus grussten 
Thcil jedoch durch Schenkungen. Hier mügen Zahlen reden: 
das Kloster Herafeld erwarb in ungefähr dreisslg Jahren gegen 



« 



1) Vgl. Band I S. 477, 483 f.. 486, 499. 

2) In St. Dcnta war ä\p Realitiilinn iinier Pippln erfolg; Karl 
stätigtc dio Urkunde svinea Viters (IU>hiii4?r-!i]üli1b»ber 1^). Ebenso tiegano 
die KeHtiriiiJ[>ii ihr RhoiroAcr GUtcr unt<^r Pippin und wurde untBr Karl fort- 
gcsftUl (1'lö.i , H, Rem, ecc. U, 18 f. S. -IM f.). Zwischen 772 und 774 
vorfüglü Karl diu Rückgabe der GUler an Klosler Bona» (lkihiner-HUbl> 
bacber 152j; im Jahre 7ö0 «rhielt Sl Viktor in M:irs«il]e seioeEi Besitz 
wieder (Abel, .J.B. ü. 370 t.)i in cincia der iiÜuIihIuu .Tiihrn wurden die 
Kcchle \oa Tlier »ut Mcitlach, da» in l^e^it» der Widtiiien, der I-'.i.u)i)ie 
ßtscbof MlluB, };el(ouimt:ii wiir, «nt-rkanuc (Bijbmer Miiblhacber 2&1i). Im 
Jahre 7^2 wurde das KlrchcD^iit in Narbunnc, dl^8sen sieb der Uraf Kilo 
b^mäohti^t halte, realituirt (Abel« J.B. S. 43Sr.); um daa Jabr 798 errolgu 
die Rtlckgabc der Einkttnfle der Kircha von Lj'od (fp. Oarol. 4'J S. 420); 
iiacb 800 eioQ gmaae, wenngleich nicbl vollBtändigfl RfBÜtiittun an St, 
Wnndrille (CcBt, .tbb. KonC. 16 S. 47). — Schäditfungen ditr^-h dl« Oroiten 
kamen auch unter Karl vor, a. B, in Uurbuob anter Abt Amlco (FonDDl. 
Alsal. 4 S. 330). 

3) Cap. 20, 13 S. &0 lUoriaiAll, Min 779): De precariia, ubl mudo 
atint, rfDovcnliir, et nbi non sunt, acribantor. 

4) Uap, C>9, 3 ». fl6(a. 8Q:)-813): <^Lii boncäciutu doiujii itnperatoris 
nC aecclcsiärum Dei habet, nihil cxiode ducat in suam bcredilatcm , ui 
Ipsuiu beneGuiun dcstruatur. Vgl. B'i, 15 <8. 802) S. 94. 

[>) S. V. iDsmn- Sternegg., DcQlBcbe Wirtbacbaftsgucbicht« I S. 381. 
6) A. a. 0. S. 284. 




- 195 - 






und kleinere Höfe in I9ö Ortschaften'), in 
ulda rtttleii in Karls Zeit aber 24S'), in Weissenburg 111 >), 
Lorsch weil Ober lÜOO*), in St. Gallen 119 Schenkungen'); 
iD so kleiaeB KInster wie Staß'elsee halte in ci^jener Ver- 
waltung eine Ackerfläche von 74U Morgen und Wieetand ku 610 
Kuiler Heu-, es besass ausferdem 2^ FrcigOtcr und 19 Hiitf. von 
Hörigen, welche Naturalleistungen an das Kloster zu enlricliten 
hatten*). Weit grüsser als der Besitn der jungen deutschen 
Ktiister war der Rciclithmn der Hlten Stiftungen des Weslcns. 
Der tirniidbcsitz von Sc. Gcrinain des Fr^ wird aiir 221,187 
Hektar mit IÜ,3b"3 Uörigeo berechnet''). Ist die Angabe ricbtig, 
das8 St. Martin in Tours 20,000 Hörige besessen liabe'^)^ so 
darf mau auf einen noch bedeutenderen Grundbesitz scliliessen. 
Wftodrille nannte im Jahre 788 Ober 4000 Hufe sein eigen*). 
Unter den Kanonikaten hielt man diejenigen far arm, welche 

^B 1) Du GUt«rveneicbnii von Uersfeld (Breviar. s. Lulli bei Wcuck, 
^■tF.B. 11 S. Ib ff. Nr. 12} tü)il( aU von Kur! gescbeokt auf; iiO Uubeo und 
^^ no HaoMB, als bis Kur Ueborgabe an Karl erworbeo: 414 Hubttn iiml 

4l31laa»eo, ab seit der Ueb«rgab« geechenkt: 'iüb Hüben und Mi Mansen. 

Die Zaiil der Müache war 150 (vgl. Habn, Bonif. und Uil S. 2.Si f.). 

?) Bei ÜrrmkP (Cod. dipl. S. 20 IT.J linden sich 'Hb Sclicßkungsiirkuitilcm 

aia der Bvgirungezoit Karls; bekaiititlich int eia grosser Theii der fuU 

reb^a Urkunden verloren. 
3) 8. den Index cfaroool. bei Zeuss, Tradit. Wisaub. S. 345 S. 
4) Cod. Lauresb. 1 S. 285 fT. 
3) Wartinaiiii, U.B. 1 3. 52 ff. ; ueben deo 1 19 äcbcnkuogcD nur 2 KiCute. 
6;i Cop. \'2», 7 ff. S. 251. Hier auch das Inventar: De anuona uibil 
*-(ppcriiooa excepto quod dedltoiiB pioveutlarüs (■= piaebendaril, qul vio- 
t.Bilia reclpluntj carradae XXX; qul sunt proveodaii usquc ad missam s. 
Jvbunis, et budi LXXQ. Ue bcace (Male) niodü XII. CatialluEu domi* 

^am I, boves XXVI, vaccas XX, (aurum I, aatmalia miDurn l^JungvIch] 

..\l. vitulos V, vcrvicea LXXXII, agnellos XIV, hircoaXVU, caprasLVIll, 
cdiculoi XII, purcos XI.., porceltos L, aucas (lliUiner) LXIII, pullos U 
la apium XVII. De lanlo baccooes {Speckseile) XX, parlier cum mmulüa 
[WUrsle], nnclos(^chinali) XXVIF, verretti ncctsiuu et «uspeiisiiin I, rurmn- 
XL. tfü nvllu siccIuH diuiidius, de buiim aicü II, do sal« niudJi Vt 
\4e lapofla aicli ül. Cuicila {,Mairatten) caiu plumatü.i V, cnldai-Li n.orea III, 
fema vero VI, grainacula iKosK^lhaken) V, luuiinarv furretiui I. tinaa 
iZnbn) ferro ligataa XVII, f^tcea X, fsloicnl.'u XVII, doLtlnra* (llßile; VII, 
Mcaras VI[, coria falrcioa X, pelles vorviciua» XXVI. sagciiaui ad pis- 
idna I. 
7) Ua«ranl, Polypt. de l'abbö trmlooa I S. 901 f. 
6} 8. oben 8. \2i. 

9) Qett. abb. Kooi. 15 S. 43: Hansi iatogri 1326, mcdil 23S, maa- 

13' 





200—300 Hufen bMMsen; um filr reiclt zu gelten, war ein 
BesiU von niindestens 3000 Güleru nöthig*). KtcliC in dem* 
8ell>en Masse wie iler Besitz iler Klöster d«linle »ich der der 
übrij^ßu kircidichcu ätilluiigcti aus; der Grundbesitz der Bis- 
Lliütner war wohl in der Kegel kleiner als der der mäcbtigen 
Abteien'}: Au;<:8biir}r be&uss in Karls Zeit elwas über 150U'\ 
Salzburg etwas über löOU Hufe*). Hier lag vermutblich der 
Grund, weelmlb Karl su häufig den Bischöfen zugleich Abteien 
übürlrug*). Am wenigsten wissen wir über den Besitz der 
Prarrklfüben, der sich nun vidlig von dem der bischöflichea 
Kirche schied; doch gab es schwerlich ii^nd eine Kirche, ca 
welcher nicht mehrere Hofe gehörten^). Kun waren allerdings 

operartt IS, absi (Oeduoeen) l&B, MUMcn 30; diso die verliehenen GUttr, 
aiaoa. iot. 2120, med. 40, matiup. 235, »bs. 1&6 , Niihleo 24. Dasa dU 
Einkünfte der Klti'Stcr sich nicht Ubi!rAll auf don I^rtrag des (inindbesiUcfl 
bescbHinktvn, tvigt das Vcrxc>ii-buiti drr Einkllnfci: vvii S(. Riiiuier, »-«Iches 
Ani;ilt>crl8 Nschfnlger llerii-h anlej^r; von der Ortschaft rcctul-i wurdeo 
Behr budeutendt! Letslttngirn erhüben; dleOblaüo fini Gratm Rtchars scfaStxie 
man auf wHclienflich 200— 3üO Mark SHber, »iii*er den IHtrigcn 0«c!ieoken 
(Mab. A. S. IV, t S. 99 f,). 

1) t'onc. AfiQisgr. (a.8l6)c. 122 (MatiJi. XIV, 532): In locia ubi ai*lorM 
faculiates auct ccclesiac, vorbi gratta tri» mit qiiatuor aiit curte octo et eo 
xmplJiiH millia mansi elt^. I» mc^incribua lucia, tnillc »at millfi quingcntoi 
vel ocrl« (biu mllliu luauaua LabcDtibus etc. In mlnoribua loci* dacenlos 
Aut li-ecenins Enanaos babcntibua. 

2) EId« VoratelluDg vou den Einklinfton eluer bisL-liOfliclien Kirche in 
der westlichen Reichs h 8 Ifto gibt die Notii Flodoarda (II. Rena. ccci. II. 18 
S. 466): Bedilua vlllaruto ijBaruodaio ecclealae in cteoiosiiia . . diaiributj, 
(luthaadam adhui: deftcriptioolbus tiinc Ic H\A) facti« leKunliir; In qidbiis 
Inveniontur ioler Tcrmidum, OraodeTiipratiiai, Viodicuin, Farvillaia. Graia.i- 
dum, Pidam, Cailcvclliim et Cortem Magn^ldi in dlstributione nlenosinac 
de anoona loodil 1995, ^^ aDiiualibua ioter maiora et utinura capita 163- 
ItecQ int«r vlllaa fagniti srve Bulctlcum et allaa qaasdain annonae ntodli 
10&2, vini mndii 64, »alin modli V cum diveraia animalibas Dl alUa varlU 
rebus expensa; ad opus qiioqu« fTatram Orb^ccDsis coenobü (|aaiitum anffl- 
cerel ein. t^ndc d»rur intelligi io oiaioribus qnuiiiie kcis inuUo tuQO pliira 
fiii»se dispcnsata. 

3] Cap. 128, 9 S. 252: Habet sntnma AuguBtcnsts eplsco^jatua maosos 
ingeniitif» vestHo* MVI, ahsoa XXXV, »erviles vein veatitoa CCCCXXI, 
absüB XXXXV. 

4) Indic. Arnonia (ed. KeSut} 18R9. 

&) S. 8. 187 Änmcrk 2. 

6) Wie gross der durulischDitdiche Besitz der Pfarrkirchen geweseo 
tat, liüst Hieb nicht «reohün, Ludwig d. Fr, verfUgto tm .lahro 818, daas 
Yun jeder Kiruho ein Uof frei von Lciatungcn sein solle (Cap. 138« 10 



- 197 - 



* 



die LeistungQO, zu welchen die Nulzniesser rerpÜlchlet waren, 
io der Rogel gering'). SJaochmal scheinen sie nur feslgesetzt 
worden zu sein, um das Besitzrecht der Kirche nicht in Ver- 
gessenheit Itoinmen zu lasaen^j. Kulda z. B. war trotz seines 
^ssen Bc9it2es kein reichcR Kloster >). Aber das hob nicht 
', <iass die Vcrachiehung des nationnlcn Rcxitzstandcs, welche 



S. 377>. Dia Bischäro beklngtco sieb ein pur Jahre dsrnacb, ca gcbo 

lahlretcha Eircbeo mit ketDvm oder nnr geringem Griindbeiils (Cap, 178, 

^ S. 367}- Aur diu nihil exicrina hubrntM wird maD jedoch oirht en viel 

(Irwlcbt legCR dllrfeti. Die von Karl gegrUndutcn 14 SlavenltlrctieQ (s. 

unicn Kxp. VI) besMaen nnr je einoo mnnsiu; emt Lndwig dolirt« sie 

^jeichlicher (Form, imper. 40 S. 318). l>ie im J»bro 77'i gettriintlcte Kircbo 

^B W>)(m&odingeo . O.A. Retiiliagea, wurde too ihrem Stifter dotiit mit 

BTcuuen, 12 Hüben und 32 Ugiigfo ( Warta>«Dn, U.b. I S. 65 Nr. C6). Im 

^piahre 17.^ warde die Dotation Term&hrt um ll Iltjhcn und A'i llürige (I.e. 

' 8. 58 Sr. 70). l>ie Kiteb« in (itiDlbcim im Wuniisguu halte auf ihrem 

6nuidbe«ltz im -labre 791 1-1 IThri^e (Cnd. Lnureat.. tll^, II R. 116). Zti 

1er Kirche In Hcei«>Qbeiiu bui Speior {^cbOrtcn iia Jahre <^3I atrium curtia 

M uea cum divorviH inaiiftiiinihas, 9 Leibeigene, 95 Morgen Ackerlaiid, 

t':, Morgen Weiabtri; und Wiesau ßr C Fuder Ht?a (Beyer. Uittuirfa. VM. 1 

Nr. 59). Vorva. äenon. 12 -S. 217 wcrdi^n als AiiMtattung einer neu 

'«ÜMltelen Kirche 2 Uauscn und l',, Arijieuucn Aukor ubd Weinberg gu- 

uut. Wenn Raltioger (Kirch!. ArraenpHege S. 199) Karl die BestiwmniiK 

tnffraliEsit, (lass jede Prarroi eineu Miuhub erhalle, lo ist das irrig. Ueber 

fit Auttattung der Kirchen in Baiem und Sachsen s. unten. 

1) Eine VnrfltelluDg gibt wieder das Inventar von .StafTelae« (Cap. I3ß, 
(8^ ?53). Von d«-n manai ingenitf lea hatten G jährlich tn leisten r je 14 Kctioffc;! 
<WmM>i 4 Frischlinge, eine Partie FUeba, 2 HUbner, 10 Eier. 1 Sextar 
'■kHiuiu, 1 Scxtar Linsen, fi Wocbeu Prohndienai. 3 Morgen zu pflügen, 
1 Cahr Heu xu mXbeo und einxufalireu, endlich das Schaarvrerk. Andere 
I Hilfe hatten '1 Morgen eo bestellen, 'i Fuhren Hru zu m^hen und einsn- 
"l^tni, 2 Wochtn z\i iVülinea. 4 UÖfe liaUen 9 Morgen zu lioalellen, ö Fubieo 
Btg iB nahen, 6 Wochen z'i fröhneo, den Wein su fahren, 1 Morgen zu 
%gtn und 10 Fuhren Holz zu geben. Von den 19 manai scrvilea ball«) 
j"*« jährlicb 1 Frischling. 5 ntltini-r «nd lU Eier «a geben, 4 Ferkfil xu 
"■btra. ','] Morgen tu pAllgen, 3 Tage in der Woche zu frühiien, Fuhren 
^ Vmspann zu leisten. Die Frauen hatten zn spintien und xti webcti, Halt 
■ddrten and Brot za backen. 

2j Vgl- Wxiu, V.G. IV S. 179 und v. Inama.Sleniegg, Ueutsofae 
Whthidiaftsgeflchiobte I (I87dj Beilage [II S. &10 f. 

3] Es halte 61T dona sine uiüitin zu leisten (Cap. 171 8. 350). Vgl. 
*? ütkunde Ludwigs vt>m 4. Februar s;^6 (Höhuifir-SIilhlbachcr 9'J3); 
ihtiiQua . . noatrse nuleoeere oluduit matvalaii luunaL'liua »ibi eoniniisMs. . 
oiüinaiD vestimeninrum patl p[-niiriam nei|un prorauu cunseiiui valere, uudo 
Ulle aiiillitudini sufficienUaiu vesliuin prouurare possit. 




in dem Anwachsen des Kirchenguls lag, nir die GcsnndheU der 
sozialen VcTlmlinissß hüchst bedcnklicli war. Die Vcrminderong 
der Zahl der Geinuinfreien, die Vermehrung der Zahl der Hörigen, 
welche in der letzten Merowingerzeit begonnen lialle, setzte sich 
ungeliiudert fort. Denn wie die Kirche, so waren auch die grossen 
Familien bestrebt, den Cmfang ihres Besitzes^ die Zahl der von 
ihnen abhangigen Leule stetig zu vermehren ' j. Das freie, gleich* 
berechtigte Volk verscliwatid uielir und inefir; es spalieie sich 
in Stände, welche mit sehr uiiglt:icheu Kcchten einander gegen- 
überstanden. Wir werden sehen, welche IJefgreifendeo Folgen 
das für die kirchliche Entwickelung balle. 

Es ist die dunkelste Seite der gluitzrollen Regirung Karls, 
dasB er der fortschreitenden Vernichtung des Volks nicht energi- 
scher entgegentrat. Er durnhschaute das verwerfliche Spiel, 
welches die Münncr der Kirche vielfach trieben, um das Kirchen- 
gut zu vermehren. Sie misbrauchtnn Glaube und Aberglaube 
der Menge, scheuten selbst v-nr Gcwnltthaten nicht zurück, 
um dii> kLnincn Besitzer zum Verzicht auf ihr freies Gut zu be- 
wegen. Karl hat ihnen dies olTen zum Vorwurfe gemacht. Wir 
besitzen aus seinen Ict-zten Jahren ein paar Aufzeichnungen, 
welche sich auf diese lüngc beziehen, kurze Notizen Über 
die Punkte, welche er auf VersammUtogen der Bischöfe zur 
Sprache bringen wollte. Es sind die herbsten und spitzigsten 
Aeusserungen KarEs, welche tlberhaupt auf uns gekommen sind. 
Da liest man: Wie wollen die M&nner, welche die heiligen 
Schriften nicht allein selbst lernen, sondern auch andere lehren 
sollen, fragen, wer diejenigen sind, denen der Apostel zuruft: 
Seid meine Nachfolger , von denen er sagt: Kein Kriegsniaoo 
Gottes verllicht sich iu weltliche Geschäfte, und wie man dem 
Apostel nachfolgen oder den Kriegsdienst Gottes leisteu soll. 
Sodann sollen sie uns die Wahrheit darüber sagen, was es bei 
ihiven lieisst, die Welt vorlassen, oder woran die, welche die 
Welt vcdat^sen, von denen, welche ihr folgen, unterschieden 
werden können, ob daran allein, dass sla kein Schwert tragen 
und nicht (ÜfunUich verheiralliet sind. Auch inussnian sie fra^en^ 
ob der die Welt verlasBen hat, der nicht ablasst, Tag für Tag 
seinen Besitz zu vermehren, auf jede Weise und durcli joden 
Kunstgriff, iiident er liahl die Seligkeit des Himmelreichs ver- 
heisfit, bald die ewige Pein der Iliilli! droht, indetn er im Namen 
Gottes oder irgend eines Heiligen die Reichen wie die cintSlLigen 



1) Vgl. V. InamaStemegg, Dou(acliu Wirtli»cb.aft»({ft9iJjictiie l 8. 287 f. 



- 199 - 



I 



I 



^ 



Armen iiirer Habe beraubt^ den rechtmässigen Erben ihr Erb- 
Iheil entzieht, dadurch eine Menge Freute in Arninth &ltiv?.l und 
so.aa Verbrechen und Uebelthaten antreiM; sie werden go- 
wisscrtnassen gezwungen, zn stehlen und zu rauben, da ihnen ihr 
rftterliches Erbtheil von einem anderen weggenommen ist. Weiter 
muBfl man untersnchen, wie der die Welt verlassen hat, welcher 
vor Begierde nnch Dingen, die er einen anderen besitzen »ieht, 
rennt umi, um sie zu erlangen, I^eute bezahlt, dass sie falsch 
cbwüren und falsch Zeugnis geben, der nicht einen gerechten 
und gnttesftirchtigen Vogt oder Propst sucht, sondern einen 
harten, hnbsachligen, gewissenlosen, der bei dem Erwerb nicht 
nach dem Wie sondern nach dem Wieviel frajäl'}. Auf einem 
zweiten /jettel nolirte sich der Kaiser, daes die Armen sich 
dnrOber beklagten, daw mau sie ihre« EigenLhums beraube: 
die«e Vorwürfe richteten sich gegen die JÜschüre und Aebte 
*»e gegen die Grafen. Sie behaiiptelun, dass geistliche und 
weltliche Grosse diejenigen , weiche sich weigerten , ihnen ihre 
Guter zu übergeben, su lange bedrückten, bis sie rninirt seien 
and nun das Ihre mit oder gegen ihren Willen den Grossen 
aberg&beo oder verkauHea'). 

An Einsicht In die Oblen Fulgen, welche das AnwachHcn 
des Üirchcn'^uis hatte, fehlte es demnach dem Kaiser niclit. 
Gleichwohl unterblieben durchgreifende Massregeln, welche dorn 
Furlsehreilen des Uebels hätten Einhalt thun kunncn. Sie waren 
unmöglich; denn sie hätten die religiösen Anschauungen vur- 
tetst, welche Karl Uieilte. Er war wie alle seine Zcitgcnossco 
davon überzeug, dass der Verzicht auf eigenen Besitz zu 
Gunsten eines kirchlichen Instituts rerdiciistlidi sci^). Dadurch 
wnrea ihm die Hände gebunden. Er begniigle sich, die 
Sdifidigting der königlichen Einkünfte zu verhüten') und die 



1) Up. Ti. 3 ff. S. 162 f.; vgl. 71, b H. 161^ üb^t dau Zweck der 
TnntUlioD von Rollqaien 72, T S. 163. 

2> C«p. 73, '2 r. S. 16ä: vgl. 41, 16 S. Üb und Coric. Mog- (s.. S13) 6 

3) Vgl. t- B. C'»p. 39, 6 S. 1 t:j : Qui rc» »iias pro ;iDtma aan ad cuqiiiii 
bu (rndcru vulucrii; und die flingaiigsrormoln seinur Scdenkungsiirkuudoii, 
I. B. Scbenkiiii^ llolxlEircliena An f'iiUU: IJiiktriiiid a-d lucaH^iiicIoruiu vunsra- 
btliuu) cuoKraunliT oh atiioreiD Dui cuijccdiauua vcl L'unlirtuaniiis, hitv oubis 
»i ncrceileui vel slJibiliUit>-iii ritgni ouslri pravcnire ootifldiiriii). 

4) Clip, m, II (a. 8ll-8l.t) H. 177: Dl du rubiu, uiidu ci^nsus ad 
plfl«ui CL'gia cxire solebat, si sti aliiiii»iii eccleaiaoi ItaOilHo auut, »ul red> 
4Aaiur pro|>rii« iiervdtbus, aut iiid caa reliouuiit, illum uunsutu pcrsutvul. 




- 500 - 

scIiliitimstcD MisbriLuclie dadurch abzuechneiden, dass er' 
Schenkungen wie bei Verkäufen an Kirchen ÖlTeutlichea Ver4 
fahren fonierle*^). Das war ein gewisser Sclnil?.. aber ein seht 
schwacher. Und kaum wirkungsvoller werden seine niorattschea 
Vurfitellungen an die Bisclidfe gewesen sein'). 

Wenn man diese Sachlage erwügt, so ersclieint es begreif- 
lich, dass Karl unverrilckt daran festhielt, daes der Künig «in 
gewisses Verfügungsrecht über das Kirchengut habe. DieM 
Ansrhauung hatte sich unter seinen Vorfahren gebildet; da« 
I^ITenLliche Urtheil nahm keinen Anstoss an ihr>), und sie büt die 
Möglichkeit, die Masse des Kirchenguts dem allgemeinen Tnlcrcsse 
dienstbar 7.11 machen. Karl vcrfJii^Cc denn auch in ausgedehntem 
Masse über kircldiche Grtter. In llheirus nahm er den Ocsammt- 
besitz des (Usthunis in eigene Verwaltung *); in Metz, Tou) und 
Vcrdiui bAiigt vielleicht dieErJediuung der Biethümer mit ölmlichea 
Verhüttiiissen znsAmnien'): in Trier wurde der grOsste Theil dec 
Einkünfte dem Bischof entzogen und dem Grafen überlassen*). 



1) Cup. 99, Ö S. 133 (a. 803): Q»i rea suas pro sinicD« «aa ad caMxt 
Del tndflra vohierLt, ilooii tradittonem fnciat eurnm teadbus letsititois: flt 
qnae acleoua in ho>sie factie «iirt iruditiunes, äe quibiis nulLi est ijuenliio, 
atabilis iivrmaui.'aui. Maiiixor isyiiudu vun 813 c. 7 (U»ae. XIV S. 67)i 
PrnpUr prcivisinnes paupt-tuni, pro quibiis ciirain habere ikbcinua, placail 
nubis, lU nco epiacopi iiec abbatca .. uullusqiiL' umnLuo «üb cuala ocea«ioDl 
vol malo iogcnio lea pAiipeniui tcI ininiiit ]ioteiituui iivu emcre nee vi totler4 
Audeal. Sed s! qiils ex t'Is alJqnJd cut]i|itirare voliiorit, iu public» placlta 
hoc faciftt. Vgl. c. & r. der Synode von Ohäloii *. Ü. (von 813) I. c. S. 94] 
Cnp. 38. 1^ (a. &02) S. 94; Stat. Kisbnc. It S. 227. 

2) Die Sjrnodo von Tours im Jahre 613 battc doo Muih, jedes Unrecht 
auf Seile der Kirche zu leu^fncD (c. 51 S. 91 1'.): Nemineni rvpenmua qu| 
dfl hno rc »dversiia hob conqueri vuIiitHsvt. Nnm penc niilliis r»t, (]iii rea 
aiiiis all ocolcsiam doocl. nisi do rebus Gcclesi:isticis atit lantun (]uantBia 
donavit aiu dii[>luin aut trlphim usiifructarlo acctplal, 

3] Vit. Wal. II, i S. 470. Conc. AqaJagr. (a. 836] o. Id (Haoa. XlV 
B. 694}: MoBknlenft . .ttnn debera aiKKulariliu« ditri, canonieA prodit aneto* 
rilas . . . 8«:d quin id aigit roipuliHuiie »«i'osEJtaii bIi\ 

4) l'rkandR Ludwig'» bei Flodoiird, H. Rem. tci-l. It, In 8. 469: (Carolua] 
eiiudeui episcopaluin contra aalutcui suam aliquandiu looaorat et lu tnoi 
OBua contra ccclcjinaticn« regula» et res ao fACultatct eoclctiiie ipMo« exj 
pond«nt(. 

b) Vgl. S. 188 Anmctk. Mnn beacble, dass in diMen Landatrio^ 
zwiachcn filaas und Rliein das karoliiiglscbo Unusgat lair (HoBnell, An* 
fXDge S, 7(1 ff). 

6) Urkunde Ladwiga IV. vom 19. September 002 (Bejm, MittcUh. 




- 501 - 

Vor BÜetn hörte Karl nicht auf, Kircbengüter als Lehen zu ver- 
geben ; bald ganze Klösler, bald eiiixelae Besitzungen. E» machte 
wenig Unterschied, ob der König selbst das Leheu ertheilte, oder 
ob Bischöfe oder Aebte auf seinen Befehl die Verleihung voll- 
zogen: in jedem Falle war sein Wille massgebend*). 

Auf diese Weise sollte ilas Kirchcn^ut, tjessen Vermehriin;; 
nicht zu hindern war, dem Staate nutzbar werden. Aber wie 
die Uint$e einmal lagen^ hatte nicht das Volk den Gewinn von 
Karls Massregeln , sonderu derselbe fiel zum grösslen Theil 
dooi aufkomniendeti neuen Adel zu'i. Die Entstellung^ geist- 
licher Kiirstenthümer bat Karl aufgehalten; dia Umbildung 
des Volksstaats in den Lehensstaat ging jedoch nnaufhaltsam 
weiter. Lhid auch jenes Ankämpfen gegen die Bilrlung geist- 
licher FUrstenmacbt blieb nur eine halbe üfassregel. Denn durch 
die regelmässige Verleihung der Immunität an die kirchlichen 
Stininigen')j durch die Verwendung der Bisnhfife zar Lüsiing 



U.B. [, 150 B. 314}: Treviricae ctritUJt tnonetani, theoIonouiD, eensatct, 
tribnlum atiue aiedetumu affraratD cum lisciilibui tiominitiun, ijüa« qiionduiu 
tempore Uuiuuiadl eiiiadcni urbis nrcbli'piscupi de episcopstu ab«irai:ia ut 
ia cuioiutuia coni]«r*a fuis4«nt, eic 

1) Cnp. 2U, 13 (a. 779) S. ÖU: Sit discrtlii:» inlcr precarias do verbo 
uottfu fa('t«9 et inter cu qua« spontnoea voloalAle Je ipsts rebus «colo- 
siaram faoiunt. 36, &G {&. 8(>2?i S. IQ4: Qai per tieneHoiuiD dumai im- 
peraloris ecclMiaiittcAs r«s bxbont. 4ß, 18 (». SOß) S. WJ: Cuncti fidele», 
qnl benüfioia rpgali.'i lAin d« rebus oüclvsiac quatoijuQ et ile reliqiiia habere 
vLienlur. irrkrinde fllr Alkuin vom 3. Juui fOO (B«hm«r-MlllilUacIier 346): 
Divina parencilius Duatris Dobiaijue plelaa polttstaletn coutiilit totius loona* 
aterii s Martini, rerumqne itliua facullalrn) dandi ciii rotuiafleiQua. Ludwige 
d. Fr. cap. UÜ, '^9 (». 91» od«r >i\3) S. 279: De bis rebus, rjuae uuper 
nccntitalc ooiupt^lleoie a nounuilis ccul^aiis siiDt ablaiae. Biacbof Ccrfrld 
von MBosicr fordert 6'26 eioeo Uof znrilck, deu der Uiaf LiotriK [>*^>' vesU- 
turani Karoli inne battc (cap. lüb, 2 f^. 31-ij. Agobard, I>c diip. ccci. ror 4 
8.371: Qaod de eacris rebus id iHic^tlM usu» iDÜcit« tranaUilia dicimuH, tion 
fedt ist« dotDlDOB inperatur (Ludwig) aed praeccssores eine. Uebvr die 
An der VerlcihuDg a. Wait», V.G. IV 3. 189 f. 

2) VrI. Waitz, V.G. IV S. 182 f. 

3) Karl verleibt. beKW bwHläiigtdi« Imitiunitittder biacböHicben Kircheu 
ta Trier iIIilhmer-Mühlbacticr 14.'). Metz (174i, Spcier (245), llalborsiNdi 
(510, Wornw (517), SaUburg lOyfi). Wiiicbuig (?«). Der rtgeiuiÜBaiK* 
Inhalt der luinuailitt war nach Waiiz (V.G, IV S. 300 f.): -dnss kein 
ölTealliclier Beaml«' di« Höfe udüt Unter d<-s Stifta betroten aoil, wimIm 
am ^riL-litliL-lie Vvrbnudlangen auiualellcrj, uuob tYiedcuai^eldcr su erheben, 
Du<:h KinqQatÜruDg oder ilewirtbuDj zu furderu, sucb UUrgeo tu nehoDcn, 



- 202 - 

staatjiclier Aur^atien wurde den kirchlichen Mütmcra eine p 
ttsclie Slellung an^wiesen , die sie an die Spitze dea V( 
erhol). 

Hier triU der Mangel eines klaren sozialpolitischen Ziela 
den Tag. Nicht nur die Menschen, auch die Zustande lasseQif 
beherrschen; aber dieser Gedanke Tehlle dein Mittelalter: < 
hall> war Karl gross als F'eldlierr, glUcklicli als Politiker, erf) 
reich in der Förderung der Bildung, aber macliltos gegeaU 
der Verschiebung der sozialen Verliullnisso, üie sieb vor seil 
Au^en vollzog, die er inisbiliigte und ^egen die er dociL 
mit htil'^erueii Waden kiitnprte. fl 

Wenn Karl Ciber das Kirchen^ul zienitich willkürlich ^ 
rügte, 80 sollloii dadurch liie kirchlictiea Institiü« uiucs fea 
Binkuuimeiis nicht beraubt werden. Im Gegentheil, es 
ganz im Geiste seiner Verwaltung, dass er auf Sicherung 
kirchlichen ECinkt'niUe Ileilacht nahm. Zu diesem iCwecke 
neuerte und bestätigte er ältere kirchliche Varschrillen. ISs ' 
vordem Sitte gewesen, dass die Kleriker (Hier ihr Vermö 
zum Besten der Kirche testirten'). Das scheint ausser Uebi 
gckummeo zu seiD. Jetzt wurde kirchlich erseits gefordert, c 
rnn dem Hesitz der Priester wenigstens der Theil der Kir 
aufülte, den sie nni.h ihrer Weihe erworben hätten '). Karl 
kannte dies Verlangen als berechti{;t an'}. Längst erhob 
Kirche Aiispruch auf die Leistung des Zehnten nis unf ihrllecli 
Allein das zühcGedüchtnls des Vullcs für ulTcntllche Rechte 
Lasten hatte nicht vergessen, dass der Zehnte ursprünglich < 
freiwillige Gabe war: man wollte von einer Verpllichtung nii 
wissen. Karl stellte sieb, wie schon sein Vater^), auf Seite 
Kirche: er gebot die ausnahmslose Entrichtung dieser Abgab 



uucli diu l.vute dt-rH«lbet) in irgei]<) welcher Woi«e zum Recht ADnlha 
noch ftonsl irgend nvvlclie Erlicbung vorzunthiuon". 

1) Vgl. Bd. I S. 128 (".; Ouo. Paris, vuu 614 can. 9, Itl, i2. 

3) Stat. Bunif. 11 (HaoB. Xll S. 384). U«ber ä\t Berkunft dl 
Stalutcu t. uDter. 

3) C»]). -iS, 41 (fl. 794) S. 77; fil, 10 (». 810-818} 8. 178. M 

4) Vifl. Bd. I S. 132. ■■ 
H) Cap. 17 S. 42: Sio prcvidero facialia et ordinaro du vcrbo poi 

ut iiniiB<)iiiHi|<io humn, mit vcllet «lut n«llrC, sintm (ti-cimain doiteL 

6) (:.-ii>, 30, 7 1.1 7701 S. -18; 21, 11 (a. 789) S. Ut}; 28. 25 (a. 
S. 7ti; 3ti. G [;i.80'->) S. lO«; 78. 7 <3.8I3) S. 174; 8:(, 3 (a. »13?) 8. 
84. 7 {vor $W, Bur<.'ttii8 weist diea Kapiliihirc inU uineni .vlelleioht" 
Jabra 813 xu; da aber o. 10 ein miaau» donini regia genannt wird. 



d 



- soft - 

Die Verwalier der Königsliöre wurden ausdrücklich zu gewissen- 
haner Erfüllung der Zehiilpilicbt angewiesen M- Ks ist nicht zu 
beeweireln, dass das kirctillche Kiiikornnieii dadurch bedeutend 
eihülil wurde'), obgleitli es nach wie vor nicht au solcheu 
rehlte, welche sich der Leistung der Zelinleu entzogen'}. Endlich 
siillLe auch das verliehene Kirchengut der ICirclie einen gewissen 
Ertrag gewähren. Es mag in einzelnen Fallen schon ror Karl 
Ublicli gewesen sein^ dass von Kircbenlehen der Neunte ent- 
richtet wurde; hei der allgemein herrschenden Nnluratwirthsclmn 
»ug man dies wohl einer Geldahgabc vor*t. Karl maciile diese 
Einrichtung allgemeiu, ennüssigte jedoch zugleich die von Karl- 



wird es älter sein als füO) S. 182i 87, 3 t. (7Ö7— 8l3) S. 186. Vgl. die 
BvaclilUue der Synoden von 813 (Arles c. 9 .S. B(\-, Mainz c. 58 8- 73; 
Klieium c 38 3. 81). 

1) Cap. 92, e (». HOö) S. 83. 

2) Ein AnbslUpunkt xiir ÜchStziing dea durchsohnittlK-lien Erlr^i^s der 
Zehnlcn (ät die Ivircbc fohlr. Die eioziRe mir bekannte NoMt, die maii 
hiehrr litihen knoa, iit Alo. ep. 326 S. 7.^3. Darnach forden« Kagaiibert 
von lAtaogfi von den Priestorn acincr Diüuse jährlich l'r, .SchetTel Brot, 
1 blmcr W«in, 1 ScIiciTuI Hafer, 6 Käac, 100 Hier und einv sukwidomüd« 
Menge von Finchen, HillsenfrUi-hlCn und tJ*rtengiiwficli«en. Das Ut doch 
wühl als Uurcbscimilt d«8 dem Bischer zukutniiienden ZehoLvierCeU zu be- 
trachten. Der 7jeht\ie ist UboralJ vom Ritra^ dea (Iriitiilbeailitea zu Icialcn. 
Uarlibrt tiinaiia gebt die Kurderting TliuDiliilfs von Orleans, weicher deu 
Zehnten auch vom t:rtragdi'sli.indela Waniprtichicicnp. 35 MignalOAS. '.'(1?). 

'S] Diiaa <lie Zi?ihnllviat<ing vielfach iiQl«tl.iaaou wurde, zeigen Beicht- 
formHii wie bei Älkiiin, De ua. p«. 11, 10 & 4!)fl f-t die ßeaehwcrricn dos 
Ku»zila voa Tours 813 (can. 4C S. 90), besonders die «irvu^eii Slr»fbc- 
stimnungcn (cap. 87, 3 f. [a. 78r— 913] S. 186): A qiilbtu dccfmae relenic 
aiint, df prim» contetitn (I. retentu) ait culpavilia qui eaa reteniiit soüitus V], 
ipsa decima siib iiirntnenln. iJe ai?ciindo componnt banriim nosiriini fd. h. 
60 «olidi), et etdem aücenloTi i\m preist aididos VI sit ciilpavilis et ixmdiii 
«Ira ecclflsia cxeoiuiuiinicrtur donec aacerdoli salisfaciut ; da lerliu aul«n, 
ut sacritegus babeainr, sit in esiliiiiu missii» «t res eius in fiscuin nostrum 
rcdignntiir. 

4j leb stimme der ADnabmo zu, dass von der HiofGhTUtif; dea Nennten 
dnreb Pippin nicht die Kede sein knnn <s. Wiutx, V.U. IV S. 193; Abel, 
J.I). S. 325); jedoch mticbtc leb nicht gerndezil sagen, dass der doppelte 
Zehnt Jetac zuerst eioRefUhrt wurde (Wailz a. a. 0.). Jedenfalls war das 
diu Anschauung dca mir wpriig jüngeren Ungob irdischen Itenrbeiters dca 
Kapitulars von Ilvristall nicht. Er l'u«st Karls Bestluiiutiuif in die Worlo; 
Si inde nsquc nunc »d parlcm aecdusiae deriina ci nona exivii, et nunc 
iniinleit facial. Paraufhin »ebeinl mir die im Tcito ge^^beue Fnssiing 
nägltdi. 



- 904 — 



mann eingeführte Gcld2ahlung'). Ansucrdem wurden die Lehcns- 
leutc der Kirche rerpllichtet, die Lehonsffüter in gutem Stande 
zu lialrcn^) und die Baulast hu den kirchlichen Gobftudeo zd 
aberiielimeu^J. 

EftrI d. Gr. ist der erste deutsche PiXni, welcher den Werth 
einer geordneten Administration klar erkannte. In allen Zweigen 
desätaatslebens suchte ersieeinzunkhrcn. Ks enlG))richt dem, dass 
er aoch Über die Verwaltung der kirchlichen EinkÜnRe geoaufi 
Vorschriften erliess. Er rerftlgte vor allem die Inventarisirung 
des Kirclienguts^). Sodann sollte bei jeder Kirche ein Ver- 
zeichnis der zehntpflichtigen Höfo angelegt werden^); Über die 
eingehenden Zieliiiten war Buch zu fiihren"). Ebenso wurde die 
Verwenriniig koiilrollirt: die Vertheüung der Zehnten (llr die vcr- 
scliiedeiren kirchlichen Zwecke') musste in Anwesenheit von 



1) Cap. 20, 13 (779) S. 5Ü: De rebui OocltflaTtim, und« ninic c^Dsns 
eiount, (Iccitna et nuna eiini ipso censu slt sointit; et undn Rntu» dud 
«Üeruiit, sißiiliti-r uann et docitna <Jt>tur, sii[ue do caaatit quloquaftio'^ >vli- 
dum UDiim, et de casatis triginta diuiictiiim anlidiim et de iriglnia trimiau 
UDU. Die Abgübe beini^ nach c. 2 di-s Cap. Lipt. S. 'iB einen Solidus run 
jfder Cas&ta Die Bestimmung liber die Neunten wiodprbult cap. 28, 35 
(a. 7«) S. 7G; 34. i7 (a. m'i) S. 101; 35. &6 (a g03) H. Wi; 59, 2 
(H. 803— äl3) ». U6; 81, l'i (vor HOo) S. 183; vgl. auch Form. Irap. 2t 
S,3I)1. Vun der Leistunj; des Nennten war entbunden, wer zur l'rolinarbeil 
verpfliclitet var. 

2) C»p. 3&, 49 (a. Süi) 3. 104; 49, 4 (a. 807) S. t,)6. 

3) Cap. 21. 2 {*. 789) S. 65; 'iS. 26 («. 7!)4) S 76; 35, 56 8. tOt; 
t'ODC. Arri. (a, 813) c. 25; Mog. (a. 813) o. 12. 

A) Cap. 80. 7 (a. 811— Öl3) S. 177; vgl. di« Fonucln 128 S. 260 ff. 

ö) C»p. 81, 10 (a, 310— ei3) 8, 173. l>ic ("'rage, welcher Kirche der 
vlozclne Ort »d^r Huf xelinipflicblig BOi. machte vic^lfach SchwierJgkßtleu, da 
fürtwi(hr«ncl notie Kirclieo entMaiiden. Karl ittellle den (JriindsatE aul: Ut 
eccleaine aiitii]iiUus cunatliutno nou decbnii ncc nlia null» poiBessione pri- 
\«ntar, IIa nt novU trihualur ecelesüs [cap. 78, 19 ja. 913] S. 174 t ^gl- 
42, 2 f. [a. 803-801] S. 119; Hefeies ruiiaKsaogabe, U.G. III S. 744, bl 
liier irrel^ihrend ; Conc. Arel, [a SCt] p. 'iü f., Mog. [a. 8lll can. 41), Fßt 
diu kmiiglichcti Güter heMimmla Karl, dnfifl der Zi^hntc »letii an die auf 
ili'n»elhcii fJTichlclen Kirohcn ^rlt'iitet werde, wrnii nicht ältere Rechte in 
Fragu kanea (cap. 3'2, 6 [u, 800J ä. 63>. Abweii-hend verurdiioto die 
Synode ron Obälon s. 8. (a. 8I3J e. 19: Familiae ibi dent dc«imaa aaaa, 
ubi iufanlcB ei>ruui b»p[i2aulur ut ubi per totiim unni circuiuu) loissM 
imdinrt- Vgl. Form. Scnon. 1*2 S. 2i7. 

ß) Cap. .16, 7 (a. 8ua) ö. Iii6, 

7> A. a. 0. wird eine Ureitheilung der Zehnten: für iDatandhaltuttg 
der KiroliQ, für Arme und Fremde. fUr des Priester vorfUgt. Deo Eiufigaa 



J 



- 205 - 



Zeug«D geschehen*). Auch von dem (ihrigen Besitz sollte nichts 
verschleudeil werden^). 

Man sieht, Karl wollte eine geordnete Verwaltung, er unter« 
liesB jedoch eine neue Gesetzgebung über das Kircheiigut. 

Wenn er hier, ebenso wie tu Bezug aiir die Verfassung, die 
Verlittitiiisse bestehen liess, welche sich im rmakischen Iteiclie 
uusg(;t>ildet liatLüii, obgleich sie den kirchlichen Ordnungen wider- 
spracheu, sü lag darin nicht ein prinzipieller Gegensatz gegen 
das von der älteren Kirche ausgebildete Hecht. Seine Stellung 
war im wesuntlichen keirm uuderu als diu tier fränkischen Küaige 
seit Chlodeveoh. Man beugte sich der Aulohlüt der kirclilichep 
Vergangenheit und erkannte deshalb ihre Gesetze uls gütig an^ 
aber mau führte sie nur so weit aus, als sie den fränkischen 
Rechtsanschanungen nicht widersprachen'}. Es ist keine Frage, 
dnss man in Rom wOnschtt^, Karl über diese I/iniu liitiauszu- 
drängen. Als er sich im Jahre 774 in Rom aufhielt, beschenkic 
ihn Papst Hadrian mit einer AbschrifL der {kirchlichen Rechls- 
samnduiig des Dionysius*). Dem Geschenke war eine Widmung 
in Versen bcigegubtiu, vielloichl dasbarbariacheateGedicht, welches 
das 8. Jahrhundert hervorgebracht hat*). Aber aus den vielen 



lies Blscfaor« auf die Vurtheiluug wahrt vap. 81, 4 (a. älO— S13) 8. 176. 
Di« bairiBche Sj-noito von Rivsbaeh ttieill Ata lohnten i).icli n'iiniwtier 
Weise in rii-r Tbeile, iudum hier luch diT Bitchuf einen Tbcil prljJill i^cap. 
112, 13 8. 228). Dät aeheint xieniUcli Allgemein gewesen zu sein: man 
findet «■ auch bei Haito von Banol (cap. 177, lf> S. 364) und 'l'hootlulf voa 
oricans <c3p. 11, Mlgnrt 1U5 S. 2u9), Ueber UagAnbcrt vod Limogtu e. obeo 
S. 203 Anm«rl[. 2. 

I) C«p. 36, 7 S. ioa. 

7) Cap. 46, 4 (*. t>06) 3. 131. Der Uruod: Uuia dictam est Dobis, 
quod negotiatores Juilael oecnoo ot all! gloriaatur, <)nod ii>iicqaid eis placeat, 
poasiot il) eis emere. 

3) Vgl. Bd. l 8. 144; SäÜ n. Ö. und Bd. n S. 10. 

4) K«kbart (Comua. [ S. TiiH] erwütiol fitie Würzburger Uandacfarift de« 
codex oanoDum, welclie die Bemerkung trSgt: Ist« codex eal scrlpln» de 
illo suUienlio», quem dutnnue HxdriatiuB apoatolicua dedit gEoriosissiiuo Cnrolu 
regi FranconiiD et I.angobantnriim uo pitrieio Rnmanonim quanilo luJt 
Bwinae. Die BeiinbuDg dieter Kotiz anf das Jabr 77i 3»t jeUt allgemein 
IB. Abel, .I.B. [ S. i;9 t.f. Den Inhalt der Satcmliing bildeteti die 50 
■ogtD. apottoliacbeu KaooDes, die Beacblliue der Synoden von Nicoa, 
Ancyra, NeoeäoArea, Gangra, Aniioclueo (341), Laodicea, Konat-miinopH 
t^alcedon, Hardirx, Kartbagu (419), püpslliclie Dfikrelalen von Siriciaa — 
(legor II. [a. SliaaBon, neschichte der Qüelk-n des kaaan. HcebtS I [1870] 
»* 444 ff.; Itjcbler-Üove, K,B., 8. Aufl., S. 76 f.). 

b) Foet lau t S. 90. 



— 3öG - 

Worten, die zum Theil nicht zu verstehea sind, bebt sich ein 
sebr beslimint ausgesprochener Gedanke empor: Das kircb- 
liclie OeseU ist unüberwiiidlicli; glücklicli , wer es beobacblet: 
weicbe nie von ihm, inJeni ilu diese Vorschriften erfitllsl'}. Das 
konnte nicbt tiiisverstarideii werden. KnrI nahm ilas (iesclienk 
an; aber er Chat nichlSp um die Zustände zu üniJern, welche 
den kircblicben Ordnungen zuwider waren, geschweige dcDD, 
(lass er Je diese Dekrete als von nun an im rrankisclien deiche 
gütiges Hecht verüffentlichL hätte'). Sie galten naeh dem Jahre 



I 



1] V. 1: I>klaa nilg«DS duQlrinft sccpira prsecellEt regnt. 
V. &i NuKijuaiu eaitu viuci pulest dUcipÜDA canleiitia. 
OLitn am aumena piicerrij iriiiiiipliana rfifpnt 
Kxeniitluiii, quo devcita üdea victurix f{aiidet. 
V. 45: A Irgo nun^usui discedi bacc oliscrraiis statuta. 

Ü) So Keirher^'. I'r spncbt von Annahme des damals twatcbendeo 
kanonisc|]>cn Retbcs su voUer Geltnng iui frSnkiBcliDit Reiche ood l!Ust dl« 
VerßffenClk'hun^ «iurob das Kapilitlar vom '23, Man 7H9 etfo^Rf-n (K.M. D.'s 1 
8. 4..'(i); ebenso Abel (J.U. S. iÄO). Allein die adntonitjo gctioniUs aetst 
vornu«, das« di« caounica mstitula befolgt werdeo mElweD. Seit namqo«, 
hXIt Karl den BischUfen vur. prudcntifi vcstra, quiLm terrlbiü aastbeauuia 
cenaura reriuotur qiii praesuoitiune contra statuta univorsalium conciliorua 
venire audeant fiuip. CO 8. hl). Auf Grund dessen erinnert Karl an eine 
Ittihe kaowtiiscber Voracbnfleo, welche er n^tch der tiionyaio-nailriaoft 
citirt. Aber <laa war nicht mehr, als was Cblothnchar 11. ebenfalla getban 
liattc, wvDu er in svinttu ^dikt tou IS. Oktober CU beatimmte, at vanunun 
statuta in nmnibiis conaerventur, et qciod per tempore ex hoc praeteraiasam 
«et vffi doliac pctpetu-iliter cunsi-rvetur (cap, 9, 1 Ü. 21). Volle Geltimg 
abpr hatte dae kanuniachc Kocht nach TS*) ebensowenig als nacb ßl4. 
Das b«wfiaeci, um nur iwvi Pitokt*} anzunibreD, diu Ernenn udk^" ''^r 
ßiachöfc und die l'nturwßrrung der (leiatUchen usier das weltliche Gericht, 
dis in Strafaachen staltbaltc. Ebensmveutg iat es richli.|{, daaa auf der 
Aachener .'?ynode von 802 die Dionysio-H-ulriana fürralkh reeipin wurde 
(U3.-ii«(;n a. a. U, S. 469). In .\achi]ii j^vscbah uicbts anderea, als was 
vorht-T und nachher auf anderen Syaocten auch geschah: man verlaa kano- 
nische Vorsobriften und bekauuto aicb dadurch lu der Verpflicbtiiog, si« 
20 beobachten (Aon. Laureab. z. J. 802 8. 39 und Chron. Molss. 8. 306; 
vgl. Bonif. cp. 70 8. 201 f. Über dio Synode vou 747 und Syn. Mog. [a. 8131 
praef. S. 64). Jedoch unbedingte Geltung hatten die kaooniscben Vor- 
schriften auch nach 602 nicht, und halten sie so lange uicbt, at» man niobt 
die Kirche dem Staate Überordnete, tiai dies ist richtig, dasa seit T!i die 
Kanonea aua der DionyBiu-Uadriana citirt vurden. Aber sie hatten Gellang. 
nicht weil sie In dieser fiechtsanrnmlung alandeo. aondcrn well sie BeacblUase 
dor allgemeinen Kirche repräeeutirteu. Jene Sammlung aber bsoützte man, 
well sie, um mit den Worteu Jener Würzburger Uandachrift xb reden, die 




207 — 






774 genau so weif, als sie vor demselbeo gegolten hatten: wie 

ppio an kirchliche RechtesUtze erinnert hatte, so Ihat es auch 

arl, und bo wenit; sich jener durch sie gebunden hielt, so 

wenig itte^er: Beine Voi-schriften waren bald Wiederh«lini(ien 

ftiterer Sy nodal beschlüsse, bald Verfügungen, die er kraft seiner 

ftfiuigtgewalt nach Uerathung mit Beineu Grossen erliess: beide 

worden als ganz gleichwerthig neben einander gestellt'). Die 

Anerkennung des kanonischen Rechts hob die That^ache nicht 

auf, (lasfl der König der oberste Leiter der fränkischen Kirche 

war, seine (Teilung hatte deshalb ihre Grenzen an der Macht 

des Künigs und dem Gesetze des Volks. 

Kragt man nun, was Karl fi)r die Kirche und durch die 
Kirche cr&treble, so ist unverkennbar, dass er sie als ehrwürdige 
UDii mächtige Institution verehrte und dass er in ihr die werth- 
TollBte öinue für die Ausbreitung der Kultur erkannte. Beides 

Ibeveiit seinen klaren Itlick: grosser jedoch ist er darin, riass 
er der religiösen Aufgabe der Kirche rolles Verständnis ent- 
Kegeabrachie. In allen seinen Massregeln tritt das hcriror, 
tnügeo sie sieb auf das Amt der Bischufe, auf die Tliätigkeit 
der Priester oder auf die Zustünde der Gemeinden beziehen. 
I»urch ihn erhielt der Episko|iat jene leitende Stellung innerhalb 
der Diözesen, welche Uoiiifalius und Pippin für ihn erstrebt 
liailen. Die noch vorhandenen Reste konkurrirendcn Eiullusses 
*Onlen beseitigt; Wander- und Dorfbischi'fe verBchwanden'J, 
die ChorbischÜfe fUgten sich als unterj^enrdaete Gehilfen unter 

I^ie Ilerrschafl des ßischofs^j: die gesatnmtc Geistlichkeit wurde 
•citer Aufeicht unterworfen'). Sein Kinliußs erstreckte sich 

»iihvntlacii« Faesuag der Kanotjes darbot: war sie ducb durch den Vcr- 
tttter d«r kir4^hlicb«n Trsdiliiin, den Bitchof von Koui, verbürg'' 

1) Vgl. eap. 22. 1 -M und 60-82 8. f)3 ff. 

2) Cap. 19, 4 (a. TM) S. Ab; 2?, 19 (a. im) Ä. ^5 , Kmeueriing das 
^'*- cas. von Laudices und des 6. ean. voa Sardica; 2t^, 22 (a. 7SiJ &■ 76; 
*tl toBc. Cabil. (a. 813) can. 43 S. 102. 

3) C»p, n, 9 S. 54; 47, 4 (f.. a. 80E) S. 133; Wer erschctnoD die 
''^"'rtrilchnffl ala TJcarii episcopuraiD, 

i] Cap. 20. 4 (a. 7T9) S. 47; 22. 10, 28 f., 37 (s. 7SÖJ S. W f.; 33, 
-' («. 502) 8. 95; 84, 4—6 (vor 800) S. IS2j vgl. Ccdc Arfl, (a. 813} 
**>. aiS. S3[ Hog. (a. 8)3) can. 22, 31 S. 71 f. Dass die DurohfUlirun^ 
Stliwltrigkeittü hAit«, erjfihc »ich au» cap, 73, 1 («. 81 1) S. 16i; JL-durii 
^iKii djo ZustXade uotcr Kurt bt^uRttr ala früher; vgl. (!ano. Tiir. (a. 8]3) 
*■ 1^ S. R'n Ne ali<]iii) prpsbyler al) alterius pafuclji.i in siixui commigtaat 
oiDtium celcbrare prnesumat sine literia coromundatiiiie, oictit nljtn multis 
'" loch actam eaa« repertum «at. 




- 208 - 

auf alle kirchlichen lostitule seines Spengele: keine Kapelle 
konnte ohne seine Zustimmung errichtet'), ao keiner Kirche 
ein Kleriker oliue seinen Willen augeslelU oder entlassen 
werden ^J. Auch die KUistiir utnssLen sich wieder wie vordem 
io vielen ätUckcn der bischüriielicn AiiTsicltt uiiterordneii'J. Aber 
dadurcli die Hischöre zu Kürsten zu machen, war nicht nach 
dem Sinuc des Küniga: er verwarfen, wenn sie sich in die tie- 
scliälle der Cirafeu mischten'), nnd tnisbilHgle es, weuu sie eiueu 
glänzenden Hof hielteu oder sich mit bewalTnelem Gefolge um- 
gaben ^). Sie suLlleu sich nicht als Herren, sondern als Hirtcii 
der Kirche Christi fahlen*). Karl erinnerte sie an den Unter* 
schied zwischen der HcrrschaIV, welche Zwangsmittel \-crwendet, 
und der Leitung, welche sich auf ethische Einwirkung beschrankt '). 
Wie er seihst in jedem Augenblick König war und als Kilnig 
handelte, so sollten sie in jedem Moment in der Ausrichtung 
ihres Amtes aufgehen. Deshalb forderte er, dass siu steh 
regelintissig in ihren Diöseseu aufhielten. Cr legte solches 



1) Cap. 42, 3 (a. 803-8Ö4) S. 119; &7, 6 (a. 801-814) S. I«. 

2) Cap. 19, 9 (a.769) S. 45; 38, 12 (a. 002) S. 110; 70, 2 f. (a. 8«) 
3. 173; 81 . 2 (a. 810-813) S. 1"8{ 83. 7 (a. 813) S. ie2j vgl. 33, 21 
(a. ftOS) 8. 90; Conc. Arel. (ä. PI3) c. 4 S. 59 f.; Mog. c. 29 S. 72; Tur. 
c. 1& S. 85i Cabil. c. 42 S. 102. 

3) Cap. 23. 13 (a. JSD) S. R3: der Bischof hcMioitnl. wo ein Noonen- 
kli>8(er passeod erriclitet weid«n kaitn; 2^, 47 (a. 794) S. 77: die UiscbJJfe 
haben zri uncersnchen, ob dio Acbiissionon oacb der Hagei t«ben; 33, IS, 
17, le, :2U[a.ä02)ä.dlf.; UJBzipIJnarberu^Dia des Uis«bor> m>«r die UÜoobc, 
AnelßUiing weltlicher (>ütcrvcnvalc«r mit /lUstlmiDung dos IlischoCs, Aiifsirlit 
d«9 Hisoliufs tllier Aunabioe voaNoDUCD; 77, I(vur8ü2)3. 170: Visiutiun 
dor Klötiler cluruh den Bischof; 84, 4 (.vor SüO) 3. 182: kaooniselie Ge< 
■wa.lt der Biichtif« Über di« KlOater. 

4) Cap. 71, f) (a. 811) 8. 161. 
&) Cap. 72, 8 und 11 (a. 9I1J S. H>3 f. 

6) Cap. 22 (a. 7S9) pr&of. S. b'S: Placuit nobis vcstrao togare sotor- 
tiatu, o |>A«tores ecvleBianio) Christi et diiclorea grcgia ciua et vlariuliDa 
niundl lumhiaria, nt riglll oara et sedula amniooltUiDfl popidum D«l ad 
:paBciia vicae aeternae duoeie atiideaUs et errantea uvea bonorum exen. 
plonicD seil ailhnrtaiiivEium buuieria iiitra ecclcaiastlcae firuitatU tnuros 
reportare »iitagiiiiiiii otc. Vgl. 72, 2 (a. 811) S. 162 und Aeusserungea 
AlkuJDs wie ep. 127 S. M3; 134 S. &2G ; 166 3. G07. 

7) Cap. 33, 11 (a. 802) B. 93: (Epiacopi) Gon poientivA dominatioDtcD 
vel tyrannidfl sibi siibiectns prcm^Dt, aed aimplici dileclionem cum man- 
aaeludinoiD «t carilattriu vul «xompUs boDorutu operuin ooiuuiaaa sib) gr^e 
loUicito ciisludiant. 




- 30ft - 

tiewicfat hieraaf, da« er iboeu die Erlaubnis verweit^erte, langet 

ab drei Wochen auf ihrem Eigeugule zu verweilen *). Audi 

die Susseren üeschäfte, welche mit der Uüterrerwaltuug und 

dem Recbtswesea zusainmenbingen, sulltea sie nicht van ihrer 

NgeDtliefaeD Aufgabe abzieheD. MU Rücksicht darauf forderte 

der K^nig die Aufatellung von Kirchenvügten. Die EInrichtuug 

WUT nicht neu. Langst vor Karl Hessen BiäcbOfe und Aebte 

Kecfatsge«chüfte durch Bevollmächtigte vollziehen'). Waa üblich 

war, wurde von ihm geboten; zugleich eni[)rahl er Sorgfalt in 

^^r Auswalil der Personen. Die VOgte sollten in der betrelTen- 

Bkn Qrafechaft begütert seio; man sollte sie als gesetzeskundige, 

VUlligdenkende und friedfertige M&oner kennen. Jeder Misbrauch 

Klbter Macht sullte verhütet werden'). 

B Unter den Ämtspflichlen der Bischöfe hob Karl neben der 
* Sorge ftir die Bildung des Klerus besonders die regelmässige 
Vota&hme der Kirchenrisitatioueu *i uud Abhaltung von Synoden*) 
iiervor. 

Uehr als gegenwärtig pflegte im MiLtelaller die Ausfilliruug 
<ler Gesetze hinter ihrem Wortlaut KurUckzubteiben. Das Flliclit- 
gtfülil der Vuractirid gegenüber ist ebenso Ertrag einer langen 
üUlicheo Kultur wie der bereitwillige Verzicht darauf, das eigene 
Ich geltend zu machen. Beides wnr in der Kamlingerzeit nur 
Mhwttcb entwickelt; so wird denn auch der kirchliche Zustand 




\ 



I)C»p. 22, 41 (a. 1»9) S. 56; 28, 41 (t. 794» 8. 77. 
3} V(l. FonnoL Utrc. 1, 3Ö S. 66. 

3) Cip. 33. 13 {s. 802) 8. 93 und 77, 14 {vor 802) S. iTi. Da in 
^** leuiereu Krlau geboten Ist, ut eplscapi ei atibaus advoruioa ha- 
^Kit, b dein «ralerfto, ut «piacopt . . advocaloa . . legem soientos et iustittaiD 
''■ligtDtes . . lisbekDt, so wird cup. 77 vur cap. ^13 erlassen sein; zu ver- 
|l(icli«ii iat Conc. Mog. c. bO S. 74. Die Eiorichtiujg scheint in Karle 
^>t liealicb allgoineia gewesen zu sein ; das zeigen die karolin];ispl]cn 
f'raitlo S.211, ?ia, ?I3, 230, 282, ferner einzelne bealitamte Erwähnungen: 
Potdi t. 793 and 79« (Dronke 107, 117— llOi, Rciclicnan {form. Aug. 
H 13 8. 3M). Frön» (Conmem. de c«lla 8. (ioar., JI. U. Scr. XV S. 373), 
^f^ag [Heichelbeck I, 2 S. 93 Nr. 121). Hens (Form. Senoo. 34 S. 2Ü0}. 
%ill aucht« die EiDncfatiing in Italien oinsufUhroD i cap. 9&, 3 ü. 2Ü1, von 
^Wtwrg, KCl. D.'s II S. 611, als von Kart erlassen bclrsehttt). 

4) Cap. 19, 7 (a. 769) S 45; 22, 70 3. 59; 77, I (vor P02) S. 170; 
^ II nnd 23 (a ftl3) H. 174; vgl Codc, Arel. (a. 813J c. 17 S. ßl. 

^} Cap. 22, 13 S.bb: zweimal im Jubre ProvinaiatayDodea nai^h Conc. 
^Mioch. 0. 20i Chtleod. e. 19; 37. 7 (a. Ö02) S. 1Ü8; 47, 1 (a. bOSt} 
"•iäJ; W, & (vor 800) 9. 182. 



- aio - 



dem, was Karl wolUe, nicht gleich gewesen sein. Jedoch gibt 
es Anhaltspunkte datilr, dass seine Anerütiungeii iiichl Truchtlos 
waren. 

Was tüchtige Bischöfe leisteten, zeigt anschaulich der Ver- 
waltungsberJcht Leidrnds von Lyon'). Der Bischof crwuhnt im 
Kingaiigß seiner ÜonkscIiritX die Mahnungen, welche ihm der 
KOnig bei seiner Ernennung ans Herz legte, Karl wied ihn auf 
den Vorfall der kirchlichen ZuBtünde in Lyon hin: möge man 
auf das Innere oder auT das Aeussore hlicken, so habe man ein 
Bild der Verkommenheit; weder sei der Uültesdienet, wie er 
sein sollte, noch die kirchlichen Gebäude, wie es sich geziemte. 
Die Aufgabe de« Erzbischofs sei es, gewissenhaft für seine Kipclie 
Sorge zu tragen , an ihrer Hebung zu arbeiten. Letdrad stellt 
nun dar, was er timt und was er erreichte. Als sein erstes Ziel 
habe er die Heranbildung eines tüchtigen Klerus betrachtet, der 
seinen Pflichten genOgen ki^nne. Dies Ziel sei zum grossen 
Theil bereits erreicht. Dadurch, dasn Karl die Einkünfte seiner 
Kirche zurückgegeben habe, sei die Neuordnung des Gottes- 
dienstes mügEich geworden; er habe ihn nach dem Vorbilde der 
l'alastkapelle eiugerichlet. Auch die Gründung von Schulen, die 
Ausstattung der Kirchen mit gottesdicnstüchen Gerälhen und 
reichen Priestergew an dem sei bereits vollzogen. Endlich be- 
riclitet Leidrad Über die von ihm unlernoinnienon Hauten : Kirchen 
und Klöster seien wiederhergestellt, ein Haus ftlr die Kanoniker 
neu errichtet, der eine der hischüflichon Höfe sei restaurirt, der 
andere werde erweitert, um Raum l'ur dieAuhmlime des Kaisers 
zu bieten. 

Leidrad llbertraf viele seiner Amtsgenossen an Geist und 
rascher Thatkraft; aber etwas run dem, was er vollendete, 
haben ohne Zweifel die meisten Bischöfe des Reichs unter 
nommen. Der Fortschritt war unverkennbar: Ordnung und Leben 
innerhalb der fränkischen Kirche erstarkten wieder. 

Das zeigte sich im Syuodalwesen. Es ist sicher, dass die 
bischöflichen Kynoden mit einer gewissen Regetmässigkeit ab- 
gehalten wurden. Den Reweis kann uian für Orleans*) wie fUr 



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1) Ep. Carol. 42 8. 420. 

'D TlieodulQ cBp. l, 4 S. 193: Quando more soljm ad gynodam eon- 
v«nitiB, vefllimenta et ILbroa etvasa*ancia, cüm quit)ui vesErnci tnJDisteriitir) 
ei iniunvtuui ofticium pomgUie. vobiacum defvrte; necnuD duus nat Ires 
clericofl, cum t|uibU9 nissarui» solcninift cclcbrmis, vohUctim atldiieite. Dt 
pruhccur, quam dili^^enter, quam adulioge Dei servitium peragitJa. 




- 211 - 



f 



mog«*), für Lattich») wie für Basel'), für Freisiog*) wie für 
Pttssaa*) führen: man wird es ron allen ßisthüraeru aiiTiehmcn 
tlQrfeo. Diese Versammlungeii dienten rornelimlicli der Disziplin 
de« Klerus: die Bisnliiife benfitzten sie, um den Priestern ihre 
Amispflichten vor7,iihallen. F.s sind die Tagesordnungen einiger 
ÜiOzesBDBvnuden auf uns gekommen , welche eine Yorstollung 
on der Weise gewfttiren, in welcher man daliei Tcrfulir*). Oder 



1) Ale. ep. 2iQ 9. 733 »o Rngxabert vdd Limogea über Priester in 
deweu biCMM, deren Pfarrffien drr Ahrei 8t. Martin gehJirten: Ad tuant 
lynodotD venire debent et nttlunem roddere de ofQüüs epiritualibiis. 

2) Unter RbKrbald vod LüttIch (784— 8tO] sind zwei Mltticher Synodün 
Hcbweiab&r (»p- 123 S. 342 ff. nnd Maua. Xlll, 10t>0 ^.). Hefole bat In 
lehief KonzilieDgettehiebM beide ilberiiDben. 

3/ Die Mgvu. Kapitel Uaiioa von Baatfl Ccap. 177 S. 362 ff.) aind 
ofcobar Tagflsordnung einer Baseler Syoude. Das xüi^cd dio cratito 
Wort«: Primo omnium discaiieoda est sacerdotum fides, qualitcrcredaut et 
iKos eredere doeeant. 

^^) Meiebelbeck, Urkunde 29 S. 45: Arbeo episcopus ctiin cuuctu dem, 
qi^i lyDodaÜB acceoseral dies, <iuod ernt V ferla ante Piiacba, In qua 
CtiriMDa eanli«itnr {a, 77Ii). Nr 170 S 11-1; Aeliiui est haec in pnhiico 

^■fltlIdo ad Frigiaingn in prneaentia domtii AttanJ ep. ( 1. Mai 809). Nr, 130 
& 101: Iloc factum est..!» praeaentia domo! Altoni cp, acu concto ciero 
npablleo synodo cuDgreyato (16. Seplciuber 8fH). Nr. 192 S. 12?, ebenso 
0- Angost]. Mao sieht , daaa in der Freisinger Difiiese FrUlijahrs- und 

^H•rbHBy1lnden siatlKnfindL'Q pHegten. 
h'f IC. B. 38, 1 S. i/1 Nr. 70: to aidone cotam omnibus eacerdvtiljus 
'' P<>I)iilo (]ui ibidem congregatus erat (Passau, 7. Juni 7&^— SOO). 

6) Aosaer den Kftpileln tihärbalda nnd iUiloa kommen »Ir Titfi^s- 
^'^nsgflQ , bcKW. BetchtHsae ron Üiözesaosyiioden In Belraclit cap. 110 
S- 3S{ nnd 1^ S. 237 (T.; da das letztere KapituUre nur von den Pflichte» 
™ IVIester handelt, au viid ea nicht einer Provlnzlal- , sondern einur 
^teuDtynode angehören; aodann das Maos. XIV, 889 ff. und Migue 96, 
'^ ff. gedrnckie Common ItoriHm cuiunquc! episcopl = homllia Lcont« 
ff' IV und »dentisch mit dem von Watlenliach (N. Archiv VI S. 192 ff.) 
'Mffeatitchten Pas lora! schreiben. Ich bnllL- es lllr titimtigticb. dass dieses 
Sdirlfutfiok nrapriiDglich narh Rom gehört: dann Miirde d<?r Vergleich dea 
^^*tfli nlt Petnia, der Biachtife mit den (ibrlgca Aposteln nicht fehlen, 
'^•»leh der Redend« mit einem Apn«tol vergl*?icht, so war er ein Bischof, 
^ da er seine Zubürcr mit den 70 JüDgern verglcicbt, so sprach er nicht 
*** Hrtbiachof tu BiscbJ^rcn , sondern als DIKKoaatibi schuf lu Pricslera. 
Stiimii aber dies Kummoniturium nicht aua Rum, so coachl dio inhalttkhe 
(■'tWelDitimmnag aeiner F'ordeningeQ mit den Kapitularien und Synodal- 
Ritjiito der Zeit Karts sehr wahrachelnücb, data ca In ilieae Zeit oder in 
''ra Antang der Begiiung Ludwigs d. t'r. gehört 

14* 



- 2l3 - 

der Biscliof forderte von seioea Geistlichen Bericht über ihre 
Wirksamkeit; so that Theodulf *); auch Alkuio betrachtete es als 
selljstversläiidlicl), dass die Pfarrer auf der Synode Heehcnscliart 
ilber ihre getstliclieu Ptlichtcii uUlegleti']. 

Dagegen bürgerte sich das lostllut der Proviiizialsjnoden 
uiuht eilt, weniigleicii einzelne unter Karls Kegiruug stattfanden'). 
Schon die langsame Durchl'iihrung der Metrupulitauetnlbeilung 
musate hindernd wirken. Besonders aber war dieser Einrichtung 
der Boden dadurch entaogen, dass alle Fraj^en von allgemeinerer 
kirchlicher Bedeutung auf den Reichslagen erledigt wurden. 
Wenn nun auch Bischüfe und weltliche Grosse hier gesondert 
beriethen*), so bildeten doch die kirchlichen Angelegenheiten 
einen Thcil der Aufgaben das Reichstags. Die königliche Be- 
siiitigung, welche den Beschlüssen der Bischäfe erst rechtliche 
Kraft verlieh, ist eichcr nicht erfolgt ohne Kinrerstandnis mit 



1) S. 8. SlO Anmerk. 2. Vgl. e. 38 S.200: Cum ad ajnodnm in annu 
oonvencrimua, suial Dubia tiiiua<iuit>que (presbyter) dic«re, quantiim üomino 
adiiivAiitn laboraveril. 

2) S. S. 2U ÄiiUiQrk. 1. 

3) die Mainxcr Synode von 813 setzt voraus, daaa ab nad tit ProviiiEiat- 
synudcti otultCaDdua {c. 22 S. 71). Uie Tagesuriliiuiiif claor Provinzialsyuuil« 
ist cap. 118 .S. '2'^S■, «ie Ut nuffallig ilUrlttg. Beai^FiiUste einer l>roviuf&l- 
Synode liegen vor in dcQ aofteu. äynodalit;)tiiteEi des Boair&li<t8 (Uaoi. XU 
S. '.iü^ ff-). Uass sio mit Uooiratius nichts zu tliun hiben, tiocreist die £r- 
wJUinuog dea Kaisers c. tl;und dasa dieaer KaJaer Ivarl d. lir, war, ergibt 
dfe Dcbcrcinatimmun^ der eitizclncu Vert'[lgiing<_'n luit AnordnaDgen KarU 
Einem fränkiechen Krzliiiithum ktinnou diese Statuten nicht angeboren, da ate 
den MarltDsiag nicht als Fest kertben (c. 3ä); aus dem gleicbeo Grunde 
küDiieD sie oichl aus Uaiere stammen (v^'l. Stat. Kisbu^'. b Ü. 227) ; an Italieo 
zu denken, vcrwctirt c. '27. Es liegt nahe, an ein Krzbieihiiru zu detilii^n, 
dessen Uevülkerunj>: zum Tbeil (ittuts<;h, zum Tbeil ruiniiaiscli spracb. Ein 
■olcbes ICrzbisthnoi war das burgundisctifl Itesan^on. Hier aber wurde, 
wie die Kapitel Uaitue zci^tcu <c S H. 364), in der TliAt daa MartiosfcM 
nicht gf>rciert. Die Statnlen geboren alao wahrscheinlich dem genannlca 
Kr^iliisibiim au. KbL'usu wenig liiJuaeu dii> Maus. XII app. S. 107 ff. ge- 
dnickteu K-tpilcl von lioniraiius ztiHammcngralelll sein, uie ilt.-rele<C.G. III 
S. &6(i) u. A. aiiDebiuen. Duub erweisen sie sieb niicb nicht als ein Synodal- 
beschlnsa, sondern sie sind ein küniglichL's Kapitulare. Da e. ä von den 
KüoigcD die Hede ist, so sind sie zwiscbeo dem 24. September 768 and 
dem -1 Dezember 771 erlassen. Baiiischo Provinzlulsynodes fanden unter 
Erzbisohor Arn cuehilact) aiatl. Darüber unten Kap. VII. 

■1) Üas scheint Itegel gewesen zu sein und erklärt, dass da und dort 
Eclcbstng und Synode nebeo einander genannt werden (s. Wailz, V.O. Ul 
8. 27). 



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- 213 - 






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den Grossen'). Diese Behandlung der kirchlichen Angelegen- 
beiteo entsprach zu sehr den ullen Gewohnheilen der frfinklsßhen 
he , als dass rein kircliliche ProTinzialsyncdrn häUen Re- 
izung gewinnen können. Wie die Üiiigc lagen, waren sie 
überflüssig. 

Dage;;en fanden biselififliphe KtrchcnvisHationcn wdhrcnd 

Karls Regirung sehr hiiufig slatt'); sie waren «uglelch Predigt- 

r^sen der Bischöfe*). In gewissem Masse fdhlten sich die letzteren 

noch «ur Verkündigung des Evangnliums in ihrer ganzen Diözese 

Terpflichlct. Das lehhnflc Bild einer Kirchenvisitation erhalten wir 

durch eine Aufzeichnung, die *on einem bairischeti ßischofdieser 

Zeit zu stammen scheint. Priester und Mönche, Kanoniker und 

Ij^en sind in der Kirclie versammelt: der ßtschor wendet sich 

itierst au die Priester, er fragt sie nach ihrem Glauben, forsctil, 

ob sie das Symbol und das Vaterunser, auch die Kircliengesetze 

1)11(1 das Pouiteutiale recht verstehen, wie sie die gottesdienstUuben 

lluidlungen, Messe, Predigt, Taufe, vollziehen. Sodann winl die 

Beohaditung der Kegel von Heiten der Kanoniker uod der Mönche 

untenacht Zuletzt fragt der Visitator die Laien, wie sie „ihr 

Gaetz'^ kennen und verstehen, und mahnt sie, dafür zu sorgen, 

d*iB ihre Kinder nicht ohne Unterricht uufwitchsen'). Kart er- 

ksnnle den Werth dieser Einrichtung: er erleichterte den liischiifen 

<iit AusfUliruDg, indem er sie auf die IJntcratülzung der Grafen 

'Wwieg*). Hier ist der Ursprung des Sendgerichts. 



li DiRS ille Bettielligiiiig dor I.aJeo aU etwas KalurgeniSssefl botrachtel 
*vie, xeigt sich af^br deutlich dariu. Ahan in [lairrii .-kuch b«i Diäxcsan- 
■T*Heii Laien anwesend wxren; s. obeo S. 211 Aotuerk. b. 

2) IHe lläiifigkeit der Viaiiationoa ergibt aicb auit den Klag'en llher 
<(■* BvBchwetUDg der Gemeiodeii durch dlfls«lben; vgl. Ludwig^s cap. 1^, 
19(1 818-8!9J S. 278. 

3) Cxp. 19, 7 8. 15: Popalum confirmare et picbea docure et iavesti- 
n» et probiber« psgana» observst Jones. 78, 16 S. 174: CircutueAt paro- 
taiita suam dncondo et atntnontiiKhi. 

ii Gaip. 116 8. 234- Vatu di«se Fra^n Dicht, wie Boretiai annimmt, 
uandiaiionsfrs^eD sind, welche vor dur Ordiiiutiun an eiueu Pricetor ge- 
^^M wnrden, ergibt steh daraus, daas sich dfir Fragende auch an Kanu- 
"Äsr, Mönche und Laieu wendet. Der Sais „In palalio regia etc.'' ist 
*ltalli licht die IJeherachrifi. Di» llaodschrifl, der die Fnigen cntnomtnen 
lÄnd, aiaaiait aus Rcgenaburg; derBisrhof, tler aia nledei schrieb, wird alao 
lo Baltra xu «uchen sein. 

5) Cap. 19, 6 f. 8. ^f); der Satz .adluvamCe grafionu qui dcfeusor 
*MWtlae eaf atanint aua Karlcoanns cap. 10, 5 S. ir>; 69, 4 {^c. a. 610) 



- 214 - 

FUr diß Tüchtigkeit dea Kpiskopata konnte Karl unmitfelbar 
Sorge (ragen, da die Auswahl der Bischöfe in seiner Hand lag. 
D^ßgeo liaUe er kuinon direkten Eiiifluss auf die Ztisanunon- 
setzung des Priesterstandes. Die Ordination d«r Priester 6cl in 
den Berufskreis der Bischöfe, die Bestellung der Pfarrer gehörte 
EU den Rechten der Besitzer der Kirchen und Kapellen'). Gleich- 
wohl war das Bestreben des Königs von Beginn seiner Regirung 
an daraufgerichtet, den gesanimten geistlichen Stand zu heben']. 
In diesem Punkte Hess er nicht uach; man kann im Oegentheil 
bemerken, dass er in seiner späteren ^eit häufiger darauf zurück- 
kam als iu den früheren Jahren. Ls ist, als liabe er je länger 
je mehr sicti mit der Ueberzeugung durchdrungen, dass die Er- 
füllung <lcr Aufgaben der Kirche iu erster Linie von der Tüchtig- 
keit der Pfarrer abhängt. 

Mit seinen Massregeln setzte er zunächst die Refurmen fort, 
weiche Uünlfalius und Pippin beguonen hatten. Er griff mit 
neuer Energie die Reinigung des geistlichen Standes von un- 
würdigen Gliedern an; schon in seinem ersten Kapitnlare Tom 
Jahre 769 verfügte er, dass Priester, welche mehrere Frauen 
gehabt, Blut rergossen, Überhaupt den kirchlichen Voraehriflen 
entgegengehandelt hätten, der geisüichcn Wurde zu entkleiden 
seien^). Aehnlichc Bestimmungen hat er öfter wiederholt*). 
Sie wurden auch ausgeführt, Als ein schottischer Priester, der 
in der DiOzcse Köln Verwendung gefunden hatte, sich einea 
Bruchs der Fastengebotc schuldig machte, Hess ihn Karl in seine 
Ueimath zurückbringen. Sein Heimathbi&chof sollte ihn richlcn*]. 

Die gleiche Absicht verfolgte Karl, indem er die filieren Vor- 
schriften erneuerte^ durch welche der Misbrauch des Ordinations* 



S, 156. Besu'mmter ouBgcsprocben in dem auf Italieo beKilgUchea cap. dO« 
6 (a. 781) S. 190. 

1) In Bezug auf die ADsCellaog vqd PrieBtem ao dea Kiroben der 
Küni^sliüfe veildgte Karl; Nod »lii derlei faabexnt ipsni eocIcstM, oiai 
DMti-i tut da familia aut do capella Doatra (oap. 32, 6 S. 3i). 

2) Die ErbÖbuDg des Wchr^clda d«r Kleriker (cxp- 39, 1 (a. 803) 
S. 113) wird damit in VerbiniliiDg steliQo. 

3) Cup. 19, & uDil l& S. 4b f. 

4) Cap. 22, ö8 (a. 7893 S. 57; .17, 6 und 13 (a. 802) S. 108; vgl 
Conc. Mog. (a. 813) caa. 10 S. 67 f. 

b) Ep. Caro), 7 S. 3b\. Des Vorwurf war uicht eitteullicli erwtetesi 
glelcbnrohl wollten die Biscliüf« den AiifltSndcr uicht IKnger in aeineu 
Ante dulden, ae BflcerdotaIJs houor apiid imiierituui vulgiis vilescerot vet 
runigera loquela aliqut iiurtareniui violare aanctiim iciuoiiuu. 




- 215 - 



der Itiichtifß verlifitet werden sollte*), und indem er auf 
AusRihruDg der kirchlichen Gebote drang, welche das Leben der 
Kleriker regelten *j. Neben die alten Anordnungen traten da 
und dort neue, welche jedoch im Geiste der alten gedacht 
warea')> Sittliche IntegriUit und Konzentration auf den geisl- 
lichen Berur war das Ziel, das erreicht werden sollte. Es ist 
begreiriicli , das« Karl die Einriihrung des kanonischen Lebens 
begOiutigte; er wünschte, dass der Klerus der grösseren Kirchen 
w allgemein annehme*); eine Analogie meinte er sogar bei 

I dem Klerus der tTarrkirchen verwirklicbun zu küunen'). 

^ft In allen diesen Punkten führte er aUe Herürmfordei-ungen 



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1} EeiD£ OrdiDation am Geld: cap. 32, 31 f. («. 7»!)) S. bb; fll, 1 
(BM^Sia?] S. 178; vgl. liAiluo. ap. Ü S. 364i i'lieod. c. 16 (Uigne 1Q& 
3.K6I; CoBC. Cabll. (a. 813} c. 16 !?. 97. Keine Ordloallon vor dem 
3Q.Lrbeti«jkbte: cap. W. M S. ^7 ; 28, ■!<) (s. 794) 8. 715; Tgl. Conf. Tur. 
{1.813) 12 S. 6b. Keine Ordinattoa fremder Kleriker: cap. 20, 6 (a. 779) 
8.4S; 22, 3 and b$ S. 54 ond 57; 37, 2 f. (a. &)i) S. 104. Keine ordinatio 
skuluta: cAp. 22, 25 S. 55: 28, 2S S. 76. Analog ist das Verbot der Auf- 
«ihne fremder KIcrilEcr ohne vorhergcbcode Prüfung cap. 1914 (a. 769) 
& 45| vgl. Baito von Basel cap. 177. 13 S. 364. 

2) Gegen Unzucht: cap. 19, 5 .S. 45; 33, 24 (a. 602) S. 96; SO, 3 
(^ 602) S. 102 i 36. 15 (a. 802) ä 107 ; 37, 9 und 13 S. iOS; 38, 5 (a ^2). 
*. HO. Vgl. 123. 1 S. 243 (OhÜrbald voii LUtücfa); 177, 9 S. 364 (BäiIo); 
f^oac Uo(. (a. 813) c. 49 S. 74; Bern. c. 22 S. 79. Gegen ThaUaabme 
U Krieg und J8«d: cap. 19, 1-3 S. 44; 22, 70 8. 59; 23, 31 la. 789) 
8. 64; 33. 19 S. 95; 35, 37 S. 103: 36, 18 S. 107. Vgl. 123, 3 S. 243; 
*'7, 11 8. 361; Conc. Mog. can. 17 S. 70; Tur. o. 8 S- 84. Gegen weit- 

»Uclu BeiebäfcigongeD: cap, 22. 23 S. 55; 23, 30 S. 64; 28, 24 S. 76; 37, i 
B. 106: 61, 13 (a. 810-813) S. 179. Vgl. 121 Ö. 240; 123. 16 f. S. 244; 
Cone. Mog. c 14 S. 69; CabU. c 12 8. 96. 
3) Cap- 33, 16 (a. 802) S. 94: Üt neqae epücopiu noqao nbbas In 
"onaiterio viliores meliori plus diligit et oum sibi propter eonsaRguinitaten 
*t)aBi vel aliqua adol^tionem ateltoiibug stiis pracfcrrc siudcat et talem 
"oltil daeerc ordinandum, eum meliorom eo habet ocouliato et oppresau. 
^73 8.60: (Sacerdote»] dod soluin serviliscuadiUouis infante« seil etiam 
'"jaiwnim filios adgregcnt, siblqae »ocient; vgl. 72, 10 (a. 811) 8. 163. 
K 4) Cap. 22, 73 Ü. 60; 33, ti S. 95 f.; 31, 2 S. 100: 35, 27 8. tu3: 
^F Dt l^aMpl et reltqui sacerdotea , . Bocundam oanonicaui instiliitioneio 
"»»«. 71, 11 (a. 811) 3. 161; 78, 4 (a. SI3) H. 173; 79, 3 (a. 813) 
^ * \'b. Vgl. 116, 9 8. 234; f:onc Mog. o. 9 8. 67; 2ö S. 70 f. 
^P b) Cap 33, 23 8. 96: Presbyteri cleroa quos Beaiim liabeot aollicite 

i P'>evideant, ut canonice vlvant, dor ionniB lusJbns vel convivüa aaecu- 
tinixia vel eaaticis vel laxuriuele oaum balie&nt, scdoute et «alubre vivaut; 
V- 6. 120, 7 8. 238. 



— 216 — 



uis. Neu war, dass er ein Minimum Iheologischen Wisseos als 
unerlftsslicli von jeilem Priester verlangte. Die Prurung der 
Onlinanden, welche >;emetss dem neunten Kunon der Synode 
Tüll Niciia vorgeuuiumen werden süllte, erstreckte er auch anf 
das Wissen der Kleriker^). Wie silUiche Verrehluagen durch 
Ausschluss aus dem Priesterstande bestraft wurden, ebenso auch 
Unwissetilieit'). Kart machte es den Bisehilfeu zum Vorwarf^ 
wenn sie nicht auf alle Weise dafür sorgteo, literarische Bildung 
unter ihrem Diftzesnnkicnis zu verbreiten: mit guten und strengen 
Worten sollten sie in die Nachltks6i<;eu dringen, irnhemtiteUe mit 
den nöthigen Hilfsmitteln versehen, aus den HOrigcn begabte 
JOnglinge answählen und sie ausbilden; nbcrall finde man solche, 
die dazu geeignet seien'). Gefordcri wurde Verständnis des 
apostolischen Symbols nod des Vaterunsers, des Ponitcoliate und 
der gottesdienstlichen Formulare, die Fähigkeit, das Gvaugeliuut 
zu lesen und zu erläutern, ültere Homilien zu verstehen und 
wiederzugeben, endUch Keuutois der iiircbUchen Gesetze'^. I>as 



1) Die Unters iicbting. welche der 9. KüDon von Nicäs als Ubllrh vor- 
ftusselzi, bexic-bt «ich lediglich luf diuBittlidieLebctiifiibiutig tlirOrcliDaiideii. 
Karl filtirt die BestlininuDg berieils cap, 22, 2 S. 54 erweitert an: Fides et 
vitA dtscutiatur. Uqi) die nun Übliche Examinattoo (cAp. 116 8. '2M: In 
patatio regia inventuni bubfint, ut presbylcrl non ordinenlur priosiiuam 
examiit«ntiii) inusste sich sacligeiuüas unf dieselben Stücke hexieben. nach 
welchen hpi dsn Visitationen geforscht wurde. Die Vorschrift dpretaminaiJo 
mehrfHcb wiedtrbyll: ciip. 37. 10 S. 108; W. 2 [a. 803) 8. 115; Swi. 
Risb. 35 S. 229. 

2] <'ap. 19, Ib f. S. 46. Lelirreiofa ist die UmgestaUung, welche mit 
der Formel ftir das Schreiben Über die ßiscbofswabi vorgenommen wurde. 
Hei Markulf I. 7 S. 47 wird der gewählte Biacliof ^erilhiut we^en praegpi- 
cactas sublituis, ingenuetaa nationta. «b<gaDtl.-i rt.- fulg^iiB, diligentis castitails. 
caritntiB locuplex. In der cntaprcthendfeD k-irolitigtitrheri formel liest man 
ifortD. 12 S. il9}: Pfflrei esse circamapcBta inuderatio. sublimiB Bcieotia, 
nobilita« getierig, elegantia morum, cootiiientia raudabillB, amor elviuin, 
BoUiciiado pasloralis seu bonne volnntatfs adsensns. Es war In das allge- 
meine BewüBitaein Übergegangen, dass oId (.ieintliciier theologisches Wtsaen 
nfiltaig habe. 

3) Ep. Carol. 16 S. 369 f. an eioen iingenannteo ScbUier des Bonl- 
fatiiis (vlollolcfat Lul), der in der Bildung aelikos Klerus ISssig war. 

4) Vgl. die VisiCaiioDsfragon aus c;»p, 116. 1—8 -S. 234 obeo S. 213. 
Damit Btimr&en die gelcgenlliclifln Anordnnngen Kiirls tlberetti: cap. 22, TO 
8. 59: Ut upiscupL . . diBcutinnl per SLias parochias presbyteroB, eornni 
lidetn, baptisma et miBsarum colf^bratlunes, ut et ttdetn rectam t^rneant et 
baptisma catliolicum observetiC et mlBsartim preces bene iDtellegaDt, et ul 




- 217 - 

war das geringste Mass; spaniite rotui die Ansprüche höher, lo 
kam etwa noch hinzu Kentitnis des Kalenders, des seilen, atha- 
iiaGiaiiischen Symbols, der Paskiralanweisang Uregors d. Gr. und 
des CielasiuSi sowie die Kunst, Urkunden und Briere zu schreiben ')« 
oder tiiau verlangte, dass der Priester den Psalter im Qeduchltiia 
habe'''). Das warnicht viel. Erinnert man sich jedoch, welchou 
Uange) au Bildung liünifulius bei den deutsclieu Klerikern ge- 
funden hatte, SU ist klar, dass ein macliliger Schritt vorw&rts 
geschehen war. Die Berufung iler fremden Clelehrten in das 
frilnkisclie Reich trug reiche Frucht. Denn nicht einzelne gllkn* 
zende Leistungen bieten einen sicheren Beweis des Fortschritts, 
sonderu die Erhöhung des Durchschnittsmasscs. Sie trat in 
B«zug auf das Wissen des Klerus in Karls Zeit ein. 

Mao versteht den Nachdruck, welchen Karl auf die theolo- 
gische Ausbildung der Priester legte, wenn man bedenkt, dass 
er die Predigt als die weitaus wichligsLo Amtspülcht des Priesters 
betrachtete. Es ist bezeichnend für seine Anschauungen, dass 
er in dem Rundschreiben vom 23. Manc 789 die Verpflichtung 
zur Predigt an der Spitzte dessen nannte, was er für nützlich 
erklärtef ohne dass er sich dafür auf einen kirchlichen Kanon 
berufen konnte*}. Er dachte die Predigt als regehnössigen 
Kestandtheil des Sonn- und Festtagsgottesdienstes, von ketncni 
Priester sollte sie unterlassen werden*). Ein paarmal Kndeu 
wir Aeusserangen Ober den Inhalt der Predigten. Dabei wird die 



ptaliBt di|;ne Kcuitduni diviaione« versntiu inodolentur Qt doninicstD ora- 
lton«iii ipsi hiK-ltcginl et oiunlbaa prseükent intcllegcndam , ut quisqnc 
teiül quid petit a tieo; 38, 1—1 (a. 802) S. HO. 

1) Csp. 117, 1 ff. 8. 235- BoretJas criDoert, dasa es gnni ungewiss 
•S) , Tön wtm diese« Ven«ichois der StUcIce, reich« die Kleriker wiM«ii 
■oltten, xaBauiiDcinpestent ist. Doch Itsst sieh (cnum hnwcifeln. daea es 
in di« Zeit Karl« Ruliört. Man vgi. ferner c«p. 119. 1-5 S. V36 f ; Hailo 
e. tn, 4-8 S. 363; Thcodulf e. I, 2 f. S. 193 nod c. II S. 20»; Coiüidod. 
culnaq. «p. 47 S. 1379; Codc. TdrOD. (a. 813) «■ 2 S. 64- 

3) Cap. 119, 2 3. 236. 
3] Cap. 23, 61 ». 58. 

4) Cap. 36, 4 (a. 802) 8, 106; 38, 4 ond 10 (t. 802) S. 110: 64, 6 
fa. 810) S. 153; 6h. 2 {a. 810) S. 164. Ig diesen VerordiJiing«n ist vuo 
Fredigt des EvangelJumt diinih die Priesior diu Rede. Dasa das Pr<^dtgoti 
aiwh den DiakoDan tuatsnd und dasa neben der (reieo Predigt die Uel»er- 
tragiing fiKeror Hunuilleo liorgiog, vrglbt akh aua Als. «p. 2.39 8. 764; 
Ijiiaro in eccl<>Biit abique ob omni ordine olericomm omeliae le|{uniiir? 
Mhuai eat, quod iegue licet d laterprctari uoi) licet, uc ab oainibua 
latellegaiur. 



ÜebereinsLimtniing mit der heiligen Schrift im G«gen8ftle zu 
neaen und eigenen KrlliniunKOn herrorgehoben'); oder es wird 
der Inhalt des Tßufsymbols wiederjjeficbeo, indem zugleich 
auf den religiösen Wcrtli der Dckenntnisrormeln hingedeutet 
wird^). Das Hauptgewicht ßillt jedoch auf die elbische Seite, 
auf die Warnung vor Sonden, die Mahnung zu den chrisUicben 
Tugenden'). Man merkt, dass ein KOnig spricht: die Predigt 
war ihm werthvoll als mächtiger Hebel zur Sittigunf; des Volks. 
Daher denn auch die Mahnung, so zu roden, dass das Volk es 
vorstehe'). Der Ungedankr, dass man in einer anderen Sprache 
als der des Landes predigen könne, war dem 8. Jahrhundert 
gänzlich fremd''}. 

Was Karl forderte, blieb Dicht nur Vorschrift. Gerade hier Itisst 
sich bemerken, dass das sachliche Recht seiner Anordnungen 
von seinen Zeitgenossen anerkannt wurde: der Klerus fühlte 
sich durchweg zur Predigt verpilichtet Bischöfe wie Theodulf*), 



1) Cap. 22, 83 8. 61: Ut (pretliytari) rede et boneato praediceot: et 
noo ainatis nova vcl non canonicA aHf|tios ex auu sentu ot non sc<:iinttam 
•cripturae sacra« liugere et piaeilicare pupulu. lu ZuBitmuieiilinug damit 
steht wohl die durch ALkuin vorgcinomiuenc Itevtsion der lateiDiachen Bitral; 
vgl. Ale. ep. 13(3 S. f)?9 (n. äOO}: Üi uie qod occapiisi«! üomui regia 
praocepium in omendatione veteris oovique testnmMiti. Vgl. cap. 30 S. 80. 

a) Cap. 2?. 82 S. 61- 

3] L. 0. Wo die ßischufe reden, wl« a. B. Coto. Tar. (a. dlS) e. 17 
S. 85. tritt das ÜOKmaliaobe KÄrker hervor. 

4) Cap. 7ä, 1-1 U- äi:t> S. 174: Jiixta quod inlelleger« volgos posslt. 
V^l. Conc. Mog.(a. S13) c. 35 3. 72. LiMaavaaytt (Geeub. d. Pred. 9. 14) 
versteht den Ausdruck von der Volkssprache; wie mich dllnkt. mit Unrecht i 
vgl. Conc. Tur. c. 17 S. 8b: De fide i;atb<iltca, proDt capeio posaJut. Bier 
ist durch den ZusammfinbAog der Gednnke an das Idiom aosgescblossM« 
da die Vorscbril^ die llDmiliea zu Uberaerxen, aKchTulgt. 

&) CoDO. Rem. (a. 813) c 15: fiecundan propriecatem linguae prae* 
dtcare atudeant Tar. c. 17 9. 8b'- lluniilins qiifsque apert« transfetre 
srtideat in rusticam Komanam lingiiHm .tut 'IheodisciiiD. Vgl. Cruel, tiescfa. 
d. d. Pred. S. 213 ff.; Liuatruuiayur, Gcevb. d. Pred. S 36 ff. 

6) Oap. I, ?8 8. 300: Hai scripturaa seit, praedicet acripcnras, qul vero 
aoscit, eallem huc, guod nDtUBimuiu eat, plebtbus diosi, ut declioeDt a tualo 
et«. C. 46 S. 206: Discftc tidem ciaiholicam, praedicate diligentisaicie et 
«am pupulo praedicate nnuaquisque lo oocieei» vestra, Der lobalt der Predigt 
voroebmlich rooralracb, n Cap. II S. V09: Crjiiiiimr.pndi »unt, al diebua diniinici» 
pro captu ingf^iiii uniiaquleque attrerdos ad plobeui lermoneoi praedRatioais 
faciaC, primum admoDeos plebem ut invicem >e diUgant etc. Üelnde, sl 
Dosintis dat istellectnni, hoc qixai sacordoa vcraciler intelli^c de evangello, 



- 2lfl - 



l 



I 



GUrinid']i Haito') und andere') richteten an ihre Geisfc- 
Ikhkeit irefTende Worte über diese Seile dea priesterlichen 
Asiies. Sie trugen Bedenken , die Anforderungen zu lioch zu 
ifiiBiieii; waren sie sich doch bewusst, da«B sie zum Theil uiit 
■UgeDQgend vorgebildeten Mtinnern zu arbeiten hatten; aber 
dirio waren sie einig, dass sie in allen Kirchen an jedem Sonn- 
ng gepredigt wissen wollten. Dieselbe Itestimuiuug trafen die 
ttjiKMlen des Jahres 813: keine Parochie ohne Predigt, jeder 
BiKlior und Priester ein Frediger, das «ind die Grundsatze, 
welche man ilarchzuruhren unternahm*). Sie wurden von jeder- 
■UD gebilligt: ein anonymes Qedicht dieser Zeit betrachtet es 
all nibstverstündlich, da£s der tüchtige Priester predigt, während 
die Unlüchligkeit der schlechten Priester sich besonders darin 
ttigl, dass sie das Volk nnbelehri lassen^). Kieninad war tiefer 
TOD dem Werth der Predigt Überzeugt als Alkuin; er wollte 
iKini! Beschränkung auf wenige Berechtigte. Als er einmal 
bOrte, dasa gewisse Bischöfe den Priestern und Diakonen das 



^1 «iiittola s. Pauli, qu&ntuni poteat, dlcac illia etc. His et «lUs, quaDlutn 
?alMl siDguiis difibDa dominicis, ptebem euam instruat 

1) Cap. 123, \2 S. 343: Vt uDusquisque presbytor in luam eecicsiam 
^tfuniiioDem aJiqmm et exboiiationem ad populjui faciat. ut UDOsquisijiie 
X vmrigit ab iniquiialc oi tramieal ad bonitatom sicut Boriptum est: Ueclioa 
> niilu et fac bonum. 

2) Cap. 177, 22 S. 36^: Admoneodi siiDt (a&ccrdotcs). utadatitpopalifl 
dttooiiare, qaae sont opera misericordiae cDm fruotibua auis, quae evan- 
rHIci et apostolloa pHgioa complectitar etc. 

$1 ComoioDtt. cuiusq. ep. 18 S. 1377: Unusquisque restrom. iiuautum 
'■piti plebi BUS« de evangelio, d« eplatola vt\ aliqna divina aeriptura domi* 
i^Mdit vel feati« diebua .inDuotiet. Paul. Aquil. Cono. Foroiul. (a. 796) 
t-UlXaDs. XUI, 6^2). 

4) Cooc Are), o. 10 ü. GO: Nud e^olum io civilatlbua, sed eüam io 
fmiSha» paiocblis preabyuri ad populnm vetbnin faciant. Mog. c. 2b S. Vi; 
°l forte epiacopus dud fuerit in duniu sua . ., nunqaam (amen doait diobat 
■loBiiiid) aat festivitatibut. qiii verbum Oei praedieet. Retu. c. 14 f- S. T$i 
^- e. 1 uod ]? S. 34 (.; Cabil. c. 1 f. S. 93 f. 

&} CanD. de boo. a&cerd. Str. 9 (Poet. tat. t S, 80): 

lubar sulia ut rofulgoua noctis fu^at touobcaa, 
Lumioc sie rcrbj luatrat nudicntuia pectora 
Bonua praeatil, et expelHt vicioruui ucbulo«. 
nal. aacerd. Str. 4 S. Sl: 

Divioae legia abdita luyatcrla 

PIcblbuB Cbristi Dan est qui aperlat 

Nee est ieiuDJa meotibus i^ui praabcat pabala verbf. 




- 220 - 

freie Predigen untersagt und ihnen nur die Verlesang älterer 
Homijien gestattet hätten, wandte or sich an Karl; er bat den 
Kunii;, die Durchführung dieser Massreget zu hindern: sie schien 
ihm sinnlos, da auch das Verlesen einer Homilie eine Art des 
Predigens sei, und zweckwidrig, da der Priester das Amt habe, 
dem Volke die Liebe Christi eifrig vor Augen in stellen'). 

Man wird deshalb nicht bezweifeln können, dass fn den 
fränkischen Gemeinden regelmössig gepredigt wurde*). Nor 
sehr wenige Beispiele geistlicher Eleden dieser Zeit sind jedoch 
auf Ulis gekommen''). Sie sind siiintntlich lateinisch-, man hat 
also Musterprodigten in ihnen zu erkennen, Schon darum geben 
sie nicht den vüllen Eindruck von der Art, wie man predigte. 
Dieser Mangel wird noch dadurch Tcrstarkl, ilass wir nur den 
Gedankenaufbau vor uns haben: die Ausführung in der freien 
und deutschen Rede musste umschreiben und erweitern. Imnier- 



i) £p. 239 S. 763 f. 

2] CrucI (Gesell, d. <). Tred. S. bb) iirtheilt, «lass mit der AucfUbiung 
der lEarolJDgi sehen Vercrdniingeu nur hie und d» viflldcht ein acbw»ch«r 
Anfang ^t>mAcfat worden »i-i. Diese Hirhauptiing ist iinricbtlg^. Denn I. bo- 
weiAen die nngcftlhrten tiisclitinirliuit AnitnlntiTipRn, rtass Karl bei den 
unmittelbaren Leitern di.'r Kirrhe UiiterslUiiiint; fand; '2. lasat sieb be- 
weisen, dasa er iturch di« Hcndgericlite din Ansftltirun^ seiner Vorachrift«D 
kontrollirte (c.ip. C4, 6 I«. Hi» S. IM; 65, 'i fa. 81(1] 3. 154){ 3. fehlt e« 
nicht an Nachrichten llber die Predigt: Alo. ep. 239 3. 764: In eocleriis 
ubEqii« ;(b vtom ordine clerlcoruui omeli.ie teKiintur; ep. 91 S. iSOi Arn 
von Kattbnrg aoUle neine Priester de iiracdiciiionia instand« ennshnieii: 
uau8(]uisi)ue sitbiucUitu s\U\ plebeiti beci« in vultiotute Dei eruditnm habeat; 
cp. 212 S. 707: Alkuin wdnsclit ui (-'esttagen :iiinh in den Klosterkirchen 
•ine Predigt ftlr das Volk. Uudgi-r predigt« »m Sonntage vor BeiDem Tode 
zweimal, frUh in Knrafeild und um 9 TThr in Bi1J«rbek (Vit. I.iiidg. II, 7 
.S. 414). Ttifod. cxtui. 71, t6 S.OGt llber AjoIfvuD Boiirges. Karls Anonl- 
nungon blieben dcninnrh nielit nnnusgcDlhrt, Dass na nicht an Ausnabmen 
fehlte, ist sclbatverstÜndlieb ; das Mittelalter ist (iberbaupt die Zeit der 
Ausnahmen. 

3) Dur Zeit Kaclft d. Gr. oder der ersten Zeil oicfa ihm werden ange- 
gebciren die iinl^r dt^m N-ttnen des Ünnit'atiiia [lberii«fertcn Heden (s. Hahn, 
FurHcbuugcD |].S3I] S. 585 ff., besoncters S. 619 fl); eine von Scherar in 
IIaup.1« Zeitschr. f. dcutach. .\Ilcrlh. Xlt S. 43C ff. hcransgcgcbenc Predigt; 
elu Auszug nu4 ciuer nudvreo cbeuda S. 444; endlich die von Kürnberger 
<Aiia der litlerarincbcn Hinterlassenschaft des b. ßonifaiius etc., Neissft 
1S8S. S. 42 ff.) aus cinetn St. Giiller Kodex milgetheilt« Homilie. Ueber 
die von Caep-tri (Kine Aii^uatiit fül»cblich beigelegte tlomilia, 188G)heraiu- 
gcgebcue Rede a. unten K»p. V]. Ueber Predigten in MUocbe&cr Band- 
Schriften des $.—9. Jahrhunderts i. Unsenoiaycr, Ucsch. d. Pred. S. 35. 




— 321 - 



P 



r 



kii 1(UD mftn aus ihnen eine Vorstellung davon gewinnen^ wie 
■u auf das Volk einzuwirken suchte. Da ist nun die erste 
Bemerkung, die sich aufdrangt, dass die religiöse Belehrung die 
idiwichsle Seite war: die GlaubensverkUndigung war surUeber- 
lieferang der Glaubensrorinel geworden'). Was wir bei der 
"nieologie bemerkten, wiedcrliolt sich in der Predigt: die Ver- 
tÖBdiuigsI&dei) zwischen Uognia und l'redigL sind gelockert, fast 
HrritssD. Einen um so breiteren Kaum nimmt die Parftuese 
«: bald ist sie an die Gläubigen insgemein, bald an die 
liittelaea Stände gerichtet, liald wird sie gestaltet als Mahnung 
lu den Tugenden , bald als Warnung vor den Lastern. Immer 
iber soll sie unmittelbar wirken: nicht das asketische Ideal, 
lODilern schlichte, durcli die kirchlichen Guadenmittcl unter- 
itQtile Sittlichkeit halt sie vor^). 

Dass alle Priester eigene Predigleo hielten, war ein Ziel, 
dss rnsQ nicht ins Auge fassen konnte; man war zufrieden, 
ireoQ Sie ttitere Ilomilien in die deutsche Sprache zu tibersetzen 
i^miochien^). Voll Eifer haben die fränkischen Priester sich 
u die schwierige Äurgabe gemacht, das fremde Gedankengut 
in die eigene noch ungefüge Sprache umzuprägen. Hier liegen 
die Aotänge unserer deutschen Literatur. Noch besitzen wir 
t^n ^nar Uebertragiingen patristischer Stocke, einer Rede 
Änguitin« Aber das Wandeln Petri auf dem Meere und eines 
Monytnen Traktats (iber die Berafung der vielsprachigen 
^lilker zum christlichen Glauben*]. Man wagte sich an das 
Schwierigste und Nothwendigstc: die Uebcrsctzung blbliscbor 
Büclierj Zeuge dessen ist der altdeutsche Matth&us'). Und man 
'ollie jedem ermüglichen, dass er die Lektionen Liberselzc 
wd erlitntere. Daher die Verbreitung und Umarbeitung eines 
<**■• Alteren Wörterbuchs'). Die Glossen in lateinischen Hand- 



t)Tg1. besonden Bonif scrm. i und 5. Weit lebendiger hanaell 
••f* 2 Ton der lokarnKion. 

?} Bs ist hiflbei ohne Belnii^, d.-is8 die .inKe)j1ichen Predigten dei Boni- 
''*u tich vielfich SD ältere Reden anachlicaacn (». Bahn a. k. 0. S. 604 ff.). 

3) Conc. Rem. c. 15 S. 78; Tur. c. 17 S. 8&. 

4) Htllleiihoff uud Schcrer, Denkmäler 9. IGA ff. 

5) bie BmchalUcke in Kra((iucnu tbeolisca, ed. Koülicber et Hoffmann 
^'*34) Sctierer (Oesch. d. d. Lil. S. 43) urtheiU: Die üebcraetzung klingt 
•=liÖii UDd «fUrdevoll. 

S] Die KcroDtscbeu und Urabsoiacben filoaseo (Stctnmeyer und Sievera, 
**'<l«iMi!l» GiMMD 18. I ff.; vgt. Kugel, UVber das Keroaischc Glossar 
l*STfll 8. XLVIl). 



- 522 - 

achrjften lassen ahnen, wie man aller Orten mit der Schwierig- 
keit raog, Begriffe wiedenugebeo, ftir welche die Mutter spräche 
keine Worte darbot'). 

Das Bedtlrfnis der Prediger ftlhrte zur Abfassung von Homtlten- 
sammlungen. Jedermann weiss, dass Karl den [<angobarden Paulus 
mit der ßearbeitung ciiieä Honiiliars betraute'). Ks war nicht zur 
Kcnützung im Genieindegotlesdlenst bestimmt^ sondern fUr das 
ofßcium nocturnum der Kleriker'). Lag es aber nicht in der Nator 
der Sache, daaa die Priester diese ihnen bekannten Homilien als- 
bald auch ftlr die Gemeindepredigt verwandten*)? Kine Tür den 
öffentlichen Gottesdienst bcroehnete Auswahl älterer Reden ist das 
Würaburger iromiliar des 9. Jahrhunderts *). Vergleicht man es mit 



1) Tgl. deo präcbtigen Aufsats W. Schenra: U«b«r den Uraprung der 
deuucheo Litcracnr (Preiisa. Jahrbb. 1861, I S. 445 ff.]. 

2) Cap. 30 S. 80; Poet. I*t. I, 34 S. 6ä f. 

3) Daa sngt Karl a. ». O. lieber dus Humlll» vgl, Raoke, Tfaeolog. 
Stiid. und Krlt. ÜBib) II S. 382 IT.: Crael. Oeicb. d. d. Pred. S. 47 S. and 
Unsenniaycr, Gesch. d. Prcd. K. i'2 ft. Dio iireprltngllchA GesMlt de« 
[lumiliaTS ist nocb nicht wlederbergesLelll und kioD viell«iclit Uberhatipl 
nirlit wlderh^rgeatclh worden. Doch ist durch apKterc Aendnningen der 
iiTitpniti){ liehe (-hxrjikt«r der äKiDmlunf; achwerücli g»n)c verwischt worden: 
er ist vorwiegend dogmAtlacb. 

4) Cruel beiln3it«t a. a. 0. S. 47, da« das UuiDiliar des l'anlai Erfcead 
welchen Einflaaa auf die PredigLweJse des Pfarrlderus geübt babc. leb 
verslvhe den Eifer nicht, mit welchem divBc Uehaaptnog verfoetiten wird, 
nod kann mir niciil vorstellen, dass die flomilien, welche die Kleriker an 
bMlen kaouten, von ihnen atn wi-nigetou aolleo benUtzt worden «ein. 

5) Man pflegt es als Riimiliiir ßurnbards kq bezeichnen. Die Anoabme 
atammt von J. O. von Eckliart, Curnnwiiit. de leb. Franc, oiienl. 1 S. 846- 
Atif dem letzten Blatl« der Hanilachrift findet sieh ausaerhalb des Teitn 
cweiiiiat der BuchHlabe ß, eiiirual »itj Schluse, das »ndere Mal zwiscbo 
einoui kurzcu Gebui. Eckhart aH^c von dem erateren: ijuibuii allqala, nt 
puto, iodicavit, codiceut. hunu s. ßurchardi fuisse, uud vod dem lelzteraa; 
forte propria Ipsius manu efTornindiai eat Uaa voraicbtige forte nnd ot 
puto des gelehrten Ueavhi^jhtaclij-eibcrs Ostfrankens ging onter deo Händen 
d«r SpHlcreo verloren nnd das Urmiili-ir lUirch.irds war fertig. Die Wlln- 
burger Uandtchrirt. welche l^ekhart oxzerpirtc. gehört jedoch nacb dem 
zuverIJiasigen ürtbeilo E. Sceinmeyera dem Cnde des B. oder Anfang des 
9. JahrhuederCa an; sie kaoD also nicht im Iteaitc« Barcharda geweMB, 
noch von Ihm geachrlebeo worden acin. Dann ist aber die .Sammlung dieser 
ilomilien mit viel grüaserer Wahrscheinlichkeit der Zeit Karls d. Gr, als 
der Karl Mariells anzuacbroibeD. Ueber diu Autorachaft der eintelaflo 
Homilien a. die Nachweise bei Nürnberger, Aus der litter. Utaterlaaaeosvbaft 
des h. ßonifstins etc., Neiase 188g, S. 27 ff. 




- 233 — 



dem des Paalae Diakouus, so Dtmmt man leicht wahr, dass die 

?encbiedeae Restimmung auf die Wahl der Leseslücke eio- 

wjrktc In der deutschen Sammlung IriU das Dogmatische weil 

mehr zurück als in der des italienischen Münches; während der 

Lftlxt«re Abschnitte auswiLhIte, durch welche OeislIJche erbaut 

und gefordert werden sollten, standen dem Verfasser der ersleren 

die Bedürfnisse der Gemeinde vor Augen'). Schwerlich waren 

diese beiden Predigtwerke die einzigen, welche in der Zeit Karls 

entslanden; wir wissen, dass auch Aikiiin zahlreiche Ilomilien in 

twei Bänden sammelte^). Das flnmiliar gehörte zur Kirchen- 

kibtiothek wie das Missale oder das Evangelienbuch'). 

Wie Karl auf das Predigen drang, so erinnerte er auch an 
die FlUchl der Seelsorge. Schon in seinem ersten Erlasse vom 
Jlbre 769 mahnte er die Priester, grosse Sorge für die Kranken 
nod far die öETentlicheii Sünder zu trageu. Es sollte nicht vol*- 
kommen, dass ein Christ ohne die letzte Oeluiig, ohne Absolution 
utd Abendmahl stürbe'). Auch diese Mahnungen wurden von 
den Bischöfen wiederholt^); mau wird annehmen dürfen, dass sie 
ün grossen und ganzen ausgeHdirt wurden. 

Schwierig war die Seelsorge an den Sündern. Wir haben 
(Votier beobachtet, dass die allkirchliche Busezucht im (i. Jahr- 
buDdert noch bestand*). In den wirren Zeiten der spUtoren 
Ucrnwinger war sie abgekommen'). Nun sollte sie erneuert 



1) Vgl. die PreiliKteii t{»g«n den AlierglxihRn ; Kr. 3 de calendis 
•luiuar.; 2(i da bi» ([ui lUius per aliiiuas aacrilRgüB auperaliltoDes hubeio 
TOluat; 23 ainoiODitio ut fan» deatruxnlur; 35 de mutyribus et äc luniic 
■kfecta «1 de «ortibus vcl phylacteriis. Di« douischfln GIohscd der Hand- 
*t^HA b«weueo, d»s die Uomilien deulsch vorgetragen wurden. Bei dieMr 
^efesheit mag zur Crklürung des Wciriee Kbrfxoitag auf die Qlosse 
■^rioftis, droa, car verwieeeu werd«ri ^K. ^6). 

2] Vit. Ale. 12 ä. 28: Cullegit mullis do patrum operibiia humellarum 
^volflmiaa. Sind in dem Common, cuiusq. ep. 9 ä. 1376 mit den Worten: 
CtnvDijQe Hbram XL bomiliarum diese zwei Binde gcmeifiC? 

3) ComuiDDll. I. c. 

*) Cap. 19. 10 S. 45; vgl. 36, 21 f. {a. 802) 8. 107. 

&)GhärbaId: cap. 123, It, 15, 19 f. S. 243 f.; Cotnmonit cnidsq. 
* 1* S. 1376. 

8) Vgl, Bd. 1 S. 214 ff. 

t) CoDc. Cabil. (s. 813) ean. 25 3. 98: Poenitenttam agere itixta an- 
"']'>Ub caoooam ioBtitutioaem in plerisqu« loccs ab tiaii revossit. Stat. 
""^L 31 S. 336: Quia varia neceasitate praepedimiir canonatn alatnta 
" rMOMiIiandit! poctiUeDlibua pleolter ubaervnre propl^rea onminu qou 




— 224 - 

werden. Mao kam auf den Grundsatz zurück, dass öffeDtliehe 
SDoden üfTeoÜich gebUsst werden mtiBstea')- Allein die An 
wenduni^. welche man ron ihm machte, fulirle nicht zu den 
Kinnchtungen <ler alten Kirche; denn als uQ'eiit lieber Sünder 
t^alt der bestrafte Verbrecher: er wurde ausser zur Zahlung des 
Wehrgclds auch zur Leietung der Kircheubusse ^'enüihigt^]: eie 
dieule nur zur Vertjchürruiig der staatlich Terhungteu Strafe- 
Den Charakter der Gemeindezucht hatte sie tfüoshch verloren. 
Ks untsprach dem, dasG sie nicht mehr im Aa»schlu8S aus 
der Gemoiude bestand. Zwar bestimmt« man den Silnderu 
wieder gcwie&e Busszcilcti, man glaubte dadurch den kirchlichen 
Satzungen zu genügen; aber man färünderte das Wesen der 
Busszeit, indem man Absolution und Rekonciliation am Anfange 
derselben, nicht mehr am Ende vornahm'). Früher war der 
Busaer wahrend ihrer Dauer nicht Glied der Gemeinde gewesen; 
nun war er es; er war nur zu gewissen Leistungen, besonders 
Ffuten verpflichtet*]. Das waren die Vorscbriflen. Sic stiesaen 
bei der Bevölkerung auf Widerstand. Es kam ror, .dass die 
Verbrecher sich weigerten, <lie Busse zu übernehmen^). UfTenbar 



1) Cone. Arcl. (a. 813} c. 26 S. 02: Ut [}ui putilico crimine coavicti 
•QDt, rei publice ludiceulur et ptibltuaui poeiiluruthitu iigaDt seuuuduu 
canones; cap. 78, '_>& [a. 813) S. 175; Theoduiti cap. II S. 211 tt.-, vgl. 
CoDC. lleoi. 31 S. 80. 

2) Cap. 33, :i2 f. und 37 f. (a. 802) 8. 97 f. 

3) Stat. ItuDir. 31 S. im. Nach der S. 223 Aomerk. 7 anKefUlirleii Stelle 
hciset Vs: Üurrt unuaqnisqu« preahytcr slatiiD posi accf'ptAin conro&sioncm 
puenitootiuui «iiikuLub ilxta oratioDu reconctliarj. Ebenso liliürUald, cap. 123, 
VOH.'Hi- Ut qiii hoinicidiuiu coofeasi fuoiint, iubcat cos presb^ter «bstiDcr« 
XL diebus al> ecciesis et a cowiounloiie, anlequam üb epücopu recuncUietur 
auL episcopiis eoapreAhytori« rouitnciliari iusscrtt. Abwriohitnd bievon hielt 
Thegdulf daiaa r«st , duss der Bilssei' aua d«r kircliliclien (JemciaBcbaft 
aiugescbloiftpn sei lo:ip. EI S. 212). Ublburne Aoümbe ( Uebestb:Uigk«ii 11 
S. 471 ist demnacb unriotiCig. 

4) SdiniiO: ([>i« Hiiaabürbttr etc. .S. 56 ff.) sDcbl nacbetiwL>i«eii, dikaa die 
knu<]T)tauli(> Buafiti im 7.~ 9. Jabrbuiiderc bezüglich dt^r wesonlU'hvn Ruqtiisile 
keine Veränderungen ettitt, l>iea KesulMt eircicbt er, mdetu er alle Ver- 
fiiideruD^ea, welche eintraten, fUr unwesuntliclj erklärt: als «cseDÜicb gtk 
ihm nur die Auflage einer gewissen BiisiEeil. )»t bei dieser Verdilnnuog 
des Begriffs k.tniiniB[:lie Busse .Schmitz' Resultat des Aiufhebens Docb wertb? 
Br lint doch nur das Wort ka&uaiacbe Busse gerettet. Data die Zeitge- 
nuMiin anders tirthüiltcin ah der moderne Cielebrte, «eigen die 8, 323 
Aoiuerk. 7 anKcfUhrteti Stellen. 

5) Conc. Mog. (a, 6l3] e. 53 ü. 7ö: Ut episcopi inoeatuosiM iaveail- 




- 225 — 



» 



k 



Mphnd man die doppelle Strafe für dasselite Vergehen als un- 
U%, Sollte dann der Widersland durcli die ExkonnnutiikaÜon 
gebrochen werden, so geschah es wohl, das« aoch dieses Mittel 
Teosijle')- Mit einem Worte: die Erneuerung der Kirchenzucht 
in der alten Weise erwies sich als amnoglich. 

Um so eifriger war man, die Sitte einzuführen, das jeder- 
mtou freiwillig beichte. Was einst Coluniba gewünscht hatte, 
vir Dun allgemeine Korderung der frommen. Besonders Älkoio 
vorde nicht niUde, die Ueichle ku empfehlen; er sah in ihr ge- 
wiuennasseD die Gegenleistung filr die SUndeoFergehung. Glaube 
mir, so erklärte er, Jede Silode wird lässlich, wenn du dich 
niehl scheust, sie zu bekennen. Gott erwartet von uns das 
Opfer der Busse, damit er uns das frenndliclio Gejichenk der 
Vergebung enheilen könne'). In einem langen Briefe legte er 
den Schülern tod St. Martin in Tours die Nothwendigkeit des 
lAaGg wiederholten SUndenbekenninisses ans Herz. Man be- 
mertt an der Wttrme und dem Eifer, mit welchem er spricht, 
*>e grossen Werth die Beichte in seinen Augen halte*). Sein 
Brief mu SS Kindruck gemacht haben; von Salzburg aus wurde 
« ipÄter ersucht, auch an die KlosterschUler von St. Peter eine 
KihnuDg zur Beichte zu richten: er sandte eine Abschrift des 
UtsitD Uriefes*). Es war nicht seine Meinung, dass nur die 
Uljncbe und ihre Schüler die Ptücht ku beichten hütten : jeüer- 
iBuiii, ob jung oder alt, nb Mann oder Frau, ob er im Kloster 
"der in der Welt lebe, habe seine Sünden dem Priester 7-u be- 
^oen'). Dasselbe verlangte Theodulf: das Sündeubekenntnis 
^6oU schien ihm ungenügend, wenn nicht die dem Priester ab- 



C**MidMat omnino pneciptmus £t «i poeohere noluorint cle ecciesia 
'tpHltunr. Conc. Tur. c. 41S. 89: loccstuüii, parritiiiae, hotoicida« mulli 
^P« nosreperiiiDtur: s«d aliqai ex fllis sacerdulum noluot adwonilioiiitrus 
"VW leeomoflar« . . . Quo« oportet per saeculftri« potvatiae disciplinfiiD 
■ ■ Wirceti . . . Quorum iliciuos inm excommaotcaviinus; acd Uli hoc 
MTtpBBdeaies in eiadem prrdiiraruiit criminiliue. 'l'heod. cap. E, 'iQ S. 1B9: 
" ItSli iMrpetrito peritiriu aut ijuolibet crimioall peccalo, ümens pocnitea- 
lat loagam afirumnaa, ad coafc«sioo«tn venire noluerit, ab eoclesia re- 
P*ni(tui «at. Vgl. die Erzählungen Vit. Lindg. UI, 19 S. 41H and Vit. 
^■n f. (M. G. Scr. XV) S. 130. 
CoDG. Tur. c. 41 S. B9. 
Ep. IM &. b74. 

i\ S. den angeruhnsQ Brief. 

^) Ep. 192 S. 675. 

M Ep. 217 S. 7i7; vgl. 91 8. 3fil ; 186 S. 658- 
B*«ck, KlKbMfwtUcaiia DftutMblADdi, U. |A 



- 22« - 

gelegte Beichte der Tliat- und GedatikensüDden binzukommc^]. 
Anderwärts wurde bestimmt, dass die Priester am AschenniU- 
woch ihre [Tarrkiiider zur Beichte einlüden^). 

Die tonn der Beieliihandlung war im g&Dzeii dofacli. Nadi 
Tlieodulf begann sie mit einem gemeirtsamen Gebete des PriesLcrs 
und des KonQlerttcn; es folgte das SündenlieUrnntnis des lelzCrreo, 
wenn iiuihi^ untersLUtzL durch Fragen dos i^ricAters, Darauf üatto 
der Beichtende das tilanbensbekenntni« zu sprechen, denen zu 
vergeben, die an ihm o^t^sttndigt hatten, und Besserung zu ge- 
loben. Nun hestimintc der Priester die Busszeit, betete darauf 
die sieben Busspsaluien und eUiche Gebete i den Schluss bildete 
die Absolution'}. 

Auch die EinRlhruiig der ßeichte geschalt nicht ohne Wider- 
spruch. Im Shdeu des Reichs weigerten sich die Laien allge- 
mein, die Pfliülit des liekennlnisses vor dein Priester anzuer- 
kennen; sie waren der üekerzeugung, dass das Bebenntuis vor 
Gott yenüge*). Das war altkircldicher IJoden, wohin der Ein- 
Hubs Columbas und der kellischen MOnche nicht gedrungen war. 
Leichter scheint sich die Sitte xu beichten im Norden einge- 
bürgert zu haben: von Oppositinn hurt man hier nicht; auch 
beweisen die deutschen Heichtformeln, dass die Laien in der 
Tbat gebeichtet haben'). 



i) Cap. r, 30 r. s. 200 t. 

2) Common, ctiiiisq. ep. 33 S. 1376. 

3) Cap. 11 8. l?ig. Hictail atlmmt tm ftrostcD nnd ganten der ordo 
reriao llll in cnpitu letunll übereio, welchen Scbiuiis (Ui« Baubticber etc. 
S. ä7 ff.j i-iii6iii aus AlAinz BiamtDcndcit «od. Viilfcell. sat>o. X enioommen 
b»t, Dif Vorsclirifieo Tbeodtilf» sind hier zur Furmel gewordeo. l>ie Be- 
schroibnog der llnndlung bei rarurlo-AlkDdt (de dlvin. offio. 13) weicht ab; 
sie eiiiflpricbc lui ganzen den AnweisaDKen in PitaitcnUalleo des 7. und 
S. Jahrhundfrts (Waas^rsctilebcn, BuaMnlniingen S. 69; 360; 388 ff.j; der 
ordo nd dandnm pocDltontiam bei .Schmiii: S. 98 ff. ist elno jUngere Er- 
weiter (ing. 

4} Ale. «p. '277 a. S49; Dlcitor nntniinem ex laicis suani vello coD> 
feBsionem »aoerdolibus dsre. Codc. C»bil. {». S13) e. 33 S- lOO: yaidam 
Deo solutnmudo oonfi(«ri d4*here dicuot peccata. Äuoli die bier boieaKte 
rhätsachf wird von äcliitiilE oiL-ht beachtet. 

^) MUl)«nliüflr und Scherer, Dflnkmäler Nr. 72—77 S. 136 ff.. 72 b 3. Sai t 
Die Formeln sind lum 1 lieii jUngei', selKeo aber einen .iltcreo Text Toraoa 
(s. Schcrer .S. b^O S.). Zahlreiche laieiniache Beichtruruieln werden Alkain 
lugeschriubeu: de psalui. u«. S 47ü f , 49^ ff; off, per fet. S. M4 f., &&3. 
Eine Ilc ich Ifln Weisung Otlhmar« vnn St. Ctallen bui Wasae rech leben, Buas- 
urdnungeQ etc. ä. 437. Ueber den lnh.-ill d«r bflichtTümitlD ontea Riicb 6 




- 237 - 

Kart enthielt sich dessen, die Beichte za gebieten. Doch 
fiintene er die Restrebnngen der kirchlichen Männer dadurch, 
da« er die Priester zum Beit-lidiören ver|>niehtete'j, auch durch 
süM Köoigdbolen die AmCsfilhrung der Geistlichen in dieser 
Huisichl beaufs ich! igen lies»*)- 

ßei Uestiuiinuiig der ßusszeit hielt mnn sich an die seit 
C^lumba in der frünkischeu Kirche bekannten BnsshOchcr. Karl 
(«rtetic, das« jeder Priester ein Pöoitentiale besitze^). Es waren 
«K Menge derselben, zum Theil von unbekannten V<rfassern, 
in Gebrauche. Man nahm bald wahr, dass ihre Anstitze viel- 
bcli nicht übereinstiinmLcn. Das machte gegen dtüse Literatur 
atgvöhuisrh*); docli konnte man sie nicht entbehren, da es 
nidii za einer allgemein gütigen Regelung kam^). 

Was die gnttesdienstlichen Formen anlangt, so brachte der 
seil Boniratius und Pippin begonnene rege Verkehr mit Rom 
di« Uoterschiode zwiechcn der gallisch-frBnkischen und der 
iiJoiiscben Liturgie zum Hewusstsein. Wir wissen, welche AutorltiU 
man Rom in Sachen der Ueberlieferung «uschriob; es ist des- 
lislb be^reiriich, da«s alsbald das Streben sich bemerkbar machte, 
sich ftuch in diesem Stücke an die römische Uebung anziischliesscn. 
Schon Pippin hat, wie erwähnt, die Einfilhruog des römischen 



^ 1 — l>ie äitt« des Beichiens wird auefa bcwiösen durch eap. 79^ 1 
[s.813) S. 17!^: Ul lioo iiiquiratur, bI iIü pafiibiie Auatriac verum eat cjuod 
■Hnigt an DOn, qiiod presbyten de coQfo«aiOiiibus nceepto pretiu mani- 
fcsttai UtruDes. 

1) C«p. SG, 21 (a. H02) 8. 1Ü7: Dt cnncri sacerdote« omniliiis ilüB 
mitvotibiu cDram orlmiDa di^am poenlienilaui cum suiuida vigilRDUn 
'P^i (idlcent 

'^ Cap. 3ä> 4 (a. 802) & 110: Es lat su DDlersnchea dfo Aintsfifhruo^ 
"C Ptiealer in oobl«ssioDC peccAtorum, qu»]il«r «us agere dooeant, qiia1il«r 
<n ttmedluni peccalorun ioiponere soiatit vel prociirent. Schutz des Deicht- 
K^ktiornisses c»p. 79, 1 {». oben). 

3) Cap. 81. 15 {a. 810— 813J 8. 1711: Ut unust|uiäf]iie preiiljyror capitula 
"tat de tnxiorihns vel d« minoribus vitii»; vgl. c. 20; Tlieod, cap. H 
*. 219. 

4) Die Synode voo Cfaülon i. S. verwarf die Baaebtloher (iberhaopt 
ii^nomm auoc certi errores, incerti auctorea", e. 38 K. 101) 

9) Die Synode ?oo 'i'ours erklärte eiue Regelung (llr nülhig (c. 22 
"- W}: Neeeaaariau] videhatur nobis, cum omnes epiacopi ad saf ritm piila- 
''* »ogregatl fuerim. abeio edoceri, cuiua anliquoruiu über po^^Dicondalis 
W*iiaiiim Sit aennendus. Einen Erfolg tiaite dieser Geschluaa nicht, lieber 
*• BawbUeher s, di« angefülirteo W«rke von Waaaerschicben und tklimlta. 

15» 




- 238 - 

Kirch engesangs angeordnet'). Wir bemerkeD den Erfolg seiner 
Vorscbrill daraa, duss schon in den ersten Jahren Karls einzelne 
Kirchen Sakramentaro besassen, weiche die römische Me<8e 
wiedergeben'). Karl that nichts, diese auf Einheit der Kultuft- 
formen gerichtete Bewegung zu hindern*); er billigte und unter- 
stdlzte sie vielmehr. Von Hadrian I. liess er sich eine Abschrift 
des Gregorianischen Sakramentars Obergeben*): offenbar wollte 
er ein auihentisches Dokument über den römischen Golleadiensl 
besitzen; er wiederholte die Verfügung seines Vaters Über den 
Kirchengesang^} und forderte auch sonst den Anschjuss an die 
rümieclie Praxis'). In Folge dessen wurde nach und nach die 
gallische Messe durch die rümische verdrängt'). Doch kam es 
nicht zur vollen Uebereinstimmung: weder der Text der geleseneo 
und gesungenen StUckej ani^b die Auswahl derselhtn waren 
identisch"): die gottesdienstlichen Formen bewiesen die ihoen 



1) Cap. 23, 80 S. 61. 

2) Mels, Gest. ep. Mett. S. 26S. Ein 1870 verliranotes Slrucb. Praebt- 
sakrnmenrAr hezeichuei« «ich «U lib«r aftcraineDloram Human« ecclesie 
(Delisle, Hcmoice aur (1'ancieii.B eacnm. S. 90). Da in diT uiissa pro 
regfbii« das Uebet fHr den KOnig lautet«: Da aervin luiü, rogibus Doatris, 
triumpbiiui, so Ist ea io einer Zelt geaehricban, in der das TrSokiscbe Reich 
mehrere Kßnigo halte, demnach 769—771. 

3) Uau bemerkt sie glcic-bxcitig auch io Englaod (Alo. ep. 167 S. 609). 
4} Uod. Carol. 92 8. 274. 

&) Cap. 22. 80 (a. 789) S. 61; 30 (a. 786-800) & 80: vgl. Adern, 
hiat II, 8 (H. O. 8cr. IV 8. 117 f.). 

6) In Ueiug auf den curaus diurnas et ooctnniaB «ap. 39, 3 (a. 803) 
S. 110; vgl. ChroD Moiaa. z. J. 8U2 S. 306. In Bezug aaf die Taufe cap. 23, 
23 (a. 7d9}S. 61; vgl. Uono. Mog, <a. 813) o. 4S. 6G; besondera Beububtoo« 
der kaDOniacben TaufzoiteD cap. 36, 10 f. (a. 802) S. 106; 83, b (a. 813) 
& 182; 119, 10 S. 237: Haito cap. 177. 7 S. 3ti3i Tbeud. cap. II S. 209: 
Commonit. cai. ep. 29 S. 1377; Ale. ep. 68 A. 312- Hier liberall iat von 
den zwei iegiliinen TaiifKeilen die Redei ducb nennt Karl (ep. ad Ubaerb. 
8. 241) aiicb Epipbanias. 

7) Bilduia von Ül Denis (842), Areop. Proleg. S (Higne 106 3. IT): 
MiBfuiles libri continentee miasae ordintim mute Galileo, qui ab inilio receptae 
fidei uau In buc occidentali plagu eet babitua, ubijuo quo teDorem, qno 
nunc iitilur, Romaniim siiaceperit. 

8) Die UebareinBiiramiing war schon df^abalb utimaglicb, da man sieb 
in Rom aelbat uicbt xeniLu na den ordo ItoiuAnua hielt lAmal. de eccl. 
off. I, 1&, Uigne 105 S. 1032; IV, 40 S 1235). Allgemein bekannt ist di« 
verachledene Fassung de» 3. Artikel» im konatanlinppoliuniachpn Symbol. 
Aber auch aonat lassen sieh Abweicbongeo in Menge nachweisen: bin- 




- 229 - 



0%eae Zälitgkeit. UebrigeoB hielt man aa einzeloen Ab- 

tf«ichuDgen, welche im Iitleresse des Volkes nöthig schieDeD, 

grundsätzlich fest, besonders an der Verwendung der deulschea 

üprache fur die BekenntiiisfrageD und die Abrenuntiation in der 

Taufe'). 

FOr alles, was die Würde dea Gottesdienstes erforderte, 
hatte Karl das orfenste Äuge. Wenn seine Persönlichkeit einen 
ao durchaus harmonischen Eindruck macKt, so beruht das vor 
allem darauf, dass in diesem grossen Staatsmann und Feldberrn 
«las ästhetische Gefühl ungemein lebhaft entwickelt war. Es 
ar ibm Bedürfnis, dase ia seiner Umgebung das Kleinste wie 
claa GrÖsste eine aHS|»reohende Form trug'). Als er den Thron 
ttestieg, hatte die abendliinijische Welt Jahrhunderte bllnstleriacher 
Verarmung hinter sich. Zwar war das Erbe ans der ROmenelt 






•ichüicb der Kollekteo Amal. d« eccl. off. praer. z\L S. 987Ci des Oabeti 
es VateniDsers ib. UI, 6 S. 1114; des Siuf^eus des Symbola Ratio du symb. 
Kaot- XIV S. IS S.)i der Lektioaeu Amal. prtk«f. priiu. S. 985 uud llttb. ep. 
Lothar, bei Kuastmino, Hrab. M»iir. S. 150; d«s ADlipbonara Amal. dea 
nL SBÜpb. pcol. S. 1343 und llnli^acb. ep. (N. Archiv XI s. hBi ff.)i der 
I'Ater gewisser 'Page St». Blab. 43 S. 231); der FDoktionen der kirobliohon 
SmbUCO Amal. de ecel. off. [|, US. 10B6. Die Üdiplele lieascn sieb leicht 
^ramahrfiii. Cebcrlianpt wKre die Fra^ nach der wirklichen Ueatalt des 
C3ottesdieoitea einer eJDgeheDdeD Uotersuohung wertb. 

I) Sml Bonif. 27 S. ÜHG. Deutaehe TaufTragea bH MUllenhoOr und 

Scherer 51 — iÜ 3. lf>b f. Id Betr&oht kommt besoDders Nr. 52: Foraab- 

>)istQ oDboldAn? ih fursabhu. Forsabbtstfi iinhotcliin uaero indi tiuillan? 

all fnrBaJibu. FuiaabhislQ allCm tbi^oi blui>slruta indi äia KelCon indi dfls 

(otum (hie im heidene man si bloostrum indi u geldom enti si gotum 

lMb4at? ib (uraabiiu. GilauliiatQ io gut fxter Hluiahligan'/ ih gilaubu. 

^jüanbistA in Cbrist gotM sud nerjentan? ih gilaubn. Gilaubiarä in heilagao 

C?istV ili gilaubu. (tilauliiaril vinan gut alnialiiigan id trinisae inU in einlsae? 

ih gilaubii. GilaabistQ hi-ila^s gutes cbirichfin? ih giUubu. GilaublalQ 

thurtib taDrvnga ■DotcäDororlAineasi? ih gilaubu. Oilaubistft Üb after lAde? 

>h gilanbu. — I>ie AcnBserang UralMna (de clerie. inaiit III, 8 !^. 3id5): Ut 

•1 bis (der bellig«n Scbriri] unaquaeqiie gens et dsUo proprias ÜDguap 

adminiculo inUlteetam aibi salnbr^o attraberet, intArpreundo ac coHo- 

qoaado >«osUB randem canonicum pruprila veib<«, weist, wie mich dllnkt, 

darauf hin, dass die SchrifdektioneD deutsch wiedergegfibcn od&r erlXuicrt 

wurdeoi vgl. de eeclea. disc III, S. 1234: Qui aenaam lo^utjonis aacrae ex 

iMÜoDe non possunt perciperfl, attenlius andiant iDierpreianiem, ut recipiant 

mltem In aedlficattonoru. Ueber den deucecben Matihüus s. oben S. 221. 

'i) lliefiir ist besonders das cap. de villia cbarakt«ri6lUch (J2, 24, H, 

48 8. &i ff.). 




- 230 - 

uidil ganz verlorea gegangeo; die Baurormeii des 4. Jahrhunderts 
herrschten noch im 6. und 7- Aach fehlte es deu BauineiEtero 
dieser späteren Zeit nicht au neuen Godauken, die sieb iui Ver- 
laufe als sehr fruchtbar erwiesen. Es ^enOgt zum Beweise daa 
Eine zu erwälmen , dass die Kreuzronii der Kasihka eine Er- 
findung der (l-lteren fränkischen . Architekten ist ' ). Aber wie 
hatte unter den uimhliissigen Kümpfeii, welche dem König- 
thume der Karolinger vorhergingen, die ruhige Freude an dem 
Schmuck des Daiicins aurkomnicn sollen, ohne die das Ge- 
deihen der Kunst nicht: möglich ist? Krst unter Karls Regiment 
flng man nieder an, von den Verhältnissen in Staat, Kirche 
nnd Gcsellscbaft Liefriediyt zu sein. Damit war die Voraus-' 
Setzung für das AufLilülieu der KUnste gegeben. Anregend und 
fördend wirkte die enge Verbindung, der ununterbrocfaeoe Ver- ' 
kehr mit Italien. Karl ist der erste Deutliche, der die be- 
iiaubcriule SciiOnlieit Roms nicht nur dumpf etnpfundcii, sooderu 
klar erkannt hat. Wenn er seinen Palast in Aachen Lateran 
DRiintc, so zeugt der Name von seiner Freude an dem sonoigen 
SOdeu^). So sehr er unter den Vl^elschen ein Deutscher blieb,, 
so war es ihm doch wohl in dem goldenen Rom. Und vie in { 
Rom, so in Kaveiina. Mit den Kunstwerken, die er von dort 
eotuahni, schmückte er seine Hesidenx'^; die schüoste Kirche 
Ravennas wählte er zum Vorbild fttr seine I'alastkirchc*). 

Das Kirchliche wkre nicht das vorrtehniste geistige Interesse 
der Zeit gewesen, wenn nicht Karl in ausgedehntem Masse die, 
Kunst in den Dienst der Kirche gestellt hotte. Er sprach es 
als seinen Grundsatz aus, dass der Ort,, in welchem das gläubige 
Volk sich rersaninielte, in welchem die Geheimnisse des Heils, 
gefeiert würden, mit iiiannigfuchem Schmucke zu zieren und 
zu ehren sei'). Und bei ihm ersetzten nicht die Gnmdsfitzs 
dieThaten, Eotidern sie regelten sie. Die Kunstgeschichte rühmt 
iliu als den Erbauer des Aachener Munsters: schon die Zeit- 
genossen erwähnen das Werk mit Worten der höchsten Bewun- 
deriing'Ji die nüchstcn Generationen haben es hier und dort 



1) Ehohe in Bebnls (Vit. Agil. IS, A. 8. Hab. II S. 309). JiitDi^g« 
(Vit. Kilib. 7 S. 786). 

2) Chron. Moiss. z. J. 796 S. 30.3; vgl oben S. 123. 

3) Cotl C«rol. 89 S. 268. 

4) 8. ViiHle (s. Dtbio-B«Eold, Die kirchl. Uaükunst iles Abendl. S. 1&9). 

5) Libr. Carol. IV. 3 S. 1188. 

6) Einh. Vit. Kar. 17: Bajjlica s. Doi gonltrlcii operc mirabili von« 



^ 




Simt lind damit bezeugt, üass es ilinea als unübertreffliches 
gall. Aber auch hüiite noch bann man den weiten, 
KblicfatfD Raum nicht belreleo, ohne ron der Erhabenheit he- 
rtbrt XU werden , welche dieses Erstlingswerk deutscher Bau* 
kamt nosieicliiiet. 

Und doch ist die Errichtung des Aachener Monsters das 
I MiiDfite Verdienst Karls; denn eto vereinzeltes Kunstwerk ist 
«erltilof, die Prahlerei eines Barbaren Karl ist deshalb gross, 
weil er dem deutschen Volke die Uel)nrxoii^un<; einprägte, dass 
die ^Iteedienstlicheo Räume überall würdig und schön ausge- 
itsttct sein milssten. Unbenutzte und übertldssige Kirchen liess 
er ibtirechen^); alter um sn mehr drang er darauf, dass den 
ubr^en nichts fehlte, was zur Zier diente und ffir den Kultus 
DoÜiweDdig war'). Auch nicht die geringste Dorfkirche sollte 

»düiurch entstellt werden, dnss man sie eur Aufbewahrung von 
Vorrftlheo u. dgl misbrauchte'). Er fand ftir diese Bestrebungen 

Unat; CbroD. Uolss. z. J. 796 S- 3u3. Woraaf tiet die Aotubme bei 
Dehio-B«iol(l (a. a. 0. S. 152) grilodet. dass diu MUnükr ilerciuH des 
Killen Grab aufoehmeD sollU'. weiss ich nicht. Einbard äugt Vit. Kar. 31 
Pn bMimmt: Qaod ipie vivus ile boc (Ott leiiier ÜeeTdfgaoi) nihil 
poiMtptoaer. Aucti Doltnea Angab« (Gescfa. ä. d. Baukunst S. H), die 
Ktotfa« «ei zur ktobmo Ugf- und Htaatskircb« des Reichs bestimmt K«weaen, 
)msi lieh, ao viel Ich wt^ias, nicht belcgoo; iuh zweifele, ob ein aolober 
litdankc im 8 Jahrhundert iiiöj;licb war. Unbard äussert siob c. 17 tlbet 
diu Hotive Karls mit den Wortea: Propter araorem Dei et domini aostii 
i- Cbr. tt ob boaorcm aanctao et aetemae Tiri^I&is. Aus dar Erbauung 
"UM BaptiateritimB in Aachen, aaf vrelche iJohme Werth legt, folf^t nicht 
du Hiodesle; os aollie ja bei jeder Parocbialklrohe ein Baptialcrlum erbaut 
»*ri8n (cBp. 112, 3'i S. -229;. 

1) Cap. 40. t <a. ^03) S. 115: tibi in UDum loonm plnrva (eccIesEae) 
■W, q^an noeesse sil, iit ileatraantnr, qiine mvciearia non snnc, et alla 
(OMMveBtor. Ebenao in Bezug aaf die AlUire i cap. Ad, H [a. 805] 3. 131). 

:•) Cap. 22, 7t U. 7IS91 ü. 59; 42. 1 (a. 803-804) S- 119; 46, 3 
(*-^J S. 131; 49, 4 (a. ^077) 8. 136; 62, 1 [a. ^9) S. 150; 63. 1 
(>• 809) S. 15^1 83, 4 (S. 813» S. 182. 

3) Cap. 81, 5 {a. 810—913) S. 178; Tfaeod. cap. 1. d H. 191, Üio 
Abbiuimijj der riaciia in den Kirchen und Kirchbitfen wurde ebenfalls 
■iilonift (rap. 71), 21 [a. 8I.tj ä. 174; 83. 8 (a. 813?] Ü. 1S2, hier als 
(Iniad: Qiiia aoJaDt Ibidem ointnei ad niorftm itidicare; Oonc Are). |n. 813] 
^ ^ 8. 62; Hdk. c. 40 8. 73). In dL-n Kirchen zu beerdigeD wurde nur 
««snaliurtweUe gealaUet (o«p. 78, 20 8,17-1; 81. 14 S. nS; Coiic. Ärel.21 
B- 62; Uag. c. 52 S. 75; Theod. eap. I, 9 8. 194; II 3. 210; Vit. Liudg. U, 
8 & 4U). 



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ejaei) einpfangtichen ßoden. Wohl gab es noch manche Arm- 
tictie Holzkirclie*), aber Überall iui Reiche wurde gebaut, gemalt 
UDil ^eiueisfielt'J. Def Küuid; batte ecliüesslich Aalass, die üeUt- 
lichkeit daran zu erinnern, dass eine sittUch tQclitige Gemeinde 
doch wertlivüller sei als eine scbüue Kirche*). Stolz konnte 
er die Griechen auT den Unterschied zwischen ilirer Heimatb 
und seinem Reiche hinweisen: dort eine Menge Kirchen, die &o 
heruntergekommen seien, dass sie nicht einmal ordentliche Dtkeber 
bes&ssen, denen es an Lichtern und Weihrauch gebreche; hier 
dagegen glänzten die Kirchen ron Gold und Silber, edlem 
Gestein und Perlen; e» gebe nichts Kostbares, das man nicht 
zu ihrem Schmucke verwende*}. 

Die meisten Kirchen waren ohne Zweifel Hatiiliken^); eo hatte 
man unter den Merowingern gebaut, so waren die Vorbilder ge- 
staltet, die man in Rom und Ravenna bewunderte. Aber die 
Baumeister Karls waren doch nicht nur Nachahmer. Schon vor 
Karl batte die Umbilduug der altkircbliclien zur romanischen 
Basilika begotuien; in seiner b^iioclie wurde sie in den Grund- 
zUgen vollendet: dieKreuzfürm"] und die Erhöhung des Chors*] 



1) In Michelstadt im Jabr« 815 eine Holzkirche, di^egen in Hllhlh«ia 
ein St«iDb&u (Urkunde Ludwigs, Böhmer- UUbIbacber 519) Noch in der 
zveitea HÜIfte des 9. Jahrhiindcrls waren id Frankreich nicht alle Dorf- 
kiroben iiteiobaaieu. Das er^ibi sieb daiaua, dass Kejftnu von einer 
Kircbe einioiil nigtm bemerkt, sie sei massiv gewesen (übron. s. J, S67 
S. &7S). Deuucbland stand ohne Zweifel hinter den) Westen euiilck. | 

2) Eiuli. Vit. K.'tr. 17: Frnecipue ))edi>s aacras, ubicuoqiie iu toto rvgDO , 
iuö voiiistate conlapaas comperit. poniifiiiibus et patribuB, ad qnonini oaraa 
perlioebant. ut restaurarentur, imperavit, adbilieos curao per legalos, nt 
imperata perficereot. 

3} Oap. 72. H (a. 811) S. 164. 

4) Libr. Carol. IV. 3 S. 1183: doofa vgl. Ale. ep. 3.^9 S. 76&. 

i) Vgl, Dohme. (iescb. d. d. Uaukaaat ä. 1 1 ; Dehio-Bezold, Die kirchl. 
Baukunst H. Abcudt. S. 1!>7. Ich etimmo d<-r Ansicht eu, dasa die karo- 
liug]at;be Baukunst cur rouaniicben tn rech neu ieC; Durtcheitiea mir [>obio 
und BeEOld die TbUtigkeit Karls zu sehr als epochemachend in betrachten - 
die Corioen, welcbe nan herrschend würden, waren vorber schon vorbanden. 
Es i«t bcmerkonswertb und entspricht der Sachlage, daas schon Vit 1 
Loodeg. 20 S. 667 von neuen Formen die Rede ist. | 

6) UebiO'Bczold a. a. 0. S. 167. Irrig tat nur. das« die Verfaaaer die * 
Krfiaduog der KTeuzrorin der Zeit Kaila zuscbreiben (S. 160); sie Ut, wli 
8. 230 Anmerk. 1 bewiee.en ist, älter. 

7) UeUpiele des Ausbaues der Kr}i>ta zo einea Oratorium: Fulda, Qstl, 
Krypta von St. Salvator (Vit. Llob. 23 S. 131), St. Oallea (ViL Gall. JI, 2S 




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I 



wurde Regel, Doppelchöre*) und Pfeilerbauten ^) kommcD da 
nad dort vor; man suchte durch symmetrische Anordnung der 
Thflrme diese in ein ästhetisch ansprechendes Verhältnis zur 
Kirdie SU setzen*). Damit war die neue Bahn eröCTnet. 

Einen regelmässigen Schmuck der Ktrclien bildeten Ge- 
mftlde*) nnd Inschriften*). Man verzierte nicht nur die Wände 
mit Gemälden, sondern man hing auch Tafelbilder in den Kirchen 
suf: sie fehlten selbst einem kleineu KtOsterlein wie Solnhofen 
nicht'). Die Wandgemälde werden zum Theit musirische Bilder 
gtwtten sein. Denn noch war die Kunst der Hosaicisten^) 



iL TT; 32 S. 2ä| HUao. Otbm. 1, 10 S. 51), St. Üeois (Drkiinde Ludwigs 
nnSO. Jannir fiAi, Hoaq. VI 8. iM), EIdo (Ale. cirm. 68, 4 S. 30G1, 
Sl irold I Iraael. Cbrys. 15 (A. 9. Hab. IV. 1] S. 579). Beispiele nuf 
DtDbiiLlfrn bei Deblo-ßexold tL 183 f. 

II D«bio-Bezold S. 167; Dobtne S. 13. Dass doppelcbUrige Kirehco 
mImd ror Karl voTkamnen, bemrrkea Debio-ßesold S. 169. 

3) KicbctaUdt und ReligeDsUdt (Dobue H. 15). 

3| 8. die bekannte Anordoung zweier ThUrme auf dem Baurlss von 
^ Uilloii c. 830. Oass es aur früokiacfactn tiebiete Bcbuo in der vor- 
klrallDjiftcben Zeit KircblhUraio ^b, taigt Vit Analrud. 14 (A. 8. Mab. (1) 
^ MX leb stelle ein paar BrwäbDUDgen vun l'bllrraen und iburmloeO'O 
Kkeha tüsaiDiiicD: a, B35 St. Wandrille: In a. Petti baailica pyrantldun 
"tBxInBgolaiii Hltitadiola Irlgiota qainque pcduui de hgvo lortiatili com- 
PoHcuD in cnlmln« tiirris einsdem aeceleiiiaecollocari ina«it; quam plumbo, 
*<*Cio ao eupro desurato cooperlrl luseil, triaque ibi signa paauit; n»D 
intu olinis bumlle fauc opua erat (Oeat. abb. Pont. 17 9. 55) , *o viel ich 
•<*<i,Ä9erfle Erwithonog eine« spSiM-'n ThurmhelmBS; «.857: Turria cam- 
I»o»nio der Kaihedrale tu Trier {Ann. Bertin. ». d. J. S. 48). Vgl. Ale. 
^' 167 S. 609 über York: Videiur cundignotD, ut dumUDCuls eloccsrum 
***CiKi tegatar propler omaineiilari] et loci oelebritateio. KJrcben ohne 
l^in»; a. 835 St. Peter Id Corble (Vit. Adalh. 97 f. 8. 330 f.), oder Ist an 
^n Thnnn Ober der Vicrnng zu denken, in dem die Glocken hingen V 
"•«■ 853: 81. Avold (Trwnal. Chrya. 22 S. 5S1). 

4i Cap. 49. 4 (n. 807?} S. 13& ericheioen Bilder als gen-Sbnücher 
^sndtbcil des Kircbenacbinueks. Vgl. Ale. cann. 66, 2 v. 6 f. 8. '286. 

b) Vgl. die Inacbriften Alkuina Kr St. Peter in K^fla caim- 11-7. 2 
8.133! Sahburg t. 109 8. 3.% ff.; EIno c. 88 8. 305 f.; 8t. Vaaat o. 89 
^SMiftir eine von Alkuio etbaute Mxrieokircbe o. 90 S. 313 D. a.; lo- 
*^fl«o fBr 8l- Albau in Mainx und Bleidensudt Poet. Ist. 1 S. 4H. fOr 
^ Aaebener Münster I. c. S. 433. 

B) Tabula« pictaioriao Ibidem pendentes (Vit. Saal. 8 fU. G. Srr. XV] 
^- KCl. Die Knrolingiicben BUcher neoneo Tar«!- und Wandgemillde neben 
•fwn^tr (Itl, 16 S. 1147). 

7)Libr. Carol. lU, 30 H. 1179: Si quia ligneao domum aedlScana, «i 




nicht verloren geg&Dgca, ebenso wenig üoa Geheimnis der Wacht- 

nielerei*). Dhss das farbpot^liinzende Innere der Kirche ge- 
dii[npt>e« Licht forderte, eni|tfand man wnhl: es hat alle Walir- 
scheintichkoit, dass die ersten bunten ßlasfcnater der karoUu- 
gtschen Zeil an^chiircn^). Erhalten ist von dem Reichtham an 

pariet«» cnpll marmoreis ezornur« tsbiili» tut vArlar« iDiiltkuloribns ritri 
frustuliB, dimi cetnil ligiiu endem tuctalU pvr natunim tnintme posse cobaerere, 
spreti» h\» ttieullia . . ligntn rtniiiim conAtnr perliirire. 

l)L.c.III. 15 S. II IT) : Imai^iücs bominuni vol c«ris pictSG vel meullia 
cwßatsej vgl I, '.' S. 1013, 

2) Vil. n Uiidg. II, 39 S. 421 Tun einem wunderbar gcbeilt«n Bliadeo : 
Luce paulatiiu [>er t'eiK^stias (der Kiiche tu Werden] irruliuitB imagioM 
In eia fscus tucioetraro dl^ilu cueplt. üv die L««art oncli Muiiillun. Pens 
(li. U. tjcr. 11, 4'^3) liest in eo, eine l^tiart, bei d«r jede KoPHtniktiaD un- 
iuß(;lic]j iat, ivf^sbalb ich die Lesart Maüillons fiir unbedingt richtig ballf. 
Iliiuit wird das Vorki>itiiiiGii geiiiii8le>t«r (jlajireiiitl«! der ^«wübDlicheii An- 
ii^Lhciie gtigoDlIber um ungeHEhr bundert Jabru biu au fge rückt; die Lebeor 
beschrcibuDg üudgera geböit d«r IMilte dos 9. Jahrhuuderla aD (o. 864). 
In Ucicbenau Icbre am 840 ein vitrenrius Namr^na MatlhXos; di« Möncbe 
voD Corv«y (?) wünschten, daas er donbin komoie, qiiat«oiis ad bastüca» 
a. Vlli marlyrls Brimtnc fcncttrc fioniplar usteoiet infantulis ooatii). babei 
kann ujid vvrstündigerweise ducb auch nur an die Zeiclmaog elo» Mutt«n 
für das betrpffende Feoster denken (Fotiu. Ang. coli. C Nr. 13 S. »70) 
Die Sacbe h:Ll an sich niclits UnwahrscheiDlicbeg, deon die VerwvnduDg 
Too UlasiDOsriik atim Fensterverathlnaa lag In einer Zeit, in welcher man 
Glaapa»tfiii zur Anfertigung oiiiniviicher Arbeiiea Überall bereaatellea ver* 
sLind, viel näher als in einer Z^it, in weEcber di« uinaiviBcbe Haierei so 
gut wie vertcliwundeu war, wi« iio lO, oder Rar im 11. Jahrhundert- Giaa- 
fenst«r werden nach sonst gelegentlich erwühnt Vit- Hllb. 7 (A. S. Hab. II, 
786). Mir Kcbeint, d:i9a w\» :iuvb jelr-t nucb gi'wüboltuheT war«D, als man 
ansunehoien ptlcgL Olaa war in ditiner Zeit niehts Uberana Seltene« , alan 
KoHtbar«4; nie büite i»an tiuuaC Ol.'ivkelctio auf dit- gleiche Stufe mit Boli- 
kcLclitio gestellt lind verboten (Commoo. rniusq. pp. 6 S. 13761? wie hätte 
man ein«n tian^rneij Kvl<Hi fllr kostbarwr als ointtn glüaernen halten kCfnoeu 
(Vit. Beaed. &, M. U. Set. .\V .S. 204)! Dies ftnch i^ur Stillte meiner Be- 
■Murkung Bd. 1 ü, ?09 Äümvrk. 2, wclcbo (iünes (ZLHiavbr. (. wlucDad). 
TbfloL 21 S. 1091 verwirft. Uio Aiilorilit von Kraus in archXoIogiafben 
Diogen fo atl^u Htireu; aber w^im Greger von Tours erklitrl: Ulaalensier 
Bind Sitte, nod Kraus; Sie waren soUeoc Auaiinbtoen, ao glaube ich Gregor 
von Tour« m^br: er ist Tag für Tag in galüsdii'ii Kirchen aus und efai 
gegangen. Ob sich mein geehrter Ucgner wobi eine durch diaphana Siela> 
platten erlouchti-te Kiri-be in Nurdfrauk reich oder Deutschland lebhaft vor- 
gesiellL hat? leb veruiulhe, daaa ai« den gröaaten Tlicil dca Jabrea stock- 
finster gewesen sei» wUnle. Für IraLfen war ein derartiger KeDslerverachltias 
am PtUz: er MÜte das grelle Licht und lUc Glut der Sonne abbaltoo: für 




- MB - 

Süaitverkei), welcheo die Karolingerzeit produzirle, riiclils: uur 
ifie Umiaturen der Prachtliandschrinen *) geben eine VorstclIuDg 
roddea Formen und Typen, welche bei licn Künstlern herrschten. 
Aber mau mag bezweireln, ob sie genau zulrilTi: die Aufgabe, 
giWK Flachen mit Bildern zu bedecken, uiusste zu eiuein 
fmereo Zug der Linien rubren, als umn ihn bei den Kteiii- 
iKt»tera der klustevlichen äclireibstuben finden und erwarten 
kuo. Iminerhin ist das [''orlwirken de« antiken Vorbilds xweifel- 
loi. Schon die Anordnung den bildnerischen Schmuckes war die 
gleiche, wie luan sie jetzt noch iu Rom und Kavetina sehen 
Udd: hoch am Triumphbogen das Bildnis Christi; an den Wänden 
(iei HsnptscbilTes historische Darstellungen und die Bilder von 
BiKtiJ>rcu und Heiligen'); in der Apsis Christus al» der Herrscher 
oder der Wel trieb ter"). Auch die aus der attcbristlicbeu Zeit 



UttT wbeligei Vaitriaod wKre rr sehr itopauftod gewesen; hj«r sullteu 
fii P(ular Ucbt uud W&rmu einlsHiieu. Und ist oicbt wahrscliviiiHeb in 
WtnItB od«r Jumiogea «ine durcbscheincTid« M)irmor()lalte viel schwerer 
ubeben geweasn ali ein paar [>iitx«Ad Stllcke Ulaa? Diibei darf iob mir 
fi»4 penSnliobe BetofTlcuni; );egluit«o. üärreB beklagt aicb, data icb ciue 
Aaulii selDer AbhnDdlangeii „nkbt ohne Konsequena" unberUaksJcfatiijt 
friUMn, our eioe .faat widviwiUiK" eiwähnt ht.be. Was dw Krgt« no- 
^gt. so Ug der Ornnil ini-iner KunacqutnE nur io dem PmBtJiDd«. dass 
«irdie Pick'aclie Mopatascbrift damals Eiicbt lu^änKÜcb war. und hiDticbt- 
'itb dci tiBJEtereo Irrt U^irres. Ich habe seioe AbbandluDg weder widor- 
*^ICKelMea noch erväbnt, (>b)$leii:fa sie mich oicb; liberMUgt hat. Uit 
HMmillen lese ich nor Tendenucbriften: bm den Abhandlungen von 
G^rtN TrouB icb tnicb (»lels der sücblivbeii Weis« d«r Jtohaudlung, auch 
''BD, «enn ich nicht ziiiUBtiaiuioti vvriuag. 

1) Janiucfaek, (ieacbiubl« det deutvchen Blalerei S Ib ff. Vgl. die 
■i^ S. 160 Anmerk. 2 urwEümten i'racbibandacbrifun d<;r Zeit Karld und 
& bii Lampre«bt (iailial-Oriiatuentik des 8.— 13. Jabrhunderla S. 20 f.) 

H "^nticbneieu 

H 2) Vgl. die aiu Ueaiixa(amaiCoden Vorte (Poet, lat CS. Hoc. II v, Tff.): 

H Vertloc siderio prefert pifüufo figuras 

^^^^^^^ £( moDBtrat Chrisli eltigiem dumini, 

^^^^^^P HistoriM mediQS aacras palcraai^ue fcn«atrM 

^^^^^^^ Ordo gerit, patruui puntlfioumque decuB. 

^^^IP Infimafl ast lucnliia, vcluti de maroiore comptus 

^ Et deoiu e( ipeciiuen cuuiulil «gtugium. 

^^^^3) luobrlft einer miuivisch verzierten Apaia (PccL lal. I H. 77 o. 46 v, üt): 

^^^H la quo lerrtbllis vultns duoinaiitis et una 

SaDCfornm effigiea pnlchro aiib eitigm.i(« vcrnabt. 
'■ <er Kirche au Uorse Cbiiitus ai» Welteiirii:hci'r awl&chuo Sftraphim und 
^Unbia, vor ihm dia ftiof kfugen Jungfrauen (Ale. carm. 103, 1 ^. 'HO). 




— 236 - 



llberkommenen Typen waren betbetialten : neben den freand- 
Hcheii ZQgen des jugendlichen Christus sah man auch dieueits 
der Alpen die ernsten, strengen des Wellenrichters, die mao 
BUS St. Paul r. d. M. kennt'). Selbst die aus der antiken Kumt 
stammenden Personiflkationen Ton Meer, Erde u. dgl fehlten 
nicht*). Die Vorwurfe zu gejchichllichen Darstellungen eoioahm 
man dem altea und dem neuen Testament , nohl auch den 
Legenden der Heiligen'). 

Die Skulptur rerfügte über verschiedene Arien der Technik: 
ausser der Kunst des Marinorarbeiters und Stuccateurs Qndet 
man die im Norden altheimieche Holzschnitzerei erwähnt*). 
Vor allem wurde die Gnldschmiodekunst gepflegt: man fertigte 
Ältarbektcidiingen aus edlem Metall. Sie können nicht allzu 
BeUen gewesen sein: die Kirchen in Köln und St. Vaast, in 
Fulda, Milz und StafTelsee besaesen wetelie'). Ungemein gross 
war der 8chatz der Kirchen an werthroUen Kirchengertithen : 
Kelchen und Pateaen. Kreuzen und Reliquienbehältern, Krön* 

i) Vgl 3. 235 AoDicrk. 3 .terrlbiüs vultuf. 

2) Tlieod. cftnu. 47 S. &47r.; 46 S. M4f.; Lfbr. Carol. HI, 23 S. 1161; 

IV, 21 S. 12-JO. 

3) BiEiter »o» dem Alt Test. Ate. oarm. 1!^ S. 346; ans dem Leben 
Jesu Po», lat. I S. 413 f.; Utrr. Carol. l\ . 21 ». 1229; ÜaritelluDg dei 
Ockrenzi^ten Ale. clirm. 116 S. 346; üeiligcnbilder Vit. Snal. 6 S. IGa 

4) Libr. ITurol. I, 2 !j. 1012: Ecce cerouDlur plur«« «twe imsglaea, 
qitoram qDaedmi] stini coloruui fuois compaglnaiae, quaedam luro argeatore 
oonflaue, quaedam in ttgno cielatorla soalpello ä^araiae, qasedam In 
tnarmore lnclBae , q<in«dain tn ^ypso vel tcsta formatae. Vgl. lil , t^ 
S. IU2, In der Zeiiacbrift rUr christliche Kunst (1888) S. 313 veröffeot- 
llchl G. Scbf^nermark die Abbildung eine« l^olzkruBifixas ana Oberoklrcben, 
das er der Zeit Kxrls d. Or. Kuacbreibi. Wie mir scheint, mit Cmecfat. 
Der von ihm hervorgebobroe Umstand, dass „hier keine Spur andker 
Techoik mehr c&cbwirkt", widerlegt seine Ualiruog. 

^) St. Peter in Köln (Ale. carm. 107, 2 v. 1 f. 8. 333). St. Vasat (ib. 68 

V. 7 3. 309). t'uicta (Vit- Sturm. 20 S. 37^], Mils (Ütoukt, Cod. dipl. 157 
8. 8S), iitatTelsee {cap. 12^, 2 8, 250)- Oer Altan lach war von Sleia (c«p. 
19, 14 S. 46; vgl. Oesl. ep. Uett, S. 263, wo ein Martuoraiiar in Si. Stopliaa 
in Meix erwShnt wird). Die AltKre waren sehr Eahlreich; vg'l, cap. 43, 8 
{%. 80&) S. 121: De allaribtie, uc nun aupertLcLa aJnt in eoolealia; Stai. Boolf. 
3 H. a83. Die Kirche St. Vaaat hatte 14, St. Peter in Arraa 9 (Ale 
eirm. 88 ä. 300 ff.). St. Salvator ig Centiila 11, St. Benedikt daaelbat 3. 
St Maria daselbst 1.1 {Bericht Ao^ilberte, M. 0. Scr. XV S. 174 f.): der 
Bauriss von St. (lallen hat 17; dagegen wird in St. Albao in Maine nnr 
I AlUr crwfthnt {l'üet. lat. I 8. 451 c. 2 V. 4); St. Peter io Köln hatte 
in Jabre 857 3 Altäre (Ann. Fnid. 2. d. J. S. 370). 



— 237 — 



P 



IcDchtern, Weihrauclipfannen u. dgl. Auch an kostbaren Altar- 
and Pries tergewäoclern fehlte es nirgends'). Die Frömmigkeit 



i 



1) Bischof Ghärbald rechnet znr noth wendigen Ausstattung der Kirchen 

ftosser den BUcbetn pateoa «l calix, pUneU et «Ibx, crux, cxpsa (cftp. l'H, 

S. 24.^). loTeotar too St. Michael In Staffslaee: 1 güld- nod mlberge- 

'achtsUckter Altar, & verguldvtv, mit EdelAtcrineo. GIi« und Krrslall verzierte 

Re-lir^ui PH kapseln, I de«^I. von Kupfer, an einielDen Stellen rergnldet. 'i kleine 

R«liquieDkreuse, I gröRXorfi Kreuz vun Gnld und SiUier mit UlasJIilflseD, 

Iber dem Allftr ein silbcroer Kronleuchter ita Oewicbi von 3 Pfond, 

1 sllbenie Kelche, an den AnMeDieiteDtskalpirt, Jeder mit Pitena. In Q^ 

wicht von 30 nnd 15 Sulidi, 1 silbenie« OOürtoriuni nnd 2 eilbeme BUehsen 

fUr IVeibrauch , 1 ailbtTne und 1 kupferne Rüucherpranne , 1 kupferne, 

l siiBeroe und 2 gliücriie AiuiiuIIvd ((lir Cbriama und Salbet, a. cap. 31, 

17 S 179), 1 kupferner Ktug mit tjiewgefiaa , 1 groiae gläserne ScIiUaiel, 

3 Plieeta, 2 DalmatJka, 7 Albn, 4 AuiklUH, 13 Faiionua CHrab. de insttt. 

cletle. t, IS: Happula sacerdutia iadumeniuni eat, quutt vulgo Phanoneo 

votant, qnod ob hoc earnm lunc maDibtia irnotur, quando mEaae onioinm 

tgitat, at pantoa ad minisi^riuiD iDeueae domini popnlua conepiciat), 

II Altarpallla, 20 lionenc AltnrtUrber, 8 Manipein, 4 Korporale, 2 Stolen 

Iftp. 126, 2—4 S. 2&0>. KircbeaBcbate von Kloster Milt: gold- and »llbw 

patbsiBclEtcr Altar, A goldene Kreiiso, II vt^rgnldete Kapseln, 4 atlbenis 

Xetdi« Bit fatmien, 3 ailbeme Ampullen, 3 kupferne Kelche mit Pacenen, 

Inrgoldete Flgiireti. 1 goldene Corona. 14 Kasein^ 2 DalmatJka, 6 Alba, 

&AIlantlober, 16 MiiDipetn, 4 stoleo. 10 Fxuoneg (Drooke, Cod. dipl. 1&7 

8.88j. Kirebeucbatt tu MllDneriladi in Unterfninken: 2 vergoldete. I mit 

Men renierte Kapsel, 9 AltargewKnder, 1 ailberoer Kelch mit Paiene, 

IVela, eine Kasel mit Alba, 3 p^^tiu cum trihtu capitallbua (mir unver- 

«iDdlicb, Drooke voimutbel «tatt petiu pixidt-a), 2 vaia ad mlnlBtraDdum 

iÜMskelche). 2 Schreine (Dronke I. c, 13! S. 76), ücber den Schmuck 

der Kirche St. Vaaat durch Abt Rado s. Ale. carm 88 v. 7 ff. 9. 309: 

Caacelloa, araa volutt vestire tneiallis, 

Vedasri fabricau« «arcofagumque patria. 
Pallia Buapendit parietibun atqiiR liiremai 
Addidrt. ut fieret lunen in a«de sacrum. 
Officiia domini feclt qaoqiie vaas aacrata 

Argento, nccDOO aurca luta quidom. 
Indult altaris spectosa rfite ministroa, 
Ul foret egregium semper ubjquu decns. 
JtlltJifngerälhe der im Jahre 772 von Benedikt von Äniane gf-Bliftoteu 
^«UotitnOi« Vit. Bencd. 17 S. 20b f.; SliftungeD der Aeble Wido nnd 
^ni,\i rar St. Wandrille Geal. «bb. Pont 15 i. S. 44 und 47. dea Abt« 
^Hlfii (onter Ludwig d. Fr.) Air das geüannte Kloster und Luxeull I. c 17 
^ ^ K Eine capaella. quam L'igil columnia eburneia ad instar antiquorum 
•Pwn» fabflciTit, erwEhot Kinb. ep. 5S 8. 478. Nooh ist zu erwähnen 
••*• 81, 7 (1. 810-813) 8. 179: Üt preahyterl per parochias sua» femlola 





— 238 - 

des Volkes sljflclo utid spendete diese Kunstwerke, udü die 
Kultur des Volkes halte den Sogen davon : an tausend Ortea 
sah man Schildes, nmiiclies wurde im eigenen Hause gearbeitet: 
die KreurJe an dem Scliüiien woriie Gemeingui'). 

Noch war die Kunst nicht aussclilietislich Eigenthum der 
Mönche'}; aber die Klöster bewiesen sich doch bereits al« 
Iruchtbare t'UegsItilten für dieselbe- Fulda war früher wegen 
seiner Kunstwerke, als wegen seiner literarischen Betriebsamkeit 
berUbiut. Schon unter Abt Slurm bescbrSukte die nautbtiti|£-i 
keit sich nicht nielir auf das Nuttiwemlige. Ausserdem licss eri 
für das Grab des Bonifatius «inen kostbaren Schrein aus Qoldl 
und Silber anfertifien, der noch dir Rewnndemn}; der SpÄlereO' 
erregte'), unter Abt Baugulf baute Hatgar die Konifatiui^kirche 
Und die Kirche auf dem Peteraberge»). Neben Einhard war 
er wohl der hervorragendste Archiu^kt der Zeit Karls Ais er 
selbst Abt geworden war, liess er seiner Baidust die Zflgeli 
soliiesseo: seine Pläne gingen so In das Weite, dass die Mönche i 



praedlcent, iit linteatninit alUribus praepnriint , womit eb vergleichen «lis 
tJrkiindc MeichcJbvck 171) S. 117: Et l'eci vgo ipse (Oazn von Rolbback 
Lici Duclian) et En^ilanot (düsüfin Torhli^r] niiuiibiis nosins Aliareto. Ein 
Priester Tutilo »ch^rnkt glcichr«rlt); fUr d«D Altar Kelch, Patene and 
Sukraoteniar. Auffallen derwßise werden itk diesen VerceivbiilBscn Am* 
bonen nicht ffenmint; tl« Tehlten jedocb nicht; )q einem Kapiialar Ludwic^' 
von 818—810 wird vorauagflnotitt, daaa in jedi-r KirctiR «in Ambu vor*' 
liandeii ist lc«p- 13t*, 6 S. 277 Ij man verl»i vom Amiju kaieerlirhe Ver» 
Ordnungen Audi gepredigt wurde von da aus (MJrac. Oiiitn. I, 4 3. 49;' 
Adi). Berlin, i. .t. M9 S. 36). Tsuniruuueii: v.-i|). 177, 7 S. 363; ComiDoaJ 
ouiiiat]. ep. 30 S. läTS. — Olookun: Staffelsee hatte 2, Ulli 4, llOnner-i 
Stadt I i'II. cc); eine lllocke mit Inschrift in l.obbet (a, 835) Qeat abb.: 
Lobb. 12 (M. (J. Scr. IV 8. 60). | 

1) Hildcr aus der biblim-h^n (Jracbicbte auf OerÜlbea dei tiCglidieai 
üebrauchs (Libr. Car. IV. il Ä. 12R0). ] 

2} Etnhaid war Laie; ebenao ein von ihm in einem Briefe dea Jahre« 
830 fiwflhnKr Miller (ep. 12 S. 461). Ob der Ge»t. al>t, Font, l7 8. 55j 
geoannio Miid^lulf, rgregiuB picior Camera cettsia ecdevlitc, Laie oder 
Kleriker war, lä»it sich nielit sehen; jedenfalls iec das Letzere nicht geaagt. 

3) Vil. 8liinn, "Ü)- Are«, qnam, iit tiinc raoris eral, pulcro opere con« 
didtt. Ski man hiebe!, im [Tntenchiede von der antikisirnnden Richtung' 
der SpXlerun ati i>ine DekoratiQD xu denVen, bei wi^lcher die volkstbüm-' 
hoben Elemente Ubrnrogen? ' 

A) Lib. mort, fratr 3 (Dronke. Trad. Fiild. 3. ICij; nach Ann. brer ' 
Fnid. (M. fl. Scr. II 8. 237) wnrde der Bau der Bonifa tinskirclir im Jahr« 
792 begonnen; Dronke I. o. 25 S. 60. 




— 239 - 



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i 



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I 



lieh gegen ihn empOrten*). Zwar musstc er weichen'); aber 
Meb »ria Narhfnlger Ei>;il war ein kunsterfahrcrier Mann, der 
u Eifer and Verständnis für die Kunst hinter Kaigar kaum 
urflckttand') 

Mil Fulda wetteirerteo St. Riqaier*) nnd St. Wandrille*), 
Kfiyen .^Inniier*) und 6t. Gallen'). Irgend wpiche Kiinscühung 
«ird m den mewten Klöstern zu Quden gewesen sein*! Sie 
■tnle offenbar darcU die Forderung der Handarbeit der Mf>nche 
fcegangi.gt. 

tfel>erblickt man die mancherlei Anordnungen Karls fflr die 
Hierarchie und den Klerus, so ist es leicht, den Gedanken zu 

rEeken, welcher das Vereinzelte verband. Karl dachte ati 
S'olk: er wullle, dass die Aufgabe, welche ille Kirche Tür 
du Volk hat, gelöst werde. Aus dieser tlücksicbt enispraugeu 
(cbliesilicli aucti die Verfügungen, welche direkl für die iie- 
tmiadtsa bestimmt waren Wie der Künig von jedeoj Priester 
wt, wenn unch kleines Mass therdogisclier Bildung rerlangte, 
K fbnlerte er von jedem Christen Kenntnis der fundamentalen 
OLubeni Wahrheiten: alle Erwachsenen sollten wenigstens das 

1) Üb. non. f^alr. 3; Terdiis alfb&s mtgur sapica» archituctus occf> 
4nule lemplnm (d. h. die untor Uaugulf erbaut? Unnifatinitkirchcl lam 
^tnftx poteitate mira arte el iiniiieKiaa Di^t^Dhudirje alten copulaua un&in 
^«h eecleouiin . . . Siuduit et «uro nrKcnloque. coronia et iHcernü et 
OBDibiii boDis. Die an Karl Kericbttite ^«achwerdeachrtft tler Fitlder ItJJnehe 
(Nppl titiell. bei Uab. A. S. IV. 1 H, 247) furderl e. 1'2, ut iiMli6cia immeasa 
ilqiit lapeiflua et cntvra iautilia opera olUKUnlur, qnjbus fratres allra 
■tvdumfiitigantnr- Die Ann. t..^iirUs. idid erwühnen z. J. ^ä die tJeLUkadon 
iln Kaneokircbe auf üvm Itiochufsberge, z. J. 813 die der JohanDlekircbe 
i'o iSMtiehen 'l'helte dea KlKSteraj der Bau des Kloatera auf dem Biacbofs- 
H« "Jurob Ratgar »at 'IVad. Fnld. 73 9. 80 wirSbnL 

J) R. wurde 817 voo Ludwig d. Fr. abgoaotat (Aon. Pald. 8. Süß; 
''■uHw. mio. t>. (2-1]. Vgl uuteo Buch 5 Kap, 2. 

3) Üb. mort. fratr. S 8. 163. Vit tlg. U t S. 229. t; 17 B. 230; 
16 S. 331. VkI- DuIiid«. Ueech d. d. Baakiinat H. 16 f. 

4) Heriobt Angilberu S. 174 ff.; vgl. üben H. 236 Anmork. 5. 
Ü) 6eal. abh. Font. 17 &■ 49 ani) 94 f. 

6) Cbron. lued Mon. 2 (M. 0. Scr. IV, 87). 

~) Die eigentlicb« KuoaiblUihe S(. Gallens begiout liekanntticli etwas 
'pll«. Üoch xetgt Vit. Ot«i. 12 S. 40, Ann» man hereil» im 8. .lalirbundeit 
'" Sl, 0.ill«ii xa lianpn vereuad. 

6) £io FriMier Oungal beatellt bei einem ungoDftB&len Abt« Keleh 
"»4 Pateie, die im Kloalcr gearbeitet werden eolltcD (ep. Cvol.M S. •13&>. 



- 240 - 



Tattfaymbol und das Vaterunser inne haben >). Wir best 
noch eine Annprache, io welcher ein Priester seine Oemeinda 
zum Lernen der Glaubensformel und des Debets ermahnt. D« 
heisst es: Hüret, ihr liebsten Kiader, die Regel des GlaubeiU| 
welche ihr im Herzen haben sollt, die ihr den ChristeaDamea 
empfangen habt. Sie ist das 7jeichen eures Christenthums, voa 
dem Herrn eingegeben und von seinen JUngern aufgesetzt. 
Dieser Glaube hat nur wenig Worte, aber grosse Geheimnissa 
sind darin enlhalLen. Der Heilige Geist hat den Meistern dee 
Christeuheit, den heiligen Bolen, diese Worte in solcher Kürze 
diktirt, damit die Christen verstehen und iin Gedächtnis behalten 
künuen, was sie ^taube^ und bekennen sollen. Wie kann sich der 
einen Christen nennen, der diese wenigen Wortedes Glaubens, durch 
die er erldst und selig werden soll, und die Worte des heiligea 
Gebets, welches der Herr selbst zu sprechen verordnet hat, nichl 
lernen noch behalten will. Oder wie vt:rmag der ft)r einen anderen 
des Glaubens Bltrge zu sein, der den Glauben selbst nicht weiul 
Deshalb bedenket, meine Kindlein. dasa jeglicher von euch seines 
Versprechens vor Gott so lange schuldig ist, bis er seinen Patheo, 
den er aus der Taufe gehoben hat, seinen Glauben lehrt. Und 
wer das versäumt, muss an dem Gerichtslage Recheoschaft 
geben. Urum soll jeder, der ein Christ sein will, den Glauben 
und das heilige Gebet mit allem Eifer lernen und die lehren, 
welche er aus der Tauft* empfangt, damit er am Gerichtstage 
nicht genfithigt werde, Uechenschart zu geben. Denn das ist 
Gottes Gebot, unser Heil und unseres Herrn Vorschrift; auch 
mügen wir nicht anders Vergebung der Sünden gewinnen'). 

Neben dieser Ansprache zeigen Uebersetzungen und Er- 
läuterungen des Gebets und Glaubens, dass Karls Vorschriften 
befolgt wurden'). Im Kloster Weissenburg hatte man den Ge- 
daoken, der viele Jahrhunderte spditer klar orfasst wurde: Zu- 



1) Csp. ?8, 33 Ca. 794} S. 77: Dt ftdes cathdica snnctne trinliAtis et 
omtio doniiDica atqtie symbolum (idei omnittus pr«edicetur et iradmar. 
35. 30 {*. @02) S. 103: Ut omnis pnpulUB chriatianus ädem cAiholicam et 
(lomitiicam uiationcDi iit«iuorit«r teiK^ati vgl. 'i9'- Dominicsm oraUoDeoi , . 
praedicent iDtelligendaiD, dl ijuUque bcUi, quid petst a Deo. 36, 5 (a. S02) 
8, 106; 38, 8 f. (a. SOS) H. 110; 60, 3 (a. ^02-813) S. 147. Commoii. 
cuiuBi). «p. 31 3. 1378; StaL Bunif. 25 f. S.iJ?5; Theod. cap. I 22 8. 198| 
Conc. Mog. (a. 813} c. 45 S. 74. 

2) HtHIeohoff und Scharer, Denkmäler Nr, 64 S. 157. 

3) Ana FYeisIs; ubd tit. UaJlen (MUIleohoff und 3ch«rer a. t. 0. Nt. 5S 
DQd 57 S. I&8 DQd 164). 




- 541 - 






iuimensteltuDg der Uauptsidcke cliristlictiei- Lelire: man verbaad 
mil der Auslegung des ValeruDsers eine Tafui der KauptsUuden, 
i^uTaufliekenntnis, »ii das sich eine ErlJiulerung des sogeo. 
AthaDssianums anschtüss, das Gloria in excelsis und do^ Lau- 
iltimia'). In der Schliclitlieit und der Herzlichkeit des Tnnes 
inSea ä'iese Auslegungen mit jener Rede zusammen; mancher 
Siti klingt noch Fort in Luthers kleinem ICatechlsinus, Sn lernen 
nniere Kinder dieselben Formeln, durch welehc man ror einem 
Jihrtnusend den Deutschen die hohen Gedanken des Gebets 
ifes Herrn Tcrstftndlich tu machen suchte. 

[He Arbeit war schwierig. Karl sah «ich genöthigt, die- 
i«aigeu vom Elechte der Pathenschaft auszuscbliesseu , denen 

ibe und Vaterunser fremd waren'). Uüd doch gab es noch 
Ende seiner Regiruog eine Menge Leute, welche seinen 
ABMeningen nicht genügten^). Erleiulitert wurde der Erfolg 
iMiirch gewiss nicht, dass eiti^teliie ßischüfe die Keuiitnis auch 
•Iq Isteinischen Fonnelu fürderteti*}. Üas war nicht uacli Karls 
Siufi: denn er rechnete den Wahn, dass man Gott nur in drei 
Sprachen anruTen küniie, aum heidnisichen Aberglauben*). Aber 
M weist auf die gnisste Schwierigkeit für sein Zeiiatter^ den 
Zuiupait zwischen der lateinischen Bildung und der deutschen 
Volkiaii 

Das Zweite, was Karl und die Theologen seiner Umgehung 
entrebten, war allgemeine Thcilnahmo am kirchlichen und gnttes- 
<li«i(tlichen Leben. Wenn mao sich eriunert, welches Gewicht 

1) Hailenboff ond Sobertir a a. 0. Nr. 5G S. 1&9. 

2) C»p. 31*. 14 S. 110; Coac. Mog. c Ab S 74. Der Ornnd ergibt 
■i^li lOJi eap. 78, 18 C&- <ii'i) ä- 174: Commuti. cuiuaq. ep. 40 S. 1378; 
(^Bt Arcl. (n. 813) c. 19 S. 62; Aainlar. dp caereio. bspt {Migoe 00 
S'dSeB). Da» cap. 130, 2 vud Karl berrUbrC. wie Cruvl (Gescb. d. d. Fred. 
^ 45), Seherer (Denkmäler S. Miü i u. s. anni>hm<>n, halt/! ich für ilurohavis 
OVRhricbelDlieb ) b. diu Ilviuerkuu^ von Uurultus S. 2bl. 

3) Kar) an GliÄrb&ld von LUlticIi-. Plares fuerunt, qiii nulla exinde in 
Maorian babebant (cap. 122 ü. 241). Der Biscbuf hielt den Votwurf des 
KSlIgs für berechtigt ; er schrieb äo »eine Priester {S. 243) : Kx parte crcdo, 
qM VBSita altquorum oegUgfntEa sit. 

4) Hail» von BasH (cap. 177, 2 i^. 363). Eine kaiserliche Yprordnuni: 
"**!• lobalta, von welcher x. B. Speeht (Gesch. des Erzieh uriigiiweseiis 
^•Z9) tpricht, üt mir nicht hekannt. Ein karotingischei Sakramrotar aus 
A^ul^ne hat fUr die trAdiiio sytuboli vollends noch die griecbischc 
^•TB«| (Dtlisle, H^moire 8. 'J2t. Die Uainusr Slynodc von 813 vereichlot 
^ 4S RDsdrlicklich naf KeoDtnia der lateinischen Formeln. 

b] Cap. 28, 52 {«. 794) S. 7« 
ISHCk, KlrcbopfEacM eilte Udu-Uobluida. II. J{j 



- 242 - 

auf i1ie Predigt [gelegt wurde, so ist man Überrascht, dass der, 
Besucli der Predigt nicht geboten wurde'). Das ist nur dann, 
erklärlich, wenn ein solches Gebot iiiclit n6t)iig war: das Volk 
muss im allgemeinen willig zum Huren der Predigt (jrewesea, 
sein. Nur die Anordnung scliieu Dothweiidig, dass die Gemeinde 
dem Gottesdienst nicht schweigend anwohne : sie sollte das Gtoria 
palri und das Sanctus gemeinsani mit dem Priester singen ^1; 
sie, nicht nur die Kleriker und Können, sollten im Gottesdienste 
reepondiren '). Der Gedanke war gut; aber die Durcfarahrung 
unmöglich; sie scheiterte, weil man nicht wagte, dem Satze ge- 
mäss zu verführen, dass es heidnischer Aberglaube sei, dass das: 
Gebet lateinisch sein mltsse. 

Ebensowenig war es nothwendig, den Empfang der kirch* 
liehen Weihen und Segnungen zu gebieten. Jedermann begehrte 
sie ron selbst. Karl verhDteli? nur, dass diese Sitte geslOrt 
wurde, indem er den Priestern untersagte, für ihre Amtsliand- 
luiigon Bezahlung zu heischeo*). In Bezog aufden Abeodmahls- 
genuss gab es keine fesle iSitte. Die luglielie Kommuuiou wat' 
überall abgekommen^}, auch war es nicht melir üblich, dasa 



1) (iebßten n-iirde nur der Besuch des Goueadienates ia den naupt- 
kirubflu (cap. 23. Sft (a. T89J S. 25j 47. ^1 ja. &06] S. 133; Tbeodiilfl 
c*p. I, 4^ f. 8. 20b f.), das Vcrwciltn bis zum Sciilus» der Feier (cap. 22, 
71 S. 59) und dlv Sorge dafür, dasa .lucb die Knechte nicht fehlteii (Commnn.i 
cuiusq. cp. 44 .S. 1378). In der l'rcdlgt nntfirblicb natürlich die AiifforderiiDf 
zum rcgL'lmiLaaigen Kirch cob^>eiic1i nicht; ü. die S. 230 Anmerk. 3 «rwMhnle 
St. Oaller Hoinilie {Nürnberger S, 4f)): Omncs dies rtominicns ad Ptclcsiain 
oonvenitL' et ibi noti caiiB&s ant rixaa uol oiiosaa fibalas agitc, aed lectiono« 
divinas cum silenliu &udite et pro p«eca(is rcslris orate . . . Qui ad eeelo- 
■lam larde veniebst frequeodua ciirrat. \ 

2) Cap. 22, ;u S. 59. ' 

3) Cap. 177, 3 S. 363 (Haito). Vgl. Theod. cap I, 7 S. 194; Conc' 
Uog. r. 43 S. 74. Dans der Wunsch iindurchftlhrhar war. geslehl Coiamun.' 
coiusq. ep. 13 S. 1376 au: Qiiiaque prcsbyier clericuin babcat, qui . . ei ad 
□lissaiD rcüpoDdeai. 

4) Cap. 36, 32 (a. 802) S. 106; Ghaerb. cap. 123, ö S. 2t3; Theod. 
ciip. II S. 209; Common, cuiiisq. ep. 1& 3. 1376. 

li) Thcüduir (cap. 1, 44 S. 20&> erwähne aU AaannhRK^, dasa maoebf^ 
ßeligioaen faet jeden Ta^ komintniizlrtou. In Spanien, wo »ich atUiirchlieha 
Anachamingt-n und GenohnbeitL'D länger erhielten al* Im fränkischen Kuicb^ 
fonlcrte man am Kndo des S, .lahrhüiiderts läglicheo Aheiidm8hls((eausa^ 
Üblich jedoch war er nicht mwlr (,tl«the[ et Baal. ep. »d Elip. 1. 77, 
Migne 9« S. 94 t). 




- 34:^ — 



P 



^ 
* 



I 

^ 



liein fler Messe Anwesenden sämmtlich kommunizirten *). nm- 
wrwt Tcreuchte man, diese erstorbenen Gewohnheiten wieder r.u 
Me6eD^): man mussle sich im Dllgemeinen mit der ForJerung 
nelirmtiiger KomDiuiüoii Im Jahre begnügen'), 

Narli alter Regel versammelten sich die Kleriker und Mönche 
licbenmel am Tage zu gemeiusamem Gebet. Theilnahme daran 
«tr nir die Laien unmöglich; doch fing man nun an, die Ge- 
BieiDden auf die Gebeisstunden nufmerksaiTi zu machen, indem 
mu die Glocke lüutele*). Das noch übliche Gebctläuten zu 
Horgeo, Mitlag und Abend isl wnht der Nachblieb dieser Ein- 
richlnng. 

Die Sonntaiisrnhe sollte am Samsta<? Abend be^iimen^): 
nodi ist CS in Süddeulscliland weilbin Sitte, dass der Sonntag 
im .Hanistag Nachmittag eingelftnlct wird. Während de^ Sonn- 
iig* sollten die ofTenUicheii Gescliürte, landwirthschaftüclie und 
Butarbelten ruhen, Jagd und Schuuspiet unterbleiben^). Märkte 
«durften nur da gehalten werden, wo sie von altersher üblich 



1) Dss ergibt sich daraus, dass die Voraclirlfi nothwctjdif; war, dan 
ittttn« lew^nde PriMtrr koainunuire (c«p. 22, 6 S. 54: Aadiinm est 
ilii)aot ptBibyteros missatu celobrar« cL dou cotDtuuuicare). 

2) Csip. 47, 23 (a. 806) 8. 133; 81, 1 (tot 800) S. !82. 

3} CoDC. Ualiil. U. 813 )c, 47 S. 103: Id Coena Düiaiat s. qaibnsdam 
ptnepllo euch:irietiac neglif^lur. (joae quoBiam In «adom die ab oinolbiis 
UeEbui eiceplls hia, (luibua pio gravibus criuiiDibiia inbibilQio est, per- 
d^adi alt, CMlesiasticas usus (tcmonatrat Conc. Tiir. c. MJ S. 91: tlt 
li Boa [requeotias vel ter laid lionioes in auou couiiDUDicent. Comaioti, 
*<i>>q ep. 34 S. i'MH: Tiibus vicibns in aono seilicct Id natJile Dommi, 
''^»l^«, PemecoBtea otDoea lidele» coiniDuniwnr. 'l'heod. cap. I, 41 3. 204: 
Biinlis diebufl dominidB )» qfiadragesima . . sacramenta corporis pt san- 
SBiBli Christi aumenda sunt, et in coena Domint et i'q pnraaccve in vigilia 
''Kehle et In die reiurrectionls domini penitiis ah oinnihnn commiinicandiiiu 
" ipd dies paachalis hebdoinadau omnes aeigiiali rcligioni; cu1(?Ddi buqI. 

4) Cap. 3R, y {a. 9i>2f S. 106: Vi oinncs ».ic^rdote^s hnris comfuMon« 
tibm diei ei noctis auarum aotii'ol at-cclesiarum sigiia et «acra tunc Deo 
c^'^breai otficta el poptilos eriidiant, qnouiodo aut qulbus Deiia adorandns 
« horia. Thood. cap. I, 39 8. 304. 

h) Cap. 22, 1^ (a. 7S9) S 15: A vo^pwa uaquo ad vosporam; 2fl. 2l 
<«-79li S 76; 3^. 46 (a. 802) S. UH; Couiidoo. «niitsq. ep. 38 S. 13T6. 

6) Cap. 22, 81 S. 61; 35, -16 S. 104; 59, 11 (a. S03-813) S. llBj 78. 
ll[*.8!3t ». 174; 79, 2 (a. M3) S. 175; 83, 2 (a. 813) S. 182; Conc. 
*«l. c. 16 S 61; Mog. 0. 37 S. 73; RhPm. «. 35 8. 80; Tor. c. 39 f. 
'■89; 8tat. Bonif. 23 (Mans. XII app.) S. 100; Toüd. cap. I, 24 3. 199. 

7) Cap. 61, 8 (a. 609} S. 149. 

16* 



^ 344 - 



Den Konntagen stand eine massige Zatil allgemeiner Fesi 
läge gleich *). Auch die Keoliacliluug der kirchliclien FaslciV 
vorschrifteil wiirdo geboten"). 

Bcaoniieres Gewicht legte Karl darauf, dass die Kirche Ep 
eigntfisc, welche das ^anze Volk berührten, nicht unberilcksichtigl 
Hess. Er selbst ordnete HiUtage und Dankfesle an^) und ei 

1) Alfl allgemßin au beobnchlendc Ff-Btia^« neaat c«p. S\, 19 (%. 9U 
bis 81.^) S 179: Weibii»<:ht«D, Stopban, Johäuties Ev., Unscbuldlgv KiiidleiH 
Wctbnachtaaktave, Epipbaniaa und OktRve, MariS Itcjnigiing, Uatcrwot^h« 
leranta maior, d. Ii. die KogatJoustAgc. HiminelfAlirl, PÜD^tlen, Johaiioes d.lfri^ 
Pet» und l'aol, Martin, Audieaa. Maiiä Uimmcl fahrt bleibt fia^iicb. Ii 
dem äuppl. Üb. 3 {A. S. Mab. IV. I S. 248} bcschwereo sich die MSocbt 
von Fulda, dass Abt Hntgar eic in r''alivii»t(> s. UarJae t't XII apoetoloruni 
S. Stoptiaiii et s. Laureaiii et cet«roiruiD, qagruiu uiemoriae apaU eoclesift) 
Germaniae c«1ebres liunt, 7.11 arbeiren zwinge. LÜ« gc«cttlictic AncrkconuBi 
der Festlag« Ii«f &Ibo tlutjfHclilicb »iif eine BueirbtUnlcnug lierselboo binatu 
Ufibrig'ena war die ZiM drr Festtat;» landscliafilich verscbiedfo: Im VeD 
teichnis der Ma-ictier Synodo von 813 Telileo di« Kpipliain;uoktave und dj4 
Rüfatiutistagß, daj^egon sind St. Mii:hii(>l und .St. Romi^ua nur^gcnoinind 
(e. 36 a. 73). In den ao^en. Statute» des iJuDifalius sind die Epipbsoiiu 
oklave und die Rogation titagB obcnfaLls nicht genannt; mich vcrmiaat mat 
St. Martin; die Feier dea Uaterlcstea ist auf vier 'Jane beacbriinkt; digtga 
kommt Maria Cjeburt binzu. Da« Fehlen des Pfingetfeates bembt obu 
Zweifel auf einem Verseilen (c M H. 340). In den KnpitelD Haitoa bMtl 
die Epiphaniasoktavc weg; die Feier von St. MorJu, Sl. Reiolgiua oni 
S(. Mitrtin ist frein-illig; dagegen werdeo allgvoeia gefeiert die Apostel 
tagi^, St Michael und Maria Himmelfahrt (cap. 177, 8 S. 3A2). Die Apostel 
tage unil St. Miciiuvl ln-gvifDüD aurli iu don Rienbat-ber Ütatiileo (csp. lll 
b S. ?lt7). In Ludwigs d. Fr. capitulare monaHliciiui von 617 [c. 170. M 
S. 346) fehlen die Kpipbaiiiaauktave und die lelania niator, dagegen ündM 
aicb Sl Lorens, 81. Benedikt und die Apuaioltage. Maria Hirn ntel fahrt en 
scheint als anerkanntes Fest; doch wiaaen wir, dasa an diesem Tag uool 
Int Jahre H^-* in Thiiruuunnc nielit geftieic wurde, tir war nur kircfaUchoi 
Festtag (ADD. Herein, z. d. J. ä. ä9). Am geringsten war die Zahl d« 
Festtage in Sachsen (Lex S«x. 2.t |,M. G. Leg. Vi). 6lj>: Ostern, Pfingtuen 
Weihnachten. St. Maria (= Maria Keinigung) , Johannis, Peter, Hania 
Das Allurheiligenfesl ist von Alkiiiti op. 134 S. 526 f. envähnt; er legtl 
Wcrib auf sein« Feier; auch in i.-iDi.>t]i M:tiiizer Kaltindi'r dos !J. Jahrhundertl 
tindet man zum I. November die Beint^rkung: Memoria ornniun] 8.<inetoma 
(Ueli^lf^, Memoire S. l'oi; vgl. Über die Herkunft des Kalenders oben ä. 13f 
Anuterk.). OiifTi'ullich anerkannt war er, wio man sieht, auch oiefat. I 

2) Cap. 19, 11 la. 769) S- 46; 84. 2 (vor 8O1I) H. 18'2; Conc. Mog 
(a. Btl) c. 34 S. 7.<l; 3int. Buuir 30 S. 396; Common, cuiuati. cp. 31 
S. 13:8; Teod. cap. 1, 37 ff- S. 203 f. 

3] Cap. 21 to. 7äOj S. &3; Fpiat. Tarol. 6 (a. 791) ä. SbO; cap. 121 
(a. 807) 8. 245; 127 C»- 810) S. 249^ vgU 12, 1 (a. 8tl) 8. 162. 




— 245 — 



I 



I 



trn^rletc, dass die Bischöfe auch ohne AulTorderung in solchen 
FiJlen handeln würden')- 

Hier konnte man auf die religiöse EmpRinglichkeit, besonders 
wf die religiÜBe Naturbetrach tuiig des Volliti recbuen. Die 
Lebendigkeit der letzteren bewies sich nach einer anderen Seite 
in dun unausrotlbarrn Aberglauben^). Elgenthünilich ist Karls 
SMiif^ in diesem Punkte: auch er stand unter dem Hanne der 
iDgvmeinen Ueberzeugung ; es war ihm nicht zweifelhaft, dass 
durch Zauberei thatsächlich Schaden angerichtet werden kOiine'). 
Ucn 80 geneigter war er, die mosaischen Verbote der Zauberei 
ih Terpilichlendo Gesetze zu betrachten*), Daneben aberfindet 
wn Gedanken, welche sich von der vnlkslhümlithen Anschauung 
losgerissen hatten: abergigubische HnniDungcu sind theiricht ; sie 
wcfden unternommen, um die Leute zu betrugen"). So oder 
io, Karl hielt sich für verpflichtet, den Aberglauben auszurotten: 
■ter hier führte er einen erfolglosen Kampf. 

Richten wir endlich den Blick auf das, was Karl für die 
Aimeopdege tbal, so drängt sich ror allem die Bemerkung auf, 
duE Tjele altkirchliclie Anschauungen noch fortwirkten. Aber 
wit ilinen verbanden sich andere, ursprünglich deutsche. Dass 
^ Bitchüfe als Veraorgcr iter Armen galten, stammte aus der 
■Iten Kirche; wenn aber der König sich als der von Gutt bestellte 
6cliut>berr aller Schwachen und Hilfsbedürftigen betrachtete^ so 
int du deutsch •) ; die Bischöfe erschienen nur als seine GehUfen, 
"rie (las auch die welllichen Beamten waren"). Wenn ein Theil 
^tt kirchlichen Einkommens für die Armen bestimmt wurde^), 



1) Ctp. 44. 4 (a. 805) S. 122. 

2) Ueber den Aberglauben, Insofern er die Zastlfndc dei Votka cliarak- 
■eriiirt, B. DDten Buch A Kapitel b. Ich begnUge mich, hier auf die Htellun^; 
*^'l* kiato weisen. 

5) Cap. 28, 24 (a. 794'^ Ö- 76; 32, &1 fa. 800?) .S. 88. 

4) Cap. 22, 6^ S. 58 wird auf Lev. 19, 26 und Deitt. 18, 10 f. Bezug 
rX'QiBieii. 

i) C«p. 19. 6 («. 769) 8. 4'j; 3^, 41 nnd Ab (a. ?0?) «. 104. 

6) Cap. 33, 5 (n. 802) 3. 93: Ipso domnu« imperiuvr post Duoiini et 
**''tlli «iuB eorntu {der Kirche, derWiltwen, W.ii.»pn, KreradCD) cl protcclor 
■ld«feMor ossc constilulua eai. Vgl. 44, 2 S. \2i; 6S, 1 [a. 8i>l— «13) 
*■ IST[ 69, 3 (a- 810?) S. 158: Ui vidoae cic. siib Dci doft-nsiDtiP ot nosiro 
"""MtAburdo pauetD babeaac et eorum iaatidain. 77, 2 (vor 802] S. 171. 

7) Cup. .13, U S. 91 
8] S. ub«a S. 20t. Doch crinueit ühlhurn (Liebostbäligkuil S. 43) 

"'t fiddii^ dast die .tlllcirclilicho ADairttHuuiij,' dei Ktrclionguta Als Arinen- 
Wt «mebwand. 




- 34Ö — 

wenn die Klüster zugleich WoblthÜligkeUeanstalten waren'), 80 
war auch das ein Ei-be aus der VergaiigenlieU. Neu war der 
Gedanke, dass die Gesanimthcit rerptlichtet sei, für alle Vnlksgc« 
üOSseii einzustehen. Dein Reisenden durfte oieniand Dacli, llerd 
und Feuer versagen'). Wer sich weigerte, einem geftthrdeteB 
Scbiff zu Hilfe zu konuneii, verLiel scliwerer Strafe*}. Uiesec 
ürundsat;t wurde von Karl äuf die Armen überhaupt angewandt: 
Unter ihm ist die erate aILgeint:ine Armensteuer erhoben worden*). 
Zwar gesutiah es, so viel wir wisseu, nur einmal, um einem sonder^ 
liehen Notlistuud abzuhelfen; immerhin ist dieThatbache wichtig; 
nicht minder, dass Karl den Grundsatz aufstellle, jeder Grundherr 
müsse für die Tun ihm abhängigen Leute sorgen ^). In dem Momente^ 



1] Id St. Gallen erricliteie schon Abt UtDiAr cid Lepros cnliaus ud4 
eine Herbwg« fElr niidere Arnie (Vit. Ocni. 2 S. 42); (li« cur» suscipteo* 
donim puti|>priink war einem der Manche .iIb Amt tlt)ertrsgen (Vit. (laÜ. II. 
43 8. 30]. Ein« Fr«nideiilerbers« in Fulda iTnälmt Vit. Liul>. 23 8- 131; 
ein Kiankotihfliis in Werden Vir. III IJuilg. & S. 41ti; in !>c. Avoid psa- 
pecuiu liospitaLe (Ttanal. Cbrys. 19 S. ^äO)> de*gl. iQ Kl. Monheim (Vit 
Walp. 12 S. •um f.], L'ebcT die ruatii<:ulnrii in Mets b. oben &. 63. Um 
Huspis niif dem iicptimer war Eigeuthum der Kitche von Chur (Uikuod« 
Ludwigs, BUhincr-Uflhlbaebtr 864;. Um cioigo .SiUttTnamen »i oetineB 
so erbaute Aikiiin ein Tienoduchiniti ad datidocim pontes im Gau vol 
Troyes an der .Seine (A. 8. Mab. IV, 1 .S. IGS f), 'Deodulf ein soictiea ii 
OrleADB (carm. 59 8. bbi f.), Atlailmrd in Corliie (Vit. Adalb. 69 S. 530 
vgl. B. Statuten Wgne lOfi 3. ^38 BT.). Auch die AI mosenvi-rth eilung wunll 
uirgeDdarttichiicher vur>{eDouiDi(!o als in den Klusteru: In St. Rtquier wurdet 
lifglich 300 Arme nnd UO Wittwcii veraorgi (A. S. Mab. IV, 1 S. lÜCi) 
abor aucb tiacb .Sobliufvn slrüiutvn Jie Anii«n oratiotiis causa ac «leeno 
aynac (Vit. fliil. 8 ». IftÖ). 

2) Cap. .13. 27 (a. 802) S. %; 57, 1 (*■ 80t— 8M) S. UU 

8) Cap 34, 13b (a. 802) S. lnO f. 

4) Cap. 21 (a. 7Hö?) B. 52: die Uiadiörc, Aebie, Aebttuslnnen' 
GrsfcD sollten Je nncb ibreni VeroiKi;en I oder ',, Pfiiud Silber eutrjcbtea 
irmo Bischöfe 5 Soiidi, wer 200 Hüben zu Leten halte, '^ Pfund, wc 
100 Hiiben i Solid! , vrer 30 oder 40 uine Unse. Ansserden sollt« jedct 
einige Arioo bis zur nScbstea Ernte vcrsoigeit. 

&) Cap. 46, 9 (a.SOR)'S. 132: Dtj itii>Ddit:i8, qui per palriasdisvurruiit 
voluuiiiB, iit TiiiiiaiptiRqiie fidt^liuiu iioatroritui »iium paupcrcm de beiieücii 
iiit di! pmpria faiiiili.'i niitti»t vi uuu pcnuittHt allubi jrc tuuiidiciridu; t 
ubi tali-s itivoiiti futirint, uisl maiiibua Liborcnt, nultus eis (|uicquam tribncn 
pMesumfit. Damit iat lu ver^leiclie» diu Vorsehrift fllr di« Verwalter ds 
Königsliüre cap. 32, 2 S. 83: Ul faiuHi.! nustia . . n nctuinc hi pauperlal« 
niiwa Bit; uap. 44, 4 (a. 805) S. 123: In [iraeseuü unno du famis iuupis 
ut SUQ« quisque adiavet, und dio Vorscbrift fUr die Kliteter cap. 54, t 



leeno 
o unl 




- 347 - 



I 



I 



* 



ah die BesilzTerlitiltnisse zum Nachlheüe der grossen Hasse tier 
Hndefbemittellcn sich änderten, sollte die Bildung eines Bettler- 
proleiariats verhindert werden. Eben indem das Volk in Stunde 
■iicinuderging, sollte das VerhUltuia der Stände zu einander 
einen ethischen Gehalt gewinnen. Das war, was die Zeil forderte. 
OiiCgen Tcrsrhwand die Organisation der kirchlichen Arnien- 
pAege. Die weilen, in selhsIstiUidiee. Parochien zerlegten Di^izRsen 
üeutHlilaods waren etwas ganz anderes als die Stadtbisthilmcr 
du Sndens. Instiiulinnen, die sich liier bewiihrt hatten, konnten 
auf jene nicht übertragen werden. Die kirchliche Armenpflege 
»orde zar mehr odci- weniger regellosen Almosenverlheilung. 
K»d hat sie geübt') und gefordert^); aber sie galt ihm nicht als 
<lie Hauptsache: das .Almosen ist eine Gabe, welche verweigert 
werden kann; Karl gewährte durch seine Vorsctirifteu den Be- 
drftnglen das Recht auf Hilfe. 

lu mancher Hinsicht eisclieiiit Karl wie eiu moderner Metisch. 
öle Ordnung der jetzigen Staatsverwultung beruht zum grossen 
Tlieil »nf der «llgeinein ilurchgerührlcii Kontrolle der Tliüligkeit 
der Heamten. Karl hatte den Getlanken, eine solche eJuzu- 
'ttreu. Längst war estlhtich, Uass zu gewissen Zwecken künig- 
tRhe Sendboten in diesen oder jenen Tlieil des Reiches gescliickt 
vnnjen: sie waren küniglicbe Kommissiire mit einem einmaligen 
(»euimmt umgrenzten Auftrag*). Nun sollte daraus eine regel- 
Biissige Instiiution werden. Im Jahre fi(Y2 ilieilte Karl das Reich 
in eine Anzahl grosser Bezirke. Kdr jeden derselben wurden 
&lljiihrtich etliche der angesehensten Männer, Geistliche und 
Uien, 2u Kiinigsbolen ernannt. Man konnte persönliche Ver- 
treter des Königs in itmen erblicken, denn ihre Aufgabe war, 
(ÜB Ausführung der Gesetze, die ffandhabung der Rechtspflege, 
*!><: Amlsthütigkeit der Beamten zu lieaufsichtigen, die Ablegung 
dwTreueides hinzunehmen, den Hilfsbedürftigen, besonders den 
^itlwen und Waisen, Schutz zu gewähren. Die kirchlichen 
Anpjlegenheiten unterstanden ihrer Uelierwachung nicht minder 
*>^ die staatlichen : allgemeine Rechtssicherheit sollte aufdicscni 



f*- 805'.- 808) 3. 141: Ut eoruiQ pauiiorrs et faiuilias iuxta poneibililatviu 
"WrtrB r«iant. 

1] EiDh. Vit. Kir. 2t. 

2) Cap. 54, 1 8. 141; 62, '-M {a. Bn*1); fi.l, 10 (a 8n9) S. tb!; 61, Q 
'*-8(Ät S. ib\, 78. II r. (K13) S. 171. Vgl. MKh diu Kmnliiiiung doüs 
'^^"iEitiotcn CNp. 1*21 S. Ti'.^i Ca iat ungvnnti, wenn b1« Uhltiorii (UetjoA- 
'"^■Ckeil S. 6?) ala eine An Fredijfi üus Kaisers an dna Vulk bi-xeicbncl. 

3) Cap. 23, '27 (a. TbWj S. 64 [ -.'4 (a 789J S. 6ä. 



- 248 — 

Wege enillLcl) hcrgcstullt werden^). Wir besitzen aus den nächsten 
Jahren tine Reihe von Auftriigen für die Knnigsliuten, so dass 
CS keinem Zweifel unterliegt, düss diese Visitaliuiicn des Reichs 
sich vielfach wiederholten^). Liest maa die Ansprache, welche- 
TOTi einem der KiliiJ^stinten auf uns gekommen ist, so gewinnt 
man einen Eindruck daran, wie naohdrlicklich an die religiösen 
und sitthchen Ueberzeuguii^en der Ilevölkcning appcllirt wurde*). 
Und doch war die Einrichiuni< ungenügend: sie fungiile uur, 
wenn der Wille eines thntkrtiftigcn KOnigs sie in Bewegung 
setzte: auch hier hing alles von der einen Persönlichkeit ab, 
die an der Spitze stand. 

Nie ist in der fränkischen und deutschen Kirche so viel 
regirt worden als in dem halben Jahrhundert der Herrschaft 
Karls d. Gr. Es bedurrte dieser uaehdrilckliclieu, rastlosen 
Thütigkeit, um die Spuren des kircliüehen Verfulls zu tilgen, 
der in dem letzten Jahrhundert der Meruwingerlierrschan ein- 
gerissen WUI-. So weit das frünkisohe Reich sich ausdehnte, 
wurde jetzt die von Bonifatlus geplante und begonnene Reform 
zur That. Dass der König das zur Vnllnndnng fiihrle, was der 
iiischnf angefangen hatte, enlsprach dem geistlichen Charakter, 
den das frünkisclic Künigtlium trug, der Herrschaft über die 
Kirche, welche es seit Chlodorcch gßUbt hatte. Man kann des- 
halb nicht sagen, dass die Gedanken fOr Karls Thatigkeit durch 
die Beziehungen zu Rom oder durch die Grtlnduug des Kaiser* 
Ihuuia dargeboten worden wären. Die Vorstellung von dem, was 
erstrebt und erreicht werden niusse, schwebte ihm schon vor, als 
er den Tliion bestieg; zum Theil war sie durch die Reform* 
massregetn der letzten filtifutidzvvaitzig Jahre gegeben, zum Theit 
war sie Karts Eigenthum. Die epüchenmuhenden Jahre für sein 
kirchliches Regiment sind im, 7S9, Sa2 und 813. Im Jahre 769 
erliess er sein erstes kirchliches Kapitular: es schloss sich ziem- 
lich eng an ältere fränkische ßestimmungen, hcsnndcrs an die 
Verordnung Karinmnns vom Jahre 742 an*). Aber sein Inhalt 
geht doch tiereits darüber hinaus: die kirchlichen Ziele, welche 
Karl stets festgehalten hat, sind klar angedeutet'}. Das Jahr 789 



i) Aun. Laureah. x. J. 802 Ü. !5vS; cap. 33—35 8. 91. 
3} ('Rp. 40. 4i II. a. Ucaiiatmlcre Nachweise IHMen sich aus dea 
Krdttitigct Urkuuden fUr Baleru fUbrco (s. KJezLer. Q. B.'s I S. 262). 

3) C'«p. l-il ». Zid. ^^ 

4) VkI. cip. 19, 1, 3, 4. 6, 8 mit cap. 10, 2-b. >H 
A) Deluiif; <]«■ gel»ÜicboD ^Jisndes [c. 3); Kclelirle BilduDg dt)«8«1bva 




- 24!) - 



iil ansgezeicliiiet durch den grossen Kriass des Königs an alte 
»eislltclieii und weltlichen Stände seines Reichs']. Was dort an- 
Reutet war, ist hier zu einem bis ins einzelne ausgearbeiteten 
Froiramm für die weitere Ttiätigkeit geworden. Reichstag und 
Svaütje zu Aachen im Jahre 802 sind denkwürdig, da auf diesen 
VeruDinitungen die grosse Visitarion des ganzen Reiches be- 
fchlosaen und zugleich die Verpllichtutig, die kirchlichen Zu- 
tifiiide gemäss dem kirclilichen Reche zu gestallen, feierlich aus- 
gtsprochen wurde'). Endlich im Jahre ÖVi verfügte Karl, das» 
inUiiinz, Kheims, Tours. Chäloti s. S. und Arles Synoden zur 
l'utenuchung der kirchlichen Verhältnisse gehallen werden 
lolllen. Die Uerathungen und Ueschliisse derselben belrafen die 
^enchied engten Seilen des kirclilichen Lebens''): mun gewinnt 
ttoe Vorstellaog vun dem , was Karl am Ende seines Lebens 
sollte: es Ist nichts anderes als whs er durch die Kapitularien 
»OB 7t?J und 789 erstrebt hatte. Es handelte sich auch jeUt um 
•^ie Verwirklichung der alten (iedanken. 

Oass Karls Ziel nicht rollstündig erreicht wurde, wer niOclile 
lieli darüber wundern? Aber rcrgelilich war seiae Arbeit nicht. 
Wir haben das im einzelnen beobachtet; man darf vielleicht im 
allgemeinen sagen, dass für die Entstehung kirchlicher SUten iiti 
deutschen Volk nieman^l so viel gcthan hat als er. 

Auf der HlUthe der frünkischcn Kirche beruhte der Anspruch, 
fiep Karl erhob, dass die Kirche seines Reichs als die Ver- 
ireierin der abendlaniiischcn Christenheit anerkannt werde. Wie 
ealschiedeo er dies that, zeigt sich nirgends eo deutlich als io 
iGinem Verhalten den Lehrverschiedenheiten gegenüber, welche 
i^äbread seiuer Kegiriing auflauchteo. Er zog die EnUcheidutjg 
^r das Fümm der fränkischen Kirche und traf sie mit dcui 
Paptte oder gegen den Papst- 

Wir wenden uns zur Ketrachlunif dieser Streitigkeilen. 



'c- K> t.)\ Sorig« nir dl« Kelii^iutltät unter dein Vulke (o. 7, 10, M)\ Aa- 
(tknamg der bischHfllchen Autoriliit in den l)i>üz«)eD (c 9). 

1) Cap. n S. 52 ff. 

2) Ann. Laurcsh., Chrnn. Moisa, z. J. 80?. 
)) Mios. 2.1V, 64 ff. 




Fünftes Kapitel. 

Lehrveriiaadlmigeii. 



Je enlscliiedener die fränkische Theologie ilen Charnklcr 
des Schuhirlissigeii (mg, utn so weniger hol die frünkischc Kirche 
einen fruchtlmren Huden ftir tiie Entstehung eigenartiger An- 
sclianungan und Leliren. Man lernte aus den gleichen ßfichern, 
mnn stuiUrte in der gleichen Weise, man halte das gleiche Ziel: 
die Schfiiie der altkirclilicheii Theologie wieder zu beleben und 
sich anzueignen. Der Gedanke, von den Lehren der Aeltereu 
abzuweichen, hlitle ebenso sehr den wissenschnftlichen Grund- 
Sätzen der karolingiachcn Theologen widersprochen wie ihren 
kirchlichen Ueberzeugungen, Das reberlieferte gail ihnen als 
das Wahre, die Theologie des 4. und ö. Jahrliunderls erblickten 
sie im Schimmer des Ktassisclien^ dadurch war sie vor jedem 
Tadül gedeckt, Auch kanute iiian sie gut genug, um vor unwill- 
kürlichen Verstössen sicher zu sein. 

Anders la^eu die Dinge in dem Ueuaclibarteti Spanien. Die 
dortige Theologie trug nicht don SttMiipel der Renaissance: sie 
war vielmehr der letzte AiislSurur der altkirchlichen Wissen- 
schaft. Manche alte Idee \ebia nocli fort, besonders waren die 
alten Probleme niclit ganz vergessen; aber der Anschlusa nn die 
alten Formeln war bei weitem nicht so enge und ängstlich wie 
bei der friinkisclien Theologie: man halte sie nicht wie Jene aus 
Hdohern gelernt, nvan hatte sie ererbt. Das hinderte nicht, dass 
die Spanier sieli ihrer Ortlutdoxic ebenso lebhad bcwusst waren 
als Alkuin und seine Schfilnr. Kur war dies Mewusstseiu anders 
begründet: bei den letzteren beruhte es darauf, dass sie -die 




— 351 - 



r 



eigeiteii Ausichlen direkt aus der Literatur des 4. und ö- Jahr- 
liiHlcrU en(uommeo hatteo, Belegstellen für ihre Itehaupttingcn 
vano ihnen stets zur Uaiid; bei dca Spaniern war ea süzu- 
ngen Parteisache: sie waren lauge ^enug den Ariauern als 
Vertreter der Rech tgläu big keit gegenüber gestanden, um dessen 
^wiis zu sein, dass ein Spanier sletF orthodox iet. Und hielten 
ttt Dicht jetzt das Banner der christhciien Wahrheit dem Mtitinni- 
Dodanismus gegenüber aufrechtV Das starb entwickclle äclbßt- 
gtAhl der Spanier war die Frucht der stets gefUhrdeleii Lh<^c 
der spanischen Kirche, bs tehhe ihm das sictiere Kuiidament 
KlOtkticber Zustände. Am wenigsten waren die VerliAltnisse 
derWissenscbart günstig'). Zwar hörten Unterricht und Studien 
nicht ganz auf; aber die Chrialen waren die Unterdrückten; ihr 
Terkehrmit den übrigen Kirchen war gehemmt. Dadurch musslo 
(f«r Gesichtskreis eng begrenzt, das Urtheil einseilig werden. Das 
wir der rechte Uoden für sektireriache Lehren. 

Uao kann die theologische Verwilderung der spanischen 
Kirclie an dem ermessen, %vas wir über Migetius') wissen. 

Das Ttubleui der Trjnilütslehre, das Jahrhunderte lang die 
Theologen der alten Kirche bescimlügt halle, hielt ihn in seinem 
Bfcine. Die rränkiscbeu Gelehrten fühlten keine ??chwierigkeit: 
di« glatten Formeln, welche sie aus Augustin gelernt liatten, 
mluellen ja die Lüsung aller RüthscI. Dieser Spanier dagegen 
f^g wie ein christlicher Lehrer des 3. oder f. Jahrhunderts mit 
<lcr Schwierigkeit, die KinUcit (joltes und die Drcihuit göttlicher 
Pennneu zumal festzuhalten. Lr glaubte Licht in dc[n Dunkel 
tu finden, wenn er Vater, Sohn und Geist mit den hervur« 
'»geodsten Männern der heiligen Geschichte — David, Jesus, 
Paulus — idenlifizirte'). Aber was ihn L(>sung einer Glaubens- 
^nge dunkle, war doch nur ein Beweis für die Willkür der 



I) 3. Orsf Üaudiünin, Kiilotfiui und Alrar. W2, S. 38 tt. 

'l) Ich vetireiBD neben den Dogmengcacliithioii besonders auf Möllor, 
f' B.B, t S. 161 ff. 

3) £li;wndiep 1,3 fMi|;ne 9G 8. 860f0- Die Frage, obnmliamnicdnnisclie 
*^ prisvillttinitche Eiullilsae bei HtKCti»« auzuiiLhoica aind, l»s*u Ich 
"■hig^lullt. Die eratL-rcii scheiitf-ii mir sehr iiDwuhrsclieiDlith : judcnfalb 
''^Brrt Slöller (S. Ibi) uiil Recht, dais au cioc t}L>wuB>(o Atialugie uiit 
""bioimedan lachen VoistcIlungi'Q iiithi ftodjrtit werden kann, N.ichwriacn 
''^i nch au(.-h der liiiiidus» des l'ristiilliiLuiiiLutiit uichi. freilich bemerkt 
"Hin den TraktaRn IViscilÜHiiM It-iclit, drtün ihn dkMilbe Prublcui ht- 
*<^rii(te wie Uigeiiiiii; alivr diu unendlich »rt wifderhulio liatoniiDb' des 
^ritiiti Ueus zeigt, dasa er c» andarg loBle »h dieaer. 





lactien Redexioii eines schlecht; 
Art votleiids, wie er seine Behauptung belegte, zeigte, dass man 
in Spanien verlernt halle, die Bibel melhoiiisch zu gebrauchen. 

Schwerlich würde Migetins liefen Ei^indruck gemacht haben, 
wenn er nur seine TrinitÄtslehre rerkttndet hatte. Ein zweiter 
Zug, der ihn charakterisirt, ist sein scIirofTer sittlicher Higoritmas; 
er verwarf den Verkehr mit den Muhamtnedanern: die Speise der 
UügläuUigen bedeckt die Seelen der Gläubigen, hOrte man ihn 
behaupten'). Er wei^'erte sich, mit utTenbaren Sündern au einem 
Tiscli zu essen ^); er war also Überzeugt, dass die Duldung ud« 
würdiger (ilieder in der christlicliea Gemeinsclian unzulässig ist 
Hesonders forderte er Heiligkeit von den Priestern. Warum, 
fragte er, nennen sie sich Silnder, wenn sie in Wahrheit heilig 
sind? Oder, wenn sie im Ernste sieh als Sünder bekennen, wie 
massen sie sicili an, den kirchlichen Dienst r,u verrichten, wflhrend 
doch Gott saj^t: Ihr sollt heilig «ein, denn ich bin heilig"). Mit 
solchen Sätzen wird er seineit Anhang; an sich gefesselt haben. 
Er WUS8I6 ihn fth- sein kirchliches Ideal 7U begeistern, indem er 
behauptete, ea kCinne verwirklicht %verden, ja es sei verwirk- 
licht- Kr sprach vun Rom, das er wohl nie betreten hatte: in 
leuchtenden Farben schilderte er die Hauptstadt der chrisilichen 
Welt: dort finde man die Kirche, in der Christus Wohnung ge- 
macht habe, deren Glieder alle heilig seien, ohne Flecken und 
Ilunzel. lioui sei die auf den Felsen Peiri gebaute Kirche, in 
die uiclits Helieckles, keiner, der Greuel und litigen wirkt, ein- 
geht: ja Rom sei das neue Jerusalem, das Johannes vom Himmel 
lierabkommen sah*). Wie UülLen solche Worte ohne Wirkung 
auf das leicht la begeisternde Volk bleiben sollen? Bs be- 
wunderte MJgetius als einen Heiligen^)^ was er sagte, galt vielen 
als unanfechtbare Wahrheit'). 

Und an ihn scldoss sich nun ein Fremder an, durch den 
sein Kinfliiss mtlchtig verstärkt werden mussle. Wir ImrOhren 
damit eine Thatsaclic, welche vereinzelt dasteht, die aber ein 



1} Elip. ep. 1, II S. 86& f- 

3> L. e. S. 866. 

S) L. 0. 10 S. H6-I. 

4) L. c. li f. S. 866 f. 

b) L. c. 'i S. f^b^i Kuinure pvrcutreiile vulgl Iiisipieuiis, itoanutKi 
t« TMit esne credcbamuii. 

Q) L. c. f) ^. 863: l'lebs ilLn t!e iii.ibb-i perilitiuai» «fFecta qoae t 
crroribua eotiscutiäns noscitur dmq d«ocpui. 



— 253 — 



iiKrffftrtetes Licht auf die Vorgänge wirf). In derselben Zeit, 
it wekher Hig<^(iu8 Aufsehen zu machen begann , weihte Krz- 
tÜKhof Wilchar von Sens unter Znstinimung Uadnans 1. einen 
Prieiler Namens E^ila zum lüschofe tinü sandle ihn zur Predigt 
uich Spanien. £r sollte nicht irgend eines der spanischen Itis- 
ÜiQmer verwalten, sundern in S[ianieii arhelten alinlich wie die 
Incheu WandorbischÜfe im fränkischen Reiche; sein Auftrag 
wir nur, ^deu Uewinn Her Seelen Golt zu opfern"^). Da die 
iptnische Kirche eine solche llnterstfttzung weder bet^ehrle noch 
iKdurltei 60 würc diu Sendung Kgilas unvei-stündlich, wenn unui 
Dickt wUäSte, da&s Karl ihr nicht rerne stand : er hat de.n Verkehr 
wseh^n Egila und dem Papste ^ermittelt*). Ohne Zweite! 
tuuiiJelte Witchar in seinem t^nfiragc; die Absicht des Könige 
irtklar: wie die schollische und englische Kirche in freier Weise 
fjfb an die frünkische Kirche anscliloss, su sollte das euch 
liwichllich der spanischen geschehen. Egitas Sendung sollte 
•len fränkischen KiaßuBS auf die Nachbarkirche den Weg bahnen. 
Idglicti, dass auch poÜliBche Molive mit ins Spiel kamen, 

Cgila, der, von einem Priester Namens Johannes begleitet, 
»ttb Spanien zog, iiahni dort manches wahr, was er misbilli^'le: 
min f«ierte Ostern nicht regelmässig mit Rom; man erklärte 
u (iir unrerstäudig, sich vom Genüsse des Uluts und des Er- 
itickteu xu enthalten; weit verbreitet war die unbekümmerte 
^reiiieit des Verkehrs mit Juden und Arabern; an gemischten 
^u nahm niemand Anstoss. Auch die sittliche Haltung des 
IHerus fanden die frünkischen Geistlichen wenig befriedigend; 
"odlicli traten ihnen Lehrverschierjcnhoiten entgegen, welche 
'hnra in der Heimaih völlig fremd waren: die einen lehrten 
*c'iro£r prädcsünatiantsch, andere vertraten ebenso entschieden 
^w Gedanken der Willensfreiheit*). 

Nicht gegen dies alles, aber gegen einzelnes war aucli 
^'gttius aufgetreten. Der gemeinsame Gegensatz führte ihn 



OCod. Cxrol 78 S. nb und 99 S. '291 f. Nach beiden Stellen igt 
udier, dsB9 die Sache niolit von Hxdrian, sundern von Wilcliar ausging. 

f) L. c. 79 8. 243 f. 

3) L 0. 18 8. 236 ff. Man nimmt zleulfoh nll^mcin an, Mlgetius 
""'■ ■U« mtittfutlsclie Derecboung der Osterfeler veilretuD; so bcsoudcra 
^^'e, e.G. Ul S. 631 f. Uai ist jetloeh im liöehstL-n Grado unwahr- 
*'^iich- der Mahd, der iu Itoui das Kelch Uollea vetwirkliuht Mki. liHt 
*"■> lidif r in dicftfni funkte nidiC in Oe^tnaaiz lur rötninclie» lTebun{{ 
K**l*l't Dum Klipaudua ao der in Hpanien hcimischeD Berechouay fest- 
^ hat niehu gegen sieb. 




^ ^ - 



J 



(inJ deuäeudling des tVtinkischen Künigs zusammen; die gleiefai 
Ile};eisleruug für lloiii uiiiuie die Verbinitiiii^ festigen*). Du 
spaiiittclio Sciiwfirmer und der fränkische Risclmr wurden zt 
Buiidcägeiiossen. l>as vereinigte Wirken beider Miiniicr crrcftl« 
nun Tolleiids die spanische Kirche, üni so mehr .snciite dci 
6[iani8clie Kpisküpal ihm müghchst rasch ein Ende zn bereiten. 

Gegen Migelius erklilrre sieh der Krzbischor Rlipandus ros 
Toledo in einem Lehrbriefe. Ea wnr nicht ungeschickt, dasa ei 
die dogmatiBche DilTereni in den Vordergrund rückte; hier wufd< 
e$ ihm leicht, seinen Gegner zu schlagen. Ucber seine Stellnn^ 
zu Kom erkljlrte er sich erst am Sclilusse des Üriers: er stellt« 
Roui die allgtinieine flberden ganzen Erdkreis »erbreitele Kirch« 
gegenüber; ohne das Komische anzugreifen, wollte er di>ch uicbl 
Kugeben, dass die rontische Gemeinde wesentlich höher stehe 
als irgend eine andere Kirche^). War das nicht ein Rest dei 
altkircldichen Selbstständigkeit der KirchenprovinzenV 

Eine Synode in Sevilla erklärte sich in demselben Sinne 
wie Elipandus gegen Migelius. Der Grzbischnf konnte sieh 
rtlhmen, die MigetianJsche Häresie unterdrückt zu haben'). 

Des rränkisclien \\'anderbischofs aber entledigten sich dt 
Spanier, indem sie üin als AalULnger de.<! Ketters Mtgetins 
Hadrlan donnnzirtcn*). Es war klar;, dass sie fremde EindUMi 



I dk 
s bei 



1} Cod. Carol. 99 S. '29i. Bniidiasi'u (n. n. 0. S. 2C) IXast EgiU mu 
Zwecke der Predigt gegen Migetlus nacli Spaoien gciandt wertlen. Icl 
weis« keine StHlc, wodurch sich dieav Annahm« bficgrn licMC, noeh wider 
spridit Ihr, (laas Eüila in eeJnem Herichie naob Uom Über Migetioa Mhwieg: 
er hätte dkou doch vornetmilicli vod ihm reden milucn. Uetttriiafert tsl 
nur die ibutsache der Verbiadung; sie ncheint Dir dureli die fin Tmu 
gegebene Kombination cinficlier erklärt. 

2) Ep. I a. »:>9 ff. 

3] Kp. sd Fidel. [Mlgne 96 S. 918). 

A) Cod. Carol. 99 S. V93 f. Bcavlitet tnaa die voralctiiigen Weadnocen 
ut eil» f;im.i iti »nrihiia iiootrin Koriiiitj iit fcrtiir; qnod st itH cat. h» knni 
auiti kaum zweirein, diias ÜRcIrtan di>r Df'niinii.'iiion nicht gUiibcet er geh 
deehnlb .iiich eiligal xii den wirklichen spanitcben Elirmikern ElJpxndui 
und Ascaricua tlbi>r. Zu beacbd-n ist auch, üass Hadrian Egila nicht fallet 
Meis; denn cp. '8 und 7!) sind von ,Hf![t anriL'hti^; d»ttrC: sie sind nicbt 
vor, sondern nach cp. 99 gotchrk'bon. I>a8 ergibt sii^b dAini». da« 
Itxdrian ep. 78 f. H. ?34 f. die Anklago gegen Kgjla und dessen V'cr 
iheidignng voraussef zt : dte letztere hat ilin befriedigt: AudientesortbodoKim 
restrse dileclioois constAutJAin ; er hat nur xühhig, vor der Ansieckutig dut^t 
die Irrlolirer xu naroen (S. 2,^5 und 241) nnd aufztifurdera: Habeto pio ulbllt 
eoTum infrunitaa inaidias (S. 214). 



555 — 



JB ihrer Kirche nicht zuzulasacn entschlossen waren: so wilEig 
wie liin Briten uder die Mönche orientaliscjicr Klöster fügten 
lie ijch nicht in die Rolle frfinkiscIieT Schützlinge. Das hinderte 
sclioa die PersOnlicIikcit ihres kirchlichen Kulirers, 

E[i|>anduB war einGrcisM; aber die Jahre liaücn das Feuer 
seiner leidenschaftlichen Natur niclit^edümpfl; jede abweichende 
UeuiQug erzürnte ihn; wer anders daclitc als er, ffolt ihm als 
pereOntifther Feind. In seinen Adern iloss germanisches Btut^; 
«l«r wie stolz wat- dieser GoUie, ein Spanier zu sein; er sonnte 
licii in dem Ruhme der hcrühniten Miinncr Spaniens'); keine 
Wtifdc dankte ihm erhabener als die seine: e« ist allem Volk 
bekaoDt, schrieb er einmal, dass der Stuhl von Toledo vom 
Milen Ursprung des Glaubens an durch Heiligkeit der Lehre 
gegl&nst hat, dass niemals irgend etwas Schismatisches von hier 
■nigcgaugen ist'). Rr empfand es als eine peräönliclie Kräiikuii{{, 
wenn tnao behauptete, dass aus seinem Erzbisthum eine falsche 
I^bfC entspringen könne *J- Voll Zorn und Verachtung ver- 
ilaoimte er die Irrlehrer aller Zeiten, auch wenn er kaum mehr 
*cni ihnen wusste als den Nnnicn*). Denn gelehrt war er nicht. 
Derltleinischen Spraciio war er wenig mächtig; manchen ulleren 
Villcnpnich hat er Qbel misverslanden ; zwar schrieb er lateinisch ; 
«t>er wie der vollkommene Barbar. Briefe ins Ausland Hess er, 
""ie es scheint, von anderen, die der Sprache besser kundig 
'aren, durchsehen'), Ein selbstslJlndigea dogmalisches Urtiieil 
liUle er uichf). Aber das schadete weder seinem Ansehen uucli 



1) Er tat oiser der vonigen klrcbllotieo UIsDer, deren OebnrtJlag wir 
■iic«i: 2b. Juli 718 (Ale. op l.>3 S. fiOO). Bisehuf werde er um läO («. 
^^lor. Die Aubroltaog de« Adoptiati. Ü. 4). 
2j Vit. Beat 1 (Hlgoe % S. ä9l). 

3) Ep. 4. 9 S. 873. Chusktcristik Isidurs: lubar acclesiiie, aidus 
Ileperiae doctor, Hiapaoiae. 
4- Ep. ad Fidel. S. 9IS. 

ib) L. e. : IgDominia erit nilii, si in tradiUoDQ I'uletana hoc ni.tlum 
luditum. 

6) L. e. S. 919. Cp. epUc. Cisp. 1» (Migoe lOI S. 1330); hier Über HanI, 
^"i Chriatuui soIuqi Peuui «t nun hoioineiD faisao praedicat. 

7) £a ist oiti augonOilliger Unterschied zwiBclieii »einen ßrirfen an 
'<;l>l nod »a KsrI oderAlkuJn. Unsa er die letzereii Scbrviben Tellx mit- 
Ittriltc, flieht man mia Ale. «'p. 123, 1 S. 499; Felix wird »ich schwerlich 
'tfii^t haben, «iso Abscbrift xu nrhmeD. 

Iti Einfa. aoo. »prechen t. J. 792 S. 179 von einer Anfrage EKpanda bei 
('clil. (inid d« bumanitxtu B»lvatoria aooli» delieret. Das J»lir i»t ufTeobar 
'■bell, die Nachricht selbst snhwerltch su verwerfen. 




256 



seinem Selbstbcwiisilscin; denn die ßilduDg seiner Umgcboni 
atantl rier genug, dass man ihn f(lr gelehrt hielt*), da «r übe 
eincu ziemlich grossen Vorrath von Citateri verftlgte- filan ma 
bezweifetn, ül> er sie selbst gesammelt hatte; wahrscheinlich rei 
ilaDklti er sie den Mönchen in Corduba und anderen Freuaden* 
Sie schickten ihm nicht unrechte, sondern auch gefälschte Vätei 
Btellen in grosser Menge ^). Das bemerkte er ebenso wenige ni 
da$8 er gelegentlich einmal eine calonisclie Sentenz als Bibei 
sprach citirte*). Auch er selbst hielt sich für gelehrt: er fühlt 
sich aiigegrifTen^ wenn er meinte, jemand wolle ihn betehrer 
Ton ihm sollte man lernen'}. 

Kaum waren Mtgetius und Egila überwunden, so wurd 
Rlipaiidus in einen neuen Lehrsireit verwickelt. Diesmal nbe 
traf er als Gej^ner nicht einen vereinzelten fränkischen BIscho 
sondern die GesarnDitkirclie des Nachharreiclis"). 

In der spanischen Kirche war ea nblieh, von Christi mensct 
lieber Natur als von dem adoptirteii Menschen zu sprechet 
Diese Portnel war geheiligt durch den gottesdienstlichen Ge 
brauch: man sang in der Messe von dem Leiden des adoplirte 
Menschen, man betete, dass die Gläubigen, welche mit Chrislu 
adopl'trt seien, auch mit ihm Erben würden"). 



I 



1) Das beteugt die Ellpandns feindliche Vit. BeAiJ 1 S. SSCL 

2) Ate. «!>. 123, 1 3. 499 voii «inem frater MÜita: Quftldor mihi qui 
ternionc-s direxfrat; 123, 3 R. 500 von ilcn Mönclieu !a (*ordubtt: Mihi inutl 
scripseruDt, quno in tao <F*elix) «diuturiu debm^racu dirif^ere; ib. vun ciaei 
Verstorbenen: Aiidivi t^iinJ nliquid nobis inandaral dirljere; es war« 
wobi AustU^e AUt HieroDymus und Uidor; diese W«tk< hxtte ibo) Klipanda 
gel i eilen. 

$) W«il.iu& die [DCiHten Stellen, welcbu l!:Mp]inda9 eitirt, sind geffilacfa' 

4) Ep. »d Fid. S. 918: Proximua Ute Deo est qiii »dt taiione t«Mn 

5) Ep. 1, 2 S. 860 ta<Iell er Mij^etius, quod non interro^nntiH Kfd priti 
docentis arripiicris offidum; ep. ad. Fid. S. 918 von Buatui und Uel«riui 
Non nie interrogunt, sed docere quaerunt, qtiin »ervi tnnl iintichriati; di 
gegen wird Aacariciis gelubt, cum non ducentia imperio «cd iuterrogaDtl 
voto »criberc vulair. 

6) Uuber di-n AdupiiauiBtuas hnndfÜD eiiiKefaend Befele (CG. II 
8. 6-13 ff.), der ancli die äilEere Liter-iiur .inlllbrl; UantB (Kircbcngesoh. vo 
Spftoien It, 3 S. 361 ff.) und OrOask-r (Die Auarottung des Adoptinnistou 
im Reiche Karla d. Gr., Eialeben 1879). Neben den Dogmengescbtchte 
kuwucii aiisaerdeoi der S. 2W Anmorli. 2 angeflitirte Aufsate Mijller« un 
die betr. Abtciiniile bcf Simaon (J.It. 11 S. -i^tf., 67 tf., 1&4 ff.) In Bctracbi 
Auch Keuier atreift den Streit (Oeach. d. lelitit. Aufkl. I S. 10). 

7) Sieben Slstlen »ua der sogen, moi arabischen Ltturgio (Elip. op. 4 




_ 2n7 - 



Gae AnBchauiing, welcbe der allen Kirche Ues Abeadlauds 
eolfegerigeseUt oder fremd gewesen wäre, sollte in diesea uud 
ihnJidiea Sützeu nicht au3>;esi)roctien werdeu. Stets hatte die 
frOaunigkcil des Abendlandes Wci'th darauf gelegt, das« die 
VoiltKunmeobeit der menschlichen Natur Christi anerkannt werde. 
Dnbedeiiltlich hatten die abeudlüudisclißn Theologen von der An- 
uhneeines Menschen durch den güitlicheit Logos gesproclieii'}. 



t\i.fltt BDd Ale. tdv. Clip. II, 7 S. 264. Ilcfclea Krlünterungen 8. B5I 
Md wtdg befriedij^eDcl. Wenn er su der eislen Ülellr: <jtü p« «doptivi 
IxuÜBii puuanem dum «lo qod iodulilt eorpor), noitro deoiam peparcit 
IM Bich d«r VcrbeaaeruDg von Gao» S. 372 Anmerk. 1 lu leseo). zu der 
leduteD; (^ai adoptivi boiuini» iion horrulMi Teatimentuio aumere carnii, 
■td tu der vierten: Per adopiivi liouiioia passiocem bemerkt, adoptivca 
^0 kSane hier In der Bcdeuturg von assumtii humaTm DAtura gcnointnen 
*cnl«, ag ist das riohttg, tiifft jedoch nicht zur SAcbe. Vena d«ti Spaniern 
km M innüchM darauf an. das Beobt der ?'orruel lU beweisen. Bei der 
licbl*» Stalle ! Quos fecisti adoplionis pirticipds iubeas haereditalis tuao 
(WeoMortes, der zweiten: Iti^epice, domine, taorum tidehum multiludiiieui. 
1*ia per adopliunia gratiam filiu luo facero dignatua ob cuhaeredem, und 
in drillen Stelle: Praece«ail in adoptionc doniim, hat Hefele den Ge- 
<hBk(o der Spanier oiebt gefuudvo. ülu wusstau uattlrUcti ao gut wi« 
Alkaiit nnd llefele, <lau »icb adoptionis participea auf die Uläiibigi^n lie- 
liela, tb«r sie prewieu dati Wort .'J'beilhaber*. so dasa aiu dariu Gndi;u 
■tiDMs, daaa CtiriainB Eucrst der Üegonsucid der Artopliou war. HarauA 
■tkBft sieb die VeiwertbDDg d«r iweiten und diltten Stella. Bei der 
**cbtn Stelle; Salvator per adoptiooem camia acdem ropelitt deilalis 
**P liettfl« elwaa Zweckloaea, weil SelbatversläDdiiclies, wenn or bemerkr. 
diiti Bei an der Aurüahuc Christi in den Uimmel {gedacht. Der ErEbiscbor 
w Takdo »weitelte daran gcwiaa nicht: aber ea war ibm weribvöll, dass 
tee AnfBAhme als Adoption bezeichnet wut-de: er trat jn für das Ußcht 
<<i. dine Formel auf Cbristus anzuweadeit. Uasa uiobt alJo von Ellpaudus 
'BReilIhrteA Stellen aich in der uotarabiacbcn Uttirgie naclineisen Itisaftii, 
viKi gtgcn die KicbUgkeit der Citate dea Elipandua nicht bedenklich 
atBdua dllrfen. Rel der sccbsiea Stelle ist klar, dasa er dco uraprUog- 
■i'^Text bat: per assomtionem ist ein« verroliltfl, weil ainnloae Korrektor. 
^BBo ist in Nr. 4 pi^r a.>iaumti liominia passioDCUi eine offenbar« Ver- 
''iKtiiag: sie sollte daa anatüssliju Wort bcaeitiijen , sie Hess jeduch die 
■*melbiog, an der man irre gewordeo war, besteben. Ihaiaäcblicfa Nlimmt 
<lle Foraiel, dasa Cbrinlus einen lieoaoben angonomtuen, dasi der von 
"*' Ugsnommeae Uenaeh gelitten bac imi) verklärt ward«, niobt mit der 
""des 5. Jahrbacidert orthodoxen Voratelliinj; Ubereiu: aio atstnoit ans 
'l**r Suren, in der Wahl der Ausdrucke unbefangeneren Zeit. Auf (inind 
"♦■Ol darf man aanehaien, dasa die von Elipaadua au(;efubrten, in der 
'''"uiie liehe TorfindlicbCD Stellen tfetil^t irurdco. 
1) S. Uarnask, DogOMasaseUehc« 11 S. 342 f. 

»■«ck, Klr<li«Bflwehlchl« OmriacUasKl*. n. |7 




- 558 — 

Auch dit; Verwendung des Uegrifls Ädo[>tion war ihnen oicl 
ganz Tretiid')- Aber diese Foruielti waren ausser Gebrauch gl 
koinmen; sie waren geeignet, Anstoss ku erre^'eo. ' 

KlipnnJiis inusste seiner gunzen Art nacli blle«, was in dt 
spaniscben Kirche üblich war, fUr unantastbar hallen. Schon i 
dem Briere gegen Mlgetius äusserte er sich in einer Weise, welch 
zeigt, liass seioo Ansicht von jenen Formeln heherrsolit war' 
Und nun wurden sie angegriffen. Die Opponenten waren zw» 
Asiurier: der Priester Heatus und der M«"mch TIetorius run Libana* 

Wahrscheinlich wurden sie nicht allein durch iheologisch 
Gründe zunt Widerspruch bestimmt Man weiss, dass xwisch« 
Aslurien und Toledo eine gewisse Spannung bestand. Der Metr< 
polit wie der Herzog setzten eich dem Einlluss deä toledauiscbe 
Ercbischofs entgegen*). Wahreud dieser eben deu Träukische 



1) Hilar. de triult. II, 27: PoiealHlls tü^nitae dod aiohiiuir, dum cum 
bumilitmi adoputur. Die herkönimlii-beit AbleiiunRen dos Adoptianiami 
aus dem NoeturianiBinua oder aus dem Gc^nsatz gegen Mlgetius hahe U 
für ujefar «1» fraglich. IHe «rstere ala Vi'riniitfatiati! bei Neander, L>«^id«i 
GeBi-ti. H S. 26 IT.. als Möglicbkeit bei MOIIer R.E. I S. 168, ala Ol 
wiisheit t)oi WcToer, AIcuiu H. &4; dio leUlera b«i Q«l'«le, CO. It 
S. 657 nach Aelleren. Schwane, Dog.äesoh. S. 228, Bach. Dog.OMob. 
S. 104. Wip micli dlUikt, iet dabei zu viel Thvnlofpe in der apaniaöb« 
Kirch» im H. .Talirbundt-TUi vorausgOBCtzt : der Aduptiaiiisiniis erklärt ate 
auM AetD Fortwirken filurer religiäaor ADsctiatuing«n, deiD HÄDgui ao dt 
kirtbliclicii PurtDfl uud der uiaogclbafteu Uieulu{;iachcD bildung. Desbal 
isl er Dicht ein« Erfindung doa K«tix vod L'rgel, wie Vit Beac. 1 S. S9 
Aniiiaimt; et lat Ulitirhaupt nicht eine theülog'iacha Theurie Über dae Ve) 
hältnis der 9-wei Naturen in Christo, aondern or war da in den Homen 
al8 die Berechtigung einer Uturgiacbea Foriael anffet^riffcD wurde. Den 
nun sicirte sieb die eigensinnige ünwlsaenhcic auf dJMe Korm«l, nun zo 
■io aas Ihr die Konsequeozen , vbue »u bemerkeD. daas dabei der aloli 
Rubni der cigcoOD Ortiiodöxic In Sltlckc ging. 

2) Kp. 1, 4 S. 86'J uud 7 S. ÖÖ3. 

3) lieber Bcalus h. Gaiiia, KU. von Spanien II, '2 S. 376 f.; atln 
Angaben sind xuvurlÜBaig; sdin t'rthisil uiabu Er üodel die theulugiacb 
Ge1t'hrsAiuk«it dea Ileatus stauneniwerLh^ ich riilire zu ihrer CitaraktoriaU 
nur an, daas Beatus den Ariiie ftir einen Trilheialeu hielt (ad EJip. ep. 1, 
23 i^. 99V} und das« er das hfinslantioopulitanisr-hc Symbol ala Bekoimini 
der Hymidß von Kphusua uicirte (I. c. I, HS ü. dLöi; fteiltcb bat der g« 
lehrte ßencdiktinnr daa nicht bemerke (%-gl. a. &. U. ä. '278). Uch:rtus wa 
der jilngerfi er wurde später Blacbof von Üsma. Das« der Streit ron d« 
Asturiem begonnen wurde, zeigt de» Klipandua ep. ad Ktdel. Ü. 918 f. 

■i) net. et Beat, ep, I, 13 ä. 901: Kc episcopus metropoUtaDM i 
priocepa terrae — pari cer lamine haereticoruni achisoiala, nnas verbi gtadi 




- 259 - 



r 



Seodliog entfernt haue, ptlegte man in Asttirien dtc Bczieliungen 
um rräokUchen Ueiclie'). In 'l'oledo war man voll V'eractiluug 
gegea die Leute aus den asturisclieo Bergen^); in Asturleu aber 
stellte mau die Gemeinsctiaft mit der allgemeiuen Kirche hOUer 
kU ijt spanischen EigenttiUmhoUkeitcn'). Man glaubte nun 
wohl die Autorität des Erzbischors nicht gi-ilndticlier orschfllteirn 
lu küunea aU durch den Vorwurr der Irrlehre. 

Je stolzer Ellpandua aot seine Rechtgluubigkeit war^ um 
10 sdiwerer (ttlittc er sich durcli denselben verletzt tr wurr 
ticti 7oll Kifer in den Kampf; obue Aluiung ron den Bedenken, 
durcli welclie seine Lehre betroffen wurde, erwartet« er einen 
leicbleo nod raschen Sieg. In einem Briefe an den asLuriscbcu 
AblFidelis erklärte er: Wer nicht bekennt, dass Jesus Christus 
Kiner Menschheit nach adoptirt ist, der ist ein Utiretikei- und 
*rerile ausgerottet: Fort mit dem Uebel aus eurem Lande. Kr 
rerlaogle, dass die Asturier selbst seinen beiden Gegnern wehrten, 
asd droht«, wenn dies nicht geschehe, so werde er die Sache 
«ur einer toledanischen Synode entscheiden. Kr rühmte sieb, 
wie er die migetiaoische Uiiresic vernichtet habe, so werde er 
auch die bcatianische ausrotten. Denn besouders durch Beatus 
fud er sich gekrünkt: das sei nie crbürt, dass ein Münch aus 
Libaoa einen Toledaiier unterwiesen habe*). Wie in diesem 
liiiere, so äusserte er sieb auch mündlicli: mau wollte ihn haben 
ugM hören, der Ilcrzug und Metropolit Äsiuriens tu\)sstcii aus <lem 
Uade weichen, da sie die Lehre von der Adoption nicht duldeten^). 

Wenn Elipandus in Fidetis einen Gesinnungsgenossen gc- 
WW hatte, so täuschte er sich. Fidelis Iheilte sein Schreiben 
(Ifia beiden Angegriffenen mit*|, und diese antworteten sofort in 
^tt gemeinsam verfassten Abhandlung. 



*'t*r firga regimioii ulciacent — de terra veatra fuDditua .lufvrantur. !>«/ 
^» lit EllpsodiiB in den Mund gelegt; die Wort« pari — iilciacens mUssen 
}*^h ils p3r0Oth«iische Bemerkung^ der Verrnsatr versModuo wurdau. 

t) Ann. Lauriu. *. J. TÖft; Etnh. z. J. 797 und 790; Vit. Kar c. 16; 
P»«. Ssx. UI, 419. 

2) Vit. Beat 4 8. &d2, nach einer ahwetcbeoden Kezcnsion der op. 
«Rdel. 

3) Het. et Beat. ep. I, 47 S. 921 ; U, 6 S. 982. 

4) Epiat. ad Fidel, von Beatus and lUterius in ihre Schrift aufge- 
""ViiDKi I a. 43 f. S. 918 f.; ein Aussug, der eioo etwtu ubwvictiunde 
"•Kdiion voraossetst, Vit. Beat. 4 8. 89^. 

b) Bei. et Beat. ep. 1, li Ü. öot; s. oben S. 2&7 Aamerk. 4. 
6) U e. [, i 9. 89&- Qier erfälirt mao xu(;leicli, dass der Brief dea 

17* 




Sie ist uneadlicli breit, aber sehr wenig betehrend. Die 
Verrasser flllitlbti sicli berecluigt, von bIIgiii eii rtideOf was sie 
wussteu, aber nicht verpHiclitet, ran dem zu tiaadeUt, was zur 
Sache gehörte, Sie vertraten mit Emphase Sftlse, welche Eli- 
pandus nicht leugnele, und wRrfen ilim voll Abscheu Irrlehren 
vor, von welchen er vollständig frei war'). Doch tritt in dem 
wirren Durcheinander ihrer Streitschrift dieThatsacbe klar her- 
vor, das8 man Ober das Redit jener Formel verschieden urtheilte^ 
weil die religiöse Stimmung auf beiden Seiten rerschicdeo war. 
Für Elipandus hatte der Satz von der Adoption des Menschen- 
sohnes Werth, da er von der Anschauung ausging, dasa Christus 
wurde, was wir sind, damit wir wiirden, was er ist: Er Mensch 
und wir Menchen; er Gott und wir Götter; er Sohn and wir 
Sühne; er Christus und wir Chi-isti; er Knecht und wir Knechte; 
er Kind und wir Kinder. Dies Wort ist für seine Ansicht charak- 
teristisch'). Dagegen verwarfen Beatus und Heterius die Zu- 
sammeustellung Christi und der Glüubigen: Kein Uensch ist ihm, 
insoferu er Menscli ist, älittlicb>). Das war ihr Satz. Sie aatien 
in den Behauptungen des Elipandus einen AngrilT aur die Gott- 
heit Christi'J: an ihr hatten sie das Unterpraud der einstigen 
Verklärung der Kirche'); sie hielten um so mehr an ihr fest, als 
der Widerspruch der Mulmmmedaner und Juden sich gerade auf 
die Anbetung Christi richtete"). 

So siegessicber Ueterius und Beatus sprachen, so bauten 
sie doch nicht aur den Eindruck ihrer Schrift allein. Sie suchten 
auswürüge Bundesgenossen. Vr^r allem wandten sie steh an 
Papst Hadri&D. Er nahm die Anklage gegen Elipandus an nnd 



Elipandus ini Oktober 785 gctcbricben itt „cl&in aub aigillo'. Am 26. Na- 
vember losea ibn die beiden, uad noch im ^leicticu J&lire, d. h. vor dem 
HJüz 786, dem .JabreanntAnK io Spsoie», wurd«D aie mit ihrer Btreit- 
Bcbrifi fertig. 

1 ) NcBtorin.li Ismus haben aic Ellpandna nicht vorgeworfen, obgleich aie 
Nestorius eiaiuKl «rwÄbaeQ (II, 91 S. \0'ib). 

2) L. c. 1, &9 S. i»3d; vgl. 113 S. 963i Christus adopUvua et ooi 
adoptivi. 

3) L. c. 1, &7 8. 928; vgl. 112 3. 963; 118 3. 968. 

4) L. 0. I, 119 8. S&g; II, 6 3. 981. 

5) L, 0. II, 40 8, 10L>I: Domititui ac redtrniptor nost«r cum Mncla 
eccleai.^ (|iiain radeioit aecnndinn cariiein, una siibsunitii est. Illiua capitis 
corpu» coclcsia est ot liaiiis corporis cnput eatClirlatus. De qiio suo capite 
cxnltut corpus i. o. anncta «colesia. 

6) L. c. 1, S3 3. 944; II, 42 3. 1003. 




r 



- 261 - 

fndinunle seiae Lclii'e als Nestorianisoius'). Damit war das 
Schlagwort aus(;egebeo, das toq uuq an ^e\sea die Spaiiict: 
remaadt wurde. Sodann aher rief Deatus auch die riiiiikisclieu 
Biiebüre zum Streite widor die neue Häresie aur'i. l>en Auiass 
duu bot der Umstand, dass der bedeutendste üesiunungegenosse 
liu B;ii|iai)dus, Iii8cliuf Kelix vun Urgel, seinen Sitz auf frunki- 
scliem Gebiete halte. 

Felix') stand allgeuiein iu holietn Ansehen. Er war ein 
Apologet des Ctirisletitluima gegen den Islam*); an seiner Per- 
■Onlidikeit baflele kein Makel. Franken und Spanier schützten 
ihn gleich hoch. AJkuin richtete, bald nachdem er sich im 
rrloiciadien Reiche niedergelassen hatte, eine Zuschrift an ihn, 
Dm ihn um seine Fürbitte zu ersuchen : er sei ihm zwar unbe- 
kannt von PersoHj aber bekannt durch den Ruf seiner Frümmig. 
kek^f. Auch der stolze Flipandus freute sich an den Briefen 
ttfeines Herrn Felix'^. als „wären sie ihm vom Himmel zuge- 
Wien"*}. Das ist begreiflich; denn Felix war an geistig« 



1) Cod. Caral. 9^ 8. 294. Den irrfaebcr du la^ubre enpitnlun), das 
fiidriao aas äpanieo ptidelt. nt-out vt nicht; Oas NÜcIibI liegen de ist, au 
BeUtins and Beatus m denken, tamal da auch Badrian den Verdacht 
^tEI, di« Aosiotit der l^punier sei gegeo deo Glauben an die wahre Gott- 
toCbriMi geriohtel. Daas die DcDuntlation gegen KUiiandua von anilerui- 
itdiF amgiDg als die geg^n MiRetius, ist nach der Art, wi« er apricht, 
"itht id bpzwnireln. Von 9. 299 an bezieht »Ich Hadrinn auf Mitllieilnngen 
J^luj »gl ep. 76 S. 236 ff. 

2) Elip. cp. 3, ^ 8. 868. Wenn Hctcriiia und Bealiia op. I, 13 S. 001 
Unf»: Jftm minor eat, Jam fania e*t, et nou inlum per Aaturiam, sed 
P» totam Hiapaotatn et UBt)ue ad Franciam divulgatum est, qtiod dus« 
■luiMtionea in ABturienai ecclesti orta« «iint, «n aiimml das damit til)ereio. 

3) Felix war wnhrHcliemliub ein vVIttrigcnoaso dea ElipaDdns; Faulio 
^(RlcliHt ihn als tireis [crr. Felic. I, 15 S. 36f>}; ea ist deshalb unbc- 
P^ndet. weon Utiller iK.E. I 8. 153) Ellpaodua für viel HJter erklKrt. 
^no difl Biographie des EI«atcis I S. 691 ihn ala LchrL'r des Clipandoa 
"WichiHt, so in die«e Naolirielit, wie man sieht, nicht ganz TinniögÜcb, 
*>lifieirtiolich jedoch hfniht sie iiiit »nf einpni iing^schicku-n SchluM aus 
<'*rS.3^ AniDcrk. ^ orwühuU-o Nutix der auD. ICioli. Nach der Ictalsren war 
'di< ein Bpanier. HabtIloD war sehr indigniit, das» die Vit Beat, diesen 
vuw 10 eioeio Gallier macble. 

4) Kr vorfasit« oioe disputatio cum Snraceno; s. Ale. ep. 112 S. 458. 
!>} Kp. 2 S. Mb; vgl. cp. 115 S. 171. Ich bütvr^il^i: , ob Jaffa mit 

™**t ep, 2 in das Jahr 7?5 verlcg-t. Üio von ihm auf Karl boioijone 
^elle besieht sich, wie mich dünkt, vielmehr auf Cbristns. Ueber Felix 
*<>• Agob. odT. Fe). 2 S. 3 ed. Ualiiz. 
6) Ale. epL 123. 2 ä. i'ii. 




- 26> - 



Bedeutung den besten unter seinen gelehrten Zeitgenossen eben- 
bürtig. Er war dialektisch wohlgeschnlt ; Alkutn spielte nicht 
gcrfldc eine gUVniende Rolle, wenn er rersochtc^ ihn mit logischen 
Gründen aus dem Felde zu schlagen'). Seine theologische Be- 
lesenhett war umfassender als die des Elipaadus. Vor allem 
aber war der persönlich wenig matbige Gelehrte kdhn auf dem 
Gebiete der Ciedanken. Er erschrak nicht vor Sätzen, welche 
seinen Gegnern gerährlicb, ja Trivol erschienen, wenn sie nur 
irgend eine Wahrheit scharf ansspraeheri. Den Gedanken, dass 
alle Geschöpfe Gott unterworfen sind, spitzte er dahin zu, dass 
der Salan kraft der Schöpfung ein Diener Gottes sei. Alhuin 
war entrilslct uher eine solche Blasphemie'). Vor unzutreffen- 
den Formeln hatte er keine Achtung: sein Grnndsatr. war, man 
mllsse das glanbeo und sagen, was wirklich ist']. Dabei lebte 
er noch unmittelbar in dem Kreis der altkirchlichen Anschauangea 
und Vorstclhmgen : in gewissem Sinne ißt er der letzte altkirch- 
liche Theologe. 

Wenn man seine Lehre verstehen will, so darr man nicht 
von den adnptianischen Formeln ausgehen: sie waren f(lr ihn 
nur Folgesiltze. Der Mittelpunkt seiner Ueberzeugungeu lag in 
dem Gedanken: Christus ist der Kriöser, well er der zweite 
Adain iat*). Ibtn verdanken die Gläubigen die ?feugeburt, wie 
sie durch die erste Geburt von Adam abstammen. Als der neue 
Mensch aber musste der Erltiser durch alles Menschliche hin- 
durchgehen. Demgemäss lehrte Felix, er sei von Ewigkeit her 



4) V^l. adr. Felie. 11. 12 S. ir.5. 

2) Adv. Felic. VI, i S. 203; vgl. VI, 7 S. 'iOS- 

3) L. c. in, 13 S. 169: Christiu hod vult de ie crederc vel praedicarv, 
quam id qtiod eil. 

-I] L. u. 11, 16 S. 1&7: HIcat iü prlua generaüooe, ex qun Becuodum 
earncm nasciinur, ontlita haroo eaae putcat, qui tlitmde originom trilhit nisi 
de prlino llio Adam, qui ex terra vlrglae crenlus est; lUi in bic »ecuDda 
generatione spirirali. in qua renascttDur ex aqua et spiritu aancto, Beoo 
graüam nduptionts üonseqnl valet praeter lllum, qui eani jo Chriato ex 
oame virf^inis creato et nato, qui eat üecundiis Adam, acorpit. Has gi'oiiDaa 
gflnerationen, prlinam videlicet, qnaii secunünm eBmem eat, aeonadam vero, 
qiiac iier rtdupliODi-cn fit. ideiii rcilemptur noster «ecunduoi liamiiwitD com- 
plexus in eciußCips» cunttnet. Dass der verderble Text Id dieser Weiss 
wifdorhentiistAllcD i»t, iintcrli«gl kvinei» Zweifel. Die :Stelle zeigt xugleich, 
dass üavli irrt, wenn er <D.G. I .S. 110 Üf,) süiue DafSK^IlUDg der adop- 
tiani.i(;lien t.fhrtt in deD fi-AU »»»\xu(ea läast: Dem Adoptian Ismus ist der 
ftIcnHL'b Christus ein g^nohnliciicr Munsch wie judva andere lodividuuei 
des Qesctjlci'hts ued keineswegs ein xweitei Adam (S. 113). 




- 263 - 

cTirdlilt'), bIr Knecht geboreu'), in der Taufe adopUrt, dadurch 
aus dem Tode erweckt, ja rergotlet'); aber die Vei^oUung 
tiahe Dicht bewirkt, dass er auHiurte Mensch %u setii^ alles 
UcDtchtiche sei ihm geblieben, deshalb habe er für sich gebetet, 
Uhe er vor deai Tode getagt, im Tode sich selbst an Gott 
dahiogegebeo. ja bleibe er in Ewigkeit OotC utilerworreo*). Es 
iit kür, dass die adoptianische Behauptung nur ein Glied in 
liiuer Kette ist. Sie hatte nicht eutfcrut den Zweck, die Gott- 
licit Christi zu leugnen : hier war Felix so utibexweifelt orthodox 
«b irgend eiu auderer Zeitgenosse. Auch die Eiuheit der Person 
dei Erl<>aer8 wollte er so wenig auflösen als seine Gegner'): 
Hiue Satze waren religiOs uiotlvirt: Ctirlslas nmsstu durch alles 
Meoscbliche hindurchgehen, weit alles, was er tliat und was 
ibm widerfuhr, unmittelbar auf die Christen übertragen wird: 
Kioe Erwäfalang, Adoption, VergotUing ist die ihre*). 



I 



I 
I 



1) L. c. II. 13 S. 15«. 

5) I>. c. IV, H S. 182 unter B^rafan^ »of Jea. 49, 5; c. 10 Ü. 18^; 
<> 13 8. 186. Vgl. III, I tt. 164; VI. 1-4 Ü. I9d ff.; Paul. c. Fe). I, 9 
&I81. 

3) Ale ndv. FcUc. U, 16 S. t&7 f.; IV. 2 S. 173; Ale. cp. 11& H. 470; 
I^L e. Pel. [, 44 S. 398. I)«r Saie von Bach (D.G. I S. 10£>J, dass die 
^Pioitr dl« MeDgcheon.iliir oft unter «lle Kalegorf« der SUndbaftigkeit 
IdtUt hStten, fet wif^Inr irrii;. Cine solche Annihmc haben Eitpandu« 
<Xl Felix atiwtrDckllch auiKtKliloaseit : der EfBtsre uennt «p. 'i, 2 S. 868 
t^^riilu pefffe«tutD hominem praeter delicti contRgtniD; der Lernen »igt 
(Ale. adv. Ketic. V, 10 S. 19B): Ipso qui esseotuliler cum patre el Bplrita 
■• ula« Mt höDUs, out f^ ut) üeiifl, ipsc in hnmlncEii licet all honus noa 
Iumq naturalller a aemetipao fu bonu«. Aach Alkniu bat divaca Vorwurf 
'Miniebt gemacbl, cp. 115 S. 470: Dielt, quod alt per oraDia acqualls 
*^, nbi taotummodo quod lioe peccato tiatas eat. 

4) Ale. adv.Felic. VII, 1^S.228; Panl. c. Fei. Ili, 4 S.43fii c tft S. 44fi. 
k) Vgl- z. B. Ale. adv. Felle. V, l ff. S. 189 ff.; lU. 16 S. 171; Paul. 

■•Pd. I, 9 3. 36(1. Wenn MiJller (R. f. I 8. ihb) als Ansicht der Adop- 
l'^Ur loa^Icht, die Verbindung der Gottbclt mit meoeebliober Natur 
4Srfe die QaalilXt uienachlich peraönlicben Lebens nlcbt Temichten, so 
*b*1e icb liiuflir ketoo Belegatelle. Felix hat, soviel ich aebe, es nicht als 
'^«lerlgkeit empfunden, daas aeine Ansicht cur Annabme eloer Doppel- 
Puitoliebkoit oeigl. £r bat dtin Ui-j^riff reiBtinUirbkeit schwerlich au BcharT 
K*^Mt, als wir xu ibun pflegen. Uaa iat erkUrlicb, da sein religiöses 
luereaae auf einen anderun Punkt gerichtet war. 

ßj Ale. adv. Felix. I[, 1t S. 151; e. 14 S. 1!)6; e. 16 S. l&7i IV, 2 
*• 173; V, 7 8. 194. Agob. adv. diig«. Felle. 37 S. 47: Qua« capili» »unt 
'■ *■ Cbriaü lefernniur ad corpus L c. ecciesiain et c» qua« corporis aunt, 
»dteribuittar caplti. 




lös waren altWrchliche Ideen, welche för I^'elix noch reli- 
giösen Gelialt hatten, während sie seinen rrünkischen Gegnern iim 
Schulsfilzen geworden waren. 

Rentus hatte die frönkischen Bischöfe auf Felix' Irrlchr© 
Boftnerksam gemacht, aber im rrttnkischen Reiche konnten die 
Biscfaüfe kirciiliclie Fragen nicht erledigen ohne den König. 
Karl hielt die Angelegenheit für wichtig genug, um sie in aller 
Form durch eine Synode enlsclieiden zu lassen. Er rersammelle 
im Jahre 792 die bei der Reichs Versammlung in Regensburg 
anwesenden Bischtife zu einem Konzil, vor welches Felix gestellt 
wurde'}. Dieser hatte nicht den Mut h eines Bekenners: er Hess 
lieh bewegen, einem von der Synode aufgestellten Bekenntnis, 
das den Adoptianismus verdammte, beizustimmen, und gelobte, 
unwandelbar bei demselben zu beharren'). Nachdem die frän- 
kische Kirche gesprochen hatte, sollte der römische Bischof ihrem 
tirtheil beitreten: Karl sandte Felix in der Begleitung Angilt>erta 
noch Rom: dort wiederliollo er vor Hadrian den in Regensburjg- 
geleisteten Eid in der feierlichen Wcise^ die man in Rom lieble'). 

So war der Adoptianismus verworfen. War das die Ant- 
wort Karls auf die Abweisung seines Sendüngs F^gila? 

Die Regenshurger Entscheidung beruhigte den Streit nicht. 
Felix kehrte nach Urgel zurück*): man traute ihm nichli deoo 
er blieb seines Amtes entsetzt^), und er rechtfertigte das Mis- 
trauen; denn nach kurzer Zeit floh er auf sarazenisches GeUiet- 
Voi) hier aus suchte er in einen) Briefe seinen Schritt zu recfat- 
ferligen"). 

Atsbald liess sich auch Alkuin tiber die Lehrfrage hürcn. 
Kurz nach seiner Klickltehr aus England richtete er ein langes 



1) A!c. tdf. Ellp. I, 16 H. 31)1 f.[ Aon. UnriM,, Eitih, «. J. 79->. 

2) l'Jinl. f. Fei. 1, Äj Leo Hl. auf üer rfimisdiPii Syoodu von 738. 
MaD9. XIII, \QM. 

3) Di? Sendung An^illierts »wShnon Ann. Fuld. z. d. J. S. 35D. 

4) Einb. aiin. x. J. 792: Quo fa«to (iiacb LAintoDg dca Widcfrafn) ad 
civttitem BiiKni rt-vcrsiis «st. Durch dinse Notiz wird die Annabmu Grftotlert 
widerlegt, Fi'lix avi vcvci Rum iti dff.n }>nr.aECnen gefltihcn (S. 11). 

5) Klip. ep. 3, 3 .'^. 968 f.: Foscimus. iit fanmUiin tiiiim Felicetu In 
proprio lionore rMiaurea et paaloreoi Rregi » lupis rapxcibiis dispersa 

füfOTtnCB. 

6) Cooc. Rom. a. 798 (Man». XIII, 1031). D«r Brief de» Felix ht 
«rwifttnt bei Ale. ndv, Fclic. ir, II S. 154. Da der Brief ilurch Älknias 
^?ch^ift xdv. h^ter. Pvlic. be^tnl vru riet wurde, 80 wird er ent hxlIi der 
Flucht geecbriebca aetn. 



L 




- Ö65 - 



I 



S&bretben an Felix. Jede Zeile xeigt den gebildeten Mann, den 
liebenswürdigen Geist, den gelehrten Kenner der allkircldiclieo 
Literatur: er schrieb nicbt, um zu streuen, sondern um freund- 
Kcb und gründlich zu belehren; mit peinlicher Sorgfalt vermied 
(f jede« verletzende Wort'). Als er nun den neuen Abfall des 
l'fjell itaners vernahm, veröffentlichte er eine grössere Schrift 
gegen ihn, sein Buch gegen die Hliresie des Felix'). So trat 
4le neue gelehrte Theologie in den Kttmpf gegen die Ictxlen 
Aniliiii^ der alten, schoprerisohcn ein. 

An Wissen zeigte sich Allcuin seinem Gegner nberlegen: 
die von ihm ausgewählten Stellen aus älteren Schriftstellern he- 
wieien, was sie beweisen sollten, dass die adoptianischen Ü^lr^c 
mit dem kirchliclien Üogma sich nicht vertrugen. Denn dies 
ilanulegen, war das Bestreben Alkuins; er verwarf die tie- 
hsaptaug der Adoption als eine Neuerung , als eine Lehre, 
«eiche weder im Alten noch im Neuen Testamente eich liode*) 
und welche der ganzen Kirche fremd sei. Aber indem er in der 
Khweren WafTenruBtnug seiner Cielehrsanikeit auf den Plan trat, 
*eriiebtete er zugleich auf die Aufgabe der Wisseuscbatl: Wie 
kennen, so schriet) er an Felix, wir geringen Menschen am 
Ende der Welt, wahrend die Liebe vieler erkaltet, Besseres cr- 
Oeokea, als üass wir mit ganzer Seele der apostolischen und 

t) Ep. 30 9. 211 ff. Fflr die Dntirung ist adv. Elip. I. 16 S. 251 «iib- 
■■Aittigebead ; dio .Stelle verwehrt, weit Über das Jahr 793 faerobiugchen; 
O ttbehit mir deahslb unrnflglich, den Rripf mit Or4sBl?r llb«r die Krank- 
hrtti Sf nod« berstniirUck«». 

3) Opp. 11 8. ST ff. Müller (P. R.E. II S. Ib4) liüBt die i^obrift erst 
>■ FrSbJkbr 799 verfaaiC sein, indem er Aetisjerungim in t-p. 1)1 und 112 
■■ifiie bnitbL Das Lvutere ist jodocb nicht gut mJigUch. Alkuin tlber- 
*Udte difi fragliche Scbrifl zur Ittviaion au Karl, und dieser lieatt wiiküch 
^"dcnmgOD voroehmeD (,S. 454 uoü 4bT). Da« passl nicht auf die Schrift 
'^'t. bi«r. Fellr., da aie so gut wie gani aus Citai^n aus den Kiivhen- 
ihtm besteht. Auch aeizen die tVorte .aopltis scbisoiaiatn errurlbna* 
(*P- Ml S. 4W) den Widi-rruf des Feb» votaui. Sind die Briefe nach der 
Auheocr .*»yiioilQ gcBchriebeD, so iei die Schrift, Din die ea sieh handelt, 
*"" gleiche wie die ep. U2 B. bib erwährire. Mao iiiiiss deshalb bei 
*P'ltlf. an di« Schrift adv. Felie. dciiken; dann ist aber adv. ha«r. Yvlic. 
^- Anch die Bewoiaftlhrung Orrtwler» S. 43 f. bat mich nicht liberaengt, 
^4ie Hcbrifi In das Jahr 79fl gthQrt. Aus ep. Üb ISast sich darliber 
'wl^la mtaohmen , wie lange rorlicr die Kchrift geschrieben i*i; rp. 147 
"W vitd sich anf adv. Fette. brxIehcD; denn diese Helirlft Ist gegen daa 
•wfcdea Kellx gerielitct (I, 1 tf. 128J. 

3) Ep. 30 S. 213. 




evangelischen Lehre folgen, ohne neue Bezeichnungen zu bilden 
oder etwas Ungewohntes roraubringen, ohne durch eine neue 
Weisheit eitlen Ruhm für unseren Namen zu suchen'). Auch 
fUr die religiöse Grundlage der edoptianiscbeo Lehre hatte er 
kein Auge. Der Oedankenzasamnienhang, aus dem heraus sie 
gedaclit war, blieb ilitn fremd. Für seine Frümmigkett genügte 
der Appell an die güttliche Allmacht: Gott vermag iui Himmel 
aus seinem Wesen ewig eiuen Sohn zu halen, der ihm in allen 
Stücken gleich ist, uud nicht minder auf Erden aus der Juug- 
frau einen eigenen Sohn, obwohl derselbe iu der Knechtsgestalt 
kleiner ist als er'), 

Die Spanier waren nicht gcsounen, sich dem fränkiscben 
Urtheil zu fitgon']. Als Erwiderung des Regensburger Be* 
BChlusses richtete der spanische KpUkopat an den rränkischen 
ein Schreiben. Es wahrte die Korm des briiderliehen Verkehrs: 
aber in der Sache gaben die Spanier nichts nach: sie bestanden 
auf dem Rechte der in ihrer heimischen Kirche üblichen Fürmel, 
da dieselbe von allen Kirchenlehrern von Hilarius bis Isidur 
und Ildefons gebraucht werde. Sie au verwerfen, sei UD?er< 
ständig, da man kein Bedenken Irage. Christum einen Koecbt 
KU nennen, uod sei gottlos, da man damit die wahre Menschheit 
Jesu leugne*). 

Zugleich wandten sie sich an den König*): sie appellirten 
für Kelix von dem Urtheil der Bischöfe an sein Gericht, JUit 
pathetischen VVorleu erkannten sie dabei die Stellung Karls in 
der christlichen Welt au; aber von jenem bereitwilligen Gehor- 
sam, den man ihm überall entgegenbrachte, ist in ihrem tSchreibeo 
nichts zu ßnden : sie trugen kein Bedenken, den Kdnig zu warnen, 
er möge nicht wie einst Konstantin vom echten Glauben zur 
Hilresie abfallen, sie sprachen den Argwohn aus, <lass dies schon 
geschehen sei; sie forderten, dasa sich Karl auch von einem 
Geringeren unterweisen lasse, wie Petrus vou Paulus. 



I 



I 



1) L. c. S. 2t2 f. 

2) Adv. haer. Kelic. 36 S. 101 f.; vgl. 46 S. 101. 

3) Ls scheiut aivher, class di« x<loptian(scbe Ansicht tD S|>snien dfo 
vurhcrrachcDdc war, obgleich dEiseloo ticgncr derselben bekannt sJiid (AIvsr. 
ep. 4, 27 f. (Migne l'ii S. 443]]. Von propii^Andistiscber l*biiügkeit der 
Adoptiancr erzühll Juoaa äe ciik, imag. I (Migne 106 -S. 307 ff.)* 

'1] Miffue l(J1 S nill IT.; bvsuDdera i» BvtrAclit konicueo c, 3-^ mit 
den zum grusaen Theil unechten Citaieo; «, li, 1&, 18. 
'j) Elip. «p. 3 9. ä67 (T. 



— 967 - 



Du Schreiben ist äosserst ungescliickt; Elipandus, der es 
MM Zweirel rerfassl liat*), Tand, weder wenn er eotgegen- 
kooineDd, ooch wenn er imponirend sein wollte, die rechten 
Worie; aber eines tnusste sein Sclireihen klar beweisen; dass 
er und seine Gosinnutipagenossen in dem fräiikiBchcn König 
nirfit den Leiter der Kirche erkannten. 

Um so mehr Ursache hatte Karl, die Sache nicht auf sich 
bercheD zu lassen. Kr legtb sie der Frankfurter Synode roni 
Jthre 794 vor. Sie sollte eine Repräsentation der Gesammt- 
kinbe sein; deshalb versammelten sich nicht nur auf Ueheiss 
deiKönigs'i die Bischöfe des frhnkischen Reichs, sondern er 
l)ewog auch Hadrion I., die Bischöfe Thcophylakt und Stephan 
als Mine Vertreter nach Frankfort zu senden'); nicht minder 
wsr die englische Kirche durch oinige AhRpsandtc vertreten*). 
Der König selbst wohnte der Synode nicht allein als Zeuge bei: 
erfuhrt« den Vorsitz*), er traf Anordnungen über den Geschäfts- 
ging, er erörterte, vor dem Throne stehend, in ausftlhrlicher 
Red« die Streitfrage*); sein Wort war entscheidend Tiir den 
Besthtass^). Wie kein zweites Mal erschien er als der Regent 
der Gesammlkirche. 

Selbstv erstund lieh herrschte über die dogmatische Frage volle 
;keit. Sie wurde konstatirt durch die Denkschriften der 
jRchen und italienischen Rischöfe, durch das piipsiliche an 
<lie Spanier gerichtete Schreiben und durch Karls eigene Kr- 
klining, in welcher er den Spaniern die Verwerfung des Adop- 
Öaniiinus erfilfnete. Er Ihat es als der Scbutzvoj^t der heiligen 
Rinhe Gottes, der den rechten Glauben hberall zu bewahren 
od SU bekennen hat"). In Wort und That hielt er an der 



deru 



i) 8. Oiöasler $. 46. 

2) Cap. 28, 1 S. 75: Itetfia iussiooe. Das Übersetzt Schwane (D.G. 
238): Auf di« EiDladiiDK ile« Kaimts. Papst Leo Kf. war uocli DJcbt lo 
Icnkllch; er wiederholt anr der Synode von 798 die Worte de« KapituUr» 
«"Ilnt, XIII, 1031}- PautioDS vollends lüsst div Bi»i:bof« imperü eJus decrclu 
^°d ncris ubtemperando prauceplia zusammcnkomnieD (S. Ö73). 
B 3) Ann. Lanritt., Einh., Chr. MoIm. t. .T. 794. 
H 4) Carol. ep. ad Eklp. (Maas XIII. 901 C). 

H b) Syfiodica cp. (jcroi. (Maos. XIII, ^84): Praßcipiente et [iraciidrtiLe. 
H flj Lib. saoioiyll, i Uua. XIII .S. B73 und 674i. 
W 7} Caroli ep. ad EKp. S. 903: Auditor et artnler aaaedi. 

8] L c. S. 899: DefeDSor s. Dcl ecolrslne; ib.: Fldcm orthudoxam . . 
D4i pro virium noitrsruiD porlione ubiquc in omDibus 9DTv.are et pracdlcara 
pwliteiiiur. 




- ?68 - 

Stellung innerlialb der Kirche feal, welclie die Spanier nie 

aoerkannlen. 

Höchst cbarakleriGtisch sind diese vier AlclenstUcko. A 
eutschiedenBten stellten sich die Deutschen auf den tradiiion 
lialischen Standpunkt. Das für sie Anslussige war, üaas i 
Spanier sich nichl au den Äussprilcheo der Väter genüg 
liesson: Sind wir klüger, den Weg der Wulirlieit zu finden, i 
die apOBtolischeo Lehrer? die verstanden nicht, wie man wag 
könne, üehauplutigeu über die Geburt des äohnea Uottus aj 
Kusfelleu, sage doch die ScIiriR: Forsche nichl nach dem, w 
dir zu hoch ist, und : Wer vermag von seiner Geburt za reden ' 
Mit dieser Scheu vor eigenen Behauptungen, dieser resignirt 
Skepsis gegen die theolnglsche Erkennlnis koniraslirt seltss 
die Sicherheit, mit welcher die von den Spaniern vorgebracht 
Beweisstellen kritisirt wurden; man kannte die ältere Litcral 
hiiireichetid, um die Fiilschungen und Misversläiiduisse, welc 
hier milunterlieren , sorort zu erkennen'). Ueberrasclictid U 
am Schluss die Verschiedenheit der religiösen Stiuioiung an d 
Tag: die Deutschen waren in der Lehre von den zwei Natur 
Christi gründlich unterwiesen ; aber für ihre religiöse Anschatiu 
war Christus eigentlich nichts anderes als Gott; sie nannten I 
geradezu den Gott der Christen*}. Wie hätten sie eine Ausic 
verstehen können, die in ihm zunächst den Menschen bedurft 

Das italienische, von dem Patriarchen Paulin von AquiU 
verrasste Gutachten hielt sich nicht gleich vorsichtig von th« 
logischen Erürterungen ferne. Ini Uegentheil wagte Paulia ei 
Widerlegung des AdoptianiEmus aus der Heiligen Sulirift 
Gleicliwuht Hieb auch er ganz intierhalb der Sctiraiikeii <j 
orthodoxen Lelire*]. 

Im Unterschiede von diesen beiden Denhsctiriflen ist (I 
pä])8tliche Schreiben ein Urtheil; aber der Richter spricht i 
ToDO leidenschaftlicher Keindsellgkeil. Schon die Form d 



1) Hans. Xin S. 8S4 ; vgl. e;>5 f. 

2) Auftütll^ ist du we^werfeitiie Urtbeil Über die mozarabJccbv Litur) 
S. 686. 

3) S. 89« f. 
A) S. 8-5 ff. 
b) BetncrkeuBwerlli ist am -Schluesc (ij. ÄS2) diu VViibning der Hect 

[ladrians. Dass sin im Wurtlniitc cnit dem Briefe lUdmna zuaxainiCQtrl 
ist ein Bewvia ilafUr, dna» da« piJpatlichfi Scl)reit>QU vor dur Synode verfa 
ist (.vgl. Gtüssler 3. 47). 




- aes - 



Zaidirift war krankend *)i nicht minder die Weise, wi« die 
,kEiKlen, verwoi-fenen, hartnäckigen und verworrenen" Adop- 
liuer stirden Wep der Wahrheit zurilckgefOhrt werden sollten'), 
Sefalleielich wird für den Fall, dass sie eich nicht bekehren, „dass 
lie der Mise Qeist mit so starken Kesseln des Misi^lauhcns ge- 
bHBdeoliftbe, dass sie nicht anfgelost werden können-', der ewige 
Fheli Qber sie rcrhängt kraft der Autorität des nposto^isohen 
Stuhls des seligen Apostelftlrsten Petrus auf Grund der ihm rer- 
hehuen Schlnasclgewall'). 

Wie sachlich und ruhig ist dagegen das Schreiben des Königs: 
er urrt«fUes8, verletzende Vorwürfe ausziisprechen, und suchte 
•owtit als möglich auch den Gegnern gerecht zu werden Des- 
halb erkaante er die Portierung einer neuen Untersuchung als 
bendiligt ao^). Auch persüalich wollte er nicht als erbilterl 
erKheioen; er versäumte nicht, seinen Dank danir zu Susäern, 
dafs man in Spanien fUr ihn bete^j. Jedoch die Streitfrage galt 
ihm als entschieden; die adoptiauischen Formeln sind verwerf- 
Ikb; denn sie widergprecliou der überlicferlcn Wahrheit. Auf 
Grund dessen forderte Karl von den Spaniern, eie zu lassen 
npd 8idi mit der Gesanimtkirche wieder zu vereinigen. Er er- 
klirle echliesslicli, dass er sonst genOthigt sei, sie als Hiiretikcr 
SU betrachten, die Geuieinschufl abzuhrechen und dun Gedanken 
•o&ügeben, sie von dem Juche der Ungläubigen zu befreien*). 

Aber die Adoptianer beugten sich nicht. In den Briefen 
Alkuius au& den nächsten Jahren i^t da und dort die Angelegen- 
bdt berührt. Man sieht, wie schmerzlich sie ihm war, zugleich 
al*r, das* sie nicht von der Stelle rückte'^). 

Zunftcbst setzte Felix den litcrarisclien Streit fort. Den 
ßnef, den Alknin nach der Rcgensburger Synode an ihn ge< 
ndilet hatte, beantwortete er Jetzt mit eiuer Streitschri(t*j: er 

^B 1) Er lagt dem Oruiss dla Worte hinsu: üi tarnen licet do omnibns 
^V^irlbui »1 oootAcerdotibua' dici (S. 865). 

^" 2) S. 869 ff. linbedaclitcrivciac wird auch die Bct(*iclinnn(f Kneclit 
'**I1m (Ur ChriBtui verworfen. AEkuin wusalc »ich liierüber viel vurtiicbtiger 
W äwaera (adv. Felic. 111, 9 S. 168). 

3) 8. 872 f. 

4)n. 900. 
5)8. 902 C. 

S) 8. 9as f. 

1) Ep. 71 S. 327 ^ 90 S. 378; 93 3. 3ä5; 101 3. 428. 
B) Ale. ftdv. F«lic. I, 1 S. l'J7. Da Alknia in einem Briefe rqs dem 
Ijabr 798 erwihol, daiB er das Buch %'or kuncem erbalten habe (ep. 99 




- aw - 

war Dach wie vor der MeiDiiiig, dass seine AnsicJit innerhalb 
des HaliDiBiis des kircidicheu Dogiiiu« berechtigt sei'). 8eia Buch 
sandle er wie au Alkuin, su auch an Karl'j: erhalle dieUolTnung 
Dicht aurgegeben den letzteren zu gewinnen. Alkuin erschrak, 
Bis er es zu Gesichte bekam. ^Venu Felix dargelegt hatte, dass 
Christus als Menscli nur dein Nameu nach Gott sei, so war das 
in seinen Augen eine unerträgliche Blasphemie Wehe der Welt 
der Aergernis halber, ruft er aus. Siehe, der von den Engeln 
im Himmel angebetet wird , der wird von den Menschen auf 
Erden nicht als wahrer Gott anerkannt. Dass diese Schrift 
nicht ohne gründliche Widerlegung bleiben dürAe, stand ihm 
im ersten Augenblick fest; nur meinte er allein der AuTgabe 
nicht gewachsen zu sein; die Entgegnung müsse sorgfältig von 
mehreren Gelehrten erwogen werden. Er schlug dem Könige 
vor, Papst Leo III., Paulin, Theodulf und Richbod von Trier 
Abschrillen zu Ubrrschickcn. Für sie)) selbst bat er um Zeit: 
er wünsche gemeinsam aiit seinen Schülern die zur Widerlegung 
dienlichen Aussprüche aus den Vätern zusammenzutragen'}, Im 
Sommer 799 konnte er dem König die vollendete Schrill über- 
senden: er bat um dessen Billigung*). 

Man kann nicht sagen, dass Älkuin den Streit durch diese 
neue Scbrifl über die Linie hinausführle, auf welcher er sich 
bisher bewegt hatte^). Auch Jetzt war seine Absicht, nachzu- 
weiseu, dass die Lehre der Adoptianer einen Widerspruch gegen 
das von ihnen anerkannte kirchliclie Uogu)a tu sich schliesso'). 
Er war billig geuug, Felix nicht für einen Nestoriauer zu er- 
klären; aber er urtheilte, die Behauptungen seines Gegners 
führlen notbwcndig üutn Neätorianismus'). Bietet Alkuins Schrift 



9. 420). 80 Ut e» Bchwerlioh vor 797 vollcodot. Felix cltirle Id scioer 
Schrift eine Sutllü aus Ale. op. HO [S. 2t3; s. adv. Pelic II, t S. 150). 

1) Ale. «dv. Felio. I, 1 S. 128: Id culua (libelli l-'«llci>) piincipio de 
conresaioiio verae tidel ciiiaedAm es Bsnctofuia patriim cxthuncis Ronslbfls 
ab eudem bene prolaU legebam ; Paul. c. l'el. U 9 !J- 361 ifibt seiu Ülautjens- 
belceoDtoia wieder. 

2) Ale. adv. Felle. I, 1 S. 127 f. und ep. 142 S. 544. 

3) Ep. 99 S. 420; 100 S. 424 (Joli 798). 

4) Ep. 142 S. &44 ff.; 111 f. ü. 4^4 und 457; Über dio Datirung der 
Briefe s. anten 8. 271 Annierk. l. 

b) Eitiu Inhal t4anK)>l>e dvr Schrift sdv. FeUcem gibt Weioer. Ale. 
& &7 ff ; vgl. Bach. D.O. I S. 128 ff. 

6) Adv. Felic. l, 2 8. 129; III, 2 8. 16Ji IV, 5 S. 177 u. ö. 

7) 1, It S. 136. 



- 371 - 



I feil 



I 



iftidern wenig lutere&ae, so mochte man sie doch deshalb nicht 

BDisea, da sie die Verschiedenheit der religiösen Ansichten 

doidieb «igt. Ffir Felix hing die Wirklichkeit der Erlüsimg 

^foa ab, dass der Erlöser in jedem Momente als der llepriU 

Miliat der Seinen handelte. Deshalb bedurfte er des Gedankens 

dtt xweilen A<lani, FOr den Germanen Alkuin hatte dieser 

Gedinke nicht« Packendes; er mag ihn wiederholt haben ')> 

aber er bat ihn nicht benutzt Er bedurfte keiner Vermittelung 

dei Erlösung. Denn war nicht Christus der reiche tiott vom 

Hinuiel, der den Seineu alles Ueil schenken konnte')? Älkuin 

bemerkte nicht, dass er Ton da aus zu >S&tzun kam, welche 

sieh von dem Dogma der allen Kirche kaum besser rechte 

feit^en liesseu als die seiner Gegner'). Er bemerkte noch 

iilger, dass ftir seina Ansicht die Lehre, welche er so naoli- 

«Iräcklich vertrat, ganz in der Luft schwebte. 

Sodann liess sich Korn vernehmen. Die Zusendung von 
^dii' SehriEi gab Leo III. Anloss, noch einmal dio ado|)tia- 
nifc^e Lehre zu verdammen*). Er genügte damit einer Auf- 
forderung dt-s Ki>nig8'). 

Endlich sollt« die Svnode zu Aachen im Juni 709 den Streit 



1) Icli babe mir keine .Stelle notirc, an der dies di^r Fall w&re, gtba 

*ht naiUrlich au, üms Alkuin dvii paulinieckeQ (>adjiukcn vricdcrbolt liabcn 

kau. Viv Stelle im KomcDentar stir Apokalypse (tl, 3 S. 1112) iac wahr- 

H^theiDlich uns Ambrusius Autbert oder einer aiKluren Quölle Alkulaa CDt- 

^pAmmeii. 

^B 3) An bezelcbacndflleu tat der Scbluaa der Schrift gogi'n Elipaotlus 
HllV, 16 8. 29d); doch herracbt oMQrllch in der Scbrift gegen Felix die 
■ Bltitli« GfDDdaoacbauuDgi vgl. I, 15 ff. 8. 139 IL; [[,1 ff. S. 146 ff.; c. 11 
^^.IM f.; Ilt, 14 S. 170; tV. 4 f. S. 176. 

^B 3) Z. B. UI, 17 S 173: Noo Deus convoreua in bomtDem , aed bomo 
VBlorificatu* In De um. 

W 4) HUB. XIII, 1Ü31. Daa Jahr der Synod» atelit nicbc feat. Ilefele 
^^lep tat in den ScptemlMr 79S in ZutammenliaDg damit, du« er dio 
Attbeoer Synode dorn Oktober 798 uuwoitt. Die letjtieto Anschauung 
^>>te kU für irrig. Da aber Karl bächal wabracbctnUcli im Sommer 79S 
*l« Schrift diB Felii uach Korn sandle (Ale. ep. 100 S. 424), ao wird 
^*i Ott der von Karl gerorderCon Vt'rdainnmng Jer Adoptiancr nicht ge- 
■iffierl babeo. Ich baltii dealmlb MÖltera Ansatz „Ende 799 uder Auf^tug 
WX)* rUr ontülKasIg (R.E. I S. 154). SimBon bemerkt nur, tloa« die Synode vor 
'*o ?'j. April "99 BUltgefunden haben miiis (J.B. II S. 15Sj{ ebeneo ver- 
'*tt lie OröBBler (S. &ü) in das erat« Viertel des Jnbrea 799. 

b) So Felix in seinem Briefe an dio Drge11it«u«r (Ale. op. 139 S. &36-. 
f»«iplente Carolo). 




- 372 - 



zav Ldeung bnng:en 'j , Karl kannle Felix gut genug, um vqqi 
inUnOlictieii Verliandluni^eii inelir Frucht zu erwarten als Tort 
schriltliclien, und er ver£laiid die Kunst, eineo Ucgiier dadurch; 
zu gewianea, da«fi er iliiii einen Schritt eotgegen Uiat. Als er 
Felix durch Leidrad nach Aachen fordern liess, ertheilte er ihm 
die Zusage, dass es iJmi uiiverweUrt sein sollte, seine Meinung 
vor den Hifichülen zu verUieidigen. Duraullnn schwur Felix dem 
Boleti lies Königs, er werde kommen'). Er hielt seinen Eid 
und Karl sein Versprechen. Mehrere Tage lang disputirte FeUx 
mit Alkuin'). Dass dieser der Wortführer der fränkischen Kirche 
sein würde, stand von Anfang an fest: roll guleo Vertraueos 
zu seiner Sache, aber doch nicht ohne einiges Bangen*) hall« 
er der Uolerredung entgegen gesehen. Er halte gewünscht, dast 
wenigstens Paulin und Arn ilim zurScile stunden"). Sic fcbltea 
jedoch beide"): er musste allein das vcrfechfcD, was ihm alt 
Wahrheil heilig war. 



'■ ]■■•-'- 



1 



1) Alkuln giljl adv. Blifi. I, 16 S. 2fi2 ala Jsbr dieser Synotle dsa 
32. Jahr Kurts An; dArnacli fiele die Synode in den Juni BOO. Nuo bat' 
Aber Alliiiin die Sthrift des Felix im Jahn; 798 erhallen (a. oben), und 
»[.■hr'eiltt er kurz nacli <ler Synotle vou Ancheo, dnss sie im J-ihre vorher 
ihm siigegangen fiei (ep. 147 8. 5i)0). Demnach tnuss die Synode im Jahrs 
799 «tittgertitideii bab^n (vgl. Oröisler S. &2 f.)- ^^'' <1<« Patirang der 
Briefe Alkuinii etgiht sich liicrana. daaa 131 und 135, 139, 142— 147 nleht 
JD daa Jahr SOO, nondero ld ctaa Jnhr 799 gehffren; dieMm J»)ii-e «riea 
JalT6 ep, 111 und 112 z\X; suio Anaaiz iat dabin zu Kndoro, daas dicM 
Briefe nach d«r Aücbeacc Synode gnechriebi^n aind. Uaa beneisen di« 
Worto „aopitia adsu&luui errurihua* (111 S. 4&3]i aic aounn den Widerruf 
des Felis voraua. llic Abhandlung, auf welche aich Flefele (CO. III 8.732) 
fllr den Aiiant% Oktober 79S bcruff, iat mir unbekaunl. Der Ansilz ht 
iinitKJglicli auf {iriiud di>r Abfaasuogazcit der Schrift Alkuina adv. Kelic, 
Atkuid hatte sie auf der UJaputation vor sich (ep. 143 S. H'j); sie (ai atier 
erst 7fl9 vollendet Ca. obon S, 264 Änmerk. 2J. 

2^ Ale. ep. m S. b'i:^ atid 139 8, 535. Die letztere Stelle ergibt, dut 
Felix nach Urgel sii rück gekehrt war. Auf die pitheliscbeo Worte, in 
welchen Elipandiu db Lugo seines Freundea Schilden (ep. 122 S. 495), 
tnüvhlc ich ki-tn fiewitiil. lugen. 

3) Ale. op. 147 S. &eOi »dv. Elip. I, |6 3. 252; Vit. Ale. 7 S. t8 f. 

4] Ep. 13t ^. 525 bittet er: Idee diligenliui orale pro nobia. Da* 
eeigt ducü eine ganz andere StlLOUiung. als diu HÜlIor a. a. 0. achildcnt 
„Er brannte vor Begierde, aich mit scjneni Gegner Kti messen. " Hie kaoa 
ich nicht einmal ep. 132 Ü. 521 fiodcn. 

5) Ep. 135 H. 528. 

6) Hrösslur beaioht Paulln. adv. Felle. I, 5 S. 355 mit Unrecht auf 



I 



Dau Alkuin die Unterredung TührLe, wirkte unnuttelbar auf 
ÜVM Gang. Dean nacb dE;r ganzen Weise, wie er den Adop- 
tiiaiciniu Ton Anfang au beurtheilt und bekämpft hatte, mosste 
er iiv Frage in den Mittelpunkt stellen, ob die adoptianischen 
Fcnnelo den kircliliclico Autoritäten gegenüber zulässig seieu. 
Otdurcl) war Felix die Vertheldigung seiner Ansicht ungemein 
enctiffeit. Das Fud« war deuii aucli, dass er, nachdein die 
ÜQlerrcduug mehrere Tage gedauert hatte, sich für überzeugt 
erkivle. Er beugte sich den Auturilüten, die man iliin enl- 
geguiiteltle: Cvrill von Alexaudrien, Gregor und Leo nannte er 
selbM oJs die Münner, deren Aussprüche ihn Ubei-riihrt hütten '). 
Durch ein vor der Synode abgelegtes Glaubensbekenntnis be- 
uqgl« er seine Uebereiiutinimung mit dem Glauben der kaLho- 
liiebea Kirche'). Liest man hier eine Stelle Cyrills, in welclier 
d«r Nachdruck darauf gelegt wird, dass Christus als Mciisclt 
leide« und sterben rnusste, um als Gott unser Heil zu wirken, 
so iluf man wohl vormuthcn, dass sniche Aussprüche ihm die 
Uotenrerfung sittlich möglich machten*}: es konnte ihm sclicincii, 
ftk bobe er nur auf etliche Formeln zu verzichten, ohne dass er 
Hüicr Anschauung entsagen müsse. Auf Grund seines Hekcnnt- 
«l«8 wurde Felix vom Uanne gelüst*j. 

Dtr ganze Verlauf war recht nach dem Sinne Alkuins; roll 
^Befriedigung berichtete er an Arn, Felix habe lange den Aus- 
s|)nichet) der Vater widersprochen und eigeosionig an seiner 
Meinung festgehalten; endlich habe er doch seinen IrrLhum ein- 
E<Mtiea*). Zwischen beiden Gegnern bildete sich ein beinahe 
ftnuidschaftliches VerhÄUni»'). 

Aber bekehrt war Felix nicht: man ändert die Üeherzeugung 
^■M Menschenlebens nicht in ein paar'I'ageu. Als ersieh in der 



die Asebener Versammlung und beliauptet dsrautliln die AnwcicDhcit 
^Dltaa; das zeigt der Aofatig dva 6. Kapitels. 

t) Ale. ep. 139 B. 536. 

3) JnffA hat das BekeautDis des Folix nicht ab^edruukl; man tladct 
■ bei Uansi XIII S. I0.i5. 

3) L. c. S. 1Ö3*'. Nach Vit. Ale. 7 S. 19 wurde er darcb eins — 
afebi uchirel«bare —Stelle Cyrills tibürwumlcn : Kj( natura qna<> per dia- 
'xiIqu vitiata «st, saper aogetüs eialtata eat propier iriuiuphuiu UhrIsU 
*^Be sd dexteram Patria collocala. Dnsa sie sich leicht in die Kclicioniat^he 
*^e«rie einfügen liea», i>t klar. 

4; Ale. adv. Elip. I, Iti S. 252. 

i) Ep. 147 S. Ci60. 

6) Ep. 148 S. &62. 



- 274 — 



Stille Tand, lauclilctt die atteo Gcdnnken wieder auf; sie liaUcn 
dieselbe Gewalt fiber sein GemUlh wie früher; nur wag;te er 
niclil mehr, sie offen zu verti-eten. Aber den schweigenden 
Hlullcrii vertraute er sie &u: iiacti seinem Tüde wurden diete 
beredleu Zeugen seiues gebrochenen Hulbe« und seines noge* 
brocheiien Glaubens aufgefunden '). 

Doeli Itlr die Welt war er bekehrt, Eeildem er sich in einem 
der Ktüster Lyons befand'). Der Sieg Ober den Fflbrer boIII« 
vollendet werden durch die Hekehrung eeiner Gesinnongsge- 
uo8sen. Damit wurden die Itisehüfc Leidrad von Lyon und 
Nifrid von Narbonne, «owie der Abt Benedikt von AniaDC be- 
traut^), Alkuin war eifrig, sie mit literarischen HiirstniLleln zu 
vei'sehen'*). So weit die AutnritÜt Karls reichte, halten seine Be- 
auftragten Erfolge; aber sie fehlten ihnen jenseits der Greiizen*)i 

Bcfireiflicb, dass trotx der Lliiterwcrfung des Felix die lite- 
rarisclie Fehde nicht vcreiuniintc. AUiiin Uatto im äoinmer 7Ud ^ 
in der enlge^enkonimendsien Weise an KMpandua geschrieben*). I 
Er hatte damit nur den Zorn des Greises wach gerufen; seine 
AntwurI war eben so scbrülT als der Hrief Alkuins gelassen*). _ 
Dass Elipandus sein Schreiben in die OelTenllichkeit kommen I 
IJess, noch ehe es Alkniu erhallen halte*), nülhigte diesen, den 
Btreil, deu er beendet geglaubt hatte, mit EUpandus fortzurubrea. 
Aucl) er schrieb nun gereizter und heftiger als im Anfang'). 
Um dieselbe Zeit, in der seine vier Bücher gegen Kltpandus 



I 



1] Agob. ndv. Felic. t 8. 3( und 6 S. 38. 

2) Alo. ep. U7 S. &6Ü. 

3) Ale. cp. 140 S. &aä; 147 8. 660; vgl. 146 B. &!)6| Vit. Bbo«! 8 
3. -JOI. 

4] Ale. cp. 147 S. 56n: Quug nuaira pcirvUna, quaiituui poiult, seripüi 
•cclesiastivie adiuvattat; ina.xi[iifi eo litiello, (jutco Diipci* rdidinma cootr- 
libelluni ilHus Fclicij. quam prioro aiioo anbia direxlt. Jaff^ dtmkt m,' 
Uorccht au die Schtift ndv. bner. Keife., es kana nur adv. Felic. geoieii 
BOln. Das cTg\ht die Abfassungizell (v^I. Simsen, J.B. 11 S. ibi); Alkui' 
Wiiuscli einer oCGcietteu AoerkenouTig eeiuet Sclirift wurde jetit erfU. W 
(adv. ELip. r, 16 S. 252». 

b) Ale cp. 143 S. &62. 

6) Ep. US S. 466 ff. 

7) Die Antwort gebftrt in den Oktobor 799; im Aoaxug Ale. i*p. '4 
S. 494 ff.; rollsliindig Migne 96 8. 870 f. 

8) Ak. ep. 140 S. 539. 

9) Adv. Elip. libr. LV (Migne 10t S. 243 ff.). bitiall8.iDeabe 
Werner, Aic. S. 61. 



— »75 — 



I 



enchieaen, veröQ'eal Hellte Paulin vou Ai|uileja, imdidem er ficlioii 
in Mira 796 aur eiuer Pi'ovinzialsyiiode seines Sprengcls diu Ver- 
wurung lies Adoptiaiiismiis wiederholt haue'), eiiio Streitschrift 
gegen Felix'). Alkuiii l>egrQsste bie mit neidloser IJcv^uiiderutig. 
In Sommer 8U0 »chreibt er an Ani vou SalKliurg: Wenn Du 
(leu P&triarclien PhuHiius Riehst, so griisse ihn von nnr viel 
tautenduial. Hein Buch voll kalholischcii Glaubens, das er an 
dea König sandte, habe ich durchgesehen, und es gelUllt mir 
Qbenus ob seiner Beredsamkeit, der Zierliclikeit der Sprache, 
des Verstfindnises im Glauben, und des Gewichts der Belege. Kr 
meiote, jetzt sei gegen die Fehcianer nichts mehr zu thun*). 

Der Unterscliied zwischen seinen eigenen Schriften und der 
seiou Freundes ist gross genug; ebenso schmucklos, rein sachlich 
ieoe gehalten sind*), ebenso prunketid und rhetorisch ist diese. 
Oocfa mehr noch fllilt eine gewisse Verschiedenheit des lotmlts 
auf. So sclir beide Autoren in der Verwerfung der adoplianlsehen 
I^elire und dem Hckcnntnis zum kirchlichen Dogma übercin- 
ititnintea, der Romane Puulinus stand Felix bedeutend uAher 
Hb ilkuia*): auf diu war jene rolkslhUmliche deutsche An- 
Ktiaaoog, an welcher Alkuin sich genügen liess, ohne Kinlluss. 

Etwas später sammelte Benedikt von Aniaiie aus der Heiligen 
StJihlt Zeugnisse gegen die Adoptianer*!. Schliesslich trat auch 
Uldnids Nachfolger Agobard mit einer Sclirift gegen sie hervor^), 
^'cue Geeichtsponkte ßndet man in die^sen Büchern nicht; der 
Kuupf wurde uach wie vor in derselben Weise gefdiirt, Zweifellos 



1) Haoa. XllI, 829 ff., tKsoaders 842 und 814. Uebur du Jalir s. 
fiefüJe, CG. lU 8. 718. 

ii Mifue 99 3. 343 ff. Die Sclm'ft ist eicher nach der Ref^eustHttger 
^J'Bodfl verfaul (I, 5 S. 3&6j, wahrscb cid lieh c.rn im Jahre 799 oder $0Ü; 
^^n Alkuin lerote lic er«t ita Suioiuer 800 keDoeci («p. 14S 3. bfiZ). Eiue 

I^Abaluingabe gibt Bacb, D.O. i S. V2l. 
I 3) Ep. 148 S. ö«2. 
I 4) Alkuio bemerkt« die MÜQgvI sehier eigenen Schrill (t. aclv. Felic. II, 
Es. 145; «|). 143 S. 54!i), die der frouidon jcilwti nicht. 
I 5) Das Meniohliche geht ibtn siclit 3bnlicti iu dem Güttüchen unter 
'l« AlbuiD (vgl. 1, 17 S. 369; bl S. 407 u. ö.}. Uer Grundgedanke dca 
^BlU war ibui cbenfails freiud <l, 43 6. 396). 
^k 6) Tefttiinoniuram nubecnU (Mignc lü3 3. 1381 ff.) und Diaputatlo 

B 7} Litj. adv, dQgnia Felic. (Agob. opp. ei. Ualiisins I 8. 1 ff.). Das 
^ach ist Lodwig d. Fr. gewidmet. 

18* 




— 27ß - 



crscliieii der AdoptiaDUuius als der scliwäcliore Tlieil; aber ers^ 
nach vielen Jalirzelinteii ist er aus Spuiiien ganz verscbwuuden*)« 



Klarer als in den adoplianisclicn Irrungen tritt bei Karli 
Eingreifen in den ßilderstreit') an den Tag, Abbs der Kcinig bd 
seinen Massregelu ein politisches Interesse hatte. Doch wäre die 
Annahme irrig, dass es alleiu wirksam war. Vielmehr handelte ei 
sich den Griechen wie den Spaniern gegenüber rornehadicli uiQ 
die Stellung, welche Karl in den kirchlichen Angetegenheiteq 
rUr sich und Tür die frünkisclie Kirche prateudirte. Er wollte 
als der Leiter der Kirche anerkannt sein. Im adopÜanisched| 
Streite trat er mit diesem Anspruch uiiier nnbedeulendeu Pro 
vinziulkirche gegenüber; kühner war das Unlernehuieo . ih 
auch im Gegensätze zu den Orientalen zur Äoerkeunung zi 
bringen. Denn in diesem Falle war Ilom der natürliche Bunde 
genösse der Griechen. Die nie ausgesprochene und doeh ua 
leugbare Anta^onie zwischen den kirchlichen AnsprÜchea Kar 
und den Rechten des Papsted wurde hier wirksam. 

Es war lange her, dass man in der orientalischen Kirch 
tlber des Recht der Anfertigung und Verehrung von Bilden 
stritt. Politische und religiöse Meiiiimgcn und Absichten kamen] 
in Frage; staatliche und kirchliche Männer und Partien wirkt 
zusammen, die Angelegenheit hoffnungslos zu verwirreu. Vo 
Anfang an hatten die rümischen Uischöfe das Gewicht ihr 
Ansehens Hlr die Bilder in die Wagschale geworfen'). D 
Zwiet'pall, in welchen sie dadurch mit dem BoFe in Konstantin 
iiopel gerietlien, trug nicht wenig dazu bei, der rOmischeo Politik 
die Üichlung uur das Abendland zu geben. Denn hier fandet 
die Pttpste in dem Streite f(lr die Rüder bereitwillige S,vmpallii< 
und offene UnterstiUxung Schon Oregor II. hat dies gewuul 
und benutzt*). 



1) Graf V. BaudiiBiD, Eulugiut und Alvxr S. l3ö tt. 

2) Ueber iIcd Bildeislrcit vgl. beiondurs v. Raolie, W.Q. V, 2 S. 78 S 
pud teilt. Die liteiftHMhe Bewegung «ies BilJorsIreil» (Magdchnrit IftTOR 

3) Vit. Urcg. II. 1K4 S. 9Ti). Brief Grogoie an U"t> dou iMurisJ 
Ja(T*Waltcnbach 2180 und 2\S'i\ an den PalriArclicn CJrrtnaBns 21HI; u 
den I'au-isrcbvn ARastftsiufl 2183. Synade eu Rom uoter Gregor III.. i^ 
Jahre i31. Vit. Ureg. III. 192 8. 10S3 f. Verlon-ne Briefe von ihm erwäh 

I. e. 191 8. 1C'^3. vim Z&charias iTwKhnt In doia RrioTtt Hadrians an K 
BtAntin and Irenn Man». XU Ü. 1061. 

4) Vgl. den Brief 'ilAO und Bd. I .S. 440. 



i 



— 277 — 



P 



h enger die Verbindung zwischen Rom nnd dem frtinkischen 
Reltbe warde, nm so unTermcidlicher war, da«« das Ictztcro 
n den orientalischen Verhältnissen .Stellung nahm ' ) Die Püpstc 
wollten auch hier ihre sichere Sllltze nicht entbehren. Mun 
lieht es aus dem Briefwechsel Pauls T. mit Pjppin; bald rOhmte 
er den König als den erfnlgreiclicri Vcrtheidiijcr des rechten 
GlaobenB*); bald drang er in ihn, dass er der Kirche seinen 
Schulz gegen die hfiretischcn Griechen gewfihre, welche eifrig 
iliran arbeiteten, den kfitholierlien Glauben zu zertreten und die 
vflB den Vätern überkunmiene Tradiltiin zu vernichten'). Man 
aolMe nun meinen, dass wenigsfens in dieser Sache dem Papsto 
die Pnhrung geblieben wäre. Aber Plppin war nicht der Mann, 
lidi dnfach benutzen zu lassen. Es machte sich wie von selbst, 
d«8 er alsbald an dem ersten Platze stand, wfthrend Paul sich 
in die zweite Linie gedrangt sah- Pippin forderte Nachrichten 
und Aufschlüsse von ihm *li Paul legte ihm Aktenstücke, die nach 
ßom kamen Tor*); galt es Ilnterhandlnngcn, stt wurden die päpst- 
lifhen Boten durch frflnitische Gesandte begleitet*). 

Dies Ilerrortreten einer dritten Macht nahm mau nirgends 
besser wahr als io Konslantinopel. Wie die durligen Politiker 
dw Verhältnis des KiJoigs und Papstes beurtheilten, zeigt sich 
iliriti, dass Kunslantiii V. mit Umgehung des lelztereu eine 
Ucumiucbafl an den ersicrcn schickte. Pippin setzte seine 
^iclit als ßandesgenosse nicht ans den Augen: er lehnte ein 
einseitiges Vorgehen ab und enipling die Boten des griechischen 
KiLsers in Gegenwart der ptipsllicheti Legaten; das ron ihnen 
flberbrachle Schreiben nnd seine Antwort theille er dein Papste 
Tiii'). Dos war jedoch nicht mehr als eine rücksichtsvolle 



1) StepbxD IL scbciDt der erste geircMO zn »ein. der die Franken 
■Heb JD diwe ÜAche \i\ao\DZog. Cod. Carol. cp. II 3. Gb: Obnixe poetu- 
''Wi . . ul . . it» disponere lQt>eas de part« Orxeconim, ut Gdca sancia 
^bälica et aposlullca per le iotepra et Inooarussn pt;riD.tDcat In etemum; 

* I. bei eccievia «cut ali aliis et ab eurum pestifera malitia libfretur. 
D» Brief gehört in das Frl]hj.ihr 757. 

2) Cod. Carol. ep. 19 S. 86 (»nie Apr. 760). 
3)L. D. 32 S. 116 (x. 761-766). 

4} L Q. 23 9. 107 (a. 763-7^). 

5) U 0. 40 S. 138 (a. 758-:61). 

fi) L. C. 28 S. 107; "29 ü. 110 ^». 764h 37 S. 13*^. 

• 1 l. c, 36 S. 12^; 37 S. 132 Hefcl» iC.C. 111 S. 411 D halt cp. 37 

* itt (lÜhtTiin, pp. 36 nir den apSteren Hrief. Ulcsc Annuhmc ist durch- 
•« whrBcheinHeh: ep. 36 ist dann nach der Synode tod Gentilli (BeBiDn 




- 278 - 

Furm. Denn tiiatsüchlich handelte Bppln aliein. Niclit um ttto 
Zustiminiing des l'apsles xu erlangen , hat er sein Sclireibeaj 
nach Rüm gesandt, sondern damit Stephan wisse, was er gQ<' 
schrieben. Es wai- ganz in den)8elben Geißle gedacht, wenn Pippin 
die Anwesenheit der griechischen Gesandten benutzte, um dnrcli 
eine friinkiache Synode in seiner Gegenwart eine dngmatischa 
Kntsclieidnng der zwischen Orient unil üccident striltigeu Fraga, 
herbeizu rühren. Seine Absicht orÖfTnete er dem Papste, abe^ 
am dessen Zustimmung hat er dabei nicht gebeten '). Die Synodo,' 
an der nach frÜnkiscUcm Gebrnurli anch Laien Anthcil nnlimcn, 
trat 7.U Gontilli im ßcginno des Jahres 767 zusammen*): es wa^ 
das erste Mal , das» die fränkische Kirche selbststttndig in einA 
allgemein kirchliche Angelegenheit eingrilT. Der n&chste Gegen« 
stand, um den es sich tiandelte, war ohne Zweifel die Bilder- 
verehrung: das war iJie Frage des Moments. Zog man auch die 
Trinitatsletire, also die Frage nach dem Ausgang des Heiligca, 
Geistes herbei, so war das wohl nur ein Millel, um die Griechen 
zu schrecken. Man warf einen zweiten, wichtigeren Sireitpunkl 
auff damit sie geneigt würden, in dem ersten nachzugeben. 
^ Paul I. stand vor einer vollendeten Thatsache; es blieb ihu^ 
nichts (Uirig, als das Geschehene durch seine pathetifchen Lob- 
Sprüche zu Terherrlichen'J. , 

i 



J 



767] f!«Bc-bneben, auA die 3. 133 eiwabnl« Dispulntion der pKpflHeben Mni 
kniMrIichcD Gciandten de obaerr.itlone fidel ortliodi>xne bcxicht sich auf 
die Synode. £p. 37 ist nicht allxuhiingo vor der Synode ftt^scbiicbea , dift 
Pippio DAch 8. 13? bcreien in AiisKloht genommen hatte, f^. 43 H. 146 
Tvidewpricht nicht. [Ho Zeit von der Synode bis '£■*■ Juni (Tod Paula) ist 
lan^c genug, dasa Johsnoes nacb Uiitn siiTlIdtkehren und vnn dort tnil 
DfUflD AuftrÜK«« an Pippiti ^{«sHndL werde» koniilc. 

1) Kp. .17 S. 13:2: Ptpptn bat un den PapHt t;c8chrieb4>D, cos (die G 
«AndC«tO apiid VHS (i'ippini e»He duteiiCos, inttfriiii qitod sggregatis v«BtrU 
sacerdolibiiA iiti|ue obtittiailbiiB, conicerc scn pt^ipetriirc vAlentts. quid da 
bis, gaae vubli dtrecU luut (Schreiben des K.ii<iert] rcspundcndiim sil. 

2) Ann. Uarisa., Elnh. z. J. 767. Lieber die Zeit b. Oclancr. .I.B. 
S. 403 f, und Hi'.htncr-Miililbacher 101 f. Hefele (Cü. MI S. 432) gibt 
irrig Oslern als Zeit der Synoil« nn. Gciuilll bei PaHs; die Ann. Mett. 
z. d. a. .1. verleKen die Synode n-ich :<.iliiillotiii<'Ua), SaifloiiBai bei Laon,. 
wo PJppin das Weilinncblareat 766 felfirt« (Ann. Lanrtss. s. d. J.). • 

3) Cod. Carol. cp. ^6 S, Pia f. LanReD fÜMcli. d. röm. K. S. 651) 
bßKirpifclt^ d:(fia die .Synod« dio Kilderverehrung »anktlonirte; doch achüesscn,. 
wie lujcb (iüukt, die LubsprUihc Paul« einen suk-ben Zueif«! aue; er achteibii 
IIa nubis plncibilia exiatiini, aiciit ccric non tiuo htimano cunsUio scd Vti 
provid«nliae intiiitu vos talia «gias« ac reapoodtsae, ambigunm oon eit. 




- 379 - 



* 






In den nüchslen Jahren blieben «lie Verhitltnisse imreründert: 
auf der Lateransyooile des Jahres 709 stimmten wieder Rom 
D«l *Üe Vertreter der fränkischen Kirche in der Vertheidigmig 
der Bllderverehruog gegen die Griechen überein'). 

Dagegtrii brachte der Tod des Kaisers Leo IV.') eine» Uin- 
sthwung berror. Öeino üeniatdin Irene war, wie es ßchcinl^ 
ficU ik» Bildern geneigt gewesen, i^ie war eine Aiheiierin 
oder hatte dort wenigstens ihre Ausbildung erhalten. Regte 
sic)i In ihr der iisllietische Sinn der tirieciien gegen die Tana- 
tiKlio Bilde rreindschafl, die seit zwei Jklc tischen altern im Orient 
ejae gewaltth&tigo Herrschaft behauptet hatte? Auch abgesehen 
von ihrer persiinhchen Gesinnung nüthigto sie ihre politische 
äiellung, andere Wege zu gehen als ihr (iemahl unil ihr Schwieger- 
vater. Sie war Regentin fiir Ihren Sohn Konstantin Vi. Aber 
die ficrrscitaft einer Krau stand nicht so fest wie die eines 
Üu»rs: sie nmssle versnchcii, im Innern die mächtige Oppo- 
ittoB der Bllderrrcundo zu beruhigen, im Aeussern gegen die 
llekenner des Islatn einen Stützpunkt im chrisiticheii Abemilande 
Zugewinnen: nur dann konnte sie hoffen, dass die stacht, an 
der ihr Ehrgeiz hing, von Dauer sein werde*). Was sie thun 
wollte, war zugleich dfis, was sie thun musst«: nach mehr als 
(ilnfiigjahriger Verfolgung wurde der Bilderdienst im Morgen- 
Iwide wieder anerkannt. 

Der Beschhiss eines allgemeinen Konzils sollte diu Kut- 
'cbeiduiig tier Kaiserin sanklioniren und die Lehre der Synode 
vom Jahre 704 zurftcknehinen*}. Wie hätte Irene unterlassen 
lOtlttD, den Papst zur Tlieilnahnio nurzurunlerit, Sie knniiLe auf das 
iKteilwilligste Enlgegenkninmen rechnen; waren doch ihre Musa- 
tjeln die Ausführung der seit Gregor II. so oft wiederholten 
rtmischen Forderungen. In ihres Sohnca und ihrem eigenen 
Nftoien Ind sie Papst Hndrian cin^ selbst oder durch einen Vcr- 
••^tr einer neuen allgemeinen Synode beizuwohnen, in welcher 
fli« von den Vrilcrn iiberliefertc Lehre bestätigt werden sollte*). 
Vit unverhohlener Freude nahm Hadrian diese Zuschrt)^ in 



t) Haa*. Xir, 720; XIII, 7M. Vit. St^ph. III. 'jai ». Hbl. 

2) 8. S«pleiuber 780. 

3) Vgl. V. Kank*. W.ti. V, 2 S. 8S. 

4) Die Akten der iweiien oicäDiBchen SyDudc Inii Uitiis. XII uiiJ Xill ; 
"<■■! tiDgefacode lUreU-llting des VertniifH liei llefele, V.U. lU S. 44t ff.; 
*{'• «Och largen, Hvtth, d. räm. K. 8. 7-13 ff. 

&)«»>. XII. 994 0. 



- 280 - 

Empfang'): er erinnerte sich nocli einmal daran, dass der Kaiser 
der Landesherr ron Kom flei, und aprach von dem rrommcti 
Befehle des Kaisers, der an ihn ärganr|;en sei*); im Gehorsam 
gegen denselben erkUirte er sich bereit, einige Legaten tu dem 
Konzile abzuordnen. Aber aeln Gehorsam ging docli nicht zu 
weit: die Anoftherutig der Griechen war ihm besonders deshalb 
von Werlh, weil er hofien konnte, sie Tiir seine Zwecke autztt- 
nutzen, für die grossen wie ftlr die kleinen: der Primat de« 
Tetrus steht in seinem Schreiben direkt neben den in Unteritalieu 
eingezogenen Latidgütern. Die Weise, wie er von Karl und 
dessen üehoream gegen den römischen Stuhl sprach*), sollte die 
Griechen davon Überzeugen, <la$B seine Lage dank der Unter- 
stlUzung Karls eine ungemein günstige sei: sie sollten dadurch 
gefügig werden. 

Doch in der Büderfrage war das Einverständnis aufrichtig; 
die zweite nicüiiisolie Synode fand unter Theilnahmo der Ge- 
sandten Hadriaus statt']: sie bestimmte, es sei die Pflicht der 
til&ubigen, die Bilder zu verehren, war aber doch bemOht, 
zwischen Verehrung und Anbotung eine klare Grenzlinie zu 
ziehen *), 

Irene hatte unterlassen , die frftnkische Kirche zur Thed- 
nahine au jener Synode aufzufordern. Die politische Macht des 
Frankenreichs verkannte sie nicht: sie dachte durch die Ver- 
mahlung ihres Sohnes mit einer fränkischen Prinzessin ihre 
Steltunij zu verstärken"). Aber In der fräukiscben Kirche sah 
sie nur einen Bestandlheil des rütnisclien Tatriarchals. Ihr 
Urtlieil war nicht so klar als das Kimslantins V. Hadrian 
war das willkommeai wenn er über Karl nach Konstantinopel 



1) Sflloe Aütw«rt vom 26. Oktvber 78b Mans. Xll. t0&6 ff. 

2) *Kv r^ ivatiffi ifuäv xtltiiatt. 

3) L. c. 3. Ul7ri f. 

4) 2-*- SefjCombor b!a 23. Oktober 7fi7. 

5) B«sdi] DBS der 7. Sitzung vom 13. Oktober (Mans XIII, ä78) : 'Op/fn/^n- . . 
iifn7i''i(ai>at iti; attttäf »ai üyia( ilKÖVat . . tv T«tc tiylttis rei 9t»i 
txxltjftfoit tf lifioic omvtai xvi iaürjai, foi'jfoij i# *«! oartatv. ottaii xa\ 
öSoif . . "Off^ yäp aurij^ßi tfi" tlxoviKijt nvfittiittiiatmt ripÜM«», ttniovtar 
xa) ol javiiti !kiiif4ivot ^iayiatfytttt npöj i^i' »wf jrpwTorÄww»' f4V^fi^v ti 
xai tfrirrnfftiaiv »cl lavtmt ntrrttiitfiiir xai tifttfitxfif ititacxir^air nnovifÄttr, 

iftlati. 

ti) Werbunj; um dl« Ilan^l Kutrud« AJr Koiutantin VI. im Jahre 761 
(Abel, J.B. 's. 3M t). 




" 281 - 



licricIiteU;, daBS er, gehorsam deu Eriiiahnuii^en, die er ihm er- 
theilt, die Vülker dea Abendlands uiiterwnrrea'), fio niusste da- 
durch der Gedanke ausgeüchUjäsen werden, daas Karl kirdillche 
Rechte auch ober <leti Fa])St in Anspruch nehme. In eeincn 
Briefen nn den K^nig berührte er die Sache nicht mit einem 
Worte'). Man mrtchte sich darilhcr wundem. Denn das Unter- 
nehmen einer fjkninenisr.hcn Synode war dnch so bedeuLend, 
doss der Sehutzvogt der römischen Kirche erwarten konnte, 
etwas darühec zu liöreo*). Um so {gewisser ist, dass [ladrians 
Schweigen ntclit zufiillif;, somlern absichtlich war: er wollte die 
Eintnischun^ KarU in die Verhältnisse zum Orient vermeiden. 

Üie Folge war, dass einei?yriode, die sich den Namen einer 
allgeaicineii gab, ohne jede üetheiligung der mäcbliustcn und 
wichtigsten Kirche der cltristliclien Welt tagte. Schwertich war 
(las von dem geriiig.s(eii Kinfluss auf die ReschlUgse, welche 
gefasst wurden. Aber wie vüllig widersprach es der Stellung, 
welche Karl und die fränkische Kirche einnahmen! Konnla 
Karl eich darein fügen? 

£r hatte noch einen zwdten Grund, sich gegen die grie- 



1) Maus. Xn, 107». 

'2) Die rOmiaclien Ctt^Mndlen reistcii im .'Kummer TSC nach Kunauiitl- 
nopol, nm 17. Augutt waren sie dort scbuii »nw^aend illtiftile, O.U. III 
3. 4&6): eic rcislea »\»o ror Kir!» Komfahrt, Winter 786— 787. MCludliclic 
Bttprecbiin^n des Pnpsi« mit dem Känigo sind deinaaeh ausguclilosscto. 
NiiD weiea diaii au« tivat. »tili. Font. 16 S. 46, daas Dieb Hvcnjd» V>r- 
lobun)^ und vor AiiflÖsuiig derselben frKnkischit (irsandte in Konilanlinopd 
waren. Di« Zeicaugftben der (Jc»t. «iml widersprechi-Dd: die Anoabmo, das» 
sio wUhreod der Synode in K(>nataniino|)(>) anwesend ^eweseo seien, scheint 
mir aiiBgeacbloaaen: KnrI hatte in den l.ibr. Curol. diese Tbalajiche schwer 
iiiDKeb^D k&DDcn. Sullten sie Zun^cen dee vergcblicfaeii KoDziUversuofas in 
Aorist 786 geweaen scin^ Auoh htrr würde man nicht verttehcn, wanica 
diew« EreiKnil , das sicl> doch leicht (tegon die nicifniache Hynode vcr- 
wertbcB lleas, in Karla SlroitMhrift noerwlibat blieb. Ich oetime dfihalb an, 
du« sie vordem 17. AuKiiHt 78fi wieder »breiele»; ihre Fahrt nach KoiisianlE* 
■Ofiel füllt dniin m dia Frllhjahr 78rt; die Nat-liricht«n. welclie sie xurlick- 
brachten, werde*» filr den Verlsuf der Besprechung In Capii« m.isaiifebpnd 
^vcaeti sein. Dnch wta dem nurh ari, dasa fräDkiechi: U<.-sandti* in der 
Z«il, als man da« Konzil Turbi<reit«-te , in Kunaianiinopel Haren, und Ahm 
gicichwuhl Karl in die Verbs ndtungen über das Konsil nicht bervin gezogen 
wurde, seilte ihm, daaa maii aeino lV>tbieilii;uD|; an dcmtelben niobt wollte. 

3) S|>ütor, 794, •teilt» Hadrlan die Sache so dar, «I« «et die .Synode 
elj^ntlicb aein Werk (ep. pro ityo. Nie. [Maus. XIII, 809]: älatim Doatru 
apoatotivas ainplectcntes sj-lbibas, conuiliuut Keri iusaeruDl). 



- 2R2 - 

chische Synode zu erklären. Das politische VerhtiUnis zu doa 
(iriecheii halte sich seit der Verlobung seiner Tochter mit dem 
Kaiser wjuder gelriitit. Die Zustünde sind undurchsichtig. Doch 
ist sn viel gewiss, duss Karl irgendwie Grund zn haben glftubte, 
sich Dber die Griechen zu beklagen: denn er brach mit ihnen. 
Als sieb im Winter 78b auf 7S7 griecbisehe Gesandte in Italien 
einranüen, um die Verlobte ihres Kaisers abzuholen, lüste er die 
Verlubimg auT; nie kclu'Len unrcrrichlrter Sache zurück. Alsbalil 
begann der oflfeno Streit zwischen den beiden Reichen'). 

Karls Widerspruch gegen die nictinüsche Synode ist dem- 
nach vcrstfindlich, auch wenn man in ihm lediglich einen poli- 
tischen Schachzug erblickt. Doch wenlen Molive anderer Art 
mitgewirkt haben. Der boscbhiss von Nicäa bot an sich kaum 
Anlnss zu einem Angriff: er enlTernte sich nicht allzuweit Ton 
dem, was man auch im frünkisclieo Reiche bisher gebilligt hatte: 
aber die Ueberlreihungen der Rilderverehrung, die im Morgen- 
lande heimisch waren ^), kounten Karl nur unangenehm berühren. 
Alles Uebertriehene und Ungesunde hatte filr diesen klaren Geist 
etwas Abslnsseudcs. Es mussle ihn reizen, seinem Widerspruch 
gegen die Synode dadurch grusseres Gewichte zu geben, dass er 
in der Hilderfrage eine von der griechischen abweichende Meinung 
vertrat. 

Alsbald nach Scbluss der Synode erhielt Karl eine lateinische 
Ucbersetzung der Synodalaklen'). Sollte es unmöglich aein, dass 



1) Kioh, sno. 2. J. 78e S. 169 und x. J. 738 S. 175. Di« loislerc 
itlulle lehrt, dass iler Brucli von Karl hervurKenifen wittdr, iDd«tii er dem 
Kaiser sein« Toctiter vcra-iKtc- ['»rin alimme Ich Abel (J.R. S. bt9) und 
H»rn:ick (Da« ksro't, und byi. Keicli in iliTvo ISezicli. S. 18 f.) cil Wie 
llnrnnck (IIb AiifltJaiing rrldürt, crnclicint mir dxge^en weoig wAhrscheio- 
licli. Oa «lifr, Aaciälioriiiig xw«iielluii vuu gri<!c)iis[:ber 9«ite AttsgfgkngcD 
war, so kuDDl« tcan dtich nicht Bcding'ungon stellen, am wenigsieo durch 
die BotCD, welclie die Bfaui ehdiuli'n sullt«n. Karl uiiisR durch dto X«ch- 
richten seiner Ocesndrcn gcgon dio griochisclic PuliiiJt Hrgv^hnisch ge- 
worden sein. VnM9 (I»bei in ticlrnclit kam, das wsn ihn bt;i der Berufung 
der iillgcmeiticn Syniidc ausser Acht gelassen tiatto, ist Dicht unwahr- 
Bcbciolivb. 

2) Vgl. a. B. Libr. t'siul. in, 16S. llieir,; IV, S S. ltS7 f-i 10 S. 1223- 

3) ilefclc {CG. III ä. G'JI) u. s. nehmen an, dsss Ifadrian die Ueber* 
tcUiing «nferligen liess nnd sn Karl s»ndte. So viel ich sehe, Milut ilob 
df««e AngAbo iedii^licb auf dM Zoiignifi Hincmar» (rtr. Hinotn. Ijiiid. o. ?0 
(Wgoe 126 t}. 3Git|); iibi>r wio iioxuvGrlä'ssiK dawulbe i«t, braucht niAn oiebt 
z» beweisen; liUat doeh nincinar die nicäniaehe Sjrnodp, welche er jedoch 




- 283 - 



I 
I 



'% Sim von einem Qtiede der üarcfa Irene i^csUintcii Partei der 
Klderieiotle übermittelt wurde? Wenigstens war die Uoberselzung 
so Bctilecht'}, dass man kaum annehmen kann, dass sie im Auf- 
Inge des Papstes oder des Hots in Kunstantinitpel angefertigt 
«utde. Auch die in ihr liegende Verschärrung der nicänisehen 
Bwchlilsse') verratli die Hand eines (le^ners, der die Synode 
m L-prt;i:ht zu setzen versucht. Karl le^tn die Akten seinen 
Gelehrten vor; er selbst besprach die Angelegenheit mit ihnen: 
<!u Resultat war die entschiedene Ablehnung der in Nicüa go- 
TiHien Beschlüsse'). 

Alle Welt sollte erfahren, dass der fränkische Künig die 
leltle allgemeine Synode nicht anerkannte. Deshalb beauftragte 
er seine Theologen . in seinem Namen eine Streitschrift gegen 
die äynode «u verfassen. Man kennt sie unter dem Namen 
der KftroliDgischen Hiicher'). Schwerlich wird je das llunkcl 
gtÜchtet werden , das den Verfasser dieses Werkes verbirgt 
Ig 1 einer stolzen, herben Art erinnert es wenig an den vor* 



■mIi KonitJtniinope) verlebt, otiae päpstliche Aiitorilüt, die FtHnkfiirlcr 
^ffeB auf Befehl de» PxpMes iiir Widerlegung jener abhalteo. Die 
minhciiDbiiscbvD AiiD»lon b^^nchteo tum Jabre IQi (U. 0. Üct. XIU Ü. 15ä): 
Kkruius niiit Binodalrin libmin xd RHiannlam sibl a CoDSUntlnopoll dii-ectum. 
I^itie Angabe ist w€it glAiibwÜriligcr. Nur wird man ai« nicht »o vcr- 
>t«btii ilQrfen, iJasA Karl aie von Reiten ilcr Kaiserin erhielt. Das wnr 
bli d«gn feindlichen Vtrhälttii« beider Ulifm aus|{e9ich1i»>sen. Kxrl iclT)«! 
erUiiC I.ibr. C'arnl. praef. S. lili^O: Cuitis acrtpiiirae texriia Qlni|uentia aonau- 
lU tarena ad noa its(|ue pervonir. Kr wollte offenbar «finen (Jewäliratnaoa 
■lebt nennen. Bei dieser i^chlage sclicint mir die im Text« gegebene 
Vtmuihiing nahe xu liegen. 

t) Mit Karls Urtbeif. das freilich mtclit gvi^ea die l>b«rB«tzuti(;, sundcm 
StCtt das Uriginal gericliiet war, siimint das dea Anaatasius Bihliotfa. 
Ulmtio (Maas. Xir. 981). 

2] Dass dio Vciwiscluin^' des Unlrrscliieda iwischen Verehrung nnd 
^ketnng ivbon der Uebersetiiing zur Last fällt, dUnkt mich deshalb 
Mskitebeislieb , well auch die KnglÜnder <1«n Beschliiss von Nicfia diihln 
'rnttadcD (Ann. Nordhumbr. t. J, V/i {M. ti. Her. XIII Ü. 1&5IJ. 

3) Üunveni. Paria, a. 325 (Mana. XIV, 4221. 

^) ttb citire nach dem Abdruck bei Mi({nc OH S. ''93 (f., bfEw. im^^li 
*« Rnerpten bei Ja ff«, Bibl. VI. 220 0- Man vgl. Ilefele. CG. III. (i9t (f.; 
^•i. Die lllerarischo Uewegnng dos Uildersireits ( Maj^ili-Inirg 1871); Wjigon- 
•O*. P. F.E. VU 3. 53i n " hier Angaben Über die ültero Literatur - ; 
R*«t<r. (Jesch. d. rel. Aiifkl. 18. U ff. iJie I-'rage der üchihtu darf, 
*n allgemein aDKonotnuieii wird, als eutscbieden gelten. 




— 284 - 

Kichtipfcn, sellist gogcn die Gegner bÜIigeo Allcuin'), nm so mehr 
an die jungen Ilnflheologen, deren schneidendes Urtheil auch 
Alkuin schciitc'i. Als Ihr geineiiisameg Werk ist es wohl zu 
betrachten. Sie Ueferleii einen Beweis der dialcktisRhen Gewandt- 
heit und theologischen Gelehrsamkeit, Qbor welche die fränkische 
Kirche verfügte. Jedoch die Richtpunkte wird der König selbst 
angegeben haben. Denn nicht nur durch die Auftchrifllegitimirten 
sich die Karolingischen Bflclier als sein Werk'), sondern auch 
durch die ilberall [leben der Iheologisclien Polemik sich hervor- 
driiiigende politische Helrachlung der Angelegenheit. Man be- 
merkt sie schon in der Ueberachrift: Knrl erklärt, was in Nicäa 
geschehen war, fflr eine Anmflssung. Nnchdem er sich eben ata 
durch den Willen Gottes Ki'inig der Franken und Herrscher aber 
Gallien, Germanien, Italien und die benachbarten Prnvinxen be- 
zeichnet halte, war der Vorwurf der Anmasstmg filr jeden Leser 
verstitndlich: sie bestand darin, das» die Griechen in NicBa ohne 
ihn gehandelt hatten. Das hielt Ihnen der KOnig noch eigens 
vor: die Ilejltge Schrifl und die kirchliche Silte Fordere, das« 
die Kirchen der ganzen Well um ihr Urtheil befragt würden, 
ehe ein Üescbluss gefasst werde: das sei aas Unbedachtsamkeit 
oder «US Dreistigkeit unlerblieben*). Man sielit, Karl wollte in 
der Kirche weder Ignorirt noch Übersehen werden. Das Vor- 
gehen der Griechen nahm er als AiigriH' auf seine Stellung auf; 
denn ihm sei die Kirche in den SturmfluLhea dieser Well zu 
leittiu aiir ertraut ^J. Dann war es sein Recht, gehört zu vrerden« 



1) Ac-Itere Aosicbt, von Mllhltiiicher [D. G. ODtfli den K»rolingern S. tMj 
nis w.nhrtchoftilich fcal^<>balltin. Die Chrotiologio wllrde nicht widersprechep, 
wenn die KurolingiBclieo ItUcbiT vur 790 grecbriobvn sind. 

2) S. oben S. 12ä Anmerk. 3. I)a«s Angilben an der AbfasauiiK l»e- 
tbeill^t wKr, ist deshalb nicht unwnhrauhi^itilicti, tvi^il K^rl 8«ine Sb Kapitel 
durttb ibn uach Rntn sandti! (Ak. a|i. 33 S. :?46). 

ä) Jaffi S. 2VÖ: In Domiii« dooiini et laivuton« Doalri ieau Cbriati 
iooiplc opus Iniustrinaimi et oiccltcntisHiini scu spertattilia viri Caroli. nuu 
fei T<?i;i5 l'r.incorani, tislliüs (.ientianiam Italianique live harum tioitioiu 
provinclns. dipminü opituinntc, regenli« cüutni synodiiiu quso in pattibn* 
tirxeiisc pru xiloraniiis imaj^intbus slolide sive »truKlDler gota eet. 

4) in, 11 (Migno S. li;il f.); vgl. praef. libr. J ?. lOOO. wo schto- 
mstici vol ».rruff-mlea ala die Störer des kirclilicfaeo P'riedeDS zosamineD- 
gostoilt eiud. 

l) Praof. S. 1001 f. Qefele (C U. III S. &99) erklärt die Wocl«: aobis, 
i|iiibu8 . . ad regtmdum vuinioiasa est = ihr woltlichvr Ann, Sl enerniatta, 
BeschUtzor, K»rl hM Jedenriill« SCetiertuxnu nicbl = ÜeBubtilxer {{t<rMet : 
er wullte der Reguut dvr Kirche »e'm und war i». 




- 2ft5 - 




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kt I'tlitiht, sich Geliür zu verscliaiftiu. Um die Orientalen 
TDfloMla ius UurecliL zu setze», legte er in ileu Besclituss von 
Nioia eiue Teudenz, die ilmi voUälüodig fremd war: lias Aoa- 
tbema ober die Hilderfeiiide sei gegen die frUnkische, die abend- 
tlisclie Kirclie geriehlet'). Wie Feinde brächen die Orientalen 
lenie berein: es sei seines Amtes, diesen Angriirabzuscblagen'''). 
Für gefährlicti hielt er diese Feinde nicht; er spültet über ihre 
(loritlgen QrUnde; er hülint: Uit diesen Waffen versuchten sie 
uns u schlagen, die wir zuFriedeti sind, Uutt allein zu verehren 
uod aftzubelen ; mit diesen Pfeilen unteroaliinen sie uns zu durch- 
bohren; niit diesen Lanzen wagten sie, uns xu bekriegen; mit 
(licwn Schwertern wühnlen sie, unsere Fciheit (Iberwinden zn 
k^Bnen'J. Aber sclioti gegen den Angriff bftnmt sich das stolze 
SelUlbewussisein der fränkischen Kirche auf. Ihre Hechlgtaubig- 
keit K\ Ober jeden Zweifel erliabeu- Zum Beweise niuss ihre 
Vertiiudung mit Rom dienen: alle Kirchen llbcrrage die ruiniache, 
in Pvtrus habe Gott selbst ihr den Primat Übertragen. Wahread 
OOD viele andere Kirchen sich von ihrer Gemeinschaft trennten, 
'ttt*e die fränkische Kirche nie von ihr gelassen: von den ersten 
^'Citeu des Glaubens ao sei sie mit ihr in der Einigkeit heiliger 
Frömmigkeit gestanden; wenn sich im Laufe der Zeit gewisse 
Vertcliiedenheiten in den kirchliclieii (iebriiuchen bildeten, so 
litije dadurch die Glaubenseinheit keinen t^inirag erlitten; auch 
■dicite ja die Gegenwart daran, sie auszugleichen*). 

Die Karolingischen Biicher geben dem Bewusstsein der 
jmgw germanischen Well Ausdruck, dass sie der alternden 
SnechUchen ebenbürtig sei. Mit ulTener Absichtlichkeil rüumte 
KmI den Orientalen in keiner Hinsicht den ersten Platz ein. 
Uan bemerkt es, wo immer die politische Stellung der Reiche 
Wofart wird- Denn wer möchte es für zufitlHg halten, dass 
Karl den Kaiser als König anredete*)? Es war tendentiüs. Er 



1) Vielfach, a. t. B. U, l2 S. 1077: Da nobis, qui fmn^iDum adoratio- 
oen iperoiuiiu. 111. 11 ä. 11 J2: Uiiiiis partii ecciesia . . totiue mundt 
^leiiaa conatar anailicmatizarr. III, IH 8. t\b2. 

2i Traef. ti. 10<Jä: licribere coinpnl» shidq«, ut . . inertem vel poiiua 
""nuifli Orleniali de pan« veDlentein hasicm oceidtin In parte ptr nna, 
'***•(• Oau, allau faDctaruio patraio teotcatiB feriat. 

3) IV. H5 e. 1241. 

4) I. 6: Jair« S. 322 ff. 

&) Praef. 8. 1002 (Mifcne): Indaaitnavll ventosa« arrogantiac Inflaia 
Uibiiio et vaaae laudU insuleDtissimiu a|)|)elitus (luoadain orientaliiimi 



- 28R - 

vortnicd, einen Titel zu (gebrauchen, in welchem die Zeitgeiiosseii 
eine liüliere Würdu aiierkuiiiit Uiificn konnten . als er sie selbat 
bBfiOfis. Dur fi-kiikisclie llerrsclier des Abcnillandoa wolllo gani 
auf gleichem Kii^se mit dctn griechischen Herrscher dea Morgen^ 
tandes stellen. Duss sich der letztere als römischer Kaiser be» 
zeichnete, tüsst Karl im Lichte eines Unrechts erscheinen; s^ 
doch das rdmisclu? Kaiserrhuui, das von Daniel im Gesicht ge 
sehcnc vierte Thicr, die Verkörperung der Feindschaft gegen 
das Chrialenthum, die Sttitte des exzessivsten Bilderdienste«'), 
Wie rein stehe dem gegenttber das rr&nkische Volk da, dal 
seine Elire darein setze, Gott allein zu dienen^). Zu gleiches 
Verurtheilung mussten die gesobniackloseii Phrasen des byzaa> 
Ituischeu Horslils dienen; grosse Worte, die ihre Bedeutung 
völlig eingebüsitt hatten, vorwarf Karl voll bitterer Indignation 
als Uolleslusteruugen; <las staatliche ]<eben der Krauken sei davon' 
ganz utibertlbrt'}. Das (Jeflibl der [ObeubilrLigkeit steigerte sichi 
vollends ^u dem der L'eberlegenheit, wenn von der kirchlicheaj 
Wiäsenscliaft die Uede war: hier standen nicht mehr nur die! 
Franken ge^cu die (iriechen, sondern der Occideut gegen deni 
Orieut Wie die rümischc Kirchen don Theologen Karls als ditil 
erste unter den allen Kitvhcn galt, so meinten sie, an den 
berühmten tuteinischen Kirchenlehrern hinreichende Meister zu 
haben: wo7.u bedürfe man der Orientalen? Die Werke eines so 
berühmten Heiligen der griechischen Kirche wie (Iregor ron 
24v8sa nicht zu kennen, machte den Verrassem geringe Sorge: 
niüge das LTrIheii über seine Schrillen dahingestellt bleiben; e$ 
sei uberllüssig, sie zu keiiiieu*)- ^^^ kann sich denken, wia 



partium oon lulam ragus e«<l «tiaiu »Acerdutes. Ib.: (jood rex eurnni Oont 
slHiitinii) füs ab idolis lib«r:i«seti gctDciiit ist KoDRlantlo V. 11t, 19 S. 1152 
iMigDC) vun Kuustaiitiu und Ire««'- jiriutipi'a L-orutn. III, 22 S. 1159: Dun 
a regibns et o. sa^crdoIibuB . . rtcto vivuudi siudjuoi prnecerntittilur. Uveb 
IV, 20 S. 1227: Iiupuraitne» coriiua. 

1) IE, 19 9. 10^2 f.; IH, 15 S. 1142: I»oct«r gentitioi iion to» impc- 
ratorUBi imilatorea aed suo» Iiuo Christi Beri liortattirj vgl. 8, 1143 f. 

•i) IV, -ib S. 1241. 

3) I. 1 ff, S. -1005 ff. 

■i) II, 17 S. 1082: Dum Gregorti Nyaaeui epiacopi « viu nol)i» «I 
pMcdlcatii) Bit iuiiuia. lesliinonia quse de ein» opii-iculii profeninlur ti 
res (lubias cutitinnandas , mimis ceriiuutur asae idunua; uade eiua doelrina 
nee. a «»bis ml hiHigut laude pr»er«ri.-iida nee adinodum reprehendeoda, lei 
illius dogmito cutii caeccronun do^ftnatibus, (jtios l|$QDr.-Laiua , postpotfto 
reatat, ul poat prophedcas et evangclica» aive apoatolica» scripiuras llluatrlnai 




gningtchützig die «citgeofiesiachon Orientalen bclmadelt wurden. 
Neben dem l'adol ilcr Antnassung wird kein zweiter Vorwurf 
ihoei) 80 on und so naciidi-ilclclicli enlgegcn>^eäclilcudert als iler 
ritfThorheit und AtisurditiU'). Im Untcrsi^hicd von den Vilerti 
r«n Üie&a gaben sich die Crünkisclien Theologen als die echten 
VerUeter der gründlichsten Gelelirsamkeil und des ficliürfsteii 
CrtheiU. Wie oft liftllc« jene Aussprnclie der Schrift und der 
Kirchenlehrer nicht rcrelanden'J; aber sie begnügten sich nicht 
mit zweifelhaAen Ucberselzungcn altteslamentlicher Stelten: sie 
ktooMa den rechten hebräischen Texti). Jenen imponire jedes 
VMercilat; aber sie wahrten eich auch den bewährtesten Lehrern 
Kegenilber das Hevlit des Urthcils, (gegebenen Kalls die Pflicht 
daer abweicbenden Meinung *) i selbst Wundem gegenüber 



«lUn UlinoniiD doetorum, quorum nübla et viu et praedicatio Inrintiilt, 
•in Grseeoruai , qnl «t oatlioHci fuerunt vi a cattiolicis aequc In nostritai 
fingiuu iranilatl sonr, untnin ilo^miübii!! cnnicnil simuf, 

If Diosofl pBDkl hebi Keuter «. a. O. S. II t. lieionder» hervor. 

!] I, 7 S. 1022 ff. tnk Bnbg auf Geo. 1. 26 f. : A qnoruto (der VStpr} 
*fW tt doctrin» qiiantuiD digtent qui hoc l<-HtiiiiQnium iinftginilmii . . accu- 
B<4aB^ noB Dostni «et iliaserciiduiii «loqui» aed lecloris reservaatlMtu iiidkio. 
ui (juanlae iu bac (lartc «iut vffcordi»e non noster eiini atiliis, Bcd auna 
ixiuiuiieat seasus. I, 9 8. 1027: One: pevuüariter arqne futiiiliariler usctnpto 
nia&tur quod Abraham filioa Heili et Moyaea letliro sacerdoiem Madiam 
i'lmase lecnBtnr. Quorum (juiileoi ntlciratiü (ictutu distal a pictao JiDagitiU 
Siloniione quanttim |>ictus ip«c humu a vcri homitjis r.ttiu»e. I, 10 H, 1029: 
Mqq iDcdioeris aoeordiae est huc L>it:tiu ad Imaglauin aduratEiinem adalrutn- 
di» eivispluui proferre quod Jacob lapideoi erexit in tidilum. Iu äfanliclior 
^'«M gclii ea fort bis n, 12; von U, 13 an begioot die Polemik Über 
pvriitiicbe SiellCD. 

-3) I. 13 S. 10i4: UagDBin se ob adoraadas iiuu^lut'» in faao re (tien. 47. 
^0 (ntula&lur bibvre «xctuplum; cum vid«;licct ja latinia codlcibiia non 
'*S*tbr: Adoravtt sutiiiotfAleui vLrgae Josppli, sed tu quibu^dani: Adoravtc 
**P<t caput vir|{Kt! et in üebrnea vuritnCc, cui pulisoimiiin fido« adliibuiida 
'*'' atdbuu peniiuavel lennoJier meiiiiLtnFiiD virjjao faoial, sud dioai taiiluin: 
Ailwavil Israel Utfum cüiiv«t*ii» ad lecliili capiit. I. 9 S. 102Ö; I. 16 S. 1033. 

4} IV. 16 S. 1146 wird gegen einen 8ala des Basiliua poleiuiairt, 
*"<■ 'der Diakon K|ii{)haTiitia in der 6. ^iitung eu Nicna wkdcrhult baiio 
iBim X\H, 326); 7/ i^e tvx^ntt i'^^ tni tä nimrötv^oy thiiflairti, Uie 
^Vtichpn Theologen erkläreu : Qnofi quideui quomüdo ticri valeat et 
uitvtg üeri valent, buUa ratione pvtcipilur, dcc diviiiuiuiu cluquJoriiai testi- 
■Duniii apptubaiur. Daa Urtbeil Über Ur«gor von Nyasa a. oben S. 286 
AjBwk. i. 



- 388 — 

bestünden sie auf dem Ileclit des Zweifels'). Falscbe Urkl 
und erdichtete Gesctilcliteii vennücheii sie uiciu zu tüuschßn. Mil 
welchem sichere» Vet-(raueu in die UeberJiereruiig hatte ebeo 
Hadrian den Griechen die fabelliaftß ßeschiclitc Papst Silreslers 
en&ftlilt, um die Berechtigung der Uildervcrehrutig 7.1) beweisen")«? 
Die (ränkischen Theologen sind dagegen mit dein Urlheüe bei^ 
licL* Hand, die Altteii Silvesters seien wcrliilnü'). Seit lange gQ-'| 
hOrte zu den Pruiikstdclten in der WalTenrÜslung der Bildei^t 
freLiude der Hriel'wechsel Christi uiit Abgar von Edesaa*). St&^i 
dagegen erklärten diesen Briefweclisel Tilr apokryph, da di«j 
Krangelien, diese wahrharti^eii Zeugen von dem Leben de* 
Berrn> nichts rr>n ihm wllsstcn^j. Unter den Aktenstücken, 
welche die nicäniscbc Synode 7iini Beweise ihrer Ansicht liatl«. 
Terlesen lassen, befand sich ein Brief des Styliten Simon an 
Kaiser Justin 11.'). Aber dieses Heiligrhum machte auf diC' 
Theologen Karls keinen Kindruck: man argwoiinte, es sei nicht 
das Werk eines heiligen Mannes, sondern das irgend eioei'^ 
schlauen Betrügers^) Ja man halte keine Scheu vor den best* 
bezeugteil Ereignissen. Hatte nicht der grosse Kusebius ausdrück- 
lid) zum Besten der Nachwelt von der wunderkraftigeu Blume 
vor dem Bildnis des EHOsers zu Paneas Bericht gegeben"). Die' 
Tränktschen Theologen bezweifelten, krdii ironisch, üb die heilende. 






i) in, 25 S. 1167: Uoc olinin ilii« ad suum errorem adstraeodmaj 
familiär« Pst, quoi) per qnaadaiti iiiL-i^ines ntioTiiilla iDJracula fncta fuiM« 
ptirblbenc. Quutl tsiUL'Q dcc Veteria nee Noii ToBCaiuentl pa^floa detDODstr^t, 
qu&c quirlein et sJ iiapinm riea v«l auilica fniase probarenti>r, dobitaDdon 
erat. IV. n S. 1205. 

•2} Hndr. op. ( JafF^-W&tteiibai-li 3446.1. 

3) II, 13 S. 1078. 

4) Ep. Grog, ad Leou. (Matis. XU K.dß'l), Conc. Nfc.aot. V (XIII S. 
b) IV, 10 S, i'2d'i f.: Sunt fliicnta vi^riMtis. qua« filiere fallique n«- 

tciiint, in quorum vaaliasimia amnibii», cilhi pUira domluhToruai gestorun 
lD8ij{Dla habeauliir, «tmilem ilomiiium Abgari ciiia«d&u] regia «pistoUtn 
aiiscepiasL' ciqiie rf^ripmcam dualiiiaase tniniioe habetur. Quae dnae epistolae, ' 
ciiiD a aancti i>vaT>gt-lii lectione nint pcnitiis (■xtranexn et a h Oelnsio . . 
inCfir upücryphas »rripuiras prurBus di>piilatai>, n«D sunt in teatimonluia 
quodammodo prodacendae. J 

6) Coac. Niü. aul. V (Maus. XIII .S. 159). j 

7) IV, b S. 1191: Timendnni est, nc epiatola . . non T«rba nint viril 
sanoti, 9ed citiusdain niitchiDauiüJiii verseicl. 

8) Eu$. b. eccI.Vil, tH. von dem Uinkon Kpipbaniua in der S.SitxaagJ 
erw.^lmt, ohne Neonung des Buaebiaa. 




i 



- OSf» - 

ntine je gewachsen sei'). Sie wussten zu gut, wie HeiÜgen- 
(mgraphicn eatslehen^ um ihnen unbesehens zu glauben: daher 
erkl&rlen sie. rlieser ganzen Literatlirgattung gegenüber gelte 
der apostolische Aussprucii: Prüfet alles^). 

In (lieser britischen Stimmung traten sie den Verhandlungen 
ond den Beschlüssen von Nicäa gegonOber. Sie waren geneigt, 

("edes Wort zu bestreiten, das dort gefallen war. Es ist oft 
nug gesagt worden, wie häu6g sie dabei über das Ziel hin- 
iisschossen, wie manches Misverstiindnis und wie manche iUis- 
utung der Aeasscrungen der Griechen mit unterlief, wie niauclie 
Sophismen und nüchtigkciten sieh die Verfasser ku Schulden 
koinnicn Hessen*). Aber damit ist doch das Urthcil Ober die 
KnroUngi sehen llucher nicht gesprochen; ebensowenig damit, dass 
man daran erinnert, dass die Synode selbst zwischen Verehrung 
and Anbetung unterschieden halte niid die Franken also gegen 
einen eingebildeten Feind küoipfteu, indem sie das Recht der 
Anbetung der Bilder bestritten»)- 

Denn das Urtheil, welches Karl über die Bilderverehrung 
(Allen Itess, war von demjenigen, wciclies die Griechen unter 
7'Oslimmung des Papstes gefällt, thalslichlich doch verschieden. 
t*i« Dicänische Synode beliatiplete den religiösen Werth der 
Bilderrerehrung. Diese Behauptung bestritt der fränkische 
KöDig. Die Ansicht, welche er durch eeiuB Theologen vertrat, 
"ar, dass ea religiös ganz gicichgiltig sei, Bikicr zu haben nder 
tiiebl zu haben'); mit der Religion habe ihre Verehrung nichts 



I) rV, Ib 9. 12t6: la (lao facto ai latnen fActuoi ease credatur, null» 
iuglotiiB adoraüo comii]eDd.i[ur. 

i) IV, 11 ä. 1203: Cava pcne in omnibtia liiiluacemocli s(.Tif)liiris hxan 
Kfnt« (oD&ift probate) jirorsu» ait obdcrvauiJa, in libris iiuuiiiie, qui goeta 
loiniiulam patrutn retioent. penitus eat cuatodienda. 

3) EeaooderB üefcl« bat Wcl Fleia« dut-auf verwandt, die TrrlhUm« 
'^ XaroliDgiacbon Büober duzulegen. Die Sacbe leidet oar an der 
***i*riKlteit . das« wir die Uebcrscrzting, welche ilirt'n VerfasBerti vorlag, 
"wt hcfioeii, aUo nicht wisaen, wo sie irre DibiLe and wo jene irrleo. 

•il Dieser Gcaichtapuaki von UUlilbacher (0. O. uoier d. Karo). 8. I9&) 
«•tli IwtoDt. 

5] 11, 31 S. \08b f.; Solua Dens culendiia , siihis adoraadus, boIub 
(«iGeaDdns est . .; cuina etiam aanctia, qui triuraptiato diaboli^ cum eu 
'^futit, atre qnia tjrllllvr ccrlaveruiu, iit ad nus iuculiimis Status ecclesiae 
P*"tniret, »ive quia eandom ecclesi:tiu aeniduis aiiffrai;!!» i-i iDlcrcesaiou.tbus 
*dinv!tn> BMciintiir, v«nerntiu cxbibenda Pst. Iinngiuea vero omni aai ßuLtur.i 
*» »JofiitiijDc aeolusa, «irum in hftsilicis propter metuoriam tcruin geatarnm 

Htiek, Klh'li*ncr<r1ilr|jlv DeuUdiUniU. II. tQ 



- 990 - 

zu IhQn, CS sei weder Pflicht, sie zu verehren, nocli sie zu ver-| 
nichtcn')i man bringe sie in den Kirchen an zum Gedäclilnis 
der Ereignisse, welche sie darstellen, und 7.0m Schmucke; eine' 
audere Hedeutung Ittitteu sie nicht. Karl liebte die Kuiiel; er' 
hatte kaum uOlhii^, das MisverstündnJs auszuschliessea, das6 er' 
ihr abgeneigt sei^). Aber er wusste zu uoterscheiden zwlschea 
ästhetischer Krhebuiig und religiöser Erbauung. Deshalb wies 
er immer wieder ron dem fanatisch gefflhrtcn Streite hinweg aut; 
das Einzige hin, das in der Religion Wortli hat: Die Propheten' 
und Apnstel häUeu nicht gepredigt: Verehrt die Bilder, sonderQ' 
rorchtet Gott^). Der Herr sage nicht: Was ihr den Bilder», 
sondern: Was ihr einem dieser Geringsten ^elhati habt, da«: 
habt ihr mir gethan; iiicbt: Wer die Milder, sondern: Wer eucb' 
aufnimmt, der nimmt mich auf. Der Apostel gebiete nicht: Lasa^l 
uns die Bilder Heben, sondern : Lasat uns unter einander lieben*).' 
Nicht mittelst sichtbarer Dinge sei Gutt zu suchen, sondern mi^ 
dem Herzen; nicht mit den Augen des Leibes, sondero miij 
denen des Geistes müsse mau ihn erschauen. Unseliges Ge- 
dächtnis, rufen die Verfasser aus, das, um Christi zu gedenken,^ 
eines gemalten Bildes bedarf, wahrend doch Christus nie suS' 
dem Herzen der Frommen weichen darf, das Christum nichl' 
anders in sich gegenwärtig haben kann, als wenn es ihn auf 
der Wand oder sonst irgendwo getimll sieiit'). Jene, heisst ea< 
ein anderes Mal, ruhtnen sich der lülder, wir aber rühmen onfll 
des Kreuzes unseres Herrn Jesu Christi, durch welches uns dift 
Well gekreuzigt ist, und wir der Weit**). Die Auferliguug uad 
Verehrung der Bilder wird unter den Gesichtspunkt des itusseren, 



H ßm&menluin slnl .in etlnm non sint, nnllam fidel onthalicac aETerrc |)o< 
leruDt praeiudkiuiD, ifuippe cum ad ptragen J» noafrao saluiia uysterli nuUtint. 
pcnitus orficlncn hubcte noacanlor. 

1) Praef. S. lOOß: Nos. . imn^trtca in orniinieiKis «onlesiarnm et meuiarii 
rertiiu (jcstsriim halientes et soliim Peiiin »doratites et eins sxnctis oppor- 
tDDitm vencrationi-in eihihenres, nee cntn ilüs frangitDua, nee cum istif 
:tdor»iDiia, seil illiii» iDVptiasimxeaynodi Bcripliiram . . fitiDlieiitra, insUtutorift 
rosiri sertnonia videliret dnminioi nitimnr fieri naqiieijnaqiifl sequitc««. 1 

2) lil, 22 8. 1160: Kultus snni cspitia Dei]i)« iHi»ginit>u« detrabit n^^ul 
arli pivtoria«. 

3) I, 9 S. 1027; 11, 21 8. 1065; IV, 18 8. 1232. 

4) III, 16 S. 1147. 

5) IV. 2 8. 1187. 

6) I, 9 S. 1029. 




- 291 - 

iMmOB Augen wcrtliloseii Diensles gestellt: sittlich werthvoll 
tti in Wahrheit nur Gesiniitini! und Wille'). 

Solche Stellen xcigen, duas bei ijcm Einspruch gegen rüo 
»'eile nicäniAche Synode neben den politischen Motiven auch 
nlipüse wirksam waren. Man nahm Anstoss an deoi Ahcr- 
g]ftul>e;i. der sich in den Verliandlungen der nicänischen Synode 
lireit niaclite'j, den man aber ebenso in dem Vorgehen der 

I Synode von 754 fand'^ Vor ihm die abendländische Kirche zn 
(«ehaicn, fühlte sich der König verpflichtet; er fürchtete von i]ini 
eine Schädigung der Frümuitgkeit'). 
I Die Karoliugisclieii Bücher wureu bestimoit, auf die üfteiit- 
fiche Meinung eiiuuwirkeu. Au uicht weuigeu Slulleu appelüreu 
die Verfasser au das Urlheli des Lesers'), b^ ist cUuruklerisliscIi, 
da» Karl sich bei seioeui Vorgehen gegen die nicäuische Synode 
&ur die Uevulkeruug zu sltttzen suchte. Nicht ininder, dass er 
nicht im Namen der fränkischen Kirche allein zu hundein ge- 
daclite. sondern im Namen der abendlündischeu ChriGtenheit. lu 
Konslantiaopel hatte man Datürticli nuch weniger daran gedacht, 
diu eoghsehe Kirche zurTheilnahme an der Synode einzuladen. 
Uier setzte der König ein. Er sandte Im Jahre 792 die Synodal- 



1) III, 22 S. lltll : Omiiipotens Dcub nun opera sed devotionnm opemiD, 
"Co Uli» s«d voluoUtes acttiutn, nee tcs sed causa» renim, oec qdiaqiiis 
'*elar, sed qua mente Id faclat, plenimque aiit probat aiit Improbat. 

2) n, 13 S. 1078; 9»flpe . . fateri cogimur, quud . . tiiDagimiin) in- 
^^IcMianina vel poHns uiperatitiosissimA expcranda ail adoratid; cbcuso [I, 
» ai076. 

3*1 Praef. S. liX'S; Gesla est aoto tios atinoa In BItbyniae partlbue 
'iHacdam syoodoa fam inoiiita« tamque indiacreta« procaciUti», ut imagines 
tn ottaaMBtls eeeleaiae et memoria renitu gvsl.iruu ab an(l(|uis puaitas 
^eanla abolerenl abdicatione. Gemeint ist die Synode voa KonBiantinopel. 
1003: Qesia prseterea est fenne ante trieaaium et altera syDodus illis 
partihi» ab eornin, qni priorem Ktfuerzot, Buci'Maoribds ve) a pleriaqa«, 
IBi !■ prior« fuUse narraniiir: quai) tami-n qLiami][iaiii :i prioru dietct voto, 
Aoti lamen distal errorc^ et »i di*par est negotio, eat tamen cnicpar liagitio, 
^t cum Sit posterior tooiporc, ans tarnen eet posterior crituine. 

4) 11, 31 S. 108b: Cavcndum Uli« eit et modii oninibui pcrliaie- 
Itnn, B« dum iujaginum culLum et aduraCioiiem Cbrlstinoae religiutii 

aituottir, eingularem unlus Uei cultam et adoratioDcm fruatniri 

5) 1, 7 S. 1032: Qiiod ab Ulis est negllg«nter ttsarp-itiini et a virls 
^cvenbilibu« et spirilu sancto rcpletis epiritualitvr prplatuui, lectoria in- 
*luttria eil dili^onter aoceptnm. Ib. S. 1023 u. Ö. 

ig* 





- 393 — 

akten iiacli Mritannioit. Voll Sclimerü fanden diß angelsüchsisclien 
Theologen hier Lehren vorgotrageo, vrelohe sie nicht zu billigea 
rermochten; auch 8ie laseu in dem Heschlo&se von KicAa ilas 
Gebot der ßilderanbelutig. Sofort war Alkuin, der in jenen 
Jahren in der Heimath weilte, bereit, aus der Heiligen Schrift 
KU erh&rten, dass eine solche Lehre der Wnhrheit entgegen sei. 
Die Könige und lüscbOfe der Äiigeiaaclisen unterzeichneten seine 
Denkschrift. So. als Erklärung der englischen [Cirche, wurde 
sie dem Frankenkönig wieder übergeben'). 

Auch Papst Uadrian sollte zusliaimcn. Es gibt kaum eine 
sweite Tliatsache, welche gleich drastisch beweist, dass Karl 
Hadrian ganz als abhängiges Werkzeug betrachtete, als dieser 
Versuch, den Papst zu einer ErkUircmg gegen die nicünisciie 
Synode zu veranlassen. Denn Karl konnte es nicht unbekaoot 
sein^ duss Hadriau ihrer ßerurung zugestimmt, dass sie in Gegen- 
wart riJinischer Legaten stattgefunden hatte nnd dass ihre Be- 
schlüsse von diesen gebilligt worden waren. Er rttchte steh 
grausam für das eigonmächtige Vorgehen Hadrians, indem er von 
ihm die offene Misbilligung desselben forderte- Ein demüthtftcn- 
deres Verlangen Ist nie an einen Papst gestellt worden. 

Karl Hess aus den Karoliugischen Büchern fnnrnndachtzig 
Kapitel ausziehen , in welchen die Punkte verzeichnet waren, 
welche er als Irrthümer der nicänischen Synode betrachtete"). 
Durch Angilberl von St. Riquier sfludie er sie im Jahre 792 
nacl) Rom: Hadrian sollte kraft seiner ptlpstlictien Autorität diese 
Irrthümer verwerfen'). 



1] Ann. Nordtfanmb. z. J. 792 (U. G. Scr. XIII S. 15&). 

2) Die KapituI sind in dc-r GcguDacbiiPt Uadrian» (Maos. XIII, 759 C] 
erhalten. Man vgl. llber Mo Hefele, CG. 111 S. 712 ff. 

3) Hadr. ep. S. 759 {= Ale. wp. 33 S. 246): IuUt quxe (Engilbertusl 
edidit nobia capitularu advcraiitii iiyaodum, quae pro sacratnm imaginum 
erectioDC in Mcaca acta est. Sya. Paris. &. ^2b (Maos. XV S 422): Cum 
(Caiolua) quaedani capiCala, qiiae reprt^henafoni pAiebant, pracnotaaaet 
caquc per Angilbertum abbateoi IladHauu papae dtfexiieet. ai illiua iudicio 
et auctoriiaie currigcrentur, ip3c rursna . . per siogul» c:ipituta . . mpoo- 
dcre quae voluiC, nou taaien quae decuit coualus est. Hlenacfa Ist dto 
Anaahine WagflomanDs (P. R.E. YI[ S. 535), Karl habe die Karollngiachen 
Blloher DOcb Kom geifimlt, aingeBcbloMer ; vgl- Ilefele, CG. Ul S. 713. 
Nor dio Annaiime ist mir unwalira6heiDlii.-h, dnss dieser Anszog auf der 
Frankfiirtfr Synode gemacht wurde. Üsdrian hitlic dann doch die Aonabme 
der Kapitel durcti die .Synodtf nicht mit .Siillachwcigcn übergehen können. 
Auch die Pariaer äynade siebt in den Eapit&ln nur eine Erklärung dea 




I 



I 
I 



Vergleicht man diesen Entwurf zu einer pfipstUclien Er- 
kflnng mit der Deukacliririr welctie im Namen des Künlgs aus- 
gegangen war, so fallcü Irolz der volleu Uebereinslimniung des 
Isliilt«') gewispe Verscliiedenlieileu auf. Die Uauptsar-he ist, 
dsES die rriinkisclien Tbeuloi^en der Stellung des Papstes inso- 
ferne Rechtiiiiig Irugeti, uls sie den Kapiteln einen nuasciilicsft- 
licher llieolngisclien Charakter guben wie den Karolingischon 
HDchem. Ad die Spüse der gunzeu Reihe traten die Bedenkon 
gegen die dogmalische Rei^hlglüuhigkeit der Orientalen: Tarasius 
irrt, [Ja er nicht den Ausgang des Heiligen Geistes aus Vater 
und Sohn bekennt'); auch die Lehre der Orientalen über da« 
Verli&ltnis des Snhncs zum Vater ist nicht unbedenklich*); die 
TOD einzelnen Bischören verlesenen Bekenntnisse sind nmugel- 
baß*}. Es stimmt dazu, dass die Polemik gegen Koustautiu 
OBd Irene wenn nicht ganz beseitigt, doch beschränkt wurde*). 



Da ADgllb«rt 792 In Rom war, fto nDl«r1ifgt die AnDa.bma, er 
Mli damala Hie Kapitel oacb Kf)tn überbracbt, keiner Scliwierigkoit. KHrl 
ttmudt« dann K'<-'icbzvitig die Akten nacli Cnglftod und die Kapitel 
lucb Rom. Uua dies ZusatDiaonlrclTtia Jene ÄnnahiKe aatpfiulilt, lie^ auf 
ier Oiud. 

I'i Die Kapiltfl atimmeu faat duiciiwcff mit den DflUerscbrifcoa der 
UDieloßn Abacbniltfi der Karoltnf^iAchen Bllcber tiberein. Ohne V'orlnge in 
<Iu letzteren sind 11. 19 8. SM; 22 S. 804 und 'Üj S. 805, sofcru diese Sl«llo 
dtr ep. Hadr. echt ist {». Befele a. a. 0. 8. 707). Andererseil« werden 
^ol(en^e Kapitel der Knrolingl Beben Bticbor k dem nach Rom (fcäHiLdCtn 
Cqiltular« nicbt repioduiiri: l, 2, 3, 6, 19—21, 23. 24, 29, 30; il, 11, 13, 
1S-J7. 2-1; 111, 1, 2. 8, J). 12, 16; IV, 7, 12. 14-29. Man haidtnürund 
Utiit wob! in der Absiebt ku tindcn, die Zahl der Kapitel oicbc xii sebr 
laicbirellco sa IsaieD. Die Ordnung Im Kapitulare weicbt darobwei; von 
^«r in der Denkacbrifl ab, ist aber sachgcmücsflr. Indem du Verwandte 
BuiDDwngDMelll ist- Die Kapitel waren in zwei Ueiben von CO und 24 
l^j äitzea geordnet. In der Iteaiuwortitng des Papaies sind dieao Reihen, 
*«fcl dorcb ein Verseben, zerriiiawi. 

i) 1. 1 3. 760 = Llbr, Carol III. 3 S. 1117. Der Wortlaut ist cii- 
SUtt versehärri durch die Uniselzuog des .utnuo lecte" in ,(i,uud Don 
'nte* and durch die — freilicli iiiit;llii;iciichc — Bcrnfnng auf das nicänieche 
^Tvlwl. Aorniilitf ist, daaa Uadiiatj divaen FebtcT ilborsali, ubgleiub iu 
KiHD die koiistaDtinupalitaDisi'h« Formel obno diu Worte et 6liu in Ucbung 
"r. Vgl I, 3 8. 766 = L. C. III, 5 S. 1123. 

!) I, 2 S. 764 = U C. lll. 4 S. 1121. 

4) 1, 4 S. 787 = L. C. UI, R Ö. 1124; I, 5 S. 789 = L. C. III, 7 
11.1127; I, G 8. 7«9 = L C. MI. 10 S. 1131. 

i) Der Vorwurf, dls Pliraao ^per cum qui cooregnat nobia Dens" eeC 
blupbeniacb (Ubr. Carol. I, 1 S. 10ü5), wird II, 21 8. Sü4 wicderbolt; 




- 0^ " 

Aach (las ist ein Unterschied, dass man einiges wegliess, was 
dem Papste die Zustimmung allzustihr erschwert titUte. Hadrian 
hatte seinen Redeiikeii gegen die Reciitmässigkeit der Onlinalifm 
des Tflrasiiis keine weitere Fnl{;c gegeben und mit ihm als Pa- 
triarchen verkehrt'); dagegen war in den Karolingieehen BUchern 
in der schroffsten Weise dio Ungeselzlichkeit seiner Weihe be- 
hauptet worden^). Iklan iihergin<,|; diesen Punkt. I'i)>ei).so unter* 
drückte man die Bedenken gegen die von dem Papste benülxlen 
Siivesteraktcn'). Bas war eine gewisse Rocksicht. Aber sie 
ging doch nicht sehr weit. Wenn sclion in den Karnlingischeu 
Btlchern an manchen Stellen nicht Sätze der Sjnode, sondero 
Sätze aus dem Schreiben Hadrians bestritten waren, so wieder- 
holte sich das tu deu Kapiteln. Karl muthete dem Papste zu, 
dass er Worte, die er selbst geschrieben hatte, als nichtig und 
absurd*), Citate, die er gebraucht hatte, als irrig tadeltest. 

Hadrian hat es an Fügsamkeit gegen ihn Willen Karls 
oiemals fehlen lassen. Aber diese Forderung ging ihm za weit 
Er antwctrtete in der friedfertigsten Weise; kein uagehallenes 
Wort Ober das exorbitante Verlangen Karls entfuhr ihm*). Aber 
er wahrte seine Stellung. Es war wohl ttbcriegt, dass er selo 
Antworlfichrcihen mit citicr Erinnerung nn licn Primat des Petrus 
und seiner Nachfolger begann'). Das war der schwache Punkt 
in der Stellung Karls, dass er den pfipstUchen Primat anerkannte, 



ebenso der gleich« Vorwnrf mit Bezug auf df« Worte .Rogamas Inm 
pDlemiLiloin «t masime Dens rogn-t* uns I.. 0, I, 4 fi. 1016 cAp. ü, 8 8. 796. 
Dtsogoo bk-iljuD Libr. Caiol. I. 2 imd 3 8. 101 1 und lOU wey. 
d) Brief ilaitrians an TarRHiu» (Jaffa- Watte tihach 3110). 

2) m, 2 S, l|t^: (TArasiuB) \>vt rem peniliis i n tvrdictain «t naili 
prnfißjentfim — BefSrderung der Bilder Verehrung — nitiritr cinondar 
pciiitu« iotcrdictani et proreua ufGciviitttiii — 8«ioe Ordination, 

3) S. uhun S. 268 Anmerk. 3. 

4) I. 34 S. 771 (=L. C. 1, 13 S. lOSt): luductc et iuordinftltf diconr. 
die SlHIc in ».us Hndrfann Brief sn Kanflt.in(In und Irene (SJana. XII, 1(164). 
I, 2tJ S. 772 (= L. C. I. IS S. 10^6): Quod vaiiii »it «pe» eoniui «lo. l>er 
P»pM spricht in Bfliiicm Briefe S. 106.'^ cIIq getadelte Iluiroiing aus. I. 47 
S. 7t41 (= L. V. l, it} S. 103&): Uuam stjsuidc ngaot, das liittt wieder 
llndrian S. |U61. 

5) I, .(; a. 777 (" L, C. ri. 20 S. um) ein Chat aus Cyrlll als ud- 
Ijraiichlfar verworfen; s. don Brief de« Pspst» S. In6$. 

£) üailnaii hi-bt stHnua sanften Tou aelhat hervor: I, 47 S. 781: las 
SHperiite min'ssiuie exaravimua. 
7) 8. 759. 



- 505 - 



L der 
Mfehr 






nihrend diß Rechte, die er in der Kirche üble, die ganze SteUung, 
die er in ttir cintiahni, den Priiiiat verletzten. Im weiteren aber 
oagte Hadriaii die Vertlieidigung aller von Karl angegriffenen 
S^tte. Er verwahrte sich dagegen, dass er rede, um irgend 
eiofin Menschen zu rcchlfertigen; er vertrete die alle Tradition 
der römischen Kirche und die Lelire seiner Voryänger '). Aber 
wie die fränkischen Tbeologeu alles angritfen, so vertrat er alles, 
von der nic&nischen Synode ausgegangen war: weder 
reckte ihn die Ihotsäcliliche Verschiedenheit der inorgen- 
'2lndi8c)ien und abendländischen Lehre Ober den Ausgang des 
Heiligen Geistes davon ab, die Aeusserungen der Orientalen 
(^[ler diesen Punkt TUr rechtgläubig zu erklären '), noch kunute 
Cr sieh entscbliessen, die sinnlosesten Phrasen byzantinischer 
Kriecherei zu tadeln'). Der Finfluss, den die Kaiserin Irene 
Df die Syaode geübt hatte, schien ihm so wenig gegen das 
ircbliche Dekorum zu Verstössen*), als dir. Beziehung von .Scbrirt- 
tellen wie Psalm 12, 4 auf die gestilrzten Bilderfeinde'), oder 
alm 125, 3 auf den Sieg der Bilderverehrer*) gegen jeden 
Verstand in der Scbriftanwendung. Von den kritischen Neigungen 
der fränkischen Theologen war er j^anz unberührt. Hatten sie 
die Authentie des Briefwechsels Jesu mit Ahgar angefochten, da 
ic Evangelien nichts davon wüsstcn, so hielt er sie fest, da 
sein Vorgänger, Papst Stephan, den Brief Jesu nusdrUcklich 
cltirt habe*), ilatloo Jene behauptet, dass die Bilderverehrung 



^ 



1) L. c. 

2) 1 S 760: Uoc dogma TarMins non per to expUnavit Bcd p«r doctri. 
Hin saBCloroffl pairuin conf(.'s»i)s est. 

3) I, 16 S. 766 n'«nl<^ii .die göttlicbeo Otiten* Jattioiana verlheidigt. 
•4) I, 53 S. 7&i f.; aucb Helena habe mit ibrctn Soboc Kontiiauliii 

nad Papst Silveitfir eine Syuode abgehaltco. Ucmciot ist die aogeblidie 
itmt tSynodfl gegen die Juden (Maas. U, 3d f.)- t^aas in der Seblus»- 
Bttaang di« Kniarrio Irene den Vorsitz fülirtv, war durcti diese Aitalux'B 
freilich nicht gerechifertlgt. iJicBe im Hrouikoll rühmend erwllinn? Thai- 
Hcbe (S. 4IH: ttvi^t ;)(>nxnJio«oitv] verscliwrigt llbiigenn nicht nur Flxilrinn. 
Awb aus Hefeles Krxübiung (CO. Itl 8. 474) kanu sie derjenige, wt^lchur 
de nicht kennt, nnu)i>glieb hi' rauslesen. 

b) I. 40 S. 7(8: Disiierdat tluniiius nnlversa labla dolosa et llnguam 
Bagniloi)Uam. 

6) I. -It S. 77!>: Qu<>ui.iiu nun ilt^ruliniiiict doiniaus vlrgaiu iicvcätoruiii 
ir Mrtem iiistDriim, ut non exteniaol iusti ad ini(|uilatcni inanua anas. 

7) I, 18 6. '(U^; vgl. Stephnua Erklärung nuf der Lateranaynod« von 
(Mana. Xtl S. TJ2). 



- MG - 



weder durch das ßoisplol noch diircli die Lehre der Apostel gostQlzl 
werden könne, so erwiderte er triumphirend, der heilige Dionjsius, 
der Areop^it, der Rischof vnn Athen gewesen, bezeuge sie in 
seinem ßricfe an den Evangelisten Johannes*]. UrlhciUen jene, 
keine der sechs allgemeinen Synoden ImLie die Rildcrrerchrung 
geboten, so entgegnete er, sofort in der ersten grossen Synode, 
welche Papst Silvester und der atlerchristlichatc Kaiser Koustantin 
gemeinsam gehalten^ hätten sie die Verehrung der Bilder einge- 
führt '}. 

Doch wichtiger als dieser Streit Uher Einzelheiten ist, datt 
die päpstliche Antwort deutlich erkennen tüsat, wie klar Hadriaa 
sich über diu Tragweite der Verhandlungen war. Kr verbarg 
sich nicht, dass der Widerspruch der Franken die rümiscbeo 
PiipBle traf. Den gegen seinen Brier un Konsluntin und Irene 
gerichteten Einwand, es sei absunl, sich für die lühlerverehrung 
auf die Heiligthümer des Alten Testaments, Ruiideslade uod 
Chcriihiin, ku berufen, beantwortete er mit der Remerkung^ dass 
seine Vorgänger auf ihren Synoden dies getlian hiitten^). Je 
bestimmter Karl seine üebereinstimmung mit der Lehre der 
römischen Kirche behauptete, um so mehr Gewicht hatte diese 
Antwort. Den Anspruch der fränkischen Kirche , gehurt xu 
werden, wenn es sich um eine Entscheidung der allgemeinen 
Kirche handelte, erkannte er nicht an; er wies den Vorwurf 
zurUck, dass die Griechen durch die Synode zu Nicäa sich einen 
Uebergriff hätten zu Schulden kommen lassen*}; in der ent- 
schiedensten Weise behauptete er die Rechtsgiltigkeit der nicä- 
oischen ItescIilUsse: wer von ihnen abweiche, der sei auch von 
den sechs ersten Synoden abgefallen '). 

Niemals ist Hndrian Karl sc entschieden entgegengetreten 
als in diesem Moment. Anch wenn man mit seinem Standpunkt 
in der Bildert^agc nicht sympnthisirt, kOnnte man geneigt sein, 
seinem Muth die Anerkennung niplit zu versagen. dioderSr-hwache 
findet, wenn er das Redit soiner LIcbcrzougung gegen den 



i) 1, 36 S. 777. 

2} II, 19 ä. Doo r. 

3) I, 47 S. 781 



ni 



4) 1, b'i S. 78Q: Uli 000 iDAtlicmatuaveniQt cathuHenni ecelflsiaai, 
magiB ai) cam rororsi annttictDatiz.'iVL'riirt pBoido^ylia^iini iltuui uon 
coiiijjlicibuB etus haercitcis, qiii sncras iiii3K*nvs in KttiL'U vcciraia A priBc-is 
iciuporitiuB cüQfetitatna invcrcoiinde et incaiito non solum deposuernnt, aed 
lusuper ißcendoruut. 

ö) I, 60 S. 786. 




- 297 - 



» 



Stliterea vertlieidigU Aber dec Schlusa seines liriefes macht 
jedeAaerküDDuag unmöglicb. Er crwäbut die vod den Uriectien 
ciDgetogeiiei) ratrirnuaieu der rütiiischeu Kircbe: £war habe er 
lie TOD KuDstaotin zurUckgefurdert, aber dieser tiabc iiicbt ailt 
äwm Worte darauf erwidertj das zeige^ dasa er, «war ju eiuem 
Punkte TOD dem Irrthum bekehrt, im übrigen an ihm festlialle. 
GefoUe es nun dem Kuuig^ so werde er Kunstantiii kuud ibun, 
duit wenn er sich weigere^ die Palrnnonien zu restituireOf er 
ob lolchcn hartnäckigen Irrthunis halber als Hüreliker von 
der Kirche ausgeschiossen sei. Denn, so schlicsst Hadriau, 
wir wünschen sehnUcher, das Ueil der Seelen und die Ik- 
lÜDd^keit des rechten Glaubens zu bewahren, als diese Welt 

»in bttiizca*^). 
Mau in<^cbte wüuscheD, dass Hadriau diese Zeilen nicht |je- 
jtliirieben Iiülte; sie stelleu ihn niüralisch tiefer als alles, was 
■Im von ihm und über ihn erhallen ist. 
Bom und die fränkische Kirche nahmen im Mumeate einen 
I 8Ui«3prochen eiitgegengeactzlen Standpunkt ein. Uuch von 
■^fang an war es wenig wahrscheinlich, dass es zu einem enist- 
licben Streit zwischen beiden kummeii wurde. Die Kräfle waren 
K 11 ungleich; Hadrian war, schon als er sich zur Verlheidigung 
V ^tt iiicänischen S^'node aufrafTlc, zur Nachgibigkeit vcrurtheik. 
Durch seinen Vorschlag, Konstantin VI. als Räuber des Kirchen- 
guts ZD bannen, hade er soine RcreitwiHigkcit, nachzugehen, 
L bereits ongekündigL Auf lÜcsen Vorschlag ging Karl indes 
B nicht ein; wie es scheint, würdigte er ihn nicht einmal einer 
" Aiilwort, Er wollte klare Bahn: die griechische Synode sollte 
<li>rch eine fiünkische verworfen werden, und diese sollte als 
Synode der abendländischen Welt in Gegenwart päpstlicher 
l^len tagen. Die Dcnihthi^ung, welche IJadrian meinte ver- 
^ vieidtn zu ktfonen. war Karl enlscfdossen ihm nicht zu ersparen. 
B Wir wissen nicht, vvie Hadriau diese Forderung aufnahm. 
B Die wortkarge Ucherlieferung dieser Zeit berichtet nur die 
W nackle Thatsache, dass er die Biscliöfe Theophylakt und Stephan 
»'» Slellrertreter zu der Synode ron Frankfurt 794 abordnete»). 
'"0 den Verhandlungen in Frankfnrt ist keine Kuude auf nns 
S^oimnea. Alkuin, der sonst nicht gerade verschwiegen war, 




1) ä. 603 f. Der Sehltiss des Uricfei xuch hei JxlTd, Alo en. 33 
^2l9f. 

2) Ann. Einh, Laiiriss. >'utd. Chron. Moiss. c J, 794. 



m 



wnhntc') der Versammlung bei: nbor in kemetn sninnr Rriefi) 
crwühiit er sie. Warthin der Zwiespalt zwischen seinem Könige 
und dem Papst loid^ oder misbilÜgte er das Verha!t-en dcsletiteren? 
Doch das knappe Protokoll verkündigt die völlige lJnlerwerfun(| 
Uadrians unter den Willen des Küuigs: Kachdem anter Goltel 
Schutz krall apostolischer Aiiloritfit und nach dem Befehl unEerel 
frommen Ucrrn, des Königs Kar!, im 'JG. .lahre seiner Hegirung 
alle Hischfirc und Priestor des Roiehs dar Pranken, auch Italienrij 
A((uitaQiens utut der Provence tu Anwesenheit unseres gnüdigeä 
Herrn selbst sieb zu einer Synode versauimelt hatten, wurdi 
die Fra'^e nach der neuen Synode vorgelegt, welche die Griedied 
hbei- die Anbetung der Bilder zu Konsiantinopel geballen haben 
und in welcher sie bestimmten, dass, wer den Bildern nicM 
ebenso wie der heiligen Dreieinigkeit Dienst und Anbetung zollli 
mit dem Anaibema belegt sei. Unsere heiligen V&ter aber ver 
weigerten durchaus den Hitdern Anbetung und Dienst, Terwarfeil 
die Synode und verdammten alle, die ihr beistimmten*). 

Karl setzte seinen Willen durch: Iladrian mnsste, wie allfl^ 
die ihm zu widersprechen wagten, erfahren, dass er keine Ueber< 
zcugung duldete, die tou der seinen abwich: das ist der d&mo* 
nische Zug in Karls Wesen: aber darauf beruht die Kraft d«l 
Uerrscbers. 



1) Cap. 23, &6 3, 79. IloFelo (V.G. III S. 712) flndttt, dua die pipri- 
liehen Legnten bei Aurotellung d(^4 zweiten Kanons der Synode «in nichl 
{(cringo VeHct^ciibeli' {gebracht werden ajuaateD, Das ist sehr aacbte ga^ 
redet. iL'h liR'te, dans Karl niL-ht einmal lasstlo «o ^nuuLm beslrnne «M 
Hndi'Iun: ui hat Hin diircli d(e FrAiikruiicr 8yri(ide moraliicfi verntchtal, 
Was er den Kranken Docli Rall, etebt man aus dem Urlbeil der PartHlj 
Synode von 82i> (Uans. XIV S. 43:^): HadriAiius favendo Ulis, qui cid 
inttinclii tam niiperstitii»» quainqiic iocuiigrua teslimooia memoralo opMJ 
iiiHcnicrniit, per singtiU capittila in iliorum eiousatioDem respondere quXfl 
\oiuir, Qon tnuen (jiise decuil, cuttatug tat. 'l'nlia quippc tiihscdaui snal) 
quau in illoruin obiectinncu! opposiiit, quHn reinola poniilidli auctoritaH 
ut veiitnit et «ucturitati rcrrUf^aDtur. Sed licet iti ipsiit uliieolionihits al(< 
qiiand» absona, :il)i|iisndn iciconTcnieiitla, !i1i<|iiando eiiaui reprelicosiool 
dignx lexlimoiiia dwfengioiiw k"'-'**'^ proferrti tiisii« SJl, etc. Man hem«rk4 
diti Bpilzi(;o Beziebun); auf die Versicbeninii; ilvs Papsius ?• 759. Wfl 
Langen (liescb. d. röin. K. 8. 7b8 f.) s.igl, acbi>in( mit aller Wahrschoill> 
Itirtikuit zu cntbebren. Dnss diu VuranHiellung der püp^dicheD AiituritÜ 
iiij tVankfuiier Kapilular icndentiöa ist, liegt auf der lliiod. Sic miisa difl 
VurdHLimiing der niiÜDiscbeu Syiiudc decken. Karl batlo also dea Pa|Ml 
ttir Unterwerfung gCzwUDgep. 

2) Cap. 28, 1 f. S. 73 f. 




- 299 - 

Die OfTentliche Stimme halte Karl nur seiner Heile: die 
Frinken freuten »ich der „all (gemeinen'' Synode, welche ihr 
Kflaig in ihrem l.andc versammelt hatte 'i, und sprachen voll 
AlKcbeo von der Pseudosynnde der Criechen , welche diese die 
aidite und allgemeine xn nennen sich anmassten*). Die Ver- 
nirnn^ der nic&nischen Synode stand noch lange nach Karls 
Tod im Tröukischen Reiche als xweirellos berechtigt Gest'). 



Kari hatte in den Verhandlungen Über die nicSnische Sjnode 
gvlegenthch die Krage aber den Ausgang des Heiligen Uetstes 
Urübri*). Er wussle sehr wohl, dass sie iliui eine scharfe 
Viffe liegen die Griechen darbot. Nachdem er die Anerkeiuiiiag 
der siebten allgemeinen Synode von Seiten der abendlündisclieo 
Kirche verhindert hatte, dachte er den Streit gegen die (kriechen 
forlzugelzen , indem er diesen Lehrpunkt in den Vordergrund 
rodele. Dass Uadrian keine Neigung gezeigt hatte, hier einen 
Itrlhnm der Griechen anzucrkencn, hinderte ihn nicht im mio- 
dtaien. Der Theulogcn seines Reichs war er auch in dieser 
. ^nga sicher, Einer der hervorragendsten, Paulinus von Aqniieja, 

^H 1) CbroD. MqIs«. z. J. <9'L $. 3(X): CoDgregavIt uoivetsaletn »yiioiluiD. 

^B t} Ann. Laurisa. Einfa. Fold. i. J. 794. 

HL 3) Syu. l'aris. a. ä'2b (Uxni. XU S. 421): Bx hoius epiatola« lextu 

^H.«]Hd Britfe nadnaoR' iropcrator tt clenis aiiniilque i^t popiitns atictoritstoui 
^^"otoeotei BynoduDi fecerunT, In qua . . oon medlocrilfr erraveTiint. qui ru 
^00 sotum coli et sdorirl et iindas nunciipsri aanxrrant, vernm Dllam 
^aoetitDODiam atr eis ae sdiplacl prufeaal aunl. Die in Toxte gvgetciiß 
^araicllung weicht von dt^r hiTkömoilicbcD ab ; die letxler« littst Ai« Karolin- 
C<i9cbeD Kspirel nach der Frankfurter Syood« nach Koin gesandt werdeo. 
t ladrian beliüll dann das I«l7(c Wort. O'tB K^nte UnwahrscheinUtihkrlt 
«Hfser FaaauDg IfUi an den Tag, wen» I-angen (Oeecb. d. riJm. K. S. 764) 
Yltemerkl: Karl acheinl gcerhwirgßo sii haben, w«il «r sich rrift d^m Papste 
Valcbt verfeinden wollte. In der 'i'hat halte Karl nicht den mindceten Orund, 
«ate Peindaohaft fladrUim m fUrchtcn. Hsdrisn dagwgrn «rhr viel Ursache, 
Vor dem Etfnig za zittern. Knri hat sich tiiemale Hadriana Aoaichten 
SefSft, Uadrian dagegen tioroer dero Willen Karin. So wird daa VvrhSItnitt 
«neli [Q diesem Falle gewesen sein. Die vnn Latigün behauptete ,9onder- 
lisic Lag«' des FapstCJi , daaa f.t von Karl dogmaliach getrennt war 
in»! nach der tterkUDoi liehen Daratt-Ilung angeniHumon weiden, ti^i« würe 
so sDoderbar gewewn, diss man aie firir;)oh fUr iinuitiglicli crklüicii 
tlitf; aie wurde venmedeu, iDdoui Rndrian ihat, was er immer thst: er 
(ab nach. 

4) Libr. Carol. III, 3 8. 1117; Oap. Carol. I, 1 S. 700. 



- 300 - 

scheint beauftragt gewesea zu sein, den ersten äcliritt za ttiun. 
Kr hielt im Jahre 7% eine Provinzialsyiiüde. Wenn er üieeelbe 
mit einer eingehenden Rede Über die Lehi-e vom Ausgang dt» 
Heiligen Geistes ertifTnete und wenn er sodann als sein Glaobcns- 
bekcnntnis die im dritten Artikel erweiterte konstantioopolitaaisobe 
Formel vortrug'), so liegt hier gewis kein Spiel des Zufalls vor; 
er war z|i dieser Rede aufgefni-dert, or hatte ihre Abhaltung 
rersprochen'). Die polemische BerJehung auf die Erklilrungen 
Hadrians ist augenfällig: dieser halle nicht nnr die griechische 
Formel als rech tgl an big gebilligt, er hatte auch erklärt, sie sei 
iu der römischen Kirche üblich^), er hatte jede Abweichung ron 
den Symbolen verworfen'). Paulinus wusste nun sehr gut, dass 
das nicänische Syujbol im dritten Artikel nur die Worte enihielt 
„und an den Heiligen Geist"^); er wusste natürlich auch, dass 
iu Koin die koifstautinopoUtanische Formel als nicjiuiscbe üblich 
war; und erargunieutirte deshalb e conceseis, wenn er behauptete: 
eine Erweiterung, eitie schürfere Fassung; des Symbols sei keine 
Veränderung desselbt^u, und wenn er deshalb die Einfügung des 
filioque iu den dritleu Artikel für berechtigt erklÄrto'). 

Er vertrat damit die abendländische Lehre, zugleich aber 
auch das Recht der in der frünkischen Kirche ubiicben Formel 
gegenüber der in Rom festgehaltenen älteren. 

Weitere Schritte unterblieben zunüchst. Der Grund ü^ 
darin, dass die Rezichungcn zu KonstantinDpcl sich wieder freund- 
ticltcr gestRketcn. Konstantin knüpfte die abgerissene Vert)indung 
mit dorn abendländischen Herrscher wieder an, indem er im 
Herbste 707 durch einen eigenen Gesandten Karl einen Briel 



1) Hans, Xm S. 84?. 

2) L. c. & S3ä: De mystenu ttatsque »ncl&e et mirabilis Trinitaüs 
planiorc me rcpromiaieie protiteor Btrmobo (IJctunim. 

3) Cpist. ad Carol, Kvap. I, 1 S. 7(13: Sed et bbbcU calbolicx et 
apßfttolicA ecclfsia sth ipso s. GriOguiiu p»|>;% urcliDi-m toiss^truto, solem* 
uiutuui, uratiuDUio ausdpiviis, plun-s Dubia lididic uratioocs, ulii Spiritatn 
aanctuin per dninioiiin noniiiim .lesiiin ClirJatuia infundi ntque illualrxri et 
ci>Dfii'mAri uos eupidiuilor ptrtcru docuit. Dtuu (Jsmit gegen den 8ats der 
fränkischen 'Ibeologen nichls I)ewie9en wnr, ist klar. 

4) L. c, Ueap. I, 2 S. 7<i4: äi «luis aliiiiu tL'rujiuuui fidel sivo syo- 
boloiD aut doctrinain habet praeter quod tradiluin est a sanctis, nuigtii» et 
univertalibus «ex synodis . . talein impium aaaclicuiatizamut). Aus den 
Akten der Laterütisyiiodö vod 7G9 wiederholt 

5) Syu. Forüjul. (Maos. Xlll S. Ö36). 
6] L. c. S. 63^ f. 




— 301 — 



• 



^Abringen Hess. Karl zeigte durcli den grossartigen Empfang, 
tat er ileui Gesandten bereitete, und durch seine rasche Wieder- 
eolhssung, dass er sehr bereit war. ancti seirierseits entgegen 
in Itotninen^). Das gute Verhultnia zwischen den beiden Müchlen 
ffurde in den nüchsten Jnhren nicht gcstürt: zumal seit der 
Ksiserkriiniing bildete dessen Erhaltung eines der Ziele der 
Polüilc Karls*). 

Allein jene dogmatische Frage verlor er deshalb keineswegs 
Ml den Augen. Nicht allzu lange nach der Krönung furtlerto 
erAlkuin auf, ein Gntaclitcn über die Lehre vom Heiligen Geiste 
tn urrasscn. Dieser entledigte sich seine» Auftrags, indem er 
dem Könige eine Sammlung von Aussprüchen der KirclicnTüter 
Tfirlegte, ohne irgend eigenes Raisonnement beiznrügen. Er hielt 
reimuthticb die Frage fitr so klar, dass es dessen nicht bedürfe'}. 

Obgleich sie nun Karl nicht wieder anregte, so kam es docti 
in seinen letzten Jahren zu neuen Verhandtungen; sie spitzten 
*^ch dahin zu, ob die in der Lalerankirchc oder die im Aachener 
UtiDBtcr gebräuchliche Formel massgebend sein solle. 

Karl fUhlte sich als Heschützcr der Christen im heiligen 
Unde*). Er stand in Verkehr mit dem Patriarchen von Jeru- 
Ulem; dieser sandte ihm Reliquien vom heiligen Grabe"); der 
EOnig erwiderte die Gabe, indem er Weibgesclienke fiir die 
Migen Orte und Gaben für die Annen nach Fulüstina scliickte'). 
n«berhaupt fehlte es nicht au Verkehr zwischen dem frünkiseheo 
fickbe und Palästina. Auch Alkuin wechselte wohl einmal einen 

»1) Aao. Laoriss. Elnh. t. J. 797; vg). HarDSek, Das karol. und byz. 
Utt&s?. 
2} Vgl. SfmMD, J.B. S. 261 f. 
Ü] Ü« process. *. apirit. (Hi)(U. 101 S. 64 ff.). Diu Dodikatioasepiaiel 
" EatI such Ale. ep. 212 S. 779. Aus derselben ergibt sich der Auftrag 
S»ih (S. 780) : De proceisionc et inieaioDe Spiritus ». a patre et filio, et do 
"'((laDd idem Spiritus s. pstris et Klii in sarrifl volmninibiis vocstarspiritus, 
"Hb edsm eD3Qgelii et beaturutn pairum sactontait'cn sceutiis pArvitm, 
"NiilBin Tealrae sublim italin iiissifmem coTucrtpi!.] bbellum. Wenn Uefele 
C^^l. III S. 7-19) die S-ihrifi gleiclizeitig mit den Karol ingischeii Btichcm 
KOelirietieD sein IJCsst, so ist dabei auAs«r Acht gelassen, dass AlkDJD Karl 
"1* aereDisflinius Aogostos anredet (8. 779), also oaoh der KaiBerkrtioimg 
•tfcfeUK. InbAluangtbe bei Werner. Ale. 8. 167 f, 
4) Vgl. Vit. Kar. Iß. 

6) Ano. Uariss. Eiub, x. J. 799 nnd 800; Chron. Hois«, a. J. 801 
^805; vgl. Ate. ei*. 159 8. &96; Ann. Eifth. t. J. 807. 

6) Ab». Lauriai. x. J. 800, Einb. t. J. 799; Vit Kar, 1$ und 27. 




- 302 - 



Brief mit dem Bischof von iToriisalcm: er bat ilio um seine Für« 
bilLe, versicherte ilin des gleicticii Dienstes, den er ilmi leiste*). 
Dttss fränkische Bischiife Jerusalem besuchten, um durl dea 
Rebqtiienschatz ihrer Kirchen zu bereichern, war nicht gatii, 
seilen*). Besonders aber fiilirte die Sehnsucht nach den heilit^eD 
Orten frtlnkische MOnche dauernd ins Mor!>enland: sie hatten eta 
Kloster auf dem Oelberge'). Dort leblen sie in der heimischea 
Weise, hielten besonders den Gottesdienst so, wie sie e» in der 
lieimath gewohnt waren: das koustautJuopolJLauische Symbol 
gebrauchten sie utiL dein Fjliui|ue*j. 

Wie hatte das unlmcnerkL bleiben Icütinen. Die Bifersucbt 
der einheimiscli&n Münche gegen die fremden, dio natinnala 
AntipaLliic der Griechen gegen die Abendländer wirkten zu-l 
samRicn, den Streit zu erregen. Der Wortfithrer der Gricchei)| 
war der Mönch Johannes aus dem Sabaskloslcr bei Jerusalem: 
er erklärte die frünkischeri Mönche, ja die Franken insgesamnitj 
für Häretiker. Als die KnJder aus dem Oelbergkloster am., 
Weihnaclitsfeste 80S die KircJie ad praesepe in Bethlehem be-- 
suchten, erregte er das Volk gegen sie; mit Gewalt wollte mam 
sie aus der Kirche vertreiben ; sie aber erklärten, sie wfirden lieber 
sterben als weichen, und widersetzten sich. Mau wagte docb 
nicht, Gewalt auxuweuden. 

Die Mönche beschwerten sich nun über Johannes bei dem 
Klerus von Jerusalem. Es kam zu einer Art Synode, auf der 
sie verhört wurden : die Verschiedenheit des Gottesdienstes uud 
des Symbols war unleugbar. Doch begnügte sich die Synode 
mit der Erklürnn^ der friiiikischen Mönche, dass sie den gleichen 
Glauben hätten wie die Kirchen zu Jerusalem und Roni^ und 
erkannte sie für rechtgläubig^). 

Durch diese Verhandlungen waren nun aber die M6ncha 



1) Alo. ep. lob 8. m. 

2) Hadelvmis vun Voriiuii uiu 7&0 (Gest. ep. Viid. \'i [K. G. Scr. IV. 
3. 44]}, I-'üTtiioatiia vo» tjr&do (Ana. HÄtth. z. J. ^03). 

3) £p. CftroL 22 (5. 392). Di« cuo,){re)(aLio montis OliveÜ boseichaet 
ihre GUnder alt dod qui aumufi hie in SAncta clvhalc Jcrusslem. Die 
Griechen «agon ä. ilä3: Kaucl, <)ul sudI io wonle Oliveti. 

4) L, 0. H. 383 erklären di« fränktschen Mtinche: niciuius to noatra 
Ungua, qiiso vos nun dicitia In Uraeca: e[ in .Ulori» putri' nun dicittii 
«sictit «FAi in principio"; cc in .Gloria in exuelsls" nao tlicilis .tu aolitsi 
AltiesitnaB''; et „Patür noslor" allo luodo dlcitlst et ia symbolo ouedicitausi 
p\ive ijunui vov „ci^i ^ pnire filioque procfidit". 

&} L. e. 8. 363 f. 




--3(0- 



idbit aber die ßerediligung ihres Symbols zweirdliall ge- 
worden^}, äie fiuchleu Belehrung bei der liöctistvii kiru[ilic)icu 
Aotorilfit <Ie$ Abciidlauiles. In einein oETenun, treuberzit^iiu 
ädniben l^ten sie Leu lil. die ganze Sache vor. Dieser libcr- 
ffh ihnen alsbald ein Glaubeussynihol'J, Überschiebte ober xu 
•leicber Zeit ihren Brief samuit seiner Formel an Karl*). 

Uan bemerkt wieder, wie dieser seine Stellung in der 
Eirdie ansah, da er die päpsülcbe Antwort nicht als Erle<]ignng 
der Angelegenheit gelten liess. Er forderte etUcbe der frün- 
biidicn Theologen auf, sich über die Lehre zu uussern. Thco> 
dalf voD Orleaos sammelte, wie früher Alkiiin, eine lange 
Hohe TOD Belegsiellen für die abend länrlischc Lelire. Er war 
UDi so fester von ihr über/eugi, als er auch Athanasius nieiiile 
ils Zeugeil anführen za kOnnen*). Smaragdus von Si. Mihiel 
bW versuchte ans der Heiligen Schrift den Beweis für die Be* 
. rechtigung seines (Glaubens zu führen: er freute sich, dass die 

^B I) U c. S. 384 : l>Din easdin ego L«o serviia vealer ad asncia vealigia 
^H|ni id pia vesligla domo! K.troIi pliasiuii iuipcratorls äliiquu veoiri, 
"^^wrlmtis in capplla eins dici in symbolo lidci: Qui ex pair« filinqnc 
practdit. Et in hoaiilU s. (jregoril, quam uobts tiüna veiMr doconiii Kamtus 
'mpimior dedit. In parabola ocia.varam paactiae, abi dixlt: Sed ciui miaaio 
ipii pfoc««»io «s(, qui de pAlre proc«dit et Itlin. El in reguU a. UeoedtccJ, 
^iiE ni>bia dedit fiiius vesti'r domnn« Esrolus . . dicit: Credo apiiitum 
iintniED Lleum Terum ex patre procedeßtain et, filto. Kt \a dialogg, queoi 
■obiivnira sanciitas dnre dignata c«t, simllitcr dicit Et in fide •. Athannait 
taitat mudu dicit. ij. 365: Et in Graeco nun dicunt sicutnoa; s«d dicunt: 
(lui es patre procedit, et vident istam sermonem cravem, quem no3 dicitaiis 
inUiioo. 

2) Man nlmnit allgetDcio an, dasa die Hans. XTIF S. 798 ^Bdruclcle 
I'wnel dumals nsch Jeruaaleui Ubersacdt wiirde. I>in jjleicli« Brxeicbnuajt 
kboluin ortbodoxafi fidel dort und im Briefe Leos 111. an Karl fep. Carul. 
iwL 366) macht dsa auch wahrscheinlich, tat di« Annahm« richtlK. so 
^'eÄttJeli, dass I^o die Krngo der OHcrhen nur liatb beantwortete: »ie 
"ollteo nicht nur Ubei die Lehre unterwiesen sein — daa leistete IbtioD 
^^'^ pipatlicfae Ziiarhrift — , aondem auch Ober das Recht dea FilioquQ fm 

I'^joihol; ep, Carol. U'i S. 3&3: Ut diRncris inqnirere tam in (jra&co qiiatu 
>■ Utior) de BaDciiB paiHbiis, ijai »yniboliiin coiDixiBueninl. iatiitu sermonem, 
^''i dicitur: £x patrn liliaqia- piucudit. Su iingeacliiikt der SalE ist, aein 
«an iit doch nicht iweifelbafi. Hier unterblieb die Antwort 
3) Ep. Carol. 23 8, 586. 
4} Ufgnc lOa S. 239 ß. Die metriscbe Vorrede aach Poet. lat. I 
^iil f. Uie aag»bltch athaiiiisiaiiiscben Stellen aiiid näuiuitlicb dtir pseudu- 
'''»aMluiIscIwD Schrift do triniiate entnommeii. 




- ruH - 



lange nicht beachtete Streitfrage nun plötzlich wieder aurgetaucht 
sei. Sie nüthlge, die Schätze der göttliclien Wahrheit eifrig eu 
durchforschen'). 

Nach diesen Vorbereitungen brachte der Kaiser die Sache 
vor eine fränkische Synode, die im November 809 in Aaciien 
tagte^). Man kann kaum zweifeln, dass sie ebeasowohi die 
Lehre als die in der kaiserlicheii Kapelle übliche Formel billigte*). 
Kart sandte darauf den Bischof Bernhard von Worms und den Aht 
Adalhard von Corbie nach llom, um die Zustimmung Leos zu 
diesem Beschlüsse zu erholen'}. 

Sie stiessen auf unerwarteten Widerstand. Leo haUe in der 
Sakristei der Pelerskirche eine lange Verhandlung mit den Ge- 
sandten*). Der Lehre, die sie ihm vorlegten, als solcher stimmte 
er lebhaft bei'). Aber als sich nun die Frage erhob, ob da« 
Filioquc in das Symbol aufzunehmen sei, ergab sich eine Meinungs- 
verschiedenheit. Die fränkischen Bischiitfe urihcilten, da die Lehre 
richtig sei und da sie durch die Anfnahme der Formel in den göltet- 
dienstlichen Gebrauch verkündigt werde, so sei die Aenderung 
des äymbuls zulässig, ja nützlich'). Dagegen liess sich eigentlich 



1) Das kui-xe GuUühten dca Smariicdiis unter den Briefeo Kads 
Uigne 98 S. 92ä ff.; dio Ueberacbrll't beiäichnet es als cpiit. Raroli ad 
Lconem a Smftrngdo edita. Der Inhalt ergibt, dasa du Sohrir^stUck nicht 
Als Brief des KaUcis ati deu P«pat kuniipirt i»t. }is Ut elue AbbandluDg. 
Jmnierhin mag bI« mit den Akten dur Aochoficr Synode nacb llom Uber- 
fADdl worden seio. 

2) Atid. Einh. 8. J. ^09. 

3) Ueber deti Heachliisa sagen die Reichunoaleo niobt«; dasi abw 
nii'bt nur die Lehre, soudern auch die Erweiterung dca RyinboU gebilligt 
wurd«, ergeben die Verhandlungen in Houj; vgl, Hefele, CG. 111 S, 751. 

4] Ann. Einb. z. J. 809 ncnneu nur Beruliard und Adsibard; m der 
Uebcrachrifl äes Protokolls (s. Autocrb. 5) ist anoti Josse von Amiens 
gcnaGDl. Man kaon xweifeln, ob mit Itcclu; dn auch Leo in seinem Briefe 
an Kicuir von MaiDz (ep. Ho£. t, Jaffi, UlbL III S. 317} nur Jene beldeo ocoot, 

b) Ein Prolokoli deeselbeR Miins. XIV 8. 19 ff. 

0) L. c. Icascntic, ita teneo, ctiai liEa aucloribus et sacrae acrtptnrae 
aactotiiaübuf. 

7) S. 19 f.: Quin praefftlum symboiitin s qaibusdam iu eantari re- 
porimus et quocl id eDcleiiastlcae cuui^rucru fidei, aii-ul acutiiuu», atqne per 
hüo nnnc iaio phirlmos doctoa et aine fine uaque in fincni flaeculi de taato 
myat«rio, ai ita teneatur, histruendoa ease eogDovimiis, qui noquaqaam 
instruerentnr, ntal cantaretur, ineliuB nobia Tianm fnit cantando lanlM 
instruere quam tacendo inductoa feliat|iiere. 




— 305 — 

riehtt einvendca*). Aber Leo roiihe sich dadorcb gebuadeu, 
im in Rom die Ollere Formel noch ablicb war'). Es kam 
thii tor, als achteten sich die Franken den alten Vätern dei- 
Kirdn gleich*): er selbst wagte kein ürtlieil, das nur euirurnt 
OK Misbiiligung des Besielieudeu in sich scliloss*). Ueshalb, 
meinte er, nidsse das Symbol bleiben, wie es war; es dürfe 
ihm nicbta zugesetzt werden. Er koante sieb nicht darein finden, 
dsu die Franken diese Sache mit solcher Ener^e aurgegrilTen 
litOen'l. Eine Verständigung gelang nicht. Der Papst rielb 
ilriDgeDd, das Filioque aus dem Symbol zu entfernen. Mit diesem 
Bescheide kehrten die Gesandten zurück"). 

Han weiss, das« t,eo seinen Prolest gegen die Verknderung 
il« Symbols möglichst Öffentlich und feierlich wiederholte. \n 
<ifir Pelerskirchc liess er zwei grosse silberne Tafeln aufstellen, 
in welche das Symbol von Konstantinopel ohne die strittigen 
Worle eingegraben war"). 

Aber was nützte dasV Aus dem Gebrauch der fränkischen 
Eircbe verschwanden sie nichL Und es dauerte nicht lange, 
bii lie auch in Kora flblicb waren. 



1) D«r Papst hmte nur den nicht g«racle geistreichen Einw-knd zur 
äind, ob USD denn slle tiliubenswHlirhcJWn, dla lu Symbole nicht aosge* 
■ptDcbea eeieD, in dasacllie aiifaebtoeu volle (S. 20). 

2; S. 21 : Quod veio aftscritis Idvo vos ita caDlare, quoDiaui aJiuB in 
Itlit jisrtibus vobia piioies audisiis cintasie, quid ad nos? Not enim id 
^m IM& cSDlaams, scd logimita et legendo docere , non EAinen ktfcndo 
ut dvccado addete riuMpiaiu etdeni symbofu itifereado praettninimua. 

3) S. 19. 

i) Ib.: Sicat Don audeo dlcere non bene feci»e, bi fecieseDt — wenn 
<i*Viter das fiHoqoe Ins Symbol .infg-MiomraeTi liätten — , . . ita non audeo 
^*m latod «OS nobia miauB iaiL'Unxissu . . Nan ut egu mu illis, nun dico, 
PncAram, sed «iam jllnd abait »ibt. ut ooaeqnare praeaumam. 

}) Kb «treift ans Kotoisclie, daBS der Pajuit deo franbiacbcD Gesundteti 
U{t: Har est, qiiud luiramur, qui .line profecUiüao labure potoslJs quleacere, 
htwtiia, no quiescatis. 8iu ürwiJern: Non ideo Ulx^ramai, ne quiMcamus, 
Md oe propier inerliani pü lAboria pracmiuiu atnittaniiis (S. 20). 

6) Leo drückte sicli vorsichtig aus: Die üeaandten fragi^n: Ergo lllad 
> nsira pateroitace decemittir. nt primo itlud, de qnn quaeattu agitur, de 
•**I» fiito aymbolo tollatnr K tnno deraiim a qiiotitwt licit« ao lihere «ivc 
c*aiaad<k Bive trsdendo disciitur el doce-itiir. Krerwiilart: lla piocul dubio 
**cMfa patle deeemilar, ita qnoqu« ut a vcHlrn assenUatiir, a nobia oiudI- 
*t*tii Buadvtflr. 

7) Vit. LeoD. IIL 4lO 3. UTT. 



BtKk, KJtCfccateMitMrt« ÜMiMkludi. n. 



'20 



Sechstes Knpitel. 

Ausbreitung der Kirche. 



Als Karl tl. Gr. den Thron bestieg, war das HeidentI 
innerhalb der Oreozen des fränkischen Reichs noch nicht vi 
Überwunden, geschweige, dsss der christliche Glaube oi 
den unabhängigen Stummen im Osten und Norden Fuss gel 
hätte. Seine Regiruiigs^eit ist eine Missiousepoche. In d 
selben Masse, in welchem die fränkischen Grenzen sidi i 
dehnten, breitete sich die christtidie Kirche aus: siehst iodi« 
Jahrzehnten weite Gebiete dauernd eingenommen. 

Aber wie ganz anders vüllzogen sich nun die chrisUic 
Eroberungen als in der Zeit der keltischen Missionare und 
]}uniralius. Zuerst liatte der christliche Glaube in Deutsch! 
sich ausgebreitet, wie wenn der Wind die Samenkörner di 
und dorthin trägt: hunderte gehen eu Grunde, andere keii 
am ungeeigneten Ort, während daneben besserer Boden oi 
nützt bleibt: aber schliesslich bedeckt doch ein grüner Ar 
das ganze Gelftndc. Dann hatte ein kirchlicher Mann, gesl 
und gefördert von den Herrschern , das Werk in die Hand 
nommen und seinen Ueberzeugungen gemöss geleitet. Be 
war jetzt vorbei: die Missiousarbeil lag nicht mehr in 
Händen eines durch seine uioraliscbe Autorität mächtigen Bise 
oder namenloser Fremdlinge, die, roc phantastischer FrÜmi 
keit in die Ferne geführt, sich aufopferten, um als die Heini 
losen ihrem Herrn nachzufolgen, und mit viel Eifer und wi 
Ueberlegung geringe Erfolge erzielten. Nuo war Methode 
^sn in allem, was geschah: der Wald wurde gleichsam gero 




- 307 — 



du Feld geklärt und dann der Same ausgestreut. Uebcrall 
oisdite sich tiemerklich , dass ein krüfligefi, geordnetes Staats- 
Wesen dem Fortschreilen der Kirche die Kahn brach, dasn ein 
tnftchttger Wille alles bestimmte: der Widerstand i,viirdc mit Ge- 
walt Qberwuoden, die Erfolge wurden erzwungen. Denn nicht mehr 
die Kirche missionirte, vooi Staate geschützt, wie in den Tagen 
Karl M&nelts und Pippins, sondern der König gebot^ den christ 
iicheo Glauben anzunehmen, und die langsame Arbeit der Kirche 
L vennochle kaum dem vorwärts drängenden Herrscher zu folgen. 
Das ist der Kmdruck^ deo Karls Thätigkeit macht Wir 
Verfolgen sie im einzelnen. 

Im üsten stJessen die Deutschen an die zersplitterte und 
doch auch geschlossene Welt der Slaven'). Elbe und Saale 
^'Oieii im nördlichen Deutschland eine natürliche Grenze; eine 
*oklie fehlte im mittleren. Hier drängten sich slavische Horden 
***il nach Westen zwischen die Deutschen: im Fuldieclien'), in 
Tl-iüriogen *) und Hessen*), ao zahlreichen Orten Unter- und 
ViUelfrankens^) begegnet man ihren Spuren. Sic stahlen sich 
^•B wie die Diebe ; man weiss nicht, wie und wann sie kamen; 
^ankaon nur vermulhen, dass die Erschütterung der fränkischen 
Macht durch die Niederlage Dagoberts") ihr Vordringen niiiglioh 
liachle. rebcrall waren sie in der Minderaahl. Sie konnten 
denn auch ihre Freiheit oiclit behaupteu. Dass eine Menge 
Blaviscber Ortsnamen mit deutschen Personennamen zusammen- 
Keselxt ist'), legt die Annahme nahe., dass die Wenden sich den 
Orundherrea als unfreie Knechte unterwarfen. Für das He- 
^i^usstaeiD der Deutschen flössen ja otierhaupt die Vorstellungen 
Cälare und unfreier Knecht in einander. 

Anders war es im heutigen Ubcrfranken: es war Slaven- 
l&nd. Ad der Aisch, im Gau Volkfeld und in dem Hergland 
Östlich der Regnitz und am oberen Main, dorn Radenzgau, wohnten 



1) Zeass. Die Dnutaclien and ihro Nachbarsiämm« S. &92 ff. 

I) KikH Vit, Stiirtn. 7 {N. 0, Scr. II, 369). 

i) ZtOM» 8. 8. 0. S. 646. 

4) Brevlar. S. Ulli (Weok, U.B. 12 S. 16]. 

i) Bier ttthlreicbe Ortanamen: Karffwinrthelm, Geissf'lirinil. Nniitbnrda- 
*^uin. W(ilburg«windvn, Bmctiwimlbach, Egiofs winden, Meinliardswinden, 
^■•ISQiriadcn , bernliariJuwinifpii. UrodawindPn, WolfliiHrds winden, Raizen- 
•Wsi,»cbw«ilwrliwind«i, KtioBwinduD, Abtswindoo. If iacliwind (— Bischof»- 

B) Prede^. chron. 68. 
7} S. Aomerk. •>. 

20* 



— 3oe - 

die Wendeu in geschlosseneu Uassen^. Von HallstadI beii 
HamOerg und Forchheim aus trieb der deutsche Kaufmand 
seinen Handel ins Slavenland'). Dagegen behaupteten dio 
Deutschen das Pegititzlhal: Vctden und Sclineittacti gehörten 
zum bairischen Nordgau*). | 

Die Slavcn in Thüringen, Hessen und den ostfrünkischen 
(jauen wohnten in eitieui christlichen Land; aber sie blieben 
länger Heiden als die Übrigen Bewohner. Bonifulius kannte sie 
als Ungläutiige*}. E^s ist nicht Oberlierert, dass er den Versuch 
gemacht litLlte, sie dem Übriatuntlmm zuzurilhren. So viel er in 
seinen Briefen von seineu Missiünsplänen spricht, den Gedanken 
äussert er nie, den Slaven lu predigen. Kr war von der gut 
germanischen Aiineiguug gegen das slavische Wesen nicht flrei; 
kaum kommt er auf die Wenden su reden, ohne dass er seinei! 
Verachtung gegen ^dtes abscheulichste und schlechteste Geschtechl 

i) Dies ergibt steh aus der 3. 4 Aamerk. 4 erwlthaten DrkaDd« 
ArDulfa. liier ist de partibus oriwtiUliuni frxnchorum vel de iclavis dM 
Rede. AI« flsifräokisfihe Gmw werden aufgefillirt: Wsldsaui, Tkab«rfaq 
Wingurleiba, J.-t);atKa{i, Mulücligxu, NeH:k:irgxu, KociierßAU, Kan^u, tiollaeh-* 
gau, Iff^au, Hassgnu, GrAbfeld, Tullffeld, .Saalegau, Werngau, GoBfoldi 
Badaoäcliijau, d. li. Unter- und MuiteKVaukeo mit «iuetu Tlieii der ani 
grenxBDden Oebtctß. Als terra ScUvoniin bleilieo dbrlg Volkfeld antf 
Radcuzffiiii, d. i. der grösate Ttiell von Ot>errrankeD. Docb hielt sieb daa 
Deutsche auch hii'r vereioznlc, wcni^slens in den Tbalem. Zeuss tetgt 
dass sicli dutit»ch<f Namen schun in aller Zeit im Mainlhale oberhalb 
Bamberg fimlen \ß. 648); »rst bei StaffetBreio fjingt das rein slaviseb« 
Gebiet an (S. 650J. I>ie l'cut scheu wnrea OiriMcn; ai-bon Karlmnon uhI 
Pi]ipin haben den ZDhnlen von Eallstadt an Wllri-burg geschenkt; s. 8. ' 
Au merk- t- 

2) Cap. U, 7 (a. 805) 8. 123. 

3) Vgl. Über VeLden M.B. 38, 252 S. 399 ; Über Scbnaitlacb L c. 27 
S. 429. ' 

4) £p. &0 S. 226, Autwort den Papsts Zacharias auf «ioen rerlorenefl 
Brief des Buniratlus: D« Sclavls, chrlatlatiurum terratD inhabitantibuH, M 
opurleat censum acclpere, inCerrogasti frater. tlic quidetn ccttiailiuui nod 
indiget, dum rei causa est manitcBia. Si rnim sine tributo sederint, ipaiHl 
(|uandoque jirupriain sibi vindioabuiiL terram: si vero Inbutuiii dederinq 
noruDt: douiinatorem ipaain habere terrani. Rettberg (KU. D.'a 11 Ü. mii 
enloimtnt aus dieser IJtelle, doss Booifatius erfolgreitb unl«r dua Hlavod 
artiflitote. Wie mich dünkt, mit Unrecht: die Worte äclavi cbriatiannrual 
tenaiD inbabitantes haben nur eisen Sinn, ivenn die Slavoo Niclit-Ctirislad 
waren; ebenaö iat nnr dann die Frage veraüinrtikh; dt-nti das« diEChriaiaB 
kircblicLe Abgaben -~ an solcbe denkt auch Uettberg — zu «nlrtcbieil 
h.-ilten, iLiran hat l^onlfatluB nie goeweirelt. 



— 30!) — 



der Ueoschen" eineo Ausdruck ^egebeo bbtte'). Seine Kc- 
tJeokeQ, Abgaben roii ihaeo «u iiehDieo'), hatten wühl in seiaer 
Abueigung gegen sie ihren Grund, üeberliess er die nach 
Weste» zersprengten Slaren sich selbst, sit ist vollends unwahr- 
scheinlich, dass er dem rein slavischen Lande seine Aufmcrk- 
samkeii Euwendete*). 

Dass die unter den Deutschen zerstreuten Slaren sich nach 
and nach der Kirche anschlössen, lag in der Natur der Sache: 
es wird an dem einen Orte TrOher, an dem anderen spater ge- 
schehen sein*), ohne dass Zwang nüthig gewesen wäre. Mit der 
ei|i;eDeD Sprache verloren die Fremden ihre Religion oder mit 
der Rehgion ihre Sprache. Kiiieu fesiereii Halt halten beide in 
dem rein oder überwiegend slavischeu Laude^)- Hadenzgau und 
Volkfeld gehörten seit der Konstituiruiig des Hislhunis Würzburg 
KU Jessen Sprengel. Doch niuss man bezweiretn, ob die ersten 
Üifichufe den fremdsprachlicheu Gliedern ihrer Diözese viel Sorg- 
falt zuwandten. Erst unter Bischof Herenwelf') erscheinen die 
: 3lftven an Main und Regnitz als Christen''). Aber sie waren 

^V 1.1 Ep. SS 8. 172; vgl Booif. carm. v. 334 (Poet. lat. I S. 13): Bustioa 

^^Kdit bumioDm Sclkfoiiiin. 

^K 2) S. die 9. 303 Anmertc, 1 aogerulirte Stelle. 

^^ 3) Docb hängt viüMeicht dio OrdmAtioo Willibalds vaa Elchstfttt mit 

^iMioiupiKiieti im SUvuntind zueftmmcD; i. Bd. I S. 4t^9 f. 

4) Cliristliche Hlavea im WUribu raschen t. J. 639 erwähnt Rudolf 
C*iJr. «aocl. 12. M. G. Scr. XV S. 338). 

5) Man vt^r^IeJcbe ttint Folgenden roeioeTi Auraalz ^'/.iir MiRgioniffa* 

E~~ lilelite Überfrankens- in dco BÜftiera f. bayer. K.O. [1888) S. 114 ff. 
6) C. a. 785— HOO. 
7) Urkunde Ludwigs d. Fr. (F'orm. Iiuper. 40 S. 317 f.): Notum Seri 
iltimtis Koinium vettrum tidelitati , qiislitor vir veocrftbltia Wölf^criua, 
'iroibargensia eccltisie episcopua . . iodictivit nobts, quoil pie recordatfonia 
, jonu« et genitor noster K.trlu8 Serenissimus iinperalor antecsssoribui suis, 

*'^4ia «t illii ppiscopls pr.-ieü4>pis9flt, iit in terra Hclavoraui, qul Fsedent inier 
^*9oiaiini et Rad»Dziam fliivios, qiii vocantnr Mriiiiwiiiidi et R.td.inxwinidi, 
II ^ *-ii> eiUD coiuilihn», qut snp«r eosdoin äciavne consiituti «rant procurassent, 
^^^ 1 inihi sicHt in ci'tvrts chiistisnonim loci« ecclesje cnnttruercntitr, qiiatcnit» 
^^V% le popalus noviter ad cbristianitatem cDovvrsus babcre poiuissot, nbt ei 
*^ apliatniim perrip(rr«t ec piaftdicaituoMD andirrt et nbi inlrr eoa eicot inier 
I *^<lcroa ehristianus divinum officiiuu cdobrari puiuiBStil; ot ita a moiuoratls 
^piSBopJs tt coniitibu), qtii tanc temporis pidein popnio praepositi fui^nint, 
^di«rit esso cuiupletiim et cccleeias quatuurdccim Ibi fitlsat: constriictaa, 
■fd eaadeoi ec^rleaias uiuiiue to t^oipore l'uiss« dotatos, 8«d aicut primtim 
coiMractae Tuvriml, sie uaqui] in jiracsunieui di<^iii Bioa dole remanaisse. 



- 5« - 

nicht durch die geduldige Arbeit der Missionare bekeltrt. Sie 
gründet Kirche um Kirche und gewinnt so allmählich das Volk. 
Hier aber ward da« Vnik mit eiuem Main christlich: die rasch 
Bekeiirten halten nirgends Kirchen oder KapfUen, um den Pllichten 
ihres neuen Cjlaubens zu genügen. Mmi kaiiu nicht umhin, an 
einen Befehl des Königs zu denken, der die Annahme des Christen- 
ihums gebot und dadurch mehr den Namon als die lleliginn des 
Landes änderte. Solche einschneidende Anordnungen entsprachen 
seinem Sinne; nicht minder aber, dass er sofort Hand anlegt«;, 
um das Land kirchlich kii organisireu: die älaren sollten wie 
alte Obrigen Christen Orte haben, wo sie die Taufe empfangen 
und die Predigt htiren könnten, wo der christliche Gottesdienst 
gefeiert werde. Auf Karls üeheiss erl>aulun die Bischüfe Beren- 
weif, Liuderich und Egilward vieriehn Kirchen im Lande der 
Slaven. Die Ueberüeferung meldet ihre Namen nichts doch wird 
man mit ziemlicher Sicherheit einige im AischthaP), die grösscro 
Zahl am oberen Main und in den Thälern der fränkischen 
Schweiz') suchen dürfen. 

Kur langsam schlug das schnell angenommene Christenthum 
Wurzel. Koch Jahrliuoderte später hurt man Klagen, dass diese 
Gegenden zum grossen Theile von Slaven bewohnt seien, welche, 
heidniEclicm Aberglauben ergeben, von christlicher FrOmmigkeit 
nichts wissenwoUten^). Aber vergeblich waren Karls Anordnungen 
nicht: durch sie ist der erste Schritt geschehen, um dieses Gebiet 
für den christlichen Glauben und die deutsche Nutiuuutität zu 
gewinnen. 

Wie die Slaven im Radenzgau zwar dem frünkischcu Reiche 
angehürteu, aber Heiden Lpliebeu, so auch ein Theil der Frie&en*}. 



Die titer nicht gcnanDlen Würtburger Bischrife wareo Dcronwelf, Liadrrich 
(800—802) UDd Egilwnrd (i=iCi2~810). Dies ergibt die BeatitiguDgsuikuDilc 
Ludwigs d. D. vom b. Juli 8tS (Mo». Eloic. US, '2 8. -10 f). 

1) I^Dnersrndl, Wacheurotli und MUhlh&uBCD : e. den S. 309 Aumcrk. 4 
angeführten Aufaati S. 116. 

2) leb denke an Ürtti wie Schesalitz, Staffeletela, PreCzfeld, AlteokuDd- 
Hadt, Ofjiiz A. d. Bodacli u. a. Aber ein sicbercr Beweis lliast alcb nirgends 
fUll«a; B. a IL 0. ä. 1L8 f. 

3) Bamtierger Sj-nr>de von lUiiS (Mane. XIX S. 683). 

4) üebirr die Bvkvbrung dur frieseo vg}. v. Iticbtliufeu, Uotervucbimgen 
sar fneiiiaohen ltechtAgea>rhlcliCa II, I 1^. 369 ff.; Moll, KerkgeMhledonis van 
Nedfflaiid I Ü. Ibü «. 



- 311 — 



I 



w 



'AsfllgteD sich ohne Widerstand rlcm Gebot, den cbristtichen 
Kunen Anzunehmen; dagegen setzten sich diese der Annahme 
littCbrütentbnms Dachdrücklich entgegen. Sie hingen an ihrer 
alleo Religion und glaubten noch an die Macht der Götter. 
ITirgends fehlte es an Tempeln, deren Schätze ein Geschlecht 
UD das andere durch seine Weihegaben vermehrte. An heiligeo 
({iieDen^) und an der von der wechselnden Fluth bespfUten 
Düne') empfand mau besonders die Nähe der unbesiegbaren 
Uiminlifichen ; aber auch in Wald, Acker und Moor gab es 
aiaodieo Flatz, der den Göttern sonderlich heilig war. Wt^^ Ihre 
(ieiligthümer rerletzle, den belegte das Volksreehl mit schwerer^ 
grutiamer Strafe'). Wie leicht der heidnische Fanatismus zn 
entflsromen war, zeigte der Tod der Honifatius*). 

Bppio wnsslc das wohl; obgleich das Land fränkisch war"), 
ItiW er keinen Schritt, um die Ermordung des Erzbischofs zn 
rftdien. &^r fürchtete wohl , eine allgemeine Erhebung dea 
Wenichen Volkes hervorzurufen. Jedoch wurde die Friesen- 
miujün durch den Fall des grossen Führers nicht vernichtet. 
Vsreo die heidnischen Friesen fanatisch, so waren die christ- 
'ithea niuthig: sie wagten, alsbald nach der Katastrophe des 
Rosifatius am Orte seines Todes eine Geditchtniskirche zu cr- 
riditen*). Ein Gewinn war, dass das Christenthum im Sodcn 
du Landes schon zu fest stand, als dass es erschüttert werden 



t) Deb«r (ti« Wnige Qa«lle auf HelKoland 8. Vir. Witlibr. tO S. 48. 
^ iit f(>hr wahracheiDlich, d&ss der lieiligti QuelL bei Uoilo im Kenemsr- 
^t. Ja d«n <li« Legende «iii W'undvr Willibrürds knUprte (Vit. Willibr. 16 
^- &1), sneh längst vor ilim hnilig war. 

3) Ergibt eicb aui Lex Friiion. Add. XI 8. 69& f. (s. die folgende 

3) Uz FriRon. itt. V, 1 (M. U. Ug. III S. 663): Qai fBauio effrcgit, 
>ia« eoBpositluDe ocoldi potest. Add. sap. XI S. 696 f.: Hoc traoa 
I'Wbtelij — d. Lauwers, d. b. im beidDtsolii;» Frietiftod ; s. Vit. Gre^. ü 
^ 7] — de bottore KMoplonito : Qui Tanum efTre^rit et ibi aliqulrt de 
Ntri* talerit, ditcitiit sd miiro, i^t in siibiilu, quod nccemu» oiAti« upertrn 
''^'«t, GaduQtur aiires eius et caatrattir et immüLatur diia, qniorum tompla 
rioltrit. 

4) Ueber das frieaiedie Heidcßtbum s. RicblbofeD a. a. 0. 3. 403 S. 
'j) Willib. Vit. Bonif. 9 R. 470. 

6) Vit. Bunif. 1. c. Als WllU-bad uacb DocknEQ kam, ataod sie Bcbon; 
''*> ergibt der Name Üockytictiirica (Vit- Wtlleh. 3 !;!. SHO). Alkuiti hat 
'Mter (ttr dien«, wii; rs subciuu von Uiidjfcr i*rnoaerle Klrebo eine Insobrift 
1 ltt«iui«cbeo Uexaiueleru verfuat; man erfahrt aus ibr, dftss sie i'aulQS 
Bud Bonifatiua geweibt war i caiui. 86 S. 304). 




- 312 - 

konnte: von dft ftu9 arbeitete man an der Bekehrung der n( 
heiduisclicn Gaue. Das Uartinsklusler in ütreclu war eben 
sehr Missionsanstalt') &h Schule-); auch die seelsorgerliche fi|[ 
der Mokchrten wurde von dort aus unternominen. ^ 

Die Leitung lag iu den Iläaden des Äbts üregor. eil 
Schülers des Bnnifatius. Ihn beauftragten Pippin und Pa 
Stephan ausdrücklich mit der Prcdif^t unter den Friesen '). 

Üregor war ein Trtlnkischer Mann. Als S|irf>88HDg eil 
vornehmen rrilnkischcn Familie*') wurde er in der Hofschulo 
xugen: dann koin er vierzeliu-oder fUnfzclinjtihrig'^) in das Kloe 
Pfalzlbei Trier, das seine Grossmutter Addiilaals Aebtissin Iwti 
Bei euiem Besuche des Klosters wurde Bonirattus auf den | 
weckten Knaben aurincrksani : es gefiel ihm, dass derselbe frii 
und gewandt die Uibcl vorzulesen im Stande war; freilich i 
Gelesene deutsch wiederzugeben, wie Bonirailus es wUnsct 
vermochte er nicht Dass der fremde Missionar ihn deuti 
unterwies, gewann das Herz des Knaben; der widerstreben« 



Triil 



In der Urkunde Knrla vum 1. Marx 7G9, welcbe rerlorrite Vt 
FippinB, Knrl Mnrtclia, KarlrnaDoa und Pippins des Jtlnspren besiäi 
jicUbL es VQD den MÖnolieu und Kangnikorn: Qiii ibid«ni Kt^on'M ad c 
alJaDitaieio converinnt, et doinioi inisericunliii ipsoa couvori^o«, quos bab< 
duceaciF, itisU <ji]Md cbristmoi eur«Di cbrislianitatemcunaeivaal {ii. M. I' 

Ä) S. oben S. 162. 

3) Vit. Oiog. lU (M. G. Sor. XVf 3. 73): Suscepit aaetoritiitem ae 
nandi verbutn Doi in Frennnia. 

i) Niiv die» »3gt i.iiidiier (Vit. Grog. 1 f. 8. 66 f.). Noch fUrHuct 
von S^ Amand ist (iragur nur ßs iiobiii Frflnconioi san^tne prorrei 
(Vit. I.el'iiiii. .S. 361)- 2i> <-ineu !UerowiuK«r wurde er erat durch das 
fälachte Tualauifliit der Adala, Tootator Dagolierts {H. G. Dipl. I S. 177 
die mau luit Addiila idcatitiiirle; v|;l Bd. I 3. 277 Anmerk. 5. 

ö) üreffor ist döiiinath 707 oder lOÖ geboren. I>ßr Aaf«nrhalt 
Bonilaiiii» in Pfalrl fiillt ia dm .lahr ITi {Vit. V.rvg. -J S. 67); doeh a 
Lludgera dironologiBcbe Angabeu sSumitlich von zweifellixftflin Wen 
Die ilreizebo Jabre der TbXtiekeit dea Booifatiua sind cio offenbi 
IrrtbiiiQ; aucb die Chronologie Gre^r« Ist nicht ebon sicher. Naoh Lindi 
loiiBH s*-iD 'Jod ISO oder 7S1 fallen (s. ICeltber^ II S. &ä3}. Nach < 
Urkunde K.trt9 i Rifhmcr-Mllhlbarber :,:ü6) ist joducb Albcrieh bereita 
Jabrc 777 Leiior dvr Utrechior Kirche. Uie ciävlinte Anoahtoe iat, d 
tfrugor damals aobcn todt war; dann Iat er entwpdtr nicht so all geword 
wi« Miidger angibt. od©r pr ist vor 707 ßfljoren. Moll (.S. IbS) iXsst 
denn auch 702 güborcn affin. Ihjch bleiht mö(;1iob, dasa er niniga Ja' 
vor spineiM Turie die Iveitting l'treciita niederlegte. Diese Vcrmutbang II 
»icb dadurch sUltsen, daaa Gregor die leiEteu drei Jahre vor aeiaem T( 
krank war (Vit. Oreg. 21 S. 78). 




:m - 



[Grossmutter drängte er die Erlaubnis ab, ihn begleiten zu dUrreu. 
II der Uni|;ebuiig des Boniralius, als Zeuge seiner ThiUigkoit 
in Tliiiringen und Hessen ist er zum Manne erwachsen*). Auch 
'Rom sali er in der Jk'i^lcitung seines Meisters'). Kür seine ge- 
lehrten wie für seine Missionsinicressen suchte er Qewinn Ton 
dieser Reise zu ziehen: er erwarb in Rotn einen nicht unbe- 
deutenden Büchersclialz. Dazu Tülgten ihm zwei englische Knaben, 
larkhflm und Markuwin, nach Deutschland: er dachte ohne 
[Zweifel, sie zu Mitarbeitern zu erziehen. Wann er die wicjitige 
^ficellung an der Spitze <\e6 Martinskloslers in (Jirecht erhielt, 
rissen wir nicht; siclier ist nur, dass ea vor dem Tode des 
EBonifatius geschah'). Jener Auftrag Pippins und des Papstes 
\yt&r um SU wichtiger, da die friesische Kirche seit WilMbrords 
Tode eines Bischofs entbehrte*). Es machte sich wie von selbst, 
dass, nachdem Hisohnf ßoban mit ßnnifatius gefnMen war, Gregur 
die Leitung der verwaisten Kirche*^ v.üGel. 

Wir besitzen eine Lehensbcsclircibung Gregors, verfasst von 
[«einem Schüler Liudger von Münster. Die dankbare Regeiste* 
'rung hat ihm die Keder geführti auch gelaug es ihm, diesen und 
jenen anschaulichen Zug festzuhalten: aber sein Werk ist ein. 

Pseitig. Ks schildert in Gregor fast nur den asketisch gerichteten 
Hünch. Er betrachtete den Besitz vuu Qold und Silber nie eine 
Art Belleckung; was er erhielt, vertbellte er sofort unter diu 

■ Armen; er verschmähte es, in Kleidung und Speise eich irgend 
von den anderen Müuchen zu uaterscUeideu*). Das Gefllhl fUr 
daa Kränkende eiucr Uesohimprung meinte er in sich ertüdten 

i^ müssen i es dünkte ihm ein Verstoss gegen das Gebot der 
j 1) Vit. Greg. 2 ff. S. 67 f. 
I 2) L. e. a fi. 7i. ücfseint ist die Bomrcia« des JAliroa 737—38- 
3) Vgl. tiii. I 8. 541 Aowvtk. 5. 
' 4) Dift erkunde flpplu vom ?3. Mai 753 | ß^ilmior-ilUhlbacher CA) 
faaebt M wahrscbeinlich, dasi acboo dunoale Gregur iu uiiiucbvr lliDaiobt 
deo ftibleoden Ulichof crs«tzic. Darauf woitt die Verblödung des Mariins- 
fclostuta and ües £piskoi}.-UB liiti: Ad ipsa easa Oui concesstt ve) ad illg 
episcopua. leh aUchte deshalb in dieseo Worten uictiC mit Or-Isner (J.ß. Ü. M) 
Sloe abtiohtlicbt* uilt-r uii!il)8iohtl|t;]ie Uiigpnaiii^keit der Abacbrift when. 
Deber die VcrhältDJsse in F'riealaDd n»cb Willibrurds lud a. Ild. I S. Ml. 
it) Vit. Lebuio. $. 3äl: Uregoriuio ~ gratlti oochistasltcu picabj'tvruoi 
<l tanc pro lempure episcopscjs officii in eideu castro vcl cliam parucliia 
icariuiu- 

6j Vit, Crfg. 12 JJ. 'i6. 




- 314 - 



Liebe, weon der offenbare Verbrecher bestraft wurde'). Ei 
konnte auf alles Irdidclie verzicbten; geborte ihm doch die Welli 
der Zukuofti sein LiebUtigsspruch war das Wort des Apostels: 
Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keinef 
Menficticn Herzen gckoiiitiieti ist, tiat Gott bereitet denen, dif 
iliti lieben^). Zu solcher Gesinnung seine Schüler zu erzioben 
war scitie stete Sorge: er liess keinen Tag vergehen, ohne ihnet 
geistlichen Rath zu ertheilen'). 

Diese Schilderung ist kein Roman So war Gregor gesinnt 
es sind die Ueberzeug'ungen, die Im Hchülerkreise des Bonifatiui 
heimisch waren. Uas Zeugnis des Uiographen wird durch dei 
Brief eines Freundes bestätigt. Als Gregor die Würde des Abb 
erhielt, richtete Lul ein Schreiben an den alteren Genossen') 
Ea ist errilllt von der beiden gemeinsamen Lebeusanschauung 
Was ist das vcrgtlngUche Glück dieser Welt und ihr hinfälligci 
Gedeihen als Rauch und Duiist^)? Das ist der Grundton. La 
erinnert den Freund daran, welche GrundsRlze sie in ihren Ga 
sprächen billigten; es gehörte zu den Idealcu dieser junget 
MOncbe, auch ein biscbüriiches Amt als weltliche Grosse abzu 
weisen*). Lul hat sich bald darein gcftigt, dass Uouiratius ihi 
KU seinem Nachfolger in Mainz tie^timmte: das Leben berichtigt 
die fichwürnierischen Gedanken der Jugend. Dagegen bliel 
Gregor sich treu: auch nachdem er an der Spitze einer Diözest 
stand, vermied er, die Wlli-do eines Bischofs sich ertheilen zi 
lassen''): er wollte nichts llOheroa sein als ein Mdncli. Mai 
versteht den leisen Zweifel Luis, ob Gregor seinem Amte gani 
gewachsen sein werde: er erschien zu sanft. Wohl weiss teil 
schreibt der spätere Etischof, dass du dieses Amt nur über 
ncmmen hast, um Seelen zu gewinnen und Gott reichlichei 




Ucber die Datiruog s, Bd. 



1) I,. c 8. 77. 
J) L. 0. 

3) U c. 11 S. 75 f. 

4) Bonif. et Lall. ep. III S. 270 ff. 
8. &41 Aomerk. 5. 

6) L. c. S. 272 f. 

6) L. 0. 8. 273 f. 

7} Hetibergg Motiviriiog der J'balsacbe, ditss Gregor bi« »a sein En4 
Abt blieb IK.G. D.'e II S. 1)33 1. tat hinfällig, ila üIg Zuechifrigkeit Orc^i 
zum Merowitißorhsus« LeKonde i»t (9. oben) und da Rettb^rtt da» Verliätiui 
Kölns zu Utrioclit irrig beBtimiuL (.&. Bd. L S. bi2). Abel (J.B. S. U&) folg 
IfeltbLTg. AikIi Moll C[^^!'> 1 (>• IbSJ hält an dem MerowingersprgM hti 




— 315 — 



Dienat zu leieteo, gleichwohl bedenke: Der raahc Schwertgriff 
härtet die weiche Hand^). 

P Gregor Ist kein slrcitharcr KÄmpfer (i^worden: aber auch 
er hat gearbeitet. Das Martinsklosier btfllife unter seiner Leitung; 
mit welcher Encrpe er seine Schule forderte, wurde früher er- 
wähnt'): aus den \'erschic(lcnen deutschen Stämmen zog er 
Schnicr herbei: auch Angelsachsen fehlten nicht'). Ueberhaupt 
hiell er, der Schüler des BoniTatius und der Naehrolger Willi- 
brords, an der Verbiodun^ mit Eogland fest. Seinen Genossen 
Alubert, den er daxu bealinamle, in der L'trechter Diözese die 
bischöflichen Anitehandluugen zu verrichten, liess er in York 
lum Bischof weihen*). Zwei leiuer Schüler, Sigibod utid Liudger, 
sandte er mit ihm nach P2ngland^ jener wurde zum Priester, 
dieser zuiu Diakun urdinirt. Doch dachte Gregor bei dieser 
BBenduug nicht nur aa eine Vermehrung der geistlidieo Kräfte 
^seiner Uiüzese. Er halte vor atlem die Vollendung der Bildung 
seiner Schüler im Auge. Denn er täuschte sich darüber nictit, 
dass die Schule in Utrecht den englischen Klosterschulen nicht 
gleiehstehe. Es war die Zeit, während welcher Alkuin in York 
lehrte. Bei ihm verweillcn die Genannten ein Jahr lang*). 
Liudger kehrte epIUer für IBngerc Zeit zu ihm zurück '). Sie 
waren schwerlich die einzigen Friesen, die der Ruf seiner Ge- 
lehrsamkeit über das Meer führte: noch leistete England dem 
Kontineot die Dienste einer Hochschule. 

Von Gregors Thäligkelt als Glaubensprediger gibt Liudger 
keine Aoschaoung; er begnügt sich, Utrecht und die daniaU als 
Handelsplatz bedeutende Stadt Duurstede, im weiteren Sinne 
auch das mittlere Friesland bis zur Laüwers als Orte seines 
Wirkens zu nennen'). Auch von seioeu Mitarbeitera sind uns 



I 



1) L. B. S. 273. 

2) 8. S. 162. 
8) Vit Greg. 1 1 S. n. 
4) Vit Liudg. 1, 10 8. 407. 
&) L. e. 

6) L. c !1 S. 407. 

7) Vit. Greg. 5 S. 71; B. Oregorius TrAiectum anliquam civitalera 
|«t vl«U(D rftuioaam Uorat&d cutu ilU imdfavit pxn« Fresonixe, i]Uic lunc 

UTtupDfls clirUtiaDltailB nomine cßDset>xtur, id est usqu« in tipnm uccideDtaldui 
flauiiDia ()ui (licilur I,a)beki, ubi cotifinlum er.il christiADonim Fresomin) 
ei paganorani ciiucli» diebus Pippini re^ie. Kioir Kirclie oberbAlU Duuii-- 
«tedft, genSDDt „Upklrikft", wird in der Urkunde Karls von 777 (BfJhuier- 
MUblbncher 206) an Alt»crJc(i vergabt, 



- 516 - 



nur wenige Kamen bekannt Alubert wurde eben erwähnt; er wl 
ein An^elsHchseM- Vüh jenseits des Kunals kam auch Liafwin' 
Er war seliun Priester, ah er sich Gregor anschloss: in eioei 
dreimal wiederholten Gesichl glaubte er deu (^üttlichen Auflri 
zur Predi^^t an der Tesel empfaDgen /.u liaben. Gregor wid« 
strebte nicht : durch den JUünch Markbeloi , eiueu Genosei 
W'illibrords'), Hess er deu AnkOmmliu];; an die Vsael geleUea^ 



1> VII. Gre«. 10 S. 75: Vit. Liudg. I, 10 3. 4C'7. 

2) NactiriühiAii tiber Liarwin bietet die Vit. lAaägexi. Benlittt ^ 
dieielbeD von Ilitcbnid von Si. Aiaaiid In aeioor Vit. Lobuloi, Jedoch o 
RDdcrcD ADgaben verbundeo, welche sich mit den Nurüen AUfrids dIo 
vtiruiutgt'Q i»«5en. Ein Widerspruch isl , dnss nacfa Vit. LJudg. 13 S. 41 
(ir(%f;or MarkNclui bi-auflragt, Linfwiu ad diu Vba«! zu begleiten, ut ta 
praepooerei popiilo; da»» dagegen die Vit. Lei). 8. 361 Marcelltn so eine 
(leftilirten l.iafwins cnncht. Dcmnflclt arheilen h!l^r beide g«iiielnMm 3 
der Vssel, wälirund nnch der Vit. Liudg. Liafwin alleiD arbcHel. E 
W(>iteri>r VVideritpnieh isr, dasa nach der Vit. l.indg, Liafwin von Avertai 
uelerisgtie tiücübui freundlich ftufgunucuuien \Fird, «klireiid »ach der V 
Leb. Ahachjid die cioxige (.'hiisiin ist, nonst ^iht es nur erbitti^iiM Heid« 
Ein dritter Wklempriich ist, dass nach dur Viu Uudg. Uafwiu aucb 
Dcvetttcr nicht auf Widerstand »cöeBl, wogf^gcn ilm die Vit. L.ob. «nch bl 
voD arger Feinds el ig keit umgeben sein ]äfit. Demgeoiiw wird oacb V 
Liudr;. die Kirche in Devcntcr durch einen tTeberfall der SachAcn zemtOl 
wahrend nacli Vit Leb. die BevölkeruDg »ich aelb»! gegen den Predig 
erhehr. Ein vierter VVidereprnoh ist. dnas lUe Vit. Liudg. Liafwin «d Greg 
fliehen IXsst, während die Vit. Leb. ihren Uelden nun mitten in das Sachee 
(and za der. der Vit. Willeh. 3 S. 3äü nachgebildeten Szeaa hi Mark 
fliliil. Wu bii-r tiberall die ijlaiibwilrdigün Nüclirictiten vuritegeD, iet acht 
danach zweifolba, daaa Alifrtd hundert .lahrf vor Hticbald acbrieb. D 
leiEtereii Werk E»t als liifltortschv Quelle schlechtiiiii w<'iihloa; e« fUbrt nie 
nur dadurch irre, daas »s legcndariscbe NHchrichteii biciei, aoadera t 
«llem dadurch, daas es I.iafwin xunt Eleidenprediger macht, waa er nai 
der Vit. Ltudg. i)ii:tjt oder nur In sebr (feriuguui Umfange war. Dia Vi 
Wendung der Vit. I.ubiiini bei Hellberg (K (J. U 'a II S. M6), Moll (K.G, 
8. 165 ff.). Zöikler (P. R.E. Vtll S, blä f ) ist demnach nugtatlbafl. 

'■]) Mögticherwcise ist di<<8i'r Mnrklielni idcnliacli mit dem angclaäc 
siechen Jünglinge dieses Namena, den Gregor von Koin nach Deutacblai 
iiirCcahin (s. oben S. 31.1) M»n inlisatc dann :innehtnen, dass Gregor i| 
nach Utrecht zu Willibrord enndle. So KcubiTg, K.G. D.'s II S. 536. Ab 
das .sicher" Iteliberga steht hier docli nur .-in ^^telle einea .vcroanthücli 
Zücklt;r (P. R.E. VIII S. 518) litsst Markbehii .augebJicb- unter Will ihr« 
gebildet sein. Naeb Vit. Liudg. ist das gerade das Sicherste, was wir vi 
ihiD wluen. 

•l) Walpen und Ueventcr liegen oicbt mebr in Fricsland, gebön 
Jedoch üur Uitfzese Utrecht. 




- 317 — 



> 



I 



I 



DieKr Grenzbezirk, in dem Franken unü SacItBeu sich berülirlen, 
*if nicht eigentlich Missionsgebiet; denn Liarwia trar bereits 
Chrttten: namentlich eine Angesehene Frau, Namens Averhiid, 
nibm sich seiner rrcumllicli an: bald konnte er am WestuliM' 
dei ÜDuec, ia Wulpen, ein Oratorium erbauen. Offenbar handelte 
(S licli mehr um die Hnslellung einer hirrhlicbeii Or<4anisatif>i> 
«li DR) die erste I'redi^t des chrlsthclieii Ulanbcns. Deshalb 
ItODnte er sich auch rasch weiter wagen: in Dementer, am Ost- 
ufci der Yssel, errichtete er eine zweite Kirche. Anch hier fand 
er unerwartete t^iripräiigbclikeit fiU- seine Predigt. Aber diu neue 
Stißung war durch ihre Lage gefälinlet: Liafwin musstc bald 
erfsliren, wie gefahrhche Nachbarn die Sachsen filr christliche 
Kirchen seien: Uevenler wurde von ihnen llberfallcn und ver- 
braont, die Christen verjagt. Doch die Sachsen hielten den 
Üit nicht. Liafwin, der zu Gregor geflohen war, kehrte nach 
eisiger Zeit zurück; er stellte die abgebrannte Kirche wieder 
ber uud wirkte an ihr ungestört bis zu seinem Tod. Uaun iiber- 
ßeleo die Sachsen den Ort von neuem. Die Zerstörung war 
diunal eine so vollsändige, dass man die Gnifl, in welcher 
Usfwin begraben war, nicht mehr ku entdecken vermochte']. 
Unter den Schülern Gregors ist der bekanaleate Liudger*}; 



I) Vft. LIadg. 14 3. 409. 

3) Airftids Bio^Aphic Lindfcera ist f>]aiibhsFt nod zaverlSasig. Dio 
^■^ jUagereo Biographen kouuieti ncbctt ihr kaum in Betracht. Uvber 
<luVerhi[ltnit d«r BiogrspbEen s Uiekamp, Geschieh ts(|uoilea des Bisihuina 
*l»o«w IV 8. XV ff. Deber Liud^ßr s. Kettberg, K.Ü. U.'a II S. 4i4 ff^ 
338 A; Moll, K G. ( S. 171 ff.; Riebthofen, Friesische ß«chtsgesc1itchre II, 
I 8^ m ff.; Uhlbvro, P. B.E. VIII S. 702 ff. Di« Cliroaologio i1«b Lebens 
I^«4fWB ist gan« nnakher. Ilhlhom gibt folgende Zahlen: c 7*4 fiebnrt, 
^Ttitt» R*ia« n»ch Vwrk, 7159—772 zweiter Aiifcutbalt in EitgLiad. 777 
fri««ierwBlhe. 777— ?fi4 in Docbutn , 784—7^6 in Italien. zwiBchen idi 
nA 806 Bischer, 26. Mnrz 809 TudesISK- Aber nnaicher ist <!ie ZeiE der 
'■ebuTl: «s atflht nur du Einzige fest, dass Liudgi'r eigene Krinneriiog an 
ßwtfitiui bstte: quem oculis mei» ipie viiJi (Vir. Üreg. 10). Er konnte ihn 
''■mingDl vierzehn- oder Becbsjäbrig aJB nehnJÜbrig gesehen haben. Hier 
■t sIbo der Spielratim ein B«br grosser. Unsicher ist 767 als .Ixbr der Keiie 
''■ib York: fest Blebt aar. daaa sie anternomtnon wardo, so lang« Alkuin 
^n Icbrte, bUo um, wibracheinlicber nach 7t?&. Wie gross die I'anse iwisrhen 
46» ersten nnd zveiti<n englischen Aufeoibalte wjir, irtascn wirnfelil; der 
^nuii von eineui Jahre latst aich nicht beweiaeo. UoBtcfaer ist dxs J»br 
'^ ab .lahr der Priesterweihe: wir wissen nur, daas dieaelbe nicht vor 
^ Jinii 777 statirsnd (Urkunde Karls, BöhmerMUlilbaoher 20G). Wie 
'>Q|e «achber, daHIr fehlt jeder Anlialtapunkt. Unsicher int der Aiifenthnit 




- 318 - 



die Geschichte aniDcr Familie h&iigt enge mit der ßekehruD^ 
Frieslftnds ziisammen'l. Zti sei t>8U tändiger Wirksamkeit kaii^ 
er jedocfi erst nach Gregors Ellicktritt oder Tod. 

Endlicli liHt in Oockuni jahrelang ein angelsächsische!? 
^Missionar gewirkt, jedoch, wie es scheint, unsbhän^g von ütr«chB 
und nur gesllitzt auf die heimische Kirche. Es war Willehad>)J 
Seine Heimath war Korthumberland'). Vielleicht war er eioi 
Schüler Ekberts; denn er scheint ältei- als Alkuin gewesen ziij 
sein. Dieser spricht später von ihm in einer Weise, die ZQigt|f 
dass er zu ihm aufblickto*). Die Nachrichten von den Fori- 



1 



in Dtvckom 777—784. Kur du JaIit 781 als Ende dieses Aufenthalt« 
scheint mir t^inigermassßo wabrachoinlirh. Die Vertreibung Liudgera bihigD 
mit einer Erhebung der SaehBon ziisaminen. Dabo! kann olchi an di« des 
Jabree 'i&2 g«daclit werden (s, v. lliohtliufen, V. K.U. ü. 38U), dt-oa währen4 
dieses Aufaland« slirb Alberich (Vit. Uaig. i& S. HO). AU sein Todo-i 
jitbr sieht aber nach Ann. Laiir^sli. b. J. 761 daa eulrtzt jcenauote Jähe! 
fest Kuti gibt a11«rdiDj;a Altfrld it.. n. 0. nn, ilass LEud^er faät sieben Jabra 
Id UockiitD gvwirkt hxbo. Allein ea iat dooli im hoohBten Hasae a&wiihr> 
schcinlich. daas er jahrelang diiselbac neben Willehnd tbittlg «rar. Vm^ 
leistete aber wurde erat 7^0 aus d^r Frieaeamiaaion abgerufen (Vik^ 
WtUeh. ft S. 3Sl). Ee sieckt drshalb wahrsRheinlich in den fast sieben Jabrp^ 
ein [irthiiin. l»a scblediLQ Zaiilengpdituhlnis Liuct^era, vnn dem die Uig* 
graphia (ircgora Prulien genuj; gibt, wird auch die F.rxähliingen aus seiltet 
eigenen Leiten vi^iw-irrt haben, an di« eich Altfrid anntchsC hielt. 
weiteren Zableaangab^n sind begrdndet, 

1) 8. Bd. J S. 401. 

2) Quelle Über Willebad Ist dessen Biographie, welche nao allgemeta 
ala Weilt Ansgara betrachtete. liageKeii hat L>ehio (Uescb. des Eizbiath« 
Hamburg-Breioco I S. Ol f.) aebr walirscheinlicb gemaubt, dass diee un- 
riehlig iat. Kr betrachtet nur die miracula als von Anngar verfasst, siebll 
dagegen in der Vita eine, unbekannt von wem, nncb dem Jahre 838 ver^ 
fasaie Schrift, welche kurze Nachrichien, die alsbald nach dem Tod« 
Willubada auf^ezeicbnet wurden, mit der coUndlicben Tradition verbindet« 
Uebcr VVillehad vgl. Keltbcrg, K.U. l>.'fl II S. 4^U tl.. !>37; Uoll, K.G. I 
ä. 168 f.i Dehiii a. a. 0. S. 13 ff.; Klippel, P. R.E. XVII 9. 1-13 ff. 

3) Vit. Willcb. I 8, :)gO. iJie Keeiehtuigen Willehads na Utrecht, 
«eiche Dobiu a. a. 0. S. 14 u. ö. annimmt, aiud, so viel ich sehe, gani- 
uhnu Anhalt in den ijiaellen. 

-I] Alu. ep. 13 S. 165 aus dem Jabre 789: Saluta millies dilecti«siinuia< 
mcuiii t'ilhasd aptscoputn. Muttum me paenitel, quod recesai ab eo. UtinaiaJ 
vitleaw u-uui et »it vursus viiao mene consuinoiatua in peregrinatione, Jedei'^ 
fall» war Willebad nicht viel Jünger als Alkuio. N'iinirt man an, d.'us tr. 
772 England verliess (s. ä. 319 Anmerk. 2), bo war er vor 742 K^boreafl 
denn er war bereits Priester, als er den t^nischluss fasate, sieh der Hiaaiott 
zu widmen [Vit. Willeb, 1 ä. 3äO>. Alkuin ist um 7»& geboren ; s. oben 8. 1 19^ 




- 310 - 



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I 



NbiUeiidesChriateotbums iu Krieslaod, welche, vermittelt durch 
ttia BexiehaDgen Oregora zu Alkuiu, aacb Kuglaud drangen, er- 
weckten in ihm den Wunscli, in die^e aussichtsvolle Arbeit ein- 
lotretea. K6uig Alclired gab seine Zustimniuug'). Daraufhin 
ordnete ihn eine Versammlung englischer Bischöfe und Priester 
arIVedigt unter den Frieaen ab. Kr begab »ich nach Dockum. 
Dort war die Lage gef^Hicber als an der Yssel: Heiden und 
Christeo wohnten neben einander. Voll Freude empfingen ihn 
die letzteren: rasch kuimle er die Frucht seiner Predigt und 
tciaes Üulerrichta wahrnehmen. Es gelang ihm, eine Anzahl 
Tom Glauben Abgefallener wieder zu gewinnen. Auch unter 
den Heiden fand das Christcnthum neue Anhänger'). 

Der glückliche Erfolg gab Murh zu weiterem Vordingen; 
^'illehad zuerst aberschritt mit der christlichen Predigt die 
Uuwers. £r predigte im Gau Ilugnierke^). Mit dem Stolz 
eioea Vertreters der vernünftigen Religion gegen die ünfernunfl 
des Heidentbums trat er den Friesen entgegen, uud forderte sie 
%ur, die Götzen abzutbun. Aber liier war die AuloritlU der 
natjoaalen Religion noch uuerschuttert: der j&h auflodernde lield- 
niiche Fanatismus bedrohte ihn mit dem Tode: wie einst Willi- 
brod verdankte er nur dem Umstände seine Kettung, dass das 
Uoa ihm günstig Gel. Doch das Land musste er räumen: er 
"andle sich nach dem südlich angrenzenden sächaischen Gau 
Thriaate*). 

Fa£8t man diese Züge zusammen, so scheint das Urlheil 
berechtigt, dass es an der straffen Konzentration der Krbfte und 
MJ dem muihigen Vorwartsdringea fehlte, so lange Gregor 
lebte: d&a schon vorher besetzte Gebiet wurde nicht überschritten, 
oder wenn es geschab, so glich das Vorgehen mehr einem Frei- 



1) Von 76& bi« Ofltero 774; s. WiDkelmanD, Gesahichte der Angel- 
M«1hh S. 116. 
[ 2) Vi(. Willffb. 2 S. 380. Die Zeit der Landung WtllehAda sieht nicht 

"H. Dio Bio^nph'tv ngt nur. dua er lange ZtiJt in Dockutn wirkte. Da 
**" Qon im Jahre 780 darch KarL nach 8acliseo hcnifcn wurde, und <la 
*''aer AbbflruroDf^ ilie walirscheiolich kurzo Wirksautkeit Üsitich der Lauwers 
Vorherging, eo wird Willehad eher r.u i'.nda al« xii AnCang der Kegintng 
^Icbfcda di« tloiniaih wrluaen liaben. Ebenso D<>liiu a.a.O. 3. 14: Anfang 
^tT kiebLiger Jabro. 

3) In deraelben Zeit beginnt auch die Ausdehnung der frÜDkiseben 
"cnaebaft Über Oiealand dttlicb der Lauwers; s. UicLtiiufcn, Uechugeach. U, 
IHSfiD. 

4) ViL WUlob. 3 f. S. 360 f. 




- 320 - 



beuterzug al$ einem regelrechten Angriff; auch mangelte die ein 
heitliclie Leitung: t^ gab Arbeiter, die nicht mit Utrecht, wob 
aber mit York in Verbindung standen. Mit einem Worte: 
tnacbtc sirli ticiiierküch, tiasB dem Bislliuine der Bischof fehlt« 
der Mtiiich könnt« ihn nicht ersetzen. 

Karl hat, sn lange Gregor lebte, in die Verhültnisse iiich 
eingegriffen. Duss aber die Dinge ntüht nach seinem Sinn 
waren, zeigt sein Vorgehen nach (Jregora Tod. 

Zum Niichfotger Gregors war längst sein Neffe Albertcli b< 
stimmt'). Schon während des jahr<?langen SieehUinms Gregorfl 
la^ die Leitung der kirchlichen Angelegeoh eilen in seiner IlandJ 
Er war aus anderem Holie wie sein Oheim, schroffer, encrgiitcherj 
aiicli in den Dingen dieser Welt gewandter als jener'). Atsbal 
Hess er durch Liudger die zerstörte Kirche in Dementer wjedei 
errichten. An derselben entstand ein Kloster von Kanonikern 
Die Kirche ist rücht wieder nerstört worden*). Nach dem Todg 
Gregors trug er kein Bedenken, die bischöfliche Würde au über- 
nehmen, obglcicli er auf das Marlinsklosler nicht verzichtete. 
Auch darin zeigt sich die Vcrschicdenlieit beider, dass Alberid 
«ich in Kein die Bischofswürde crtheilen liess: die Verbindtm 
mit England Ii'isle sich: die friesische Kirche gliederte sich de 
fränkischen Landeskirdio an'). 



1) Vit. Greg. 1& S. id. DJo Angabnn Über Alberioli aiod dürftig; 
war, wie et> Bchoint, nicht Mönch genu;;, um vln-en Biogrsphea zu GodenJl 

2) L. c. : tiiii tanc. tftmporlH in lialU erst, rpgali serviiio occnpattu^ 
Alkuin nenul elwas spilttisch iciroi. 4 v. 6 S. '221) Albftricli .vacciputeu 
praesul". Man darf (lariLiis schliessen, tlasa Alhenoli llt)er äf.a BesitE and 
arthellte aU Gtecur. 

3] Vit. IJaAg. l, 14 S. 408. Ein Zon^ts der Wirksamkett Lini 
an dtsr Vssel siaä die «pHtere» fjclienkiiDgcn in Witlunuiid (WicbioiiDd] 
ZUtphen (l-icomblet, V.B. Nr. 4 H. Z vom 4. Oklohpr 794; Nr. 9 S. 6 vo 
29. Juni 797; Nr. It> S. ]() vom \G. September 800; bier; *d coostrumda 
eucl«Hitiin. Kt> banilelL skb nur iiio «inen Ncnban: vgl. Nr. 9: ad reliquj 
e, salwaiocia, crtvrurumqiie sancCorum qao a liudtcero abtut« in uuhb' 
mundi coRnritata sunt. Weiterhin ist von servis l)e\ qul oas legitime caato- 
dire reperienlnr die Kede), 

4) Vit. Liiiilf;. I, IF> S. 408. Die Wölbe tnad nfeht ror dein Sonnt«' 
?;? statt (UrkuDdQ Karls, Bäbaii>rMUhlbncb«r 206). HetU<ik8i«bli||;t maa 
nun, da«s Liudger wahiacbtinlich 7rtü nach Doekuto katn 18. obCB ä. 3m 
AniiiBfk.} und dase nach Vit Lludj^, 15 seine Triesterweibe mit der 
U«l>vr(t»giiiig Jener Stelle in Zus Immen bftii^ atcbt, ao wird es wabrst-hein- 
Ucli, dass süine Urdiuniion und dann auch die Wettie Albericbs in dai 
Jahr 780 fallen, Dadurch wird die ob«n ä. 312 Anmcrk. & suag«aprocbfla« 



i 




- 321 — 



I 



Xocli hatte Alberich mit dem Hange) ao geeignuleti Mit- 
a^flitern zu kümpfen*); gleichwohl wagte er ileii Versucli, die 
Kote des Heideotbunis im TräDkischen Kriesland gewaltsam aus- 
lOToUeo. El' saudte seioe Manche mit dem Befehl durch das 
Luid, die GüUerbilJer zu zerschlagen, die heidaischen Ueilig- 
Üiitnter zu zersLt'irca und naä in ihnen werllivoll war, 7.u rauhen. 
Er glaubte, es sei müglichj eine neue Religion zu pflanzen, indem 
^ die alte mit Gewalt vernichtete. Aber das war die Voralellung 
itr Zelt: die ReligioneOf ja die Gotter kämpften mit einander: 
Wehe dein Colerhegenden! Ein solcher Auftrag konnte nur aus* 
^erührl werden, wenn die Macht des Köuigs den Bisuhof schüt^ite. 
Fj ist deun auch kein ZwKJfel, da&8 die Mönche ebeusu iui Auf* 
trüge des Küuigs wie des Bischofs handelteu: eineii Theil dac 
Schjiixe der heidnischen Tempel Uberlieas Karl an Albericti für 
fiie Zwecke der Kirche'). 

Doss Karl überall In die kirchlichen VerhiLllnisse eingrilT; 
»igt die Abberufung Willehails aua Dnckum Im Jahre 78U'). 
KtrI glaubte den tQchtigcn, bewülirten Mann anderwärts besser 
gebrauchen zu kOnnen. Dneh war Dockum ein zu wichtiger 
Poslen, als dass es unbesetzt bleiben konnte. In die Stellung 
Wjllehads trat Liudger ein*). Wie sein Vorgänger wirkte er 
lugleich als Missionar und Organisator ^ er hatte den grossen 
V&rthcil Tor jenem voraus, dass er nicht ein Fremder, sondern 
ttD Frie«e war: ein bewundernder Freund bat ihn die berühmte 



YdiQiitlitinf, <Lui 7dO »U Todesjahr tiregora richtig iat, dua aber Alberich 
*4i)B seit seinsr Erkrniikung die Luitunj; der Uirecliier AngdegeDheiteB 
^nt, eine gewisse l^tUtce erhftlieD. 1>B88 Vit. Lludg. 14 iba er«( nach 
dem Tode Gregors die ZU gel ergreifen IHsH, wird kaum Sehwlerlgkoltea 
■D&^bes. Uie Angab« tat ein leicht orkiSrlJcher Irrchuiu Altfrida. Reaclitena- 
*crtL iat, das« auch er weiss , dasa die Uebernaliuie der Leitung und dia 
^•chofsweibe niclit zasaniEßenfallcD. Als Prior dea Marti da klüsters nennt 
Vit. Lludg. I, 16 8. 409 den UöDtib tiaddo, den auch Alkuio kanDtr; 
«•».4 T. 8 3. 221: 

NatD UbI Hadda prior nocte non amplius nna 
In TratDut m«l cuuipuhiiiKiuv biiluiqiie minietrAt: 
Uipole Doo oleoDi Tiaa viniim Fresta fuodil. 

1) D«r Beweis liegt in dt-r acllsainfci tl.i)irirhluog des Unterrichia tn 
^Marlin: Alberich, der Prieater Adalgar, Uiidger und Ttiiaibral (a. Bd. 1 
^•401) uoterrichteteo abwechaelnd Je ein Vierteljahr; Vit. Lludg. I, 15 

s.«e. 

2) Vit Luidg. I. 14 S. 406. 

3) Vit. Willeh. & S. 381. 

4) ViU Liudg. I, 15 S. 408 f. 

niiack, KlnliBQ|B«lilctita Di>aUcblaD<b. II. Ol 



- S22 - 

S&ulc seines Volkes gcnenntM: ^e anders musstc «ein Wc 
wirken als ilas der Franken und Aogelsachsen. Willebad w 
er an kühnem Wagemuth vielleicht nicht j;leich: aber er wi 
gerühmt als gelehrt, klug und tiefer Gedanken'). Westlich d 
Lauwers gründete er eine Anzahl Kirchen: vor allem aber ti 
er die ersten kKisterlichen NiedertassuDgen in diesem The 
Fricslands gestillet. P> selbst hatte die Münchsgelübte nicht a 
gelegt; aborauch in ihm lebte die asketische LebensanscUauiii 
des Hotiifatiiis fort''). Mit welcher Liebe er das Gedächtnis d 
angelsticlisischen Mört^vrcrs ptlegte, dafür Ist ein sprechend 
Beweia seine Biographie Gregors; der nächste Held sein 
Buches wird durch seinen grossen Lehrer gewisaermassen vi 
dunkelt. Wie hatte er unterlassen können , den Ort des Mi 
tyriums ansznzcichnen: er schciDt die Gcdüchtniskirchc erneui 
zu haben. Aikuiti, der erste Dichter des Jahrhundert«, scbri 
ihm die preisende Inschrift *J. 

Jahrelang war Liudger an der Lauwers thfilig'); der Deslai 
des Chrietenihunis schien gesichert: da wurde alles, was w 
dem Tode des l^onifatius erreicht war, wieder in Gefahr d 
Vernichlunf,' gebracht Die Ertiebimg der Sachsen gegen d 
fränkische Herrschaft im Jahre liü riss auch die Friesen a 
fort: der ganze Landstrich zwischen Lauwers und Fli Gel vo 
Chrislcnlhuiiie ab: man opferte wieder den alten Gittern. D 
Kirchen wurden verbrannt, die Priester verjagt, auch Liudg 
sali sicfi zur Flucht gcnOthigt. Er ging nach Italien: in Ra 
und Monte Cossino brachte er zweiundeinhalbe« Jahr zu: a 
gleich er kein Monch war, freute er sich, im Kloster Bcnedik 
nach Benedikts Regel leben zu können*). 



1) Joseph. Sooll. curcD. 1 v. 4 S. 150. 

2) L. c 7. 6. 

3) Vft. Liudg. 1, 17 a. 409. Kirchen Östlich der Lauwere in liadg» 
7i«!t: zu Wiscwirt l)i>i [lolwyrde oin Or;)!»!^^ [Vit. IJildg. K, 1 S. A\ 
ZU Werdtna (Wirdum) eine von Lliidgar auf ererbtem Heailzfl am H« 
erbanle Kirche (II, 3 S. 412). in Leer an der Le<ia (II, 5 3. 413). 1 
Gründung der letzteren f^llt wniirseheinllcb in die Zeit a»b der RUckk • 
Liiidgers aus ftalien. Von seinen OenosBen nennt Vit. Liiidg. 1, 18 «eis 
Broder Hndlf;rliD, den spKceri^n Bischof von Chxlona, und Gerbert ooft (M 
Beinamen C^wtuB; 8. Über iho Diekamp, Gesoltictit8q«elleo IV 8. 25 Anmerfc. 

4j IHe Vurae Vit, Liudg. I, 17; auch Poet, iat, I S. 304. 
fi) Ueber die fere Septem annos der Vit. Liudg. I, 18 B. 410 «. otH 
8. 316 Annierk. 

6) Vit. Liudt;. I, 16 f. S. 410. 




r 



- 323 - 

Doch bewies gerade dieser Sturm, dasa der christliche Glaube 

m tniltlcren Friestaad schon so tiefe Wurzel« geschlagen hatte, 

ass er Dicht oiehr Dusgeroliel werden konnte. Zu den ron 

udger für die cliristliche Wahrheit gewonnenen Friesen ge- 

liörte ein sangeskundiger Mann, Namens Berulef. Jedermann 

liebte ihn, denn niemand verstand es wie er, von den Gross- 

thaten der Vorfahren und den Kämpfen der Könige zu singen 

und zu sagen. Der nordische Säirger, dessen Phantasie die 

ItUhiien Seefahrten seines Volkes und dessen trotziger ijchlachten- 

»iiulh crfUllteM , wurde ergriflFeo von der erhabenen Poesie der 

JPsatmen: Liudger konnte ihn nicht genug von diesen Liedern 

-lehren. Als nun die Priester aus dem Lande weichen mussten, 

nbertrug Liudger ihm die Aufgabe, die Christen im Glauben 

^o Bttu-ken: er hat sie treulich gelöst: hin und her im Lande 

suchte er die GIfiubigen in ihren Häusern auf: ihm wehrte 

'mad schadete niemand. Manches Kind ist durch ihn getauft 

^^»■orden: bis endUch die Priester zurückkehren konnten. Der 

^te Sfinger ist wie eine Verkörperung der besten Seiten seines 

"Volks: des unverzagten Muthes und der hingebenden Treue. 

^00 einer Treue, die sich stark fulilt, über das Grab hinauszu- 

veicheu, zeugt auch sein Tod. Als es mit ihm zum Sterben kam, 

Klagte seine Frau im Gedanken an ihr einsames Leben; er aber 

Snistete sie: Wenn ich ron Gott etwas erbitten kann, dann wirst 

^u nach meinem Tode nicht lange auf dieser Erde bleiben: 

ierzehn Tage danach ist sie gestorben^). 

Der Aufstand der Sachsen wurde in harten Kämpfen, welche 
«]ie Jahre 784 und 7^^ erftlllten, niedergeworfen']. Die Folge 
•^war, dass auch die Friesen sich wieder unter die fränkische 
llerrschart fügten. Alberich war im ersten Jahr der Erhebung 
^^estorben'). Das Kisthum LTtrecht wurde, wie es scheint, sofort 
^-^eder besetzt*); aber der neue Bischof tritt wenig hervor. Viel- 



1) Vit. Liudg. II, 1 f. 8. 412. 

2) S. AbeJ, J.B. I, 8. 469 ff., 493 ff. 

3) AuQ. Laurtisb. z. J. IM. Rettb«i«. K.G. D.'s II S. !^R( irrig: 762. 

4) Ud U(r«cbt«r Biscbofakaulog aus der Hiile ll(^s 14. Jithrhundcrta 
t*- G. Scr. Xin 8. 295) gibt xwiBcb«n Albüricb und dcui 815 iiacbweia- 
^*nh Brikfred (Urkunde Ludwig« vom H Uärt 81^ Bilhmer-MühlbAchcr 558) 
^ tvei Niunea Tfalalerd uod Ermacki-r. Eine länijerc Erl^idiguiiK dvs 
"UtkuDia iat aUo oicbl wali raube tiilicl). Daaii die Verbisdung; iwiacheD 
^u Hartina kloster und dem Biathum furlbcaraad, ergibt Dich aua dür 
'ÄpfÜhrten Urkunde: „V«lerie 'Jraieeti ecclceiae epiecoi>u8, qaae cat coo- 
(t^aets ia boaore a. Uarlini* und nlpsi ""^v-l Dei, qui ibidem coDsIaiunt, 

21'* 





melir Icltote Karl die kirchliclien Verhältnisse. Als Liudgec" 
im Jahre 786 aus IiAlleii wieder nach Deutschland kam , gat' 
er ihm den Auflra);, nach Krieatatid zurttckzukuhren , seinecK 
Wohnsitz aber östlicli der lAuwcrs tu nehmen: die weit Über- 
wiegend heidnischen Gaue an der Ullndun}; der Ems') solUer» 
fUr das Christenihum gewonnen werden. Aur die Macht de^ 
Kiinigs uesljitztj zeratOrle Liiidger die heidnischen Heiligiliüuier := 
die Niederlage der Gütter sollte dadurch gleichsam besiegele 
werden. Dagegen ei-hoben sich da und dort christliche Kirchen 
Nun hört man zuerst den Namen der Stadt Leer"). ÄucJ 
auf den friesisclien Inseln wurde das Kreux aurgerichlet^) 
Bdan hatte in Utrecht Willibrords kühne Fahrt nach Hetgolana 
uicht vergessen. Es reizte Liudger, die damalige Niederlage- 
auszuwetzeu: mit Karls Zustimmung schifTle er nach der Inset 
ihm, der im Schutze des mi^chligen Uerrschers kam, wagte tna 
keinen Widerstand entgegenzusetzen. Die Upfer^tiitlen Fuüetes* 
wurden verwüstet und chrielliclie ICapellen errichtet, lu jenet 
^uell, den Willibrnrds muthige That den Christen geheiligt hatt 
wurden die Bewohner des Felseilands getaufl.. Landericb, di 
Sohn oin'OS der Htitipttin»o, erhielt die Würde eines Presbyter^^^s : 
er ist der neuen Religion, die seine HeinmUi wie im Sturr^vaa 
Überrannl hatte, treu geblieben*). Alhün alte HeiligthUm^^^r 
werden nicht leicht vergessen. Den nordischen Seefahrern gt=^K.lt 
Helgoland nach wie vor als die heilige Insel. Es mag unt -^sr 
den schwachen Naclifolgern Karls gewesen sein, dass die chri^^s^ 
liehen Einwohner durch sie aus der Insel verjagt, worden. XU «"ci, 
11. Jahrhundert wurde sie gewissermassen neu entdeckt'). 




cum «orum eptACOpu'. E1j;«ntlich «ar nicht St. MarttD, sondern St. S>alr>^<" 
die Kathedrale. Kine i. Kirohe Ja Utrecht, St. TrinitatiB, Id eioetu ZasaC^^^ 
XU Willib. Vit. Bonif. crwübot M. G. Scr. II S. 3M Anmork. 39. 

1) Oeaanot sind dio Uauo HuKinerchl, DuauBsa, Hvilxa, EuiJi^ * ■ 
Fedlritjja {Vit. Uaig. I, 19 S. 410); nie la^n östÜcJi «on der Lanwer*- 
Vgl. V. Ledebar, Uio fllof MUnstcritcben Uaue und dio siebcD Seelao''^ 
Kriealanda, m:iO. 

2) Vit. Uwlg. n, 5 S. 113. 

3) V\t unlerxf gingen« Ioh«! Uant geltürt« xa dein Undger eigetia u- 
g«wlcsenon Bezirke (.Vit. Liudg. 1, l» ä. 410). 

4} lieber Foaele *. v. Hichthcfen, Fries. R.U. U, 1 S. 434 f.t (iiiom, 
Deutsche Uythologifl S. 210. 

&) Vit, Liudg. I, 10 H 410. 
. 6) Adam. Brem. Gest. Hamah. Mct. pontif. IV, 3 S. 1&€ (der Oktar- 
»uagab«]: EilbertucD (Bischof voD FUneci) traduDt, convonum a pyratii, 



— 325 — 

AuT dem E<*e5t[ftn{i hatte Ltufi^cr mit offenem Widerstände 
eiuea Theils der Bevölkerung xu kämpfen. Unter Kührung Unnos 
und Eilrats erhoben sich die Heidon, sei es, dass die immer von 
'neuem auniammeuden Krnpöningen der Sachsen wieder über die 
friesische Grenze hlntlbergriffen , sei es, dass Liudgers gewalt- 
sames Vorgehen den Aufstand wachrief. Die Empörten rächten 
die verbrannten BeitigthOmer an den christlichen Kirchen. Liudger 
niuMle noch einmal das Land verlassen'). Aber das war nur 
ein Uemranis, kein Hindernis. Ehe das Jahrliundert ab^^e- 
taufen war, war die Unterwerfung Krioslands unter die Kirche 
vollendet. Voll Freude berichtete Alkuin über das erreioble 
Ziel; die Sttkmnie der Krieseii hätten sich zum Glauben au 
Christus bekehiU Er schreibt das Verdienst Karl d. Gr. zu, und 
ohne es zu wollen, tadelt er das Verfahren des von ihm Ge- 
rOlimteu: er habe diu einen durch Belohnungen, die anderen 
durch Druhungcn gewonnen'}. Es sind die Mittel, die derjeniga 
DJoht entbehren kann, der rasche Erfolge erstrebt. 

IVon dem Zustand Frieslands im letzten Jatirzchnt des 8. Jahr- 
bundertä gibt das friesische (iesetz>) eine Vorstellung. Üas Land 



Farriam insulaiD, qiiüR in ostin fluininis Albiae longo aecesBU latet bn uceauo, 
pritDUtD n-ppt-risar, ci^tDstrucloqiic ibi oionaxteriu fecias« b^bi labilem. Haec 
iniula coalrs lladeloam (Land Uadelo) sira est. Cuiua latitudu vii ucto 
^■biliitna pitnditur, laliiiid(M]u.ili]ori boEnin«« atrsuiiiie rraf^D!i6nti«()ui} naviuto 
^*pro i^v utuiitur. Scmiii est, pirataa, si (ttianilo praedam iuds val tDiuiioam 
tiilerint. aut mox prHage natirraKto aut occisu« ab aliqno, nullunt dointim 
redisBC iud«uipuffui, Ijuaprupivr auteiit beromitis ibi vlv«util>iia decimas 
praedarnin utfctm cum magna derutinoe. Kni cuiiu haec JDiula rer&ciaalma 
bugUBi, ditiosima voluLTum Ol [»eculum outrix, i-ulieiu habet udIouid, aiborcn 
uullam, acopulia incLutlitnr aRpfirrioiis, nallo aditu praelur ODUm, ubi et 
Faqua dulcli, lucuH veucrabiUe uiuuibus uauiia, praecipu« verü pyratis. 
JDDdc acc^ptt noiueii ul HeiliKlRnd dicatut. 

1) VK. Liudg. I, 19 S. 411. 

2) Ep. U S. 166. Der Brief RChärt in das Jahr ?90. Dnoh tat Doch 
fb der L'rhunde Ludwigs voo 813 (ÜJthmer-Müblbaclier bhS) davon dt« Kcdo, 

daaa die Marti Dakircbe gt-nriles, qui ad obnstianitatem cooverlDntnr niere 
|M doe«re possii. 

3) 11. U. Leg. III 8. 6bG (T. Dass das Gesetz, so wie «s vurlt^gt, 
ebrtstlich ist, darüber besivht livin Zweifel. Jedocb scheint dies«fr cbriit* 
Heben Kezoosion eine heidnische vorangegangen za sein. Richlhofen da- 
gegmi lüsst H. a. 0. ä. Ü&l alle Tbeile des (ieseties eml unter früniiiecher 
Uetrocbaft , den ülteuifn xwisrhen 731 und 785 aufgeeeicfaoct sein. Wie 

' ciicb dünkt, ist aber w^gcii lit. V, l .">- Ü^'S: Sin« ««iiDpoKitione occidi potest, 
qul fanuin elTre^it, nnumgängllch, ein« der uds vorliegenden obristlicben 



war christlich: es fehlte nicht an Kirchen'), welche wie aader- 
wärts von einem nmnmuerten Hofe umgeben waren'). Aber es 
gab doch n^gcli Landstriche, von denen aus man nur schwer eine- 
Kircho erreichen konnte und in denen man nicht leicht einen 
Priester begegnete']. Die christhchen Institutionen waren an- 
erkannt: man feierte den Sonntag: wer ilin durch schwere 
Arbeit brach, hatte HnsAe zu zahlen: östlich der Lauwcrs 12^ 
westlich 4 Solidi*): das neubekehrle Land fügte sieb nur wider- 
strebend in die christbche Ordnung. Auch die kirchlichen Khe- 
htndernisse sollten beobachtet werden; aber es fehlte doch TieU 
dass das Volksrecht und das kirchliche Eherecht sich deckten. 
Man löste rerboteuo Eben: aber man verwehrte den Getrennten 
nicht, wieder zu heiratheu. Und man wusste, dsss nicht alle 
die itber sie verhängte Trennung anerkennen würden: wer sich. 
nicht fügte, zatilte sein Wehrgeid'). Die kirchlichen Gebäude 
genossen den gleichen Schutz wie der Ilei-zogshof: der Friede 
in ihnen war besonders heilig; wer ihn störte, des Strafe wurde 
verncunrauht^). Uer Mürder halte Fiieüeo wie in seiueni Mause, 



Kesension vorhergeliendo beidoischo anztinebiutüi. r. Btchtbofen versteht 
freilich unter fauuiu ciao ctiriailictie Kliuh« (Pries K.G. 1), t 9.bOi); ab» 
iM dna möglich f Bcwetseo nicht aath die falgondco Worte „ei infaiis xb 
uleru sublstui et eo^cstus a maire", data liier eine iltere heidnisch« Aof* 
xeichnung uDverüDdert stehen geblieben fat? Don letMen Satz: Et si bM 
quaelit>eC f«aiiDa fecerlt, leudeoi tusm r«gi componat, betraoht« ich alt 
Zusatz der chriatlichcn Revisurfln. Dasselbe g-ili aber, wegen tit XVll, 2 
S. 670, auch von dem iweitcD, nach v. Kichlhofen im Jahr« 7d& publiiirlca 
Tbell des Gesetses. Hier wird der Ilerxo^hof erwXbnt; v. Kichtliofeii 
denkt BD einen ftäskiachen in Friesland wobnundeo Herxog; aber was er 
8. 649 zur Bcgrllndung; dieser ADiishme boibilDgl, eclieiot mit nicht am- 
reichend. Ks Ist einfacher, auch hier dcu Itesl einer älteren Kesensloo an- 
zuerkennen. Uffcn beidnatch ist Addit. XI. 

1) TiL XIV. 1 S. 667; XVII. 2 S. $;o. 

2} Tit. XVU, 8. 670: In eeclcaia aut in atrio ecoleslae. Der alt 
dcQUcbe IdatchfluB bat fUr atrium früthoua (2fi. 3). 

3) Tit. XIV, t 8. 667: SI iuzta cceleslaui tioH non potaerll. Si pres- 
bj'ler deest. 

4) Tit XVni. 1 f. 8. 671. 

fi) Addit. II, 77 f. S. 692. Das Wehrgold dos Freien botnig araprUog- 
licb &ä'/a Solidi, das de» Edoln l\,iiial so viel (= 80 Solidij, das das 
Liten die Häll^o (2&^/, SuUdi). Im weatltchun uud (iitlichen Frteilaad 
crbii?1t der Eö\c. das doppelte Webrgeld d«s Freien. Später wurden alle 
äiimmon vorduppett [v. RieblliufcD 3. 650 and Fr. KQ. U, 1 S. 499j. 

6) l"!». XVII, 2 S. 670. 



Mär. 

I 



10 loch in der Kirche; vrie auf dem Wege zur Volks venamiu- 
kBg, w aucb auf dem Wege zum Gotteshause'). 

Auch dariu erscheint Frieslaad als christlich, dass der Ver- 
ksnf troti Sklareu an beidoische Stumme verpüiit war^). 

Im germanischen Recht«]eben stüsat man überall auf ein 
nicht unbedeutendes rcligiüscs Element. Es erhielt bei deo 
Friuen nun eine christliche Färbung, welche jedoch das Ursprung- 
Üdi Heidnische dcullich durchachimniorn lässt. Der Eid war 
Ziuberformel: man schwur auf Elelit^uien oder in der Kirche 
an Altar'). Man wähnte, daes Gott im Zufall des Louscs ent- 
Mbcide. Am schrofTsteo tritt das zu Tage in der Art, wie der 
)l$tder eiues iui Tumult Erschlagenen eikuodet wurde. Wer 
du Wehrgeld für ihn heischte, hatte das ilecbt, siebeu Be- 
Ibdiligle des Todschlags zu beziehten; jeder derselben musste 
DiK sw^ir Eidebhelfern scliwüreti, dass er uuscliuldtg sei. Dann 
wirdea die Beklagten in die Kirche geruiirl, damit hier über 
ScbtUd oder Uosctiuld geloost werde. Alan lef^te zwei Hutheu, 
itttü eine mit einem Kreuze bezeichnet war. mit reiner Wolle 
lUDffickell auf den Altar. Ein Priester oder, wenn keiner gegeo- 
«ifttg war, ein anschuldiger Knabe nahm eines der Loose auf, 
wibreod die Anwesenden Gott anriefen, er möge kund thun, 
ob die Sieben, welche geschworen, einen rechten Eid geleistet 
hitleo. Wurde das Loos mit dem Kreuz aufgehoben, so waren 
sie unschuldig. Wenn das andere, so musste weiter nach dem 
Marder geforscht werden. Jeder der Beklagten hatte eine Ruthe 
oiit »eiaer Hausmarke zu bezeichnen; wieder wurden die Loose 

rtioer Wolle umwunden und auf deu Altar niedergelegt. 

Qahni der Priester eiu Loos um das andere: das letzte 

boeichnele den Morder*). Man erkundete den Willen des 



ll Addtt. til. 1. 1 S. 6B3. 

2) TIr. XVII, ö S. 671. Es ffilH «of, dass das friesische Recht fllr 
<leQ Kleriker kein ctgHnos Welirgeld keunc; v. Rivhthufen erklärt (Frii>e. 
'^^■11, l S. 506), Be«[ini[iiiinji;en tlarilliiT ktinitteti nicht gefehlt lmb(<n. 
^u »eb«int mir doch oicbt tltier Jc-dün Zweifid erliubea. Deou sulUc slvh 
''**Ftbleii der fraglichen Ucütimiiiünigen nicht aehr einf-icb doraiis erklären, 
(>4« ila« friesitcfae UesetE chriallivhe Kevislou einer heidiilsclii'a Vorlage 
""T Da analoge Bestimmungon dort fühlten, wurde ihre ÄufoBhmo hier 
*'l»mebtD. 

3) Tlt HI, 6 ä. 661^ X. 1 S. 665; XII, 1 S. 666; XIV, 1 S. 667. 
^ddte es sich um Kleiolgkeilen , so worde der Kid In vestimeolo vel 
HWDli flbg«1egt; III, b S. tiCl; XII, '2 S. 66ä. 

i) Til. XIV. i 8. 667 f. 




chrifltllctien Gottes nicht anders, als einstmals Radbot den Will 
seiner Gälter') erforscht hatte. 




An historischer Bedeutung ist unter den deulflcheri St&min 
nur einer dem der Kraiilcen ebenliurtig: der sftchBiuhe'). 

In mancher Hinaicht war er vor den Franken begUnstii 
Wfthrend die V6ikerarhaften, welche im Frankenbnndezusannnie 
traten, sehr verBchiedeiier Art gewesen sind, bildete sich d 
Bund der Sachsen ans Stummen, die ron Hause aus nahe v 
wandt waren: deshalli wurde hier der Vfilkrrhund zu eine 
geschlossenen Volke von durchaus einheitlichem Gepräge. 
unwandelbarer Treue hin;; das Sachscnvolk an der von d 
Vorfahren ererbten Scholle. In dem allgemeinen Vorwür 
drängen der deutschen Stamme blieben allein die sächsisch 
Gaue immer in dem gleichen Üesibc. Was für verschiede 
Stämme haben im Laufe weniger Jahrhunderte am Main g' 
wohnt: burgunder und Alaniauucn, TliUriuger und Franken: d^^ 
Land zwischen Elbe und Ems dagegen wechselte nie seio^ 
Herrn. Wohl hört man seil der Mitte des 4. Jahrhundertji aii^ 
Ton Ztigen der Sachsen nach Westen. Neben den Krank^E 
gellen sie als geftlrchtete Feinde der rttmischeit Kultur'). CT 
Nordwesten Galliens konnte es eine Zeitlang zweifelhart schein^^ ■■» 
ob Franken oder Sachsen die Erben der römißcheu Herrsch^E^^ 
•ein wurden '). Engtand haben sie wirklich beaeUt. AIIt:..J- ■ S 
dabei wurden die alten Sitze nicht rerlassen: nur der Uebe^*^ 
schuss des Volkes zog in die Fremde; die Uaujitmasse hielt zäK^* ^ 
an der alten Hcimath fest. j^ 

Durch die Lage ihres Landes waren die Sachsen vor A ^-^ 
unmittelbaren ßcrOhrung mit der fiemdartigen Kultur der ROmi 
weit behütet. Das fränkische Gebiet bildete gleichsam ein' 
Sehutzwall. Während die Franken an tausend l'unkton von d 




1) Vgl. Bd. I 8. 4ns. Dnd Hber daa Lomen Überhaupt Uomty^ 
lieber das germanische Loosen (Monatsber. d. Berl. Aksd. 11^53 Ü. 7-^ 

•i) Vgl. über dns Kthoographischa Zcuss , Die Dcntachnn aad i'M 
NachtiarBtäimiie S. 380 ff. 

3) Animlan. Marccll. XXVIII, b S. 419; XXX. 7 S. 480 (cd. Eya» - 
hsrdl); üros. bis!. VII. 'iü) ä. 488 \ed. ZaiiKemfister); VII, 32 S. 513 f.; ^^* 
Apoll, (ed. Lnetjohflnii), cp. Vltl, 6S. 132; 9 S. 13«: carm.7 T. 369 8. Ä" '* 
390 S. 213; Enutid. Vit. Anlon. S. 3«6 {«A. Ilar(«t); Salvian. de. 
Del IV, 67 8. «9 (cd. Paiify). 

4) Greg. 'l^ir. Blat. Fraac. II, 18 t. S. 83: (ed. Arndt); V, 26 S. 



- 329 — 



SEer6«tzeaden Einflüssen des fromiieii Wesens getroffen wurden, 
kOQDte die deuUche Art im Sach«enro1k sieb un^^sUlH und un- 
gehemmt entfalten. Das war (iewinti und Verlust, Kullur- 
eleiiieiittt in Menge überliainen die Franken aus der Oemeiu- 
Bchafl mit den Romauen: ilir verdankten sie es, das die Tränkisctie 
Kultur die Ueberleilting von der röiiiischeit zur niiltelalterliclien 
bildet Aber sie bezalilten den tiewinn au Uesitlung mit einer ua- 
endlicli grossen Kinbusse au tijitilichkeit. Dasa die Sachsen noch 
Harbaren, ein Volk kriegstUchti^er Bnupro waren, wahrend die 
chrisiliche Bildung Eurnpns ihren Mittelpunkt am frankischen 
Ktinigsbüfe hatte, daa lohnte sich darin, das« die sittlichen Grund- 
lagen des Volkslebens bei ihnen unersrhdltert liliehen. 

Diese Verschiedenheit zeigt eich nir^euds so dcullich als In 
der Stellung zur Religion. Da» fröukische Volk wechselte seinen 
Glauben so leichthin, dass man sieht: der alte Oiaube war laugst 
entwurzelt, und dass mau sich nicht wandern kann, wenn der 
neue sich als kraftlos bewies- Die Sachsen dagegen setxten 
ihre Existenz daran, sich der oeueu Religion zu erwehren, die 
ihnen mit Gewalt aufgedrängt wurde. Allerdings unterliegt es 
keinem Zweifel, dass ihre Abneigung gegen das Christenthum 
dadurch verschärft wurde, dass die Verehrung des fremden 
^^ UoCtes die Unterwerfung unter die fremde Herrschaft besiegeln 
^Psollte. Der alle Glaube war ihnen auch deshalb wertbvoll, vreil 
er ein Beweis der alten Freiheit war. Man mag auch annehmen, 
dass ihr stark enlwickeEtcr Stammcsslolz') ihnen die fremde 
Religion verächtlich scheinen lte.ss und dass ihr schwer beweg- 
liches Wesen^i sich gegen den neuen Glauben ebenso ablehnend 
^- rerhiclt, wie gegen alles Neue. Allein ihr xüher Wider- 
^V stand ist doch nur dann begreiflich, wenn man annimmt, dass 
H die nationale Religion bei ihnen weit mehr Kraft und Leben 



^ 



1) Kudolti Traue). Alex, l S. 675: Ueiierii ac uobilluti« »ua« pro- 
vtdiiaiiDiua curäm bübcutcs, oec facile ullii» aliarum gcntiuni vcl tibi infe- 
rioruiD cuDnublls lufectl, proprSsia etsineeratD et tantiioi BUi similem gentein 
facere eouati fiitiit. Dia auf nee facile fulf;L-ndcD Woit« •tammen aus 
Tavit. Gcmi. 4; dia vorauages teilt« Begründung gehiirl Kudolf uod spricht 
also eine ibm ei|;ei>o ÜemefkuD); aus. Adam von Bremeti hat den ganicD 
AbscItulU to seine (Jesu Hainab. ecci. ponnf. I, 4 ff. S. & BT. aufgenoaiiuea. 

2) AlkiJn «pilobr ep. 67 S. 307 von d«r ilnriria iafeliois popnl! Saxunttm. 
B«'la läset die b«>tdea Ewalde ermordet werdeo auf (irund Aer Renircbliinfc. 
ne paulaiim oinnis provinci^i vetereni cog^reiür D»va muiare caliurata (Ijiai. 
ncl. gmu ADgl. V, 10 S. 242 [ad. Holderp. 



— 330 — 

bos&ss als bei den Kranlten. Es stimmt damit überein, dftss 
die Energie ihrer Religiosität Fräukiscben Beobachtern, wie 
Kigi] umi Rtidoir von Fulda, auffiel')' Wcno die Angaben de« 
letzteren*) ein der Wahrlieit eufsiirecliondes Uild gewähren, so 
war das religiöse Interesse des Volkes vor allem dacaur ge- 
richtet, nichts wider den Willen der Gülter zu unternelimen. 
Auf mancherlei Weise suchte man ihren verborgenen Ruth rii 
erkunden: bald warf man das Loos, und gaben die in die 
Stäbe geritzten Runen Anfschuss darüber, was den Göttern gt- 
nebm seil bald deutele der Flug der VOgel und das Wiehera 
der Pferde oder der aursleigeiide Ranch das an, was sich 
im Geheimen vorbereitete, oder es zeigle der Ansgang des 
Zweikampfs , wie das Loos der Schlacht fallen würde. Nie 
handelte ein Hachse dem Zeichen entgegen, das von dem gOlt> 
liehen Willen Kunde gab^), oder begann er irgend etwas an 
einem Unglllckstag*). Es liegt etwas Grossarliges darin, dass 
man unweigerlich auf jedes Unternehmen »erzichlete, dem die 
Götter den Segen rerßagton. Aber diese Selbslbezwingnng ist 
herb und hart; sie glaubte nicht an die Macht der Bitte, sondern 
fügte sich wortlos der unbezwjngtichen Gewalt der Unsichtbaren, 



1) Eig. Vit. Stnrm. 21 S. 376 : Pflgani» riiibns nimii dcditi ; Bud. TransL 
Alex. 3 S. 675: Culcut doreioDum dciliti verncque reügiooi conlrarti; PrtHieg. 
contJD. c 109: Pagariiasimi. 

3) Träiiäi. Ales. 2 S. 675. Kudolfa NaclirEehUD werden bftdhigc and 
ergänzt diirth dvn IndicuEus ouperstitioneiu «t pngxiiiaruui (cap. lOB S. 223.^. 
Deitinlb kann der Uiii&iAtid, dnsa sie aui Tacit. Germ. 9 0*. ODlnomtDen 
lind, keinen Zweifel ftn ikrer ICicfacigkeU erregen; «r dicDt nnr zum Be- 
weise der Uiiveiünderlj^bkeil der religlDaeu Aosch&uungea. Der safsTeigeDde 
Han«h iat von Rudolf Dicht gen&oDC, dagegen im Indlcutua c. 17 S. 223. 
Dort werden noch «Hiebe andere Miticl, die Zukunft zu erforschet), geiutont: 
0. 13 aiigiiri« de bovnni siercora vri slerRiitalioncs und e. 17 de obMf- 
vtLtlone paganornm in incuntione rei alicuiua. Hnfele (C.(>. llt S. &08j findet 
in dem erst«r«D den tilaiib^^o, ea lierleute UnglUek, wer>n beim Auadrescbea 
der Fruehl darofa Ocbaeu Koiti derselben auf die Tenne fitllo. leb tie- 
xwifif«!«, ob dieae KrklUTiing riclilig ist; doch mögen darlilier die Kminer 
des dputschrn Altetlliuuis cnteclieiden. Uvo (lebraucb des Luo»es in dou 
wicbtigHten Angele geoheileti erwähnt auch Bed. hial, eeol. g«nt. AngU V, 
10 a, 242. 

3) itud. I, c: Sl prohibueiant, nitlla de eadein te ipea dja coDsaltAli«, 
at pcrmiaaiim est, eventum adbua fidcB exigebatur. Auch dieser Salt aas 
Tacit. Ueru, lü. 

4} Rad. I. c. nach Taoit. Germ. 11. 




— 331 — 



il» Furcfalbareo. Dasselbe Gerühl, bis zum Grausigen gesteigert, 
htirte daxu, dass mao walinte, die Gölter durch Menschenopfer 
mehren'): deu Uebermenschlichen gebührt die Gabe, vor der 
Mecidien sich eiiteeizeii. Wenn es wahr ist, dass dia Sachsen 
keine OOtlerbilder kannten*), so vird man darin nicht den Ge- 
danken des i^eisligen Wesens der Gottheit ausgedrückt fincten 
darfeo: es ist das GeTulil der uiiiiahbaren Furchtbarkeit der 
Gatter, das die Hand fesselte, die ein Abbild derselben her* 
Italien sollte. 

Dieser Art der Religiosiltlt entspricht, was wir Über die 
liltlicben Zustande des Stammes wissen. Wieder ist es ein 
fttokiiches Zeugnis, welches die sittliche Tdchtigkeit der Sachsen 
rchmt'). Aber sie bcthaligte sich nur auf einem eng umgrenzten 
Felde. Wa« da« Volksrecht vorschrieb, das wurde gehatten; 
WS« die Volbssitle heiligte, das wurde beobachtet*). Aber sittlich 
öorehgebildete Charaktere mangelten, wie sie bei den Barbaren 
ilberb&upt fehlen: die Kultur, weiche Individualitäten bildet, ist 
die VorausscUung für den sittlichen Charakter. Wo die Stütze 
^OD Gesetz und Sitte dem Sachsen fehlte, da war or auch in 
■iltlicher Hinsicht Barbar. Rudolf, der von vielem Tüchligen 
"■d Guten bei den Sachsen zu reden weiss, urthellt doch auch, 
^9n sie gottliche und menschliche liechte ungescheut brüchen*). 
^^ ist schwerlich ein gedankenloser Wideritpruch. Eine Menge 
'rÄnkischer Orte vom Thtiringerwalri bis zum Niederrhein hatten 
''>e wilde ZerstOningswuth der Sachsen zu erfahren')' Und zeigte 



k 



i) Bud. 1. c. 

2) Rnd. I. e. tisch THcIt. Genu. 9. Zweifel tiann , ob hlfr Rudolfs 
"^Cbricbt d«r Wirkt ictilc«it entspricht, hegrlindoi nicbt die Iniiinaul (•. 
"itea). sosderD die Thsteache, dass die den Sacba^n verwandten Friesen 
**«^eireIloi GiJKerbilder baue». Eijjlt spridil Vit. Stiiruj. 22 8. 3T6 von 
Moll et eimulÄcra der Sacliaen; vgl. aiicli cap. 108, 28 8. 223. 

3} Kud. I. c. 1 S. 676: Eraot iaqtiieti niuiis et finllimoram ledibua 
^«Mt, dotot vero pacati et civium utitiutibu» pladda beiiigtiltate con- 
'^'entes*; c. 2: Legibus eliam ad vliidiclaui lualvfactorum uptimls utebaotar. 
^* iDutln udlla arqiie BC-ciiDdum le^ccn nainrn^ boneala in morum probitate 
■'^ticr« Btuduetuoc. Charaktvriatisub für die savbaiaciie Art Jac was Nitbard 
M«k, rV. 2 S. 669 Über den Aufstand d« Jahren H42 erxählt: Lothar ver- 
spricht den OemeiortAien tmd Lileo, ut tegeto qnaio anteceaaores sul tem- 
V^^tV, quo idolomin cmltores eraor. haltnerast, oamdcm itlls dofnceps linbeo- 
"^■1 conoederet Quo supia modum cupidi . . domiuia e regno pene piilsis, 
i^or« antlquo qua qaisque votebat Le^ vtvebit. 

4) Bnd. I. c. 3 3. 676. 

b) Das Nebeoelnacder von guten and aohlliDiDeD 2Ugcn fiel ichoo 





sich nicht in den Kriegen mit den Franlcen, iIbss die sächsischa- 
Treulosigkuit der berUcIitigten fninkisclten KidbrUchigkeit oiin~ 
desttius gewachsen war')? Trotz des Tags bei Verden erscheint 
Karl d. Or. seinen trotzigen süchsichen Uegnern auch Bittlicl». 
Überlegen. 

Diß Berührung der Sachsen rnit den Kranken und do 
ChrisCenihnm reichte weit zurück. Als im 6. Jahrhundert di( 
frfinkische Macht sich unter Chlodovecha Söhnen weithia aus 
Lreilefo, erkannten auch die Sachsen die Oberherrschaft de 
Franken an. Theudebert I. spricht in seinem Briefe an JustinJa 
davon, dass Sachsen und Jfltliinder sich freiwillig seinem Scepte 
unterworfen hatten'). Jedoch schon Chloihachar I. masatc u 
die Anerkennung seiner Herrschaft kämpfen; er war dabei nie 
immer im Vorlheil. Hüren wir einerseits, dws er an der VVes 
mit den Sachsen schlug'], so andererseits, dass die Sachsen b 
an den Kheiu vordrangen *). Doch behau])tete er im ga 
das Ueber^ewicht; die Sachsen räumten ihre Abhan'^i'fkeit ei 
indem sie einen jkhrhclien Tribut von fj(.KI Kühen enirichlete 
Wenn Dagobert auf diese Leistung verziclilete^), ^ wurde 
doch nach ihm wieder gefordert*). 

Dies unklare Verhältnis der beideu Völker führte zu fo 
währenden Reibungen. Die Sachsen machten bald da, bald de 
einen Heutezug auf frtinkisches Gebiet; die Franken rächl^c^n 
sich durch V'erwüstungszü^e in das sächsische Land'). 

Während der letzten Mernwingerzeit war an durchgreifen ^rlo 
Massregeln nielit zu denken. Auch unter Karl Martell, K&- 'S"! 
mann und l'ippin kam man iiher jenes ziellose Ringen nn (K ^w 
Grenze nicht hinaus. Eist unter Karl d, Gr. beginnt das pla 
mftMige Vordringen der fränkischen Macht nach Korden. 

Die Kämpfe zwischen Franken uud Sachsen hatten scb. 




L ^ 

1 






SttlvittD auf, d« gob. Del VIE, 64 S. 176: Sixodcs crudelitu» eff«ri 
«.-jiBtitnte RiiranJi. Man sieht ZRf;lt>irh din Mncht der Sfiie: sie wahrte 
Keuscbbeit unil (EcsiaUiMi- die (irausauikvit. 

1) Ale. ep. 14? 8. 6Ö9: Ai>«tiinatiir, ut cito tinUtur causa cam 
oibas, ai Moicn \a i&cndauiis vt-rlias inveniri potertl. 

2) Bonq. IV S. 59, 
:■)) Greg. Tur. BiM. Frnnc. IV, 10; 14. Hxro. Com. z. J. »53. 

4) iiteg. Tur. I. 0. IV, 16 S. 1&5. 

5) Fredrg «broii. 74; cbron. Muisa. zum 10 Jubro Dkgobtrls S. 29 
8) Frcdpg. conün. 117. 
7) Einhaid bebt Vit. Ksr. 7 berror, <Us8 eioo naiarliclw Gr»«'** 

EoangeUe; wiedorbolt von d«m Poet. Sai. I v. 'ib ff. S. b4&. 




— 333 — 

leit Karimann und Pippin') eine reügiüse Seite: nach frän- 
len Siegen wurden die Ueberwundenco zum Empfang der 
Tsofe gezwungen^). Dauermie Frucht konnte daraus nicht er- 
-^vftchsen; es war werthvolter, dass die Sachsen die Predigt der 
fränkischen Bischtire gestalteleu und die Freiheit des Üebertrills 
^uin Chrislenihum gewahrten'). Aber auch von diesem Zuge- 
atiindals konnte man bei den unablässigen Feindseligkeilen an 
^er Grenze nur müssigen Erfolg erwarten. Die Sachsen mussten 
iu Jedem fränkischen Missionar einen feindlichen Spion, in Jeder 
christlichen Niederlassung einen Stützpunkt flir die angreifenden 
fränkischen Heere erblicken. Immerhin scheint die christhche 
Predigt nicht ganz, rergeblich gewesen zu sein: man begegnet 
schwachen Spuren des Christenthums in den südöstlichen säch- 
sischen Cjauen'i' 

»Wenn die Franken durch politische Ciründc veranlasst waren, 
dem Chrisientiium einen Weg in das niedersächsißche Land au 
Affnen, so wurden angelsächsische Missionare durch die Er- 
innerung an die Stammrerwandlschaft beider Völker dorthin 
^mhrt. Jahrzehntelang hat Boniftitins den Gedanken der 



1) Oh in der Erzählung Vit. Firon. 71 ff. (A. S. Hab. II S &88) 
f lyeod »in hiatoriscbrr Kern itf^rkt, Itisao ich dahingestetic. Rei den KXtnpffln 
»Hier Karl Martell ist, so vieJ tvb selie. rua der Forderung durTauf« Doob 
siebt die K«d«; vgl. x. J. 7ia Anu. S. Amand. lilifti). P«!. Mnaell.; E. J. 
"^aci Aon. Ä. Amanil. Tilisn. Laubac; z. J. TU Fred. codc. lOä; z. J. 738 
^'red. CODI. 109; Aoo. Pet. Laurwh, Hosell. MetL Dagegen unter KarL- 
■»aan 744: Fred. cool. 1l;ii Ann. Uctt. i. J. 745. 

^b 2) Fred. coaL 117; Ann. Lauriat. a. J. 747; Mett. z. 3. 748. Nach 

^pafan (J.B. ä 9^ ff.) gebtiri der Zug in das Jnhr 747. 

^p 3} Ada. Mett. z. J. 763: Saxooea. dum alitor facere Bon poBsent, 

*acraaet>(a et obaidei Pipplao regt dt-derunt hoc niodo , uc qiiicunqiie de 
*acerdol>bus In SaxoDiam ire voluisset, ad pracdicandum nouien Domini et 
*4 bHpiizandiitn eoa llceniiam babuiaset. Die Stelle iai ineMfenj wicliüg, 
Als man aus ibr acb]i«sa«& darf, daos MiasiunBvt'rauche voo Seiten der 
■'äükiKheo Biscbüfe vurbergingen und H\e von den Sacbsen verhladert 
Kurilen. Freilich itt der Metai^r AnnAliat nicht immer 2tiver13aasfg; doch 
Scheint hier eiue Stelle aus dum Brii'fwcbesd LuU sio zu bestütigen {■. unten 
'^- 336 Aiimcrk. 4). Hfi deiu Sacha^^nkiicg dea Jalirßa 766 tat von Taufen 
**icbt die Reds [Aon. Klub. Lauriaa. Mett. Kuld ). Doch aind möglicher- 
^«iae abniicbc Zusagen wie im Jahre 763 erfolgt. Üas baon in den Worten : 
Pultioiii auut coulra Pippimiai omnea FoluDtatea eius faciendum livgen. Oass 
ea Jedenfalls darin liegt (Abel, J.B. S. \U), müchlc Ich olcht behaupten. 

■ A) 8. Retiberg, K.G. U.'s II S. 4Ü1. 



- 334 - 



Sachsenmission treulich gehegt, obwohl es ihm nie be^ch'tedtf 
war, denselben zu ventvirklichcn. Rci der Gründung &ii)0d4 
burgs war die KOcksicht aur die Kähe der sächsischen Grena 
micbestimnietid'j. Als er im Ilurbste 722 eich nach ßotn bega| 
be<;Ieitete ihn eem Liebhogs wünsch dorlhin; er liess sich vA 
ßregnr 11. die Vollmacht xur Sachsenmission erlheiien: ein m 
den Büchsischcn Stamm gericlttetes Schreit>en des Papstes aolll 
das Werk erleichtern'). Mit beredten Worlen forderte er el 
Jahrzeliut später die Christenheit seiner Heimath auf, sich z4 
Kilrbille Hir die Kekehrung der Gtatiimvcrwundteti Sachsen fl 
vereinigen'}. Er Treute sich jeder Förderung, die ihn dicMif 
Ziele näher zu fuhren schien*). Aber erreicht hat er es nicn 

Was ihm versagt war, versuchten vor ihm und nach ih^ 
andere; mancher bat dabei die Härtyrerkrone errungen: ab4 
Erfolg hatte keiner. Trotz ihres Muthes und ihrer Aufopferui| 
vermochten diese Männer nicht, über diti Abneigung der 8achs4| 
gegen die Religion der Franken Herr zu werden. 

Zaeret trat ihnen 8uidberct naliCj den wir als einen d 
Genossen Willibrords kennen*). Ats er Friesland verliess, such! 
uad fand er einen Ort für seine Thätigkeit bei den Oorukterem^ 
Der kleine Stamm wohnte unabbüngit; von Franken und Sadist 
an der Lippe und Ruhr. Heda spricht von grossen Krfolgei) 
welche Suidbcrcts Predigt hatte. Aber dass die Borukterer dei|| 
CbrisCcnthuiiie sich zuwandten, wurde ihnen verderblich. Sil 
erlögen einem AngrilT der Sachsen. Diese wollten offenbqj 
keine christliche Pflanzung in ihrer Njlhe dulden: die Bekehrt«! 
wurden zersprengt, der Rest des Stammes vereinigte sich ml 
den Sachsen; als selbststündiger Stamm gingen die Borukterel 
unter']. Wir hören niclitj dass Suidberct den Versuch macht« 
den Sachsen zu predigen. Fehlte ihm der Muth oder wurde 4 



1) Vgl. Bd. I S. 434 r. 

2} Ep. ?2 S. 81 i vgl. Bd. I S. 429. 

8) Ep. 39 3. 107. 

4} Ein« Antwort auf den 39. Uri«f ist der 101. S. 2&3 ron Biieboi 
Torttbelm vou Leiccstor. Der Uebcibiitigvr den Briefs t>nicbte zugleich eia( 
Gibe für die HachscnmiasioD .in tlontraiiu.1. | 

b) Vgl. Hd. I S. 399. I 

6) Ceber sie Zi^usa, fJic Deutschen und ihre N»clibAr*lüinine S. 3&0C! 

7) Bed. Iiist. ecol. geot. Aogl. V, 11 ä. 'J44 Diu wuoigon SÜls« Bedui 
Über Suidberct lind die «iozig« Quelle über diesen UisKtonar. Ceber die 
VJt. .Swidbcrti i. Hectborg, K.G, D.'s II S. 396 f., und BuuterTrek, Swldt 
der Apoalel dea bergischen Landea (Elberfeld 1ft&9) 8. 16 ff. 




- 335 - 

flarerwehrt? Er zog «ich nach dem fränkischen Gebiet zurück. 
Aaf einer Hachcn Rhcininsel gründete «r mit UnterstUtKung 

Plppins das Kloster Kaiscrswerlh. Dort ist er gestorben'], nach- 
dea er den liest seiner Tuge nidit üem Missinnswerk, sondern 
der Arbeil an dem eigenen Ich iu dem Ringen nach asketisclier 
Vfllkommeulieit gewidmet liatte'). 

Zeitgenossen Wtllibrords waren auch die beiden Ewalde, 
die man durch die Beinamen des Weissen und des Schwarzen 
amerschied'). Von Geburt Angelsachen^ Imtlen beide jahrelang 
uoter der München Irlands ata Fremdlinge gelebt. Der asketische 
Gedanke, der ihnen die freiwillige Verbannung^ aus der geliehlcit 
fieimalh als verdienstÜclies Werk erscheinen Hess, führte sie 
weiter aus dt^r Geiiieinsclian der Christen in das heidnische 
Und: konnten sie nicht rielleicht durch ihre Predigt etliche 
Seelen Air Christus gewinnen? Hehrere Genossen begleiteten 
sie, blieben aber auf fränkischem Gebiete zartick, bis die beiden 
Führer die Erlaubnis zur Predigt erlangt hätten. Sie wussten 
slio, welche Schwierigkeiteu ihrem Unternehmen im Wege 
stsiiden. Aber sie ahnten doch nicht, wie erregt der hei<l- 
itiicbe Fanatismus gegen alles Christliche sei. Dass sie Psalmen 
und Gebete sangen und das Abendmahl feierten, genügte, die 
Berölkerung gegen sie zu empören. Noch ehe sie mit der 
Ui«iioDSpredigt begonnen hatten, wurden sie ermordet- Der 
veiiie Ewald war glücklich zu preisen, dass ein mscher Schwert- 
tüeh ihm den Tod gab; unglücklicher war das Schicksal seines 
Cieaofisen: die heidnische Grausamkeit marterte ihn zu Tode*). 



1) Man 713; ■. Bd. I S. 399 Aanerk. 

3)Bed. I. c. W. Krift (P. RE. XV S. b9) bexetchnet Kaiaenwertb 
*1> PeansBUne zar Mission iinier den aogrenxeniden V^lkeraiäniinen. [>avon 
"Ht B«te DJcbta: Aliquatudiu conliTientisBimaui geHtit vilam, diese Worte 
tutbtliM alles, WAS wir Über die apiitcre Zuit Snidbercu wisaea. Dass 
'itdtrrbeJBiBcbe Kirchen Suidberct all Ibreo Pstroo verehreti, führt oatLIrlicb 
aiehtdanat, daa* itie von ibm fiegtüodet aibd, «oodern darauf, dixa man 
'^ fitlliaefiii; Als Ueiligea verelitte. KniteiBweilU eihiell aU iRODaatenum, 
IVot M( constmctum in honor« aancti pctri prlnclpEa apoatororuni nccnon 
" uucii auidberti coofeasons cbrisii \d luco qai diciinr auerid. von 
Udtig lU. 13. Jnni 877 dl« Imtnunltät (Btibmer-MUhlbaober IttliJ. 

.1) Aneb Über »ie ist Beda (I. c. V, 10 S. 'J4I (.) die eindge QiHltei 
Atkida de sancL ICutt. ecci. t. 1Ü43 ff. S. IS'2 «chreibt Beda aua; dag 
^tätige ihm EigentbUiDlIetie iat die ham«D8r»rio Ourwald. 

i) l>ia Zeit ibrea Todes atehi ntcbl fest. Nach Beda war es das 
Vfttbild Willibrords und sHoer Geuouen, das die Ewalde zu Ihrem Hiaaionnug 




- 336 - 



llir Schicksal schreckte andere nicht ab: immer oeue Diener 
des Worle>, sagt Alkuin, kamen aus Norlliumberlaad zu ätu 
äaclisen'). Docli nennt er nur nocli einen Namen, deo ile« 
Prieaterä Vira^). Willehads kühner Zu^ nach dem sächsischen 
Gau Thrianta ist schon erwähnt. Er schien anfangs erfolgreich; 
allein dass eine Anzahl Ueideti sich laufen Hess und dcus nan 
Willehads GeführLen im Vullgefithle des errungenen Sieges heid- 
nische UeiligthUmer zu zeralOreu wagten, rief sofort einen Aus- 
bruch der heidnischen Feindseligkeit herrnr. Es zeigte sich, doM 
die Christen eine schwache Minoritüt bildeten: nur wie durch 
ein Wunder entgingen Willcliad und die Seinen einem ttbntichea 
Tod, wie er die beiden Ewalde getroffen *i. Auch aus dem Brief- 
wechsel Luis erfahren wir, wie lebhaHt das Interesse für die 
Missionirung der Bachsen In Engtand war; zugleich aber, das« 
man sich nicht darüber täuschte, das« der Zugang xu diesem 
Stamm zuuaclist verschlossen war*). 



bawog. DiTBelbg ffillt deumach frtlheetens io «tu leiste Jahrxebnl d«f 
7. Jftfarbundorta Tin<], da PIppin die LcIcbnacDe der Märtyrer nach KOIa brin^D 
lios«, «plteilena in das J»hr 714- AU Tod«Ug gibt Ueda deo 3. Oktober aa 

1) De saDci. Eiibor. cool. v. 1071 S. 193: 

At «lii atque nlii praelaU ex g«nte niißistri 
Sermonift fiierncit iUin in pnrtibiis orbis. 

2) L. c. V. 1073 Die»« KrwShniinjj ist dag einttg Sichere, was wir 
Über Wlra wissen, lu der abgeSndoTten Form Wiro hat sieb soi» Name 
im GedXrhißis der Kirche von KnAmtond an der Maas firhaiieti. Di« 
anonyme Vit. Wirun. (A. S. Bull. Mal 11 S. 31& ff.) ist werthlos. Sic eleht 
in Wiro den ficifier d«a Klustera Bvtgh bei Roermond (St. P«ter, spül«! 
8t. Odilieii), c. 7 ä. .^17, weiss Jedoch voq Misstonathäügkelc nlcbta. Du 
Kloster Bt^rgh kannte Alkuin (■. cartu. 31 v. S f. 3.219); wie sich aus der 
Urkunde Lothnra II. von 85^ (Btthiuer-MUhlbacher Kr. 124B) ergibi, war ra 
tc^oiglich. 

3) Vit. WlDeb. 4 S. 3A1. Dasa ich die Tbätigkelt LisFwins lo Sacbaeo 
fUr fabcitiart lialle. a. oben S. 316 Anmrrk. 2. 

4) Bonif. ep. 136 S. 304, Vigberht an Lul: Si in rcgiune genlJa noatrac, 
a «ttSi^xnnOTüw, aliqita ixnua divinne misericardiae aperta ait, retuandare 
nobis id ipaiid] citralo. Quam mulu' euni Dei adiutoriu in eorutn auiilinm 
festioare ctipiuiit. J»]T^ datirt di-n Hrief nicttt, indem er lediglich die 
Zahlen des Kpiskopais Ulla angibt. Wiu nicli dUnki , musa der Briet vor 
dem Friedet! des Jahres T76 geschrieben arin; denn aeitdem konnte man 
nicht m«br fraifca, ob die Thtlre EUr die Fredigt geUflfnet sei. Ist dies 
richtig, so ist wahrscheinlich, diiaa der Britif bald nncli dem Frieden de» 
.lalirvH 7&3 (s. oben ä. 333 Anmeik. 3] geschrieben tat, also io der enten 
Zeit Luis. Die Krage etklXrt sich dann aus eiaotn Beeng anf Jeaea Fria daa^ 
Dadurch erhSLt die Nachriebt der Melfter Annaien eine StUlie. 




- 337 - 



Karl ü. Gr. liat iho mit dem Schwerte geÖfTaet*). 

Mail kann bezweifeln, ob Karl von Anfaug an die Absiebt 
[^ gehabt hat, das sÜcliBische Gebiet dem Prunkenreicbe einzuver- 
leiben und deshalb die Sachsen zur Annabme des christlichen 
QlaobeDB su nOthigen"). Keio erster Zug im Jahre 772 war nur 
^en einen der ßöcliaiBchen StJimme, die Engern. gerirblet, und 

IBr waij was die Sacbsenkriege seines Vaters gewesen waren, 
[ 1) Die Literatur Ul>«r die Sacbseokrieg« iet sehr reich. leb verweise 
KMDdera nuT Abtl und Simaon, J,ß, tn den boirclTciiilcD Jahren; t. Ranke, 
irell«e»cbicbte V. 2 8. Üb ff.; Gimebrecbt, Qescb. d. d Ksiseneit I 
8. Ilüff. (3. Aitfl.)i MflblbAcber, D.O. S. It4 IT.: NiUscli, «e«eh. d. d. V. I 
& 199 ff.; Wsitx. V.U. 111 S. 125 ff.; Kvntsler in den Furacb. XI S. 79 ff., 
XU S. 317 ff.; Debio, licsch. d. Enb. Hamburg- Bremen I S. 9 ff., und 

^B BeiBca Aufaals in P. RS. XIQ S. 193 ff., wo wettere LileraturaiiKitIlfn. 

^H 2) Diese Fr.sge tat fUr die Beurtheilaog der SttchaenkTiege und der 

^m SackwBoiiMioo Karla mawgebend. [ch gUube sie vafiieineii zu luliSHeo, 

^P obflMch |>ewiGbli^ Forscher wie Abel (J.B. S. 1)9 f.] sie bejahen, Auch 
r Bänke (W.O. V, 2 S. 116) «tid Rettbern (K.Ü. D.'a II S. 37-t> sprechen 

I ia dlea«ni Sioae. Gestützt ist diese Aostoht beeoodera dorcb Ann. EInb. 

' * J. 772 ; vgl. Vit. Kar. 7 ; Poet. 8*x. I t. 22 ff. 8. £»14 f. ; Vit. Starin. 22 
S. 376; Transl. Libor. 2 S. I&Ü ii. a, Q, Ste ist Jedoch schon deshalb be- 
dcnliljob, weil di« Quellen;iuasageii »\a liilükncbluss aus dem schlieiBlicheD 
ErM| auf «tuen von Anfang an gesteckten Zweck erscheinen: da das Eiid« 

! dtr Kriege die Unterwerfung and tfekelirimg des Stauiniea war, bi> soll 

'fitste Ausgang von Anfang an beabaicliiigt gewesen sein. Die Darstellung 
Ofr Ann. Eiiili. wird nocb dadurch veninchtigt, dass ein gleicher Plao 
Kiila mm Jabr 775 berichict wird. Eigtl abuT fasst alles, was his zain 
hh 776 geschah, in ein paar Sälr.en tiiBauimen; man kanti sie nicht auf 
tlDulae Jahre vi>rtlieilen, Geht man von der Regel am, d.xss die gante 
QwilenklaMe, ans welcher wir schflpfen, zuverlässiger ia(, wenn sie That- 
ucbea, als wenn sie Kotlve berichtet, au bat man iitis dem, was ala that- 
■ilcblicber Kxio\g der Kriege von 7T2 und 77^ ptzähit wird, auf die Ab- 
■Idlen, die balm Beginn vorhanden war«n. tu achlieaae'n ; nicht joduch ans 
te In Jahre 904 erreichten Erfolgen auf die iuj Jahre 772 gefaaaieo 
Akatebteo, Da nun weder beim Frieden von 772. noch bei dem von 776 
'OB Oebertritt vieler oder weniger SMchaen lum Citri atenlbnin die Rede 
^.10 wird Karl bei diesen Zügen die Bekehrung nicht haben erreichen 
liles. Noch weniger vfruiag ich mir die Ansc-haunng von Nilzecb (Gesch. 
^- lt. Volks 1 ä. 197) aozueigueu. Vielleichl acbeiat Karl bei dieat^r Ansidit 
**6rätse z<i verlieren: er hat sich nicht vier Jahre nach seinem Kegieruogs- 
Utriu ein erhabenes Ziel gesteckt, sondern dasselbe iit ihm erst im Verlaufe 
tivsehaen. Jedoch besteht, wie mich ddnkt, die wahre Gr<iiiac den Sianls- 
MlUea darin, dasx er die nSchalliegendc Aufgabe lüst und daaa. wenn ihre 
Unnf eine neue Aufgabe zeigt, er sie sofort als nächstes Ziel ina Auge 
'uit. t>a8 bat Karl io den KÜojiifen vor 776 und nach 776 gerbnn. 
aaook, KlnhsacMCbicM« ü<ut(clitnD<l<. lt. 22 




- 338 - 

eio VerwüstuagszQg. Die unruhigen NachUarn sollcea tut die 
Verletzung der frünkiecheii Grenzen bestraft oiid ijadurcb at 
schreckt werden, du fränkische Gebiet fernerhin zu bel&stigen.' 
Wenn die /«erstörung auch die Irnünsul traf, wenn Karl die 
Scb&lze des Heitigthuina aU Reute bchaudelte und an seine 
Getreuen verlheilte, so war das die Kache für die verbraunlen 
und geplünderten christlichen Kirchen. Je fester die Sachsen 
an ihren Heiligihüiiierii hingeu, um so liefer musslen sie da- 
von betroffen werden , doss jene rohe Holzsäule, in der ihr 
Glaube das Hehrste, dos Sinnbild der das Weltall stützenden 
Kraft, rerehrte, gestürzt, daas der das Uedigthum eiosohlieMende 
Hain vernichtet ward. Aber der Eindurck war doch nicht gross 
genog, um sie zur Unterwerfung zu bewegen. Erst als Karl 
die Höhenzüge, welche ihn von der Weser schieden, überstiegen 
hatte, als er bis ins Herz des s&chsischen Landes vorgedrungen 
war, verstanden sie sich dazu, als Bürgschaft für die Sicherheit! 
des Friedens Geiseln zu stellen'). Kar darum liandelte es sich: 
wir hören nichts von der Annahme des Christenlhums oder dem 
Vers[ircchen der Taufe*). 

Ein Sommer war nun ruhit;. Doch im Jahre 774 benutzten 
die Sachsen die Abwesenheit des Königs aus dem Norden, um 
die Niederlage von 772 weit zu machen. Nun erhoben sich die 
drei Stämme j sie Überrannten die rou den Franken besetzte 
Eresburg und drangen senfjend und brennend in Hessen ein; 
die Bevölkerung war zum Widerstand nicht gerUstet: sie ilUchtet«^ 
in die festen Orte, uui den Sturm vorUhergelien zu lassen. Be- 
sonders hielt sich das durch seine Lage fast uneinnehmbare 
Uuraburg; die Kingeschlosseiien konnten bald wagen, von der 
Vertheidigung zum AngrifT überzugehen. Auch anderwärts scheint 
das Vordringen der Sachsen rasch zum Stillstand gekommen zu 



1) Ann. I,wirii6., Einb.. Frngin. Baail. a. .1. V2. An der Ifitxtereo Stelle 
(M. 0. 8or. XIII 3. 28) di« Benierkaii^: Auruui et arj^vnlura, quod super* 
fltitiuBum ibi adtinaiiim fuerai, suts fidelibiia dJatribiiit. Vehni die Inniosal 
Traniil. Alex. 3 S. 676 und Puet. Sax. I v. 64 f. 3. b46. Ich v«r»telie 
tiißlit, daas Abel ^I.B. S. 126) i'ldqd Widerapriicli zwiBchfD beiden Re- 
schr«ibujlg«D findet: denn ein tntncii* ligni und eine fxvtura «imilis «'uluiiinxe 
ist doch nicht verfl<!bledon. Was diu Bedeutung der Säule anlangt, so 
hulte ich ([lieb «iorncli an die Angaben Kudolfs von KuM«; man vgl. 
Übrigens Griiniii, Mythulo(;!e S. 9& ff. 

3) Die Angabe Krharda (lieg. Wesif. Nr. 140 K. 64), dnna die Sncbien 
(Im Vorsprechen der ungehUidertcti KtDfiJbruDt; dea ChrUtentbume gabeo, 
ist, so viel ich aebfl, au« den Quellen nicht zn belegen. 



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— 339 — 

seid. Fritzlar flet Kwar iu ibre Hände; aber daas die von Boni- 
tuau gegründete Kirche der Vernichtung entging, hob den Muth 
(Jer CbriJleo: sie sahen darin ein Wunder, ein Unterpfand de« 
güllüchen Schutzes. Bald brachte dit; Uuckkelir Karls Hilfe: 
D&ch im Herbste sandte er rier Streifschaaren gegen die Sachsen, 
«debe das üebergenichl der fr^inkischen Waffen Sfifort ber- 
tttilteo*). Im Jrühjulir IIb bi-ach dei' König selbsl in ^actiseo 
eia: die sächsische Grenzfe^le Sigiburg fiel beim ersten AngrifT: 
dorch das Land der Westfalen und Engern drang er bis in 
du osintlische Gebiet vor: es gelang ihm, die drei sächsischen 
Stfimme gesondert zu unterwerfen'). Der äieg war vnllstfindig: 
di« Sachsen stellten Geiseln und leisteten dem Ki'inige den 
Treueid. Daraufliin wurde ihnen der Friede gcwührt'j. Von 
Uedingungea, welche sich auf die Religion beziehen, hören wir 
wieder iiichts; gleichwohl hat dieser Sieg dem Vordringen der 
Kirche gedient. Denn indem die Sachsen dem Könige Treue 
tchworeu, erkannten sie die fränkische Oberherrschaft Ober ihr 
Land von neuem an. Krst dadurch war der Boden für Missions- 
plane Karls geebnet. 

Das grosse Zugeständnis, durch das die Sachsen den Frieden 
erkaiinen, stand in keinem Verhtiltnis zu den Verlusten, welche 



I) Aon. LauriM., Eid)!., Fuld. i. J. 774; Vit. Wtgb. 16 AT. (H. G. 
'^r. XV S. A2). Dasa der Aofstaui] möglicherweise suhun Im Jahre 773 
«Ubt«cb. xeigt Abel, J.B. 8. 197. 

2] Aon. PeUv., .S. Aiii.iatJ^ Lauriu. la'm., ULuriaa., Kinb., Kuld , Chroo. 
Äoi«, M«it. *.M. Ü, täcr. XIII S. 29) z. J. 'ilb. lieber die kriegehwhen Er- 
elKuine «. Abel, J.B. 223 ff.; MQblbacber. D. G. S. 119 f. 

.Vi Die gsnz vereiDtelte Notiz der Ann. Sangall. Bsluz, z. J. 77&: 
KuDlot plurimo« ei ipsi« ad Uuptintui gratiatu pprdtixit, katin );eKeiiUber 
''«01 Sehveigea aller anderen Quellen nicht lieweison, dasa Karl die Aa- 
ubme deeCbriatrntbutDs als FriedcDebedinf^UDK furdvrte. Nach den tlbiigeo 
*<U«lltn verlangte der König nur das »acracnenlum lidclitatJa gegen seine 
IIutti^bafL Um entapricbl um au (;ewiM«r der Wirklichkeit , ala Ja die 
Abu. Elnh. TOD einem I'Ias Karls, die .Sachaen xur Annahme des Chriaten- 
"khm la DÖtbigen, reden. Wäre dieser angebliche Plan damals aubon 
^"iRefilbn wurden, so hätten ale es gewiss nicht veracbwiegen. Vgl. aacb 
^** Undem der Aan. l^uriaa min. c J. 774 oder 776. MOglicherwetse 
*tt<«bl sieb die Notiz der St. Gullischen Annnlen nur daranf, dasa Karl 
'W slebsiacben Geiseln in veracliiedent! Klöat^r vertbifilte (c;ip. I1& 9. 2'23]. 
■^■bncheinlinber ist mir jedoch, doss die Aonalen an die Taufe der Sachsen 
"> Jahr« 776 denken, welclie alle Übrigen Annulea erwAlincn, während sie 
^f« Bshweigen. 

22» 



- 340 - 

sie in dem kurzen Feldzug erlitten hatten. Um so begreiflicher 
ist, da&s es ihnen uncrtrüglich war. So erhoben sie sich dean 
bereits im Sommer 7J6 gegen die fninkische Herrschaft Der 
Zeitpunkt war geschickt gewähU: denn Karl schien durch Uo- 
ruhen iu Italien ferne gehalten Aber schon im Beginn haUe 
der Aurstanü uar einen halben Krrolg; denn wenn auch Eres- 
burgf wie es scheint, durch Verrath eingenommen wurde, so 
hielt sieb dagegen Sigiburg, und als vollends Karl unerwartet 
rasch )tersünlich in den Kampf eingreifen konnte, war das 
Schicksal der ÄufstÜadigen entschieden: sie wagten keinen ernst- 
lichen Widerstand, sondern erklArlen ihre Unterwerfung; sie 
rerpßndeten dem Kfinig für die Zuverlässigkeit ihres Wortes ihr 
Landeigeiithum'). Und hier wm-de nun zum ersten Male die 
Frage der Relit^'ion in den Friedensverhandlungen berührt. Sie 
ist tiipht von Karl angeregt worden, sondern die Sachsen er- 
boten sich freiwillig zur Taufe, ohne Zweifel, um eine Qewfthr 
für die Aufrichtigkeit ihrer Unterwerfung unter die fränkische 
Herrschaft zu geben ^). 



1] AoD. Lnuries., EInb. etc. z. J. 776. 

2) Ana. S. AmaotJ. x. .1. 776: Subiiigxti Sssonoa dederunttiufl bospitM 
(^obaidee;, ut fierenichristiuni. Felnv.: Tiuiore perculsi veseriint maioret 
natu »d tlQioaum regum Knruliiin pustulantes paceiii «t bAptiiats tsnlls 
turbA popali. LnureBh. r Et convemi sunt Saxones ad Gdein Christi et 
bsptizata eat eoram niHltitu<^1o fnnumera. In der Ann, Puld. aot. Ut der 
eiim Worte Saxoniint ^hfirigeSatz aiisgeftilleTi: er beeng sich ohne Zveifol 
auf diu Bekehrung der ^»clitvii. Add. CoI.: Convcrsio S^sontiio. Die 
Notis der Ano. Laririss min.: Haxonna non vslentea reaialore tandem ehri- 
itiani fffecti Fraiicoruni dtctuiit aiibduntar hmiehl aich, wie lulr ecb«int, 
auch auf 776 und ni«ht auf 77S. Oaaa die Annahme <lea ChnatenlhniDa 
vua d«D Haohieii auaging, ist in diesen Quell«» noch oJclit autgeaprocben; 
dagegen ergibt ea akb aua Ann. I^iiriss. timi. : Saxünea porierriti umnea 
kd locuni i)t>i Lippia cuDstirgit venicotea ox unioi parle et reddiderunt 
patriam per wadlum oiunea uanibus oonim (<l. b. sie erklJtrteo, das Beebt 
am (JTUDdeiKUDcliuiii veitrirkt su haben, wenn «ie von der gelobteo Trene 
Liesaeo; Waits, V.G. III S. 128) et apupüntlerunt ee ease chriaiisDOs et aab 
dicioni doiDoi Caroli r(*gia et KraDcoiuia aubdiiJcrtiDt. Noch besliromter 
Ann. Binb.; Ad fönten Lippiae venieoa iimneneam illius perfidf popalt 
■nultitudinem velut devotam ac acippliceai et (lunui erioris aui poeoiteret, 
veniatn posceritem invenit. Ciii cum et miserlcorditer igniiviaset, et eos 
qui HO <:faristian(>B fieri velle sdliruiabaDt, bsptiiari fecisaet, datia et acceptia 
pro tide servanda fraiidiileiitia eoriiiidem proutssionibiis . . ipse ia Galiläa 
reversus in villa UtTislaJJo bieoiavit. Aun. Maxim, (M. Q. ^cr. XUI 3. 21): 
Eodeui anoo uiulta turba de Saxonibu« baplisatA cat. Ann. MomII. (M. 0. 




Uan sieht, wenn der Krfolg der Siege des Jahres 71^ über 
dai im Frieden vod 772 Erreichte hinausging, so führte der 
Friede des Jahres 776 wieder am einen Schritt weiter. Seit 
den Jahre 776 war Sachsen in den Augen des Königs ein Tbeil 
dti Eninkitcheu Ileichs und christliches Land. 

Wenn Karl die Reichsversainmlung des Frühjahres 777 auf 
liebttscheni Boden in Paüerhoru hielt 'i, so ist die .Absicht nicht 
«u rerkenoen; es sollte die Zugehörigkeit Sachsens zum fi-än- 
kiecbeD Reiche dem allgemeinen Bewussisein eingeprägt werden. 
Wie gewühnhch erschienen auch die fränkischen Bischüre auf 
dem Reichstage. Karl vereinigte sie zu einer Synode'). Auf 
derselben wurde über die kirchliche Ordnung Sachsens berathen 
K und beschlnssen*). Dies rasche Vorgehen war ganz in Karls 

^LSkSVI S. 4tl6): ConversI euot Sasooea ad fidem Christi et baptizAU Mt 
^■Hpa innuioera uiultjni<lfi. Man sieht, dua M dio AfiachAQung aSnimtlicher 

^Uuleu ist, dSM es aicb nm den auf einnml vollzogenen Uebertritt dea 

PSicu Stammes KUia Clirlitenibum handelt«. 

ft) Ich glaube Aiicti hier, dHss die Motiviruag der Thataache fn den 
Ann, Einh.t Propter frautialenti» Saxonum pruioiBnioue», quibug ßdem 
ubere non poterai, hisrorUch «ertblos ist. Auch hier leaen wir nur einen 
Schlma ex evcntu- Weü die Versprecbungen der Sachseo «ich sIb udzu- 
verijissig erwioHD, so toll Karl von Anfang an argwöbniacb gegen sie ge- 
*es«a «ein. Tcfa hxite iloshAlb die Vriwerthting der BtrUe bei Abel (J.B. 
S.267) fUr unxnlXsnig. Die VersxmmluDgaclbst Ist in den moisten Annslen 
cnräfant. t 

iZ) UiltDode Karls fflr dns Kloster Salonoe (Uöliwer-HUbIbacber 308): 
SeMdalis constlins anno noiio ad ralria Uninna. Ilefelc (C.Q. III S. &2'2) 
tnÜAi, das» die üj'tiode bosebluss, von allen getaafien üachseu einen Eid 
■A Verlangen, dass sie dem ('hrbtcnthuine treu bleiben wollten bei .Strafe 
■t« OBierkonftskaiioQ, nnd daas alle i^acbs^n mit Ausnabau Widukinda 
4isHo Synodalbeachluu angenommen hKtteo, Wie angenau dlea Referat 
i*lt»Igen die S 340 Anmetk. 2 angeführten Stellen. 

3) Die Annalen etwaboen von d«i Veriheiliing dea Landes an frKn- 
kiicbe Eircheo und KlfJater nicliis: erst zum Jabir 780 erzählen die Ann. 
L^ UiirMh : Divisit ipsaui patriain intet epiacopo« et prcshyieros seil et ab- 
^P l**'«!, ni In ea baptizaront et praudicaivnt. Glelehwobl steht fest, dnss 
^ «int solche Maasregcl •«•bon vor 780 geirnfftn wurde. Abt Starm von Fnlda, 
**'' 779 starb, bat In Sachsen gewirkt. Dann kann sie aber nur In Pad^r- 
1 Iwn Vorgenommen worden sein. Was bcsihluBaen wurde, ersteht man aus 
I l^l- Vit. Sturm. S2 S. 376: Port non longam tempus (CaroUis) tolam pro- 
flsciui illam in parochiaa »piicopales divisit et servIa domini ad düccndum 
*' bapiiiandunj potesiatum dedit. Die Ansicht Abels (J B. 3. 337 f.). das» 
^ Yortbeilouu Folg« da« Todes Sturms gewesen sei, widerspricht, wie 



— 342 - 

Art; was er wie im Stunn gewonnen hatte, sollte sofort be- 
festigl werden. Die christliche Fredigt sollte die Arbeit des 
Schwerles vollctiden. Wie htUle tiian aber an eine regelrechte 
kircliliclie OrgauisatioD denken künncii: es bandelte sich uni ein 
Land, das zwar den cbrisilicheii Kamen augenomoien halte, dem 
ntver das Cbristenihuin noch so gut wie Tretiid war- Die unge- 
wöhnlichen Verhültnisse erheischieii uiigewülmliclie Mittel. Des- 
halb wurde Sachsen zwar in eine Anzahl kirchlicher Sprengel 
zerlegt, aber an die Spitze derselbei) nicht eigene RisrliOr^ gestellt, 
sondern Karl übergab sie kirchlichen Inslituten des fritnkischcn 
Reichs zur geistlichen Versorgung. Die drei angrenzenden Bis- 
thdmer Köln, Mainz undWurzburg, wahrscheinlich auch das 
entferntere I.dttich, erhielten gewisse Bezirke zngelhcitt; Kdln 
das Land der Boruktercr'), Mainz einen Strich an der süchsisch- 
hessischen und sftchsich-thlirin^nechen Grenze zwischen Diemcl 
und Unstnit'), Wdrzbiirg Paderborn und Umgebung*), Luttich 
die Gegend um Osnabrück*). Neben den Bislhümern wurden 
einige Klöster zar Arbeit uoter den Sachsen verpflichtet: wir 



man siftbl, diffsMi TPortcti. Abel selbst hst Übrigens ^. 26$ das Rivbtig«. 
Vgl Tiiiusl. Libör. 2 (M. G. Srr. IV Ü. l&O). Die Verlheiluug de» Jahres 
780 ys.! dicmnacli nnr die Erneuerung, wohl auch vullatKndige DurchrBhrnng 
eia«r früher getrofTentiti Einriclitung. 

1) Es blieb sifta bei tlein Kultier .Spreogel. RFttberg(K.O. D.'s 11 8. 419) 
leitet diia von Kttereii KccliLfii, ä. b. »Uem MiisiunsthStigkvit Ktiba her. 
leb halle nun, witi frilber beuierkl (Bd. I S. 301), für milglli-.b, duss KuDibert 
rccbu de« Rheins mis^ionirl hat; ab«r vno (Janftrndeii Erfolgen uud darsiu 
erwachaeneu Recliten kann doch keine Rede sein: du beweist das Schicksal 
Suidbercle, Di« Ziithrilung düs »Üi-hsi stallen TheiU der Kölner DiUseae .in 
dies ttisilium ist liL'sKalb tiur vcrBländlicli , wi-nn bei Jener Tbeilung des 
Landes Köln dieaen Lsiiidsiricti aiij^eM'ieiicii erhielt; bei der KoiiAlitiiirung 
von iüebsiselieu BLstUiltaera verbliub er daan Iq dem suraog« nur all 
provisorisch )(cdacbtrn Verbände. 

3) Mit dem sifcbaiecfaeu Tbell des MaiDier Spreugel« TerbÜlt ea sieb 
ebensü wie mit dem des Kölner: auch hier ist die iiiofacbMo Hypothese die 
einer Zullieiluii^' im Jahre 777 oder 7S0. Ich halte ea biet' nicbt fUr un- 
wahrsrheinliob , dass ml eiae Über die Sacbsenkricge Karls zarllck liegende 
Miasiuüatbätigkvit 2U denken ist [s. üben 3. 333'}. 

3) Tranel. Libnr. ü (M. G. Scr. IV S. läO;. Bischof lu WUnburg war 
Hegingoz; s. Über ihn unten. 

4) Die Sache ist nicht alchcr, da sie nur dnrch eine Im II. Jahrhundert 
angefertigte fslaclie l^iktindc Ludwigs d. D. |.iJ(>hmer-Mllblbacbcr 1249) 
bezeugt wird. BiacUof war Agllfrid. 



— 343 — 

bo das TOD Putda'] and Aoiorbacb'l; bei Hersfeld*) und 
pe*) ist es miDdeetens walirscheinlich: es mOgea auch aus 
iehem anderen Kloster Mönche in SacliRen gearbeitet habeo, 
deren 'i'tiätigkeJt keine Kuttde zu uns gelangt iaU 
ICarl bellte wohl, dass auf diese Weise die Arbeit an vielen 
Kl ZU };leiciier Zelt nachdrücklich aufgenommen werden 
ie. Kr vermied zugleich, den Stolz der Sachsen durch Ein- 
mg fränkischer Bischöfe in ihrem Lande zu kränken'), und 
mging die Hcliwierigkeit, dass dus kirchliche Recht die Er- 
JDUg von BislhUmerii nur in St&dLen zuliess"), während dem 
fischen Loode Städte fast völlig fehlten. 
iDas sächsische Volk schif^n bereitwillig auf die PItlne Karls 
pgehen : grosse Schaaren drüngtcn sich in Paderborn zur 
Fa. In der feierlichsten Weise versicherten sie ihre Treue 
)n den König und ihre AnhAngilichkeit an den christlichen 
ibcn'J. Üic frAnkiscIien Prediger begannen voll froher 
bnng ihre Arbeit. Eigil schildert die Thätigkcit des Abts 
■m von Fulda., wie er auf alle Weise strebte, dem Herrn ein 
I geringes Volk zu gewinnen; unermüdlich habe er gemahul, 



,1} Vit Sturm. 23 S. 376: Tunc pars maxims lieato Slnrmi popiili et 
» lllins ad procuraodum comniHtitur. RBtlberg oimKt (K.G. D.'e II 
M) di« üegeiid von Pad«Thiim an, Ouhiu (Ocscb. d. Knb, Hamhurg* 
IRD I 8. 11} deokt An dss Liiud an der oberen Wi<afr um Ereaburg. 
^s Meinung Iiat Vi:. Sliirtn. 24 S. 3i7 fUr »ich. Aui der Urkunde 
Ike (Cod. Dipl. Nr, 82 f. 8. fiO) auf eine WiikaaDkeit. Fuldaa la Fader- 
< aa achlie«MO (Abel. J.B, S. 349), achc^int mir bedeuklicli. ScIicDkungco 
len livIllgeD Banifniiua kuDiuiQn in allßn Gegeodeo l>eiiucblat]da vor 

beweinen also nichia, 

7) Aocb bier ist di« Quelle jung; doch acbeiot die Annahme unver- 
^ieh. Sie atBttC sich darauf, daaa in dem Chron. epiac Verdens. 2 f. 
bnitz, Script, rer. Itrunavic. 11, 31t) die ersten Uiechöfe von Verden, 
lo- Pacific iia-Patlo and Tanco, eiigleich als Asbtc von Amorbach be- 
tnet aind. Der eratere, cid Kelle, starb nach den Auo. necrul. Fuld. 
e. Scr. Xtll. 168) am 2. Juni 788. 

r3) Da Karl am 8. Hara 780 dem Kloster Herafeld den Zehnten im 
langau ^bt (ürknnde Btihmer-Slilhlbacber 220J, ao iat einn Vorplltcblung 
iTclda aur UiaslonstbÜLij^keU iu diesem <iaa achr wabracbeinliob. Kr 
kt so dem aplrer mnlntiachen Tbcll Sachseas. 
U) Cotbie be>as8GU(e<r in Sachsen (Wilaians. Kala, nrkaode Mr.7S.20). 

5) Dieaea Motiv nennt Vit. Wllleh. 8 S. 371. 
,t) Bienur welal 'Iranal. l.lbor. 2 S. 150 hin; c. 5 S. 151 wird ber- 

»bobsn, daaa die Sache doch auch ibrc SeliatleDSeiten hattu. 
'7) Aaa. Peiav^ Laarfsa^ Eiab., Fuld., Moielt 




- 3U - 



das8 das Volk den GOUen entsi^e ami den Glauben an ChriaCajs 
aDoebme, die Göttertempel zerstöre, die heiligen Qaine QTnBchla.^e 
und an ihrer Stalt Kirchen erbaue'); j« er habe alsbald mit *ler 
Errichlung christlicher Kirchen begonnen'). Was toh Stu. ■"'» 
erzählt wird, wurde gewiss von rielen anderen ebeaso (srefl 
geübt, deren Kamen nicht auf uns gekommen sind. 

Karl selbst bewies in jeder Weise, dass es ihm ernst sei muH 
der kirchlichen Pflege der Neubekehrten: noch während sei vser 
Anwesenheit in Paderborn wurde der Orundslein zu einer Kir^rlie 
2U Khren des Hoilands gelegt'}. In den von den Franken t>e- 
Betzteo Burgen lies» er ebenfalls Kirchen bauen*). Auch <Jie 
Hauptsache: geeignete Priester Tür die Sachsenpredigt zu ge- 
wiunen, licfis er nicht aus dem Auge*). 

Doch stand alles bisher Erreichte auf einem sehr fichwanl«en 
Fundament. Der süchsischc 8lamm wnr nicht einig in dem ^Zot- 
Schlüsse, auf den Kampf mit den Franken zu verzichten, tler- 
Torragende Grosse, wie der oatftilißcho Heraog Heasi*) und de 
Graf Emmigg im Gau Leri, geluirten der Frirdonspartei an; ihr 
AnacbluBS an den chrisiiichen Glauben war aufrichtig und errjst- 
haffc. Von Hessi wissen wir, dass die christliche Religion i» ■ 
seiner Familie herrschend war''); er selbst trat später als MO"ch 
in das Kloster Fulda; dort ist er im Jahre 804 gestorben"). Der 
Graf Emmigg aber ist einer der wenigen Märtyrer des cbri»'- 
liehen Glaubens in Deutschland*). Andererseits jedoch fehlten ^ 
njclit an Munueni, welche den VViderstand gegen die frankiacbe 
Uerrscliaft für niöj^^lich hielten. Sie gaben die süchsieche F*r^'' 
heil noch nicht verloren. Augenblicklich befanden sie sict> ^^ 



1) Vit Storni. 22 S. 376. 

2) L. c, 23 S. 371 : Cum per regiones quiiaqus sJngala« ««cieMts C7 
Btruxiasdt. 

3) Ann. Petav.. San^all. Balue. t, J. 777. 

4) Ann. Laurlas. £ J. 776 orwübnea di« Ktrcfaa io Xreabiirg. 
b) Vgl. Trnnal. Vit. 4 8. S77: Quar^aivlt ancerdotca banae spei quo 

SiVXODiaiD dirlgeret, qiii ipeoa accundutu e^'uleHiamicam tidciu duci-rout, doC 
epiacoponim atquo ticcleaia« conalilucrDnt. Ute Aiinaif^ ial Hllg;emeiB; «*■**! 
wird aie berejis auf dteae Zeit betielicu dUrfco. 

6) Ann. Lsurfss., Elnh. z. J. 775. 

7) Vit. Uutbirg. 1 (M. G. Scr. JV. 158). 

8) Ne«(iIoß. Fuld. (M. G. Scr. XIII S, 169). 

9) Vit. Willvli. G a. 382. Als trime Sacbs«D werden aotierdein ^^ 
nanoE Anialung (Clrkunde Karls vain d. Ueaember 811| BObtaer-MOklb»'^'^' 
453) ond Hiddi lUrkuud« vom 9. August S13, a. «. O. 484), 



I 

I 




- 345 - 

^ HinorilAC: ihr Ft)hr«r Widukind, einer der eralen M&nncr 
i vreslftilisclieii Adels, halte das Land verlassen uod in Döne- 
|rk Aiirnahme gefunden. Er eckaonte, dass die Fortsetzung; 
I Widtirslaiides iui Lande seltist im Momente auseichlslo» sui. 
ft nur im Momente. Denn bei dem starren UuaUhÄtigigkelta- 
fe des fachfiisehen Stamnies war zu erwarten, dass die Unlor- 
jfUDg uater den rrumtlen Herrscher nirht von langer Dauer 
I wQrde. Karls rasches and nachdrückliches Handeln, das 
( Sachsen die Empfindung der grossen Veränderung in ihren 
{bSItuissen aufdrängen musste, war recht geeignet, einen 
JBChlag der Stimmung hervorzurufen. 

, Er trat alshatd ein. Als Karl im Jahre 778 durch die Kämpfe 
Spanien ferne gehallen war, kehrte Widukind zurück; ron 
I geführt, erhoben sich die Sachsen von oeuem '). Man hat 
^rkt, dass sie den Rrie^ leidenEctiallliehcr begannen als je 
kcr : sie suchten nicht mehr BeulOj sondern Rache'). In der 
pnath duldeten sie. keinen Widerspruch: wer es nicht mit den 
ktfindtschcn hielt, wer <Icn christlichen Glauben nicht ver- 
{netc, mufistc eilends entfliehen: mancher sachsische Mann, 
I durch den Kerl geschworenen Eid sich gebunden fühlte, hat 
lals als Flüchtling die Heimath verlassen^). Dasselbe Schicksal 
ten die chrisitichen Priester. Sturm gelang es, nach Fulda 
lentkommen; auch dort entging er nur mit knapper Ncith 
tl Tode. Als die schlimmste Gefahr schon »orilber war, be- 
bte eine sächsische Schaar dasKlosler: die Mönche fluchteten 
iden Reliijuien des Bonifatius nach der Rolin; erst jenseits 
I Waldes, in Hauiutelburg, nieioteu sie sicher zu sein. Doch 



I) Aan. Lanriit., Einh. t. J. 779. 

3) Ann. Einfa. I. c: Ul api>arerel, eos non iiraedandi, sed uldonem 
eendf gratia Francorum tcnuinos iniroUs«. 

3) S. die ä. 3-11 Anuierk. 9 (lenaunlen Namen. Eine Anacbaunn^ der 
iSod« erliilt man durch das, waa in dvr L'rkutide von Amalung (.-ricühlt 
^: DoB oeteri Saxonfs pnrentes illiiis conira nos iDÜdeliter egissent 
i|lBD||it« malleos fidem Biiam Beruar« quHm cum ceteria iaßdelibus per- 
^are relinquiiDa locum nacjiiiuiiis suae uenioos ad nua et dum in uuatru 
tl obaeqnio iietiit ad uilt:iui ciuua ■.■sl uuuabtiluin Uuliiisaii([ar {Wolfa. 
fir ao der Fulda bei KaaBeLi. (iiiain tum (üupuria Frauci et Saxouca 
^itare uidebantiir cupicins ibi cum eis manere sed inioimo potuit, 
f petgtaa ad locum ijui dicitur UualdJBbeoecbi (am Wallebach bei 
Ifaanger) ioUr Uisernlia et Fiildaha propriait sibi partnm quendam de 
ß qua« QocaLur fiocchooia. Daaai'lbi- äL'liickauI linuo HiddJ. der sich 
Slat in Uawcabninoo (Uabtchtaborn bei EacherodeJ niedcrlieai. 




- 34G - 



wurde Vuld& nicht zerstört')- Der Sieg der Franken bei Lei 
hat das Kloster gerettet. Der Vorgang ist nur eine Kpisod«. 
Deoii der Angriff der Saclisen kehrte seioe Spitze nictit gegen 
•SQdeii, sondern gegen Westen; sie drangen bis an den RJieiii' 
vor, indem sie die ganze Gegend von Ueulz bis zur Mündung; 
der Labn verheerten'); selbst der breite Klrom gewährte keine- 
Sicherheit: Ht. Martin in Köln iat wie so manche andere Kircho* 
in jenen Tagen in Klammen aufgegangen'). 

Kb bedurfte zweier Jahre., bis die VerhÖltnisse so weit ge- 
ordnet waren *) , dass die kirchliche Arbeit wieder beginnen 
konnte. Karl hatte sie auch während des Kampres nicht ans 
den Äugen verloren. Abt äturm von Fulda begleitete ihn auf 
dem Feidzuge des Jahres 779. Wir hOren, dass er ihn anwies, 
noch einige Zeit in Kresburg zu rerwcitcn: ohne Zweifel im 
Intercise der kirchlichen Zustande. Doch der trelTlichc Mann 
stand am Ziele seiner Laufbahn. Krank kam er r<in der Kres- 
bnrg nacb Knlda zurück; hier ist er am 17- Deiember 779 ge- 
storben'). 

Kachdem der Friede wiederhergestellt schien, nalim Kari. 
eine neue Vertheitung des Landes an die kirchlichen Institute 
des fr&Dkischen Reiches vnr"). Damals war es, dass er Willehad 
aus Kriesland abrief: er übertrug ihm die kircfahche Leitung 
des Gaues Wiginodia: er sollte kraft königlicher Autorität KircKea 
gründen und dem Volke das Evangelium verkündigen. Wille« 
hadfi Tüchtigkeit bewöhrte sich liier nicht minder wie bei der 
Arbeit in Friesland: es gelang ihm schon im zweiten Jahre, 
die Sachsen und Friesen auf dem rechten Ufer der Weser zur 
einhelligen Annahme des Cliristeiilhums zu bewegen; er begano 
mit der Errichttmg von Kirchen und der .\nstellimg von Priefitern 
bei denselben^]. Wie es scheint, setzten die Sachsen für den 
Augenblick den Priestern nirgends Widerstand entgegen: auch 
die auf sächsischem Gebiete wohnenden Wenden nahmen das 



^ 



1) Vit. Sturm. V3 -S. 376. 

2) Ann. Lanrtsa , Rinh. i. J. 775. 
3} CbrOD, a. MHrtini ä. 'il4: Hiiic HiiiTectiiii nat H«rbudus, qiii rexit 

0iib xnniiin ?7S, c^un ntonaeteriuiu a Sniunüius cit doctructuin. 

4) UetiiT die kriegemclieii Kreigniaae a. Abel. J.B. !j. 313 ff. , 333 & 

5) Vit. Sturm. 7i f. S. 377. 

6) Aoti. Laiir««h. t. J. 7dO; 8 oben 8 341 Anmerk. 3. 

7) Vit. Willtih. fi S. 381. WJgtuodU cwiselien Weser ood Elbe; a. über 
deu Umfang Debio, a. a. U. Kril. Aasf. VI ä. bO f. 




^ 



- 347 — 

dirislliche Bekeantais an*). Karl war des Friedens so sicher, 
itkM er im Sommer 7S2 &uf einer ReicbsTersammlung am 
l^nprung der Lippe nach fränkischer Weise Urafen fUr ilas 
Subsenland bestellre und sie aus den grossen Familien des 
Ixodes selbst nahm'). Da warf die Empörung des Jahres TS'i 
allec sus dem Geleise. 

Widukind, der wieder an der Spitze stand, gelang ee, eine 
gleichzeitige Erhebung der Sacbsen und Wenden zu Stande m 
itriagea*). Es lag in den Verliältnissen, dass auch diesmal der 
ffigrimm der Aufstäodigcn sich gegen die Kirchen und die 
fViester richtete. Die Erinnerung der nächsten Zeit sah in 
Widukind einen f'hrifitcni-crfolger*), wahrend den spateren Gene- 
rationen der Nationalhctd zu oinein Heiligen ward. Das crslere 
war nicht ganz unrichtig. Das zeigt das Schicksal Willehads 
und seiner Genossen. Als die Empörung ausbrach, floh Willehad 
nach dem Meere zu; es gluckte ihm, ein ScbilT zu erreichen, 
das ihn um die Criesisclie Kllste herum in das fränkische Land 
filhrle. Von seinen ScIiUlern und &Iitarbeitern aber wurden nicht 
Wenige getüdlet; auch der Graf Emmigg wurdn damals enthauptet^ 
Andere retteten sich durch die Flucht; überall wurden die Ge- 
tauften /.um Abfall vom Christenthum genüthigt^K 

Dafis Widukind als Verfolger auftrat, beweist, dass er einen 
bedeutenden Theil des Volkes gegen sich haUe. Man verfolgt 
Dur diejenigen, welche gefShrtich sind. Dem Führer der Sachsen 



1) Ann. HomII., LaiirAsb., Chron. Moiu. t. J. 78ü. Die Nii«hriclil itC 
*u sieb au wutirscbeiniicb. dass ich sie Irutz dieser spürlictieo BezKUKuny 
'^ begründet balle. Man kann bei ihr jedoch nnr an die Wenden tm 
VV*«DdeDgau nördlicli dvr l'tistrut dvnken. D:i5s MUblbactiur {Keg. Iiop. 'J1j'2b) 
^Qcb die UbId- nad Fef^oitz wenden hBrbciicioht, ist irrig, da jeder Zusammun- 

Iy^ng iwt*o)ipR iboeu und den Sadisen febir. 
2} Ann. Huaell., Laarcab., Cbron. Motas. z. J. 782. 
L S] Abu. Uarias., Eiuli. i. J. 762. 
P 4) Vit. Matbild. 1 (M. G. Scr. IV S. 384). 
b) Vit Willeb. & S. ^l t. Ueber die it«tödt«len; Fulcardum ptt»- 
"^yienim cuRi Enioiiggn oooite in pago denoioinate L«ri. BeDixtiiin ttiitmn 
■«* Norhiiiitri (am jHliiIi^busei)), Atrrbaiinu] vi-m c-liTiciim in Ttiial[iiare«gabD 
( tjttoianchen), (ierwaldum <)ii»qne cum artcüs suIk in Brema odiu »utniuis 
^hriattani gladio pei«merutil. F.I ipaia ciuidem ita ad leKua caelcatia etftuione 
K^roprii sanguinis feliciterevocalie, persucutiunia procolU diutiua postisoduni 
''«belUotibiit dpjaevit Saxociil'UH. Von Knitlu1ien«ii aprichl c. 7 S. 3ttl^. 0»»3 
^ia xurlickblcibendüu Chriaifii tur ViTluugouiig gezwungen wurden, ergibt 
4cb ana dem Briefe Iladriana (Cod. Üarol. 81 8. 248) : Extra voluntatem coacti. 




— 348 - 

h'mg nicht mehr die Gesaninitheib an. Er stand an der Spitze 
einer Partei; um sich zu behaupten, tnusste er alles ilaran setzen, 
die inneren Gegner niederzuhalten; deshalb die Hinrichtungen: 
sie aber rerscharllen ualurgeuiüso den Gegensatz. AI» nun durch 
Karls Vordringen die Lage der Aurstftndigen bedenklich wurde, 
schien der schwächeren, bisher gewHltsam unterdrückten Partei 
die Möglichkeit eröffnet, die Olimaclit M-ieder an sich %u reissen. 
]>ie ohne vorhergehenden Kampf erfolgte Auslieferung vod mehr 
als viertauscnit Aiirstaudigen durch die s&chäischen Grossen') ist 
nur verständlich, wenn uian in ihr den Versuch der fränkischen 
Partei unter den Sachsen sieht , das Stärke Verhältnis danerod 
zu verschieben. Man wolUe die Partei des Widerfitands mit 
eioem Schlage vernichten'). Karl ging auf diesen (iedanken 
ein: su Verden an der Aller Hess er die ihm Ueberiieferten alle 
an einem Tage niedermachen*). 



i) Wie miob dünkt, irrt die berkttmtnlicbe PsMaag dn Votfpiogt, wie 
man ai« bei Rettberj; iK.G. D.'s n 3. 388), Abel (J.B. S. 434) o. a. fiadet, 
tlnrin. dasB sie die Thntaacfat: dvr Ausliereron^ der VicrLiuaend durofa dlo 
Kar.ti««n entweder g.inic if^tiorirr ndi-r nicht gentlgc^nd tif^rltcksi^hti^t. Diu 
ciBtvre bei ItelcbtTK. der nur von (jeCangeaeD apricbr, (Jkb letztcK bei Abel, 
bei dem die Folge der Kieigniase geritdeiu unvcraltfodlich fat: die FtaDken 
«erdou aui Stlotel geacbUf^eD, Karl eilt mit weuigeD tn der Eile zusiminflo* 
gersfftcti Truppen nath S.'Lchaen. Ueber diesb kleine Scbaar eracbteckea 
die Sachteu so aelir, dma Widukiud zu äva Dänen Sicbi, die Übrigen keinen 
Wideratand wagen, sich näuiiatlich vor Karl stttlCD und auf acin VeriangeD 
die Anstifter dea Aufslaiida, die doeb unter ihnen selbst geweftea aein 
mlisaen, aiialtcrerD. Bier feb11 ein Mittel|;]Jcd , nm die Ptaeht Widokinda 
begreiflich 211 machen : man kann ea nnr In einem plötslichen Utnsehtag 
der Srimninng finden, wodurch die Fncdenspartel wieder obenanf kam, 
welobe sich nua durch die AiisliefcriLiiK der Oetfoer siclicrn wollte. Dkm 
die Orosaen, wekhe Karl zu sirh berief i.AnR. Einh.), diu S.nchaen, welobe 
bei seioeui t^racbeinen an der Aller eich nm ihn eammelteu (Ann, Lannw.), 
dieselben Muriner ^ewfaen sein aolllen, WL4ch(> ehr-n an Silnlel aein Heer 
giiacUla^en hatten, iit ebooso undenkbar, wie daat Widakind. wenn sr 
•einer Ijiodaicut» sicher war, vor einer n.indroll Franken ans dem LADde 
äoh. Diese BiupiJruDg wird a» demselben Unist.inde ^•'ticheiteTt seiti, dar 
tUr die meisten Kmp^run^f'n vrhüngnisvoLl Ist: dio Uneinigkeit Im tuf- 
siSodischen Lande. 

?) Ann. Lanrias. a J. 7B2: Rcddidernnt omnps malcfactorea lllos . . 
ad occidendno] . ., qnod ila et factum eat; a Amandi, Hoaell., taareah., 
Chron. Moiiia 

3) Der AutVtilz von Bippeiia (Zeitaobr, f, Gcacb.-WisBenach. I S. 75 fl.) 
bat mich nicht liberiengt, dasa man die Blutthat nm der Ueschtchte 
Karls elreicben darf. 




- 349 — 









Keioe That Karls wird so allgemein getadelt als diese. Wer 
nifichte sie veriheidigeo? Sie ist grausig. Da$s die Sacltsen nun 
vi«rinil das Vertrauen des Küiiigs get&uschi, Zusagen und Eid- 
KhvrQre gebrochen ballen ^ erweckte In ihm eine Gewalt des 
Amh«, darcb welche die Gegner zermulnit wurden. Das 
üimonische In der Natur Karts ist hier furchtbar deutlich, wer 
lieb ihm in den Weg warf, der unternahm einen Kampf auf 
To4 und Leben: die Sachsen waren unterlegen, bo sollten sie 
»(erben, wie sie die Getreuen des Königs getfidtet hatten. Dass 
<i*l>e( das Blut von Tausenden lloss, das mochte die Hellwachen 
ithren: Karl war Tür diese Bmpßndiing unnahbar. 

Die Hlnrirhlang der Sachsen verfehlte ihren Zweck ; durch 
duEniaelzen über die llothat wurde der frünkischen l'artei der 
Boden im Lande cnlznj^en. Der Widerstand gegen Kar! erhielt 
jetit erst den rechten Nachdruck. 80 wnreir denn die nüchsten 
Jal>re erfflllt ron lilutigen KUfn|ifen'j. Das Knde war, dass die 
Fillirer der Sachsen erkannten , dass Karl ßbermfichtig sei. 
Widukind und Äbbio entschlossen sich im Jahre "■''5 tav Unter- 
wetfung^ aur fränkischem Boden, zu Attigni, besiegelten sie die- 
mIIä durch den Empfang der Taufe'). 

Wieder schien das lange vergeblich erstrebte Ziel erreicht. 
Karl meldete durch den Abt Andreas von Luxeuil nach Uom, 
da» das gesatnmte sächsische Volk «ich seiner HeiTSchaft unter- 
worfen habe und in die Gemeinschaft der katholischen Kirche 
eiiigclreteu sei. Er war so fest überzeugt, dass die Kampfe nun 
beeodigt seieu, das& er durch den Papst ein allgemuines Dankfe&t 
iter gcsammleo abeudliiuiJiEcbeu Christenheit aiiurdnen liess. Es 
wurde am 23., 26. und *Jf^. Juni 78G gefeiert*). 

Sofort begann auch die Arbeit*), um die Verhältnisse wieder 



h 



i) Vgl. die Diirsteliang der krlet{eriacli«n Ereigniue bei Abel, J.B. 
Ü- m ff.; Mfiblbicher. l>. G. S. I3i ff. 

3) Ann. Mosel), Liun-ah., M&z., Laurias., Einb., Mete, Fuld. a. J. 78!). 
0« Brief Karla an OBa, »uf welchen «iub Heitherg (K.n. D.'a U S. 403) 
^>iitbt, iit eine FÜlschiing (a. HlJlit&cr-JlUhlliauber 261). Der lijg der 
Taafg aiebl nicht feit; man (tenkt gt-wühnlich an das Weibiiaclitafeat, daa 
^1 b dieaem Jahre in AlU^oi feiarie. 

3) CkKJ. Carol. 80 S. 245 f. 

4) Et ist wüliracbeinlich, dnaa Karl neue Männer tUr dio Sachsen oilaalon 
** |ewion<fD bedacht war. Kiuo Spur dxvon in der Naoliritht dor Vit. II 
IJadg. I, 17 H. 62 (f>ieliainp): Kft ciuuiiwü Icmpeatate delicto aive coaverao 
^lituklido abbas quidxm reÜKiosus Kernradli nomiae oacidentaliboaSaxontbiu 
' tfga airaUB fowat duetur. 



- ä50 - 



fttt ordueD. Die Lage war besuaders tiaduch schwierige 
das s&chfiiscbe Volk wiederholt den christlichtin ülaubeu aog« 
nomtiien hatte uud dauu wieder von ihm abgerullen war. Ver* 
fuhr man mit den AbtrUiiiiigen nach dem klcciilichun Rechti)^ 
so war eine Gemeindebildung so gut wie unmöglich. Uieaij 
Erwägung wird Karl veranlasst habeu, den Hath des Papstei 
zu erholen, iladrian wahrte in einer etwas gewundenen Kr^ 
hlärung das kirchliche Frinzip, machte dann darauf aufmerkBanii 
dass man die, welche freiwillige und die, welche gezwungen ab. 
gerallen seien, unterächeideu müsse, und verlangte schlieaslicb 
Ablegung eines orthodoxen Glaubensbekenntnisses und das eid- 
liche Versprechen der Treue gegen die christliche Wahrheit'). 
Der papslliclie Bescheid war zweckmässig; denn er macht« 
es möglich, mit der Vergangenheit rasch abzusoh Hessen und all4 
Sorge auf die Anordnungen, welche fUr die Zukunft nöibtg 
waren, zu kunzeniriren. Karl erlcess denn auch im nächsteit 
oder einem der nächsten Jahre sein erstes auf die Zusänd» 
der Sachsen bezügliches Gesetz'). Es :teigl in alten seinen 
Bestimmungen die Unsicherheit der Verhältnisse: das Ueiden- 



1) Cod. C&rol. Sl S. 248 f. : Hoc pr«d«ceMoniai DostiQruai . . dudum decrt- 

tum est: (laod, qui realpiaceutee et ruloas »uaa cogitsnles redirc mkluennt, 
■üb luagn peuiteDlixe sstisricliono atimiiteadi snot (of. Uioo. Exig. eoU. 
etn. Deci Inooc. psp. r. 15); €t, ilenim: pHiniteotiae Batisfsctloiia purgCDtor,, 
quno QOD Um temporia lungiCudine quam cordis coopunctiooe pVDsandlt 
sunt (cf. Dion. Exig. 1. c. I^eoD. I c. -ißj. Kt tdeo . . oportet, ssceidotM 
pariibufl lllia paatuixli ciK'utDdari sollertiam atqus cpiaoopslem indaera 
vi^lsmiam; et tn enrum arbitrio indici poenitflnliam^ eunaideraotea placolaa 
U(D voluulatis quamquo estr;! vulunUtetu coacli ad auau reveneoteM 
vomitum, et tnnc canonica prnmere aentuntiaj qtiatenus si veraciter revenl 
In fide oillitjdoxa malueritic psraeverari — piointssuros se uinnvD aiiimplcri 
epJacDpaleni praediraiionetn eic, — in gremio stincipiatiiar orthodoxae üdei 
Gcciesiap. Divaaa uoklaifl Gvrede ist die Antwort aiif die Frage: Qualen 
peniieutiam Snionibiis, qui christiani fuerunt et ad pagaDistlmum r«v«tli 
saot, aacerdijlea imlicarf^ d«b«aor. 

"2) Cap, V6 8. ii>8 jT.: Uapitulntjo de panJbiia Saxoniae. Das ücaett 
wird von VVniiz (V.U. III S. 121) tt.), Abel (J.B. ä. 417} (.vielleiobf), 
Mtilt9bach«r < Kck linp. Nr. 243), Dehto lOttsch. d. Knb. Hamburg-BreaK!« 
3. 2iJ u. a. diiin Jahre 7S2 zugeecLiiebfin , 'wälircod v. Richlbufen iM. Q^ 
htg. V S. 31) d&eaelbe bereits im Jahre 777 erlaaaen sein ISaM, Perle 
(U. G. Leg. I S. 48), Ketiberg (K.U. O.'a H S. 3%) u. a. d« iu das Jabr 7fl&' 
verlegen; Boretitia beschrankt sieb auf die allgemeine Angabe 775— 7901' 
Bedenken gegen das Jahr 752 oder oiu rrllherea Jahr arrcgt c. IT, woitaeh' 
die Entricbtung des Zehnten gefordert wird. Nun welta maD, daaa Alliuia 
die Abneigung der SAchseu gegen das Cbristeatbum auf den Zwang der 




- 961 - 



It aJs QberwuDdea , aber tiatle docIi einen festen Ualt 
ia Glauben der Bewohner; das Laud galt als christlich, aber 
M wir es oiülil; uiau war au der Arbeit, cbriatliche Kirchen xu 
btiiefl>), aber das Volk, Hir das sie bestimmt waren, stand dem 
dimtlichen tilaubeu Tremd, zum Theile feindselig gegenüber: 
man hassle die Priester') und setzte etwas darein, den Frieden 
ilcr Kirche zu brechen') und gegen kirchticbe äilieo zu ver- 
Oaieea*); heidnische Opfer wurden insgeheim noch darge< 

I tirichi*); beidoischö Sitten, wie das Verbrennen der Tudten, 

I staaden noch uo^ebruchen iu UebuDg'i. 

^V ZdiDil«i»tarig snrKcknibrte. Seine erste Klage tiber diesen I'unkt ntsrnnat 

^F lidBH aaa dem Jahre 79t» (ep. 61 ä. 302). Ist es glaublich, dass erst 

wh vtenebo oder neiinzeho Jahren alc-h die Uhloo Folgen der Zehnt- 

ftaderaDg bemerklieb macbten? Mhh ist, wie mich ditokt, giaiithigt, aniu* 

neboiea, dnse du 0e5ei2 nicht alltalange vor dem Wiedernnshrnch der 

K!in>pfa im Jabre 793 erlanveo wurd«. Auf t^in «pätvres Jalir »U TS'i führt 

Heb c. 5: fii qnis episi^opura interficertt eic Allfirdinga kann idsti dubel 

ueh an fremde Bioebf^fe denken; nber das Nächatliegende ist ducb, dass 

riu »olefae Vorschrift nlauen warde, nachdem es einen Biaebof im l^ande 

S>ti. Der erste läcbsiicbe Bischof Willebad ist Im Jabre 787 genreiht. 

Sprickt dies« Tbatsaebc aoch gegen das Jahr 7A5. so ebenso e. l : Kocleaiae 

fsu Bodo consCruutttur. So koouce man im Jabre 7ää noch nicht redeii, 

's iie Paiifikation ja erst in Folge der Taufe Widukiods vollendet wurde. 

Attdereraeit« rerwehrt diese Wendung, sich allzuweit von 785, dem Jubr 

■'esFricdenaschlusses. zu entfcnien. Ich hin do»b»11> geneigt, die Krlaianng 

de« (ieseues üvt RvichaverBataaiiaog zu Worios im Jabre 7ai Ann. Lniinss. 

) tinb, iniuschrHhün. Die Zpic Ihs zum nächsten Aiifsiand ist lange geong, 

^B ^«a die Last der Z^hncen euipfiinden werden kouul«, und nicht au lange, 

^B'a«s Bao sieh an e!o gewöhnt hStle. Doeh ist Ute Annabtue den Jahres 78ä 

^BKi«af«]i) möglich. Man vergleiche über dxa Oe»eiz das ntiiaichtige uad 

«^rechte ürtbeil Mübltacliera, D. G. 8. 127 f. 

1) C. 1 Ö. ft8. 

^2) C. 5: Si quia episcupum aut presbyterum alve dlaconuui Inlerficerit. 
3) C. 3; Üi quia ecciesiam per violenti.tm intraverit et in es per vim 
I fufto aliqoid ibitulerii, vrl ipsata cc^lesiam i^ivc cremaverlt 

i) C. 4: Si qnis s. quadrageaimaie ieiunium pro denpectu cbrisiianilatls 
'^'^Oteinpserit C. 8: SI qnis deloceps in gent«) SAXonorum Inier eos latuns 
***>tt baptitatus se absconrtere vulnerit et ad baptismnio venire conlempserit 

Cgaousque permaoere voliierll. 
ü] C. 9: Si qnia hotninem dinbiilo sacrilicaverit et in hoatlam more 
gaoomm dacmonibns ohtolerlt. C. 21 : Si quls ad fontes am arbore« vet 
'*sc<Hi Votum fecen't aut aliquic more gentiltam obttiLcrit et ad boüoren 
**%einoBiim comederet 

€} C. 7: 9i qoia corpua defuucti bomlni« secunduu rituni paganorun 
"^ana eooaaml fccerit et ossa eins ad cinerem redierit. 




— 352 - 

Dem gegenüber erlicss Karl ein absolutes Vorbot des Heiden* 
thums, heidnischer Gebräuche and heidnischen Aberglaubeoi. 
Auf dem allen stand die Todesstrafe: wer sich der Taufe eatzog, 
wer Opfer darbraelite, »er die L»;iciica rerbröDole, Gtatt sie za 
beerdigen, wer eine ani^eblicbe Hexe todtete'), der sollte sterben. 
Es war entsprechend, dass die Beübacblung der religiösen Forde- 
ruct^en der chriüllicben Kirche erzwuo>^en werden sollte: alle 
Kinder solllea im ersten Lebenjahre getauft werden'); jedermann 
sollte an Sonn- und Festtagen die Kirche besuchen"): die Kide 
sollten in den Kirchen abgelegt*), die Todten auf den Kirchhöfen 
bestattet werden^); selbst die Beobachtung der kirchticlicn Ehe- 
verbote wurde gefordert'). Wer eine cbrislliche Einrichtung 
verhöhnic, eine kirchticbe Person oder kirchliches Besitztbuin 
▼erletzte, wurde mit dem Tode beatrafl'). 

War damit die christliehe Kirche sammt allen ihren Ein- 
riclitungcn und Dienern unter dcu mächtigen Schulz des Känigs 
gestellt, so war der nächste Qedanke, die einzelnen kirchlichen 
Institute sicher zu fundiren. Die AusfUhruiig war schwierig. 
Karl konnte nicht nach dem Vorbilde Karlmauns bei der Aus- 
stattung des Würzburger Bisthums verfahren. In Sachsen feblteo 
die zahlreichen und grossen Königshöfe Ostfrankeos, auch gab 
ea hier niclit wie dort Abgaben an den König, von denen ein 
Theil der Kirche hatte überlassen werden können. Die Bann- 
gelder allein standen xur Verfüguug. Wurde nun auch der 



1) C. 6: Si quts a diabulu deßoiitus crsdidprit SDcundam morflo 
pa]{aDoiuni vinim ali(|ueai aiit rttaiin.iiti slrigam «««e et kouiines comed^r« 
et propter buc IpaBiu incendcric vel carn^m eius ad comedenduni dederit, 
vel ipsam comoderit. 

2} C. 10. UuterJKSBung der T«ufe wurde Je nach dam Stande mit 120, 
60 und 30 Solidi geblieat. 

3} C. IB. Vm doD Outteidieu» oiulit in störea, wurden FlacJta »a 
Sonn- und Festtagen noieraagt. 

4) C. 32. 

S] C. 22: Ad cimiteria ecclcsia« et non ad tumalu« ptgaikonuD. 

6] C, 30: Sj quJB pruhiliilutD rel ialiciluoi ouniuf^ium aili! aoniUis faerlt, 
ai nobilis solido» aexagiuta, a'i ingeiiiiiiH trigtiit.i, ai liti» ctnindcciin. 

7) Andere Beatiiniauiijftiii dieuluti zur Bmpri'blung der cliriatlicbea Sio- 
richtimg€D: VprldhuiiK dea Aaylrechts ati die Kirclien; der in die Kirebfl 
Geflub«ne sulku zur Ebro Uultua und der Ueiligeu uod aus Vercbrnng gegen 
die Kircbi! weder geiodlet ni>cb vcraLUmmelt werden (c. 2). Der wegen 
Ucbcrlrocung der Vorscbrifien Knris dos Tode» i?chuldige war begnadigt, 
wi'OD er freiwillig dem Priester belclildä und sich der Uusae anletxüg (e. 14J. 



i 




— 363 — 

Zehnte ibres Ertrags an die Kirchen gegeben M, so genügte das 

doch nicht eulferut. Karl war genüthigt, von den Gemeinde- 

genouen die Ausstattung der Kirchen /.ii verlangen. ICr bestimmte, 

d«M jede Uirelie einen Uof und an (iriindheaitz soviel als zwei 

Bauerngüter erhalten müsse, dazu auf je 135 Seelen einen Knecht 

^tand eine Magd'). Ausserdem wurde die Zel)nt|illicht einge- 

^■llirt; Jederniaii, Adelige wie Freie und Liten, sollte vuin Ertrag 

^Bes Grundbesitzes wie rnn allem Erwerb den Zehnten an die 

Kirche gehen'). Es leuchtet ein, wie bedenklich diese Be- 

siimmungen waren; denn es lag in ihnen ein lierer EingrifT in 

den Privatbesitz; ein Theil desselben wurde konßacirt eum Beaten 

der Kirche. Aber derartige Anordnungen Hessen sich nicht 

umgehen, wenn der Uebertritt der Sachsen zum Christcnthum 

Hiataache werden sollte. Als man mit der Aufrichtung der 

kirchlichen Organisation begann, rdchle sich die Unwahrheit, 

die in dem Uebertritt lag. Karl musste die neuen Christen 

twingen, für Erhaltung des Kircbcnwcscns zu sorgen, das sie 

ingeblich selbst begehrten, in Wirklichkeit aber verabscheuten. 

Hier lag, wie sich bald erwies, der Ausgangspunkt für grosse 

Sdiwierigk eilen. 

H Noch in einer zweiten Richtung Ihat Karl in dieser Zeit 

" einen Schrill TOrwärts: am 15. Juli 7S7 liess er in Worms WilJe- 

tiftd xum ersten sächsischen Bischof weihen*). Dieser hatte nach 

«iaer Klucht aus Sachsen Uoni aufgesucht und sich Ton da 

L nach Echternach begeben, wo sich eine Anzalil der aus Sachsen 

B TCftriebenen Priester zusammenfand. Der Missionar lebte nun 

~ *ie ein Mönch: der Mann der That beschüftigte sich in der 

»tillen Schreibstube des Klosters mit der Anfertigung von Hanu- 

^nplen; er knpirte ausser anderen Schrillen die patillnischcn 

tWe*). Kaum aber war der sächsische Aursland gedäinpn., so 



I 
^ 



1} C. 16; TTndecntiqne eensaii aliqufd ad fisciim pervonerit, sive in 
''idtinve io quAlccunque baaao et in omni redibutiooe ad reg«m pertloeDte, 
^Mioj pus eccleaÜB et sscerdoübus reddatar. 

i) C. ib. 

81 C. 17. 

*) Vit Willeb. 8 S. 38^. Hier i»t der 13. Juli angegeben; dafiegfir 
"^0*1 Cbron. Jttoisa. nach den Texte Du Chesne'a dvn tu. l)aa leizt^re 
"»so ist wslirscbeinlicber, da. im Jabre 7d7 der ib- Juli ein SonntaR war. 
"** BeebeafelileT von Pertz, der drio 13. für cinea Soantag erblürt (zu 
^»n. Uuifls. 3. 298 AsuerkOt Buliomt oicll b«uierkt worden zu sein. 

ai L. 0. 7 S. 382. 




— 354 - 

duldete es ihn nicht mehr bei dieser geschädigen Uatbätigkeil 
Er wartete nichl, bis Karl ihn berief, «ondem er eilte nacb de 
Kresliiir^. um dem König seine Dienste anKiibielen'}. Mit d esset 
ZustiiiiQiuitg kehrte er itn Jahre 7Hö iu seinen frühere» Bezirb 
den Gau Wiguiodia, zurück. Er begann sofort mit der Arbeil 
bald erhoben eich die zerstürlen Kirchen wieder »us dem ScbuU< 
Karl erleichterte es Willehad, Priester für sie zu ttnden, indeii 
er ihm die fränkische Zelle Justina übertrug*). 8ie sollte ihn 
die«elL>eti Dienste leisten, welche li^ehternuch Witlibrord geleisle 
hatte: ihre Münche waren seine Gehilfen. So energisch wa 
er an dem Werke, dass schon nach einem Jahre die kireli 
liehen Verhtiltnisse als geordnet betracbiet werden konnten. 

Nun also wurde Willehad Bischof. Als Sprengel wurdei 
ihm die sächsischen und friesischen Gaue an der Wescrmünduiti 
zugewiesen*}. Er selbst wikhite Bremen als seinen Sitz. Doi 
baute er cino Kathedralkircbe, deren Schönheit Anskar bt 
wundernd hervorhebt. Sie wurde am 1. November 789*) eiog« 
weiht. Wenige Tage darauf erkrankte Willehad zu RIexen a 
der Weser; dort ist er am 8. November kurz nach Souneiiau 



1> L. c 8 S. 3ä^ 

2) D«r Ort Ist Diobt sicbec zu identifiiireo. UUbIbaober (Keg. Imp. 2W< 
und Abel (J.B. i^. 49fi) denken nach Spniner-Menke (Bist Hud-AItu S. 1 
Nr. 3b) an Justioe im Depart. Ard«nDes, wogegen l'ertz (Aomerk, za Vi 
Willcb. 8] u. a. DAch Valeshia an MöDt-Jaiia im Depsrt. flaut« Safla 
deaket]. Uasa dits tetstere Kloaler in Burguod liegt, wShrend <lia Biograpbt 
von einer Zelle in Francictn redet, spricht gegen die Annahme, int ab« 
tioin duiohDcfalaßender Grund. 

3} Vit Willeh. ä 5t. 38:i: 'WiKinodla, Laras, Rinstri, Astergä, Hordead 
Wanga. Die beiden ereteu tiud sScbaiach, die vier anderen frieaiacb. Dl 
frietlscbo Tboil der Bremur [litizene hatte nitch Scbul. 3 zu Adam. Hamal 
eccl. hint. I, 13 «püter iingefHhr ^0 Kirchen. Uehio'a, unter dem llinHot 
Ebrsrdtichcr Ansichten Keschriehene, Aeusaeningen iib*r Willehadi Weil 
(tieiab. des E»b. Uamb.-Brem, 1 6. 19 f.) uaterecbaixeo. »te mich dtlnk 
(IIa Bedeutung des Poktuma. Biobtig Ist, dosa an eine deßoiüve Kot 
atituiiaog eioe« Bislhuiiis Bremen Jm Jabre787 nicht gedacbi werden kaoi 
Karl Lioas die Dingo sich langsam entvickcln, aber nicht vrtii Willebad ir( 
teliotiiaclie Neiguugeu hatte und deebatb in das rtdniache Schema nicht paMt> 
sunderD weil die Verhäitoiase schwierig wnren. 

4) Vit. Willeh. 9 S. 383: Sonntag den 1. November. Das Jahr ergil 
sidti aos riem Zuaninment reffen dei Wochen- nnd Monatstaga. Die KIrcl 
war dem Apoalel Petrus geweiht. Naefa Adam, Oeet. Bam. eevl. poal. I, 3 
& 18 war sie eine Uoixkircbc. 




— 355 — 

Raog gestorben*); seinen Leichnam brachte man nach Bremen, 
^»o er im 0»me beigesetzt wunle^). ' 

In derselben Zeit sinil aller Wahrschelnliohkmt nach die 
beoachbarteii s^hsischen BisUiüiner Verden und Minden orga- 
niairt worden. Bei dem crsteren geschah des in der Weise, 
daas Abi Patio von Ainorbach, der bisherige Leiter der Mission, 
die bischöfliche Ordinatiua erhielt'). Dieser Schritt mussie sich 
aus praktischen Gründen empfehlen; denn nur als Bischof war 
Patto ganz nnfiehindert in seiner Thatigkeit. Auch in Minden 
trat, wie man rermulhen möchte, der bisherige Leiter der Mission 
ftls Bischof an die Spitze. Denn auch Bischof Ercambert scheint 
aus Ostfranken nach Sachsen gekommen zu sein: er besass 
Guter im Gollachgau*). 

Beinahe ein Jahrr-ehnt ruhiger Arbeit war der christlichen 
Kirche von der Taufe Widukinds ao vergönnt. Wer niüclile 



# 



i) L. c. 10 S. 384. 

2) Bischof WillArich UbertrnK den Leidinain «its dem Dom in dl« von 
ibn eriwute Kirche. 

3> Di«ae Anuahme li^gt nnlie, da PAtio als Uiicliof bezeichnet wird. Iit 
•itt riefatig, daao uoss s«iue Weibe In diu Friödflonapoolia seit 78ÜI fstleo; 
dena er »Urb berdu 73fl {«. oben S. 343 Aiinierk. 2>. Möglich bleibt 
'k^tkli such, dasfl Pauu KluslerbUchof war. Ueb«r (iie IcgaDJariBchen Nach- 
rAehten bber die I^tstehting d«» Biathuma Verden a. R^llb^rg, KCi. D.'e II 
^B. 456 JT. Ich brauche kxam ta beiDcrkea, daae auch hier niciic an genaae 
^tigrenzong einer biscliä fliehen Diöuae gedacht werden kann: es wurde 
die Spllie ^oei Miasionuprengda ein Ulschof geat«lll, und aas seinem 
iaiion«8preii|{(>l erwach« im Verlanf« <1aa Bisihuu. 

4) Die Kritik der jungen slIohBlacbeD Chroniken Über die Gründung 
^indeoa hat Beuberg erledigt (a. «. 0. S. 446). Was die Person dca ersten 
iachufs antaiigt, so neonun ihn die Chioniken onU der Ulseltorskalalog 
Ad. G. Scr. XIII S. 'iSfn Heraiimberr, Rreninherc. Es untcriiegt kaum «inem 
'^eifel. dsss er ideiititcli iat mit dem Bischof trkinnbertiia, Erkarbenits, 
rkeobrrlus der Fulder Traditionen (Dronke. Trad. Knid. 4, 9 S. (6: 41, 
^ S. 97), detm dieser wird an der k-uten Siell« als episcupus de Saxo- 
1 a bwEeichneC. Seine Zwit llb>t aioli durch cEne Fulder Crkundn f<!!St8(ellt>n. 
*^r unterschreibt am 7. Juni 796 als Zeuge eine Sohenkun)« au Fulda (Druake. 
*^c>d. dipl. 132 S. 76). Da er nach Trad. 4, 9 S. 16 Ktj<enthuiii im (ioHach- 
ft«a ia der Villa Lnra am FlUaacbfln Steluaob (Lohrhof. O.Amta Murgent- 
'^«ink) hatte, so darf man in ihm wohl oineti Ostfrankea aeben. Dasa er 
^Uch aas sücbsisctieoi Beails grosse Sclienkungen ao TuCda mncbto, watst 
^^Vranfbin, daiia »r in tteziehungen zu dil^Hcm Kloster stand. Vielleicht 
^^»r er einer der Leiter der fulcliscben Mission in Niedersachseo. Trad. 4, 9 
^ird als Schwester Ercamberts Burcauint genannt; Trad. 41, 1'2 ist neben 
'Hb Scbeakerin Latburo sanctiiODDialiB femina. 

23* 





- 35G - 

nicbt wüoscliett, das« eine anechanliche Vorstellung davon, wie 
die«e At-beit getrieben wurde, möglich wtlre. Alleio hier ver- 
sagen die Quellen. Wenn es auch sicher ist, dats DuUende von 
Kirchen in dieser Zeit gebaut, dass eine Menge ITarrbezirke 
kooEtJLuirt wurden^): es ist kein Käme überliefert. Hügen hunderte 
von fränkischen und angeleuchsischen Priestern im Lande thälig 
gewesen sein: sie sind vergossen, allein die Frucht ihrer Arbeit 
ist geblieben. 

Nur einige zufällig erhaltene Denkmfiler i;oben dürftige 
Kunde ftUor die neben deu mttchligen Thaten des Künigs über- 
sehene Arbeit der Priester nnd MOoche. Sie bringen metir zum 
Bewuesisein, wie wenig wir wissen, als dass sie das Dunkel 
lichteten, vor dem wir stehen. 

Vor allem sind die deutschen Tauffragen zu erwähnen, deren 
man sich in Sachsen bediente, mit den Antworten, welche der 
Täufling zu geben hatte'): Entsagst du dem Teufet? Ich entsage 
dem Teufel. Und allem Teufelsdienate']? Und ich entsage allem 
Teufelsdienste. Und allen Teufcisworken? Und ich entsage allen 
Teufels werken und Woiteu, Thunaer und Wodan und Saxnote und 
allen Unholden, die ihre Genossen sind. Glaubst du an Qott, den 
allmächtigen Vater? Ich glaube an Gott, den allmfichtigen Vater. 



1) Der Beweis flirdas Lettt«re liegt in der Üblen Wirkaof dsr Zehntes, 
dft dieselben ja ateta einer tteatimmteo Kircbe gehörteo. 

2) VielfAcli geHrnckt, z. B. Cap. 107 S. 222 und HUIleDboff tmd 
Scherer. Denkuiüler ü. lOJ. Uefele (CG. UI .S. bOi) hüll danir, daii 
diese F'Vflgen dorch sirtitliche Anklänge an daa Angelsäcbaiche Bonifstiu« 
aU ihreu Verfaveer verratben. Der Svhliiaa ist vureilijf; denn di« sprach- 
Ucbe Puren weist auf einen in NicdcrHachseo wirkenden Englkoder, also 
nicht auf Douirattua. Eber ktionte mm an VVillehad denken, wenn derartig 
Vermmbungen niclil schlt-cbrhin wenfalo« 'nfiren. UebrlgeDs bat Scberer 
a. a, Ü. 4% h'«i«igt, d;is« das 'lanfj^elöbnia naob 7Cb tallt; die Uandtcfarin, 
welche es oDiliält. IXsst ei in Fulda vor Erlaae der Cap. de psrt. äsx. fO- 
Bcbrieben sein mit Hiloksicht auf die Sachse noiiasion. Das ist nlefal uo- 
wahracbclnlich. Erklärt er die Stelle in der 3. Frage: aod iiuordam — sioi 
t'itr üine Interpolation, so scheint mir die Wahl diesfi Ausdrucks nicht 
tflilcklich, da er den Schoin i^rvveckt, als sei dur den gewJihnlicbeo Tsuf- 
fragen beigefügte /usalz nur seachn^bon, nicbt gi'branchl, wührend ee sioh 
offenbar am eine ans praktiscben Erwägangen bcrvorttogangoue Beifltguag 
bandelt. 

3) Dicibo1ge1d.-ie. Hefele (a. a. 0.) bleibt bei den Worte and Ubcf 
setzt: TeufeliKildv. Das ist Jedoch fWr den modertiRn Spracbgebraucb iira- 
tubrend. Uild steht nach tirimm (Deutsche Mythologie I S. ii) Im Si 
TOD Kultus und Opferdienat 




— 367 — 

Glaatutda an Christ, GoUes Sohn? Ich glaube an Christ, Oottes 
Soha. Glaabst da an den Heiligen Geist? Ich glaube an den 
Heiligen Geist. 

Wie fest oiusate die Existenz der Volksgölter der allge- 
oieineu Ueberzeugung stehen, wenn man von denen, die zur 
T&afe kamen, forderte, duss sie sie namentlich verleugneten. 
Et ist, als wollte man den Ausweg abschneiden , dass die Ver< 
ebrung des Christengoltes iieben derjenigen der Volksgölter 
ugeoommen wiirde. So geben diese Fragen einen Eindruck 
ron der Macht des Widerslands, den die Anhänglichkeit au die 
Titerlicben Götterder Annahme des neuen Glaubens entgegensetzte. 
I Schwieriger noch war der Kampf gegen den Aberglauben, 
ftls Zufhll, dass zwei Dokumente, welche die Griäase dieses 
KiDipfes ahnen lassen, erhalten sind, oder war er wirklich dio 
Hauptaufgabe der christlichen Kirche In dieser Zeit? Jcdenfatls 
lehren das Verzeichnis der supcrslitiflsen Handlungen') und die 
Predigt gegen die Hakritegien^), in wio rnanchfacher Weise das 
game Leben in das Ketz des Aberglaubens verstrickt war. 

Doch es war mehr als Aberglaube. Was man nach den 
TaoiTragen vermatheo kann, wird hier als Thatsache geschildert. 
Neben der cbrislhchen Religion bestand der alte QütterdJensl 
noch fort: Wodan uodThonar erhielten wirklich noch Ihre Opfer; 

1) Indjculii* iiiperstitiooum et psfnoiaruni, erhalten in ilarselben Ifand- 
Mfctift wie die Tuuffra^D, gedrackl Cap. luä H. 22i UDd »nderwärt«. 
[JUtbk bilt (CG. m 3. bXi) Diivb Seilers (Bouifac. S. 379 f.) daran fest, dass 
rladiculns von Bonifaiius uod der Syoo^t« von f-lftlnX anfgeseist ani, nm 
ilia tlnseliieo Fällv der im -I. Cap. der Syoude im AllgetnieiDt^L] verLuteneu 
'"idfiiKhon Gabnoche ünziigeben. Allein f<lr die Verbindung äea Indicalun 
mit i)*r Syood« tod LwtiDnea fublt jede 8pur \va Beweis, Itt Sctiorers 
^Mlcht Über die palaiinische HandBchrift, wolcbe den Indiculue und die 
>*unrigen, sowie die unten zu erwähDendeti t)«iden Anreden enlliäll, 
ritthlig, ao gehOran die aKmniiliclien SitUcke in die Zeit Karls: »io dientvii 
^ äicbraomiHioii. BoreUus bemerkt zuu lodiculus: Ab homine priT.ilo 
"> Suuoia saeculo ucta%'o conccptiui l'sbc ridotur. 

i) C&apari. Eine Augustin fälactilicii beigelegte Honillia de sacrilogÜE, 
^^Ivtniania 1886. Caapari koinuit S. 69 f. tu Beinn; anf Zeit iiad Un der 
AbfaHUDg der von ibiu eiiigetifiid uotersuclitea Hümilie xo dotu Kesiiltal, 
^ ihre xXbfnssiißi; vher in das 8. ah in da» 7. Jahrrhaadort fällt, dasa 
■le lo den ocfrdiicbeEi (Jegeoden des fiNnldnheu Keieba eutslaaden ist 
ui><! Irgend einen friftik lachen Klcrllcer xum Vorfaucr hat. Dies Ei'gcb- 
*■» i»t eo wülil hegrilodei. das* die Verwertbung der Homilifl an dleaem 
^6 keinem Bedenken unterliegt, hie Iloiallie crscboint wie «ine Parallele 
^ d«m verloreueD Scbriftatfick, deaaen UeberachrilfteD iai Indiculus er- 
l*ll9a sind. 




- 358 - 

mau beging die Feste, die ihneo heilig waren*). Karl hatte den 
Baim gcbroclien, der die beitigen Haine eiiiscliloss : aber er kooole 
ihnen ihi-e Heiligkeit nicht rauben; auch Quell und Fels, wo 
rmher das Volk sich zqiii Opfer gesammelt halte, waren niiver- 
gessen"). lasgoheim schlich noch mancher Mann mit seioeo 
Opferguhen dahin. Wie entsetzt ruft jener Prediger aus: Wer 
immer, ihr Ürüder, den Nanieu Christi bekennt und den katho- 
liacben Glauben angenümmen hat und doch die alten AllAre 
und Haine, Bäume und Felsen oder andere Orte aufsucht, um 
dort ein Thier oder sonst etwas zu opfern oder Mahlzeit zu 
hallen, der wisse, dass er Glaube und Taufe verloren hat Wer 
an einem QupU, oder da, wo der Bach hervorsprudelt, sein Gebet 
verrichtet, der wisse, dass er Glaube und Taufe verloren hat*). 
Die Flur schien nicht vor dem jaheu Schaden durch das Uoge- 
witter gewahrt, der Segen der Arbeit schien nicht gesichert, 
wenn an den gewohnten StftUeo die Heihgthümor der Götter 
fehlten*), wenn an den hergebrachten Tagen die alten Umgänge 
mit den heiligen Bildern unterblieben'). Die Tempel wareu 
zerstört; aber wie leicht war ein HeitigtUum bereitet: eine HOtte 
BUS Zweiggedecht war so riet wertb wie eine christliche Kirche. 
Die Götterbilder waren verniclitel; ab^r wie leicht waren sie 
erselzt: eine Puppe aus Lcinwaiidstllcken genügt«*). 

Dergleiclieo war Götzendienst; anderes war Aberglaube. Wer 
aber vermöchte die Grenzlinie zu ziehen, wo der eine aufhörte 
und der andere begann? Wenn man im Februar in der Freude 



1) Indio. 8: De aacrls MercnrÜ vel lovjs. 2t); De feriie, qoae fulnnt 
lovi vel Mcrcnrio. Ein der Frijfga gtwcihrea Fest \»i c. 24 erwähoi, wenn 
Uaasioknti's Eni«tid:iciuD richtig ist: De pagaoo cnnu quem yrlaa (Muam. 
FriSB) nominnnt srisaia pannin vcI ciilcianiemiB. Bom. $.3: Si quia aeptu- 
oalia in tnaie ol)8viuat. Caspurl rrionert bes. dor Keptiinalia an Enuold. 
Nigell.r In hon. ITlud. IV v. 9 f., wn von den Dänen gesa^ ial: 

Proqae deo NepLunu« erat, CbriitJ reiincbat 
luppiter orsa locnm cm nacra ciincu dabant. 
Hier Ist Neplus = Wodan, Jupiter = Thunar. 

2) Indic. fii De sacris silvarutn qaao nimMait vooanl 7; De bits que 
fkeiuiit sup«r petias. 11 : De fontibui aaciißfiiiriiiii. 

3) Houi. § 2 f. 

4) Inüic. i: De caaulii i. e. fanii. An di«son Keldkapfllten hal umn« 
wobt die Welbgrschenbe nufgcbXngc zu idenken. von den«» v. 29 epricblr 
D« Hgueia pedibna ve\ manibus pHganu rilus. 

t) L. c. 28: De aimulaoro quod per cauipoa porlaDt. 
6) L. c. 27: De simolacris do punnis factis. 




- 359 — 

Über die liöhenteigeode Sonoe ein ausgelasseaes Feet feierte, 
oder im gleidieo Moaat den Wioter xum Thore hinaustrieb '), 
w-enn man deo Todteo zu Eliren Sclimüusse reraua(allele'), oder 
bei MoodsfiasterDisseD daa ächwjndcii des Schaltens mit dem 
hergebrachten Lürmen begriisste'), so bonnten solche Sitten*) 
sich auch da halten, wo man dem offenen Heidenthuin entsagt 
balUs. In anderer Uiiisiclit war die Versuchung grösser, da« 
Heidnische als solclies neben dem Chrieteotbum zu pflegen. Wir 
tsabeo bemerkt, dass die heidnische Frümmigkeit sich darin 
bewies, da»s man sich in jedem Falle dem Willen der Götter 
Ftlgie; that man nichts ohne auf Ihren Wink zu achten, so war 
man sicher, sie nicht als Feinde zu treffen. Hier Hess der neue 
Glaube seine Bekenner im Stich: er rerliiess keinen Schutz roi- 
Binero uagluckliclien Gang und gewahrte kein Mittel, den Erfolg 
KU erzwingen. Hier ist deshalb der Punkt, an dem der ricige- 
aiaUig^sle Aberglaube sich ansetzte: man hutclc sich wie vordem, 
ii^end etwas an einem üngluckstage zn beginnen*) und achtete 



1) L, c. 3: l^e aptircalibus in Keliruario. üoto. §. 37 : Qai io raense 
>''ebniarlo biberouu credit expelfer« uel qiil in Ipso mens« dka spurcos 
osteodJt . . sentilis est. Ueber die aparcalia, Wort und äacbe, i. CMpsri 
S. 36 f. Dm Aüitreiheo des Winters im Februar macht Ibm unnötbige 
Bedenk«!); im FrankiscIieD wurde, and wird vi«llei«bt 'Ja und dort pocti 
jeCst der Winter bii Miltfaeteu ausgetrieben. Die Oomilio spricht iiioh 
Von aberj[lilubischeo Uebräutheu am. 1. JüDuar; da der lodiculua aie nicht 
«rwXbnt, so tiegt die Annsliwe nahe, dasa aie in Sachaen irtoid waren: 
JeDor Prt^iger »pricfat von alleiD Aberglauben, voo dem er gebort und ge- 
lesen haL 

3) Indic, 1 f.: Du «acrilegiu ad sepuk-bro DDurtuorum. De aacriie^io 

Cper deruQctos id est iladsiaaa. 
3} L. «. 21: Oe lanae defecltone, quod dicunt „Vince luna"; Analog 
1 Oewiitorn: e. 22: Do tempüstatibue H et>tu\h\i» et coclela. Eloe no- 
acbaulivhe Krläut«rung gibt hora, %. 16: (^uicuiii()ua iu di^feccioDCm lunao, 
T^uaodo gcnriscerc aulet, per clamarcni f<opuli uass liguea et erea anentea 
batteot, abb striaa dvpositaio ipaa luoa reuocare in caelum credentea, ucl 
qoi grandineiD per Ismlnss plumbeas scrlptaa et p«r corstia iooanlatoa 
*.aert«re potant, ieli non cbriatiani etc. 

4) Verwandt ist die Sille. welche Indic. 26 genannt Ist: De slmulacrd 
de conaparsa Tarina. Man gab eu Khr'-n tler tir'itl«r nn gewissen Tagen 
c|eiD Backwerk linaundero Formen. 

^k &} Indic. 17: De observiUiooe paganoriini in foco vel in incoationo roi 

^ilicuius. Aoch hier crU'uüert die Ürtmilie, §. In: Qiii slgna eaelt et siollas 

miX suralum ina[iicet et qui bouea, quandu pritouiu arar« iticipit et cum 

Bt«t et bircos in gregc dimittit, qul lau oiQuia ubserunre te dicit, ociai 




— 360 — 

in aller Weiee auf die Zeichen, die das Verborgeoe voraus 
andeuten sollten*): die Abneigung gegen die aufgezwungene 
HeligiOD vermehrte eich noch: einem Triester oder Mönch zu 
begegnen galt als unheilrcrkUndeud^}. Wer die Zeichen nicht 
zu deuten vermochte, fand leicht einen weisen Mann, der ihm 
kund lliat, was die Zukunft für ihn im Schonsse harg*). 

Wieder in anderer Hinsicht mussle die christliche Predigt' 
den Glauben des Volkes zu hestfttigen scheinen. Man fllrchleta 
die unholden Müchtc, die unvei-sehens ihre Uosheit an dem 
Henuclieu üben, und die der Mensch doch durch krtifiige Sprüche 
bezwingen kann. Und die neuen Prediger sprachen Ja von dem 
Fetnile Gottes, dem Teufel, und der Schaar der Ofimoneo, welche 
die Kirche durch ihre ExorziErnen Itanne, von der geheimnis- 
ToDen Kraft des Segens und des Fluchs. Da war es nur natur- 
lieh, dass die allen Zanbersiirüche und Zaubermiitel forlgebraucht 
wurden*), dass man sich selbst und Elans und Uof auf die alle 
Weise schützte'). Wenn man manche Statte, man wusste nicht 



€tC. %. 12: Qili dies aspicel, qaus pagani piraTite« soics, luDM, inaitei, 
ineronres, iout^s, Deneres, satiirni noisinaneruot, et rnnJot sibi per bos diu 
uUm ag«ijdam uel tief;otinm FAcieadum q«1 in quacuraqtie iitelilate alJi per 
tpaos ant (onamen sdi grauainen fieri posee, ii«l Epaiim Htm, qaen iOBM* 
diciiiJt. proptvr iouem colpt et opera in vu non i'KciU iate noQ obriatlaiaa ei& 
9. 13: QuicuinqDfl sigtinciiliini rracis ublitus fiierjt, uana adtentit et nonan 
lunam aoolrülunium uucat et io aliqu.« iililiiA(c operia sui, sjue ad ageodan 
vLam, slue ad »gmm aramluni uel leiam«n nehendnm not uineam poiandaa 
adqoe ooleodaiD aut in t^\^lA ligna iiicitlviida aiit dumticD contioandaiD snt 
quooamqiic aliml agcniliim ol per luuain «ibi tieri iropcdimentDai credit,' 
tBte 6(v. 

1) Indi{;. 13: De augurfls vel avium vel eqanruin vol bovatn stercura' 
vel «ternutaliunea; c. 16: Do corebro anitnab'am. Uom. g. 6 IT.; vrI- oben 
S. 330 Aninerk. 2. 

2) Uom. g. 11: Qiii ^lericnm iiel noonachum de maoe ant qaieoinqH 
hora iiidedB aut uulana, abumhtoaum sibi esse credit, Iste aon aoluot paganu 
sud dvEuoniacua est, qiii chriati uiilileiti .iliomiDaliir. 

3) Inüic. U: Du diviDJs vel aurlilogis. üuu. §. 5: Qui <UuiiM» ml 
diiUEia« i. e. piionisaas, per qact» deniones rPKpunsa dant, eunaulil, qui ad 
ous ad iBteirogaadutu uaileL et eia, quu tlixenut, credrt, Uül ad scDllaodmt 
uadet, ui aliqiiit de detnotioia audr-ic, non clutaiianum etc. 

4) bidic. 12: Ve iDcaDtaiiauibus; «■ 10: De filact«riia «t ligatnh«. 
Hom. 14 f.; 18-2'i. 

b) iDdfo. 23: De aulcls circa viHm. Um den Hof geaogeoe Forcben ' 
BAlltco die Uexen a'bhalten. Hom. g. id Amulette. 




— 361 — 



^ warum, mied, so warK eine Unslätte'): es lastete ein Flucl] auf 
^■-ibr, uud weoo man zahllose Uebel durch Besprechung heilte^), 
^Kn war das nur dasselbe, was die Kirche in ihren Exontiaineu 
^Bttsu etile. 

^P Nicht aller Aberglaube war kirchciifcindlich; im Gegentheil, 

^ daa Volk bemficiitigle «ich sofort der neuen HeiligthUmer und 

zog sie in den Dienet der allen Ueber/eutiuri^en. Auch diß 

Kirchen waren t^^^eilitc (.iebäude^ inussten Zaubei'lmiid)un(i;en 

in ilmeu vollbracht nicht besondere Kralt haben'!? Wenn man 

I die Laien zwang, Sj-mbol und Vaterunser in iler fremden Sprache 

H SU lernen, so wäre ob zu verwunden), wenn sie diese Fortnein 

*^ nicht nir ZaiihersprOche gehalten hätten. Man gehrauchte sie in 

r der Tliat in diesem Sinne*). Wie riel wurde von der Macht 

H Uarins und der Heiligen geredet: es war eine naive Folgerung 

1^ aus dem kirchlichen Ueiligendlenst, wenn man wtthnte, der 

Schulz der Heiligen sei durch Opfer zu erkaufen^). Und vras 

waren die Heiligen auders ald todie Menschen? Es war wieder 

DUr eine naive Folgerung aus der kirchlichen Hebung, wenn 

man die Ahnen der eigenen Kamilie in den Kreis der hitnm- 

liscben Scbutzmächte versetzte'). 



I 



1) Indie. 18: De incerti» locis quc coliiiil pro snoctis. Ebenso io 
Beza; ftuf MenBoben hum. §. i: Qm faiuis maliim aul Ixtnuni io hotnlDibiis 
ewe creduiit, irjmsgrrdAores «t pagAiii »iint. 

2) Hum g. Ib: Carmina ut'l iticnntatiuiit;«, tgiius dixiuius, buec auat: 
-md fucinum (gegen Bi-hi^SHng], ad apaliniim | Krumpf), fiiriinciillim, ad 
dracunculuiu (Krebs). uU aluiis (OiiiirhÖ), ad apiuio (Bienmistichl, ad tterines, 
I, e. lumbriCDS, que in icitranta tiomiois Hunt, ad fobrea, ail friguraa (kalte* 
Fieber), ad capitis duli>[«uj, ad ocuiuoi pitlliuuui, ad inpvdigiovm. ad ignuia 
sacrQUi (KoB<-;, ad iDorBUro scoTpionJs, ad pnllidnos (?). Ad re^triagODdas 
oare«, qui sauguinü tluuDi, d« ip«u sHoguiue in hoMe ponunt. Die Er- 
klKrungeo nach Caapari 

3) ludic. b: Ue sacril^giis per aeeolealaa. Bom. |. 30: Qaicumque 
proptrr fugitluüs pctatia allqua scrtbit, iiel per mollna uel per baallicas 
Ipaa petalia pooere preaumit, Qon vbristiaQiis «(c. 

4) ilom. g, 14: Quicilmriiie Bopor aanctuni simbiilum et orailonera do> 
loiDlcaoi carmiDa aut iticaniiitiuDUB paganoruuj dicit, otc, 

&) Indic. 19: l)e petendo qiiod t>on) voraot snociae Mariae. Der Satx 
ist ntobt ict'lir so verstehen, da ia peicodo vermutblicb ein $cbr«ibfehler 
Heckt. Dass er von eioetn Aber^laub<>n handelte, der sich an Maria 
knllpH«, Im klar. o. 9: De sacriticio quoi tit allciii Baaotoruio, ParalleJea 
ans der Bomilie sind §■ 7 f., din bi-kaiinlfln sones eanetoruin; §. 15; Qal 
augeluruiu iiel saiaoioais aut oarai't«r#i auspeiidit 

6) [fldic. 26: De eu quod sibi ssoctoe tlogunt qaoelibet inurtuoe. 



- 362 - 



Auf diese Weise bildete sich der VolkBaberglnabe, gleichsam 
eine mittlere Schicht zwischen dem Heidentham und der christ- 
lichen Religion. Wenn die Kirche, ohne es zu «rissen und za 
wollen, durch dies und jenes seine Entziehung fürdcrte, so konnte 
sie ihn doch nimmermehr hilligen. Von der Art and Weise, wie 
sie ihn bekämpfte, gibt die Predigt über die Sukrilcgien eine 
Vorstellung. Aber man hat nicht den Eindruck, das» diese Art, 
g^gen den Aberglauben zu predigen, sehr wirkungsvoll gewesen 
sein kann. Der Verfasser hüuftc alles zusammen, was ihm ron 
abergiitubischen Handlungen bekannt war, mochte es sich unter 
seinen Zuhörern finden oder nicht; aber im Uebrtgen hatte er 
nur zwei Gedanken: er wiederholte unermüdlich die Erklärung, 
dass die solches thun» Ilciden und Frevler am Ueiligen seien, 
dass sie Glaube und Taufe verloren haben , und er schliesst 
seine Rede mit der Mahnung: Bezeichnet euch mit dem Kreuze 
im Namen des Vaters, des Sohne« und des Heiligen Geistes; 
lernet das Symbol und das Gebet des Herrn; dacti geht ihr 
sicher dahin, indem euch der hilft, der lebt und herrscht von 
Ewigkeit >]. 

Wenn man solche Worte liest, so ist man versucht lu nr- 
theilen, dass hier eine Weise des Aberglaubens durch eine andere 
ersetzt wird, Das wUre docii ungerecht. Denn auch diest; 
Predigt ist sicher nicht so gehalten wordeu, wie wir sie lesen. 
Und gerade die |vr»ktlschen Gedanken, welche in den Schluss- 
worteu angedeutet sind, werden in der Rede des weiteren aus- 
geführt worden sein. Aber so viel ist doch unleugbar, dass das 
Christenthum , nach diesem Vorbild verkündig;!, dem H^rer nur 
als Forderung gegcnUbcrtrat: dnss der christliche Glaut>e gitrt, 
tröstet, beseligt, das konnte kein Hf^rcr aus solchen Predigten 
entnehmen. 

Nicht alle Priester, die in Sachsen wirkten, werden so un- 
geschickt geredet haben. Wir besitzen eine Anrede an das 
Volk, die bestimmt war, in der Mc8se vor der AbendmahUfeier 
gehalten zu werden'). Sie handelt von den kirchlich verbotenen 



1) Bora. fi. 27. 

?) Die beiden itu Fol^endea ctiarakfcrisirtcD Autpraehen sind ia der 
S. 35f< Anmcrlc. 2 ßrwühnlen tiaiidschrirt ontballen nnd bei Hana. XII 
9, 376 S. unter dco AabÜDgen zuui KodzHq von Lestiunes gedruckt. Dm 
war rUr ibre Beurlheiluitj^ vcrbäiifftiisvolt; d«OQ aun konnte maa aicb vwn 
dem Vürurtbeile, dass luaa bisabüfliclie AlIukulioD«B vor sich habv, uicbc 
loatuacbeo. Uieae Anacbauung vertritt nach Uefele (C.U. lU S. dL2}- Cntei- 



- 363 — 



N 



£ben, also eiDetn Thema, das weit schwieriger zu erürtern war 
■Ja der Aberglaube. Aber der Redner lüste seine Aufgabe riel 
ge«thichter: es hat etwas äusserst Eindrucksvolles, wenn er mit 
der Anführung von Ezecti. -i, V. 17—21 beginnend, herrorliebt, 
iita er rerpHicblet sei zu reden: Ihr sehet, geliebte Kioder, 
weiche Gefahr uns ilruht, wenn wir nicht reden. Ferne, ferne 
«ei «8, dass unser bchweigea euer Verderben werde. Wenn wir 
ench lieben, so mCissen wir euch kund ihun, was euch sctiadet, 
damit das nicht kommt, was euch tädtet. Auch im weiteren 
weiss er die religiösen Motive für die Heobachtung der kirch- 
lichen Forderungen geschickt zu verwerthen; Sehet, ihr Geliebten, 
was fUr eine Botschaft wir euch hrinj^en. Sie kommt nicht von 
einem Manne, der durch Gaben gewonnen werden kann, sondern 
TOD demjenigen, dem ihr verhaftet seid, da er sein Rtut für euch 
vergossen hat. Niemand, der durch unerlaubte Verbindimgen 
befleckt ist, trete heran zu dem Leibe eines solchen Herrn; er 
wflrde nicht geheilt, sondern rerwundet. Ihr Theurea, wir sind 
Uenschen voll Schmutz und doch wollen wir nicht, dass ein 
Unreiner uns berühre. Können wir glauben , dass der eioge- 
boreoe Sohn Gottes seinen Leib durch unsere Sünden beflecken 
/4to9t? Brüder, unser KOoig, der uns dieses Amtes würdig ge- 



•aeltc msD die beiden Ansprscheo, so ist snnKcbst klar, dass sie einen und 

dtfoselbco Verfauer bntien; dis beweist die Uleichbeit der Sprache und 

de« redoerischen Tones. 2) Ist einleuchtend, dass diene Heden nicht au 

't'^raoken gerichtet letti können. L)«r Vorwurf, de nustra uej(1rg«ulia, cftiare 

(«rdiiD saluiiii vemrae rtimedia praedicamuB , von eineiti Franken gegen 

Critakiscbe Frieater geätuuerl würe »IddIüs. Uaraua ernibt sich 3) daaa 

«Sias« Beden nlt der Synode von Leatinnos nicbta su thuu babso. Sie 

^ind ao Uöret gerichtet, welche dl« Sakrnmentf ecDpfaiigeQ haben S. 37HB, 

«AOter denen nicbt n'eulge «IderwilHfp gegen da« CbriaieDthuui Bind 

^3. 377CD, an welche diu Predigt vorhXllnisuiaasig spät gekuiumeD ist 

9. 377 D. Das alles passt nicht auf die Franken, Boodern nur auf dlQ 

^äaobseO' Nimmt man die wahrscheinliche Besticumung der Bandscbrift, iu 

'^reicher die Beden Ub^rltefert sind, hinzu, so wird man 4) mic einer an 

^Ziewtaabeit airrid-nden Witfarschvinlichkeit lifbaaptvD dlirfeo, dass diese 

^Xle<teD OB aäcbsiacbe ililrer geiicliiet sind. .Sie sind endlich f>) keine 

^^lacbSfliche Allijkurioncn, sondern Predigten. Das «rgibt sich xua Ü, 387 B: 

■K'ratrea, ccce lex uoster, qui uub dit^nus hau logalionG' credidit, puat aus 

^rsooiinuo aequitur, paremua ei oianda« doiima nn.stras, ai cum in ipsii cor- 

K30ribus ooatris voluuiua babiiare. Detrn damit leitet der RcdDur von der 

l*th-di);t zur AbtudmahlsliatidluD); über. Audi K. 376L) btiweiil der Ueber- 

^ant; sua dem rheiurlachen Plural in den Singular, dass nicht ein Konzil, 

DDdoin daas irgend ein Pfarrer apricht. 




- 364 - 



achtet hat, Tolgt uns nach: beretten wir ihm ein reine« Haus, 
wenn wir wünschen, dass er in anderen Leibern wohne. 

Noch eine zweite Rede desselben Verfassers ist erhalten. 
Sie warnt davor, den Sabbat in jüdischer Weise za feiern 'V die 
rechte Sabhatsfeier sei, sich enihallen von allem [JnrechC. Aach 
sie zeigt den warmen, herzlichen Ton, der die erste auszeichnet. 
Interessant ist diese Ansprache besonders deshalb, weil sie einen 
Blick in die Kefle-xioncn thun lä«8t, welche durch das Zusammea- 
»tossen der zwei Religionen hervorgerufen wurden. Wenn, 90 
hielt man den Priestern entgegen, das Chrislenthum zum Heile 
nothwendig Ist, warum habt ihr es uns so spAt rerktlndigty Man 
spitzle den Gedanken zu, indem man ihn allgemein (^ste: 
Warum ist Christus »o spät gokornincn? wnram hat er zuge- 
lassen, dass so viele Tausende von Menschen vor seiner Fleisch- 
wenlung verloren |?ingon? 

Diese Sfitze sind ein veroinzetler Lichtstrahl, der uns ahnen 
lOsst, was in den Tiefen des Volksgemllthes vorging, indem man 
unter der Wirkung blutigen Zwanges auf eine Predigt achtete, 
die von Hei] und Gnade redete. Sie zeigen, dass religiöser 
Sinn mit den Problemen des Glaubens rang, und sie machen e« 
versländlich, das aus dem Ankämpfen gegen das Christenthum 
schiiesslich die freudige Hingabe an den ErlC^ser erwuchs, die 
wir aus dem Heliand keuneu. 

Noch aber war es nicht so weit. In der Umgebung Karls 
verfcilgle man die Fortsdirllte des Oiri&tenChuius mit gespannter 
AufumrksamUeit']. Alkuin war voll Freude darül>er, da»8 die 
Kirche t'riede habe, gedeihe und wachse, da die Sachsen und 
Friesen den Glauben Christi angenommen hätten"). Meine Ge- 
danken richteleu sich schon weiter: er träumte von der Be- 
kehrung der Dänen, WiUen und Wenden*). 

Aber dieae Hoff'uungen wurden durch die Erhebung der 
Sachsea im Jahre 702 jäli vernichtet'). Der sächsische Adel, 



1) Dass in der ZMt Karl« der Samsug da und dort gefetert verde, 
sieht man aus tief Synode von Krlnui 7^1, ein 13 (Msiia. XIII, 8b2A). 

VI Mc ep. 13 S. Uiü an elnca iiirlit genannl«» Abt. der in der Un- 
gebung Will«bnde wirkte »us dem Jabre 789: Mand-ite mihi p<>r litt«i>s, 
quomodo hsbeatle vel quid faclatls, et iinomodo oonsentiant vobis ijaxoan 
in priiedicxtiune 

ä) Kp. 14 S. Iße aus dem Jahre 790. 

4) E\>. 13 S. 105. 

b) für den Kusaeren Verlaaf vorweJH ieb auf SimsoR, J.B. 8. 36 (f.; 
MUtilbaober, D. 6. S. 137 ff. 




» 



- 365 - 

■1er iD den fralieren Eoiptiruogen an der Spitze gestanden, hielt 
sich diesmal zurück, Widukiad brach die Treue nicht, die er 
fl«Mfl hatte']. Auch ergriff der Aufstand nicht das gan^e Latid: 
er beschrkakle sich auf den Norden. Aber hier erhob sich die 
liteile Masse des Volks^). In mehr als zchnjtihrigem blutigen 
Ringen sachte sie sich der frätikischen Uebcrniaoht xu erwehren. 
Doss die Volksmassco sich ohne ihre bisherigen Fiifircr er- 
boben, genügt zum l^ewcisc, dass in diesem Aufstände kein 
politischer Gedanke mehr lag. Die zum besten der Kirche vor- 
gCDOoimenen Eingriffe in das Privatvermögen liabeo ihn ent> 
iQodet: deshalb war die Empörung gegen den König auch jetzt 
eio Bruch mit der Kirche. Wieder wurden, so weit der Aufstand 
rächte, dte kaum gebauten Gotteshäuser vernichtet und die 
Friesler verjagt Bischof Ercambert von Miudeu floh nach 
rplda'). Sachsen, welche deui cliristlictieu Glauben Iceu blieben, 
vitrea schier «ogelfrei; mau plünderte ihr Besitzthuin; nicht 
wtoige wurden getüdlet: so starben im Jahre 798 jeuseita der 
Elbe fünf edle Sachsen, Eiichoir, [^:)rich, üolescale, Had und 
Gvtcb, auf einen 'i'ag als Märtyrer ihres Glaubens*). Dsui war 
die Wuth des Volkes^ das in den Christen Verräther an der 
Heimalh erblickte Es scheint eine sprichwörtliulie tlede gewesen 
lasein: die Zehnten haben den Glauben der Sachsen zerstört^). 
Alkiiia war aufs tiefste davon durchdrungen, dass dies richtig 
»ei. Würde, so schreibt er einmal, mit der gleichen Beharrllch- 
^tA das leichte Joch Christi und seine sanfle Last dein stnrrcn 
Sachseorolke verkündigt, mit welcher die Leistung der Zehnten 
uud strenge Bussen für die leichtesten Vergehen gefordert werden, 
«D wurden sie vielleicht die Taufe aicbt verabscheuen^). Er war 



I 



1) StcJiere Nacbricbteti über deo Ausgang Widukinds f«blea. Vit. 
"ubild. 2 (M. G. Scr. IV S. '2&b) apricbt von Kirchenbautco. dio er unter- 
^BiiiifR Q. dgl, Abar dabei wirkt sriign die Sage mil. Sein 8»hn Wiebelt 
'*t Cid Cbrint, mun trviss vou eiuvr R«ibe von SuhenkuDgen uß<t Stiftungen, 
die ibin sugeBcbrifibeo werden; dessen Enkel war Biactjof Wichen vun 
^•rdeo (gMt 9U8). 

2) Daaa im allg«ui«incn Abfall eiusflue treu bliuLrtin, ergibt sieb aus 
'P< DogiiDi. 4 ü. 319 f. and aus der Urkunde Lndn-ig des Kr., liübmoi- 
"Hhlbicber 675. 

3J Er unterschreibt 7. Jual 736 eine io Fulda aiugcatellte Drkoud«. 
■1) Vgl. ep. MggUDl. 4 ä. 3^0; das Jahr ergibt sich aus Aon. Einb. 

S)) Ale. ep. 64S. 302: Uecimse, ut dicilur, Saxonutn Bubverieruntfidtm, 
fi) Ep. 69 S. 331. 




— %(> - 

ofTen genug, solche tJrtheile nicht nur in Bneren an Freuade, 
sondern auch dem König gegenüber auszusprechen'). Man be- 
greift, das« er die VerhüÜnisse nun ebenso IrUb ansah wie vor- 
her hoffnungsvoll: er meinte wohl, üass von wirklichem Glauben 
bisher bei den Sachsen Überhaupt nicht die Rede gewesen sei'), 
und er glaubte sich mit der trostlosen Ansicht beruhigen zu 
müssen, die Stunde der Krwählung sei für sie noch nicht ge- 
kommen'). Doch konnte er nicht auDiOren, auch jetzt noch das 
„arme Sacltsenvulk" zu bemitleiden, Er drang in den Ktfuig« 
Friede zu schliessen, nachgiebige Massregeln zu treffen*). 

Aber solche Vorstellungen waren vergeblich: sie prallten an 
der harten Energie des Königa rU: es war ihm bitterer Rrnst 
damit, die Sachsen entweder zu unterwerfen oder zu vernichten. 

Mit gewohntem Nachdruck wurde der Krieg geftllirl: den 
IVänkisrhen Siegen aber folgte wie. früher die Taufe, so jetxt die 
Vorpllanzung der Ueberwundeiien in frttnkische Gegenden. In 
den Jahren 79;'i, 797, 798, 799 und 8()4 wurden Tausende von 
Sachsen aus der Heimath hinweggeführt*): mit Weib und Kind 
muasteo sie das Land lassen: sie sollten für die Ueimath wie 



1) Ep. 67 S. 307 ff, 

2) Hp. 71 ä. 327 AU Am von Satitturg 796: Gens SaxoDum ddiki<mib 
babiiil in corde &äe\ fundaiDcntiim. 

3} Ep. 67 8. 307; 127 8. 511 (ao Arn 800). 

4] Ep. 114 8. 465 aus dem Jahre 799. 

5) Ann Lkuhss. min. z. J. 794: Kxrliis in Süioniitin porgeo* 3ftx00< 
obtitiuit et tertiiini ile eis biiuilnein in Frünclam educens conlocavil; vgl. 
Ann. Fuld., Mo»ell. z. A.J. .Simaon (J.B 8.96) mitcht wahracheinli*;)i, dau 
aicli diese Naclirivliten auf dsa Jahr 79.^ bt^zieticn, bei welclieui die Ann. 
Alainto. und Sang. uiaj. die Wegrührung von 7070 Geiseln ßrwUineu, dia 
Ann. Maxtiu. und Xaol. vuu dem driitcti Tbeil der BevölkeniDg. Liureah. 
und (iuelferb. von einer sehr groascfl Zahl von Gciacln flpr#ohen. Z, J, 797 
liest coau in den dnu. Luuresh. : 'I'ulit inde am obsides aat de ipBtsqnanluin 
tpM voluit; vgl. Ann. I.Auris8. min. KArolaii In Sasontam Fntncos contoeat, 
8sxones inde ediicena cum nioribtia et iiberia, i. e. tertiam bomineui. Z. J. 
79(4 twricbtoD die Ann. ä. Aisandi: Hospites (— oligldea] c&pit.io«'oa 1600 
lud» addnxit et per KraociatD divieit; v^i. Ann. Laureab. : Et [olit ind« itlua 
capitanioa qiioa vüluil et de opaidibus qnanliini ei voliialaa fiiil. Z. J. 790 
eniblen die Ann. Laureab.: Inds tallit maltitudinem Saxanurum cBm mull»- 
ribua et fnfantilms et cntlncavlt cos per dfveraas terrae in finibiiB Bnia,^ 
2. J. ^1 «odlicli bemerken df« Ann. LauHtv. min.: Kariui Saxonea abvqai 
bello a prupriis fioibiis expulsos in Pranciam coiilocai. WL'nn Einhard VIl. 
Kar. 7 von 10.000 WeggeHibTtea Bprictat, bleibt er also weit hitit«r der 
Wirklichkeit lurUek. 




Hesseits und jenseils des Rheins wurden sie ange- 
tiedell'). Nur langsam halien sie sich mit der eingesessenen 
Bevölkerung rermischt. Nneh OUo II. spiicht von NorLhal- 
bJogern, die aur dem Besitze der Würzlmrgcr Kirr.he wohnten'), 

I ud heute noch erinnern iu unseren fränkischeci Gebenden zahl- 
r«che Ortsnamen an die Gcwalisanikeit, mit der Karl der Gr. 

I den Trotz der Sachsen beugte*). 

Hand in Hand mit der gewnltsamen Repression jeder Er- 
bebnng ging die freigebigste ßelnlmung der Trengebüebenen- 

I Die Zeitgenossen haben ihr nicht geringere Wirkung zuge- 
schrieben als der Gewalt*). Dazu kamen Massregeln der Gesetz- 

i gebung und Verwaltung, welche bestimmt waren, geordnete 

j Zusltinde zurdckzuführcn. 

Aur der Reichstrersammlung zu Aachen im Oktober 797 
eriieM Karl eine Reihe von Verordnungen, von welchen sich 

I etliche auf die kirchJichen Verhaltnisse beziehen*). Es hanilelt 

I ticb wieder um den Schutz der kirchlichen Personen und Saclien. 
Aber während nach dem IrUheren Rechte auf der Störung des 

: Icirchlicbeu Friedens die Todeastrafe stand, wurde dieselbe jetst 

^BQruiil derZabluog de« Königsbaunesgebüsst'); während früher 

^■iter Uörder des Priesters sein Leben verwirkt halte, wurden 

' i) Cap. 27, 10 (a. 79d) S. 72 IM eine Parallele, die den Gedanken KarU 

auMpricbt: De toaleUctoribas, qai vilae p«ticuluiti spciiTuJuin ewa Saxonum 
iocarrere debeoi, placuit ooifllbu«, ut qiiali8cuBi|ue exipsls ad regiam poto- 
aiftteo) coorugiun fec^rit, ant io iltius »it puteslat« iilrutu iiiI«rtici«odu[0 
illia rffddatur, ant iia,i ciiiti conaensu eoniin habeat liiieniiam ipaum ntate- 
AteU>r«n GUDi uxor« et familia et ontniA taa ruri» patrlitm facere et infrA 
aaa. regoa ant io mareot abi aus fuerit rolunta« collocar«, et habeani ipsom 
litaal norlinio). 

Li) Kiah. ADD. s. J. 804. 
3) UrkiiQd« vom ib. S«pl«iuber 996, M. K. 28, 1 8. 367 f. 
4> Sftcbaetiüurf, äachsenfalirt, Sat^bsen, WilsieDssühaen, Sachseninlilile 
tid«swein«t»in n. a. UniKeitvbrt l)e|{f|;neEi betianntlii'li aticii rraiikiaohe 
Ortaoaoieii im SsicbaiBchen. 
^r^ 5> Aic. ep. 14 H. 166 aus dem Jahre 'i9i) mit Besng auf Sachten uud 
^VWeaen. Aebollcb Eigil Vit. i^turm. '/2S. .'176. Kbenso die Spklerea: transl. 
^Xlbor. 2 (ü. G. Scr. IV S. 149). Vit. Liacbirg. 1 (ib. 8. lÖfi). 
1^ 6) Ctp, 27 S. 71 f. 

^H 7) U «. 1: Ut de illie t^apitulia pro quibiu Franoi, ai regia baunuut 

^Braugreasl sont, solidoa aexaginta conponutit, simllicer Saxonee solveni, ai 

^kubi conl'a IpM^s bannoa feceriot. Ueo «iint capilnla: priiniiai ut eccle- 

'tae, viduae, orfani et minus poieotea iuBtam ei quietaai pacem babeaat 

«U. Vgl. dagege» Cup, 26, 3 S. f.8 




- aC8 — 



die Priester jetzt nar mehr durcb das doppelte Wehrgeld ge- 
schüttt'). Eine Eruiässigung der Strafen, welche beweist^ dass 
Karl den Sieg für errungeo betrachtete Sie zeigt sich aactin 
soiist^); Oberhaupt kann man in dem ganzen Krlass die Rück- 
kehr vou den Ausiiahmezuslaudea zur Herrschart dea Gesetzes 
erblicken. 

Die gleiche Tendenz herrscht in dem unter Karls RegicruDg 
vielleicht im Jahre H02 aufgezeichneten süclisischen Gesetz'). 

Noch tiefer wurden die Zustände dadurch berührt, dass Kart 
die kirchliche Organisation des Landes wieder aufnahm. 

Bremen zwar hlieb nach Willeliads Tode längere Zeit un- 
besetzt. Es mag zuerst an einer geeigneten Persönlichkeit 
gefehlt haben; dann brach der Aufstand aus und er wiithele ja 
besonders in den VTillchad zugewiesenen Gauen. Krst nach der 
Tülligen lleruhigung des I^andes im Juhre 8fJ4 oder 8U^ wurde 
dem Priester Willerich, einem der Schüler \SMIlehad9, die Bischofs- 
weihc ertheilt*). Unter seiner Leitung nahm die kirchliche 
Ordnung der bremischen Diüzese den gliicklichsten Furtgang *). 
Nach Minden scheint Bischuf Ercamhert zurückgekehrt zu sein; 
fUr Verden erhielt wohl Pattos Nachfolger in Amorbacb, Taako, 
die bischöfliche Ordination'). 



1) L. c. li S. 72; vgl. Cip, 26, 6 9. 68. 

2) BetliKlich des Hord«8 der KfloiKsboten c 7 S. 73; vgl. uAt Cap. 26, 
10 f. S. 69. 

3) M. 0. Lt'K. V S. 17 ff. PilT nn« koinmen in Betracht c. ?1: Mord' 
in der Kirche, Kirclusnraiib und wisBcnilicher Mwrcid werden mit 6em 
Tode be«trart; e.32: FahtVixtiget Meineid mil d«m V«irlnst dt>r lUnd; c. 'i3: 
Mord eines Kircbgfintters zieht diu Tudeeairafe naob «Ich; Mordversuch ist 
loll dem KönigsbxnD zo bllRttvii ; r, 34: Auf VerachwOrunK «tvtit die Todes* 
■träfe; c 28: Verhrecht'rn «egenllbpr, die irnii TodB veniftheilt einil, bort 
dai Asylrecbt der Kirche >ufi c. 62: Vernir'>^ont(raditioii<>i] gin die Kircbe 
fliod zulässig, nurli wenn Ert^a vurhRnden sind 

4) Eintigo (Jiiell« iM Adam vnn Rr>«iD»n |(>e»t. Hftm. «cd. pont. I, 1& 
8. 14). Ueber ilie Iwi ihm berraotiendo Verwimirg der Chrniiologie Wille- 
ricb« «. Dcliio, (it-üi^li. dr* Knh. Hsmh.-IJrflm, I, Anh. S. &3 f. Ohn« 
Zweifel ziiverlSssig ist diu Notiz des IIb. donal. Brom, eeet. . aaf welche er 
aioh beruft; nach ihr dauerte die AwlRzeU Willerif-hi vom M. Jahre Karl« 
bis sntn 35. Jshie Ludwigs, d. h. von 804 oder 80& bis 838. Das letitere 
Jahr als Todesjahr ancb Ann. Corbei. z. d. J. (Jaffift, Bibl. I S. 33). 

6) Ueber die Thitcigteit Willerichs Adam I. c. c. 30 8. 18. Krwahnt 
wird seine BauthSlrgkeit, di« MrbmnK der Klerna, das Wachsthttm des' 
BesHaes tbcils duruh ScfaenkiiugOD der Dltizesanen, theils durch eine grosse 
St]finng Karls von 100 Höfen. 

6) Als Nachfolger Patlus In Verden wird Tagko geDannt (U. 0. 






iDzwischen aber hatte Karl ein aeues siichsisches Uistlmni 

EU Munster ^cgrllnilRt- Unter ileo in Ntederdeulscliland Uiuti)ftiu 

ÜJtanera war seil Willeliaiia Tod Liudgcr ohne Zweirol der t>U' 

deoteodftte. Sein eigentliches Arbeitsgebiet war das nnrdCistliube 

Friesland; wir wissen Jedoch, dass orauch im weetüchen Sacliseo 

ihfttig war '). Um bc'siintmte Karl titr [<citiing des neuen Sprengcis, 

■lern die Friesengauc cinrerlciltE wurden, in welcUcn Liiidger 

l'isher gearbeitet hatte. Eine Zeitlang zögerte Liudger, »ich die 

BUcliorsweihe erlheileo zu lassen; wir wissen niclit, ob aus ahn- 

licbea Hedeukeo wie Gregor von Utrecht^); dann gab er dem 

Drängen seiner Freunde nach')- Wie Karl an Willehad die 

ii^lle Jufilina übertragen hatte, so wurde Liud^er mit dem frünki- 

scheu Kloster Lutusa beletml'). Er wirkte in aeinum Sprengel 

wie Willehad im Ureinisclien: er predigte^ gründete Kirchen und 

iiestellte Priester*). Ein Unterschied ist, dass Liuilger Wertli 

(loraur legte, klösterliche Niederlassungco zu begründen. Schon 

efae er die bischnniche Würde erhielt, hatte er in Werden an 

der Ruhr ein Kloster zu Ehren dos Heilande, der Maria und 

dea Fetrus gestiftet'). Es la^ nicht auf sächsischem, sondern 






or. XIII, 343), nach dem t'hroo. Veid. bei Uibnilx(Scr. r. B, 11, 213) war 
er xitgleicb Abi von Aoiorbavli. l^r mag idoiitiscb aciD inlt J0Dt:iu Tannclu 
oder DaDDchu, dessen Tod di» Ann. necrol. Fuld. i. J. 803 (M. U. Scr XIH, 
1~0) aouKrkeo. 

1) Liudg«r war im Miln 793 In Sachsen «.Laconiblet, IJ.B. I, 2 S. 3), 

«beDSo Kwiaehen dem 9- Ok(. 798 u. S. Okt. 799; s. Dfvkump a. a. 0. S. 283. 

V) Das nitnnit AlKrid Vit- t.iudg. r, io 3. 411 an. MeEiif; Bedenken 

erflodon «ich damor, das« tiuiiger keio M<ini:h war. sicti «Jen nekt-tiscbcii 

•AoaehnQungen gcgenUbn also freier hielt als (jrogor. 

3> Vir Lindg. 1, 20 f. 8. 411. Das Jabr dor BiBchofswoihe Ut niulit 
b«rHef«-rt. In Hner Urkuoda von) l.t. Januar 902 lieissi l.iui)g»r noch 
^bi (Laooiublet, Ü.B, I, 23 S. 13), wo(te|fen er in piner IVkiuuIe vom 
aa. April «» zum ersten Male Bischof ftenacmt wird (a. a. 0, 27 S, 15}- 
»eiisu frhlt ttlne Angabe über de» Orc der BiBcbofs weihe. Man niunnt 
tiln ao Aber der Sehliits aas dor Untfirordoung Mtjustcra unter dae 
£rx8ti(l Köln Ist natUrlicIi oloht beweis krKftl^. 

4) ViL Und 1. 21 S. 411. Uiükainp s, x. 0. 8.20 Aouierk. 7: Nach 
erdeoscher Tradiliuo waUnr I.ooz, nordwestlich von Lltttieh, noch Ixense 
K'Wisehon Aih und Touriisi, nondern Zele bei TeTiDODdo. 

&) Vi(. Litidif. I. 20 S. 411. Von Ullnaterschen Kirühen sind fDr diese 
Z*k ntcbwetslieh: die Marienkirche in Mlinaler (Vit. Liuili^'. IE, 8 S, 414). 
die Kirchen lO Billeibeck unJ Koesfeld (1. c. U. 7 S. 4141, Koliiiln (Krhaid, 
Bf». Wcstf. 340 8 97) und Hercfeld (Hlnitfeld, Vit. Ida« Wilman», K U. I, 
46» ff.). 

6) Uadger berdtsie diem Stifninj Jahre lang vor; dlo erste Schenkung, 



Htaek, Klreb*M«acfclcbto nnUcblui'!*. [I 



24 



- 370 - 

auf fränkischem Hnden, in der Diüccse Köln dicht an der sächsi- 
schen Grenze; doch erslreckte sich sein EinHuss weithin Das 
zeigen die mancherlei Schenkungen, die ihm ans Sachsen und 
FrißBland zufielen'). In Münster grilndele Liudger ein aosehn- 
liehe» Kloster ftir Kannniker'). E^ war zugteicti eine Bildungs- 
anstalt fiir den Klerus der Diözese. Die Lehrgalie Uudgers 
war ja bereits in Utrecht erkannt worden; auch als Bischof be- 
gann er regelmässig den Tag oiit der Unterweisung seiner 
Schüler*). Eine dritte Stiftung, zu welcher er die Anregung 
gegeben haben wird, ist das Nonnenkloster Nottuln. An der 
Spitze stand seine Schwester Ueriburg'). 

Liudger starb am 2fi, Mü.rz H()9 in Billerbeck. Kr wurde 
zuerst in der Marienkirche zu Münster beigesetzt; spilter brachte 
man seinen Leichnam nach dem Kloster Werden. Da er Be- 
erdigungen in der Kirche mi6billif,'to, so hrpruben ihn die 
Mdnche in der Vnrhalto der von ihm gebauten Basilika*) Seioe 
Stelle als Bischof erhielt sein NelTe Oerfrid'); die Leitung des 
Klosters Werden ging an seinen Bruder Hil'ügrint über''). Was 
an Eiiizelzllgen tiber ihn berichtet wird, zeigt den nilnhter- 
nen, einrachcn Mann, dem Prunken und Scheinen wider die 
Natur ging. Altfrid hebt als cliarakteristisch herror, dass er 
nach des Apostels Mahnung bestrebt gewesen sei, in allen 



dia ibu für dieselbe tu Theit wurde, tat vom ^3. USrz 793 (lAeomblet, 
U.B. 1. 2 S. 2). Em aui 18. Januar uud H. Februar 79S kaiu dnicb 
Schenkung und Taascli der Ort, &n dem das Kloairr crbsat ward?, in 
Liudger« Besitx (3. a. Ü. It f. 8. 7 (.). Sofort >cli4«iul der Kireheuliati in- 
gonneQ worden zu sein; im Mai HUl war man Doch an dor Arboir. So 
verstebe ich die AngitbeD der beldeu Urkuudvti vom 1. iiod ä. Mai SOI 
(a. a. 0. 19 and 21 S. 12 f. ; etwas abwoicbCDd Uiekamp a. a. 0. S. X). Die 
Bpäteren Bio^rapheo Liudgers wissen BinielheiteD, der«a li laubwUrdigknt 
mehr als fraglich ist. 

1) Lacombiet bat 19 fjohenliaDgaurkuDdeii an Liudger. 

3} Vit. Uudg. I, 20 a. 411: BoDCStuin monaaloriuui. 

3) L. 0. U. 6 S. 413. 

4) Erhard, Regest. Weatfal. 34U S. 97 f. 

5) Vil. I.iurlg. U, 7 f. 3. 414. Aus 11, 8 »gl. mit HI. 8 8. 4t6 ergibt 
aicb, dasa die Vorballe im Osten, dt« Kirche also nicht oriontirt var. 

6) L. c. II, 7 S. 41-1: GerfriduH presbyter ofpua an sucneasor eiua.